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Full text of "Geschichte der christlichen Philosophie"

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S tt M 1 1 



elfte« 93u^« @(^Iuß. 

SSterte« Sta)>ite(. 2Die 9riflotelifi(e ^(UoropM. tcr 
^xah^x im Orient ®. 3—90. 

1. aUiaxali. (ßiipiaxahini'). 3. Xiai mgii^e 
UT\b ba^ 9lot$tt)en))tge. 5. !Dad ^{ot^menbide/ ©ott, tt)trb nur 
&ur(( ?(bfiractton erfannt. 6. @manationd(e(re mit ^efc^rSn« 
fungen. 7* Der erße mirfenbe ISerflanb. 9» ©ptrituanfUrc^e 
C^flärung ter ^orpertpelt au^ ter SScrmirrung ber ®eban!en. 10. 
$)tmmel unb ^be. 11* Dad ^immltfc^e in ber oernünftioen 
©eele* 12» ©tufen ber ^rfenntntf. 14. £)er eru^orbene SSer« 
flanb. 16. Seben nai^ bem $obe. 17. 

2. 3bn ©ina (Slöicenna). ©ein Mcn. 18. ©eine 
©Triften in »ejug auf feine ?JJitof0pJfe. 20. SBer^ärtnif ju 
ei*garflbi. 21. ^»igfeit ber EÄnterie nnb ber 2ÖeU. ema^ 
nation. 22. @ptt. 23. SSerJältnif ber 9Jirofo»>Jie gur Offen* 
borung. 25. 2Da^ gntmaterietle in ber Seit. 26. @ott aU 
ba^ flberöonfemmenej ber tjotige fBerffanb aU ba« fßcUhm* 
mene. 28. »rrflttnb nnb ©eele. 29. a3ett>ei« bof eö ©eelcn 
in ber «elt gebe. 30. »iafürli^e Bewegung nnb SBewugtfein 
ber tjierifien ©eele. 34. Die fünf i^räfte fitr ba^ finntic&e 
©e»uf tfein. 35. ©ie «räfte für bie »iafürlitje Bewegung. 37. 



VI 

3n ber Vernünftigen @eete ifl tte (en^egenbe ^taft bet dt^ 
fenntnif unter0eort)net. 38. gret^eit ber betnünfttgen (Srfennt« 
nif vom einnltt^en unb fD^atetteden* 39. 2)a^ fiberünnltt^e 
(Srfennen be^ ^er^ftanbe^* 42. Serflanb, Serfte^enbe^ unb $er« 
flanbene^ ftnb etn^. 44* dieaUtät bed SCHgemeinen. 46. @tn« 
gegoffene unb etn^orl^ene (Srfenntniß* 48* 2)a^ Ubematürlt($e 
im 2:raume unb in ber ^rop^ette. 49. Unfterblictfeit bec 
6ee(e. 50. 3ufammen$ang btefet $e(ren mit ber dmamticxi^* 
le^te. 52. ^ebingungen ber Strffamfett be^ t^Stigen Ser« 
Raubet. 53. ^ocferer ^tL^ammtnianq be^ @r!ennen^ mit biefen 
ißebingungen. 55. Spaltung ber ffti^tnnqm in biefer Se(re. 57. 

3. (gl*®a3ali (2ll0ajeO.58. ©eingeben. 59. Ober 
einige feiner @($riften. 64. ©e^eimte^re. $ra!tif($e ^enben^ 
feiner @($riften. 65. Sntwirftung feiner Sejre aud ber SIriflo* 
tetif($en ^(itofop^ie. 66. Ungenügenbe^ gegen bie Sriflotelt« 
f((e $(itofo))(ie. 67. Dad ungemeine unb t>aß 8efonbere. 68. 
^raftifc^e ffH^inn^. 70. 3»eifer. 72. ©treit ber 9Ji(ofoptie 
mit ber ^Religion. 73. Unmittelbare^ Riffen. ^Uix^innQ bon 
Gott. 75. Qefonbere Üuaiitäten/ tt)et((e nur bur«^ Srfa^rung 
erlannt tt)erben. 76. ^ö^ere ^rfa^rung ber fiberf!nn(i($en ^elt. 
77. ©tufen in ber ©ntwirflung ber Srfenntnig. 78. Hinflug 
ber praftifd^en fRi^tixnQ auf bie Se^re bon ber pokern dxM* 
tung. 79. 3fieligiöfe ^raxi«. 81. Wl^^it 82. ©rabe ber 
9nf(|auung. 83. (Siegen bie Se^re bon ber ^uf^eBung ber ^er^ 
fönli($!ett im ©trauen. 84. Siffenft^afttii^e unb retigiöfe 
^etpeggrünbe, tt?el($e feiner Tl^fiit ^um ©runbe liegen. 86. 

günf ted Stapit^t SDie «riftotelif^c ?Jitofo|)Jie ber 
«Iraier in ©panien. 0* 90—173. 

3$r 3ufammen(ang mit Sl'Sajall. 90. 

1. 3bn S3abf4e( (Sbempace). 92. ^rei @tnfen 
be^ SifTen^. 93. !Det mögliche Serßanb aU ^(udbilbung ber 
Q^inbilbung^fraft. 94. 

2. 3(oicebron. 94. gorm unb SRaterie in atfen ®e« 
f((5pfen berbunben. 95. fteine reine ^ntelligenjen. 96. X)ad 
aud iWaterie unb gorm 3ufammengefeftte ift niejt f örperlicj. 97. 
3n ber ^atzxk bilbet ©Ott ^uerfi ben möglichen Serftanb. 99. 
SSUbung ber attgemetnen unb befonbem Jtör))erli((!eit. 100. 
|)erabfleigen bom ^0gemeinen jum S8efonbern in ber ^itbung 



VII 

ber ^e(i. lOK Sli^t bn Serflanb/ fonbern ter ^tUe &oiM 
btibct bte 3Bett. 102« 

3. Sin £ofe{(. 6eine ©teQune aut pofttit^en 9{e(t0{om 
104. «amaitoed 9ufile<0en in bet (l^fenntntt. 105. Kbaie^ung 
vom @innli(^en* 108» tCnfi^aunnd ^^^^i* HO. Snft^auung 
br0 Settfpfiem«. 111. 9{öt(wenb<0!cÜ be^ ® egenfa^ e0 atoirctf n 
überftiitilic^er unb ftnnlii^er fßtlU 112. 2)ua(i^mu0. Steine 
Reiftet. 113. Unterf^ieb v^i^^tn ber "^nf^anuno^etre be« 
©a^aß nnb bed 3bn Gefeit 114. 

4. 3bnSlof(]^b (SverroeO- 115. @e{ne etetfuna 
aur 9{eT<Bion. 117. SBefi^^rdnf t^eit unfeter C^fenntnif« KM 
crfennt bad, wad ober i(m ifl, nur bun^ Knalogie. 120. tln« 
befcftr&nft^eit ber ffiiffenf^aft übee(au))t Sae« ijl in i(r ge« 
grünbet. 122. 8ormunb9^aterte. 123. ®oH. 124. Stafette. 
Sl^re (Beflatinnd bur(^ bie flatwc ift nii^t mit ber (Seflothmg 
burct jtunfl )u )»ergtei((en. 126. X)ur(]^ fie werben nur bie in 
ber WlaUxit liegenbenSormen (erau^dejo^en. 127. fided in ber 
mu 19 aufammenoefe^t. 129. ^er {^immel. 130. Die (5' 
(ere unb bie niebere Slaterie. 13r. 0eibe «»erhalten fi^ ivt 
eiminber tt)ie grü(ered nnb e^&im^. 133. @eele unb 8er« 
flanb be0 ^immeld. 134. CErfenntnif be^ i^efonbern nur in 
feinen Krfai^^en. 135. SnbiDibuotiftrung ber (o^ern Sormen 
im ntenf((It4ien Serfianbe. 137. dufammenfe^ung bc0 SRen* 
f((en. 138. 9{ot(n)enbig!eit ben SSerf^anb i9om ©inn a« un« 
terf(|)eiben. 139. Der Serftanb ifl i^^ne Seiben unb o^ne S^a- 
terie. 140. 3eitti((e« nnb S^atetiede^ im (^!ennen. 141. m* 
gemeinem unb 9efonbere€. 142. Da^ Kdgemeine iftbte ($^ere 
Uxfa^t, fofern fie in ber befenbern S^aterie toixtt 144. Qin» 
fliegen be^ t^fttigen Serflanbed aU ein natürlicher ^rocef. 145. 
Die Siffenf(]^aflen bei ben ä^enfi^en ftnb etYoai (SwxQtß. 146. 
Der allgemeine i^ätige Serflanb im S^onbe. 147. Der UU 
benbe Serflonb ift ein cilKgemeiner Serfianb für aUe ^enftben. 
148. dt finbei immer feine gotm auf ber ^be, n)enn ouc^ 
an ))erf((iebenen £>rten. 150. 2:rennbar!eit bed ^erflanbed i^on 
ber !Watetie. 15t. UnBerMii!j!eit ber vernünftigen @eete, a^er 
nut im KQgemeinen. 153. Die (eibenbe @eele ifl vergänattc^. 

155. @(|n)an(ungen über bie Unfterbtic^feit ber Snbiiotbuen. 

156. (^(arafter ber ganjen £e$re. 158. 
Öberp^t über bie ^«ofc^^ie ber fixaUx. 160. 



VIII 

Q^rßed Kapitel. «Kert ber ®¥oße. e. 181-256. 

Sfcbteituttg ter 9ri9oteUr($en unb %taW^m ^iiWcp^it. 
Sfexatibet bon ^ale<* 181» 3Bt(^e(m bon ^ubergne. Vincent 
• oon Seaubaid. 182. SUberi ber ®rofe. 183. @eine Seifiun« 
den für bie SBiffenfi^aften übertäubt 184. ©eine eteOutt^ 
l\xt frühem ^^ilofop^te. 186. (SrHStungen unb 3ufa^e ^um 
Sriftoteleö. 187. ^^arafter fetner b^tofop^ifc^en gorfc^ung. 190. 
. (St^if($e diiäftmQ feiner 2;(eotOdie. 192. ^(eotogif^e Qnrfennt« 
niß bon ber (Srfatrung bed ©laubend audge^enb. 193. ^or» 
aug ber Sl^eologie bor ber natörlicben 3)(i(ofop^ie. 194. 9{a« 
tärlic^e^ Sertangen @otl au erfennen. i^eweife ffit bad @etn 
@otte^. 195. ©Ott iü unbegreiflif^, aber nit^t unerfennbar. 196. 
3n)if($en bem Unenbli(|en unb bem (^bli($en giebi e^ feine 
tmi^tit. 197. ©((öbfungdU^re. 198. ©Ott ifi ber attge« 
meine t^ätige Serfianb. 199. !S)ie SSelt tt>irb nic^t au^ ber 
mterie gebitbet. 201. 2)ie (Stoigfeit berSBett bertoorfen. 202. 
2)ie ©((öpfung, ein S(ct ber grei^eit, fann ni(^t begriffen tt>er« 
ben. 204. S)ie bier coaequaeva. 205. Kbfteigenbe ©robe ber 
koelttic^en iDinge, n^eil bie SBtrfmig unboniommner aU bie 
Urfac^e. 206. ©Ott (at biete !S)inge geff^affen, n>eU ein ®e« 
f($öbf feine ^ai^t unb ©öte ni((t s>o(tfommen offenbaren fonnte. 
207. (Sinbeit ber SBett* 208. Unmittetbare ©egentoart ©otte^ 
in alten Sirlungen ber SBett. 209. Serßanb ifl in aOen Dingen. 
210. gorm unb WlaittU. 211. iD^aterie if! in alten ©efc^Spfen. 
212. a^aterie aU beginn ber gorm* 213. S)ie in ber Wla^ 
lerie berborgenen gormen. Sbeati^c^e Sic^tmtg. 214. ©ott 
fann ni^t^ gegen bie ^aUn toirfen. 215. 3ebe^ ©efc^opf muß 
bom niebrigften ©rabe feinet @eind itH^ aufßeigenb {t(^ ent« 
toitfettt. 216. gorm at^ (Somptement ber aPt&glic^feii. iSetoe* 
0ung. 217. ttniberfatien bor ben 2)ingen, in ben ^Dingen unb 
na^ ben !Dingen. 219. SXaterie aU ©runb ber Snbibibua^ 
tion. 220. 9{ei(l^ ber Statur unb fKü^ ber ©nabe. 223. Sücfen« 
tofe Verfettung ber ©rabe in ber Sett. 224. grei^it. 225. 
£)ie bemönftige 6eete fommt bon ©Ott/ bon außen in ben 
^5rber. 227. aSer^ättniß bed föiaen^ unb be^ Serftanbe« int 
grei^eit. 229. (Sinpeit ber 6eetenfröfte. 230. Sorticbe ffir 



IX 

bte i(eotfUfc$e &fUt. 231. SHsUc^rt mb tmi^tt Sofhmb. 
233. ®escQ ben ftbrnor^ fibn bfe (Sin^Ht be< ttatleen Ser* 
fianbf«.233. Unbff^tftnR^ea bed Serflonbed. 235. CEtecfetitit 
ade« in f!(9 otnb M <n aamt 236. thnnMxli^H (Erfennen. 
23& Z)et bert^nlft^ciibe Setflaiib. 241. 9ß{t ccicimen auO^ 
tm fibemaffixli^m C^lnmen Ooft imt on^ feinen Sitfnngen. 
242. Unteiff^eitung bed ftbetnaOTlii^ett (Erfennend bon bet 
flnfc^aninid ®otied. 243. Cie fttiU^en nnb bie t^eolodifcten 
Stt^beik 3m ffitUit ber ®nabe betfi^^n^inben bie ttntetf^iebe 
ber ®tttbe, tbenn au<l^ ni^t ber @efi^&fte. 245* 3» ®ott aU 
ber atrfac^e aOer ^in^e erfennen n)ir aQe^. 247* ^i nur 
hmbolifc^e nnb m^flifc^e CEx!enntni9 ®oite«. nnfterblii^feit 
ber 6ee(e. 24a Qbergi^i. 249. 

iwtiiti Stapitel. X^omad bon 9qnino* 6« 257—354. 

eein Seben. 257. €ieine Serie. 258. 9htr in ber bolI<i 
fonraienen ^fenntnif (Sottet fann bte bemünfH^e Cfeele i^e 
Sefriebidun^ ffnben. 261« liefern t^eoretifc^en 3tt)eff bient 
oHe^ in unfemt ^eben. 262. Unterorbnung be^ fkoftif^en. 
IDie 2$eo(0die aU fpecuiatibe Siffenfi^^aft. 263. Offenborund 
0oite^ burct ba<5 miütii^t ^iü^t, burd^ ben ®(anben nnb burd^ 
Unfctattun^. 264. 9{ot$tt^biGfeit M ©lanben^. 265. Set' 
nnnftm&^gfeit bedfelben. 266. Xik b(iiofop$if($e (Srfenntniß 
ald ®tunb(ade bed (glaubend. 268. 3)ie Vernunft ifl in eott« 
lii^tn ^in^m manget^aft. 269. Sbtveit^un^ bon ber !e$te 
Sudufiin*^ unb %nUltxC^ bom (Diouben. 270. Setveife für ba« 
©ein ®oitee. 271. ^m (Ewigen ifl @ein unb (Seinfönnen nic^i 
berf4>ieben. 272. @otted inbibibueüe^, einfac^ed, unbegreifli« 
c^ed SGBefen. 273. ^(naloge (Erfenntnif ®otte«. (Energie ®ot« 
te^. 274. Setffanb unb BiUt (Sottet. Srinitat. 275. Ser« 
ben (9otted in 9e}ie(ung auf bie (^efcbopfe. 276. @((9))fung. 
Einfang ber ffieti ein (Bfauben^aiHfel. 277. BufaOige ^n^lU 
niffe in (Sott S)er Ser^anb ©otted umfaf t me^r aU fein 
f4»5pferif(]^er Sitte. 280. S3a$( ber be^ Seit unter berf4>ie« 
benen mdgiii^^en äBetten. 281. Sebed @ef(^5pf ifl geringer al^ 
ber e^apfer. 282. Sottfonimen^eit ber Seit im d^anaen. 283. 
^a« 9dfe. ®otte^ 3bee i^Hii ^^ in berf4>tebene 3been. 285. 
@i>tt benft fein SB^efeU/ inn)iefertt e<5 in berft^iebenen ®raben 
mittbeiibar ifl. 286. (ErffiOung ber Seit in allen (Braben be« 



XII 

unfcret ^fenninif an$ ber Semomni^di attt ft(ar$eii. 409» 
2)ie @eele if! nif^t bie einzige Urfac^e i^red (StfenneniS. 410. 
6ie.(fb(nrf efned ©egenflanbe^ )ttm (Scfennen. 411, @ubject 
iwbDbjlect ^u {eber 3(rt bed Q^lennen^ not^wenbig. 412. Set« 
f(|teb€n(eit ~te0 natütlic^en unb be^ übernatürlit^en (Srfennend 
in biefem fünfte. S)er SSetflanb a(^ unbefcl^riebene Xafel« 413. 
eelBßänbide 2;)^ät{dfeit bed Setfianbed. 414» (£uibi(bmigd« 
fraft unb Serflanb aU 9ltebere4 unb ^ö^ered in bct (Stn^eit 
bev ©tele not^menbtg becbunben* 415» Sert^eibiQttng ber na« 
i&tli^m (SrfenninifL 417. ©elbflänbide S^otidfett be« Set« 
ftanbe« im (£t!ennen ber Segttffe» 420. Unfer (Stfennen ^angt 
^cm etflen C^fennenben ab. 422» 2)ie einmal ettt)Otbenen 
(StfenntnifTe bleiben im Setffanbe. 423» Setn)onen$eit bet 
ftnnitf^en ^femitnif. 424» ^entliiS^e ^tfenntnif but(^ (Sin« 
ii^ihtng aud bem SBegriffe bed C^eienben» 425. Suffteigenbe 
unb abftetgenbe ^et^obe be^ (Stfennend. 426» !Die 9Ba(t|eit 
be^ ungemeinen. 427» 2)0^ allgemeine kpitb ^nm Sldgemeinen 
ttft bnt(^ feine SBesie^ung auf bad Sefonbete. 429. SBit et« 
fennen bie 2)inge in ben 3been @otte0» 431» 2)ie fOlatm^ 
unb bie einzelnen !Dinge ^aben i^ten ®tunb in ®ott» 432. 
®tunb bet Snbibibnation» 433» a^otrrie un^ S^tm in ben 
tDettIi((en Dingen» 434. £)a^ Sefonbere etfennen mit nut in 
(Boit 437» ,2)et tbätige Setflanb in un^ unb ber eingegoffene 
Setflanb» 438» ^wc im übetnatütlii^en ^tlftz fönnen mir ba^ 
9{atüt(i(^e etgtünben. 439. S^rrang bed ^taüifcben bor bem 
2:^eotetif(^en. 440. Dae ®ute Uftt^ nic^t im @ein, fonbetn 
in bet Set^ottnif m&f igftit gum Bmed» 441» gtei^eii jum ®u« 
len unb Sofen in Se^iebung auf bie Sot^etbeßimmung @otte^» 
442. Set^ältnif bf« bittend itaax Setflanbe» 443» ©tünbe 
füt ben 4)nbifetenti^mn«» 446» ttnietfc^ieb ^toiidftn ben etfien 
unb ben imitm Otbanfen. 447* S)er SBiae fü^tt gut dnU 
i»UtfmQ ber Detworrenen ®ebaa(en» 449» Der ffltde at^ @tunb 
bet Sufi obet bed SeifaO^» 450» eiiliic^ ®tei($gättige«» Dad 
®ute unb Sofe be#4t nitt im innetn (Gefallen» 452» Die fttt« 
ii((e unb. tie i(eologif(|e Sugenb. 453. Unab^^gigfeit bet 
ilbeniaifititilen ®abcti bon bet (£tbfünbe. 454. Hbfolute ^tä« 
beflinatiott» 456» Die ttn^etblic^leü be« Sl^enf^en (ä$t fttb 
nicbt auf natürlichem SBege betoeifen» 458» ^w lej^ten Dinge. 
459» äbetblicf» 461» 



xm 

Sietfed StapiUU X(»e<($ttn0fQ »on ber fpflemati« 
f((en 9tt^({(tttnd ber 2:(ecIO0ie. e. 472—515. 

1* S^ogetSacom 473. C^pfe^tmtg bet ^l^ra^ftuibe, 
ber Vlai^matit unb ber 9(|^flf. 475. ^en ben Sorurt|ei(m 
feiner Seit ift er ni^t frei. 476* @eiiie fCb^angigfeit ))pn ber 
Stttorttot. 479. IDie IC^eoIogie at« 3»>e(f ber y^ilofopW^ 480« 
9l|^fKf<^ 2:enben^ 2)er ä^^enf^ (ot nur leibenben SSer^anb« 
481* ^ttnai^läÜ^m^ be^ 3ufammen^0d berSifienfiS^aften. 
482. S)a4 Sefottbere unb 2){a(erie0e in unfern (hfenntniffen 
ivirb bon i^m i^^irx^müU berficffii^tidt. 483« KXe 9?oterie 
formt ÜO^ felbfl and in i(r liegenbcn Steinten. 6ie ifl Siet^eii. 
484. Son @oit def^affen. 485* 

2. SHaimunbnd SnUnd. 486. 9P?if4uns feiner 2e(ren. 
488. 9{fi(h9irfun0 gegen bic E^eotogie. Stonnigfaltigfeit ber 
^enntniffe. 489. «eine neue SSet^obe, bie grofe Stunjl. 491. 

3. Sonabcntnra. 493. eeine S^äfigung. 495. 3n 
feinem ^^fitUrnui bon ben iBictorinem ah^än^iq bemai^^täf' 
ftgt er bo^ bie pfj^ftotogiff^en Unterft^eibungen. 496* SKeta« 
)>^fif<|e mib pantieiftifc^e ^^eignng bedfetben. 497* 

4* Wltifttx e!(o«t* 49a 2)eutf(^e ^rebiger im 13. 
3a^; 499* @oH fott gan) unfer »erben* 502. (Sott ifiba« 
^Ogemeinjle unb (Einfaclffe* 503* ttnterfi^ieb amifc^en ®ott 
unb ©ott^eit. 504. ^i^ti^Uit unb etotge SBa^r^eit ber Seit 
in (Sott. 506. %nMt bon ben toeltUt^en 2)ingen. $on i^rer 
grei^eit ^&ngt i^re Slücffe^r }u @ott ab. 507. S){e ))ernünft{ge 
eeete trägt @ott in f[(^. 508. Sernat^iafftgung ber mm 
)ur (Srreicbnng nnfered Bietet. 509. Sir fotten ®ott (eiben. 
Sereinfac^nng ber @ee(e. 511. SRetap^i^ftft^e 9{{((tung. Der 
leibenbe unb ber i^äü^t Serflanb. 513* (Sf^arf d ^teOung ^ui^ 
@((nte unb gum SoUe. 514* 

gunfted fiapitel* Überfi^t unb @i(tnf betrat^tttn« 
gen. @. 515 — 544. 

S>reiie^nte« Su^. 
93erfall ber t^eologif^en @9fleme. 

(Srfied Kapitel* SBilHIm Z)uranb bon @t. ^our^ain. 
@. 547—574. 

eid$eriger (Bang ber f)6ilofo)^(ie unb toie er nod^ toeifer 



XIV 

fottgefü^i werben fomite. 547* ftominaiimui. 549. Seben 
itnb ed^riften M Stl^elm S)ttranb s)on ®t. ^our^afn« 550* 
'@euie@teaung ^rkDettlid^en unb )ur geifllicj^en Sluiorität 551. 
SDie ©d^wterißleit be^ ©tauben^ trägt ^vl feiner SerbienfKicti« 
!eü UL 552. Trennung, ber ^^Uofop^ie unb ber 2:$eoIO0ie. 
553* ^^eolcgie ifi n{(^t SQ3tffenf(^aft im eigentUclen @inne. 
554. ^raftifctie ^ebeutung ber S^eologie. 555. SBir $aben 
. feine abfiracte Q^rfenntnif ^ou ®ott, mil aUe ^(fhactton auf 
anf(^attl{($er Q^rfenntnif beruht« 556. (£r!enntni$ ©otted ouf 
natürli^em SSege, aber nur <n feinen äuSern Ser^ältniffen. 
557« 9lur eine 3bee ®otted^ aber biete ibeole Ser^ältniffe. 559. 
Tia^ SCCfgemeine nic^t in ben S).ingen. 561. 2)ie Se^re t)om 
t(ätigen nnb bom (eibenben Serflanbe. 562. S)er Serßanb 
erfennt nur Serlnüpfungen {fnnlii^er SorPeUungen. 563. . SBa^r» 
(eit U^^it ni^i in ber äbereinflimmung bed SSerflanbed ntit 
ber ®a(6e. 564. $rop0rtion be^ ISrIennenben gum (lh:!annten. 
567. ^ai Sügememe beruht auf ber ^nti^Uit, mtt^t toix 
unter ben fingen flnben. 568. Gebern IDinge lommt nur ein 
Attribut ^u; burcb bad 3(t(gemeine wirb ed nur imbeftinnnt ge« 
ba4t. 569. S)ie f))ecif{f(tie (Srienntniß ifl gegen bte anfctiau« 
It(be nur berworren. 570. %otQttmQm für bad t^er^äOni? ber 
natürlichen Siffenffl^aft ^ut Z^^üU^U. 571. 3Käfigung unb 
ffiiberf))rü(^e hierin. 572« 

3n>eited ^at){iet SS$i($e{m bon Occam. @. 574 — 604. 

Seben unb <B$riften Occam*^. 575. 2Cj^it Ximten, ^ptati^ 
unb @(!^r{ft aU Seifigen. 576. 3ebed S)ing aufer ber (Seele 
ifi ein ^efonbered. iSein SDing außer ©Ott !ann itt.))erf(!^ie« 
benen iDingen. fein. 579. 2)ie reale SBiffenf^aft iMur )>om 
SBefonbern. 582. S)er ©ebanle fann feiner @a(^e auf er ber 
@eete gteicbefi. 584. S)ie ©ebanjfen ftnb natürü^^e Belegen ber 
Singe. 585. S)ie a0gememen 8egriffe nur t)erwonene Sor« 
fieUungen ber einseinen S)inge. 587. ^rfiätung ber inti'oU 
buetien unb ber aögemeinen begriffe - aud ben ftnnlt^en (Sin^ 
brüffen. 589. (Srflärung ber €lä^e, welche S((igemeined aud« 
fagen. 590. öier bad ®e{n ber atigemeinen SSegriffe in unfe« 
ter ®eete. 591. 3ebe 9G3iffenf(^aft weif nur @a(e. 592. m^t 
!Dinge, fonbern nur 3ei(^en ber X)inge werben erfannt. 593. 
^tttfle^ung. ber Urt^etfe burd^ anf((au(i((e (Srfenntnif. 595. 



k 



XV 

3nnete (Srfa^ntnd ifl ter @runb atfet ^rfennttilfTe* 597. Sein 
t^attger Setftanb. iDie ühtxnat&tli^t (ithnntnif beruht auf 
%vitot\iäU 598. 2)er eingegoffene ©tau^e ifi eine Gt^dpfung 
in m$* @mi^t Ux Kutorität unb bed 6pira(|gebranft< in 
fetnec £e$re. 599. 2){e St^cologie ifi feine einige ffiiffenfi^aft. 
600. 3n natärlic^er Seife lonnen n>ir ton ®ott nit^ii n^iffen. 
mt feine ©ebote finb wiaförlicfi. 601* Senoegene %oiQWxn* 
gen au0 ber offenbarten X^eologie. 602. Speisung ber 3eit 
sunt auf etflen. 603. 

X>xiHi^ StapittL do^nnetf 8titiban. e« 604— 626. 

^erfc^aft be^ 92ominaIi^mu^ in ber Semegung ber 3eit. 
604. 9)?ilberungen be^ 9{om<natidmnd* Slbfonbernng ber ^^u 
lofop^ie bon ber ZitoU^it. 3o$ann Quriban. 605. ]tnbe> 
greifli^e^ für bie fW^^^P^U, wefc^ed ber (o^n gocultät tor« 
behalten »erben mnf. 606« 6!epHf($e Haltung in ber ^iilo* 
fop^ie. 608. 0ieigemng im 9$ertrauen auf Siuiorifat. 609. 
Stominali^mud. 611* S)ie ^nioxMttn ber alten ^(itofop^te 
werben t)on ^uriban in gröferer Suöbe^nung gebraucht. 612. 
2)ie atii^tung auf bie (Siiit )>emte(rt feine 3weifeT. 613. grei« 
^tit bed 9Siaen0. 615. SCbanberungen im Snbifferentiömu^. 
618* !Die grei^eit ber (^nbotbnung. 623. Unterorbnung bc^ 
ptaftif*en Sebcn« unter ben tjeoretifcjen 3»ecf. 624. 

^ierted Kapitel. ^Jtpfiifex, befonber^ 3o(ann ©er^* 
fon. @. 626-658* 

3^eutfcbe Tl^\iiUx, befonber^ bie beutfcje 2;5eolo0ie. 627. 
@erfon*ö Seben unb ©cjriften. 630. SSerbinbung bed 9'lomi^ 
nalt^mud mit bem !D?pfiict^mud. 633. @trett gegen bie ))er« 
»icfelten Sejren ber SReatiflen. 636. ©ie einfache grömmigfeit 
gegen bie tjeologift^e ©eiejrfamfeit. 638. Semüjn SReotiömu« 
unb ^ominalt^mud ober i]i)?etapbpftf unb Sogt! mit einanber 
^u oerföjnen. 639. Äeine 3Serf(biebenJeit ber 3been in @ott. 
642. Unterf4»iebe 2tt>tf(!^en bem ©ein unb bem ^enfen. 643. 
©elbfl in @ott ifi bad objlectioe @ein )>om ©ein ber ^inge 
))erf4»teben. 644. ^trtueded ©ein ber Singe in ©Ott. 645. 
9)?pfltcidmud. 647. ©ein eüeftifi^ed Serfa^ren in bemfelben. 
648. Autorität unb eigene (Jrfajrung. 649. 3n ber mpfii* 
fctien ^rfa^rung ifi ber ©enuß bie $auptfa(^e unb ftnbet nur 
eine unmittelbare SBa^rne^mung üatt. 650. !27?äftgung im 



■:-i 



XVI 

Wl^ftidmui. (E^ ifl feine t)61Itge Sereini^ng mit ©cti mog' 
Ii0. 652« (Shi^eit ber @ee(e, aber boc^ ^Ibfonberung ber ib» 
(etn t»on ben niebem Gräften. 654. Einfältige grommiglett 
gegen bie @))i^{inbigfeiten bet 8((ule erhoben. 655. S)a^ be^ 
f((au!i(3fte Seben ifl bem )>roftif((en )>orsu2ie(n. Seber ^at au« 
ttäctifl för ft(f^ i\i forgen. 656. £)ad fromme Seben aI0 ein 
befonberer ©eruf. 657. 

Sünfte^^apite(. ERaimunb t)on@abunbe. 6.658—678. 

aiatmunb'd geben , feine @(Jriften unb ifr (I^arof ter. 659. 
@elb{ler!enntnif bed SD^enfd^en at^ (Srunbloge ader Siffenfc^aft. 
661. S)a^ 8u4 ber 9laiuv imb bie 8{be(. 662« X>it Siffen- 
fc^aft geH bem ©(auben 9^au<. 663. (gflelticidmud« 664. 
9tealidmu0. $ier S^tufen in bei 9{otur. 665. S)er ^itte oB 
bad |)5<^f!e in ber ä^ernunft. 3nbifferenti^mu0. 666. @ott 
aU eci^opfer ber Jlatnx. 667. @ein eein in M. eittiU 
(bei ^efen be^ !17?enf(ben. 668. Qt^i\ä^e 8ii(!^tung ber Se^re. 
669. @rf}e 9flt(^t bed ^enf^en, ®e(otfam unb Siebe gegen 
&oU. ^n^fikUmni. 670. ©unbenfall. 672. ^lofung. ^mUe 
W^^f ©enugt^uung. 674. dritte $fli($t, bie c^^i^^e ^flic^t. 
675. 9{aimunb'^ ©egenfa^ gegen ben Si?omtnali^mu^. 678. 
©ein ^er^ättniß ^u SDund ©cotud unb gu Ziomai S)on 
5(quino. 677. 

0e(tßeö Äoi)iteL ©* ruß. @. 678-723. 



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@ef(*. t. ?M(. Vlil. 






•V 



1^. 



§ßitvM Stapittl 

£)ie ^rifbieltfi^e ^W^IH^ ^ ^^^^^ <m Orient 



1. fiUdaxaiU 
^on SMtinbt an M )tt ei^garabt (Alpbarabius), 
^a6en tüix, tote fcfion em5{int>tt^ttrbe/ feine Jhtnbe wn 
ter Sbißotelifc^en $^iIofo)>^ie Ui ben Arabern, n)el((e 
ftd^ fifter bie Slngafte «>on 9}amen, XMn unb 3a$re«)a^ 
len fitnau« erfhecfte« dFrfi mit bem Ufttem fc^eint bie 
etgent^iimlti^e Sntwidlung ber |)^i(ofo))^ie Ibegonnen gu 
i^aben, welcfie an bie fiberlieferungen ber ®xit6ii\^tn 
Seiten ft$ anfd^Ioß« 

Stttt 9{aör, gewo^nlid^ S(i>Sara(i genannt, fü^rtbie« 
fen SBeinamen Don feiner 93aterftab garab in Siurfiftan, 
too er gegen iai Snbe bed 9« 3ai^rp* unferer 3eitre(^' 
nung geboren tpurbe ^3* 3)ie Slrabifd^e @))ra(^e erlernte 
er erft, al< er m^ 9agbab jur SßoQenbung fetner @tvi^ 
bien fanu ^it ber ^^flofopj^ie n^ar er Dorjug^wetfe be^ 
f^fciftigt, bo(fi gog er ben ganjen Stxtii ber Slrabifc^en 

1) über f, ?eben öetöt Casiri bibl. Arab. Hisp. I p. 190; 
aWftmfelb @efc^* ter ?lraK itjte ©.öS ff*; Schmölderj docum. 

phil. Arab* p. 15 sq* 

1* 



4 

2Biffcnf(]^aft in feine Unterfu^unaen unb aW fein ^a\x)fiU 
werf iji eine enc^KojJäbie terufimt Sluc^ äUx bie 5Kett^ 
ein f 4)rie6 er , bo4^ ol^ne fie au^juüben. 3la^Um er 
f^on al^ Se^rer ju SBagbab großen 9?u^m erttjorben, be^ 
gab er fid^ mä) 2lle^)^)0 unb naf^m bie Ceben^weifc eine« 
@uft an, ol^ne ftioä) aufju^ören feine 55^Hofo^)l^ie »or^ 
gutragen* Slu« feinem Seben tverben mef>rere Süge er^^ 
gäfilt, welche »on- ber Strenge feiner fitttid^en ©runbfo^c 
geugem 2)enno^ entging er bem ä3orn)urfe ber ße^erei 
nicfit, mil bie Slrijiotetifc^e ^J^itofo^^fiie fiberpau^)t inbic^ 
fem 9?ufe jianb ')/ obg(ei(^ au^ feine Ce^rc ber 2)ogma^' 
tit be« 3ölam jid^ anjuf(|miegen \vi^U. ©eine ©d^rifteu, 
fo ^iel un« beren jugänglid^ ftnb^}, i^ejie^en nur in 
furgen Sluffä^en unb fd^Iiepen ftc^ fel^r genau an bie 
©riedbifd^^ Cejrtt)e<fe an, beren Überlieferungen fte oft 
nur überfeinen unb in bie JDenfweife ber Slraber |>erflber^ 
jie^n* di ft^eint, aW l^ltte erjl ei^garabi ben Arabern 
bte Sfripotefifile ^^itofo^j^ie in einem großern Umfange 
eröffhct unb befcnbet« ben ®ebrand^ ber ©cbTußformen 
unb ber ^räbicabilien gegeigt 5}* 2luf feine Slu^Iegung 
bVr Sltijiotetifd^ett Se^re ^aben aber bie SJeu^^tatonift^en 

1) (ii " ®a^QXi h. Schmölders ess. p. 30. 

2) @(Jm6tt)erö'(Jocuni. p6il. Arab.) Jat gtt)ei Heine 6$r(f* 

ten (eriVu^egebeit unb überfe^t/ t>on meieren nur bie eine (fontes 
qYiaestioBum) t>on^ebeuiung iß; fte enti^öit eine lurge Siu^etnan« 
berfe^ung feiner' ganzen. p^ilofop^ifcjien Sejre. 3n>ei anbere f leine 
8(!^riften Ijtnb' nac^ atten Aberfe^ungeh t)on Sil^eCm (^amerariu^' 

9frau^gegeben tCbrben. AIpbarabri opera omnia, quae latina 
lingua conscripta reperiri potuerunt Par. 1638. 8. 

3) Caisiri 1. J. Mulfai , quae Alkindus aliique interpretes 
omiserant in arte analytica supplevit. Idem ad intelligenda 
quinque praedicabila prixnus aperuit adilunu 



ik 



6 

Srflfirer ttnt>et(entt(at einen gvo^en (Snflut nui^tüit, eu 
nett grjgcm , aW auf feine Wad^folfler* . SRan fann beiit 
U$ erfennen ; tok bte SlraHfd^en üri^otclifet 9on biefeiii 
t>etfälf(^enben (Stnfluffe admalig ft^ fotjuniac^n ^eHen, 
bO($ nie tof Kig bamit }u Snbe gefommen ftnb« 

3tt @runblagen für ben Smeid forbert (Sl^^ataU 
unmittelbar geu^iffe Segrtf e unb ®nmbf5$e^ 3« i^nes 
iä^It er bie Segriffe ber Slot^menbigfett; ber mitüi^ttit 
nnb ber 9R jlgti^f eit '). 2)er®egenfa9)n»if(^enbetir9)}{gi^ 
Ii($ett unb bem 9lot^n)enb{gett ^ um tveli^es ber ®treft 
btr ^otat^aUim unb SRnatajtle fti$ bre^t^/.iD&b mro 
au(^ toon ^f^ata^bi jum 9[udgangd))mitte fe&ter Untecn' 
fu(^ungen gema^^ SQSenn au^ bie Segriffe: ; ber SR0g^ 
lü^feit ttnb not^n^bigfeit mmttteKar geuriffe ; Segrife 
fthb, fo muf bod^ gejeigt »erbeny ba^ fte aitf nritffi^e 
SHnge ann)enbbar ftnb« . X)er Sbtmii gefit 9om Segriffe 
ber Sielt oud. &it ift sufammengefe^t; toai aicv )u^ 
fammengefe|t iß ; ba^ iß gemod^t unb bie 98dt muß ba^ 
^er oM gentai^t angcfef^n werben 2> ©er Uebcrgang »on 
l^ierauö &um Segrife be^ 3R5gItd^ett ifl nid^ genau oni^ 
gegeben, bod^ wirb man i^n leidet ergSnjen tonnen« t>at 
©emac^te fe^t feine Urfad^e ))orau6 unb ift nur mfglid^ 
unter biefer Sorau^fe^ung. Son i^teran^ wirb aber aud^ 
auf ein noti^wenbiged SBefen gefd^Ioffen; benn bie Steige 
ber ttrfad^en barf nid^t in bad Unenbli^fe gef^en unb aud^ 
ni4^t im ^eife i^evumlaufen , weil wir fonfl }u feiner 
SBiffenfd^aft, ju feinem Snbe im gorfd^en nad& ben Ur* 

1) Font. quaesU 1; de scient. 2; de iotcUectu et intettecto 
pag. 45. 

2) Font quaest. 2. 



6 

* 

fad^en gelangen v^ütUn, b« ^. lai m^gltd^e @ein fe^t 
ein wtfftotnhiffi &tin wxani, »et^e^ iai etfle 6etenbe 
ift ^)^ 3n a^ttlti^ aSeife iDfrb aud^ «on ber SBetDegung 
auf (inen etftot mltetDegten Smeger gefd^Ioffen 2). 

2)a4 erfte ©eiente, toetl e< feine Urfad^e ^ai, tarn 
au^ ni^t (Ai ttwai S^^xantM tttta^ttt tottitn ; e6 
tnnß baj^er ))oOfamiiien fein ')« @o tDte nun Sl^Sarabi 
tn einem Sßege, t»üi^tt ber Slriftoteltfd^en SDenfweife }iem# 
Iti| genan entftMrid^t/ iii jn biefem f)unfte Dorgebrungen 
i^, tt)enbet et f{d^ bev Unterfuc^ung itor ba« SSefen be6 
erflen 6eienbett in einer SBeife ju, welche eine große 
Slefmlid^ mit ben Unterfud^ngen ber 9teu^$Iatonifer ^aU 
^t t)etfoIgt ben ©ebanfen, baß tt)ir )ur Srfenntnif be< 
S^oStommnen nur burcb St^acttmt gelangen. Z>er erßen 
Urfad^e/ mtt fte t^oKfommm ift, fdnnen feine Kccibenjen 
beigelegt werben» 3n ben Sccibensen rechet er aber, 
n^ie bie ÜRotaffialltm, alle Attribute« 2)a^er mfiffen and^ 
ade wefet^ic^en (Sigenfi^fteU/ j[ebe Sorm, jfeber Unten' 
f<$ieb Don ifft entfernt nmben« (&i tß be^tvegen auc^ 
feine 2>efinttion @otte« maglid^« SIui^ foK ®ott nid^t 
bemiefen werben fjnnen, ohtoo^l QU^xaii frfifier einen 
fold^ 93ett>ei4 geben ju tDoKen fd^iem 6elbß ber 92ame 
einer wirfenben Urfac^e will er ®ott nid^t beigelegt wiffen, 
obgleid^ er nur boburd^ auf ben ©ebonfen bed (Srflen ge« 
ffibrt worben war, baß er für bie maglicfien Z)inge eine 



1) Ib. 3. 

2) Ib. IS. 

3) Ib. 4. @e$r ttttt^odfornmett in Um @a(;e au^g^^rficft: Si 

ab illo onum quodque detrimentum removelur, perfecta est 
ejus existentia. Cf. de sdcDt. 4. p. 36 sq. 



M^. 



not$tt>enbt8e Urfa(^ fucfite ^)« ä&ir fe^en, tiefe ea^e ftnb 
ber Se^metfe ber ÜRuatagtle geneigt} after (SU^axaii 
nimmt fte nt<l^t in bem fhrengen 6inn, wä^tn biefe fefl« 
2tt^atten ßrebten; )>telme|ir mit ben 9leu^$Iatomfeni legt 
et bem (Srßen aud^ bad SUtrtbut be< ®uten bei unb 
fte^t in feiner Dodfommenen (Stn^eit auil^ bie SSerbtnbnng 
ber 3nteatgen); bti SntedtgtMen unb Ui intelligenten, 
»eld^e olle btei in i^m ein« ftnb. Se^nlic^ev äBeife legt 
er i^m ou^ SSei^^ett, Se^en, 3Ra^ unb SBiQen M, t»it 
bie mota^aUim e« traten % a»an n^irb ifin f^tDerlu^ 
wn einem Sd^manfen jiptfcfiett t)erf(l^iebenartigen 9Inft(^teti 
in btefer Se^re frei ^pxt^tn Unnttu 

dm 9[6n>et(ffung Don ber Slriflotelifi^ Z>en{n)eife 
ergibt ft^ ni^t minber^ tDemt n)ir auf iai Ser^dltniß 
fe^en, wüijfti dU^araii bem Srflen ju ben 2)ingen ber 
SSelt beilegt. 3tt)ar lä^t er, ben SSotaf^attim fifinli^, 
@ott bur($ SBerflanb unb Sßiden bie fßiüt fcfiafen unb 
)rigt ft^ ber (Smanationdle^re in fo fem nic^t geneigt, 
aXi er ftc^ entf4^teben bagegen erfldrt, ba§ bie äBelt auf 
eine natiirli4^e SQ3etfe t)on tfim ausgegangen wäre, t>ie^ 
me^r ben ©runb feiner n)e(tbilbenben S^otigfeit nur barin 
}U entbeden glaubt/ ba§ ®ott {Id^ erfennt unb in fic^ ben 
@runb finbet beS ©Uten , mU^ti fein foU ^}* Slber am 



1) Font, quaest« 4* 

2) Ib. 5. Illud est boDum absolutum, intelligentla absoluta, 
intelligibile absolatura atque intelligens, quae cuncla tria in 
illo unura sunt. 

3) Ib. 6. Ulud vero neque ad res tendit, neque ratione na- 
tural! res a se dimittit, quin illi insit cognitio atque voluntas 
eas dimittendi et manifestandi. Res ea tantuxnmodo es causa 



8 

bete &&it (äffen ft(| ni^t fo leidet in UeierdnfKmmuns 
mit bem Slri^otded to'ngem 60 n^enn S^garabi tn®ott 
ni^t aUm M ftfte Sät^tpiuni^totxtpt, fonbem au^ ba6 
erfle S3ege^renbe fte]^t^), eine S<>^mel, n^elcf^e unftreitig 
nad^ bem SßorbHbe ber 9)ett»$(atontfet unb im @egenfa$e 
gegen bie Slriftotelifcfie Se^re geu^a^ft ift* 9lo4^ entfcf^ie^ 
bener ift U gegen ben 3ufammen^ang ber ganjen Sn^o^ 
tel{f(^en Se^re, baß CEI^garaH in bem ©ebanfen unb 
Sßiden ®cttti bie einjige Urfad^e ber t^efttid^en SDinge 
finbet unb eben hieran«, a(er nic^t aui ber StDigfeit ber 
a»aterie, bie Swigfeit ber 98eU aMeim, ba^er m^ niM 
iugeße^n xoiü, baf bie tt^eltlid^en 2)inge tia ^on ®^tt 
gefonberted @ein |fa(en ^)« 

3n aSen biefen fünften Untt(&U%axaU in bie S3a^n 
ber 9lett^$(atonifer ein nnb f<l^(ießt ftcfi i^rer Smanationd^ 
le^re.mit ben Dörfer angefujirten IBefd^ränfungen am 
SBarum ®ott nid^ unmittelbar Uifa(^e ber SDinge fein 
Unnt, bafiür beutet er aU ®runb an, baß feine (Einheit 

bie Sßiet^eit ber 2)inge nicfft begrfinben f jnne ^* S)e^' 

' /" 

ab illo eCTunduntur, quod illud semet ipsum novit atqüe boni, 
quatenuf existat oporteati constitoeiidi principium le intelligiu 

1} Ib. 5, Idemque desiderans est primum atque desidera- 
tum priraura. 

2) Ib* 6. Ejus cognitio re vera in causa est, quod, quam 
noverit, res existit, neque a tempore pendet illius cognitio re- 

rum. Illud eatenus ens est absolutum, quatenus existen- 

tiam aeternam rebus impertit et interitum ab eis removet, non 
vero quatenus, postquam non exslitere, separatam iis tribuit 
existenliam. ©^mölbctd (ad b. 1. ; ef. p. 114) Wiü (ierin bu 

Se^ce »on ber SSitbunß ter ^elt rntd ber 3^ater{e finben , o^ne 
allen ®nutb* 

3) Ib. 7. Quae .autem in illa (sc. creatara) maniiestatur 
multitttdoi non a primo procediL 



wegen fd^teU er }tt){f$ett ber erflen Urfa^e unb beit 
Singen tiefer SSeft aU 9RitteIgIieb bad erfle i>tvooxixitiß 
genbe ein, bie erße n)irfenbe Urfacffe (primum agens), 
m emtge^ SSefen , ))on ® Ott (er^orgebrac^t ^)* (Sr be^ 
trachtet baöfelbe atö ba« er^e ®ef(fid))f, eind ber 3a^I 
na^, ben erflen 93er{ianb« S)enni)(l^ finbet {tcfi au$ fcfion 
in iffm eine SRenge, mit ber gefc^afene SBerßanb t^titi 
fein eigene^ SBefen, t^txlt ©Ott, bie erfle Urfad^e, er» 
fennt @ein SDafein ifi nur ein Wti^lii^ti unb ba^er 
ftnb in i^m SDtdglii^ed unb 9{otfin)enbige4, Snbßon) unb 
accibend unterf(|eib(ar ^). Sluf fein Sffiefen blicfenb er^ 
}ettgt aber ber erße 93er{lanb aud^ miitx nnb bringt bie 
SBeltfeele l^er^or, toiU^t ber oberfle fBctßxtii ift, aber 
aud^ aU ber ixotitt Serfionb betra<l^tet toirb, unb bie 
(Emanation ber mett(i(|ien 2)inge gel^t atdbann toeiter fort 
iDon bem oberflen Sßeltfreife ju ben niebem ®p^xtti ber 
^taneten i^erab^igenb, inbem bie l^d^ere @!p|iäre immer 
wieber eine niebere aui {t^ entläßt, iii man 3U ben 
©paaren ber (Elemente fommt unb }u ben irbifi^en @ee^ 
Un, wü(fyt aU 3(uöf[fifre ber niebrtgflen f^immlifc^en 
©p^are angcfel^n tverbcn* (£1 ^ garabi ifl in ber Slu^ctnam» 
berfe^ung biefeö @j^fiem^ ber Sluöpffe unb ber n^eltlic^en 



1} Ib. 6. Illud primi productoris causa est. Productio sita 
est in re non per semet ipsam existente ^ perpetuo conservanda. 

2] Ib. 7. Prima creatura, ab illo profecta, una est numero, 
inlellectus scilicet primus. In bac prima creatura per acciden- 
tia multitodo manifestatur; nam ejus eiistentia per se possibilis 
est, necessaria vero ejus existentia fit per primum, quum et 
suam ipsius essentiam et primum noverit Untgefel^rl tvitb ünä^ 

ani ber Siet^eit im erßen ^etüeger ber f^immeUfpi^äre barauf 
gef^IofTett; baß er nic^t »üe Urfa^e i% De int. et intell. p. 68 sq. 



li 



10 

2>tttge fe^ dnfacff unb fd^tept ftd^ taUi genau an tai 
afhrononttfd^e Softem ber Slnftoteltfer an ^)* 

93ei bei; S3eh:a(fftuna bet S3etfe> n)te (Sl^garoibi 
t>on ben |^5^ern SSerßanbe^toefen unb wn ben ^^tm 
lh:eid(en)egungen ju ben.mebern ^erabfteigt, mug man 
a(er nid^t filfterfej^n, baf er immer nur getfitge SBefen 
|^en)orbringen unb »werben lä^t ©eine Slnftd^t ber SBelt 
iß bur4^au4 fpiritualtfiifd^ na^ ber Seife ber iReu^^^Ia^ 
tonifer* Den fiimmlifil^en SSefeU; erfl&rt er; fommen 
t^tili aKgemeine, t^titi befonbere ®ebanfen )u* %u€ ben 
)>erf(l^iebenen S3eifen ber feigen in einanber fiberjugeffu bflbe 
fid^ eine ©eftaft^ nad^ »Deisler bie 2)inge in Serpitniß be^ 
falf^ien SBegriffd ))eranbert toerbem SDer falfc^e Segrif ab^r 
iß i^m ber 93egrif beS $drper6 unb biefer ber ©runb ber 
Setpegung« di iß nur eine SSerbinbung wn SinbUbun^ 
gen in ben ^immlifcf^en £or))ertt; mi^t bie Ut)ftxii^t 
!83ett)egung fier^orbringt ^)« SSSie n)enig au<!^ biefe %ni^ 
einanberfe^ung flar iß, fo unjnmbeutig iß bod^ in i^r 
iai Seßreben audgebrucft mtd . bem ©etßigen in bad 
ftdrperlid^e einen Übergang )u ßnben, inbem ba^ Segtere 



1) Font, quaest. 8; 9. Wlaxiiit 9udbrü^e Itnb bunfet/ boc!^ 
^ai man n)o(( ni^t Urfai^ 3u gnofttfi^eii Seiten feine 3uffu^t ^u 
nehmen ; wie Gi^mölberd p. 96 t^nt 

2) Ib. 10. Corporibus coelestibus aliae sunt universales, 
■liae particularea cogniiiones , unde inter yarios ex alia in aliam 
conditionem transeundi modos una eilicitur speeies, secundum 
quam res a ratione notionis fabae mutantur. Ex bac eorum 
falsa notione provenit notio corporis, quae causa motus est. 
Ex conjonctis imaginationum , quas babent, partibus oriuntur 

motus corporales. ©(^tttöfbetd bemetft mit itt^i, baf corpora 

coelestia (ifC fut) für rectores corporum coelestium gefogt ift. 

Sie falsa notio ifl ttnfiveitig ber lo^tofM^ vo^oc be^ yiatom 



{ 



II 

nnr pü bod Srjeugnif einer SBemrfmtng ber ®eban(m, 
nur ali ein falfd^e« ®e(i(be ber (Sin(ilbung<fraft; aU eine 
Serbunfelung be« ®eifte6 angefefn tpirb* S)er Segriff 
ber SDtaterte notrb balfrei ^tpor ))orau jgefe^t a(er nur; tuie 
er Don ben 9{eui'$(atonifem gebac^t' ju werben ^pflegte, 
qI6 ©renje ber geiftigen Slu^Pffe, ald bad Se^te im ^>ttf 
äbfteigen ber ©eifter 0« 

3n ber SSermirrung ftc^ freu)enber ©ebanfen ift ben^ 
nod^ eine Orbnung* dU^axaii erblidt fte wtnt^taliif 
ia ber ftreidbetvegung bed ^itmntU; au$ bie Setvegung 
ber SRaterie, an toiU^tx aUe Dier (Elemente S^eit l^aben, 
mu$ fi^ i^m bejeugen^ SDie Serfcfitebenartigfeit ber 9tß 
megmtgen aber; noelc^e ben t)ier (SIementen {ufornmen; 
bringt bie S3erf(^iebenarttgfeit ber t^ier (Elemente fetb^ 
^ert)ov« «hierin befielt ifire Sorm; met^e mit ber fSRoif 
terie itot^tDenbig t)erbttnbett iß, fo baß feine ))on beiben 
o^ne bie anbere fein fann ^* (5« fc^Iiept ft^ i^ieran eine 
9let^e wn Seftimmungen an, xotli^t and ber 9rißote(i^ 
fcben $fi{(ofo))^ie entnommen nur einen locfcm 3ufam^ 
men^ang mit ber fpiritualifKf^en (Emanaticn^Ie^re &^%a^ 
xaiV^ ^aUn. @o merben bie ®egenfa(;e in)if4ien ^im^ 
mel unb $rbe; }mif4^en ben ^ier irbif^en (Elementen unb 
bem fünften (Elemente befpro^en, ofme fc^arfe SSttoäSt, 
fo, baß e6 f^tt)er ^aiUn miifyk in biefen @a$en eine 
eigentfffimli^e prbung naij^jumeifem 97ur ba^ muffen 
tDir ertt^ä^neu; ba§ obgleid^ biefe Se^ren aber bie fiber^ 
lieferte ^uffaffungdu^eife ber @rfa$rung fe(;r ini (Einzelne 



1) De intell. et intell. p. 55. 

2) Font, quaest. 11. 



12 

einge^n, (&U%C(Xoibi boc^ immer auf ben aOgemetnen ®e^ 
banfen jurüdHommt , baß aUt ^immli^t ;&tnge m^ bem 
@£ttlt(ffen unb (Stotgen toevlangen unb" ttt einem ttnenb^ 
licfien SSefhreben nac^ bemfelben Gegriffen {tnb. 2>ad dti«" 
(]^en baioon i{} ijite ^ei^(en>egutig<. Slnberd ift ed mit 
ben irbifc^en SDingen, beten Setvegung not^menbig t^re 
©renjen ^at, mil fie ni(j^t im ^eifc Wuft^}/ ©iefe 
!Cingc (eflel^n in einer SRifcffung ber einfad^en Ouatttöten, 
iveld^e mit f inanber fo ))er(unben {tnb, baß bie eine in 
^iner jieben @ubfian} iai äbergen^id^t ibtx bie anbere 
l^at* 93on biefen S){ngett |>at ber @^o))fer eine geredete 
SSertff eilung entfernt; SSottfommenpeit i^ in i^nen ni^t^u 
ftnben* S)o(l^ ift bem 9Renf(ffen eine ÜJtifc^ung ^erlte^en 
tDorben, n^et^e ber geredeten S3ert^ei{ung am näcfiflen 
fommt/ unb i^ierin f^etnt ber ®runb gefugt )u n^erben^ 
baß ber 9Senf(^ bie bern&nftige @eele in ftc^ aufhefmten 
fann% 

hieran fd;tießt ftc^ nun eine Unterfud^nng fi6er bie 
Srofte ber ©eele an, ml^t \)oriug^»eife ben Wenfd^en 
im 9uge ^at. 9u(^ fte fd^Iießt meifien^ ber 9rtßctelif(^en 
$^Uofo))f^te {t(|i an, i^elfrt aber (efonberä bie $unfte |>er^ 
wx, xvtl^t in iai ttbernatfirli^e ^inu{)erfpielen« £)ie 
^Reu^^Iatonifer l^aben f^ierbet iffren ©nfluß; aber @i«S^)^<^bi 
folgt barin aud^ feinem eigenen 3uge. S3om älrißoieied 
l^at er ben @ebanfen entnommen, baß bie toernfinftige 
@eele etn^ad lpimmli\i^ti i% toelc^ed mit ben for^rlid^en 
unb finnlid^en SSirffamfeiten ber ^flanjen^ unb ber\^ier< 



1) Ib. IT. 

2) Ib. 19. 



13 

6ee(e nid^t iottm^\tÜ tt>erben bürfe, tia ttUedigtMe« 
SSefen, tt^el^e« wn feinem t^etl^oren obet trgenbtoo im 
äiatttne befinbUc^en 2)tnge gu umfaffen fet« SDie« iß ber 
toirfenbe SBerßanb, toelc^er toon ber SRoterie getrennt i|t, 
ba^er nac^ bem Stöbe fortbauert unb feinem SBevgefin un^ 
terliegt, eine einfache @ttb{tat|}; ber toa^xt 9Renf(^, ber 
nicl^t im ßfr^er (eße^t/ fonbem beffen Stt&ftt nur bur(|^ 
ben fiorper {t(^ ^eribreitem @r tt>irb ali ein Surfing 
bed erften äJerflanbetf angefe$in, ml^tt bie reinen gor« 
men loert^eilt; bO(^ fann er nur mitget^eilt »erben, tvenii 
ein2)ing ))or^anben iß, f&^ig i|^n au^ne^men^* jDied 
iß an bie iBebingung geiunben, baß eine &tpm\^t ^Oß 
terte ali ?e6en£geiß im ^erjen i|^ren Si^ ^at unb ali 
6uißrat ber @eele bient« ^ien)on audgej^enb loirb bie 
Se^re bed $Iaton, baß bie Seele toor bem Rixptt fei, 
unb bie €eelenn)anberung beßritten % aier baruber nic^ti 
^ini^geffigt, toie bie toemfinfüge @eele na(^ bem Stöbe 
of^ne einen folgen Seknögeiß im^erjen fort(eße^n fonne ^)» 



1) Ib. 21. Entia inteliigibilia re dividua et alicubi sita con- 
tineri neqaeunt. Ille intellectus (sc. agens) a materla separatus 
post corporis mortem permanet, neque ulla Uli inest vis cor- 
ruptioni obnoxia, quippe cum substantia sit simplei ac verus 
bomo, cujus Tires ab illö per membra distribuuntur. Hie (io- 
tellectus) a (principio) formas impertiente procedit, quando res 
ad excipieodum ipsum commoda manifestatur. De int. et in- 
teil. p. 60 sq. 

2) Font, quaest. 22. 

3) (^^ mag ba^er tagten, baf ber Se^re dU^ataW^ ©t^mati'* 
lungen über bte Xin^txW^Uit unb ben 3uflanb ber @eeU mtff 
bem 2:obe öorgeworfen »erben. 3bn Xofeil ber 9'latwrmenf(i& 
©. 44 l Slu(J 3bn Siof^b befreitet feine Sejre über biefen 
^unlt nt($t feUen unb beutet an, baf er bie Serbinbung bed in- 



14 

€o ijl öBn^aujpt in aUta bttfen gc^nn fc^r viel tln^e« 
ßimmfetf. 3Ran fiept nur, baß Si'guabi bafiin ^eM, 
gewiffe Z^&tiifeittn btö ©eifleä/ namenttti^ beS t^eorc 
tiri^en ©eijled, aI0 frei von aKec materitOen SSermlfc^ung 
in einer reinen Sürffamfdt fü^ gti benfen, baß er bc^we' 
gen vcn ifinen bie SSSetf^ti be^ Sieatmi aßfonbert, n>e(i^e, 
tpie Sinbilbung^fraft, @eb£(^tnig unb Slai^benfen Aber 
bie Srfi^einungen, an ba» @tnnlt^e fi($ anfi^lieftn unb 
na^ ber gewS^nli^en !Botfte([ung6tt)tife bei Sratif^ 
$piIorv)>|iic mit bem @epini in SSerbinbttng ftc{lit O« 
3nbcm er birfcn Ses «erfolgt, Tommt er fogar gu ber 
9epau))tung, weli^e gu feinen Srifiotelift^it ©ntnbfäßtn 
f<^Ie(frt )Mßt, baß bie Crfenntniß. be0 Snttaigtbeln aut 
feinem Senuf gen gut SirHi($feit fommc'3. 2>i»^ m^gen 
au^ ^itx&btt S^wanlungen (ei i^m ftott gefunben JKU 
ben, benn bfefe äußernng fHmmt nii^t gut ju ber Ce^re, 
wellte er fiber bie SntwiAung unfereS S3er|}anbeä giebt, 
im ©anjen in ÜberetnfHmmung mit bem Vxi^ottUi unb 
nuc nD<^ einige Unterfc^ieibungeR einfügenb, »ei^e ben 
Sufammen^ang ber ^tißotelif^en Seipren aber ben leibem 
ben unb t^fittgen SSerflanb beutlicfrer entwideln fotien. 
(£t mt baian fe|}, baß wir in btefem trbifi^en Seben 
von bem Unbcfanntern feiner ^iatux nai$, b. ^. vom ©inn« 
li^en, JU bem Sefanntern, ben ©rftnbrn be6 @innli^en, 



tellecius agens mit Um mtnf(Hi<^tn Scrflanbt tiUit anrtTonnt 
(abt. T>ai@tQntita fagni bp^ offrab« blt anorfa^cttn Storni. 

1) Foul <|iiae«l. 10. 

2) Ib' 31. Bu tIt«, quae enlia latclligibilu comprehcD- 
fll -^ — neque a potentia in aclura 




IS 

(mfßdgen tnfiffen; bm ungefc^tten SQBeg ge^enb tm Ser^ 
g(dd^ intt bem SB^ge, toelc^ bie (Entfie^ttiig bcr SDtnge 
ge^tO* <S( Mrac^tet bo^rr au$ unfem Strflanb oltf 
etoo«, tiKiJ gurrfl nttr bcm Sermjgen iuk^ toor^nbcn 

t|l (intellectus in potenlia CbCt pombilis) imb fp&tet JltC 
Sirfltfl^ttt fommtn foQ (intellectus in effeetu ober in 

actu). jDer aSerftanb mm oM Sermdgeii tnitf mit bet 
aSoterie t>erg(iil^ Darben, toeld^e bie gormcii em))f(ingt, 
imc ba$ man babei ni^t an bie SSeife |n benfen |Kit, 
»te Me 9Ratme t^mnittdß ber ftnnft burd^ ben übbrutf 
ttntr Senn not anf btr Dberß&c^e gemattet tvirb, »td^ 
mcf^r bnrc^bringt bie gotm be* «)eniün^gen (BebanfenS 
ben gonjen Serftonb bx aQen feinen £|fei(en, fo tvie omäf 
bie 9latot aOe jDinge nt^t nnr ftnferU^ , f onbem bi4 
in ifir Snnerfic« geflattet ^ hieran« fliegt bte Se^re, 
ba$ ber 93erfianb oni^ ba< ^nnev^e bet 9latnt )u erlen^ 
nen «)ermag, inbent er gonj biefeüen gormen annimmt, 
tt>eI4ie ber Statur eingtpr&gt n>erben nnb ba« äBcfen ber 
jDinge andmatf^« jDenn bte 9tatnr tvirb loon bemfclfien 
Serßanbe gebtlbet/ »»eitler aui!^ unfern leibenben SBerfianb 
}ur äBirflt^fett bringt/ unb bie 92atur ber SDinge ifi eien 
nur bojtt )>orfKinben, bap fte erfannt rotitu SDa^ (&x* 
tonnte iß nid^t^ anbere^, oXi baö Srfennenbe ')« 2)a$fer 
n>irb man auc^ soom SBerfianbe fagen tonnen, ba^ er nt^ttf 



1) De int. et int p. 58. 

2) Ib. 48 sq. 

3) Ib. p. 50 sq. Sed boc, quod ipsa sunt intellecta in ef- 
fectOy et qnod ipte est intellectus in effectu, unum et idem 
est.— — Natura enim oranium, quae sunt, est, nt intelli- 
gatur. 



16 

au^er ftc^; .;fonbem nur fein eigene^ Sßefen erfentitO« 
S&on Um roixtti^^n SBetftanbe wit(tf(|^etbet nun dU^axabi 
no$ ben ern)or(enen SBerflanb (intellectus adeptns). 
(Sv (egei^inet bem SBegrife nad^ nii^ti av^bmi, ^^^ bo^/ 
n)a^ ber toittti^c 93erßanb j^eri^orge^ra^t |^at^ toa^ aui 
feiner Stiattgfett ^ert)orgegangen ift unb nun in ber «)er^ 
nfinfügen Stüt xn^t unb ben)a^rt ivirb« jDie 9Iudbrfi(fe 
o(er, tDeld^e S(«Sara(i 9on ipm gekauft, flreifen an 
ia6 ÜR^flif^ie unb erinnern an bie 9{eu^$Iatontf^en 
fiiertieferungen, n^eld^en er geneigt tt)ar« 6r (ejiel^t ftcf^ 
nid^t allein auf batf f(^Ie$t$iin Snunateriede/ fonbem er 
n)irb au$ alä tttt>a^ t){el ^^pere^ angefefin/ a(tf ber n)ir& 
ti^ie äSerflanb, gu meld^em er {id^ tt){ebte t>oIlenbete Sorm 
jur Materie soerpaften foK^). jDer »»irfenbe 93er(ianb 
ifl mit biefem ern>orienen SSerßanbe t)on berfelben Slrt ^)' 
nm^ jebod^ 4)on i|fm unterfd^ieben noerben, n^eil tcix ben 
erworbenen SSerßanb ttft erwerben f oOen , unb \iiti eine 
wirfenbe Urfad^e )oorauSfe$t/ m\<fyc und erleu^ten ntnf; 
bamit wir ber (Sinft^t in bie Urfa^e ader ®inge tptiU 
l^aftig werben^}« 2)iefe Unterf^eibungen, ))on großer 



1) Ib. p. 52. Cum autera fuerit factus intellectus in eiTectu 
respectu omnium iDtellectorum (sed ipse est uDum de his, quae 
sunt), tunc ipsa anhna fit ipsa omnia in efTectu intellecta in 
effectu. Cum autem ipsa intelligit id, quod est intellectum in 
effectu, tunc non intelligit aiiquid/quod sit extra suam essen- 
tiam , immo intelligit suam essentiam. 

2) Ib. p. 52 sqq. ; p. 55. Et intellectus adeptus est quasi 
forma intellectus in effectu, intellectus vero in eiTectn est quasi 
materia et subjectum intellectui adepto etc. 

3) Ib. p. 58. Intelligentia tero agens illius speciei est, cu- 
US est. intellectus adeptus. 

4) Ib. p. 5T. 



17 

äBti^tigf eit fSx tiC^ip&ttu $^t(i>fo))ptr, »etbett in ben 
nn< oorKegenben Q^xifttn &*%axaiH bo^ me^r onge» 
beutet altf audge^^rt. 

9m @(^Iu{fe feiner aUgemetnen iKerft^it filier iit 
%ta6tn ber §)^t1[ofo))|^te ße^en no$ einige @fi$e, n)e((^e 
geigen; ba^ ev i^mä^t ifi in feinen Sefiren an bie'gemein^ 
^n onerfannten ©nmbf&^e berSOtui^anunebanifd^enÜteligion 
ft($ anjttfc^Iie^en« Sr nimmt einen )oetf(^iebenen 3n{}anb 
ber Seelen m^ bem Xobt an, tcü^ Seligfett ober 
Sfenb na^ i^rem SBerbienfl erklärte« (Sx be^au))tet, ba^ 
bied aUtt unter ber ^m^^a^ betf pdd^flen ©otte^ fie^e, 
beffen SBorfe^ung f\^ über adetf unb jiebetf Sinjelne er^ 
fireife« jDenn burc^ feinen 9lat^f(|ilup imb feine SRad^t 
fei m itbti @ef(^6))f» Slud^ bo« Übel, n^el^ed jieboc^ nur 
bie verg&ngli^en SDinge trifß/ j^ange t>on ©otte^ SBiden 
ob, fo jeboc^, baß oKe«/ wad wn i^m gefd^afen n^or^ 
ben, gut fei« 2)enn iai geringe UUl in ber SBelt fei 
bed ©Uten tpegen unb |»ange ben ))ergängli($en 2)tngen 
not^n)enbig an, fo baß nur n)entger ©ute^ fein fdnnte, 
wenn biefed Ü6el nii^t jugelaffen worben wäre* ©o 
glaubt er Urfac^e }u paben, aui^ fär ba§ Übel bie ©ßte 
©otteg jtt ^)reifen ^3» 

Die* iji überf^aupt ber (J^arafter feiner ?e]^ve; fie 
nimmt \)iele Slurfjid^ten auf bie Autoritäten, wet^^e fte 

1) Font, quaest. 22. ^a^ bem 3^n Sofeil ber S^atutmenfc^ 
@. 44 f. fod er bO(( ni(^t allein über bte Unßerbnci^feit ber @eele, 
fonbern aixd) über bie ©trafen ber S3cfen tpeniger ortjobor ^d) 
txUäxt, ja fogar bie prop^ettfcje TCnfcJauung für 2:äuf$un3 ber 
(Sinbilbung^fraft ausgegeben $aben. ©oUten bie fpätern %xifio* 
tetifer einzelne iuferungen ^i'Sarabi'S abft(fft(i($ ungünflig für 
bie ^ogmatit gebeutet f^aben? 
@eft^. b. 9^il. Vlir. 2 



18 

mt^tt. an ixt Se^re ber ©ogmatif f^licgt pe t>iet gc^ 
nauer ftd^ an, aH bie it^xt ber f)?Stern Stnflotelifcr. 
aDaß i^r btc6 gelingt, »erbanft jie jnm S£^ei( ber 5Rett« 
f)Tatomf^en Slnft^t/ u^eld^e bie SDteinung (efeittgtr old 
tDfire bie SRoterie tin gweited fJrincip neben ®ott« S)o((^ 
folgt fie biefer änjtcfit nit^t fo weit, baß fie t^ren [(^»är* 
inetif(|)en ^orf^ungen über ®ott unb bie fiberfinnltc^^en 
Z)reifieiten l^ätte nat^gepen mögen, [cnbern lenft lieber in 
bie $[ri{loteßf(|)en Unterfu^ungen über bad afhrologif^^e 
SBeftf9jlem, über bie irbifd^e SHatur unb bie Seele ein» 
hierbei ^alt fte ftc^ iiemli^ getreu an bie überlieferten 
SSeinungen unb man muß gefielen , baß ^iäci , tca^ dU 
garabi toon. biefen £)ingen in fein @9(}em aufnimmt, nur 
\^\»a<fy mit feinen n)efentli^en ®runbfä$en jufammen^ 
f^ängt. Sigentffumlic^e^ ift fiber^au))t tt>enig in feinen Se^^ 
ren^ Dod^ i^ feine SBeife ben ermorbenen SBerfianb, ben 
SSerßanb in ber diul^e, t>on bem SSerflanbe in ber SOSir» 
fung ju unterf^eiben ein Unftoß ju ))ielen Unterfu^ungen 
ber f})ätern 3eit geworben» 

2. 3bn Sina» 

über ein Sal^rpunbert liegt jwifd^cn bem ©eburtöjial^re 
ßl^garabi'^ unb bem ©eburtöjia^rc bed 3bn ©ina, tt)ct^ 
i^tt fein SQSerl fortfegen foKtt» »bu 81« 3btt «ina 
(Avicenna) würbe geboren ju Slffc^ena ^0 bei SBo(|)ara» 
©ein SBater, felbji^mit ^otittfc^en ©efcj^äftcn vertraut, 
Keß i^m eine forgfältige erjie^ung für a9Biffcnf4>aften unb 

■ % 

1) ^af er t>on ^ffc^ena unb nic^t ou^ etntr dTorru^i^n Doti 
3btt @ina Söicenpa ßenannt »erbe , tft »ojl eine ungröränbete 

^na^me ^aftrCd. Bibl. Arab. Hisp. l.p. 208. 



%. 



*- 

■>•■■•■• 



19 

politi^öfti itUn ert^etten ; aUv ber . ^^retfe ® etfl be^ 
3ung{mgd wax (alb aiUn feinen Settern )oorau^* 3n 
aKen SBiffenfcfiafien fanb er ftcf^ mepr bur(^ ^filfe bev 
alten Sß&^cx (üi inx^ munblid^en Untemcfrt gure^t 
@^on tn feinem 18« 3a^re toax er ffi^ig sugtei(^ polu 
tifc^e ©efd^äße ju fibeme^men unb bie Slrjnein^iffenfd^aft 
gu üben* @ein 9ttt$m in biefer, tt)eld^er ben Stu^ 
aOer anbem ^Iraber ilberßeigt — er iß ber SBerfaffer iti 
Ration — bahnte i^nt ben Sßeg gu ben f^od^ften SBurben> 
flfirgte t^tt aber babur^ au(|r in bie SBed^felfMe einttf 
nnru^gen, gefal^rtooQen Seben^» SSärenb er )>on fräßet 
^ugenb an ga^Ireid^e ©4^iUer unterrichtete unb ga^Irei^e 
SBerfe fc^rieb> tt)eld^e über aUe SBiffenf^aftetr ber üraber 
{t(^ toerbreitenb 3a^rpunberte (ang in ®unß {tc^ ermatten 
^abm, ffotte er mit aufru^rerif^ien @olbaten/ mit ®unfl 
nnb Ungunß in i^rem SQSiUen ii^ie in i^rer ^ai^t ^toan^ 
fenber gfirjien gu fämpfem . ©ein Seben fafft in bie Bei» 
ten beö aufgeloßen S^altfatö , in ben ^ugenblid ; aU bie 
ÜWac^t ber ©elbfc^ufen ftc^ gu erj^eben begann; ber erfie 
gürfl, welcfiem er biente, war ber le^te ber ©amantben; 
nicf^t minber fc^wanfte batb bie ^erfc()aft ber ®ajnatt?iben; 
welche jene in Werften unb an feinen ©vengen t)erbrängt 
Ratten* Unter biefcn un^eibottcn Umfiänben bewegte ^i^ 
ba^ Cebcn be^ 3bn ©tna, welchen xvix mef>rmafö Slufcnt* 
^att unb gurjien wec^feln fe^en» @rp aH er nad^ S^pa^ 
ban in bie S)ieufie be^ Sl(a @b:'3)aula gefommen war, 
fcbeint feine ©teKung tttt>a^ fidlerer geworben gu fein* 
Unter biefen Unruf^en feinet äußern ?eben^ ifl eö nur fei^ 
nem unermäbli^ien gleite gugufc^retben , baß t^m Slußer^ 

orbentli^ie* in ben SBtffenfc^aften gelang» Slber fein in^ 

2* 



20 

nere^ Seiten ftfieint io^ feinem &\x^txn m Unruhe ge^ 
Qüi^m }u ^aUti. (Sx n?ar im Ütenna^e ber Siek unb 
bem Sßeine ergeben; nai^ feinen Sßorlefungen ließ er 
@anger unb @)){eneute fommen unb fiielt tnit feinen @(f^^ 
lern de^gelage. Slucf) )oerf(^mä^te er unre^tmä^igen ®e^ 
tt)inn ni(^t 0* ©einen Zoi bef^Ieunigte er bur$ feine 
Unmä^igfeit unb bie l^eftigen $lr}neimittel / wtl^t er ge^ 
(raupte , nm feine £6r!perfräfte für ben entfd^eibenben 
SlugenUid aufjurei^en. Srfl aU er auf einem ^it^^ 
}uge m^ ^emban im % 1037 feinen £ob napen fä^Ue, 
Bereute er, t>ert|>ei(te feine Sleid^ti^ümer unter bi« Slrmen 
unb fu^te ben SCrojl feiner ateligion^)^ 

S5ie Sd^riften be« 36n @ina j!nb Wo in ba^ 16* 
3affr]^* ^iel gelefen »orben; feitbem l^at mein fie fafl 
»ergeffen* ©o finb fle jfeftt aud^ fetten* 2)ie wicfitigfle 
feiner ^|>iIofo^pifd^en ©c^riften, tjon ber morgenlänbifc^en 
^^ilofo^i^ie , ifl t)ieKeid^t t)ertoren gegangen, unb ob man 
in feinen übrigen !p]^itofoj)^ifd^en ©c^riften feine wai^re 
fKeinung l^abe, lann bejweifeft werben» ©r fu^te nem«» 
lid^ in i^nen bie Slrijiotelifc^e ^f>ilofo!p]^ie ju erläutern; 
erWarte aber felbji/ bag biefelbe nic^t bie wal^re SBei^ 
ipeit o|^ne |)ütte ent^atte; biefe foff er nur in ber eben 



1) %\i(ff in ber ÜJ^ebtctn bed S^n 8ina tüiU man ©puren fei« 
tter laxen ©runbfäje fint>en^ @. S. d. 3. ». ©iebolb'g SSerfucJ 
einer @ef$iC&tc t>. ©eburtöj. I. ®. 282^ 

2) «ergt SBüßenfelb ©efcj* ber «rab. Srjte ©. 64 ff. ©ie 
$>au))tquelle ift feine <Se(bPiogra)>(ie mii ben 3ufä^en feinet 
»ertrauten ©C^üler^ Sbu SlbbaUa (£I«©fc5)uabf(Jani (Sorsanus). 

9{ur im Slud^Uge ftnbet fte ft$ b. Casiri biI>L Arab. Ilisp. I 

p. 268 sq.; Slu^fil^rlicjere^ au« biefer Ouette finbet ft(J bor ben 
nteißen ^u^gaben be« ^anon, a* ^* Venet. 1608. 




^1 

emd^itten ©^ri^ off^n audgefpro^en f^a^enO« @te 
tDutbe f&r fe^erifd^ tn no^ ^^txm ®rabe alia feine Srü 
^öteltfc^e ?5^tIofo))f>te flel^alten; it>(fy »iffen iptr 50Ott t|i^ 
rem 3n$aUe nitr au« wenigen KngaBen ^3. Offenbar ^a^ 
htn fetnc Unterfu^ungen im @{nn ber Slnfiptelif^ien $$i^ 
lofop^fe me^r gewttft, aI6 feine §Jrit>atmeinungen* SÖir 
ntüffen j[en^ itn« ju entwicfeln fud^en^ fo mit ti bieun« 
inganglic^en flberlieferungen geflatten 3}. 

3bn @ina fi^Io^ ft(| in feinen ^x\ftotili\(fftn it^x^n 
an (S(^e$arabi am @r fam feT(){l jum SSerßfinbni^ ber 
9Retap^9ft{ nur, nad^bem i^m 3Üfä(Iig bie Srflärungen 
feine« 93org5nger« in bie «^änbe gefommen umren^}* 
3Ran ^at baffer aud^ bie SReinung geäußert, baß feine 
3(u«Iegung be« ^ißotele« im äBefenttid^en biefeKe fei; 
n)el(^e t)or i^m (Sif^axaii unb kpal^rf^einlid^ 9ie(e 9(n^ 
bere vorgetragen ^atttn ^)^ 2>0(|) ftnb mef^rere nid^t un^ 
bebentenbe fünfte na^jun^eifen, in kpel^en 3&n @ina 
von ßt^garaH abtt>ti^U 

3m Sittgemeinen toixb man e« al« eine richtige @d^ä^ung 



2) ^r fon in bWer ©djrfft bie iWeinung au^gefproc^^eit Jaben, 

ba6 ®Ott b« $imm(ifct>e Äörpcr fei. Averr. desir. destr. fol. 46 
col. 1. 

3) 5>auptfa*li(^ ßö^e i(J mi* auf bie ©ammfunö p^Mop^^ 
[(^er ©Triften bed Sloicenna, welche Slnbrea« «Ipojuö in Latein. 
Überfeftung Jerau^öegeben ^ai. Venei. 1546. ©aö ®ebi*t über 
£ogi!/ wetcjcd ©(Jmötberö docum. phil. Arab. Jat/ ift unbebeu- 
tenb. 3)ie SÄetopJvfif beö Slbicenna, öfter« gebrucft; ^abe i$ in 
ber 51u«flabe Venet. 1493. fol. ni(it immer jur $anb gehabt. 

4) SSüftenfelb a. a. O. ©. 66. 2)te eraäjfung beö eorfonuiJ 
^ie^t bie« in ba« Sunbetbare. 

5) SchmÖlders ess. p. 11^ 



22 

be^ Settern tn feinem SSer^äUnt^ gum (Srflern anfef^n 
f ounen , fca^ jenem eine großete Hinneigung ^ur 5Weu*^Ia* 
tonifd^en $|iiIofo))^ie/ tiefem eine reinere @rf(ärung be^ 
Sltiflotelei an^ ftd^ fet6|i jugefd^rieten tt>irb^> Swar 
au(^ i^n ))er(^inberte fei e^ SJorurt^eil; fei ei ^eu(^Ierif(^e 
STubcquemung an ben ©tauben feinet SSoIfeö in manchen 
fünften bie rein Slriftotelifc^e Se^re aniuerfennen ; aber 
e^ n>ar boc^ unftreitig ein xoi^ti&tx ^ortfc^ritt m(Sf ixt^ 
fem 3iri^ jU; bag 3bn ©ina bie Sef^re t)on ber Smana* 
tbn ber STOaterie au« ®ott aufgab unb in ber ^tt>i>r^ 
bringung ber ftnnlic^en SQSeU ni^td anbereö fa^ aU eine 
©ejlattung be6 urf^^rüngli^en @toffe6. 93on benfelben 
©runbfa^en über bie »rfprunglidS^en Segrife unfereöSJer^ 
ßanbed au6gef»enb, wil^t fdi^on Sf^^^arabi angenommen; 
fe^t er ben Segrif ber 3){(iglid^feit aü einen angeborenen 
©egriff 50orauö unb forbert ein ©ub/ect für biefelbe, weil 
fie ni4it aU ©ubftanj für ftcf^ geba(|)t toerben fonne; ba« 
Buhltet ber STOogli^feit iji aber bie aWaterie ^3. ©eil 
ein Sol^ti ©ub/ect für bie a»ogIi(f)feit o^ne ^orm ni^t 
fein fann, fo folgt barauö bie ©wigfeit ber SOSelt nac^ 
Slrijiotelifcben ©runbfägem 

©onfi folgt ^in ©ina ben SSorauöfeftungen ber ^as= 
nationölefire, wie fte fc^on@l ^^garabi nac^ ben SeJ^ren 
ber Sljlronomie jugeflu^t l^ätte« 2)ie 93ilbung ber SQSelt 
gej^t t)on ber oberfien $immelöfpf>flre ober ij^rem Sewe* 
ger au«; ber mit SerfJanb unb SBiüen wirft unb Sewe^ 
gung; SebeU; Srfenntniß unb SBißen ber i^m junac^ß 



1) Ib. p. 93. 

2) Metaph. II tract. II, 2 ; de defin. et quaes. fol. 127 a. 



^ 



23 

untergeorbaeten &)flfym mitt^eilt; btefe pflanzt aüt btefe 
®aim n>ettar fort uüb äberträgt fte auf bte nä^fie Sphäre; 
fo reifet biefe ßette ber 3(tt6Pffe U^ auf unfere Srbe 
l^erab 0« ^i^ 93orau^fe^ung einer urf)>ränglt(^en SRaterte 
iti^tfy mn^H in biefe Smanationele^re tvefentUcI^ einen 
anbem ©etfi bringen ^ fte mateneUern SSorßeOungen ju^ 
ganglt^^ tna^en unb t^re fpiritualtjlifc^e ^ti^tm^ be^ 
fc^ränfen^ Sie 3Raterie tpurbe nun aa^ al^ ^rincip ber 
Siel^ett ongefe^n unb ein ®ntnb ber 93ie(^eit/ mlä^t in 
bem erfien ^en^eger ftd^ f(|)on finbe, barin gefucfit; ba§ 
er in feiner Sl^&ttgfeit ben niebem $))^ären be£ jDafetn^ 
fi4^ jttYDenbe ^» 3n i|nn ftnben ficf^ basier oui!^ nacf^ 3bn 
@ina ^attvit unb ^orm )oeretntgt. . S)enn ber ^imntel, 
beffen gorm bie @eele be^^immetö ifl; ifl ou^gebe^nt 
itnb bie Sluebel^nung im 9{amne ifl ba^ SSBefen be« Rox^ 
per« unb ber fWaterie^)» 

S8enn er nun in fetner orientalif^en ^^{lofoppie ge^ 
lef^rt ^abcn fottte; baß Oott nur ber ^immlifcj^e Äör^er 
fei, fo märbe bie^ boc^ au« anbem @runbfä^en gefloffen 
fein ; aU au« benen, n)e((i^e er in feinen un« juganglid^en 
©eifrigen att«f<)ri(|)t 3n biefen befennt er fic^ unjweibeu^ 
tig ju ber SWeinung, baß ®ott jwar nic^t außer , aber 
au^ eben fo wenig in ber SBelt fei % unb t>erfolgt einen 

,^ , , , III ' — 

1) De div. scienl. fol. 143 a; b. SSetgt Algazelis phll. I 
tract. 5. 

2) Averr. destr. deslr. fol. 23 col. 3. 

3) Ib. foL 31 co). 3 ; raetaph. II tract. 11, 2. Tlan muß ft(^ 

babei aUx Juten ben Unterf(Jicb stt)if*en ber SBettfccle «nb bem 
«nöanbe bet SBelt ju überfein. Metaph. IV, 3. 

4) De Almahad 3 fol. 44 b. Creatoris artificis, unici, li- 
^cri teu denudati a quantitate et qualitate et loco et tempore et 



24 

S3eg, ml^tx an bte ort^oboren Seiten itc SlraHfd^en 
3^0imatiUx miili^ft jt(3& anjuf d^miegcn fu^t - 2»<t (£t 
Sarai&i (egt er bfe Unterf^ieibutis in)tf^en bem moglt^en 
unb not^menbtgen SBefen }um ©ntnbe; ba^ leitete, tt)el^ 
(^e^ feinem Segriffe nac^ t>on aOet 9){atene frei i^, muß 
al^ ein einiget SEBefen angefel^n tDerben ; tt)ir t>erepren ed 
<rt« ©Ott ^)» ^n ber flettjj^nli^en SQBeife legt er ©Ott 
(Stgenfcf^aften itei^ toiU alter bie Slufiäf^Iung berfell^en ntd^t 
al^ Ceftnttion htttai^M n){ffen; benn ®ott fann ni^t 
erflart n>erben, t^eil er n)eber ©attung no^ Unterf(^teb 
fiat; fein 3Befen ifl unerfennBar; er fann e£ nic^t mit«« 
treuen; aUti, toai toix t)on i^m au^fagen, ibeßept nur 
in @rf(ärungen feinet IRamen^« fi(er^au))t tji iai äu 
nerße SBefen^ ftnb bie eigenfli($i unterfdf^eibenben ftJ^ert 
male ber Dinge / für un6 ni^t }tt erfennen; bie Sigeni* 
f4)aften legen n)ir ben 2)ingen aU ttwai «)on i^nen SSer^ 
f^iebene« tei 2)» 3nbem 3(^n ©ina ber SQBeft nic^t min^* 
ber aii ®ott Sn^igfeit i^eilegt, ttnterfd^eibet er bo^ ben 
@{nn biefer Sludfage )>on ber einen unb bem anbern« 
':ütm bie Smigfeit ©otte^ Uiti^nt, ba^ er fein ^ttax^ 
fad^enbed ^ximip ^ait, bie ßmigfeit ber SBelt <tf6er nur, 
baß fte fein s^erurfac^enbe^ ^xincip in ber 3^t ^ait, fon^ 
bem t>on unenWid^er 3^it fei ')♦ ©o finben wir ij>n 
ä6erpau))t fe|ir ))orjt^tig in allen S3e^mmungen , i^el^e 



ailu. — — Ncque est possibile, ut ipsa dei essentia sit extra 
tnuridum iieque intra mundum. ' 

1) De def. et quaes. fol. 121 a. 

2) De divis. scient. fol. 143 a; aphor*. de aniroa 10; 11; 
de def. et quaes. fol. 121 a. 

3) De def. et quaest. fol. liT b; 138 b. I 




2S 

ber St^eolcgtt Unfto^ gelten timUn. Sßenn gletd^ feine 
Slnna^me einer unetf(|rafenen SRatene gegen bad ortf^obore 
@9{lem toerfljßt, fo ftimmt ev i^vx bo$ fogleic^ n)ieber 
iei, tnbem er it^anipttt, bap Jebed jDing nur bun^ bie 
fortgefe^te Sßirhtng ®otM fortbauere, totH, wenn bie 
Urfac^e auf^^ore , and^ bie Sßirfung aufgeboten n)erbe 0* 
60 toerftc^t er oud^ bie freie äBirffamfeit @otte6 In allen 
feinen $er))oribringungen unb fe$t fte ber $lit|^&ngigfeit 
ber ©efcfff ))fe entgegen. 3^^^^ <^u(^ bie «)emünftige @eele 
onb bie Se»>eger ber ® eflirne ftnb frei , mü Iffre 9e^ 
tveguttgen ntit Semuptf ein unb Sbftd^t, ia mit SBai^I be< 
®uten gef (^e^eU; ai&er fte unterf(^eiben fi(]^ f^ierburd^ boc^ 
nnr «>on ben ttatärli($en Sen^egungen ber Rotptxwtft unb 
ti f^inbert bie^ ni^t; bap in aOen ifiren X^ätigfeiten @ott 
wirft, tüü(^tx be^wegen ntit 9te$t aU bie einjige freie 
Urfad^e ietrac^tet werben bßr^e^)* 

S33a« wir fo an einjelnen fünften feiner Sejre 6e«* 
merfeU; beweijl un^ nur, bag er wirHid^ burdjijufu^ren 
bemüht i^, toa^ er im ungemeinen ixhtx bad 93er^ä(tniß 
ber 55^iIofo!piiie jur Offenbarung aufjiettt. Sr \pxi^t ed 
ald feine Überzeugung mif bap, wenn mand^e $^iIo^ 



13 Metapb. YI| 2; de def. et quaes. fol. 136 b sq, 

2) Aphor. de an. 12. Et motus ipsius animae etiam sunt 
voluntarii, sicut motus sunt naturales, quoniam ipsi sunt se- 
cundum intentiones et appetitus. Quare ipsa vult eos; Terum 
est differentia inter ipsos motus voluntarios et inter naturales, 
quoniam ipsi voluntarii motus sciuntur cum intentionibus 
ipsiu^. — — Et operationes quidem alaethiarie, i. e. , quae 
procedunt ex libero arbitrio , secundum veritatem non verifi- 
cantur, nisi in primo ente solum. 



i 



26 

foppen gegen ten ©laufen unb bo^ göttliche ®efe^ ^ 
übergangen (hätten, bieö nur if^rer Sdo^^^it ober t^rem 
3rt^Um iusured[inen; oi&er ni^t au^ tf^rer SBiffenfcf^afit ge^ 
PojTeti fet. Senn leine. t)on aKen SBiffenfd^often Pe|^e in 
SBtberfprud^ mit bem ©laubett^}« ©anj tn berfeI6en 
äBeife^ v^t ein Slugußimtd , ein Slnfelmu^, erflart er ftc^ 
tt&er ba^ S^erfiättni^ ber Stelt^ion }ur $(fi(ofopl^te« jDie 
©runber beö ©laubenö, bie ^roppeteni Rotten früfier 
baöfelbe au^gefprodjfen , wa^ fpätcr bie fJ^ilofop^en ge^* 
le^rt l^ätten ; jiene f^ätten e^ m^ i^rer SBeife nur bunfler 
unb aU @rge()niß opne S3en)eid aufgefleKt/ bamit eö \p&f 
ter erfidrt unb mit Setoeifen ))erfefien n)erbe; benn bie 
Offenbarung fei für aüe Älaffen Ui SBotfcö unb müffc 
baper in einer (i(bli($en äSeife reben, tn m^tx fte fiir 
bie 9Wcnge t)erfiänblic|> werbe ^J» 2)agegen fei eö eben 
baö ©efi^äft ber ^fiöofoppie ju erMären unb^ ben S5c^ 
wei^ ffir ben ©tauben fKnjuiufßgen '), 2)ie pofiti\)e 2^ep^ 
logie; tt)el^e i^ren Urfprung wn ben ^ropl^eten l^at, gilt 
i^m au^ al^ eine (^rgän}ung ber natürli(|)en S^eologte, 
inbem fte @a^e aU toa^x au^fpred^e^ welc^^e ber uner^ 
leuchtete SSerfianb bei^ 97{enf^en nur aU mifiii^ gelten 
ia^tn fönne % 

3n ä^ntid^er SQSeife fprit^t er ftc^ nun^auc^ ßberl^aupt 

1) De div. scient. fol. 145 b. 

2) De Almahad 3 fol. 43 h sqq. Sefoitberd bie 2i^tm i»on 
Utpttlitfym ©trafen unb Belohnungen gelten i^m für UMi^, 

Ib. 3. fol. 60 b ; 4 fol. 65 b. 

3) De defin. et quaes. fol. 138 a. ^0($ utuf td^ bemerken, 
bag bied and einem ^n^ange gu biefer ©S^rift ifi; bfffen @((i|eit 
t^ieUeit^i bezweifelt merben fönnte. De div. scieni. fol. 144 b. 

4) De div. scient 1. 1. 




27 

lUer bte BH^tnn^m be^ Qti^ti ani, mli^t (em ^^ttn 
Sebett fx^ gumenberu S£ro^ feiner Seigre, baß aUe^äBelt^ 
li^e mit ber Wlattxit }u t^un ^abe, mod^te et: fte wn 
ber SBetmifc^ung mit bem 3Raterie((eit unb Bintdi^m 
frd fprec^en. @r eifert gegen bie {tmtli^e 93orfle(Iung<^ 
»eife ber SRenfc^en, n>el(^e er gtpar ald tttoai ^Roti^wen^ 
btgei^ anfielt; menn ber 9Renf(^ in niebrigen SBefcfiäfti^ 
gungen lebt, toti(!^t aber ber ®eift bed ^^ilo^op^m fiber^ 
minben ^otL 3n iai ©innlt^e eingetauc^^t / glaube bie 
@eele e^ gebe nid^t^ außerdem 6innli^en; bie SRaterie, 
ber ^5x)ftXf mit n)el^em fte t>erbunben iß; tt>irb ein^iti^ 
bernig i^reö reinen (Srfcnnend ber SBa^rl^eit ^3^ SBenn 
ber ^^ilofop^ 9on ber gemeinen ©en^ol^n^^eit iti ftmili^ 
c^en jDenfen^ ftcf^ befreien foO; fo muß e^ otK^ einen 
reinen ®eift in i^m geben, n>eld^er t)on ber SBermifd^ung 
mit ber SRaterte frei iß. 3n glei^er 9ii(!^tung mit bie«' 
fet Sorberung liegt ti, baß 3bn @ina ni^t aUein bie 
SnteHigenjen ber Oejlirne aU Sluöpffe ®otte^ anerfennt, 
toeI(^e ben ^immel unb t)on i^m aud bie irbifd^en 23inge 
regiren, fonbern au^ i^ö^ere auspfiffe ©otteö annimmt, 
reine Sngel, tt>ü^ t>on ben for^jerlid^cn (Sngcln untere 
(Rieben n)erben, unb nid^t tDeniger jenen einen @inf[u§ 
auf bie ÜKenfd^n gufd^reibt, inbem fie bie Ofenbarungen 
unb ©ebote ®otte« ijncn überbringen fotten^)* 



1} Apbor. de an. 3; 8; de anima 10 fol. 34 a. '-/fC 

2) De defm. et quaes. fol. 131 b. Et ex angelis quidam 
sunt intclIeQtuales, et quidam rationales animales et quidam 
corpore!. De div. scient. fol. 143 a sq. Et quaedam ipsarum 
(sc. substanliarum spirituab'um) sunt imperantes, deferentes a 
deo glorioso revclatioucs ejus et ipsius praecepta. 



28 

!D}an tonnte btefe Sefnren ffir ni(|)t^ aH ^nkquemtsn^ 
gen an bie äSorfleKnngeh be^ 3^Ia,m anfe^n^^ wel^e nur 
mi 9lot^ unb ntitn^tx oi^ne in bte @a(|ie etn^ugeffn ge^ 
ma^t n^firben« $(6er foKte aud^ etn^a^ berglei^en badn 
fein/ fo gewinnt ed bod^ eine anbete Sebeutung^ fo(aIb 
e« an eine forgfditig audgeffi^rte Cej^re fid^ anfd^tiegt 
a){e Sertinbung, in welche fo% 3«gePfinbntfFe mitiDif^ 
fenfd^aftlic^en ®runbfa$en gel^ta^t werben^ t>ertei^t i^tten 
eine Überzeugung n^enigflen« in einem gett)i{Ten ©rabe, 
n)el(j^e entgegengefe^te Überzeugungen mm au^ ni($t itf 
feitigeU; bod^ erfd^üttern fann« 

@o ifl e^ mit ben Sef^ren be9 Sbn @{na fi(er ba^ 
dmmateriede« @d^on in feiner Seigre über @ott unb bef^ 
fen Emanationen ifl ber Seim angelegt^ beffen (Snttt)id(ung 
ti mdglid^ machen foU m xtinti (Srfennen ber SSelt unb 
ber Dinge in i^r ju gen^innen. 93on bem Segrife be^ 
not|^n)enbigen Bün6 au^gei^enb fommt er jn^ar tmr baju 
®ott SSoOfommen^eit beijutegen; aber inbem er barauf 
fiefft, baß ©Ott nid^t aKein t>o(Ifommen ifi fär jfd^/ fon^^ 
bem aud^ bie fiberflr^menbe JQueKe^ m^ wti^tx aKe6 
äbrige @ein unb aHe äbrige SoKfonunen^eit flammt^ ^n^ 
bet 3bn @ina ti n^t^ig ®ott aU hai Übert)oafommene 
anjuerfennen ^3* Srfi l^ierburc^ wirb e^ i^m mogtic^ bem 
t^atiitn S3erf!anbe/ welcher ))on @ott ausfließt/ umofU 
fommener aU ®ott, aber bie OueKe aKed ®m unb ah 



1) Metapb. VUI, 6. Necesse esse est perfectum esse,, nam nihil 
deest sibi de suo esse. — — Sed necesse esse est plus quam 
perfectum, quia ipsum esse, quod est ei, non est ei tantum, 
immo etiam omne esse est exuberans ab ejus esse et est ejus et 
fluit ab illo. 




20 

le^ Qxttnnttii, fiU wUtommttt anjufe^n unb ba^et aUt 
Wattxit, adeö 93ermdgen unb afie Serauiung i^m q^u^ 
fpre($en, fo bap er aUti D^ne jeitlt^en Sottgang tm 
ii^tt ber (Stoigfeit evbiidt ^). fßon biefen »etben obet^ 
{len Drbnungen fleigen n)tr nun erfl in bie ®ebiete be( 
SBelt ^erab, in t^eld^er nic^tö SBoUfommne^ i^, in tcüß 
^tx bod^ aud^ tt)ieber {n)ei iDrbnungen unterf^ieben n^er^ 
ben, iti ©enögenben unb Ui Ungenfigenben, wn mU 
^en icnti bem ^immü, biefei ber SSSett be^ Sntßefientf 
nnb SBergei^en« angef^ort ^. @elbfl bie SBeltfeele gebart 
}tt biefen un))oinommenen Dingen, obn^o^I fte genugenb 
ifl , n>etl {!e im äBe^ifel ber Sen^egungen ftc^ felbß unter 
ber Seitung be6 tfiätigen SJetftanbe^ «oe^ifelnb in ber 3^t 
i^re formen ]^ert)Drbringt/ xoai bei ben jDingen ber ^n^ 
ganglidl^en SBeft nic^t ber %aU i^, 2)iefe Unterfc^etbultg 
im^^tn, bem reinen SSerßanbe unb ber bewegenben @eele 
ftt^rt nun 3bn @tna burd^ feine ganje Setrad^tung ber 
.2>tnge ^inburd^* @o toit in ber SBett üUx^an^t ber reine 



f) Ib. IV, 3. Plus quam perfectum autem est id, cui est 
esse, quod debet habere, et ab ep exuberat esse ad ceteras 
res. — — Et hunc ordlnem attribuerunt primo principio — 
— et ordinem perfectionis attribuerunt intelligentiae ei , quae 
ex intelligentiis separatis in principio sciendi esse in effectu (?), 
cui non commiscetur aliquid polentiae nee exspectat aliud esse. 

2) L. ]. Id autem , quod est infra perfectum , posuerunt 
duoy scilicet sufficiens et insufficiens. SufHciens est id, cui at~ 
tributum est aliquid, per quod acquisitum est ei complcmentum 
sui in se ipso; insußiciens vero absolute est id, quod eget alio, 
quod attribuat sibi completionem post completionem. Exemplum 
autem sufficientis est anima rationalis, quae est universitatis 
sicut coeli. — «— Insufficiens autem est, qualia sunt ea, quae 
sunt in generatione et corruptione. 



*i. • 



30 

fßtx^ani t)on ber @eele unterfc^teb^n tft, fo ^at avi^ tin 
j[eber ^immtUttti^ , ein j[ebe^ ® efKrn.fcm.cn rcmcn 33cr* 
Panb, welcher von feiner ©cetc t>erfd^tebc|i ip» ©enn 
Um reinen 93erßanbe butfcn tDir ed ttid^t gumut^en, baß 
er bie Snatcrie i&ett)ege; er t)eränbert ftd^ ni(|it; er Jiat 
feine finnltc^e aSorflcffung be« Sefonbem, wie eine f^I^e 
gur Senfung ber natiir(i4;^n 2)inge gefrort; nur burd^ ben 
saSittcn ber ©ccle werben fie bewegt, ber SSerfianb aber 
tji nur bie entferntere Urfad^e ijirer Bewegung ^)* S33tr 
fc^en, Wie biefcd ®9flem forgfältig tJcrmeibet ben reinen 
SSerfianb im ®egenfa$ gegen hU pxafti^^tn unb jlnnli« 
c^en X^tiQUittn ber ©eele mit beut SJ^aterielten unb 
3eitli(^en in eine unmittelbare Serfi][»rung gu bringen« 

3ln biefe Siic^tung fdj^Iießt jtc^ nun aud^ fe^r genau 
feine Sej^re \>on ber ^Dcmünftigett ©eele an, tin X^til 
ber $^iIofo))^ie^ ben er mit befonberer SSorliebe au^ge< 
bilbet gu l^aben fd^eint* Wt i^m in genauere ^orfd^ung 
ji(^ eingulaffcn, bagu mußte feine 35ef(3^dftigung mit ber 
2Mebicin i^n aufforbern* S33a^ er für i^n gcleijict l^at, 
vcrbient unflrcitig bi^. S3eadE)tung; wclcfie eine fleißige 
93enu^ung ber (Srfo^rjtng unb ber. Überlieferungen auf fi^ 
giepen fann, wenn eö an^ feine große S^iefe eineö erffn- 
berifd^en Ocißeö geigen foHtev 

Slatftrlid^ ßepen mit ben Unterfuc^ungen ilber bie i>tx^ 
«ünftige ©cele aud^ bie gragen na^ ber ©eele u6er{>aupt 



1] Ib. IX, 2. Prlnpiplum motus cpell non est natura. $ed 
jam ostcnsum fuerat non es&e per violentiam , igitur est per vo- 
lunlatem. Dico etiam, quod principium sui motus propinquum 
non potest esse virtus intenigibilis pura, quia non variatUr nee 
imaginat particularia. 



% 



/ 



51 



in gemiuefler SSerMnbung^ Um juerfl )u iei^ett , ba§ toix 
@eeten an^une^men-^aben, beruft er ftd^ auf itt)ei @r< 
fc^etnungen, auf bie toidfürli^ie, nt^t natär(t(|^e SBetve^ 
gung unb auf bod 93ett)u^(fetn» SScrmoge ber natärlt^feii 
93en>e^ung bett>egt ^i^ tai Seichte nad^ oben ; t>a€ @4in)ere 
nad^ unten; biefe Bewegungen ^odjte^en ftd^ immer tn 
berfelben SSetfe; au^er tffnen aber gtebt tS anbere S3e^ 
megungen, weld^e in t)erf4iiebener SBetfe^ ba(b fo, batb 
anber^ gefd^e^en unb nur bei lebenbtgen $5r))ern gefun« 
ben werben« Seibe 9lrten ber 93itt)egung fönnen n)ir 
ni^t au6 berfelben Urfacbe ableiten« SQBenn jene ^mt* 
gung ber 9latur jugefd^rieben xoith , fo ^aben xoix bage< 
gen tivit loon ber 9!atur berfd^iebene Urfadfie btefcr Se^ 
n>egung mixint^mtn f m\6^t mir @eele ober ©eetenhaft 
nennen ^)» Sin biefen ©ewei6 fd^ließt pc^ ber ©egrijf ber 
©eete an» 3ener ging t)on bem ttnterf^iebe ber. leben* 
btgen Jßinge bon ben teblofen aud; ber Unterf4iieb ber 
2)inge beruft aber ni^t auf i^rer 9Raterte, fcnbern auf 
i^rcr gorm unb ed ergiebt jicf> atfo, ba^ bie €eele bte 
gorm ber lebenbigen Singe iji 23, Slud^ t)erfc^tt 3bn 
©ina m(bt baran ba^ Übrige anjuf(^He§en , maö in ber 
Srijiotelif^ien grffarung ber ©eele liegt, inbem er bie 
gorm ber Singe aW i^iren S^ed betroc^tet, afö bie Soßen* 
fcung ober Snteled^ie, welche jte erreicf^cn foßen, inbem 
er auc^ bie erfie unb bie ixctiit SSoöenbung unterf^ieibet 
unb jeigt, bag bie ©cele nur bie erjle SSottenbung ober 
baö ^J^ii^^^^l^ "^^"^ bottenbeten S^j^attgfeit beö lebenbigen 



1) De anima 1. 

2) Ib. 2. fül. 4 b sq. 



52 

Ritptti ifl ^> a3efont)erS a^^i? im&^t er ft^ ffieviei ju 
jeiflen^ baß bic gorm be« leJenbigen Äorjjert nic^t auf 

bcr Sufauimenfeftung (mixtio, complexionalls permixtio) 

ber in i^m enthaltenen Utptxli^m^aUxk berui^e. S>er 
93en)et^ baför xoixi [e^r nmftanblic^ Befü^rt; bod^ fonnen 
y^ix tfin au$ ber \>orUe8enben Ü6erfe$ung, m^c offem 
bar lödenjaft tfl, ni^t beutlic^ erfe|>em iRurfo »iel 
btidt fier^oor, baß er n^efentltcfi barauf gegrunbet toixb, 
baß bie Sewegung eine« ^6x\^xi, beffen gorm in feiner 
Sufammenfefeung liege ^ von ber Statur feiner Seßanb^ 
t^etle abfiängtg fei utib bafier nur in einer fU^ gleic^dei^ 
benben S3etfe gefcfief^n n^urbe^ 2)a nun aber ber leben^ 
btge Körper balb fo, balb anberö ft^ ben>egt/ fo fonne 
bie i^n unterfd^eibenbe gorm nic^t in ber Sufammenfe^ung 
ber STOaterie liegen, fonbern muffe tfim wn an^tn fem* 
men ^3« SSte auffaUenb biefer ©a^ auc^ fd^einen fonnte, 
fo yat er feine 9Infnu))futtg«))unfte bo<|^ nic^t aOein in 
Stußerungen bed Slrtftotele«; fonbern aud^ in ber aKges^ 
meinen üDenfweife, mlä^t biefer ganjen Se^re jum ©runbe 
liegt* SDenn bie Materie unb ha^ ^(rperlicfie n>irb 4!>on 
i^r bur^au« nur . aU ttn>ai Setbenbe« unb Untf^atiged 
angefejm ; nur bie gorm i|i tätige« ^rincip ; fte ifl f o 
wie ©ecle , fo aucj^ Statur 3)* gür j[ebe Sewegung be^ 
barf e« alfo eine« ©ewegerö, welker in ber gorm liegt 

n Ib. fol. 5 a; :aphor. de an. 16. 

2} De anima 3. 

3) Aphor. de an. 9 fol. 106 b. Et non est possibile , quod 
corpus sit causa eflßciens sui ipsius. — — Et corpus quidem 
uon habet Operationen! per se. — — > El corpus quidem ope- 
ratur cum aggregato ex sua materia et ex forma sua et (aut?) 
ex natura sua aut ex anima sua. 



^ 



35 

thtt in tm 3^^d bev .Sett)egung« S93o a(et eine U^ 
fonbere SetDegung tfl, n)ie Ui Un i&efeeUen SBefen, ba 

* 

mag aud^ ein (efonberer Swtd soorau^gefe^t tDerben, 
meieret nic^t in ber aUgemetnen 9tahtr, fonbem in bem 
iefonbern SSefen liegt 9tun tDtrb bie SDtifclung bei ibe^ 
Uittti Stixptti nx(fyl but^ fte fel^fl ^ert^otgetrad^t, fte 
fatttt ba^er a\x^ nic^t bie (ett^egenbe Sorm, nic^t ber 
3med be< UUUm Six)ftx^ fein, unb tt)ir mäffen be^we^ 
gen außer bem Geleiten ^5tper feinen 3tt)ed unb feine 
(ewegenbe Utfa^ie fud^en, b. ^« bie @eele muß tf>m wn 
wx^tn fommett ^* 2>ie SSorau^fe^ungen biefer Se^re be^ 
nt]^en wefentlid^ barin , baß bie gorm ^on ber 9)taterie 
ttrf))rfing(t(^ getrennt, baß biefe nur ba^ SRittet, jiene 
3wed unb iewegenbe Urfad^e ift, unb baß ti ni^fyt aU 
lein einen aUgemeinen S^tä, fcnbem auc^ (efonbere 
3n>e(fe/ tt){e befonbere Sßefen gie(t Slußerbem tohb nod^ 
hinzugefügt, baß bie @eete bie 93erSnberungen ber ^U 
fi^ung nid^t füllen u^firbe, mm fte nur bie ÜRif^ung 
be^ ^orptti tpare^)« Sn bem ©ewi^ite, ml^ti ^'oU 
cenna auf biefen |$unft feiner Se^re legte, fann man fein 
Seburfniß ermeffen, ben SBorpettungen ber Slrjte, aW »enn 
bie @eele nur in einer eigentffümlicl^en SJJifd^ung ber @Ie^ 
mente beftanbe, mi aUen Gräften {td^ entgegenjufe^en. 



1) Ib. 18. Fuit necessarium , ut sit finis particularis existens, 
ita ut ^erificetur esse motus particularis. Ib. 19. Quaelibet 
dispositio corporea accidit post motum, quare non yerificatur, 
quod ipsa ponatur causa finalis motus, quare ipse movens est 
finis et anima. Ib. 20. Si complexio esset anima, tunc opor- 
teret, quod compleiio esset ens ante complexionem , cum ipsa 
sit movens elementa ad mixtionera. 

2) Ib. 23. 



34 

S)en SJomutf^ tt)el($en man ter Uriflotelif^ien Seigre ma^te, 
al6 ^tit {te burd^ tfire SrHäruitg Ht @ui{ianttatität ^et 
@eete auf, »)i(l er auf aHe SSetfe iefeitigen ^3* 

SSenn aber 3(n @tua, toU vorder ibemerft tDurbe, 
tn feinen Sen>etfen för ba6 Safein ber @eele nic^t aUein 
auf bie Srf^ieinungen ber tDidffitlic^en SSewegung, fon^ 
bem au(fy bed Setvußtfeind in ben lebenbigen SSefeti 
fSt&d\i^t m^m, fo i&en^eift bieö \^on, baß e^ifim ffaupt^ 
fäc^Ii^i um bie t^ierif($e ©eele ju t^un i% <Sx f(|Iießt 
l^ierin an bie 3lrifioteIif^e (Sinti^eitung ber ©eele \i(fy an« 
3n ber SSerf^iebenffeit ber lebenbigen Sen)egung nemlid^, 
n^el^e t^eil^ nur eine quantitatibe, t^tili aixcl^ eine öxt^ 
lid^e ift , liegt if^m ber Unterfd^ieb in)if(|en f^flanjen ^ unb 
S^ier^^eele; iai Semuptfein aber ift tfieitö (Srfenntniß 
burd^ bie @inne, t^tili ^erflänbiged !Denfen unb j^ierauf 
beruht ber Unterfct)ieb {tuif^en tpierifd^er unb t)ernftnftti> 
ger ©eete ^>* 

3m S:piere fonrnten nun bie beiben STlomente {ufammen, 
auf n^el^en ber Segriff ber Seele beruht/ bie ^Seu^egung 
wn einem befonbem ^rincip au^ unb bod 9en)ußtfein« @o 
wit bie SBen^egung tint ixtti^t unb toiUfMxtfyt u^irb, fo 
muß au^ iat Setbu^tfein, bie (Srfenniniß burd^ ben @inn, 
ftd^ ifyt sugefeUen« S>enn bie frein^idige Sen^egung u>Srbe 
nur f^iäblic^ fein, tpenn fle burd^ bie ftnnli^ie Srfennt' 
niß bed yiü^Ui^n unb ©^äblid^en nic^t geleitet n^firbe; 
aber aud^ ber flnnli^ien C^rfehntniß barf bie frein^idige 
Sen^egung nid^t feilten ; benn j[ene tbfirbe unnä^ fein, \»tm 



1) Cf. de Almahad fol. 57 a. 

2) De anima 2 fol. 4 a sq. 



k 



5» 

fte tii^t t)on Mefer begleitet tt)&re, um tM ®4i&b(t^e ^tV 
ffen unb ba^ !RS$Itd^e fuc^en gu f^nnen* S>a]^er $at bte 
Statur, mö) (Sottti SJorfe^ung^ btefe l&eiben Sttiftt mit 
ftnanber x>ertunbett ^)* 

^tcrBet gc^t nun 36« ©tna in dttc genaue Untere 
fud^ung fi(et bte ItpatiQUitm ettt/ n)el^e ba< t(!terifc^e 
Sewuptfetn H(ben, gn^ar aft ben ^n^ottUi fxtfy anf(|il{e« 
f enb, af>vc beffen Sejfren fd^arffinnfg ewettemb» ©eine 
Unterfc^etbungen ftnb titi ©emeingut ber %xaii\^tn ^^U 
Ufop^it gett)orben unb ^aUn ftc^ wn ifyx auf unfere 
neuere fJ^ttofop^ie fortge^)fIanjt ®aß er aW ber ®e^ 
grfittber biefer Sej^rweife angefepn »erben barf, ergfeW 
ft(^ tt)entg{lend mit SSa^rf^einlid^feit barau^^ baß {te ntd^t 
an aUtn Orten feiner ©d^rt^en in ber \>oIlfl&nbig ent^ 
tDtdeUen ©eflatt auftritt, tvetc^e fte gule^t bei i^m an^ 
m^m ^* 9lad&bem er bie fünf äußern ©inne aufgejfifflt 
|fat, ttttterf (Reibet er t)on ij^nen ben innern ©inu; in »eT* 
(fytm nun no^ fünf anbere Unterfd^tebe eintreten* 3«erfl 
ip ber ©emeinjtnn ju bemerfen , welker bie Stnbrfidt e ber 
t)erf(^iebenen ©inne jufammenf aßt, fo baß bie Sintere 



1) Ib. 5 fol. 12 b. 

2) X>W tltint ®^xift de anima 7 fol. 20 a sqq. ^at Xltlt Dter 

%iüU ber jtnnlid^en @cele, int)em ite @m6iH)unööfroft unb ?55an* 
tofte noc^ nf(!>t unterfcjeibet, bie ginbifbunQöfroft gum ^frctl in 
ben ®etnetnf!nn ^inübergie^t unb au(( bie Z^nU bed ®e((rn^ on« 
bet^ angiebt, aU fte fonfi ))on ben ftrabern angegeben gu n^erben 
j)f[egen. 33?an Jat wojl nit^t nötjig ^kxin gejier be^ Öbcrfeferö 
JU fejen, tt>ie Stogcr Saco t^ut (op. maj. V dist. l c. 5), um fo 
iDentger, ba bicfelbe ^int^eitung au(( an anbern ©teden be^feU 
ben Suc^e^ borfommt, g. IB. c 5 fol. 13 b sq, fSlix iH e^ tt>a(r* 
fi^^einric^er, baß biefe ©d^rift bie erflen Linien einer 2:^eorie ent* 
>ätt, tt>et(5e fp^ter genauer au^gebitbet tburbe. 

3* 



36 

im @t(mbe flnb eine iBotfleOuttg ^on ber ©lei^^eit tmb 
SSevf^iteben^eit ber (Sinbrfide, von i^rer iBetMnbnng imb 
i^rer SIrennung in einem ober in t^erfc^ebenen jDm^ 
gen }u ^aben* 3bn @ina nennt i^n aui^ bie bilbenbe 
Sttaft ber ©eele, bod^ fd^eint biefe Seaei^mnngdmeife fc^on 
in ben Stttii ber Si^&tigfeiten ^tnüberjugreifen , toeld^e in 
fpftterer, genauerer Unterfcf^etbung ber |)^anta{te jugefd^rie^ 
ben lourben« S>ie Sinbilbungifraft bewahrt aMbann bie 
Stnbrüde, ml^ bie @eele im ©emeinftnn em))fangeti 
unb t>erbunben ^ai, aud^ nad^bem fte ifyta vergangen ftnb« 
(Sine britte ^aft n)irb ii^r angefügt, toeti ba ^ SCffier feine 
{innli^en Sinbräd(e anc^ beurtpeilen fann, ob fte ftnb ober 
nid^t ftnb, ob fte Q^atli^ti ober 9tfl^ttd^e9 bejeid^nen; 
fte Ifeißt bie ftnnKd^e Urtjeitöfraft (virius exwtimativa, 
opinatlTa, GogitaüYa). 3^r f (fließt ftd^ eine vierte ^aß 
in bemfetben 93er^altntffe an, in loetdfiem bte (SinbObung«« 
fraft inm ©emeinftnn fle^t; fte betoai^rt btefiber bteftnn^ 
Itdfien @tnbräd(e fräj^er gefaßten Ur^eite mtb koirb ®e^ 
bad^tniß genannt» Um nun aber von oOen biefen Gräften 
©ebraud^ ma^tn lu tinntn für bte totOfürlic^e Sekoegnng 
tt)irb aud^ noc^ |$^anta{te für bte t^ierifd[ie @eele verlangt, 
burd^ tvdd^e fte von ben bt^^er vorgefommenen SSerbin^ 
bnngen unb Trennungen ber (Srfd[ie{nungen, fei ti beö 
Sreunblicfien, fei ci bti getnbttd^en, abfegen unb neue 
SBerbinbungen ber ^urd^t ober ^opung ftc^ biiben fann. 
Sür btefe fünf 2:$fatigfetten fuc^te nun 3btt 6tna aud^ bte 
entfpred^enben Organe im t^ierifc^en 2tiU auf, inbem et 
mit bem ® ateno« ber Überzeugung i^, baß bte SC^atig^ 
feiten ber t$iertfd[ien @eete im ©e^trne t$fren ®i^ ^abem 
(Sx unterfd^eibet mit ben ^^^[loUitn brei Steile M ®e^ 



1 

I 



S7 

^trn^, ben vctbmt/ ben mittlem unb ben ^intern; m 
bot »orbent Z^tü verlegt er bie ^fittgTeiteR bed ®etnem^ 
fmiie^ unb ber (Sinbilbung^ftaft; jfo baß j[ene bte \>or^ 
berfle, btefe bte ^interfle ^(fte be<felben befd^fttgen fol^ 
leit; in bem mittlttn Z^U fud^t er Hi SEBer^eug für 
bte $^anta{te unb bem Ifintern SC^etle t^ettt er n)ieber 
jtDei S^fittgfetten, bte beurt^etlenbe unb bai ®ebfi(|^tni§ 
iH, iti berfelben Seife itoti ^ilfttn beffelbeti unterfcfiei^ 
beitb, tDie jn^ei ^filfteti bed vorberßen X^tUti angenom^ 
men ti^urben ^3« 

Sud biefer Se^re ergiebt ftd^ tiuit, baß bie t^ierif^e 
Seele md^t fftr fld^ i{}> fonbent eine« SBer^euge« für ade 
t^re St^ätigfeitett bebarf ^. @ie n>trb ii»ax aU eine gorm 
gtbad^t/ tt>e{d^e t)on ®ott in bie aSaferie gelegt tvorben/ 
ttnb bedtvegen ^alt aud^ 3bn @tna bei aUen feinen Un^ 
terfc^eibungen i^xtt 2|fStigfeifen bie Unff^eilbarfeit unb 
Sintiett ber t^ienfd^en @eele fe{l'3; aber für bie ÜRaterie 
befUmmt fann fle bod^ wn ber üRaterie unter feiner S3e^ 
bingung getrennt Werbern Z>ie6 n)irb nod^ baburd^ ^tx^ 
fiärft, baß alle ttnferfud^ungen über ba« ftnnltc^e (Srfen^ 
nen barauf i^inaudlaufen ^ baß e« feinen anbern 3^ed( 
fiabe ald ber tpiUfürttc^en Bewegung ju bienen. SBatf 
biefe betrifft; fo unterfd^ibet 3bn ©ina mit bem fJlaton 
)mei ben^egenbe Gräfte ber t$ierifd[ien @eele/ baö ftnm 

1) Canon I. fen L doctn b. c. 5 ; mit einigen Sem>imtngen 
bif {tbetrc^ung bed (EedUud Sabrianenf!^ t)on ber großen ©^rift 

de jaiaima ps. I c. 5 fol. 5, tDetc^e 1$ t^ur QUO Degerando bist, 
comp, des syst, de phil. IV p. 313 lenne. Sergl* Algaxelis pbi- 
iosopbia n tract. IV, 4. 

2} De anima 7 fol. 21 b. 

3) D« Almabad 3 fol. 60 b. 



38 

li(i)t SBegeffvung^^emogen unt ben 3orn 0» ^iefe ftnb 
bei ben Zyitxtn bai ^erfd^enbC/ beim !D2enf($en bagegen 
nur tttoai Untergeotbneted ^) ; benn bei ben Spieren iß 
alle @rfettntoi§ nur barauf angelegt/ baß {te bad @4läb^ 
It^ie unb 3lü^iij^t für i{ir Seben unterf^ieiben lernen; 
i^re bewegenbe ^aft ifl aber nic^t baju ))or^anben, baß 

' fie atö Ttittü för bie {ßerid^tigung nnb SBefferung iprer 
Srfenntniffe biene* jOenn fte bleiben unter allen ttmfiatt« 
ben bti ber {tnnli^en (Srfenntnig flej^em @o muffen tt^ir 
ben ganjen ^aud^alt ber t|^ierif4ien ©eelent^atigfeiten auf 

' bie bet^egenbe JEraft bejie^en. @ie ifi ber %&x^, *mif 
ifytm, bie übrigen ^äfte bienen ; bie fünf @inne ftnb i^re 
na^ t>erf4Kebenen ©eiten Dertj^eiften ©päj^er; ber ®e« 
meinftnn ift berSote, welcher i^re 9la(^ri(^ten überbringt^ 
bie Sinbilbungöfraft i^r ©cffreiber, ber bie 9la$ri4iten 
empfängt unb an ben @teKt>ertreter bed Surften übergiebt, 
bie Urt^eitöfraft ifl eben biefer @te(I))ertreter/ unb hai ®e« 
bä^itniß t>ertritt ben ^a^ ber fürfitid^en ® ei^eimniffe ^> 
Sei ber toernünftigen @eele be6 äXenf^ien iji nun abey 
ein anberej SSer^oItniß. 2)ie ben^egenbe Jhaft bient ipt gisy 
Seri^tigung, Steinigung unb SSerbefferung ber Srfenntniß» 
2>enn fte fott ni^t ^t^tn bleiben Ui ben {tnnli(^en Srf enntnif# 
fen, t>ielme|ir jur ginftd^t in bie fiberftnnlicfien @rünbe ber 
S)inge fid^ ergeben unb baju iß ed not^n^enbig, baß {ie 
soon ben jtnnli^en Sebürfniffen unb Segierben ftc^ frei 
ma^e^ ftc^ reinige t)on 3orn unb Seibenfcbaft unb alfo 
bie bemegenben ^afte ber Seele ber reinen (Srfenntniß 

1) De anima 5 fol. 13 b. 

2) Ib. 5 fol. 13 b sq. 

3) Ib. 5 ibl. 13 b sq. 



L 



ber Semunft utttemerfen (emt^)^ SBtr fefien, baß 3bit 
6ttia o^iie di&ä^olt an bte Süd^tungeii ber Slri^otenf^^tt 
Seigre ftd^ anfd^ieft/ inbem er bte praftif^ SBemunft bec 
t^eoretifc^en unierorbnet unb |ene nur ffir ben ^aui^tt^ 
Wolter biefer ^fitt* 

Unb ^ittin tonx^üt lai SSefen feiner Se^re über bte 
t)ernun^'ge @eele. SStt t)ieler fitii^üfycli^Uit Mt et 
und aud ben (Srf^eittungett barsiti^mt, baß i^ eine Itraft 
bed Srfennen« teitDOl^ne, tt>el((^e Mti aKem @innlt4iat 
ttttb SEKateriellen frei iß« 3ttHir urirb babei t)orandgefe$t, 
baß bte @eele betf ÜRenf^en ber ftnnlic^en SBa^me|fnmng 
bcbürfe nm jur SSif[enf4iafi ^u gelangen ^ ; ober mtr auf 
bem 993ege bienen {ie i^r, am ^itU angelangt unb tti 
bemfinftigen ©ebatden« ni&^tig fann fle biefe ^filfe tsä^ 
UfyxtJtu 2>aß, eine anbere ä^fitigf eit aUbann in i|^ ivalte, 
iß bem 3bn ®ina avii bieten Stilen ungmeifel^a^ Die 
@inne nef^men ^woit mif bie formen ber 2>inge »al^r, 
ober eine j[ebe folc^er formen ober Strien (spedes sen- 
sibilis) ifi an einen Ort gefnüpfi; bagegen bte Sormen^ 
n>eld^ ber Serftanb aU aKgemetne formen ber !Dinge 
(species intelligibiled) erfennt, ftnb t>on frtltd^em 2>a^ 
fein unabffängig ^). d^ i^ängt bamtt sufammen ; baß bie 
futnlid^en Sinbrütfe eine befiimmte @roße unb SSer^aft^ 
nißmäßigfett ju unfern Stnnenwerfjeugen unb unter fld^ 
i^aben mfifTen, um in und einjuge^n; bied ftnbet aber iü 
ben SrfenntntfFen ber vernünftigen @eele ntc^t fiaü; ber 



1} Ib. 10 fol. 34 a. 

2) Aphor. de an. 1 fol. 103 a. Et sensus quidem sunt viae, 
es quibus anima humana acquirit scienüas. Ib. 44. 
3} Oe Abnabad § fob 69 b. 



«0 

g¥(f ßere ©ebonfe I6f^i nt mt« ben netnern nic^ oxA ^)« 
$lttd biefem ©egenfa^e ergteBt ft^i an$ , baß n>ir ftnuljc^ 
bad Unenblt(^ ju erfennen n{(|^t \)enndgen , burcfi ben 
SBerßanb a^er i^emdgen wir ed; benn bte (Srfenntntg ber 
SBiffenfd^aft etfbedt {t^f.fiber unenbltd^e Slrten unb 3ci^' 
len ^3^ 9Io(^ anbere ®Winbe füffren auf bkfelbe Untev^ 
f^etbung^ Unfeir ft^tper unb mit i^m unfere {tnnlt^e 
i^f&ngKd^feit nimmt i^om 40. ^a^fte unfere« Slttet^ aifr ; 
aber eben )^ott btefer Z^W beginnt gen)opnti(|^ etfi bie 
reifte ftra^ {lit bie ))ernfinfti8e. Sinftc^t^}. ^n nod^ 
mei^r ^ea)ortretenbet; Untevfc^eb ifl, baß alle ftnnlic^e (Sr^ 
lemitnif einen Süßem @egenßanb %^if tpeil {te buvd^ 
ein äSerfieug ^^oA Unbeved auffaffen muß; baffer fann 
bie {tnnlü^e (Srfehntntß tveber fi^ felbfl, nod^ i^r 9Ber& 
jeug erfennen; bie )^ernfinftige 6eete bagegen erfennt i$t 
SBer^eug unb i^x SSSefen unb \^x eigene^ Q^fennen^% 
^ i^itb l^ieran« nnmitteI6ar auf ba« gfir^fid^^beße^fen 
ber t>emünft{gen @eele gef^iloffen , tt)eil fte ft(^ fettß be^ 
ftimmt; inbem fte i$fve eigenen @ebanfen o^ne <^filfe eined 
S93er!^euge6 soollsie^en fann, n)ei( ni^ti sn)if4ien i^r unb 
bem ©egenßanbe Vycii TbtxütxA ißO« Süßer biefen 
©tfinben t^erben mi) xot>^\ no(^ anbere ?angebeutet ^3 ; 

1) Ib. 5 p. 71 a; de aniraa 6 fol. €9 a; 8 fo). 24 a; 9 
fol 29 b. 

2} De aoima 9 fol. 30 a; de Almahad 5 fol. 68 b. 

3) De anima 9 fol. 30 a ; de Almah. 5 fol. 71 a. 

4) De Almab. 5 fol. 70 b sq. 

5J De anima 9 fol. 30 a. Omnis res, quae non indiget 
in operatione sua proveniente ab essentia sua re alia, quae ip- 
sara adjuvety nee ettam indiget re alia, quae ipsam adjuvet, ut 
slet per se. De Almah. 5 fol. 71 a. 

6) (£ine toeitf&uftigere ^lufaci^iune \>sx ©rfinbr , toel^e bie 



41 

bod^ mfiffen ti^ix tai ^avi^tQmiäft auf ben ttnterf^tb 
}wif^en fhiQlid^ unb ))cvfiänbtger Srfenntntß legen» 3ene 
besiegt fi^ auf ba« Sefonbere, biefe auf ba6 SUgemetne^ 
inbem fte bfe begriffe ttnb ®runbffi^e, ani »eld^ aSe 
Siffenf^^afi fließt/ ju i^rem ©egenfianbe mad^t (Ebitt 
wül biefelben mit nitfyti Sefonbetem ju t$fun paben, ftnb 
{te an fdne 3Satetie gefttfl))ft 0« 3(n @{na gebroui^t 
jiebo^ btefen nnterf(|{eb tventger einfach 'ffir fi^, aK in 
Serbinbung mit anbem fJunfteU/ mX^t bie Gac^e ju 
einer nti^ tiefem (Entfc^eibung bringen foOem SieOeii|$ 
(iegt bec ®ntnb batin, baf 3bn @ina jmr ba^ ÜOge« 
meine fSr einen (Segenßanb ber SBerflanbe^erfenntni^ et^ 
Kart, aber boc^ av^ rinjelne inteffigible 2){nge fennt^ 
wie bie ä^rnunft unb bie @eele ^3. fiSieaeic^t n^itft ffierju 
nod^ mepr, baß 3bn 6ina bocfi au(ff, ipie 8lrißote(e«> 
bie ^älfe ber fimli^n SSorßellung jur (Srfenntniß ber 
reinen formen tii<fyt gering anf4i(5gt unb au<^ bem ^w^ 
liefen ^tiU ber @eele eine (Srienntnif ber ftnnli^en 
arten ober formen }uf^reibt'). 9Q3a4 er bagegen in 
feinen IBen^eid ^inein^ie^t, ift ^avapt^&^li^ ber ffir bie 



«rabif^e ^^Uofop^e fut tiefen ^unlt aulgefü^Yi (ot/ flnbei f{(b 

Agazel. phil. II tract. IV, 5. 

i) ^ttqU bie )>etf$iebenen SifCärungen bed Set^anbe^ De 

def. et quaes. fol. 122 a aq, 

2) Apbor. de an. 24. Rej autem denudatae'apprehenduntur 
per se absque instrutnento. Et instrumenta quidem fueruot 
posita, ut per ea apprehendaoiur particularia et sensata. Uni- 
versalia vero et intelllgibilia comprehenduntur per se. Et ipsa- 
met anima , quamvis sit particularis , tarnen ipsa est intelli'gibilis. 
Non enim omne intelligibile est intentio universalis , sicut est 
intelligentia et anima. 

33 De anima 8 fol. 23 b. 



t ' 

48 

fbobtx fepr genot^Hge begriff Ui (Sinfac^em 2H( )ufam^ 
tnenjgefe^ten Segtiffe beö fßtt^aniti, ml^t ^ aufldfeu 
bffen in i^xt Sßt^anit^tiU , fic lajfen ft(^ ^utfiäffi^ren 
toon ^er einen @eite auf einen oiberflen Segriff, ber ftc^ 
ni^ iveiter burd^ Sluflofung feiner S3ef}anbt^eile etSfiren 
I&gt/ ]E)on ber anbern @eite auf bie befonberflen Sitten^ 
»et^^e ftd^ nid^t mittx eintfieUen laffen* ©ofonunen 
xoix aulegt auf ttxoa€ 6tnfad^> n^el^ied geforbert mx^ 
ben mug, bamit bie a3iffenf(|aft ni(|t in ba^ Unenbli^e 
gej^e; fpnbern no^ beiben @eiten)u ein gef^iloffeneö @9^ 
Pem bUbe^ (Sin foI(|ied Unt^eilkved giebt ti im @inn^ 
li^en ober SKaterietlen ni^t, unb bedtuegen mu^ aud^ 
biejoernfin^ge @eele dU eine ©ubflanj geba(|t tt)erben, 
tpelc^ in i^ren Sl^fitigf eiten , xolt in i^xtm ®tin wn 
bem Ü^aterietlen unabhängig ifl 0« 

hieran fclltef en ftc^ nun bie tvkfytigfien Folgerungen 
axL 2)ie oernunftige @eele tt)irb al^ eine Subflau) be^ 
txa^ttt, wtli^t ben Sebingungen bed ftnnli^en unb toett^ 
(iiii^en S>afein^ ixt tffrent reinen Srfennen enthoben iß. 
3ti^t allein, ba§ loir gur t)emfinfKgen (Srfenntnif , be^ 
fonberd ber ©runbfa^e ber SSSiffenfd^a^ feinet Drgand 
bebürfen, benn bied ge$6rt nur ben niebern Suflanben, 
ber UnooIQommeni^eit be6 gegentt)artigen menfd^Iic^en l^e^ 
ben^ an^; fonbern baö t)emunfttge ßrfennen foQ auci^ 
unabhängig t)on ber 3ctt befielen unb ni^it in ber 3eit 
wUmtn toerbem Senn an^ jugegeben toerben mn^, 
baß in ben £inbern iai 93erflänbni§ ber ©runbfä^e nur 



1) De anima 9 fol. 28 a sqq.; de Almab. 5 fol. 71 b. 

2) Apbor. de an. 1 ; de aaima 9 fol. 29 b. 



^^ 



45 

ber Wl^Xi^Uit nad^ (intellectus possibiUs) )>ot^ben i% 
baf ber iBerftotib erß ftcfi s^otieretten mtt$ (intellecius 
dbpo8itu8, praeparatus), um }ttm xoixUiäfPX (Etfeiineii 
(intellectus in actu) }u gelangen ^ > ta^ ni(^ wenigem 
bte Srfenntniß im n)tffeiif(i^ft(t$en 3)enfen ni^it umi^tn 
fonn burd^ eine Slufeiitanberfolge 9erf(!^{ebene¥ ©ebopfen 
oon ben Sranbfä&en ju ben S^Iüffen fortiuf freiten , fo 
$att 3(n @{na boc^ ben etgentlic(^en Sibf^Iuß beö fpectu> 
Iati))en ©ebanfen«, ben enbltd^en S^td m\mt ^tattni, 
fSr tixoca mmxMbax wn ber 6eele dtffcifftnti, toeld^ 
o^ne aSe Solfle ber Qtit fid^ ^o(I)te$e ^, jDie ^tVtom 
menen X^otigfeiten ber ))eriifin^geti @eele foOen doq 
SBeränberung^ 93er)){elfält{gun9 unb ®egenfa$ frei fein^ 
Dem entfpre^ bie ^gerungen fiber tat SSefen M 
Sßerßanbed/ mli^tt feinen Sl^ätigfeiten gem&^ feip 
vm^ 3btt &im läft und überlegen, bag tt)ir^bad SSk^ 
fen bed ^Renf^en ni^it in ben 2:{»eilen feinet fifr))erf 
ftt^en bfirfen, benn {ie f^nnen )oon ipm getrennt n)erben, 
o^ne baf er auf^frte ju fein, fogar bte 2:^etle bed ®e^ 
t^tmd/ n){e bie Srfa^rung ^eigt« jDad SQSefen bfd 3Ren^ 
fc^en fann felbft o^ne iai {)er) gebadet u^erben« 9hur 
eine trügerif4^e @e»>o|^nung und mit bem Adr^^er t)erbun< 



13 Apbor. de an. 1; def. et quaes. fol. 122 a sq. 

23 De anima 8 fol. 24 b. Et intellectus licet efficiat opera- 
tiones suas cum successione temporali in compositione syllogia- 
inorum cum administratione cogitativae, tarnen adventus ipsius 
per se vel applicatio ipsius per se ad conclusionem , quae est 
fruclus seu efTectus cogitativae et finis, qui exquiritur vel in- 
tenditur, non dependet a tempore neque accidil in tempore* 
Immo ipse intellectus elevatur a tempore totaliter. 

3) De Alroah. 8 fol. 82 a. 



>^ 



44 

bell SU beuten I&pt nta ^ittm ^n^dfeln 0. S>er toai^re 
SRenfd^ iß nt^t bitr(^ bie SRatene, fonbetit bur$ bte 
%otm in bev SRatene; et (eftept in bet soentfinfttgen @ee{e, 
itttb batf SSiefen ber @eele ifl fd^Ied^t^in etnfa^ tmb wn 
bet a)tafette tn j[ebet SBeife a^efonbett; fte ifl »ebet ^itt, 
110$ bott, m(^f aOetti wn engltf($et Ktt, fonbetn i^r 
liefen, i^te SBut^el iß bad setfüge Sßefen unfete« 
«ijopfet«*)* 

3(n @tna ge]^t in btefet 9K${ung batauf aui, itnfet 
SBefen t>on unfetet (Stfc^'nung Q()ttI9fen imb bod t>et^ 
nfinfKge $nnct> in und ^on ben SSebingungen a^tufon^ 
betn, nniet m\^ ti in imfetm an Staunt nnb 3^ 8^ 
fttfi))ften 8eBen ße^t UnfhretHg f^at j^ietauf bte gei^eint« 
ni^wUt äSetfe, n>{e Sittßotele« t)on bet Setbtnbtmg bet 
fumlt^en ^UxQtdt nttt bet (Stfennfniß iti SOIgenteinett 
übet fi^eij^attpt bet SSemegung mti bet Chtetgie \pxUl^t, 
i^ten (Stnfluß andgeübt ; abet 3in @ina Ifißt ftd^ i^terin auify 
no(^ t)on mannen anbetn ttbetlegungen lettem S)te ^ot^ 
betungen, mt(fyt et an bte Stfenntniß fteOt, l^aben ^iet^^ 
bei ein nid^t geringe^ (Stfoi^t SBie &^databi, fotbett 
aii(| et, baß bet tt)itHt(| etfennenbe SSetßanb Stfennen^ 
Ui unb Stfannted }ut Stnl^eit ol^ne Untetfd^ieb loet^ 
binbe'}* äSo obet SDtotette iß^ {onn eine fol^e SSet^ 



i) De Almah. 4. 

t) Ib. Z fol. 45 b; 5 fol. 69 b; 7 fol. 81 b. Ipsa est sim- 
plez absolute et a materia separata omni separatione. Ib. 8 
fiol. 82 a. Verum essentia vel radiz ipsarum est spirituosa crea- 
Ions nostri. De anima 9 fol. 29 a. 

3) De anima 8 fol. 24 b. Intellectus in aclu est intelligens 
et inteUectum simuL 



45 

Mnbttttg ft(^ M^\ xd^t ergeben« 9Iur eine ontete Sorm 
bet Z)arßel(ung fftr biefelbe Sotbenmg ifi ti, mnn bic 
Aufgabe ber Sßi{fenf(|aß nacl Slnflotelif^er Sßeife itt bet 
(Mtmtai^ bet Urfad^en g^fud^t/ aMbann aber oudeinoiwi 
bergefe^t toixi, baß bie Utfad^en bie reinen, wn aUtt 
SRaterte freien formen ftnb« S^ax xoixh bie Srfenntni^ 
ava ben Urfad^en ntd^t bem ÜRenf^en; fonbem ®ott unb 
ben reinen ©eiflern, xotU^t iprem SBefen nad^ erfennenb 
{uib/ ober ben ^taneten 3Ugef))rod^en, »eil fte felbfl ttr» 
fairen ber ftnnlid^en (^d^einungen ftnb/ »firenb ber SDtenfd^ 
nur aai ben ftnnlid^en Srf^etnungen }ur Srfenntniß ber 
Urfad^en gelangt, unb ti wirb babei au^geffij^rt, baß ber 
SBeg (ener &fennfniß ber ©efitme ober iprer S3ekoeger 
ber ttiagrfe^rte fei oerglid^en mit ber menfd^Iiil^en Srfennt« 
niß, feenn jiener ge^e oon ben inteHigibeln formen {u ben 
formen ber (Sinbilbungdfraft, biefe oon ben gormen ber 
(Sinbitbung6fraft gu ben formen Ui SSerfianbeS fort ^3; 
a(er man n>ürbe ftd^ tdufd^en, xotxttt xaan glaubte, ti 
foQte baburd^ angebeutet »erben, baß bie {tnnti(|ien Z^iß 
tigfeiten tint Srfenntntß ober aud^ nur eine pofitioe S3or^ 
bereitung jur (Srfenntniß und ge»ä^ren m^ißtem SQSenn 
auc^ bie ©ä^e bed 3bn @ina su»eilen fo (auten, fo ge^ 
f^ort bki bo(^ nur ben @dfin>an!ungen an, »etd^e bie 
©cfa^rung aber unfer (Srfennen in biefe Unterführungen 
bringt* 3bn ©ina erllart |t(^ über ba« Srfennen ber 
menfti^Uiiren ®ee(e no^ ganj anberS. Slud^ »ir foKen 
oon ben inteßigibetn gormen ju ben gormen ber ßinbi^ 
bunggfraft ober ben finnli^en Urten fortfi^^reiten fönnen, 



1) Aphor. de aD. 1 fol. 102 b; 43. 



46 

n>enfgfteitö im @(|Iafe ^) ; aber an^ nid^t Mo^ im @^(afe/ 
fonbevtt j[et)et @ee(e au^ im Sßad^en fommt ta^ fßtm^ 
gen }tt eine göttli^e Emanation in {tc^ aufjune^men; nur 
tag jte baitt balb in näherer, (alb nur in entfernterer 
SDSeife vorbereitet ifi ^* Sine fold^e Vorbereitung wirb 
befonberd im fÜtlic^en ; {^eiligen Seben ^ in ber Unterwer«" 
fung ber ©innli^feit unter unfere SSemunft gcfuci^t ') ; 
aber felbfl bie Srfenntnig ber n^iffeufd^aftKci^en ®runb^ 
i&it, mt(fyt wegen ifirer Mgemeinl^eit nid^t burd^ bte 
Qrrfaprung gewonnen werben fjnnen, wirb aU S8eif))iet 
ba\)on angefß^rt; bag wir opne ^ütfe beö @inne^ unb 
o^ne eine jeitUd^e Folgerung ju ber @rfenntntß ber SBa^r^ 
1^tit gelangen f^nnen % 2)a betradfitet nun 3bn @ina 
unfer unmittelbare^ ^fennen ber ©runbfä^e ganj wie bie 
9nitt^ei(ung ber ))ernfinftigen @eete felbft aU eine '<£ma^ 
nation Ui t^otigen, über alied waltenben IBerflanbe^, 
weldfier ftc^ mi eingieße unb un6 erleu(|te« jDie {tmu 
li^en ^ff&tigfeiten ber @eele erfdfieinen ifim bagegen nur 
ate SSorbereitungen gur Srfenntntß, inwiefern pe bie fi5^ 
tenben Sinfififfe iti Rixptti unb bie ^on i^nen audgei^ 
^enben SBorfleUungen entfernen unb anbere !BorftelIungen 
herbeiführen, welche ben SBerfianb in eine entf))red^enbe 
©a^tt leiten «), 

©iefe 2lnft(]^t soon bem t)erflänbtgen ©rfennen fielet in 
ber genaueflen JBerbinbung mit ber Slnftd^t ron ben er^ 

1) Ib. 27; 43; de di?. scient. fol. 142 a. 

2) Apbor. d« an. 36. 

3) De anima 8 fol. 24 b sq. 

4] Ib. 8 fol. 23 a sqq.; 10 fol. 33 a sq.; apbor. de an. 1 
fol. 103 a. 

5) Apbor. de an. 27; 29. 



47 

ften ©rfittbett aUti @etn0« SDiefe {!nb aagemriner 9[rt 
itnb Sbn @ttta fe^t bälget aud^ bte SRealttSt ber aügentei^ 
nen S3egrif e oj^ne alleft 3n>e{fe( t)orau6. Z)ie ÜRenf^fiett 
bdngt ben ÜRenfd^en, bie ^ferb^ett baj einjelne $ferb 
^en>or; nitr benterft 3bn @tna, baß ber allgemeine 93e^ 
gtiff an unb für ft(j^ gebaut n>eber allgenteitt, nod^ be^ 
fottberd / tt>eber in ber ©eele, no$ in ben ftnnlt^en 2)itt^ 
gen ift; bentt alfed bietf n^irb er erß bur$ feine S3esie^ 
jungen ; an {t$ ift er nid^tö »weiter aXi er felbft ^}. 2>{e 
aSgemetnen ®rfinbe bed ®einj ftnb ej nrni^ rottet toit 
in allen S)tngen bie Sorm, fo aud^ im SSerftanbe bie &^ 
fenntniß ber ^orm ]^ert[)orbringen. 3<t ^^ iß ^^ ber 
Qiattge SSerflattb/ iad )n>eite, bon ®ott audgefloffene 
^xinüp^, ml^tt in nni alle ©ebanfen er}eugt/ ob^ 
ioo^I babei attd^ eine eigene ^ätigfett unferer @eele 
ntd^t anögefd^Ioffen wirb; benn ani bem iBerflanbi ber 
!0l5gti(^feit nad^ muß jtd^ ber n^irflic^e 93erflanb enttt>tdeln« 
SBetI ber tl^ättge SBerfianb in allen t)ernunfttgen @eelen 
in berfelben SQSeife wirft/ wirb er an^ ber allgemeine 
SJerflanb genannt ^)* Diefer wirtt nun in einer fletigen 
SBeife unb j^äft feine SBirffamfeit in feinem 2)inge su«» 

1) De anima 9 fol. 28 b ; metaph. V, 1. Ipsa equinitas non 
est aliquid nisi equinitas tantum ; ipsa enim ex se nee est multa 
nee unum nee est existens in bis sensilibus nee in anima. 

2) De de£ et quaes. fol. 123 b. $ier tt>irb nO(^ intellectus 

universalis mib intellectus totius ober oranis unterf((ieben. @e(r 

ä^nli^ i|l bte Stelle, tt>eI4e Scbmölders docum. p. 9T sqq. au^ 

einet ungebru<ften @^ft miti^eilt. 

3) Sebmölders 1. 1.; de anima 8 fol. 24 a. Et omnia ista 
insunt ei (se. animae bumanae) eum Servitute virtutis aniraali» 

et adjutorio intelleetus universalis et mediante naturali- 

tate , quae est in eo ex principüs neeessariis intcllig^ibilibus. 



48 

Tfid, foktb ed nur fco^u ffi^tg tfl fte aufsunefinien ^3« 
2)a^er t>et:palt ftd^ aud^ j[ebe menfd^Hd^e @eele ju t|im 
nur me ein })affenbe« ©ef&ß, in toti^^i bte S3erßanbe8^ 
ftfetmtntß {t(f^ ergießt/ n^ettn bie ®ee(e rein gtnug ift fte 
in ftc^ aufjunepmen/ b. |f« t^enn feine Störungen toon 
Seiten ber ftnnli^en X^&tiihittn bie Srfenntnig ))er]^{n« 
berm 3ebe (Srfenntniß unfered !Berffanbed fann baper 
aud^ ali (Singiepung bed tpattgen SSerflanbed angefe|ftt 
n)erben. 3u)ar unterfd^eibet 3(n ®ina }n>if(i^en feieren 
©ebanfen, tvel^e aU eingegoffener 93er{lanb (intellecttis 
infasus) s^on ipm angefel^n n^erben^ \»it bie Srfenntniß 
ber erften ®runbfä$e; unb }n>ifd^en anbern ©ebanfen, 
n^eld^e mi bur^ wiffenf^afttic^e Unterführung sufontnten 
(intellectus adeptus)^; aber ba mi^ iitt^ittm nur 
burd^ bie SBirffamfeit iti ifiatigen SBerftonbeS in unferer 
@eele ^en>orgeBra^t »werben, SSfiütigfeiten ber finnli^m 
®ee(e unb ^oi^ttunim bagegen unfere ©eele nur ^oxU^ 
reiten itnb reif ma^en follen bie SQSirfung tt& tffatigen 
Sl^erßanbed in mi aufjune^men , fo (ejeid^net biefe Un^ 
terf4ieibung in ber Z:ffat ni^ti anbere6, aU eine 93er^ 
' f^iebenpeit in ber iBerfnä))fung unferer ©ebanfeu; ojßne 
baß bie Vlatnx berfetben baburc^ ^^eränbert »firbe* 3n 



1) Aphor. de an. 27. 

2) De anima 8 fol. 23 a. Adveniunt illae (sc. species inlel- 
ligibiles) in ea (sc. anima rationali) duobus modis adventus, 
quorum unus est Infusio vel manatio divina absque doctrina et 
absque acquisitione ex sensibus, sicut intellectiones pnmorum 
principiorum. — — Et secundus modus est cum acquisitione 
mediante rationali discursu aut cognitione demonstrativa. 9)?ail 

ntuß ben tlnierf^ieb gmifd^en bem intellectus adeptus Uim %^u 
cenna unb bei Ulfarobi bemetfen. 



49 

im erftern ^aOe' tritt mx bie ©egennoart it» ü^erftnm 
li^m ©ebanfen^ unmittelbar, oi^ne ^orautfgei^enbe barauf 
ai^wtdtnbt S:^&ttgfett eiti, in bem anbem gaOe finbet 
er ft(^ mit fol^^en 2:p£t{efeiten Dergefeüfc^aftet, opne bod^ 
»Ott t^nen abffängig gu fein; benn immer n)irft in ber 
(Srfenntnig bed SBerßanbed burd^ @d^tu§ ober toermittel^ 
be^ Sinnet nur bie inmo^nenbe ^aft ber SSernunft mit 
' ber Sei^ülfe bed aKgemeinen SSerflanbe^ 0* 

2)tefe ©ebanfen, fjnnte man nun tt)o$( fagen; fpen 
bem 36n @ina ein %ttt, in mlifym er ))oae grei^it 
^ bie tt>unberbar{ien Sirfungen ber toernfinftigen 6eele 
feinen @rttnbf&(}en gemäß )u ftnbem @r fd^eint ftc^ bie^ 
fer Sreiffeit in ber 2:fiat rei^Iid^ ju Bebienen, um ben 
Sorßettongen ber ort^oboren 2>ogmat{{ feine Sepre anju^ 
))affen^ fnbem er, wit fd^on ermfipnt n^urbe, ber @eele 
im ©c^Iafe bie fi^erftnnlid^en SSegriffe ober bie 3been, 
loet^e Urfadfien ber 2)inge ftnb, jufommen läßt, um aUf 
bonn erjl bie Silber ber SinJitbunggfraft, toetd^e wir 
im JCraum wafirnepmen, barau« ^woxQt^m ju laffen^), 
inbem er an^ bie ^rop^etie, b. |f. bie Srteud^tung from^ 
mer 3)Iänner , weldfie ju i^rer Srfenntniß be^ WtUU ber 



1) Ib. fol. 24 a. jEt haec virtus licet adjuvetur cum virtute 
sensitiva apud extractionem specierum intelligibilium simplicium, 
vel cum elicit species intelligibiles simpllces ex speciebus sen* 
satis, tarnen ipsa non indiget ea in formatione istarurn inten* 
tlonum in se ipsa et in compositione syllogistica ipsarum neque 
apud certificationem neque apud formalionem veriflcanteni, — — > 
immo sufficit per se ipsam ad omnia , quae voluerit ex opera- 
tionibus. 

2) ^arau^ wirb de div. sdent. fol. 142 a t)ie Traumdeutung 
gerechtfertigt. 
@ef4>. b. 9Jtt. VIII. 4 



50 

SQStffenfi^aft niü^ iebfitfen, in gan} äfinli^et: S3eife ge^ 
te^tferttgt finbet ^)* Si: fiept biefe SQBegc • ter Srtenntnig 
auöt)tfidni(|i aU folcf^e an, tt)el^e ber natfirlicf^ett äßetfc 
(SyI ennhtt^ }u erti^i^en entgegengefe^t ftnb, unb fie geben 
i^m einen S3en)eid bafür ab, baf bie menf4ili(|ie @eele 
in ^etiger Serbinbung mit ber p(f(|iflen SnteKigenj ftepe ^}* 
S(u<$ feine Cepre ))on ber Unfletbli^feit ber ))emänftigtn 
©eele fd^Iie^t ftc^ l^eran an, inbem er bie @eele aU eine 
©ubftan) betrad^tet, n^eld^e in ipren Z:pätig!eiten t)om 
£5rper ftd^ ganj UiU\tn tarn, fo bag {te aUein mit ip^ 
rem Urquell/ bem tpatigen 93erftanbe, in SSerbinbung 
bleibt ^}« jDennod^ tpirb man finben , baß er in aUm 
biefen Sepren feine burd^aud n^illffirli^e SInnapme mad^t/ 
fonbern überall einen natür(i(ben 3ufammen]^ang aud^ ber 
u^unberbarften @rfd^einungen mit feinen ©runbfS^en {tn# 

1) De anima 8 fol. 25 a. Et quandoque est disposita Tirtus 
rationalis in quibusdam bominibus ex vigiliis et conjunctione 
cum intellectu upiversali| ita quod non indiget in cognitione 
scientiae aliquo discursu rationis ei auxilio cogitativae^ imnio 
suflicit ei, ut sit ejus occupatio cum divinitate, et nominatur 
proprietas istius sanctimonia et nominatur secundum ipsam Spi- 
ritus sanctificatus et non tribuitur ista gratia seu ista dignitaa 
nisi propbetis et apostolis, quibus inest salus. 

2) Aphor. de an. 28. Hujusmodi somnia et visiones sunt 
Signa, quod anima bumana continuatur cum intelligentia prima 
naturaliter non acquirendo« 

3) Die UnfinUi^Uii ber @eele ifl i^m ein ^au^pipmh, auf 

tDetc^en er oft ^tträdfommt; er fd^teibt tiefe Se^re bem Sirtüotele^ 
gu unb )>ert))irft bie Slu^Iedung be^ ^leranbroö toti ^p^robtfta^. 

De Almabad 7 fol. 84 a; de div. scient. fol. 141 b. ^Dagegen 

fireiiet er gecjen bie ©eelenn^anberuttg , gegen bie $e(te t>on bet 
Sluferfle^ung bed ^bxpM u. f. n>« ^uc^ über bie Belohnungen unb 
©trafen nat^ bem 2:obe ifl er toeittöuftig unb fuc^t an^ (ter ben 
Ort^oboren ftc^ an^ufd^iiefen« De Almab. 7. 



M 

btt (Si fantt nx(fyt (rfremben, ba$ 3bii 6{na ber ^tU 
ligeit @ee(e eine ^i^rct (Erfenntntß bet SBaj^rj^ett sufpric^t, 
Xötfxa fte au^ aaf itngewj^nlt^em SBege meidet »erben 
foS; benn bie ^eiltgfeit befief^t ia eben bann, baß bie 
6eele i^re ftnnli^^en Segtetben fi^emSIttgt pat nnb nun 
eitt »firbige^; reine« ®ef&ß fär bie Sufhapnte ber Offene 
ktttttgen barbietet^ »elc^e ber t^äH^t SSerflanb Qtt6}n« 
gießen ntc^t aufff^rt 9uf benfelben ©xnnb »irb ti ou^ 
{tttfidfgefül^rt^ baß bie toemünftige ®eele na^ bem S:obe 
te t^orsüglic^em SRaße fipig ijl bie überftnnlic^e Sif ennt* 
niß )u empfangen, n>ei( fte wta Stixptx ni($t ntepr ge:> 
Port n>irb ^), unb no^ mepr bejeic^net ti biefe 9tid^tnng 
ber ®ebanfen, baß 3bn 6itta babei aud^ ba« frfipere 
Seben ber 6eele nnb feine Ttad^wirfungen in Slnfd^Iag 
bringt wob betfn^egen für Seelen, wH^t in biefem Seben 
md^t genug gereinigt »orben ftnb, bie Tlotpwenbigfeit 
eine« Fegefeuer« ftd^ gefallen laßt, ia nod^ i^limmtm 
6tüm ett)ige Strafen bropt ^« SRit biefen ©ebanfen 
oirb man nun an^ feine Slnftd^t ^om Seben ber 6eele 
im Schlafe niifyt un)oereinbar ftnben; benn auc^ in biefem 
fonnte bie Seele frei fd^etnen s^on ftnnlid^en 93egierben 
nnb Ceibenfc^aften , wm Ritptt gleidfifam (o^gel^ß; fo 
baß ni^ti Unreine« in ber Seele ber Sßirffamfett be« 
tf^ätigen 93erfianbe« ftd^ entgegenfe^t 

1} Apbor. de an. 27; 31. 

2) Ib. 32; de Almah. 7 fol 83 b; metaph. IX, 7. fR^QtX 

Saco (op. maj. I, 6) legt t)em ^t){cenna tie Se^re t)on einer enl^« 
ticken Hlcinigunö auc^ ber böfcn ©eeten bei unb beruft jit^ \>aUi 
auf ^ai 11. Su(J feiner ÜÄetapJi^fif. 2)ie mit »orfiegenbe 2lu^- 
gabe (at nur 10 i^ü^er unb in i$r ftnbe i^ nur bie angegebene 
©teile/ mW ffir bad ®egent$e{( fpric^t. 

4* 



S2 

S)te @ruttbf&$e; auf ml^m btefe Sefire (ettt|t/ ftnb 
fein Sigent^um be$ 3(n @ina; nur auf i^xtfStxix^itan^ 
ttttb äSrefefifgung bur^ genauere Unterfd()eit)ttngen j^at er 
einen (ebeutenben dinfln^ atxi^tiXbU @te ffangt mit bem 
^nanation^fpflent eng iufammen. SBon ®ott ßie^t ber 
reine unb aUgemeine Sßerflanb au6, mi^tt atdbonn in 
bie allgemeine ®ee(e fid^ ergiept unb ^ermittelfl i^rer bie 
ganje finnli^ie SffieW Bewegt 0» darauf weifl jiene 8e]^rc 
^in, baß bie ©ebanfen ber Planeten s^on ben Urfad^en 
unb üi^erftnnß^en ^otmen ber S)inge }u ber Sinbitbunga^ 
Iraft fortge^tt ; b^ y. ju ben ftnnli(]^en formen , ml^t in 
biefer SBSeft unter bem STOonbe auögeföprt werben 2)« JDitfe 
^Bewegung s^om SlOgemeinen gum Sefonbent ge^t burcfi 
bie Steige ber t)erfd^iebenen ^immel^fpffären ]^inbur(| unb 
gelangt fo ju ben irbifc^en 2)ingem 92ur burd^ eine 
fbtd^e 93ermittetung fommt ber tf^tige SBerflant mit mu 
ferer ©eele in S3er6inbung> ober eö ifl ^ielmej^r nid^t 
ein fold^er ii^ätiger SSerflanb; fonbern mehrere biefer %$> 
bie ©eificr ber ©eßirne, wetd^e auf unö Wirten 5% ©ie 
))erf}änbigen SBefen^ wel^e bie SSSelt regieren, {leM 
l^iemac^ }war aud^ mit ber ^Rattxit in 93er(inbung, wer« 
ben aber nidfit wn i^x Bel^erfd^t, fonbern be^erf^en fte* 
jDer Unterfd^teb gwifc^en bem SSerfianbe be^ 9)2enfd^en unb 
bem SBerfianbe ber ©eßirne ober ber (Sngel läuft nun me^ 
fentlid^ barauf |>inau^, baß j[ener nur ber SSoglid^feit nac& 
^orf>anben iß/ wenn er ntd^t ^on außen, t)om tpatigen 
Serftanbe jur ^ixtli^Uit gebrad^t Wirb, biefer bagegen 

1) De def. et quaes. fol. 123 a sq. 

2) ApJior. de an. 46. 

3) Metapb. IX, 4; de def. et quaes. fol. 123 a sq. 



SS 

immer tDtvft, mit er ^on fetner SRatene ailfin^ii o^ne 
olle ©ebtngungen emtg in feinen ©ebanfen ft^ ergießt 0* 
Mc SRaterie aber mirb t)on bem t^ätigen SSerftanbe be^ 
mit, benn e^ ifi feine Semegung in ber äSett o|^ne SBer«^ 
nnnft^3, unb fo Rängen antfy bie materiellen Sebingun^ 
gen, unter u^eld^ien bie menfcf^Itifien ©ebanfen f^e^en, ^on 
bem t^ätigen^93erßanbe ab, um wk m'el me^ biefe ®e# 
i)anfen felbfl, tt^eld^e ju i^rer SSoQjieffung eine bett^egenbe 
Urfad^e aufer bem menfd^Iid^en SBermogen toerlangen. 
2>afl nun bie Seivegung ber SDtaterie unb unfered fßtx^ 
9mU^ nic^t unmittelbar wn ®ott, fonbem t)om t^äti^ 
gen SBerßanbe abgeleitet n)irb, liegt in ben allgemeinen 
@rmibfägen ber (Smanationölej^re unb ßiept befonber^ 
(oa ber f(|on ern^äpnten ^ej^re, ba§ ©Ott fein SBefen 
ni^i mttt^eilen fonne. 2)er tätige iBerßanb ifi fein ott^ 
mai^tiger* ©teHioertreter in ber SQBelt« (Sr t>erlei^t ber 
3Xaterie i^re 93en)egung unb i^re ^oxm, ber ))ernunfti^ 
gen ©eele aber baö ^^(^fie; inbem er {t(^ mit i^r t)er^ 
einigt; gugleid^ bai toa^xt ©ein unb ben n)a]^ren ©ebau:« 
fen unb babut$ bie Urfa^en aKe^ ©efd^e^en^ i^x of^ 
fenbart^ 

2>o($ bleibt bie Mttia(fyt iti t^ätigen SSerflanbea nic^t 



1] De def. et quaes. fol. 122 b sqq. Forma denuJata per 

se ipsam , cujus virlus est exlrabere inlelleclum Albeju- 

laniy i. e. intellectum possibilem, de potentia ad actum per ir- 

radiationem ejus factam super ipsum. Et lllud, quod 

est in potentia, est differentia animae bumanae, ilJud vero, quod 
dictum est in actu, est differentia angeH. 

2) Avic. ap. Scbmölders docum. p. 98. Corporis autem mo- 
tns a nemine dirigitur, nisi a ratione, qua idea, quam deside- 
rat et cui obtemperat, movetur. 



S4 

oi^ne JBebtngungen. ,9Iur in reine unb entpfängii(^e ®e^ 
fäße fann ev feine @tralett ergießen. Mt 3)inge werben 
{mar bnr^ fiufere Urfadfien Um^t, aber nur nad^ ter 
9latur/ tt)el(^e in i^nen liegt ^ bem iBerm^gen gemfi^, 
wü^ti {te (e{t$en. S)ie« ^rinctp ber ^f^pftf erfennt auc^ 
36n @ina an ; bie @ngel fe^en bie S)inge ber S&ett nur 
iffrer 9latur nac^ in S3en>egung. (&€ wixi biefen jDingen 
eine gewiffe Steigung ^ur SSemegung }ugef(|rie(en; n^el^er 
bie SBirffamfeit be« tfifitigen SBerßanbe« ftd^ anfd^Iie^en 
foKO« fragen tpir nun, too^tt biefe 9latur ober biefe 
Steigung fei/ fo mi^U ftd^ n^o^I jeigen, ba^ f^ierin eine 
3n>eibeutigfeit s^erborgen {{}« 9Ran fann fte iurfidffl^ren 
auf iai emige ®efe$ ®ctM, aber au^ auf bie urfprfing^ 
li^e SRaterie; in ml^tt ein eigene^ SermSgen {ur 9uf>^ 
naffme ber formen liegen fonnte« 2)er le^te SBeg ifl 
f))ftter t)on ber Slrabifd^en ^(i^ftf t>erfoIgt n^orben; 3(tt 
@ina naj^m nur an, bag bie 9)?aterie/ fofern fie fc^on 
gebitbet ift, au^ mt SSorbereitung fflr bie Sett^egnng 
unb n^eitere 93i(bung bur^ ben tpatigen SSerßanb in ftd^ 
trage. SBa« aber t)on ben ßor))ern gilt , iai n>irb nic^t 
weniger t)on ben ©ceten gelten, unb barin liegt ber ®runb 
aQer ber frfifier ertt^äfinten S(nna(inten fiber bie SBorberei^ 
tungen, ml^t bie @eele erl^alten l^aben tnu^, wenn fte 
ben tffatigen SSerftanb in ftd^ aufnehmen foU ^. 



1) De def. et quaes. fol. 138 b. Et motus ejus non est nisi 
secundum inclioationem naturae rei motae, vel secundum quod 
exigit natura rei motae, ac si hujusmodi natura mclinans dt 
instrumentum angelis, apud quos est voluntas et principium 
regiminis. 

2) Ib. fol. 122 b. Est intellectus Belmelcfa Balmelche) i. e. 






85 

Unfhreittg liegt in itx Sefire t)on biefen SSor^eteUun» 
Sen bei: ©ebanfe au^ebrüdt, bag bte fiberfutnli^^en Xfy&ß 
tigfeUen be« SSerfianbed mit ben Stfd^eüiungett biefet S03ett 
ut Ü^ereinfKmmung unb Bufatnmenffang ße^en mfiffen« 
Sttil^ ftnb bte betben &titta be^ Bufomuieni^ang^ , bte 
)>$9{^f4^ unb bie etfitfd^e, babet Uia^t n>orbetu jDte 
)^^9ftf(^c Steife be« Stterd; bie SSorbilbung bev t^ierif^en 
@eele gelten s^on ber einen @ette ali SBebingungen ; ba« 
^ treibt bie t>or)ietf$enbe 9ti($tung biefer $pi(oro))|>ie ; 
oUt au^ bie Sleinf^eit ber @üttn gu bead^ten forberte 
bie ))oftti))e SReltgton nid^t n^eniger ali bie Sriftotelif^e 
Se^e auf, tpenn mtfy btefe bie praltif^e Slfffitigfett ntttr 
oU ^Kittel far bie 6eltgfeit be^ t^eotettf^en Ceben« gel# 
tm ließ ^3» Wlan barf jiebod^ hierbei ni^t fiberfe]^n, baß 
oSe biefe S3orbenitttngen*nur ))erne{nenberSIrt ftnb« ®ie 
foKen nur bie ^inbetniffe beS (Srfennend befettigen, bie 
Unreife bti Mxptxi ] bie ©töntngen ber SinbUbung^fraft, 
bie i^erf^aft ber ftnnttd^en S3egierben unb Setbenfcf^aften. 
2)ted flintmt ^odfommen ju ben allgemetnften ©runbf&^en 
biefed @)^flem4 , U)el^em bte ST^aterie nur bie IBebeutung 
eined äSiernetnenben unb 93ef^ränfenben |iat unb gu ber 
ftber{tnnli(fien ^orm ftc^ nur a\i eine SSebingung be^ xotXU 
liefen SDafein^ )oer^äIt. 

^ierauö mag ed nun mS) j^er^orgej^n , baß bie Se^ 



dispo^tus vel praeparatus, et est perfectio istius virtutis ita, ut 
iit potentia propinqua actui propter adventum vel cognitionem 
illiusy quod in libr. demonstrationum nominatur inteJlectus. 

1} Metaph. IX, 7. Dico etiam , quod baec verissima felici- 
las non perficitur um propter rectitudinem illius partis animae, 
quae e«t practica. 



'«.- 



86 

tingungen bti dxUmtni im {tnnlid^en Se^en bo^ nut 
fe|>r lodet mit ber ü(erftnnli4ien (Srleudfitung )ufammen^ 
Rängen« Sbti nteiflen äußert ftc^ tted in ber %n^x^t, bap 
im @(|flafe ft^ mi eine s^eriorgene SBeU eröffne ^> Utor 
au4) in ber SBeife/ n)ie 3(n @ina ben Qttoi^nii^tn . 
SBerlauf unfered tt){{fenfd^aftli^en 2)enfend f4»ilbert/ }etgt 
e^ ftd^ beut(i($ genug« S){e &:fenntn{g ber ®runbfä^e 
tritt ))I5$Ii(J^ in und ein; a\i ber ftcf^erfie Sen^eitf tt)irb 
fte angefe^n; baß n^ir mit einer j^offern Sßelt in ^ttUn* 
bung ftefm; weld^e ol^ne jeitlid^en Sortgang und einleud^^ 
tenbe ©ebanfen gufenbet» Unb in äfinli^er SSSeife tfi e4 
wxäi mit ber @rfenntniß ber Steigerungen; menn i^nen 
avii) bie SSorberfa^e s^oraudge^en mü|fen, fo tt)irb bO(^ 
bie Sinft^t in bie ©^lußfa^e tok ein enbli^er Slbfd^Iuff 
unb 3we(f ber S3ett>egung angefef^n, weld^er in einem un^ 
tf>ei(6arett SRomente außer aller 3eit gef(^efie *)♦ 3n al^ 
len biefen @nttt)idlungen ber \)emänftigen ©eele ift ber 
t^ätige, bem !D2enfd^en frembe SBerfianb bad, xoai bad 
ftnnli^e Sßefen über ft^ l^inaudrfidt. Sd fferf^t in bie^ 
[er SSorfiellungdweife no^ jiene altertl^fimli^e %n^\ii)t wn 
einem @rgriffenn)erben ber menfc^li^en @eele burd^ bie 
©ott^eit; )oon einer l^eiligen SSegeifterung, in mX^tx bae 
i^emßnftige Sffiefen nur xoxt txn tobted Drgon jum ®ef$ß 
ber gotttid^en Offenbarung gema^it »irb« Unb eine ä^n* 
\\ä)t aSerwonbtf^aft mit fieibnif^er Denfweife liegt un* 
fireitig ayxä) in j[enen Se^ren s^on bem SSerfianbe ber ®e< 



1) De divis. scient. foL 142 a. 

2) @. oben: de anima 8 fol. 24 b. 






• ■ .■ 



% 



»7 

Pinte/ tt)eT($e nur burd^ eine m'elsitebrige SSenniUtutts 
ma in 93erbtttbttttg mit ®ott ße^en laffen. 

fEHan xoixb ^^ etttgefie^n muffen, baß l^ierburd^ bot 
3n)e(f / n)eld^en bie |)^t(ofo))^te bed 36n @tna loerfolgt; 
bO(^ ni($t geniigenb erret^t wixi. jDenn baß er barauf 
andgej^t üitrall 3ufammen^ang ^er}uflel(en, fann man nt^it 
kqtt>etfe{m Sir bemerfen ti am meifien, m er boc^ 
(m^ über ben ^etd na^»et^barer ^faj^rungen , ^inand^ 
ge^t nnb jugleic^ mit ber jDogmattf beö 3§(am ftifi abja^ 
^ben pat, n^enn er }. 93. ftber bie Rxa^ M ®titti 0/ 
fl(er bie 9lotffn)enbtgfeU einer aOmiligen a3ert)oIIfomnu 
nnng ber @eele nod^ nac!^ bem S^be^), fi^er Sojßn unb 
@trafe im fiinfHgen Seben ') nac^ fe^r toerfiSnbigen ©rnnb^ 
^tn ftd^ erfl&rt. aber fo noie er btn Se^riff ber ü)7a^ 
terte berührt, fo iti^t ft^ eine Slbneignng, eine %\xx^t 
bie ^aftt be« ^i^ttn Sebend mit i^x in Seru^rung ju 
bringen« S6 f^fingt bamit ol^ne 3n)eifel anfammen, baß 
er bem ©egriffe ber 5Wateric fo grobe Söge lei^t, baß 
tt)ir barin baa @ubj[ect aKer SUIf gli^feiten nii^t tt>ieber 
}u erfennen t>ermogen "*•}♦ 

@enng eine @))altung ber Sitd^tungen ifi ^ier nii^t 
}u t)erfennen. S)ie eine ffiffrt baffin bie @nttt)tdlungen 
ber ^oergänglid^en , bem SQBerben unterworfenen Dinge nur 
in unreinen unb befd^ränften S^ätigfeiten in 3ufammcn^ 

1) Aphor. de ao. 45; 47 sq. 

23 Ib* 25 ; 31. 

3) Ib. 39; de Almah. 7 fol. 81 a sqq. 

43 De Almah. 7 fol. 82 a. Et radix rei vel radix substan- 
tiae corporeae est sensata, permixta cum malilia et cum eo, 
qnod est in potentia et cum prlvatione et est spissa, turbida, 
aquosa. 



S8 

pang mit ter ganjen SBett unb ta^er auc^ mit bet Sto^ 
terie ju et((tden, bie anbete forbert ein looOfommtnetf 
(Srfennett; eine tetne Ü^eretnflimmung beö ®etnö mit bem 
S)enfen in nnferer 93erMnbung mit bem tfiatigen Ser^ 
ßanbe, bem $errn alled Dafeinö« Diefet 9{i($tmtg gn 
©efaKen entfc^Iiept {tc^ 3(n ®ina gn jener (((fhraction, 
burc^ tt)el^e et ben SSetfianb )oon feinet ®rmtblage, loon 
bet @eele, lo^lfß« S^er foKte et pietbutd^ gu einet t)5(^ 
ligen Einigung mit {td(^ gelangt fein , ba i^n feine 9lei^ 
gung gu ben 9latuttt)i{fenfd^aften unb gut Stfotfi^ung bej 
n)iffenf^aftli^en 3ufammen^ang^ nad^ anbetn Sahnen 
pinlenfte? 3ene Üffetliefetungen von feinet otientalt^ 
f^en $^i(ofo))^ie mochten xot>^ einen 93en)eiö ba)oon ge^ 
(eU; baß 3(n @ina in bet Se^te, m\^t et ffit bieSlti< 
ßotelif^e ^ielt; nic^t 9$ dig {td^et flanb« £)ie SQBaf^I gtt)if 
f($en ben (eiben Stiftungen ^ tt^el^e toix in feinet ^^U 
Iofo))^ie ftnben, tpat fd^toietig , befonbetd bei einet fo 
gweibeutigen ® eftnnung , n)ie 3(n @ina fie liegte« (Sinfi^ 
miUn $at et (eibe 9tid^tungen in bie Satfiellung feinet 
Seilte aufgenommen. £)aß in bet gtt^eiten eine SSeteini^ 
gung mit bet ottpoboten S>ogmatif mSglic^ f^ien, l^at 
gemiß ni^t tt)enig gut Snqjfei^Iung feinet Seilte bei ben 
^tabetn beigettagen; abet eben fo gen)i@ ift ti au^, 
baß eine folcf^e SSeteinigung ipt 3]t{dli(|}eä fiatte« 

3. ®t^®agati. 

Bwifci^en 3btt ©ina unb g^Oagati (Algazd) Kegt 
tin Betttaum »on me^t aW gwei STOenfc^enaftetn, in tt)efc 
(^em allem Slnfd^ein nac^ bie ältiflotelifd^e $^i(ofop|^ie 
tDcitet {tc^ auöbtettete ol^ne bebeutenbe Sottfcfititte in t^tet 






# 



* * 



S9 

(SnttDicflung ju ma^tn ; benn {n ber SDarftellung be< le^'^ 
tem i^at (te nod^ btefeI6e ©eflatt/ toel^e ber erfiere t^t 
gegolten ^atte« .9ber ben ®Taukn be6 36lam tno^te fte 
aOmaltg mepr evf^fittert paben; benn mit bem (SI«®a)aU 
f^etnt bie ^edobe ju beginnen , n)0 bie Seiten ber ^^U 
U\op^\t felbfi baju benu^t »werben foOten bie antireltgt5^ 
fett Setpegungen in ber ^^ilofop^ie ju bereiten unb 
bnrc^ ffeptifd^e ©rfinbe bem alten ©louben neue Stfi^en 
)it gewinnen« 

Hbtt ^amib SRu^ammeb 3bn ÜRn^ammeb SI^®(u 
)alt0 tpurbe im 3a|>re 1058 m S^r« ©.{u 2;tt0in QTfio^ 
rafan geborem Sr erf^iett loon feinem 93ormunbei einem 
@uft, bie älntoeifung ben Sßifenfcbaften ft^ ju tt)ibmen 
unb tratf na^bem er mehrere gelehrte B^nltn befugt 
^aiU, ali Ce^rer ju 93agbab auf« 93on ^ugenb an $atte 
er eifrig aOer^anb SSorfieOung^toeifen ju ergrfinben ge^ 
fu^t/ inbem er bie 9{id^ttg{eit einer {ufädig un^ aufge^ 
brungenen Siutoritat erfannt unb ba)oon ftd^ iiberjeugt ^atte, 
ba^ eö eine S^ori^eit fein würbe burd^ SBunber bie SBa^r^ 
"^tit einer 8e$re beglaubigen ju »otten ^% 3n bem ®tau^ 
ben, baf bem rebUc^ ©u^enben bie SBafirfieit ftc^ nic^t 
t)erbergen fonne, bur^forfd^te er aUe ©pfleme um bad 
©Ute in i^nen ftc^ anjucignen '), 3n biefer 3eit noc^ 
ber SlrifloteKfc^en ^jiiiofopf^ie anffangenb f^eint er feine 



1) über fein Seben QiM bie beßc Sluölunft feine eigene ©(Jrifi, 
toetc^e @(^mö(berd ess. p. 16 sqq. überfe^t ^t ISergl. aufler« 
^em Suftenfelb bie aiabemien ber Araber ©. 13 ff.; ö. Jammer» 
^urgflaa O Jlinb! bie berühmte et^ifc^e Kb^anblung ©(afati*^ 
e. IX ff. 

23 SchmÖld. ess. p, 18 sq. 
3) Ib. p. 24 sq. 



60 

©(^riften üUx bte Sogtf unb bte ?5i^Hofop^te ^t\^xkitn 
ju paBen , wctd^e im STOtttelaUer »tet gctefen »urben *)♦ 
^6er feine Sefc^äfttgung mit ben Seigren aller ©ectcn 
führte i{m nur jum SweifeL Sei ben ©rie^if^en ^^U 
lofop^en l^atte er au^^ bie 3){einungen ber ©feptifer feiu 
nen gelernt/ tDel^e er unter bem Flamen ber @o))$ißen 
auffuhrt; {le pf ten i^m SRigtrauen gegen bie ftnnlid^e 
GFrfenntnip nicj^t allein, fonbem aud^i gegen bie ©runb^ 
fä^e be£ S3erf!anbed eim Vti^t »weniger (ett)egtett ij^n 
bie Se^ren ber SD^otaf^aKim« SQienn {te il^m au^ fetne^^ 
n)ege^ ^ooKfommen begrunbet f dienen / fo j^otte er bod^ 
fortraa^renb ben Seigren beö ^Havct angefangen; unb xoai 
bie S>ogmatif gegen bie $^iIo[o))]^en einjut^enben j^atte^ 
ben^og i^n bie ^aupttt ber Srifiotelifer/ dU^axabi unb 
36n @ina , für Ungldui^ige ju palten. %\xi biefer @tim^ 
mung feiner ©eele ifl feine berfipmte @(|}rift Umftitrgung 
ber ^pilofoppie j^eröorgegangen 23, fSzim 3n>eifel jiebod^ 
mo(]^te er ni^t ßei^en ]6(ei6em 3nbem er ben ^oerfcpiebe* 
nen Meinungen ber @ecten nachgegangen toax, j^atte er 
au$ bie ©d^riften ber @u{i fennen gelernt unb bie Sllptu 
bung toax in ipm aufgefiiegen , bap nur auf bem SSege 

1] Logica et philosophia Algazelis Arabis. Venet. 1506. 4. 

^e Überfe^ung ber 9)(.i(ofo))(te ifi t)on Dominicud ®unbtfa(t>i, 
n)c((^er na(( bet ^ttte bed 12. 3a(r(. feine Übcrfe^mtgen Dermil^ 
telft cmcö Swben berfafte. ©. 3ourbain üb. b. tat Überf. b. 
2(rift. e. 116 ff. 

2) SSir fennen fie im Stuöjuge, »ie pe ber defiructio de- 
sirucüonis etnberleibt ift. Über ben %iUi f. b. ^ammer^^urgRall 

a. a. O. @. XIV; Schmöld. ess. p. 35; Tholuck comm. de vi, 
quam Graeca phil. in iheol. tum Muhamm. tum Jud. eierc. 

Part. I p. 13. 3^r 3n(alt ^at nur einen polemifcben 3u>e(f ; bie 
SSabrfeit fett fie njcjt lejren. Dcsir. dcsir. VI fol. 39 col. 3. 



6t 

btefer STtönner 93erul^tgung filr ifyn ju ftnben fein motzte* 
fa>tx er erfuhr a\x^, baß btefer SQSeg nt^t bur^ bie it^xt, 
fonbent nur burd^ bte Übung unb bie (Svfafftung etned 
ent^Itfamen , ber frommen Setrad^tung getrei^ten Se^ 
(rnd er))ro(t loerben ffnnte« 3n bem SRnfe eined 'ge« 
f^tdtten Se^rcrd jie^enb'), fanb er 5ei feiner ©eli^ 
prfl^ttg, ba$ feine Sibfl^ten mc^t rein feien, baß er 
ben ©tan} bed 9lu|>md fuc^e ^}. Sfel ergrtf i^n ft^ ge^ 
nSt^igt gu'^lfe^en S)inge t)oriutragen, ml^t bem n)a^ 
ren $etle tt^enig bienen, wn mii^tn er ni^t ^oU^ 
(ommen fiberjeugt fein fonnte« Siber tt^eltltd^e fRi\ä^(fyUn 
ober, toie er fagte, bie ä^erfud^ungen @atan^d hielten i^n 
iwc&d fein Se^ramt aufzugeben« (Snblid^ gab eine Rxont^ 
Iftit, bie i^m htim Spxti^m ^inberlicl^ trar, ben Slu^fc^Iag« 
S9ei ber ftrengen Stugenb, toeld^er er fld^ nun ergeben 
tooSte, l^ieU er t» boif für erlaubt feine ^reunbe über 
feine 9[bftc|t ju täufi^en , inbem er t)orgab bie ll^eißgen 
&t&itin ber SRu^ammebaner befugen gu tooden, fiatt 
beffen aber na^ @;^rien ging unb t^tiU ju S)amafcud 
t^täi gu 3erufalem ba^ Seben eine« ©ufi führte» mt 
furjer Unterbrechung, toetci^e ifim bie ©orge für feine ^a^ 
milie auflegte, Joeri^arrte er ptertn 11 3af)re tang')^ Qt 
gelangte gu ber Sntgüdung, n)e(d^e bie @uft fud^en; fei^ 
ner SDlmnn^ na^ vourben i^m in biefem 3ußanbe bie 
»i^tigflen Offenbarungen gu X^tiU 9Q3a« er von biefen 



1) 3u ^agbab pflegie er t)cr 300 ©d^ülern gu lehren. Schmül- 

ders ess. p. 28. 
23 Ib. 56. 

3) Qx UM häW gutoeitcn 10, imeiUn 11 Sajre. Schmöl- 
ders ess. p. 60; 16; bie le^te Angabe ifl genauer. 



62 

Hxx&t^, fann mx ali ein tlüntt X^tii feiner ©eftt^te 
angefe^n n^evben; kenn er mt ti fär eine @finbe loitl 
bat>on SU fagen, xoüt bie ©ad^e ade Stebe ber SDlenfcf^en 
äierßetge; feine Snga(en im Mgenieinen genfigen jiebod^ 
um ben 3n^aTt feiner Offeni^arungen aii fe^r unbebeutenb 
ju erfennen ^3 / unb bie iSinjel^eiten / toelc^e t)on i^m tx^ 
toa^nt tverbeu; tt)eifen auf eine ©d^tvärmerei erregter 
^^antafte pin, tt)e{(^e in eine p^^ere SBeU ftd^ ^oerfe^t 
glaui^t unb in t^ren S3i(bem bie 3eic^en einer ©emein^ 
fcj^aft mit engein unb ^xo^f^tttn erMitft ^^ SRoc^bem 
er biefe Offenbarungen erhalten j^atte unb baburd^ jur 
Stuftest gefommen foax, baß alle bie Seigren ber ädrigen 
@ecten gegen bie Slnf^iauungen ber @uft nic^td feien, 
bap man burd^ jiene nur in Ung(au(en gerat^e, fiierlegte 
er bei [\^, oh feine neuen (Sinftc^ten nid^t wn 9ht$eit 
für bie SBett fein ffnntem dx erMtdte bie SQSelt im ar# 
gen ; me^r ^ur {)offhung ali mx %vix^t )oor bem gdttli« 
c^en ©eric^te geneigt^); er $ieft fid^/ toü^tx fo t)ie(e 
@d^ulen grttnbUd^ bur^gemac^t^ für geeignet/ ia er |iiett 
e^ für lei^^te ^xUit bie 3rt^&mer ber @ecten ju n)iber« 
legem JDiefe Slröeit fa|i er für ein bringenbe« SBebürfnifl 
ber 3eit an % ©enug er entfcf^Iop ftd^ bad gurfidgejo^ 

1) Ib. p. 69. Entre autres choses favais reconnu par Fex- 
tase a plusieurs reprises, que rhomme est compos^ de corps et 
de coeur. ^ac^^ec tüixt coeur aU foyer de la connaissance de 

Dieu erftärt. 

2] Ib. p. 61. Les ^oufrs voient, pendaut Tetat de veille , les 
anges et les ames des propbetes; ils entendent leurs voiz et en 
obtiennent des faveurs. 

3) O Ätnl) @. 47. 

4) Scbmöld. e&s. p. 74. Si cela est certain et urgent pour 
le tems actuel, a quoi bon alors Ia solitude et Ia retraite? 






63 

gelte itbtfx bet @uft tDteber ju i^erlaffen tmb wn Tteuem 
oM Stirer aufiutreteii« jDod^ glaubt et barfibet ber 9ie^t^ 
ferttgung gu bebütfem S3ad er {u btefem Bn^^^e on# 
fttf^rt/ ift titcfft oi^ne Sfiden« Sr bemerft bie Btl^xoimQ^ 
fetten / mltfyt ti ^abeit tpfttbe feine ©egner ju flbemiit^ 
ben, tDenn i^m f^terin nii^t ein frommer unb mSd^ttger 
@ttltan feineit 93etfkinb (ie^e ^). Sine fol^e f)ülfe n^urbe 
i^m iittn aber feiner ÜReinung nacb geboten, aU er auf 
eine innere Setoegung bed bort l^erfcffenben Gultan^ na^ 
9ltfabttr ali Se^rer berufen tt^urbe« (Er fS^rt ü\i einen 
Seweggrunb an, ba^ ün neue« Saj^rfiunbert betoorßanb 
(499 ber ^ebfd^ra) unb ba^ ®ott loerfpro^en b<^be bei 
Xnfang jebe^ 3afirfiunbertd feine Steligion wn 3ltum ju 
bdeben ^* jDiefe Überlegungen mügen aOerbingd bei i^m 
eingetoirft l^aben» jDenn n)ir ftnben bemerft/ baf er um 
btefelbe 3eit gu einem S^nli^en (Sntf^Iuß; wie ti \^mt, 
and Sf^nlii^en ®rünben lottmt^t n)urbe« & i^erfcf^te 
bamaU im nSrblii^en Slfrica unb in ®)>an{en 3upf Sen 
Xafd^ftn , Piirer ber Sllmoran^iben / tt)eld^e furj guoor gum 
3dlam ftc^ befe^rt patten unb in 93eget|}erung für einen 
einfacl^en ®Iauben unter ber pl^rung i^xti fingen unb 
fr&ftigen ^erfcberd ber Steltgion bed ^ro^^eten einen neuen 
SÄittetpunft, ©d^wung unb ©lanj gaben» 3u biefem 
ba4>te ji4> St^®agati gu begeben, oli er auf ber 9teife 
gtt i^m in »gvptcn feinen Xob erfuhr (500 b* ^^i\^xa) ')♦ 



1) @onß fpdd^t et ft(b fiang onbet^ gegen bie ©emeinfc^aft 
mit (Smitn unb ©ultanen aud* O Jlinb @« 47. 

2} Schmöld. ess. p. 76. 

3) ^. Jammer «^ureflaa a. a. D. e* XL SBte t){el ®en){((t 
et auf ben (3laobtn bet aimoramiben legte, HeH man au(^ an^ 



64 

S>d4^ tfl folc^m Qufem Sämtßffc&ni^n n)0|il nU^t aUt^ 
©erntest betjulegen, mit &^®aiaU m^ feinem <&aiq)t^ 
wxU SBteberkletong ber tReUgion^tt^iffeufci^aften, tuel^ed 
er toäxitit feinet Se^en^ al^ @uft ^erfa^t gu l^ai^en fd^etnt/ 
an t)erf(]^{ebenen Orten unb fogar n>&renb feine« Ibtfent^ 
^a\U }tt Damafcua lehrte ^3. 3tt SRifa^ur fc^etnt er ni^t 
lange geMie^en )U fein ^% ®egen ba« ^be feine« it^ 
Uni )og er {t(^ tt>ieber lam befci^aultd^en ititn mtfy feu> 
ner SSaterftabt X\x& intM, tt)o er lill fiarb. 

(iU®aijoM gebort ya ben frnii^tbarften @d^riftfie((eni 
unter ben Hrai^ifci^en $^iIofo)>^en» 3n ben S3er)ei4^nt{fett 
feiner SSerfe, tt^elc^e un« ^oorliegen, fällt e« auf, baß 
unter i^nen nur ein $aar ftnb, tf^ü^t auf SIrjneifunbe 
l^inmeifen ^3« ©eine Steigung )uni gurüdgeiogenen Seben 
f üi^rte i^n ^oorl^erf^enb auf Unterfu^ung be« innem SRetV« 
fc^en« pr bie ^enntni^ feiner Se^re ifi in ber notem 
3ett mtfyx gef^el^n, al« für bie fienntni^ trgenb eine« 
anbern ^rabtf^en $^itofo))^en. S)0(^ liegt feine ^avapU 
fcl^rift bie äBieberbelebung ber 9tengion«tt)if[enf(j^aften ttoc^ 
ia ben IBiMiot^eten verborgen unb nteffrere feiner ftbet^ 
festen ®4iri^en ftnb für bie Senntnig feiner legten (St* 
gebniffe unbrau(|bar; U)eil fte ben früi^ern @tanb)>ttn{ten 



ettter flnclbote. dBcnb- &. XII. Sergt H^Ba* ©efcj. @j>an. u. 
^ort. jur 3eit bcr $)crf4>. b. ^llmor. u. 2crmo^ I ©• 229 f. 

1) SBüflenfelb a. a. O. ©. 33. 

2) Unter ben berühmten Sejrern au fJifabur toirb er öon Sü- 
ftcnfetb nicjt aufge^oJU. 2)et ©ultan, welcher tjn na«^ 9{ifabiir 
berief, fcjeint balb barauf nicjt inejr regiert ju Jabem Schmöld. 

ess. p. 75. 

3) 8ei SSufJenfelb ^. 69 physica, bei ö, f)atttmer 5lr. 32. 



6S 

angeben / aber welche er fp&ter ftc^ et^oBen i^atteO» 
%tr bte e^xifttn, totl^t aniUx le^tem |)mobe feine« 
Setotd fuib, briiden feine feflen äbetjeugungen auö« 
jDo^ l^ot man an^ (ei ifitet Senu^ung mit äSotftc^t gu 
»erfaf^reit^ toeil {!e nic^t aKein auf 93e(efftung, fonbem 
m^ auf Srfiauung Beregnet unnf^n. (Sin Stabifc^er 
e^ri^eKet giebt avba§ G^I:^®a)an feinem eigenen ®efianb<> 
niffe nad^ nur in einige feiner ©dj^riften bie reine SBapr^ 
^eit niebergelegt ^aht nnb jwar in iol^t, m\^t er nid^t 
ollen ntitjut^eHett für gut f^ielt 9BeiI er i^mtliify wt 
htm Söffe rebete, ^&tte er bie ©emo^n^eit gepaßt an 
bem einen JDrte gu U^tn, an bem anbem }tt binben^ fiber^ 
^axtpt aber nur SSinfe fflr bad richtige SSerfiänbniß )u 
geben ^« (Er unterfc^ieb alfo eine ©e^einile^re wn ben 
Se^ren ber dffenflic^en {Religion/ in totii^m er ben alten 
®(attben feflju^atten Um&^t toar* Ziti vertr&gt {!($ f e^r 
gut mit feiner m^^'f^^" dti^tmi, bemeift aber antfy, bag 
bie Sefire ifim nur eine untergeorbnete Sebeutung ^atte« . 
@ie foUte jur S3efferung bienen unb bafier na^^ ben S3e^ 
bfirfhiffen btttx, n^eli^en bie @rma|inungen )um ©uten 
ert^eift tt)firben , eingeri^itct werben* ©o bemerft er felbjl, 
baß na($ ber SSerfdj^ieben^eit ^ber ^anf^eit an^ berf((^ie^ 



1) @o feine ?ogif unb feine f^Mcpiit, in weld^er er fafi 
o(ne Su^na^me mit bem 3bn @ina ubereinßimmt. SIu(( auö 
fetner destructio phijosophiae barf man feine ^iilc\o)p^it m<^i 
f((öpfen tvoden/ n^ie fc^on bemerft würbe. 

2) 3bn XofeU ber Si^aturmenfcb ©•47fF* 3« feinem OIou* 

bendbefenntniffe (Pococke spec. p. 281 ; cf. destr. deslr. VI fol. 39 

col. 2.) ftfi^f er 3. 35. ben ©lauben auf SBunber, »ärenb er on 
einet fc^on ange^lrten stelle ben Suuberbetveid s>ern)arf* 
@ef(b. b. W^* Vlir. 5 



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66 

bene ^eilmtttel gefud^t n)etben mfiften ^). tSr ^ie%t bie 
SJorfc^rtft: 3ebett, üUx miäftn Ut gut^t bte Diergc* 
mtt pat, kotrb tntt ber {)offhung an, unb Heben; äbec 
ben bte ^opung bie £)ber8tn)att ipat; tufe jur Stti:t^t 
inx&iL @etne ttievseugung, bag tn gegenwärtiger 3ttt 
bte ^offhitng loor^erfd^e, mu^te {^n aldbann antretben 
«)or allen S){ngen bie S^^d^t «)or ben gettli^en ©trafen 
eittjufc^ärfen *)♦ 

Sine Überlieferungen ffi^ren borauf jnrfid bie (Snttoid^ 
lung feiner X)enfn)e{fe ani ber Kriflotelifd^en $|fitofo))]^ie 
ab)uleitem fßon i^r n^ar er ausgegangen; wenn er \p&ttt 
anbern X)enftt)eifen feine Siufmerffamfett fi^enfte, fo ge» 
f^ai^ ti nur, xotil er Swetfel gegen jiene gefd^fpft ^oüt. 
3toar woKte er au^ ber Se^re ber ^Jlotat^aUim i^tm 
903ert$ nic^t a(f))re$en ; aber baß er il^ren eigentfiümlid^eit 
Sinnafmten, i^ren Sltcmen in Staunt unb 3eit^ fein O^. 
geliehen ^ttt, bat)cn ftnben wir feine @pur« S^et 
SOSeife an ben 3d(ant {t(|f aniufd^Iießen mod^e er feinett 
SBeifad fc^enfen; aber gegen ben 3ufamnten|iang tj^rer 
Sef^ren entf^ieb er ftd^ ntd^t weniger / aU gegen batf 
@9ftem ber ^^ilofopl^en. @r fanb t^n wenig auegeMI« 
bet/ weit allgemeine Se^ren über ©ubfian} unb SIceiben« 
u. bergt außer Um ®tiitt if^rer SQStffenfd^aft lagen; nur 
burd^ bte 9lot^wenbig!eit i^re Oegner ju bejireiten wä^ 
ren fte auf foli^e Unterfucfiungen gefommen, beren {^eil^ 
famfeit für bie firanffieit Slnberer er ntd^t beflreiten mi^tt, 
bte aber gegen feine 3n)eifel unwirffant wären« !Kit {(m 



\ 



1) Schmölders p. 27. 

2) l^inb &. 46 f. 



w 



I 

67 



Ter aSeife auf Slutoritöt ftd^ ju Berufen tmxAt er fid^ 
nu^ Befreunben« SBtel flirfer d« eine folii^e ©runMage 
erfc^ien t^m bod^ bie tt^eraeugung, n^eld^e bfe urfprfing« 
li^cn ©eflriffc be« SJcrflanbe« flewäffrten ^)* ^fermft 
giebt er eben bem SBerfapren ber ^lfxU\^)fyit ben !ßor}U8 
9or ber 3)ogmattf, unb will man ba^er feine X)enfweife 
ftd^ erfl&ren, fo U)irb man bat:auf achten mflffen, tt)arum 
t^ jiened bod^ QU(|f ni^t genfigen woKte; unb tt)irb ba^ 
^er au^ nic|t umgefin fonnen einen ^M auf bie äBeife 
feiner fcfX^tvx $fii(ofo))|iie jn tDerfem 

9Q3te au^axaU unb 3bn @{na fud^t aud^ er {n®ctt 
eine DoOfommene (Sin^eit offne S3tel|f eit; ba^er muß er 
ott^ atö bie )ool(fommene Sin^eit be^ SQiiffenben, bed 
0e«ßuften unb ber SQSiffenf^aft gebadet werben^), «^ieraud 
^x^t ber @a9 ber ärabifdi^en Srifiotenfer, baß bie 93or^ 
fej^ung ® otted nii^t auf bad S3efonbere ^ fonbem nur .auf 
bad StOgemeine {tc^ erfhred[e^3; benn bad Srfennen be^ 
Sefonbern unb ber jeitltd^en @retgntffe n)firbe eine SSteT^eit 
unb eine SSeränberung in if^m »orauöfeften» 2)iefer ©ag 
Jatte ju mand^erlei SBormürfen gegen bie ^^itofo))^ie ge* 
fftf^rt/ aU wenn baburd^ ©otte^ SWac^t unb 6rf enntniß^ 
Jefdjiränft »firbe, aW wenn ®ott ®ute unb SBofe nid&t 



13 Scbmölders ess. p, 26. Ils se hasaient sur des prc^mis- 
ses — — dont la verilä ddpendait ou de la foi a Tautorit^ ou 
da commun accord de Teglise ou d^un seul passage du Koran 
et des traditions. — — Or, ceci a peu de valeur pour celui 
qui n^admet point d^autres principes que les notions primitives. 

2) De phil. I tracU III sent. 2. 

33 Destr. deslr. disp. VI foI. 39 col. 4, n)0 au$ bie S^a^f/ 

ob ©Ott nur ^^ felbfJ wienne, erörtert wirb; disp. XI fol. 48 

col. 1; disp. XIII fol. 49 col. 2. 

5 * 



J 



1P 

r 



68 

mttx^^tibm, ali mm er ntd^t einmal feinen $ro)>|ieten 
erfennen tonnte* Sluc^ Sli^SajaU verfehlt ni^t biefe 
©vflnbe ben $^i(oro))|fen entgegenjufe^en 0* 2)enno^ 
ftnben v^ix, ba$ er jene Seffre in einem gan) umoerf&ng« 
(i^en @inn ju nehmen ntu^te* <Sx tt^id nur ein in Se^ 
fonberpeiten ^erfaUenbed, bem Sntftepn.unb SSerge^n nn^ 
tern)orfened Srfennen wm Segriffe ©otte^ entfernt toi\^ 
fen; U^a\x)pUt aUx iO(fy, ed gebe nic^td fo ©eringfugi« 
ge^, baß eö ©Ott in feinen allgemeinen Urfa^en ni^t 
tpa^te ^3* ST^an n)irb fagen mäffen , \>aS 3beal bt« 9Q3if^ 
fen«; n)ie e« in ©Ott wirfüd^ fein f od, umfaßt f^tit in 
feiner ^Ugemeinffeit auc^ aUti S3efonbere* 

Slöer werben wir nun biefe« 3beal be« SQSiffen« er* 
reid^eu/ werben wir ti in ber $|»iIofo))${e toerwirfli^en 
fonnen? 3n unferm S>enfen fc^einen biefem ^pilofopj^en 
Sefonbere« unb ^((gemeineö fei^r mit au^einanber^ufat* 
len« Sßenn er in bem allgemeinen Srfennen ©otted bie 
Urfad^e aller JDinge fu^t, fo fonnen wir und benfen, baß 
er bie äBapr^eit beö 3((lgemeinen behaupten ^wiQ» 9Q3eit 
bat>on entfernt bie Slrten unb ©attungen ber Dinge nur 
für ^Ibfiractionen unfered SSerflanbeö {u galten, entf^^ei* 
bet er fid^ baffir, baß ©Ott ade ^rten unb ©attungeti 
ber Dinge wiffe; iai Sldgemeine iß im Überftnnli^ien; 
in allen l^immlifi^en Dingen bur4iauö ^erfcf^enb ; nur ber 
pnnlid^en SBelt gejiJrt ba« SBefonbere an^^. 816er »on 



1) Ib. disp. XIII fol. 49 col. 3. 

2) Phih I tr. III sent. 6. Nulluni igitur particulare est adeo 
minutum, quod non faabeat causam , et ipse seit illud per cau- 
sam suam, sed adroodum universaliter. 

3) U). I tr. I, 7. Suum (sc universalis) esse est in inteliigi* 



69 

bet anbent 6eUe bte allgetnetnen ^Begriffe, wie f!e in 
titiferm SBerftonbe ftnb, fd^etnen t^tn bod^ feine^wege« 
bie SOBai^t^ett bet S)inge bar^ußeHen. SBenn aOe SRetu 
fd^eti ein jDtitg n)Sren, fo to&xH biefe^ 2){ng jugldd^ 
metfe unb t$5ng fettu S){e aUgemeinen begriffe, iDie 
lötr fte ^aben, ftnb nurSBflber itt ^nli^UiUn, m^t 
bie Z)tnge in unferer aSBa^mefimung ^aben , bie tvirKic^en 
iDittgc auf er unferm SSerflanbe finb gettennt ttnb )oer^ 
l^teben «)on etnonbet ; if^re Sin^ett flnbet ftd^ nur tn un< 
ferm Serftonbe ^}» SBenn er nun fSr bie Sßtffenfii^afi 
folgern fodte, ica gemeine )u erf ennen, tt){e e« in ®ott 
®rttitb aUti Sefonbern ifl, fo bfirfte ifim bie« oOe ®rabe 
be< wzlttUfyta 2)afein« ^u fiberfleigen f($einen; @elbft 
bet 3ett)eger be« Fimmel« fann feine reine dnteKigena 
fdn^/ (Sben f^ierouf beruht j[ene Unterfd^eibung gmifc^en 
ben @ee(en ber ®e{}irne unb ben reinen ^nleOigengen/ 
meU^e wix ^on fennen« 3lber felbfl bie reinen ^nttUU 
gen^en itnb ®ott nur am na^ften unb fünnen ifin nid^t 
begreifen, n)ei( fte nic^t ))oIKommen ftnb. @ie fSnnen 
i^n ba^er aud^ nid^t DoOfomnien offenbaren; bie dErfennt^ 
niffe, iDeld^e fte mi eingießen, n)eld^ iDir im SIraitm 
em)>fangen,. werben Weber ^oUfommene @inf(d^t/ nod^ 
ooOfommene ©ISdFfeligfeit gewahren Unntn* 3n aOen 
©efd^üpfen ftnb @ubfian) unb SIcciben« t>erf^ieben ; eben 

bilibus , non iß sensibilibus. Ib. I tr. fU, 3 ; 11 tr. 11, 7. Coe- 
lestia eDim sunt natura universalia. 

1) Ib. I tr. -I, 7* Esse autem universale non est nisi in in- 
tellectibus. — > — Universale igitur secundum boc, quod est 
universale, exislit in intellectibus, non in singularibus, quoniam 
in ezteriore esse^ sc. esse actuaÜ, non est bomo universalis. 

2) Ib. I tr. IV, 2 sent. 2. 



70 

beön^egen tonnen fie (Sott, in mi^m UiU tini {tnb, 
ntc^t ^egteifen; benn ein jebe« £)tng fann nur ba« cr^ 
fcnnen , xoa^ i^m a^nli^ \% 9lur wo^ im SWenfd^en i% 
fann ber 2Äcnf($ crfennen ^)* JSJir Knncn picrnat^ er^ 
mejfen, wie wenig ber aRenfd^ im ©tanbe fein wirb au^ 
nur ben förpertofen t^tiitn SSerjionb gu itegreifen ^. 

2)a^er werben wir mi ni^t wunbern; ba§ (Sl^Sqali 
bie ))^i(ofo]»^if(|e Srfenntniß f eines weged für genfigenb 
]^att* @r ftnbet man^erlei 9Iät|ffe{ in i^r« ^ fie^t ti 
al^ ein ©e^eimni^ ber 93orfepung ©otted on^ wie ba# 
S^fe/ ois(ei(l^ nur Serautong, in bie Orbnung ber 
iDinge efngefflgt werben tmntc, unb wie ti tovmt, baß 
©Ott. oi^ne S3ef(l^ranfung feiner SlQmac^t nur bad ^JliQ* 
Ii(|fe tvittti^. ma^l^tn fönne ^3* S33o er joon bem SufÄm*» 
men^ange aller Urfa4)en unb alter ^immel im äSeltfp^ 
{lerne f^anbeU/ ntuß er eingeflef^n/ baß wir nid^t burc^ 
^^ilofpp^ie; fonbem nur burc^ (Srfai^rung t)on ber 93tel^ 
l^eit ber l^immlifc^en ©eßirne wiffen^}« 

9lo(^ ein cfmrafterifiifd^er $unft ift ^kxUi nid^t ju 
öterfel^en». : 3n ber Uxpcxli^tn Sürbe, wetc^e wir tragen, 
fte^t er ein ^inbemiß ber (Sxttnntni^ unb ber @eligfeit ; 



.j-i. 



1) Ib. I tr. IH princ <). Nihil de dco potest intelligi, nisi 

secundum aliquid , quod est in te, . Si igitur in prirao 

est aliquid y cui simile non est in te, id nullo modo potes in- 
teiligere. — — Ipse vero (sc. deus) nee est substantia nee ac* 
cidens. Hoc eliam non comprebendunt angeli, quoniam illi 
sunt substantiae, quarum (ex) esse aliud est ab eo, quod re- 
spondetur de eis. Ib. I tr. IV, 2 sent. 4; II tr. V, 4. 

2) Ib. II tr. V, 2. 

3) Ib. I tr. V fin. 

4) Ib. I tr. IV senl. 5. 



71 

ober bod^ nid^t tai dn^tge, ni^t bai gtögefte« Siel«« 
m^t ersä^tt er und t>on im Oualeti bet SBetbammten 
001$ bem Xoit, mm f!e na($ titpttli^tn i&^m UQtfff 
im tmb i^tten bieSBet^uge fefilen tt)etben, butc^ tt)eU^ 
it^t ©elufl ibefnebigt tt)erbeit tinxdt^ 2)te« tt)evbe, {te gci^ 
tmint galten wn bem, toad i^xtt Statut gufAme, t>on 
ber Seibtnbuttg mit bem t^fitigen iBerftonbe 0« ^ter tritt 
bei (£I'®a)aIi eine ^nli^t Serädftc^tigttng bed fittli^en 
Mettö neben ber Sßiffenfd^aß ein, wie beim 3bn @ina. 
6r fiiibet ben @4imer) biefed gebend ivefenttt^ borin, 
bo^ unfere @eele, bur4^ if^r Streben na^ (Srfenntni^ nac^ 
oben, bur(^ if^r Streben m^ {tnn(i(^em ©enuß natfy m* 
ten gesogen, in {td^ gerripn ift, bej^uptet ober nid^t, 
bog ber @ieg über biefe Seiben bur$ bie ^aft ber äBif^ 
fenf4^a^ gewonnen werben mflffe; biebnefir finbet er mit 
bem ßoran ben anenfdfien nur um fo ßrafbarer, j[e m^r 
er bei befferm äSif en einem fcffle^ten Seben fid^ ergebe, 
unb ^Slt bad SQBadj^fen in ber S3i{fettf4faft, wenn man 
nid^t jugleic^ in gutem Se^en wac^fe, nur für eine (&nU 
femung loon ®ott^). SKan fonn nid^t baran sweifeln, 
ba^ fein SSertrauen ivm wipnfd^aftlid^n SBege tti4lt feffr 
grog fein fonnte. ©an) onberd aii 3bn @ina (ä^t er 
bie 92eigung fpären tem f^raftifd^en Seben einen ^f^ern 
SSBertjf atö bem t^eoretifd^en beijulegen. 

3Bir werben l^ierin ©rfinbe genug ftnben, weld^ i^n 



i) Ib. n tr, Vy 5. Postea vero per mortem amisso in fru- 
menlo (1. inslrumento) rei desideratae remanet desiderium ejus 
et amor. Et hoc cruciatus ineffabilis et hoc est, quod profaibet 
eam applicari et adhaerere intelligentiae agentis. 



2) L. I. 



72 



}ur $lnt)etung feine« @9flem6 fu^rtent & t^aven 3n>ei^ 
fei an ber ^inl&nglid^feit ber ^f^tlofopl^ie mi bie mo^e 
SBtffenfd^aft unb bie toa^xc ©Ificffeligfeit gu gewäf^ren^ 
toai i^n jum @uft mad^te» 2)iefe B^^^if^t l^i^^t er ^r 
ben Einfang iti neuen Se^en«« SSer nic^t iU)eifett , bet 
benft ni^t nac^; toer nicfft nad^benft, ber erlangt feine 
Sinjt^t, unb toer feine Sinftd^t erlangt; ber UtiU in 
SBIinbf^eit unb SBerwirrung ^3. Durc^ fotcfie 3^eifel woUtt 
er )E)on ererben üReinungen a^gie^n unb lu eigener <£r^ 
fai^rung anleiten« 

Stimm bad an, toai bu fte^f!; t>em)irf ba«, toai bu 

pJrfl; 

^i Sonnenaufgang fannfl bu ben Saturn ent6effren^* 
- S){e Statur feiner 3n)eife( entwitfett er ni^t auf bie 
•beutlid^fle Sßeife* dx bemerft bie tIniU)oer(äfftgfeit btr 
ftnnlic^en Sßa^rne^mung , n)e((^e {t(^ baraud ergebe, baß 
ibir fte mit ben ®runbfa^en bei Serflanbe« ni^t in Ü(er^ 
einflimmung ftttbem 9kr wenn fo ber SSerftanb )um 
9ii($ter aber bie SQ3a(^rne^mutig ftc^ erj^e^e, f^nnte nun 
ni^t an(fy ein ^^fierer Stifter üUx ben SSerßanb aufße« 
l^en, um bie Un)ut>erlafftgfeit ber allgemeinen ©runbfdf^e 
barjüt^un? JDiefer 3tt>eifel wirb Derjiarft burd^ bie Sr* 
innerung an bie Silber bei SIraum«. @o lange wir trätM 
men, ^oertrauen wir ifinen; wenn wir aber erwa(|fen, ^tx* 
werfen wir fte aU 2:äuf(l^ungen , weil wir eine gewiffere 
SSa^rl^eit im wachen Sewußtfein gefunben ffabem Rinntz 
ei nun ni^it einen noc^ ^i^txn 3ufianb bei SBewu^tfeini 



1) Sei 3^n ZoUit @. 48. 

2) (iUtit>. e. 49. 



^# 



73 

itbttt, gegen »el^en bad toa^t Se^u^tfetn toit tia 
Srourn }ur ^Ba^xl^tit ft($ )^erf»iette? ^ievibei erinnert er 
fu^ an ibie 93e|^an^tungen ber @uft über ben 3uflanb ber 
<Efßafe/ an bte Sefften fiber bod Seben na(!^ bem S£obe» 
Scrgeblid^ tt)firbe ei fein fol^e ©ebanlen toiberlegen )tt 
wofltn ; benn nur im^ 93en)eiö liefen fte fid^ tt)iberle^ 
gen; aber ber !dmtii wixit auf ®runbfd^en be^ SBer^ 
ßanbe« beru^n, ii^elc^e burd^ jene ©ebanfen angefochten 
warben ^)^ 

aSenn biefe 3n)eife( ben alten @treit jn^ifd^en ben 
@rnnbf5$en be« SBerßonbed unb ben Slutffagen be4 &ixi^ 
nti ernenem, fo n>erben {ie bod^ nid^t fe^r em^aß wn 
ifim genommen, ba er eingefiefit/ bag bie ©rnnbfä^ebet 
Ser^nbe« i^m auf einem anbern Siege mieber ©id^er^ 
^tit gen^onnen i^ätten ^3 ; fte bezeugen nur fein @treben 
nadt ^^1^ ^ifftxn (Erlenntnig, aU bie Siiffenfd^aft ges> 
loaffre» S3on t^iet emfterer Sebeutung ift i^m ber Streit, 
in tpelc^em er bie $^iIofo))i^ie mit ber 9teItgion erblidft« 
aSie er felbß angiebt, i{i auö biefem ®eft4)t^))unft feine 
ganje ©djirift jur SSSibertegung ber ^J^ilofopjie gefaßt ^}. 
jDte Se^ren ber ^^ilofop^en lagt er in aKen fünften ifx, 
m\^c mit ber Sleligion nid(|t fireiten, fud(|t aber }tt ^tu 
gen, baf {te Unred^^t l^aben, n)o jte gegen bie Steligion 
[\^ ergeben* SUd unbeßreitbar gelten i^m bie SlRat^ema^ 
tif unb bie Sogif , nur bfirfen fte nid^t forbern, baß aKe« 
in berfelben SOSeife beioiefen werbe, wie jte ijire Seweife 



1} Schmölders ess, p. 20 sqq. 
2) Ib. p. 23. 
3} Ib. p. 35 sq. 



i 



74 

ffi^ren ; bte fRdi^ion (äffe f ohf^e S3emetfe ntd^t )U ^). Stu^ 
bte ^9ltf (ä^ er ju mit t^rer ©efa^rtin , bet ^J^ebkiit, 
nur muffe fte anerfennen, ba§ fte ber ^Religion üntop» 
georbnet fei, tnbem f!e bte 3latax aii ein fBttt ®ottti 
anet^enne ^). graglic^er ifl i|;m bte 9)^eta))fi!^ftf ; fie be» 
vu^t auf $9))ot^efen; ej ifl ein falfd^ed SBorgeben, ba$ 
fte in ^reng logifd^er äBeife bemiefen n^erben Unnt; 
ipu Sefftren flel^en auf ber &txtt^ be^ Unglauben^ Dber 
ber Äefterei ')♦ Slm Wrjeflen erflart er ft($ ü6er bie fJo* 
(itif unb 9RoraI ber 9$^üofo))pen, inbem er nur hifyaup^ 
Utp fte l^&tten biefe SBiffenft^aften enttoeber au^ ber OfRi<^ 
barung bber aui ben Seigren ber @uft Qt^ö)ipft% SBtr 
fefien a(fo , baß er bie iipxm ber $^iIofo))i^ie nid^t gon] 
))en9erfen toiU; et tDia t)ie(me^r eine Steligion, tt^elkl^e 
mit ber $^iIofo))^ie; eine $^iIofo))^ie; bie mit bei: 9te« 
ligion ftd^ }u soertragen n^eif^ S^fiörig ftnb bie^ toiU^t 
bte Sefiren ber $^iIofo))^ie fiber|fau))t tabebt ^ weil ff e tU 
nige 3rrtf>ömer entl^atten; t^örig würbe e§ fein bie 3rr* 
t^fimer ber $(iilofo^]^en anjuneffmen, mit SSal^r^ieiten 
barunter gemif^lt ftnb ^% 9lur nad^ einem ^i^tm ffii^U 
ma^t toiü er bie Se^ren ber $piIofo))^ie ))rttfen unb ein 
foTd^eg ftnbet er in ber SReligiom 

©eine Sintbfirfe gegen bie $^iIofo))pie, unter allge)> 
meine ®eft(^t^))unfte gebradfit/ laufen auf gtt^eierlei ^inau6« 
(Sx wirft i^r )>or mit Unred^t flreng logifd^e 93eweife ffir 



1) Ib. p. 31 sqq. 

2) Ib. p. 35 sq. 

3) Ib. p. 32; 36 sq. 

4) Ib. p. 3T. 

5) Ib. p. 38 sq. 



ft* 



75 

alle (SrfeinttntfTe gu t)evlangen 0* & erinnert und baton, 
baß bte aOgememen Sefiren ber SBemunft ntd^t int 6tanbe 
{tnb uni bie befonbem Dualitäten ber Dinge fennen gn 
Ie$fren* SBet nun ber Sevnunft aMn t>ertraue unb nur 
in ber $^tIofo))^ie äßiffenfd^ft fut^e, ber mö^tt t>etfü^rt 
»erben alle befonbem Dualitäten gu leugnen^}. 

3Bai ben erflen $unft betrifft, fo fifi^t (E(^®agali 
ft($ bagegen auf bte (Srfenntntß ber ®runbfS9e» ®ie 
gÄen gegen bie ^j^üofopi^ie ben ftd^erflen ^ttotii ab, baf[ 
t8 opne Sen^ei^ ein unmittelbare^ Sßiffen gebe. Sflle 
Sßiffenfc^aft berupt auf unbewiefenen unb unbeweisbaren 
6i$en« (iU®aiaU pätt an ij^nen fefi troe aller friner 
3«9eifel; aber unfere @{(i^erpeit fiber fte berufft il^m auf 
einer (Srieucptung wn ®ott'}« ^nli^t ©fi^e j^aben 
vir f($on bei ben Slrabifcf^en Slrtfioteülem ge^nben. (SU 
®agali be|»nt fte nur tpeiter au«. Mt SBiffenfc^aften, 
)» fS. ÜSebidn unb Kfironomie, berupn {fym auf einer 
))rop|^etif(i^en ®aU, weil fte ober guffinftige Dinge ttwat 



1) Ib. p. 35. Les Logiciens sont exposes dans celte science 
a un genre d^errears qai consiste en ce qu^s exigent pour les 
demonstrations des conditioDs des quelles il est ave're, quMIes 
sont absolument certaines» Or, quand ils vicnnent a s*occuper 
des matteres religieuses, ces conditions ne peuvent plus etre 
accomplies. 

2) Ib* p. 79. II y a ici des choses nommdes qualit^s spe> 
cialesy que l'oeil de la raison ne saurait p^n^trer et qua Tin* 
tclligence n^b^site pas a nier et a ddclarer absurdes. 

3} Ib. p. 23. Je revins alors a Fadniission des uotions in- 
tellectuelles comme fondements de la securitd et dela certitude. 
Cela ne se fit pas par composition de preuves et par des rai- 
sonnemenls systematlqucs, mais par un dclat de lumiere que 
Dieu nie jetta dans le cocur. 



76 

aitöfagett; tt)el$e mi bo^ burc^ Srfafftung ni^t (efannt 
fein Wnncn ^D* 2)te ^ji^itofo^l^ifd^en SSBiffenfii^aftett erfreu 
nett ipm bagegen nur als tin SEro^^fen bei$ £)cean4; tuel«' 
^en iai ^uge ffir bie l^öf^te SQSai^r^eit unö etrf fne. jDit 
(Srfenntniffe Ui @u{t »ermatten ftc^ jut $fi{tofo))i^te tt)te 
bte allgemeine din^^t in iai ©an^e (u ber befonbent 
unb befd^ranften tSJiffenf^aft % 

ÜRe^t im Singelnen geigt biei ber ^totitt $un{t na^. 
Qim ba« iß i^m anfl^gig an ber $pi(ofo)>fiie , ba^ fte 
ni^t aUa umfaf tt Sßir j^aben f^on o^en bemerft / baf 
er eingejiel^n mußte, bie Sej^re bon ben ^oerfd^iebenen ^imi« 
mel^fpfiareh berui^e auf Srfa^rung. @o fann bie ^^iU^ 
fopl^ie überl^aupt bie befonbem Dualitäten nid^t erforfd^en» 
Unb bod^ ftnb fte anguerlennen. S03er xooUU bie eigen« 
t^ümlid^en Sßirfungen betf £)))iumd, beö ^euer^z eine< 
S^alidman leugnen, wenn aud^ bie $^ilofo))i^ie i^re ©rfinbe 
ni^t einite^t?^). 2)ie W^o\op^it, mm fie jt(|> felbfl 
erfennt, muß bie Srfai^rung gulaffen unb ein ©ebiet ber 
SQSaffti^eit gugeben, aber tt)eld^e6 n)ir nur burc^ eigene 
Srfa^rung und belehren fdnnem &f®aioXi beruft {td^ 
bafür auf bie ®efd^madEdurt^ei(e , xoüö)t itid^t mitjutj^et« 
len tDären burd^ 9Q3orte ober burd^ irgenb eine äBiffeh« 
fd^aft, eben fo t^enig aI6 bie Srfenntniß ber 2;runfen]^eit» 



1) Ib. p.65; 69. 3(i{$ 3bn ©ina lä$t ben Sefcutap für tU 

ntn |)rOp$eten fetten« De anima prooem. 

2) Ib. p. 66. Ce que nous avons rappori^ est dans cet 
oc^an infini une simple goutte. — • — Cet ^lat analogue ap~ 
parait des que l'oii commence a adopter la vie ^oufique et avec 
lui apparait aussi une espece de pr^seniiment gendral de Ten- 
semble. 

3) Ib. p. 79 sqq. 



77 

SaSeittg tt)iirbe e« l^elfen bi^ Urfad^en folc^er S){nge au«^ 
einanbersttfe^en ; mx fte nt^t erfahren ^(e, t^firbe fte 
ni^t jtt ibeuTtj^etten n>t{fen ^)^ 

Sliet e^ tfl ni^t bte gemeine &:fa$rttng; toel^e er 
iur (ShTgänjung ber ^f^ilofopl^te forbert; fonbem ein neue« 
%tge, xoti^t^ mi burd^ ben {^rop^etifd^en ®etfl einge^ 
fe^t toerben foU^ um S>{nge au erfennen, tt^eld^e tcit auf 
einem onbern Sßege gu erfennen t^ergeilid^ {heien iDfir^ 
ben ^. Um bie aRSglid^f eit einet folgen ^i^txn dx^a^^ 
ntng batjutpun erinnert er mi junad^ft an ben Xoh, iai 
fünfKge Seben unb bie neue SBelt, in n>elcfie e« uta ein^ 
f&^ren tt>erbe« dx mt tbm be^megen ben ©ebonfen an 
ben Xob für tttoai üUxani S^ud^tbare«, tt>ei( er mi 
ber gemeinen @))pare ber Srfai^run^ unb ber SBiffenf^afi 
entrfide, inbem er mi barauf aufqp:ffam mad^e, baß 
ti nod^ eine anbere SQSeU giebt (äi biefe ftnnlid^e^3« 
S>iefe I^S^ere ibeale 93ett, n)e{cfie bem ^erjen ftc^ iffnt, 
nennt er bie reale , bte SSelt ber toal^ren S)inge unb ber 
(Sngel/ tt>ärenb bie ftnnlid^e; bie gefd^afene SBeU if^m 
nur für eine SBett ber SlbMlber gilt % 3» i^t foUen 



1) O 5tinb @* 31 ; Schmölders ess. p. 55. 

2) Schmöld. ess, p. 78 sq. Cest une chose essentielle ä Ja 
foi du proph^tisme de proclamer quMI y a au delä de la sphere 
de rentendement UDe autre sphere dans laquelle un oeil est 
ouvert a Fbomine pour percevoir des objets sp^ciauz qu^il n^est 
pas plus possible a Pintelligence d'atteindre qu*a Pouie de per- 
cevoir les objets visibles et a tous les sens r^unis de saisir les 
objets intellectuels. 

3) Liber quadrag. placitorum K Tholuck 1. 1. p. 13. 

4) Ib. p. 17. Veram existentiam non possidet nisi mundus 
rei (realis) atque angelorum; cor enim ad roundum rei perti- 
net, typi contra ad mundum creatum. 



78 

toix Uta tx^tUn ni^t aUtin im ©ebanfen bed Xoiti mb 
buvd^ im Zoi, fonbern aud^ fcfion tn tiefem Se^en »er^ 
mtttelji ber S(6ite^ung unfere6 ©eifleö »on ben gettlid^en 
©ütent; baburd^; ba^ n){r btefe nid^ttge ftnnlüfie ^evf^n«» 
Itc^feit unb unfent eigenen SBiKen aufgeben 0, bagegen 
mit freiem SBiKen @ott ©e^otfam leißen; benn barin 
unterf^eibet {id^ bie SBett ber n^a^ren S>inge t)on ber 
^nli^en SBett / baf jiene frein^idig^ biefe gegtuungen ® Ott 
gef^or^t^* ©0 [offen toir jum Steigen mi ergeben, 
in toelcfiem S3ergangen^ett, ©egenioart unb 3ufunft ein^ 
ftnb; fo foffen tt)iv üicx ben £ob ptnmeg fein; benn ber 
aOBetfe ^at fd^on ben Xo\> gelitten ^}. 

Um un^ ben ©ebanfen einer fold^en (Sx^tbnn^ na^er 
ju (ringen mac^t er nni, ben Sefiren ber 3lriftoteIi!er fi^ 
anf^Iiepenb; baroüf aufmerffam, ba^ übtx^avi)ft unfer 
öemünftige6 ?e6en in X)erfd^tebenen Stufen ber ©nttoitf^ 
lung i)er(aufe* Der aWenfd^ loirb untoiffenb gefd[^afen; 
bann öffnet ft($ iffm bie ftnnlid^e SBelt/ eine neue 
@d^ot)fung in tffm; au(| nur flufentt)etfe/ inbem ni($t oUe 
©inne auf einmal, fonbem nur nad^ einanber ftd^ offnen. 
Ungefdr im 7* 3apre feineö Sllter^ enttoidett [\^ in il^m 
ber ißerßanb unb e6 beginnt bamit eine neue $eriobe 
feinet ititn€ unb feiner (Srfenntni^; er beginnt ber £)inge 
ftd^ ben^upt }tt toerbeu; toeld^e über baö ©innlid^e ^in^ 
ttu^gel^en* 9?od^ fpater wirb i^m bie 3nteffigeni mitge^ 
t^eitt, bie wiJTenfcj^aftKd^e , p^ilofo<)^'if(|ie ©nji(|it, m\^t 



1) Schmöld. ess. p. 56 ; 58 ; T7. 

2) Tboluck I. 1. p. 18. Oi>edientiam voluntariam puta eam^ 
quam mundus rei praestat, coactam, quam mundus umbrarum. 

3) Ib. p. 14. 



79 

iai rniQü^c unb iai ttoti^menbige SBefen untcrfi^ribtt/ 
imb fo ben Übergang bitbet p ber dxttnntni^ U« (SwU 
gen, wtlifti toix jule^t in einer neuen (Srfal^rung, im 
pro^i^ett'fd^en ober j^eiltgen ©etfte/ in ben Snt^ädnngen 
ber @uft }u gett)tnnen j^aben ^3^ Sßie t$((rig finb bie, 
tt^eld^e bie ^^^ere (Srfal^rung leugnen, tpeil fte biefelbe 
tttd^t gemacht l^abem ®ie gleid^en ben ftinbent; ii^el^ 
ben Serflanb be6 ^anm«, t>en Unmiffenben, mlü^t bie 
9${(ofo))|^ie leugnen ; ben 93Iinben, i^el^e ben Sej^enben 
feinen ®(auben fc^enfen tooUtn, ben aSa^enben, n^eld^e 
nii^ti 9on Zxanm wiffen totUtn, toül fte if^n nid^t er^ 
fahren ^af>vx unb ftd^ für ubergeugt i^atten, baß fte nur 
bur^ bie ge((ffneten @tnne Sorftellungen em))fangen 
Kanten «), 

Sterbet tfl aber aud^ feine pxaUi\(it Stid^tung nid^t 
itt fiberfebn* @d^on in feiner Slufaffung ber %xx^otüU 
fd^en l^ffilofopl^ie ffaben n>ir fte flärfer autfgebrfidEt ge^ 
funben, aW beim 3bn @ina* ©ie fd^eint ouf bie Um^ 
tvanblung feiner ©enln^eife i)or^erfdjienb eingewirft ju f>a^ 
ben^ 9Bir fallen, n)te er in ber Überjeugung t)on ben 
felbfiffid^tigen Sefirebungen feine« bi^^erigen tt^ijfenfd^aft^ 
lid&en 8eben6 ju il^r laut; tt)te er ©ntäuferung feine« tu 
genen SSiden« unb SSer^id^t auf bie n>ett(i(^en ©fiter aU 
Sebingungen ber pokern Srfaprung »erlangte^ Slud^ SV^ 
ter, aU er lieber aU Se^rer aufjutreten fid^ entfd^lof, 
rechtfertigte er bie« nur baburd^ , baß er überjeugt war, 
ni^t er Jianble fo, fonbern e« fei ®ott, welcher in ipm 



1) Schmöld. ea$. p. 63 sq.; p. 246. 

2) Ib. p. 64 sq. 



80 

^anbleO* SBit pnbcn nun, tag et ni^t fetten in ein 
üitxttUUnti So6 be6 pxatti\(fytn itUni miixx^t ttnb 
ben n)tffenf(]^afttt(l^en SBeg bagegen jutficffe^« S){e 9Bt> 
fenfd^a^ tjl nur ber ^mnif bte ^anbtung bfe grud^t^* 
St nennt bie SQStffenf^aft trefft gerabeju ettt)a6 Unnfi^e^ ; 
n\ö)t bte SBiffenfd^aft fonbem nur bie guten ^anblungen 
folgen bem SRenfcfien im ®xaU na^ ^^ 3utt)etlen r&t^i 
er soon ben SBtffenfd^aften a^, mü fte ber SrSmmtgfeit 
®efar Md^ten; burd^ bte aOSiffenfd^aft toixi nur ber SBer^ 
Infi Ui Seiend gett)onnen ^}. Senn er {tc^ ntä^tgt, fo 
fd^iie^t er bo$ eine gute 3^^^ t>on SOStffenfcfiaften wn 
ben 93eflre(ungen ber e^romnten au6 unb ratfi nur bie 
9Btffenf4iaften an , n)eTcl[)e ba ^ $er) iBeffern unb bte @eele 
reinigen ^}* SBtr (ejeid^nen bied aU tt(ertrei6ungen, i^eil 
anbere feiner äu^erungen fte ali fol^e erfennen (äffen* 
@r fe^t fte aU Heilmittel ben Übertreibungen ber ^^ito« 
fo))]^en entgegen ; ml(!^t glaubten burd^ blo^e Sßiffenfd^aft 
Slettung unb Befreiung gen>innen unb bie ^anblungen 
entbei^ren )u fdnnen % S)agegen U'^an'pttt tt, ba^ SBifir 
fenf^aft oi^ne ^anbtung Sa^nftnn unb ^anbfung oj^ne 



1) Ib. p. 77. Mais f avais la ferme foi et la conviction, 
quMl n^y a de force et de puissance qu^en Dieu; que ce n'^tait- 
pas moi qui m^^tais d^termin^, mais que Dieu m'avait d^ter- 
min^; que ce n^dtait pas moi qui agissais, mais c*^tait lui qui 
me faisait agir. 

2J O Äinb @. 23. 

3) (Sbenb. @. 21 ; 33. 

4) eo t>on ber !D?at(iemaii!; bo$ p(t er ed für ^efarlic^ fte 
)tt Derbteten. Scbmöld. tss. p. 32 sq. ; O l^inb ©. 26. 

5) O Äinb @. 49. 

6) gbenb. e. 21. 



81 

SBiffenfd^afl f dne $)attMttn6 feu 3« bem SeBen bct ©ufl 
ttitnnt er bie aSereiniflUttg ber Z^toxk mit bct ^Jrort« 0^ 
^itx foQte ntd^t bennoc^ )^on fetten fl^ertret^ungen in 
fettttr ©eele ttwai j^aftcn geiliefien fetn? 3tt b^felben 
@^xiftm, in tpel^en er bie gemfiptgte Slnfti^t gcftenb 
mac^t, ftnben fte ft$ aud^. Sie flehen bid^t neben ben 
e&iim, tpelcfie bie ^tot^wenbigfeit ber SBiffenfcfiaft an^ 
ertennen. 3n ben ^anblungen ftej^t er tpenigflen^ ben 
allgemeinen 93eg, auf mX^tra tt>tr bie ^^txt @rleu(|»' 
tung gewinnen foden» Qi iß babei }tt bemerfen, baß er 
imter tiefen ^anblungen jt^ar auc^ bie ftttli^en Sßerfe, 
in ber Siebe betf 9la($flen unb ©otted geübte aber ni^it 
minber bie (ErfüKung ber religipfen SSorf^riften ^oerfiept ^. 
jDer ®tanU an ba^ ®efe^ ifl i^m ba^ Srfle; freiließ 
ni^t dn blinber ftolerglaube, gegen mi^tn er t)ielme]^r 
eifert, aber tin ®(aube, totii^tx in unferm ^erjen feine 
9e{l&ttgmtg gefnnben j^at; barauf folgt bte ^anblung 
na^ bem ©efe^e« SSir bebfirfen, um t)om Sofen mi 
ju befreien, ber Seitung tinti ©d^ei^l^ö, tint^ 3man'^; 
biefer i{l SDtuffammeb unb feine 9{a(i^f oTger ; n)enn n)ir 
feine SQorte unb SSerfe ))rufen, n)erben n)ir ftnben, baß 
wir i^m me^r gu folgen l^aben, oli einem SBater, mU 
cjer feinem Äinbe bie peitenbe 2(rjnei rei^t ^)* ©o fd^eint 

1) Sbenb. ®. 27 ; Schmold. ess. p. 54. Le ^oufisme pour 
atteindre a sa perfecüon exige Tunion de la thc'orie et de la 
pratique. Ib. p. 248. 

2) Z^rxe ben ^enfc^en, tpa^ bu wM, baß {!e bir t^utt. D 
fiinb <S. 49; ©Ott unb unfern !Rä((flen foHen n)tt unfern %&iUm 
opfern. Sbenb. @. 38 f* iDagegen aber au(^ bad Sob ber auf ern 
Zeremonien* (Sbenb. @.23; Tholuck. p. 16. 

3) D ^inb 8. 23 f.; 36 ff; Schmöld. ess, p.46; 84. 
@efc^. b. Wl Vül. 6 



82 

t», ali foKte in htt ^at Ux prafttfd^e unb rettgtSfe 
SSeg i^m ben äJorjug wv im n)iffenf4^aftlt(i^en Skge 
bej^auptetu 

Sterin tfl nun ba6 9R|>fltf$e feinev Seigre gegrfinbet. 

ff 

SmU bem ^anbetn bringt @[^®a)ali ben geffovfamen SBil^ 
len in SSerbinbung, mit bem ge^orfamen SQSiden bie ikU, 
in mi(^tx toix mt mit ©Ott vereinigen. S>en @otte<^ 
geleierten ; n)el$e nur auf ben 93u(|ipaben iti ©efe^e« 
unb auf feine Seokd^tung SSSert^ legen, bagegen bie 
üR^gli^feit einer liebenben unb befeligenben ^Bereinigung 
mit ©Ott nid^t jugeben tDoIIen , fe^t er entgegen, baß aud^ 
in ber mlttiifytn Siebe eine fol^e SSerfenfung {t(^ ergebe, 
in mi^tx toix fiber ben ©egenflanb und felbfl soergeffen« 
SBie foQte bai ni^t in ber Siebe ^n ©ott, bem toü^x^ 
l^aft Siebendtt)ertieen , fti!^ ereignen. S>ie Siebe ju i^m 
foQ t)ielmeffr jiebe anbere übertreffen unb ju einer folcfien 
^i^t ber SBoQenbung ftc^ ergeben, bap tt>ir barfiber und 
unb unfere SBerfenhing in i^m »ergejfen ^3* 

S>ode beflarft i^n in feiner mi^ftifd^en Slid^tung an^ 
w^^l Üene Slnftc^t t)on ber ffopem (Srleud^tung, na^ tocU 
dper fte eine (Srfafirung eigent^ümlid^er $lrt fein foQ, j[ene 
Berufung auf bie unübertragbaren ©efd^madfdurt^eile, auf 
bie (Srfenntni^ ber befonbem Dualitäten, mXi^t burc^ 
feine SSiffeufd^aft ergranbet mxitn Unnttn. Sluf foI($e 



1) Tboluck p, 17. Perfectio enim tunc coDspicitur, cum 
adeo absorbetar , ut sui ipsiüs eum lafeat absorptio ^ bie Jemum 
Status supremus. -^ —- Nonne animus acriter cogitando inten- 
tus tarn in inimieum tuum , quam in amasium absorbetur quasi 
et demergitur adeo, ut alloquentem non audias, praetereuntam 
non videas , licet oculi aperti sint auresque pateaut ? 



83 

itfcnbttt Qualitäten beruft er ft(^ au^, mm er bte 
Sßtrfungett be^ ©efe^e ^ gur Sefeligung t>ti SDtenfdjien ge^ 
gen bte Ungrife ber UnglduMgen red^tferttgen tt)UL 2)er 
®Iau(e an iai ©efe^ befleißt e6en tn ber äberjeugung, 
ba§ eö fo((]^e Qualitäten entpalte/ ml^c unferer SBer^^ 
nunß unbegreiflich ftnb 0» 93on biefen S3emerfungen arxi^ 
geM^/ fommt er nun )tt)ar ni(i^t baju in bem 3nflanbe 
ber ^i^txn (Srleu^tung ba 4 Semuf tfein ber begeifterten 
€eete 9erf(^n)inben }u laffen^ aiber xoai bie @eete in ber 
Sffhife f^aut/ erfd^eint i^ra bod^ a(6 et»a< bur^ feinen 
Segrif unb burd^ leine Siebe S[u^}ubrfid(enbe0« (Sr n>ärbe 
bie ®efar ber ®otte^lä{!erung färbten, totnn er bad Un^ 
au8f|)re(^tid^e fagen wollte« 93on feinen SntifidCungen er^ 
lottbt er ftd^ nur ben äluöruf: 

SB3a« war, ifl nic^t mit SQSorten andjubrädCen! 

Bpxi^z ti tarn gut, unb frag mi^ weiter ni^t^)* 
S)o(^ wie $fttte er {tc^ bei biefem SBerßummen er^al^ 
ten f^nneU; ba feine SBirffamfeit auf 8e^re ft$ grünbete. 
(St unternimmt ti bod^ einiget soon feinen ^ntjüdungen 
jtt oerrat^en. 3n iffnen unterfd^eibet er nod^ niebere unb 
|fo|fere @rabe» $Infangj werbe bie @eele nur feiten cx^ 
griffen/ nadjij^er gelange jie jur ©ewofin^eit unb fort^ 
bauernben gertigfeit in btefen Snftänbenj bann ßffne ft^ 
t^r bie wa|ire SQSeW ber -Singe, ba« Siegel ber englifd^en 



1) Scbmölders ess, p. 80. Pourquoi n^admettrais-tu pas, 
qu*il y a dans les pr^ceptes r^Iigieux quelques qualitds sp^iales 
propres a gu^ir et a purifier les coeurs» qualiles qui, incom- 
prebeosibles a notre raison, ne sont perceptibles qu*a Toeil pro- 
phdtique ? 

2) Ib. p. 61 ; 36n Jofe« ©. 27. 

6* 



84 

Statut tt)erte i^x aufgebrfitft unb iai ^etltgt^um ®ptte« 

«ufget^an» Sctm Segintt f^weben i^r bie ©über ber 

^eiligen, fro^^tttn, ©etjler unb Sngel \>or, pctttt^t/ 

gl&ngenbe ©eßalten; totnn {te abei; ju einem ^i^txn®taU 

erboten tp, tjerfd^winben bfe Silber unb bte reine SQSa^r»» 

"^tit fieW ft(|i i^r bar^)* ei^Sajali nennt biefe Slflafe 

Slnfd&auung, i^ren ]^5$pen®rab »Jffige SSerf^tutfung ber 

©eele in ®ott; bod^ foM biefer Slu^brutf eigentli^ nur 

ben ©eginn beö itittii in ber 9lnf(]^auung be^et^nen« 

Slnbete fiatten oud^ 9on einer ^mal^amatim, Sbentiftcation^ 

Slffociatiott mit ©Ott gefjjrod^en; er i^att e« aber fßr 

©finbe berglei^en ju fagen» (Sx fürd^tet aJli^^erjlänbnijfe, 

ein fold^eö unau^fpred^Iid^e^ ©efieimnip barf nid^tentn)eii^t 

tt)erben 23, 8lu6 feinen aiugerungen muß man fd^tief en^ 

bap er ba^ cbn^altenbe ©e^eimni^ befonberi barin fanb, 

baß in ber zottigen. SJerfc^Iurfung ber Seele tn ©ott bod^ 

bie ^erfon unb ber Äörper be* SWenfd^en no(^ jurü* 

bleibe* dx fud^te ji(|i biefe ©c^wierigfeit barau« ju Ufen^ 

baß biefer Äörper, biefe ^erfon bod^ nur ber ftnnlic^ett 

Sffielt, ber SÖSelt ber ©d^atten angehöre unb ba^er fein 

tt)afire6 2)afein f>abe. 2)od^ foW bie« leincöwege« Reißen, 

baß bie einjelnen S)inge in ber SBoUenbung i^xti begei^ 

flerten Sufianbeö i^x ©ein für jid^ verloren ; »ielme^r fte 

foMen biefen 3uflanb erfahren; i^r $erj foH bleiben; tß 



1) Tholuck p. 18. 

2) ^ergt ib. p.17; Schmöld. ess. p.55; 61; 68; Pococke 

spec. p. 263 sq. 3n bet angegebenen ^eife glaube x(ff ed exfiä^ 
ten gu !önucn, baß et bitjt hinter einonber üon WorpHon in 
©Ott unb betgl. fpri^t, unb barauf babon 3u f))re$en füt @finbe 
exUxU 



85 

it^M ter SQ3ett itx jDiuge an. 3a (S(^®a)alt ^ertffet^ 
ÜQt fogar bie ^(ufetfiepung beö ßorperd unb bie !<;())(¥' 
Itc^en ©trafen na^ bem Sobe gegen ungläubige $^i(o« 
foppen; aber er gefiept aui^ tin, bap {Sterin eine SRenge 
wn ©epeimniffen liege; mi^t er ni^t erffnen bfirfe 0« 
S)eött)egen erflart er ftd^ aucp gegen jene äuperungen 
eined ^^oUenbeten ^ant^^ei^mu^ , mVfyt ®ott unb SIRen« 
f($en gani in ein« {liefen (äffen, toü^t fiatt Sob bir, 
Sob mir aufrufen , unb greift bie Sepre t)on ber ))(II{gen 
Einigung ber ®ee(e mit ®ott unb wm @$atten ©otteö 
o]pne @d^(eier an% 

SBon einer fotd^en Unterf^eibung be^ 3Renf^ t)on 
®ott burfte er ^opl nidpt abgelten, mm er bie praftifdpe 
®runblage feiner Sepre bemalpren kt)i>(Ite« Unb baß er id 
tooUH, giebt er itnüi^ ju erfennem Sßenn er SSegeifte^ 
rung ]E>erIangt ^om SSenfd^en }u feiner Stettung, fo for« 
bert er au$ ^anblungen, in toel^en fte {t(b bemeifen 
muffe« X>k Segeifierungen , Übertreibungen unb Silbern^ 
Reiten ber @uft tabelt er; unfere Segierben fotten mir 
befämpfen, unfere @itten reinigen, bem (StUtt obliegen, 
mit ©Ott unb 972enf(^en und in ^rieben fe^en ; bad ifl 
ber tt>opre ©ufiömu« 5)* 3li^t weniger bringt auf biefe 



1) Tholuck p. 17 sq. Absorptlonis sive inlerilus slalum hunc 
statum nuncupant, eliamsi personae corporaque individua ma- 
neant; personae vero corporaque realilatc exislenliae non gau- 

dent. Cor eoim ad mundum rei perlinet. At 

fateor hie myslerlum lalere , immo niysleriorum amplam mid- 
titudinem , quoruni si vel infima significare aiideam , quassatur 
delirantium catena, ne de summis dicam. 

2) Pococke spec. p. 263 sq. 

3) O Äinb @. 22; 31; 38 f- 



86 

Unterf^eibung au$ Hi tviffetifd^afilic^e Stement infr 
@tre(en , tDeld^e^ er (ei feinen Sn^fidungen boc^ feineit» 
n)eged aufgeben n)ia^ (St unterf^eibet brei Stufen, butd^ 
n)e((^e man jum ^54lfien gelange; )uer|i bte S93tffenf4iafi/ 
al^bann bte (Sntifidung; jule^t ben ®(au6en an fie in 
un^ unb SInbetm S>ie niebere @tufe bleibt no(^ in ber' 
yi^txn, unb fo werben tt)tr ani^ bie Sßiffenf^aft im ®Tat^' 
Un an unfern unb $lnberer Sntjfidungen ni^lt aufgeben 
bürfen^}^ 

3la^ oüen biefen Semerfungen tDitb ed nun xct^i 
beuttid^ fein, ba^ feine Sluperungen fiber bie Srleud^tungen 
ber 6uft ni^t Ui^t }U entuoirren finb» @ie enthalten 
eilten guten Z^til ©c^warmerei in ftc^ ; aber bennod^ tpirb 
man auc^ einige n^iffenfcl^aftlid^e ®eftd^tö))unfte au^finbig 
mad^en finnen, t)on ml^m ani er ju ^uffleKung feiner 
Sorberungen an tint folt^e @r(eud^tung Um* S>ie ^^h 
lofoppie genügte i^m ni^t, mtftx in ber ©efialt, in wth 
^tt er fte t)orfanb/ noc^ überhaupt nac^ ben Seißungen^ 
mi(fyt er ipr gutraute. 3enen Se^ren ber Slrabifcfien flxiß 
fiotelifer ^m ber (Emanation ber 2)inge, wn ber (Stüi^^ 
feit ber äßaterie unb ber SQBett glaubt er nnberfpred^en 
jtt mfiffcn; er behauptet bagegen bie ©ci^öpfung fowojfl 
ber intettectuetten , aU ber jtnnKd^en SBelt^), unfhrcttig 
wert er ®otte« SOBitten bie ^erf^aft fiber am nid^t fc^mfc 
lern will, weil er nid^t bamit jufrieben ijl, baß wir mit 
bem t^attgen 93erßanbe nni einigen foQen, wert er ^ith 
mefir in ber Segeißerung feinet bergend nur auf bte in« 



1) Schmöld. ess. p. 62. 

2) Tholuck p. 17. 



87 

irfg^ unb auf dnt unmittelbare SSeriinbung tmferer @eele 
mft @ott feine Hoffnung fe^en fann. äBenn er nun in 
btefen unb anbem ^nntttn eine Serfel^rtfieit ber gegentt)ir« 
ttgen l^^ilofop^ie gefunben ju f^aben glaubte, n>enn er 
eingefef^n i^atte, baf jte mit im tca^xtn ©tauben, bem 
fie bo(^ nicl^t )u t9iberf))re$en tt>agte, nic^t in Ubereim 
ßtmmung (ie^e, fo »werben wir mi ni^t fefir barfiber 
«Dunbem fonnen, bag fein Slrgt9o|fn gegen fte v^n^^ unb 
er ipx t)crn)arf , baß fte überf^aupt nur avA ^tu^üü ben 
@efe$ett be^ ^ilam ftcb anitQiamtt ^)» hierbei ipar nun 
nn^eüig au($ feine praftifd^e Slicfitung n)fr!fanu 3ene 
Srißotetifer, benen e6 ofme 3^eifel mei^r ma SBiffcn^ 
olö um ^anbeln ju tj^un war, tonnten i^m fein ißttf 
tränen einflößen. @ie florten ben ®(auben, auf welchem 
ber Staat unb batf Seben ber Sraberberu^te^ äBenn er 
fte mit (Stfer be^itt, fo wirb man barin nur bie Sorge 
be4 SRanneö nm ben ^Üam erfennen, wd^en er für bie 
@mnb(age ber ©ittlt^ifett anftefit. @eine itpxt ge^^ort 
9on tiefer Btitt gefaßt ben ©egentoirfungen an, weld^e 
bie $|ii(ofop]^ie oon ber po{ttit)en 9teIigion aui, ber SBur^ 
gel bed Sfrabif^en SQSefen^, treffen mußtem 

%ber e^ ftnb nid^t allein biefe religijfen Sebürfhiffe, 
wel^e (SU®aialx gegen bie ^bilofopl^ie feiner 3eit gel^ 
tenb mac^t, er greift überhaupt bie $|itIofopfite an, in^ 
wiefern fte barauf ^n\pmö) matl^t bad l^f^fie ^nfe^n in 
SBeurtfieilung aQer geizigen Silbung }u be|faupten. C)ter« 
bei f onnte er mit Stecht barauf {t(|i berufen, baß bie ^pU 
lofopfiie bot^ nid^t im @tanbe fei bad (Sinjelfie, bie be^ 



1) Schmöld. ess. p. 73 sq. 



fonbern Dttalttateti ber S)mge o^tie 3uate|^unft bec (Sifiil^ 
rung }u erfennett, baß fte loon bett @t5vungen ber fäüß 
lid^en Sßettf )>on unfern Segterben unb Cetbenfd^af^ 
und ntc^t gu beftden ))e¥m5ge, baß bte ftttltd^e SBübung 
bed ©dfted, n^eb^e fte nt^t gen^a^re, auf feine SSeife 
geringer angef(^Iagen tt)erben börfe^ aU bte tt)tffenf^ft' 
lic^e Srfenntntß» SBenn berglet^^en (Sinu^enbungen au^ 
9on ben äri^oteltfern nt^t ganj t)on ber Spanb gett)tefen 
würben, fo beidd^neten fte boc^nur )n>tefpStttge (SIemente 
in t^rer 8e|^ @ie gu genugenber Stierfennung ju brtn^ 
gen, bal^itt . fhebte nun (SU (Basalt dt fonnte ft(^ t^on 
biefer @dte U)o^I rfifimen bie 9lot$n^enbigf eit mti ^i^ 
l^em Sitd^terd na^gmtefen }u ^a(en, toüi^ct Srfal^rung 
unb $|fitofop]^{e,.2:;^eorie unb ^xoxi^ ^erdnigen foSte« 
@etne ^orberung einer l^ojfern Srleu^^tung ^oertritt ^on 
tiefer @citt bad SSerlangen nat^ dner )DoQigen GEinigung 
oKer ^oernfinftigen Seftrebungen , nt^^t in ber $^i(ofop^e, 
fonbern tn ber ^fa^rung tinti ^ö^ern Seilend* 2)ie«.{fl 
ber n)if[enf^aftl{^e ©inn, tvd^er fdnen Siußerungen aber 
bte (Sfflafe )um ®runbe liegt SStr foKen in i^r bie alfß 
gemdnen ©runbf&^e ber |)^{Iofo))^te in ifirem regten unb 
i^etfedofen ii^U erMtden, ani ifinen bie pxop^tti\^t 
din^^t in bie 3ufunff getpinneu/ tt)ir foQen ba au$ bte 
befonbern Dualitäten ber S>inge in i^ren ©rfinben unb 
bie ®efe$e iti ftttli^en Sebend erlennen; genug aUti 
fön ftd^ und in biefem fio^ern Sid^te offen barlegen, in^ 
bem toit gu ber Slnft^auung gelangen, in melier bte 
SBa^rffeit und gegenwärtig i^ ^)» 



1) Ib. p. 55 ; 68. 



89 

Ullier Un Spti^tn (&U®aiaU*i ^xtU ti ani^ tintn, 
mü^tt iur ©ebulb im gorfc^en evma^nt groge mi^ 
ttt^t wx itx 3^it unb toiffe, bu wtYß fte^ bie Sßal^r^eit/ 
sid^t anberd erretten aU buT^ ben SSanbel ^}* SSatum 
^ et fd^ biefe ©ebulb m(^t beffer aneignen fonnen? 
SBarum mu^tt er annehmen ^ ba^ er jiened 9ti(^eramt 
fiBer |)f»t(ofo))$^te unb Srfa^rmtg, über X^eorte unb ^atii 
fc^on gegentt^artig errei^ien unb }u ti^m auf einem fo Un^ 
getDopnUd^en Sßege gelangen fjnne, tvie ifin ba^ Seben 
ber @ttft tt^anbett? (Sx ift in einer bo))peUen SC&ufc^ung 
befongetu 2)ie eine tft, bap er b^ne ben 6tahb))unft 
ber (Eimguttg aUer SBemunft feine ))j(Iige Öberjeugung fo 
ben t)erf($iebenen SRic^tungen unfere6 ))ernünft{gen Sebend 
für mSgtid^ ^ält S)arin ifl fein @feptici^mud gegen bie 
9Hb>fo))|fie gegrfinbet. di fliegt borau^ . ober au^ bie 
itotitt S;duf(^ung. Da er o^ne flberjeugung ni^^t leben 
fonn, fo mo^tt er ed für moglid^ palten ju jienem ©tanb^ 
puntk ber Sinigung fi(3^ ju erpeben^ SEBie »entg er nun 
au^ wiffenfc^afttit^e ffieweife bafur beibringen fann, er 
htfyau^Ut, fo »ie bie ?)ro^)peten, fo Joie bie »on ®ott 
begetßerten @up/ fo i^abe aut^ er ju i^xa ft^ eri^obem 

SSienn er e6 nun für unmogli^^ au^giebt foU^e Se^ 
toeife in äBorten gu geben, fo möd^ten mx fte bo^ in 
feinen 2:paten erbliden« 9ber ba^ ifi gekoip, baß «bie 
SSieberbelebung be^ S^iam, )u n)el(^er er )u n^irfen badete, 
oon ifym nid^t ausgegangen i% (£x mag einige« baju 
beigetragen |iaben ben SQSiberflanb ber ))ofttioen ^Religion 
gegen bie $p{Iofo))l^ie in feinem fßolU in beleben; aber 



1) O Äinb ©. 40. 



90 

bte $^iIofo))i^ie unb iit it^xt bet ÜSctaf^aKtm {uib tiai|i 
t^m t^ren SBeg fortgegangen, »ie fte wx i^m ^enfclben 
gewanbett toaxtn* 2)iefe 3ufttn^ fiaben i^n feine pxop^t^ 
tifc^en 9lnf(^auungen ni^t t)or|^erfe|ien taffen* 9tur ba4 
muffen toix ati bte Sebeutung feinet ffeptif^en itfyxt 
anerfennen, bag fte ben $unft bejei^net, tt)0 bie SrißOi^ 
telif4^e $^iicfo))|iie ber Araber im Snovgenlanbe on ft^ 
felbß irre gu »erben begann« 3Iu4^ f^ter bejeid^net bev 
@fe!pttci^mud ben SSerfad ber bi^fierigen ^^U^op^t, xomn 
an^ nur in einem 3n)eige bed $lrabtfc^en SQSefen^ ; na^ 
ben 3eiten (iU®aiam M ftd^ bie Slrabtf^e W^o^op^it 
nai^ bem Sbenbfonbe, befcnberd na$ @))anien get^enbtt 



^uttftce ^apittl 

©ie arifiotelif^e ^jiilofopl^ie ber Straier in ©panicn« 



%t^ im n^eßlid^en üfrica unb in Spanien fianb bie 
Siudbtibung ber Sirabif^en $(!Hofc))^ie mit ben Sen^egun« 
gen, mii^t SI^®a}aK erregt ^attt, in SSerbtnbung* 
3mar fd^on m'el frä^er unter ben Ommajiaben/ befonber^ 
unter {)afem IL im 10« Safirff« fi^ren toix loiel wn ber 
l^ter fferf^enben S3Ifit|ie ber Literatur reben« 9Ln^ @pa^ 
nifc^e ^t^tlofop^en feilen bamaI6 großen fRu^m ern^orben 
fiaben ; aber t)on i^ren Se^ren toiffen toix ni(fyt€ ; bie fpfi« 
tern $^Hofopfien unter ben @pantf(^en 3lrabern ern)&^nen 
fte ntc^t, fonbem gej^en in ij^rcn Ce^ren auf bie ärabi^ 
fc^cn 5)!;i(ofop{fen be^ Oriente jurüd* SQ3cnn fte bemer* 
feu; bie SBiffenfc^aft in Slnbaluften fiabe ft(t^ juerfl ber 



9t 

Staf^emoHf^ aiiiam itt Sogt! ittgetvenbet, Ui 3(n Ba^ 
tf(^$ alle fc&^ctn Borfd^er fi(ertroffen ^3 ; fo f^eitien fte 
bamif ju erfentien gu gefeit, baß hü auf bitfen f^erab 
fdn 6i>ati{er burd^ (S^nbmtg in btr $$i(ofop|i{e {!<$ au<^ 
gqeiil^net f^aie« 

3to Sabfif^e^ (Avempace^ Ayempas) aBer fcBte JU 

Snfatqje be9 12* Soi^^* unferet 3^(4nung ^ am ^ofe 
ber 9btioram{ben, att Htst «nb $$flofo)>$ ofi genannt 
jDtefer ^errd^erflamm tvirb und gef^ilbert att eifrig in 
ber Steltgion^ rau^ unb faß nnv bem Kriege ergebem 
3tt Spa^ gegen jfebe SBiffenf^aft , n>entt f!e anc^ ffir ben 
30!am fpred^en foOte^ ^atte et bie @^ri^en (Sl^®aipili'« 
}u t^emfd^ten gefugt; akr bennod^ n^ar er in feinen Ie$« 
ten 3eiten bon ber ©ewatt ber wiffenf^ftli^en Silbung, 
tpü^ unter ben @!panif(!^en Urabem l^erfd^e^ ergriffen 
worben, tpie unter anbem bie (Sunfi Ui 3to 9abf(|ie]^ 
jeigt 

dngtbifc^en gett)annen ben Hlmoratviben balb bie ^U 
mo^aben ben ©ieg af>. S)tefe neue, fcf^neQ^aufgefd^ofTene 
SRat^t war ^on einer frifd^en Sett)egung religijfer Se^ 
gdßemng auagegangen, unb i^re ^SBegeifterung ^atte ®(^ 
(Bojali entifinbet. 2)er ©tifter i^re« Sieid^e^ in Slfrica 
war ein @d^ä(er @^®a)ali^d gett^efen unb )>cn iffut gum 
ftam)>fer gegen bie 9nmoratt)iben geweif^t werben. Slud^ 
bie ^anntx, totii^t in Spanien gegen bie Sllmorawiben 
jucrji mit Srfolg bie Sffiafen ergriffen unb bie Slmol^a* 
ben riefen, maren ni^^t weniger 3(n^änger S(^®a}ali*^« 
SBir feigen, wie genau bei ben ^irakrn politif^e 9Ra^t 



1) 3^tt a:ofe« 6, 41 ff. 



i 



92 

mit bem ®lmim sufotumenffängt unb tok iei tfinett fitoott 
bte SSerkeitung be6 ©laufend , ja ber tt)tf[enf(^aftl{(i^en 
Slnft^t ))om @laviitn mit bem @^n)eirbte (etneien \»iib* 
^an foUte glauben, bie ^^tlofopfite ber @panif$eii 
Araber n^urbe nun au^ ganj tm @tnn @I^®a}aIi^d (i(^ 
entmidelt fiaben. Sl^er n)ie mi^ ba^ @(^n)erbt eine SRei^ 
nung behaupten ober aufbrängen mag, {te n>irb ftd^ im^ 
mer n>ieber umtvanbeln na^ ber ©eftnnung/ na$ bem 
S3tlbung6ßanbe ber SD^enfcf^en. ©toube unb äBtffenf^ft 
^abm einfi gef^etme, flid burc^bringenbe SD^ac^t/ u>el^ 
fetner ®wait weicht ^Die rofien Sllmoran^iben Rotten ia 
®panitn ber Wa(3^t ber SQ3ifrenf(|;aft na^geben muffen; 
na(^bem bie Sllmo^aben bie Sef^re; @^@aiali^d burcb i^re 
@iege befiätigt iu i^aben fc^ienen, brang benno^ eine 
$fii(ofo))f>ie bur^/ tt>eI4^e ft^ balb in einen entfd^iebtnen 
SQSiberfpruc^ gegen j[ene Sefire fe^te. SBie fefir bie Sllmo^ 
paben aucb in i^rer $auptjiabt STOarocco bie SBiffenfi^af^ 
ten begünjHgten, fo fe^en toix ioify, baß bie ?J$itpfoj)|iie, 
u^elc^e einen Sinßuß auf bie n)iffenf$aftli^e Silbung ber 
Sufunft ausüben fodte, in Spanien i^xm @i9 berieft, 
unb tt)ir t^erben un6 ba]^er au^ ni^t tt)unbern l^en, 
ba§ bie @inne^n)eife ber @))anif$en 3lraber boriii ^ 
gcitenb ma^te, obgleil^ bie 93e|perf(i^er @yamen4 eine 
anbere , i^r entgegengefe^te ^]^iIofo))]^ie begänfligtem 

1* 3bnS5abf$ef> (Avempace). 

SQSie fd^on eripäfint , tvirb SIbu Sefr SDiupammeb 3bn 
S5abf^cfi ober aud^ 3bn ei^©aig (So^n be« ®oIb^ 
f(3^mibtö}, au6 ©aragoffa gebürtig, au^ aU S(rit unb 
S)ic^ter berfifimt , für ben äUcflen ©))anifd^eu $^i(ofo))^en 



93 

ge^tteti/ beffen it^xttt einen (Sfnfluß auf b{e fpatemSei^ 
im Qt^ait '^aUn, 93te( ^emSgenb (ei ben iaKmoran)iben 
fcÄ er ben 5leib feiner fltUnbvXtx unter ben ärjten er«^ 
regt ^aben unb wn i^nen im 3a^re 1138 bur^i ®\ft 
ava bem S93ege gerfiumi tt>orben fein ^3. 

aSon feinen ©griffen unb wijfenf^afrticjen äu^fü^^ 
rnngen tt)irb un< gefogt, ba^ fte n^egen fetner mlttii^tn 
iSt\^&ftt nur mangelhaft unb un^oQenbet QtbiUUn n)S$ 
xtn, meiflend neine, {lä<!^tig gef^riebene SiuffäQe ^}. 2)a^ 
fte benno^ eine 3eit lang bie Slufmerffamfett auf ftd^ }0^ 
gen; läßt ^tmnt^tn, ba§ in i^nen ein felbflanbiger ©eift 
ft(!^ au^fpra^; a(er fretitdt) auf bie 2)auer l^aben fte ft^ 
nicbt eri^alten Umtn* 9Bir tt)ifPen )Don feinet Seigre je^t 
nur nöify a\xi mittelkrer Überlieferung^« 

Unter ben @fi$en/ n^el^e i^m )ugef($rie(en n>erben; 
rnirb einer befonbet^ fiäuftg n)ieber]^oItt dx lehrte nem^ 
ti(^, ti liege eine bretfad^e Sndgti^feit bed SStffend in 
ber ntenf^Ii^en @eele^ juerfl im ^inbe fei bie ^ogtic^^ 
feit t)or|!anben bie {tnnlt^en formen ber @tn(ilbung^fraft 
in ft^ aufiunei^men ; bur^ biefe formen ober gewinne 
bet ÜRenft^ alSbann bie ^^glt^feit au^ bie enormen Ui 
Serflanbe^ in ii^rer SBerbinbung mit ben formen ber 
Stttbilbung^fraft ju erfenneu; unb bted biene julegt aud^ 
}ur ©tunblage für bie (Svfenntni^ ber reinen formen unb 



1) ^ergt ^üflenfelb ®cf*- \>. ^xah Üinit @- 93 f. 

2) 3bn %om @. 41 ff. 

3) 55ei ben «rabxfc^en ^Jilofopjen unb bei ben c^rifllic^en 

2:Je0l0gcn M 13. Sa^rJ. ift fein »rief de continuatione intel- 

lectus cum faomine berühmt; mti^tt in bem Set5ei($nif feiner 
ei^ri^ bei SSüfienfelb fe^lt. 



94 

^ittaui fein S3efhre(en ffODorsttleuc^teii, bie ntebr^om 
(S^nttpuflnngett ber (Srfemttntf ui eine ßetige äkriinbttiig 
mit ben ^5ptm tu fe^en unb jiene dli bie noi^wenbigen 
@ntnb(agen f&r btefe {n betrauten, ein Sefirrikn, tod^ 
il^e^ f^on immer in ber yiataxU^tt ber 9Ira(er ftc^ gel« 
tenb gemalt fiotte, aber burc^ man^erlei @^tt>iertgfei^ 
ten gefreujt touxbt^ gfir ben 3bn ^bf4ie$ nxirett beri^ 
gleiten ni^t oorpanben. @eine ^u^erungen beuteten 
an, baß ber m^Ii^e äkrftanb ni^U toütct fei dU bte 
8(tt«b{(bung ber Sinbilbungöfra^/ mi^ bem reinen dx^ 
f ernten ^orau^^en mfiffe ^. (Stf lenktet ün, tvit toät 
bietf 9Dn jenen fibematfirlicben (Srleu^tungen (S(^®a)aK'd 
abße^t; ed t)erfunbet eine $$i(ofo))|^{e; tveld^e ftd^ ßreng 
an bie natiirlii^e (SntwicSung ber Singe ansufc^Iteßen firebt» 

2« 9))icebron« 

SBieUei^t gej^jrt biefer (fntn)i({(ung«{htfe ber Srabi^ 
f^en $^i(ofcp$ie onc^ ber rfit^fel^afte ?bictbxon an, bef^ 
fen 3eit nod^ nii^t autfgemittett i^, über beffen 9lantett 
fogar Btt^eifel fierfc^en ^^ @efoe @$rift, bie ÜueOe btf 



1) Albert. Magn. de Unit intelL c Ayerr. c. 5 Bn» Dicify 
qvod cum didtnr, quod puer in potentia est sdeiiSy ibi triplez 
est potentia. Una, qua puer est in poteotia ad formas imag]» 
nationis; secunda, qua formae imaginationis sunt in potentia 
ad lumen agentis; tertia, qua inteliectus possibiܫ est in po- 
tentia ad formas separatas a lumine agentis. 

2) Averr. de anima fol. 163 a. Avempace autem, ut ex 
ejus verborum apparentia colligi potest, videtur opinari intel- 
lectum materialem esse firtutem imaginatiyam. 

3) D^g^ando bist comp. IV p. 320 ^Htmuiiit, CT fri %ht' 



9S 

ieietii, tt)urbe wn ben ^wU^m Ui 13. ^a^x^* fldpig 
gelefen 0^ S)te 8e$re biefer @^rtft }e{gt ttnä eine Seite 
ber 9ri{ioteIif$en Sej^re, tt)eI4^e fcnfl nirgenb« fo beutlict^ 
perottf tritt; fte t)erbient ba^er tvo^t^ baf tvir einen Slu^ 
{enblicf M f^r t)emei(em 3m SUigemeinen t)erf5firt 9[)>{^ 
ciiton mit benfelien ^Begriffen, mii^t toix bei aQen 9Ira^ 
btf^en Slriftotelifent finben, bem erften !SBett>eger, ber %otm 
tmb bet SDIaterie» Sßit $aben gefitnben/ ba^ bie frfi^em 
fbA^UtiUx ben Segriff ber !Raterie nic^t offne ©(^tvan^ 
fmtgen onmanbtem S3iel entf^iebener ift üi^icebron« (£x 
ge^t t)on bem ©egenfa^e gmif^^en gorm unb 9)2aterie au^. 
2)er erften !D{ater{e fommt ju aufjnnej^men , ba« erße 
6tt(j[ect stt fein; bie Sonn gu j^atten^ an {!($ ober in 
feinem anbem gn fein; ber S^rm bagegen in einem 
ottbem }u fein, bie 9)Iaterie gu einem äBirfli^ien jn 
ma^en, baburc^ bie Sn^gli^feit ber !Raterie gu be^ 
grenzen unb tin ^til ber }ufanmiengefe$ten ©ubftan) px 
fein «)♦ & folgt l^terau« öon fettP/ bag 3Waterte nnb 
Sorm üt aOen toeUItd^en S>ingett t^erbunben fein miiffen 



ntgcon in (^reiben unb fein Wcaltt , mie bie @$oIaf}{fer anne^' 
mcn, fonbem ein 3ube gen^efen* 

1} De forma et materia sive de fönte vitae. AlberL Magn. 
de nnit intell. c. 4 p. 223 b ; de intell. et intell. I, 6 ; de caus. 

et proc. univ. III, 4 fin. f)anbf($riftli(^ ifl fte no($ in ^axi^ 
t>or(anben. 

2) Albert Magn. de unit. inL 4 p. 223; de caus. et proc. 
univ. I tract I, 5 p. 532 a. Primae materiae est recipere , sub- 
jectum primum esse^ in se formam teuere, per se existere, se- 
cundum guod per se existere est, i. e. non in alio existere; 
formae autem in alio esse , in acta facere materiam , potentiam 
materiae terminare, partem esse ejus, quod est esse^ sive sub- 
stanliae compositae. 



96 

unb baß fein toütU^ci jDtng ol^ne SDZatene fein tamu 
yint ®oü, bte erfte Utfac^e alter Dinge, ^at feine 9fa^ 
terie, tveil er fd^Ied^tl^in notj^tvenbig ifi unb ballet fein 
@ubj[ect ber 9)26gli($feit verlangt; er tfl bai^eraui]^ f^le^t>' 
^in einfa^, bie Sin^eit opne S3iel$^eit; bagegen xoai anf 
t^n folgt, gefrort f^^cn ber 3^ei^eit an unb ^ot SKaterie 
unb Sorm in ft(^ berbunben ^^ S3on ben forperlid^en 
unb ))cn ben and Roiptt unb ®eifl gufonnnengefe^tett 
jDingen seigt bieä an^ bie ^af^rung; nur bon ben fo^ 
genannten reinen dniedigenjen »irb eö bejn^eifett» Sfir 
biefe muß ti aui bem Segrife ben>iefen »erbem 2)er 
aUgemeinfle 93ett)eid berui^t barauf, baß bie inteUectueOe 
©ubßanj bie gönnen ber £)inge in fid^ palt unb @ubj[ect 
berfelben ifL Sei einem fo flaren Sen)eife ffnnen unr 
n)of!l anbere entbehren, n^elc^e j^injugefügt toerben, um 
bie !Rotptt)enbigfeit ^u bereifen , baß in aUtn t^ettlid^tn 
jDingen gorm unb SRaterie t)erbunbett fein mfiffem 9htr 
tin $aar SRomente, ml^t baju gefioren, mcgen toix no^ 
befonber^ Ua^tttu 2)ie üRaterie ifl empfänglid^ für oOetf 
unb ade^ foK aud i^r f^erbcrgefin ; fte ifi ber @ame affer 
S>inge; au^^ bie ©eele, toü^t entftept, U)irb au^ i^x 
entjiefien muffen 2)* Slber fie ijl aut^ nur em|>fättgH^^ 
leibenb; feinem Scrper fommt eine SBtrfung ober $anb^ 
lung }u; bie SQSirfungen bielmel^r, mi(fyt bon Jlor))em 
au^iugepn f (feinen, f^aben i^ren ®runb nur in ber geifK^ 
gen Ävaft, mi^t ben Äörj^er burt^bringt ^. 



1) Ib. p. 532 b; 533 a; IV, 8 p.562 b. 

2) Albert. Magn. Summa theol. II qu. 4. art. 1 pari. 2. 

3) Thom. Aqu. c. gent. 111, 69. NuUum corpus est acti- 



bi 



97 

a)>tceBvon fiotte aitt Ui ber 3>nt^f&^imi fefoev 
i^xt mit ben aSorurt^eilen ber 9Itabif4^en 9tißotelifer 
i» fampfen« 9Ran tt^ar geu^opnt bie 6u6flana^ toeld^e 
an« aSotevte unb gorm gufammengefe^t tft^ al« etwa« 
Ktpttli^a {t$ au benitn. Z)age8ett Reitet er« jDer 
Segttff U« fioTperli^en (eru^t ouf bem Segtiff ber 
DnontttSt; bte Duantität aber gefidrt nid^t tiot^n^rnbtg 
}ttr ®tt^ns; a la^t ft^aud^ e{ne@u(flan) ofineJDuattf 
titfit »IIb alfo D^ne $or))eY(td^fett beiden, toüift bennoc^ 
Oll« Slaterie unb Sonn sufammengefe^t ifl ^}. 6eine 
Seiveife bafftr ftnb am ^ävfjlen , wenn fte o^ne ade Stn^ 
nrif^ung anberer Segriffe nur auf ben ^grif ber SKa^ 
terie ft4^ p^em (£6 Hegt i^m baiei bte fe^r nötige 
Semerfuttg gum ©runbe , baß man in biefen SBegriff nur 
irrigei: ffieife ben ©ebanfen gelegt l^at, baß er iai &\xU 
ittt bti ftdrperli^en , ber Huantttfit fei; ^ielmei^r bt» 
ytU^nt er nur bad, toai bad 93ennogen fia(e su ädern 
(efUmmt ju werben» S)te 3)?aterie aBer, weld^e burd^ 
Duantitat Benimmt fei, ^ait ni^t bad Semt^gen gu aU 
tmi fte fe^e eine ©ren^e ^oraud unb ffnne ia^tx ni^t 
aded itt.fufi aufnehmen ^); fte t)erm5ge nament(td[f nicj^t 
bie ©ebanfen (intentiones) ber S){nge gu faffen; bal^er 
mfiffe eine anbere ^attxk i^x ^oxan^^t^n, welche nur 
in ber 3nteKigenj gefudS^t werben bürfe , benn bie 3ntcnt^ 

yum, sed virtus substantiae spiritualis pertransLens per corpora 
agit actiones, quae per corpora fleri videntur. 

1] Alberf. Magn. de caus. et proc. uti. 1 tract. I, 5 p.532b. 

2) L. 1. Quantitas omnis ad terminum determinata est» quaa* 
titas ergo probibet eam, quae ad omnia est communicatio ; 
prima autem materia possibilis est ad omnia , prima ergo ma- 
teria quantitate non est determinata. 

®ef*. b. 9J«. Vllf. 7 



98 

8«tj fei ffii^fg aöe gormen auftunelmtett ^y. Unter ber 
äRaterie fei ni(|t« onbeved 5tt benfen oia ba«^ tt)a« bie 
Sorm trage; ba fei e« aber glei^gültig^ cb man bie gc^ 
tragene Sonn att eine geifKge ober aU eine für^erlij^e 
^ bente, ttnb t» fei Iogif# not|in)enbtg biefetie ©attung 
be£ gcrmtvagenben für aKe geifttge, fdr))erlic|ie unb ge^ 
mifd^te ®iibßan)en an}ttnef^men ^}. Siefe ©ebanlen ge^ 
i^en barauf an* ben SBegriff ber SWaterie in feiner Steine 
i^eit o^ne. ^eimifd^ung aller SSorfteQnngen / wA^t mi 
ber Supern SSaf^ntej^ninng fiaimnen , of^ne Sinntifc^mig 
bed ©egenfa^ed gmif^en ft5r^erli(|em unb ®ei^gcm, 
tveld^e an ber SRaterie erfl aii ttxoai @)f&tttt» ^ttwx^ 
treten^)/ alfo in einer SReinf^eit gettenb )u tna^en^. in 
v^i^tx i^n feibft Slrtftotele« ni^t ^attt iewai^ren Unnttu 
Sßenn n>ir nun bte Seffrweife be* ^tioicebron in bto^ 
fem fünfte in i^rem guten Siedete ftnben , fo fömten t^ir 
bod^ ni^t fagen, baf fte anbem n)ill[furK(^en SSorcntt« 

1) L. 1. Adhuc prima materia potentia est ad omnia; nui* 
teria determinata contrarietate non est potentia ad omnia , non 
enim est possibilis ad comprefaensionem intentionum rerum; 
ergo ante materiam determinatam quantitate est alia prior, ma- 
teria, quae non nisi inlelligentia esse polest. Albert. Magn« de 
int. et int. I, 6 p. 244 a. Es natura materiae habet intelleclus 
potestatem omnia intelligendi. 

2) Albert. Magn. de caus. 1. 1. Quod autem unius generu 
Sit materia, sie probatur, quia quaecunque per divisionem ve- 
niunt ab uno primo, ejusdem generis esse videntur. Sustinens 
autem formam aliud est sustinens formam simplicem, aliud est 
sustinens formam determinatam contrarietate, sustinens autem 
formam et fiindans unius uaturae est in genere in omnibus bis ; 
in Omnibus ergo intellectualibus , corporalibus et ex contrarie- 
tate commixtis unius rationis in genere materia esse videtnr. 

3) Ib. p. 533 a. 



H' 



99 

fe^ungen ber S(ra&{f($en Slnfiotelifer eben fo glAcfti^ f{($ 
entjogen ^aU. 93e{ mannen anbem Sl6met(^ungen folgt 
cf bo($f ben ^au))t))unften ber Mi(fym dmanatimSit^u. 
Sn^gel^enb ^m bem @a^e, ba« erße ^rinci)) fönne fc& 
nem einfad^en SSefen nacf^ au(|^ nur eine einfa^^e $anb^ 
Imtg paUn^ ftnbet er l^tedn nur eine Seßättgung feiner 
Se^re, bap er bie ^attnt nid^t juerfi )u einer fcrperli^ 
^en $orm befKmmen f^nne; benn ba$ Aifrperltc^e ifl }u^ 
(ammengefe^t ; er fc^Iie^t baraui$, ba^ bie üRaterie juerfi 
int geifHgen ^ni^ani, jur dtttettigenj (eflimmt tberbe^* 
Xod^ einen anbem 9)unft ffigt er fiinju, tt>eI4^er jebod^ 
nnr in gnoeibeuHger Überlieferung auf un9 gefommen ifi« 
jDatf erße ^anbeln iß nic^t aOein einfa^, fcnbem aud^ 
unenblicf^ unb feine äBirffamfeit mug bafier au($ eine un«* 
enblt4^e fein unb tin unenbtidpe^ äBerf ]^ert)or(ringen, 
ein fold^^ed aber ifl nur im mogHd^en !Berßanbe juftnben; 
ba^er nm^ iai erfte ^rincip juerß ben leibenben fß^^ 
flanb ]^ert)orbringen ^}. d^ n)trb aber an^ angegeben, 
Xmcebron l^abe gefc|)toffen, ba6 Unenbliiffe fonne bocf^ 
fein unenbltd^eÄ Söerf ^ertoorbringen, fonbem nur eine 
Sorm , wti6)t am n)enigflen ba^ unenblic^e SermtSgen ber 
SRatene bef^rftnle, unb eben biefe fei ber SSerfianb')* 



1) Ib. p. 532 b. 

2) Ib. p. 533 a. Primum «igens constat infinilum esse , quo 
est omnia agere; susceptibile ergo actionis necesse est infinitum 
esse f quod sit fieri omnia ; omnia autem fieri non est possibile 
nisi intelligentia , quantum ad eum, qui vocatur possibib's intel- 
lectuj. 

3} L. 1. Cum prirtia materia possibilis sit ad omnia, prima 
erit forma, quae miniroe daudit possibilitatem materiae. Inter 
omnes autem minime claudit inteliectualitaj. 

7* 



.1 



100 

(Stß in t^ fctitttn Q^ieugms ber Sludjlftffe foUen ftil^ 
aiiam bie engem formen, juerf} ber ftorperli^fett ibtt^ 
^mpt, meldte ottc^ bte ßor^erli^fett Ui {>ttmiie(d ttm^ 
fd^fließt/ aMbdmt ber rnebent ßorperßt^fett bet 2>tege 
unter bem üRonbe^ mel^e entgegengefe^te Dnalitaten üt 
ft$ iulaffen unb betfmegen bem dnt^t^sn unb bem Ser^ 
gelten untemorfen ftnb, au^. ber aOgemetnen 3Ratttit tx^ 
ge^en ^}. 3n bet Segtfinbung biefer Seffte t)on ben al& 
malig abfteigenben formen betf jDafetnd, t)cn mefi^en^bie 
^Sf^ttt unmittelbar immer nur bie nac^fl niebrige l^or» 
bringt, ftii^t er jt$ auf ben ®runbfa$, baß t)on bem 
SlKgemeinen unmittel^r nur Sdgemeined ^en)orgeBra<^ 
»erben fonne* S)a nun ba^ erfle S^i^ätige au$ bad aO^ 
gemeine S^atige fei, fo fonne ti au4^ nid^t unmittel^ 
bie befonbem 2)inge ber Sßelt, am xom^^ta ber 9Sctt 
unter bem 9)2onbe^ert)orbringen ^3* 2)abur(^ foQ feine 
unmittelbare SBirffamfeit auf bie ft(^r)>ern>elt au^ef^Iof^ 
fen n)erben, tveil in ber ^prpern)ett aUed bemSefonbem 
angef^ört* S3ir bemerfen fiieran, baß n)ir eö mit einem 
firengen 9teatidmu^ )u t$»un ^a(em 

S>iefe Äußerungen f^einen nun an^ baS SSerßanbniß 
Üener @telle über bie Unenblid^feit be« moglid^en iBerftan^ 
be9 iu erifffnen unb einen Sudn)eg ju geigen, mie fte mit 
ber (Smanationdlei^re ju t^ereinigen fein bitrfte« S3on bem 

1) Ib. tracU IV, 8 p. 562 b ; de int et int. I tract I, 6 
p. 244 a. 

2) Albert. M. de caus. et pr. un* I tr. 5 p. 533 a. Agens 
universale nibil immediate agit in patiens particulare; patiens 
autem particulare vel particulariter est materia sustinens quan- 
titatem vel contrarietatem , materia ergo talis non immediate 
subjicitur primo agenti. 



kft. 



101 

!%fmeinßen , tDd^e« unenbli^ i^, $era(fletgenb tu 
fc^eittt bem 9)){ce(ron J[ebe su i^m ]^ttt)utretenbe Sonn oM 
tute Sefd^irfinf ung , tvie bte Q^&ttxn )tt fagen )»{Iegteti^ 
oI« etne SontracHon betf SlQgemeiticm Dem ongemetnm 
^&tiQtn aUi ff^t tt baS atigemeine unb mtenbKil^e ^tU 
benbe entgegen; mel^e« ber letbenbe ober mügH^e SSer^ 
^onb jfi / meü er aUt formen ol^ne HuMci^me in fu^ auf« 
nehmen fann ; mit biefem unf drperlic^en SSefen allein fte^t 
tai erfie 2:^5ttge in nnmitteKarer Serbinbung; inbem ed 
okt bm tovdttii^m SSerjlanb aai i^xa bilbet, ifl e<f($on 
jit einem Sef^^rfintten gefommen; benn bie SerßSnbfg^ 
feit ift eine befonbere Sorm, meli^e i^t (Segenti^etl wn 
ftc^ aui^^lit^U S)er xolxtli^t 93erflanb bringt attbonn 
bie Sonn iti {)immetö ^erbor, in ml^tt bie üRoterie 
{i(^ fc^on jur Jtarperli^feit jufammengqogen l^ot, nnb 
biefer 9)roce§ ber 3ttf<mtmeniie|^ung aM bem SUIgemeinen 
sum Sefonbem ge^t atöbann totittt fort anf bie @p^s 
vtn ber Elemente unb )ute$t auf bie &p^xm ber (Srbe 
uber^)^ (Sd iß bied ein fei^r einfach $rtncit); nad^ 



1} Albert. Magn. de int. et int. I tr. I, 6. Materia prima 
est, quae potentia est omnia, et quo plus, determinatur formis, 
eo plus clauditur et determinatur potentia ejus; quoDiam, si 
addatur primae materiae baec forma, quae est intellectualitas, 
tunc non est amplius in potentia ^ad intellectualitatem , sed ad 
omnia alia , et si addatnr ei forma sequens, 'quae est corporei- 
tasy tunc iterum determinatioris potentiae et ideo tunc non erit 
in potentia ad intellectualia. Si autem corporeitati additur con- 
trarietas, non erit in potentia tunc, nisi ad ea, quae in potestale 
sunt contrariorum et baec sunt formae generabilium et cor* 
ruptibilium. De causis et pr. tin. 1. h Prima ergo forma in- 
tellectualitas est et ante formam coeli et elementi in ordine 
univerätatb formarura. Et id, quod ante est in ordine , Tere 






102 

toü^txa bie 9Bttt ati eint ^ttwixUi^mi btf , im M^c^ 
meinen üR^glid^en in immer engern Greifen ber ®efon^ 
\>txfytit jtd^ batfteOte» 2)ie !Rad^fIänge biefer Se^re ^aben 
fi^m fiber bie Seiten* be« aStttelalterd ermatten. 

SBemt 8b>tcebron burc!^ feine Sef^re wn ber SKaterie 
ber sen»4$^n(i$en JHngdft ber Strabifd^en Slriflotelifer ft(!^ 
ent}pg; foc nii||t iveniger bur^ bie Slnft^t/ tt)el($e er t)on 
©Ott a{d bem erfien tf^atigen f^riiici)) faßte« <Sr bel^au))/ 
tete nemlid^^ ®ott tt)erbe nic^t burd^ feinen Serfianb^ 
fonbem burd^ feinen 9Q3i(Ien gut ^riODrbringung in btt 
SRaterie beflimmt;; 3)enn er betrachtete ben SStOen äber^ 
^att))t a{« bo^v mctö bie iRetgung jur 3:fi&tigfeit ^tx^ixf 
Udt imb baper |tt j[eber Slrt ber ^erttunfdgen ^anblung 
benoegt^)/ ftit^teftd^ aber aud^ barauf,: tap ber unenb^ 
U^t SBertianb ®otted au^^ nur .Unenbli4)ed n)ilrbe ^er^ 
vorbringen Iännen> baß baffer feitr Stde eintreten mOfe 
um bie enbli^e ^SSSelt an bi(bem: ' 3btö ben unenblic^en 
SR^gtid^etteit; t^d^e fein unenblicf^er SSerflanb ibm wxf 
ftiüt, toaste fein äBiffe eine befonbere gorm aui unb 
bringe fte jur SBirffic^f eit ^D« 



priocipiuin est ad sequentia ; ei intelligentia ergo sicut ez prima 
forma, principiatur quicquid est in coelis^ et elemeiiüs. 

t) L. L Voluntas autem inclinativai est ad Tolitum. Ib. 
tract« ni, 4 p. S5(Fa. Facit enim, ai vult, et intelligiti si vult. 

2) Ib. p. 549 b aq, Voluntatem autem adbibuit tanquam ex 
electione determioantem , quod . boc "vei illud operandum sit. 

®ott aU unenbli($ !ann mir Don innen ^um ^anbeln bcflünnit 

n^erben* Intrinsecum autem determinans boc ye\ illud intellectus 
erit vel voluntas. Cum autem intellectus non determinetur nisi 
per rectam formam operis et intelligere primi principii nibil 
recipiat, videtur quod intdligere prirai principii indeterminatom 



yr 



105 

Dtefec 8e$¥))unft erinnert an bie Se^ren ber WlotaU 
j^Oim unb (BUiSaiali'i unb fc^eint ber sanjen ünftc^t 
eine et^if^e 9l{<l^ng )u geien; e< iß nii^ unUHi^r^ 
f((einlt(^, baf[ er anc^ anf bie et^ifii^ Sftffnng ft^iterer 
c^Iiii^er S^eolpgie einen Sinflnß otrtgeftM ^at 0* SKer 
toenn bie« nun bie ISermutirnng ieijAn^igt, baß biefe 
$|»Uof0)>(ie nnter bem (i^fbiffi ber ipofiHl^en Keligion^ 
le^re {td^ ge^ilbet ^aU, fo iß berfeüe (ei ifnr boi^i un^ 
ßreitig im SBne^men, mit naäf i^x ber SSiUe nur eine 
mdtrgeorbnete 93ebentung Infien fo8, jnbent er nid^t yint 
Sottfonunenen; fonbem «tr ytr Sefc^anfuag bient mb 
audbrädiic^ ßx ba< SKittel bed gottti^fen Serftanbe« {ur 
Sßeltf(^9)>fttng, ald 3n)etf oier nnr ffir bie ))raSif$e 
X^&tigfeit odEtört t^irb ^ 2>agegen bie ))^9fif^e Sor» 
fteOungdtveife ^ot o^he 3tbeifel in ber dofammenfeftttttg 
feiner Cei^re iai Ü^ergetvid^t; bat)oit gengt feine 9ta^t 
wn ber Emanation ber formen caa ®oit nnb ibefonbert 
bie ßrenge Surcf^fü^rung ber Se^re, baf oUe »ettlid^e 
S>inge, feKfl berSSerßanb materielC ftnb, bad eigentfium^ 
li^fle (Srgeiniß feinet 3ta^i^nUni^ dbm iiti ifl a, 
t»a^ ed n)a|irf(^einlid^ ma^t, bap er ben ü^erg&ngen. can^ 
gei^ort/ n)el(^e wn ber reltgiöfen ©egentDirfung eined <S(^ 
©ogali )tt ber n^eitern unb fhengem Sluöfufimng ber ^ttU 
ßoteIif(|ien ^^i^ftf unb 372eta))(!9ft{ jurädfu^rten. 



remaneat et inflnitum. Si ergo per aliud delerminalur ad opus, 
videtur, quod ex electione voluatatls deterniinatur. 

1) !Die Se^re be^ ^und ecotud benfi ba^ Ser(ä(tiit9 M 
Setßanbed unb be^ aBiUcnd in äftnlt^ev Seife. 

2) L. I. 



104 

3. 36n XofetU 

fau jDff^fcr ober SI6u Stfr 3to Xofttf gebort nii^ 
tiitttber biefcit Ötargäagcit am äBir unffen tvmtg Aber 
fein Sebeiu. Cr f dl cutf CorbiN)a gebürtig imb mtt bem 
3bit 9tof^ (IbxxfMf) iefreimbet getoefes feiiu (Siod 
fetner aSerfe f^^rieb er im 3. 570 ber {)ebf(^ 9ßtr 
bfp^en Don i^ etneit ^»^tlofop^ifc^en ätomait, bk ®c< 
fd^t^tc bed ^3bii jDfc^D&ait, tvel^ er tta^ etttem iU 
Um 9KaPer »erfaf tt ; boj^ beioeifi nti^t oOeiii feine Sor< 
r^, fonbent onc^ btc gan}e Z)nn^fft^rung fetner ®e^ 
baaföt, bop er babef bt^ onf ben 9tamen, w€U^ er 
feiner (Erjo^Inng gab, felbfianbtg t^erfin^ ^3» 

jDer ©ebonte, baß ein iDtenfc^, anfgewa^fen o$ne 
oSe ®emetnf(^ mit anbem SRenfc^, alfo anj^ o^ne 
Untmi^ bnrc^ eine poftti^e äteligiim, jnr »oOfontmetcB 
^Srfenntniß ber Statur nnb ®9tM gelangen Unne, HU 
bet ben a)titte^idt ber gonjen Unterfu^nng« S)ie S^. 
rea ber p^fHi»ta Steligion loerben bagegen nur aU ftoß 
beqfttemungen an bie Sor^eOungen berSRenge angefe^n^ 
JDte Se^ren bti ©efe^ed {tnb nic^t t)on ber SBafir^eit Mc» 
fcffteben, füllen fte aber boc^ nur in ftnnli^e Silber» 3tt# 
bem fte an fingere ® ebrau^ nnb ^anblnngen binben, 
^vx^ ©trafen f^re&n nnb Selo^nnngen 9ern>re<|en, 



1) übet fein Ceben nnb feine Si^riften f. bte Sotr^ben (Si^ 
icnCi nnb ^occcfc*^ gu iixtn Überfettungen bed9{oman6; Sfiflen« 
fetb ®ef(^. b. 9rab. äqte e. 108. (U giebt ein fkrfifc^ Serf, 
onib eine @4rift brd 3bn 6tna unter bemfetbcn XiteL Jta^ 
einer genauem Prüfung fann icb bte Qö^xiH nidft für eine btofe 
Überfe^g and bem ^erftfc^en (alten, n?cf&r ^mölberd (esu 
p. 101) nacb bem ^abf^t Jt^lfa fte ^n (alten f^eint 

2} t>tt 9{atumtenff( nac( berüberfr^nng t>. (St(((onu 6« 214 



tos 

mdc^e ft$ auf ftnottd^e unb toerfic^tttd^ ®jUet (e^te^ti, 
^m ftf imr bie f^It^toi SD^etifc^en wx SCnge» , tDdc^e 
aitf anbete SBetfe ntd^t geMnbigt «Derben Utraen, tbeif 
fte )>on bee nodten SBa^f^eit ft^ nfd^t betd^ren laffen« 
3)er Stufen bed ©efe^e^ urirb tii^ beßrttten; e< tt>{rb 
fofior ingegeben, baf er (ut(^ onf bat filnftige Seben {t^ 
erftredtn Unne; aber bie $d(^fle@tttfe ber »a^r^ftStm» 
^ttgen farni et un0 nid^t t^erfd^affem jDabei eifert ber 
Serfaffer gegen SRenemngen in ber Steltgion unb erflfirt 
ei an«bräd!(t(^ für feinen S^td bie ^i^tn SBaprfiett )n 
enfl^fltten, fo totit ße en^üllt »erben finne, nm babur4^ 
ben ))erberUid^en Cd^ren^ ber ^pilofoppen f{(^ entgegenjn^ 
fc^ , loe^e gegenwärtig bie Steligion in SSerac^tnng ge^ 
fea^t ^en 0« €eine $$Uofo)»^ie fe^ er nun in einem 
f<^ett 3:bbel ber frühem ^^ilofop^ie ber Araber ent» 
gegen, t^tiU »eU fte nur ber $(9{lf gefolgt tvore, t^etU 
weil fle burd^ iptt ^tUcp^^^xt bod^ ni^t ben i^f #en 
^anbpunft Ui SBtffent mtt errei^en Idnnen« @oSten 
ottd^ t>on ben e^rfif^ern einige biefen ®tanbpun!t gen^on^ 
nm fKiben, fo pätten {te bod^ ftc^ gefreut fo offen, ali 
ti erlaubt fei / bie SSaf^rfieit su ^erf unben 2}. 

2>ennod^ tt^id 3bn Zofeil ^on feinen Sorgangem ben 
ri^tigen ißeg angebeutet gefunben ^aitn, unb bie 9Seife, 
in noel^er er ben jRaturmenfd^en unter 93egün{Hgung ber 
iuf em Umflanbe unb burd^ fein 9{ad^benfen geleitet jur 
(grfenntttiß ber SDSaf^rfieit getangcn Wßt, fd^Ueft ft(^ in 
aUtn $)auj)tj)Uttften an bie ärabifc^en Jlrijiotelifer an. 



1) @6enb. e. 228 ff. 

2) (Sbenb* @. 40; 52 ff. 



106 

"Sflaify ben »erf^iebmen stufen ber ^ümicÜttK fd^rdtet 
tt aUmaiiQ wn ben mebent @tatib))ttiift€n btx 9ttmaiif 

uoiir^er bot 3(it Sdabf^l^ fehte Se:^re enttrideüt. : . . 

j£)ie Sntpe^mift bed IDtotfdSiett tt^frb t)oit einem 9bi< 
tar))TOceg al^elettet ^> 9ln bte ®tnne fc^Iiepen ft^ feine 
eckten Srfenntncffe am ;Dte f^^ipftf iji bte erfle saStffeii^ 
fd^aft^ toel^e m in ipm enttt)i(fett^> 2)ie gewofinlt^ett 
Seilten ber 9lra(if^en abrate tDerben üitt fte nur in fefir 
attgemeinen Umriffen )i)orgetragen« 93on ber 93eo6a^tung 
tti S3efonbem metibct ft^- bie Setra^tnng ^b, gum M^ 
gemeinen« 93ei ber IBerf^ieben^ett ber ®egen#änbe fuu 
ben nüir. bod^ üUxoH ^nü^Uittn. 3n ber ßirpemett 
beru^ odetf auf einer nnb. berfelben Sigenfd^afi; atif :bjer 
Stu^bef^ttttng im äiaum; bie aSern^anblung ber &ixptt, 
fDgar ber Siemente in einanber ben^eifi; bag attemt.^dr^ 
perlidpen eine unb biefdbe SRaterie gum @runbe Üegt^^ 
93ott t^r aber muffen xoix bie $orm ober/ tt)ad bie f)^ 
lofo^pf^en bie 9latur nennen ^ unterfci^eiben / mit. aud^ bie 
Serfd^eben^^eit ber Dinge i^ren ®runb I^a6en mn^*, (H 
xoixi au^brüdlic^ bemerft; bieis fei . bad Srfle gen^efen, 
M^ca ber 9laturmenfd^ ^on ber ®eif}ern)ett fennen gelernt 
Ipöbe; benn bie formen ber2)inge f[nb bie^äße^ ml^t 
im Innern ber 2)inge n)o^nen/ i^re 2)i^o{ttionen gn ge^ 
n^iffen toerf^^iebenen älrten ber 9Q3irf famf eit ; bergleid^en iß 



1) (Sbenb. @* 64 ff. ^Wi^^en bet generatio acquivoca ntlb 

bet natürtic^en ^t^eugung trirb bie fQa^t selaffen, 

2) (Jbenb, @. 99. 

3) (gbcnb. ©.lOö; 112 ff.; 125. 



hik. 



107 

ni^t tvaj^vne^m&ar, nt^t tixptKÜtfy ^}. jDet ftd^ felbfi 
iele^rettbe §I^{(ofo)^p tt^irft ftcf^ {iterauf gan) in ben ®e« 
bonfett/ ba$ aUt ^oblung von bet S^vm au^ge^e, bte 
SRoterie ifi nut letbenb/ unb er ibebenft ftd^ ^ucf» nU^t 
lange ade SBerfti^iebest^eit ber Sonnen auf einen Ut^e^er 
}irrü(fittfu^ren; ml^vc in aUm 2)tngen toittt. ^ttjtUn^ 
tu tpm bte fBa^v^tit tin, ml^t tn ben ©prO^en betf 
Coran au^brficft tft; 3(( (in fein ®t^5x, but$ ii^eld^e« 
er ^ixt, unb fein ®eft(^t, burid^ v^ü^ti er fie^t; t^r |faU 
{le ntc^t getöbtet; fonbern ©Ott; bu tvarffl fte nid^t )tt 
»oben^ fonbern Oott^), 

f>ierm{t $(it eine neue ©tufe feiner Unierfud^itng f>^ 
gönnen^ Z>0(^ t^ er . noc^ abjiangig ^on finnlii^ett SäiU 
htm ber ^inbilbungafraft unb ^at ba^er noij^ ni^t oKe 
ämeif el fi^etkvunben. QEr sn^eifett t^^ , oh ti ni^t mej^^ 
rere Ur^e^er ber ^orm ge^en fonnte; b(t6ei benft er. m 
bte ®efKrne unb tvttb auf bte Setrad^tuitg beö SOSettaKd 
geleitet. @« i{l i^m gewi^, baß biefe ftnnlic^e SBelt U^ 
grenjt fein tnuffe/ met( fein^^r^r un(egren)<; fein fann» 
Sr ilf»erlegt i^re ©efiaU unb ftnbet fte fpl^firifc^; erfiber^ 
legt tfiren 3ufammen$ang unb fi^erjeugt ft(j^ , baß in i^r 
atted gufammen^ange« 2)a er ben ^imtttet ftd^ (en)egen 
fte^t/ gtveifelt er nic^t borau/ baß bie SSßett einem X^iere 
gleid(»e« @rf ßere ®$U)ier{gfeiten ma^t i^m bte grage, 
ob bie SQSelt ett){g fei ober in ber 3e{t angefangen ^abe. 
2>iefer $unft n>irb ni^t entf^ieben; soteKei^t ge^^rt bied 
jtt bem bannen Bi^ltitt, t)on koeI(|iem ber SSerfaffer fagt, 



1) ebenb. ©.118; 128 ff. 
2} ebenb. @. 129 ff. 



108 

ba§ er unter i^m bte S93afir|^e{t ))ortragett infiffe ^3. Sl^er 
bte SBerf^ieben^ett ber Sneinungen fi^er b{efett$imfttt>{rb 
aud^ fßr unbebeutenb tttlM* Denn mf(^ten tt){r bie (or^ 
perlt^e SQBett ffir en>ig fiaften ober {{ir einen Anfang to 
ber 3ett )uf$re{6en, fo muß bo^ attti Mxptvtii)t ^er^ 
90rgebra^t fein wn einem SInbem, )>on einem unftnnlt^ 
d^en aSefen, wü^ti burc| (eine (Sin(tlbung^(raft gefaßt 
tDerben fann, totl^t^ aUt^ in feiner ©en^att ^at unb 
erfennt S)enn foUte ber bie SOBett nid^t fenneu/ weld^er 
{{e gemad^t |^at? @r ifl ber SWburd^bringenbe, ber 910^ 
wijfenbe^}» Snv (grWärung ber einen, in Wrpertidjfer 
9örm befiei^enben SBelt mftffen n^ir einen Urffe^er fe^en, 
n^etd^er Weber mit einem Ajtper ))er(unben, no^wn i^m 
a^efonbert/ tveber in, nod^ auper ber SBelt i% &ttß 
fad^ , not^wenbig , wn aller ttni^otlfommen^eit frei Heilt 
er befiänbig berfefte'}» 

|)iermtt ifl tin neuer 3I6fd^n{tt be< $((ter< unb M 
yta^btnUni tttti^t . S)er 35gting ber 9latur fte^t nun 
in ber 3n)ed(mAßigfeit ber SQSett äieraH bie ©puren be9 
g9ttltd^en ©eifle«; fein ^}, ^oit ber untern, ftnnlid^ 
SSSett a(ge}ogen, tvenbet fid^ gan) ber obem tnteQectueUen 
Seit ju. Sr f&ngt bamit an na^jubenfen fi(er fein ei^ 
gened S)enf en« (Sr fte^t ein , baß feine @inne ni^t im 
tStanbe tvaren bte fiberftnnlic^e äSai^r^eit ju entteden; 
benn ^tperlic^ed fann nur &itiptt\i^ti faffem Slud^ bte 
(Sinbttbung^fraft, nur ba^u gefd^idEt {tnnlid^e Silber vmi 
9or}ufit^ren , toermag nid^t bad Unförperltd^e ju erfennen^ 



13 Sbcnb. e. 243 f. 

2) (gbenb* @. 133 ff. ; 139 ff. 

3).(gbenb- @. 146 f.; 151 f. 




109 

(Si bkiit nii^U ftirig, aU baf roix o^nt pfiffe tmfmr 
^mli^m SSSerl^ettge butc^ iai SQBefen unfere« benfenben 
Qetßed in bie fij^ere; unforperltd^e SßeU einbringen^ unb 
ti iß ^ierau« ju f^Iie^en, ba^ biefed SSefen fel^ß un^ 
KrperKd^ nnb , n>a« toix 9on fiorperlt^em an un« wa^x^ 
nehmen/ nid^t unfet toa^xt» SSefen iß ^). 2)et IRatui:^ 
menff^ fängt nun el^en be^megen an ben Sixptx ju 
Hca(fyHn unb nur na^ ber Srfenntnt^ ju fire(en, tt)eld^e 
)^on feinem Sefeo ober Serfianbe au4ge^t @o erMtden 
mir t^n auf bem SSege ber $((firactiom Sr tt)enbet ftil^ 
®ott 3tt, fiier^eugt, baß feine unjIerMi^e @eele in Ux 
erfenntnig ®otte« aOer SBoOfommenffeit tf^eilfiaftig fein 
merbe« jDie SDtaterie iß nur Dergangli^ unb ni^tig ; 
Wü tf^ren Störungen un« )u befreien / n^ie bie @eßirne 
baoon befreit ßnb, ba^ iß ifim bad ffo^ße, mj tt)ir er^ 
reiben f ^nnen. 3l\xx ber Körper iß ®runb ber • SBerf^iei^ 
ben^ unb ber 9I(fonberung ; in unferer einfad^en, un^^ 
titptAitIfytn Srfenntnißfraft a(er ftnb (SxUmtn, iSxUmU 
nißfraft unb Srfannted ein^; in i^x ßnb toir jienen fe(i^ 
gen ® eßirnen fipnltd^ ^3. S)er 9latumtenf^ (efd^Iteßt nun . 
biefem SBefen allein; fo mit e^ m^glid^, feine ©ebanfen 
jujnwenben« äSeil j[ebo(| ber Soxpcx i^m not^tvenbig 
unb nid^t offne @runb i^tn angefd^Ioffen fein fonne, ßefft 
er . ß(^ genot^igt an^ i^m feine $ßege ni^t ganj }u 
entjie^en« 

jDa^ 8e(en; n)eld^ed nun ber 92atumtenfd^ beginnt, iß 
gang nad^ bem SRußer ber @uß jugefc^nttten, nur baß 



1) (»eiib» e.l42f.; 153 ff. 

2) (»e«b. e. 155f.; 172*{ 



110 

bie xüiiii\tn Übungen iawn entfernt Heiden* jDer Ux^ 
pfxU^tn 9lotf>t)utft toivi nur iai Sinfa^fle unb Unent^ 
l^effrlid^fle na^gegeBen , aud^ nur tai , v^ai am n^enigflen 
iai allgemeine Se(en ber 9latur ^txU^t SDen ©eßirnen 
a^mt er na^ au^ in i^nx SßopU^Sttgfett^ fu(i^t fiirfgeni^ 
burd^ bte ftnnltc^fien WlitM @tnnli(^fett unb @inbt(bung«^ 
fraft 2U unterbrucfem 3nn5d^{l firebt er jur Slnfcfiauung 
feinet innem SBefend }u gelangen unb baö SBen)u^tfetn 
j[ebe0 Supern p entfernen ; al^bann aBer toiU er aud^ fc^ 
fetbft t)erf(^n)inben/ bamit ber (Bebanfe an ba6 SSoUfcm^ 
menfle ntd^t gefiort n)erbe> £)a ^oernünnit er nur nod^ bie 
Sorte in jid^t Jfflem gefrört nun bfe ^erfd^aft? — bem 
einigen , aümät^tigen ®ott* 5tt biefen Sujianb toerfenft 
fte^t er, ma6 fein 3luge gefe^n unb fein£)|r gebort itnb 
wai in Uinti SWenfc^en |)^rj gef ommen tfi *)♦ (Sx wagt 
ntd^t biefe >Dtnge ju kf^rei&en ; bad mtn^^li^t ^ers 
faf t pe ni($t 9lur ©leicjiniffc weiß er bafur beijutrin^ 
gen , bereu Srflarung gefä^rlid^ fein würbe« @r glaubte 
ba fein toom l^od^flen SQSefen ^erfc^iebened SSSefen }u fein; 
aUt^ fd^ien i^m in ®ott {t(^ aufjulofen. 2)a^ $t(^t ®ot^ 
tej ergießt ftd^ überall, toon SBerfd^iebenen wirb e6 ))er^ 
f Rieben aufgefaßt na^ i^rer (Sm!|)fdngti(|feit/ wn bem 
Steinen am reinßen; aber immer ift e^ ba^felbe iii^t; an 
einem Unbem l^aftet e^ nur fd^einbar« 9Iuf feine SBeife 
»erj)ielfaltigt ftc^ ®ott; bie Äenntniß feine« Sffiefen« ifl 
fein SDSefen fetbfl* ©oßten auf biefe SEßeife ni(|t aCe im* 
materielle SDSefen, bie »on biefem wafir^aften Sefen eine 
Äenntniß |>aben , nur tin 2Befen fein ? Slber aud^ biefe 



1) (gbenb. @. 192 f. 



111 

®ibanttn evkDeifett ftd^ nur ati ^auf^uttgen itx &niiU 
itmßittaft, ml^t «>on einet no^ ntc^t ^iUii geretefgten 
6eele Beugnt^ ablegen« gut bie @tnne, für bad Stix^ 
pttli^t gelten 93tel^ett unb Qin^tit; met «)on ber SRo^ 
tede ft(|f befreit ^ot/ ber läpt biefe ©egenfä^e nt^t mef^r 
gelten« ©er äBerpanb mnß |iier f^^roelgen ^)* ©o ge? 
Uavi^t 3bn Sofeil feinen mi^fltfc^en ©treit gegen @inn 
unb äSerflanb au$ gegen bie ©ebanfen, ml^t t^n jum 
$ant^eidmu^ rufen« 

hiermit fltmmt ed benn überein, bag er feinen 3ta^ 
turmenfi^en aui^ auf ber f^oci^fien ©tufe ber ^Infcf^auung 
tti^t baö äBefen @otte« felbfl fc^auen lapt , fonbern nur 
feinen Sibglan} in ber äBett unb bie ganje 3ufannnen^ 
fe^ung ber SBeU t)on bem oberften ^immel^fretfe lii auf 
bie (Srbe f^erab« (Sr ^erfc^meigt ^ux ^iiflti^t bie (Sr^ 
tenntnig ®oite^, toeid^e er fonfl ber reinßen Slnf^auung 
i>or^Sft^, aber unßrettig fpK biefe ni^t ®ott ädern, 
fonbern aud^ feine SQSerfe erbtiefen« ©o «werben bie Sln^ 
{ulkten gef(^i(bert/ tt)eld^e ber ^Zaturmenfd^ auf ber ^i(fy^ 
^en ©tufe feiner (£ntit)i(IIung em))fängt« 3nna(^fi er«" 
bli& er ein93i(b ^on ©otteö Sefen, x^m @ott ntc^t 
9erf(|)ieben unb nid^t mit i^m m^, ml(!fyti ber ®eifl: ber 
oberjien «^immet^fp^&re i^, an SRetj unb ©^^nf^ett i^m 
gleii^ ^3 ; at^bann fte^t er mittx j^erab bur^ ade $tnu 

1) Sbenb. ©. 70 ; 196 ff. 

2) @benb. 6. 195* 

3} 9{a(^ ^OCOtfe p. 164. Vidit esse sphaerae supremae, ul- 
tra quam nullum est corpus, essentiam a materia immanem, 
quae non erat essenüa uoius veri illius, nequc ipsa illa sphaera, 
Deque tarnen quid ab iis diversum, sed erat tanquam solis ef- 
figies, quae in speculo aliquo polito apparct. 



112 

müiftüit ]^tnbuv$ eine S3en)telf&lttgung btefe« 99Ube ^ tn 
reiitbi ®ti^mi, an Stetj unb @^(nfieU ®ott glei^, c|»ne 
SSertoietf&Ittguttg, unb ftKfl in bem Jhreife unter bem 
smonbe; tn ben Seelen ber 9){enf^en fmbet |t^ no^ bie^ 
fe((e Srf^etnung ®ottti in reinen unb unfierMid^en ®tu 
fierm 3lud^ fej^U ffierbei ber ©egenfa^ ni^t 2)en rei« 
nen werben bie unreinen; gur ttoiitn Oual ^erbammten 
©eifier entgegengefe^t unb noify anbere «)on if^nen untere 
((Rieben / n)el(^e entfielen unb ^ergef^en^ in einem gwie« 
f))aUigen Seben, in beßonbiger Unruj^e^ <^ier iß nun 
an^ fein 3n)eife( me^r aber bie Sn^igleit ber äSett, )){e& 
mef^r n>irb ni^t aMn bie äber|tnnlid^e, fonbem aud^ bie 
ftnnli(|e SBeft aU etn^ad betrachtet; toai ^on ®ott gwar 
abf^angig iß, aber oud^ notl^n^enbiged SSeßel^en o^ne Shi^ 
fang unb @nbe }uglei(^ mit feinen endigen @rfinben fiat^ 
iDie ßnnlid^e SSett folgt ber gdttticben tpie il^r B^atttn ^^ 
jDaraud muß ti an^ abgeleitet »werben, baß bie menfd^ 
lid^e !Ratur in ben Sntgficfungen ber 3Inf4iauung nicfit 
immer iUibm fann; fte muß ^on ber (eiblicffen 9lot^^ 
burft getrieben ber ftnnli^en SBelt ß^ »ieber juwenbesi/ 
fo lange fte mit biefem ^ür))er ^erbunben iß, unb tomn 
ße berfelben ß($ }umenbet; bann iDirb ße ber g^ttlicfien 
SQSelt entrfiA» S)enn biefe Untermelt unb j[ene anbere 
ßnb mie itoti eiferfflcbtige SSeiber; lebß bu ber einen jit 
©efatKeU; mirß bu bie anbere jum 3orn reiben« !Rur 
bal^in fann ti ber372enf$ in biefem feinem Sor))er'bur(lb 
Übung bringen, baß er bie SntjuAtngen ber $(nf(^auung 



1) ®. Qi^iotn 0.202 ff.; 211. 




113 

Oper unb Wnger geniest; fa j!cj fti WefeÄen i^erfeCen 
tann, fobalb et tt)tai)* 

S)eut(td^ genug ^tvtoa^xm ^^ nun biefe Seiten gegen 
ben ^anl^tiitmi, mt\^tibtn jt^ aber gugletd^ fSr ben 
jDuali^muö, tvelc^em bie $(rabir(^en Sfriftotelifer ft^ et^ 
geben paben , (nbem bad geifltge Seben aM eine Slbfptege^ 
Iimg bev ©ott^ett gebadet tt>trb« Senn eine fol^e fe^t 
eben bte ÜJtatetie ))oratt§, on weld^er {t$ bet Stral M 
göttlichen Si^ted bre^en foO« hierbei finbet nun 3bn 
£ofeiI in affnlid^er SBetfe loie Sltoicebton Sorm unb SRot^ 
terie ttt not|!tt)enb{ger IBerbinbung mit einonbet unb ftc^f 
Me !Raterie nur alö ein Setbenbed an ; fte tt)firbe o^ne 
3omt itid^t beffer aU nid^ld fein ^ ; nur baburd^ untere 
f(^eibet er ftcb t>on j[enem ^pi(ofo))$en; baf er in ber 
übfpiegelung ©otted in ben ©eiflem ipr t^a^xti aSefen 
finbet unb ballet au^ t)on reinen ©eifiem fpred^en fann^ 
eine Sef^re, ml^t bei i^m in ber JC^t beffer begrfinbet 
ijl; aii bei ben frühem Slrabifiä^ett tlrijlotelif ern , tt^enn 
au$ nur in btlblid^er Sßeife* 

©aß bie ?e^re be« 3bn 5;ofeiI in t^ren Wefentttd^pen 
fünften ^>on ber ^^^Iofo^)ple SI*^®ajali'« ausgegangen 
ijl, lagt it(i^ tti^l ^erfennen. S)en ffe})tif(^en ©treit ge^ 
gen bie ^^iIofo^)p{C; tux^ m\^m biefer feine mpjKf^^e 
Slnf^KiuungSlefire begrunbete; ^at jener übcrtt^unben; bie 
abfolute ^infd^auung erfd^eint if»m nur aH eine natürlidde 
(Sntn)i^ung beS gereiften unb in ftd^ jurfidfe^renben Wltn^ 
f(^en; fte ijl nur bie |i6(|jie ©tufe, Welche wir in ber 



1) ebenb. ©. 112 f.; 208. 

2) Sben^. 16a 

®cf(^. b, IJJil- VIU. 8 



114 

SIutMIbung unfeteö SBefend erretten. 93on beit 3n>ei^ 
fein (f^®a}airä ftnb Id 3(n £ofei( nur eimge leiste 
@))ureti fi^rig gelblieien gletd^fam )um Beteten , baß biefe 
$lnf^auunfldle|^re auö ifinen ermad^fen tfl^ Senn bage« 
gen jienev in fetner §l6n)enbung t)on bet $ffaofo})ffte btm 
))ofttiioen ®(au6en unb ber religiofen Ü&ung ftij^ tn bie 
$(rme getvorfen f^atte, fo jtnbet btefet: nur einige U(un^ 
gen bev @uft rat^fam, ff alt bie po^xtiH dteligion nur fär 
eine ©a^ie ber ((oben ÜRenge unb mnitt fid^ bagegen 
tt)iebev ber ^^ipftf unb ^ttap^^^xt mit entf(i^iebener Siebe 
3u;. benn ba^ t^eoretif($e Men {ßiffmt)on einem grfgerri 
fBtxt^aU iai ^anbeln, bie Slnf^^auung ai^er iß bie 
fff (|lfie @t]jife ber (Srfenntnif * SOßenn bte Slnfc^auung aUt 
äBaffrj^eit er^Iidt, marum foOen toxi m^ SSelef^rung im 
j^oran fud^en ? ^a(en toxx nx^t ben lautem @))iegel ber 
Qiüli^ttt iDffenkrung in unferm eigenen Innern? SBott 
biefem ®eft(fft^))unfte au^geffenb kfcfireitt nun al&er 3bn 
S^ofeil bie.®e|td^te ber Slnfc^auung gan) anberd oM (SU 
®aiali« Senn biefer ba ^ott bem titit^oUm Umgange 
rebete, totti^m wk mit ben ^xop^tttn, mit ben (Sng.eln, 
ia mit ® Ott unter feinem @(|ileier genoffeu/ fo tveift batf 
auf bie Stic^tung feinet @emfit^^ ^in, xot^m bie W^f 
ftraction in adgemeinen S3egriffen ni^t genagt/ loeld^ed 
bie (Srfa^rung unb ba^ «)oae Se^en be^ (Sinjelnen ftd^ otti" 
eignen tpiK; a&er e^ bemeiß nun aud^ bie SBenbung bie« 
fer Sef^re^ n^ie man. in biefem ®eHete ber Unterfud^ung 
mit fold^en Sefüre^ungen bef ®müt^i nur 2u leeren 
JEräumcn ber 5>{^antafte gelangt, dint ganj anbere @e^ 
flalt ^ahm bie @eji(|>te be8 3bn JtofeiL SDa iji nid&t t)Ott 
engein bie Siebe unb 5Don 55ro))|^eten, fonbern er »erfejrt 



11« 

ioar an^ mit ©etflerit; aber mit ®eiflem, m\^ oXi 
IMfte btr 9latur tvirfen unb bereit begriffe auf einem 
toiffenfc^a^Ii^en 3ufammenffange ber Hftronomte (eru^n« 
Die Übertegen^eft biefer Sel^rtDetfe fiber j[etie n^trb man 
nic^t t)erfennen« & ift tt)a^r, in (eiben fpieft bte^ffam 
iafte, aber in imex mit leeren ®ntem, in btefer mit 
Segrtffett, benen ein tt)iffenfd^aftli^er ®runb nid^t man^ 
flclt Z>0($ man tt)irb aud^ eingeftel^n; baß eben ititot^ 
um tu btefer bie dufammenfiellung um fo greller iß« 
Sirb ntc^t bie SOBifTenfti^afi bie ipr entlief^enen SBegrife 
«lieber ^urfidforbern , fie bem @)»iele ber l^^antafte 
entreißen?' ®ewif, tt^enn ber $|!iiofo))ff , tbeld^er einem 
folgen Spiele ftc^ überl&ßt/ einen kva^ren Slnt^eil an ft^ 
nen vorgeblichen ünfd^aunngen bed SBettaQ^ nimmt/ fo 
t9irb er feine Jtenniniß ber SBett tbeiter au^bilben tvoU 
len, unb wenn er ba^in fhrebt^ fo n)irb er ber p^anta^ 
IKfc^en S[nf(|anung entjogen n)ieber ben gemd^nlic^en 
SBegen tt)iffenf(]^aftli(|er Unterfuc^ung ftd^ juwenben mfif^ 
fem &o tfi bie Se^re bed 3bn S^ofeil nur atö ein Über^ 
gong 9011 @i^®a)ali ^u n^eitern (Sntmidiungen ber 903if^ 
fenfd^aft anittfefim 

A. 3bn SRof^b (Slberroe^). 

SRit ben Sinbilbungen einer getraumten Slnfd^auung 

bunte ber grfibeinbe ®ei{i ber Slraber bod^ auf bie Dauer 

ft4i nf^t befriebigem 9lod^ ^atte er ni^t aOe^ erf($6))ft/ 

mi ifmi bie Seigre be« ärijioteteö ju bieten f^ten» SWit 

erneuertem Sifer ging 3bn JRofc^b no^ einmal auf bicfe 

Dnede ber ärabifd^en äBiffenf^aft aurüd unb füllte au^ 

i^ grftnblidil^^ SSei^l^eit )n f(^^fen« 

8* 



116 

nac^ bett gemfffntt^en Slnga^en 1105 gu Sorbotoa gebe« 
ren. (£t: flammte au$ tintx %amHU, mi^t fc^on btt¥(| 
meffrere ©ef^Ie^ter in ^ol^en @taat^ämterti ge^nben 
fiatte^ 2)e¥ Unterd(|t, tt)el$en er genop; ffif^rte ^n in 
ade S!^dU bev Slrabifc^eti ©elei^rfamfeit etn* SBor^ugliifi 
aber jetc^nete er ftc^ in ber ^f^tlofopl^ie unb 3Rebtctn aai. 
SBorenb er toit feine äSorfa^ren eine ipolttif^e Saufba^n 
unter ber «ßerfd^aft ber Sllmol^aben e{nf(^Iug'3/ ))erfaf[te 
er ju @et)i((a einen großen S^^feit ber ©c^riften, noelcj^e 
feinen ildamen auf bie 3la^mU gebraut f^aben* 3tt fei«' 
nem ^o{fen Sltter foK er nac^ ben Überlieferungen wm 
e^aßfen 3acub S&m 3ujfef (Sd^SRanfur 3um Statthalter 
wn Spanien ernannt, aber (^nify balb barauf tt^egett }fi^u 
lofpp^ifd^er fie^erei auf Jben £ob angesagt/ geflörit tm^ 
toerbannt unb na^per no$ t>w bem 9la(|ifoIger @I^9Raiu 
fur^ö afö Seibarjt na(|i SD^arocco berufen tvorben fein, 
wo er im 3o{>re 1198 geworben wäre^)* 

Unter ben $Irabif(|en ^rjten nimmt 3bn Stofd^b einei 
au^ieic^nete , aber bod^ nur untergeorbnete @te((e ein,, 
unter ben Slrabif^en Slriftotelifern iß er ber erfle» (£t 



1) Qx fott unter bem (SJatifen %ivi 3acub 3uffef 9>riefler, ffii^^ 
Ut, ginan^minifler unb Setbar^t ^et^efen fein* ^fc^bac^ ®ef^. 
@pan. u. ^ort 11 @. 69. 

2) SüRenfetb ®ef4^. t>. ^rab* tt^te @. 104 f. ; %. ithxz^i im 
Tlam* f* b. Sit b. 9(üdL 1842* 9h:. 79; 83; 95 f«; iDelt^er bte 
Un3uber(äfftgfett ber gemö^nlic^en (Sr^ä^lungen ^eigt unb eine hü 
ttf4>e Unterfuc^ung übet* ba^ SeBen bed S(9erroe^ berfpti((t. 3c^ 

l^abe ]^auptfa(()It($ feine epitome in Ilbr. metaphysicae, feine de- 

structio destrucüoois ttub einige Heinere @((riften gebraust/ aber 
an(^ bie dtöfern (Kommentare }tt !Rat^e ee^oaen. 



117 

tOläxtt bit mefflen Slrtfiotflifc^en Schriften in gt(0em ober 
flemrnt SSetfen, man^e su^ei^ obet breitnal, ni^t bett 
Sorten folgenb, a(er bemfi^t in ben @mn be« ®an}en 
crnjitbrittgen. %&x bfe geringe Sntpfanglid^feft feiner 3eit, 
tter toeld^e er |t^ beflagt, Derfapte er feine {(u«)üge^3. 
6dbfl ou« ben fe^r mangelhaften Sateinif^en ttberfe$nn# 
gm, meiere tvir «)on feinen 6d^ri^en bejl^en , fonn man 
erfcpen, toü^t ünflrengungen er macl^te bie ®rie^if^e 
W^o^op^it mit fetner 2>enftoeife in SinHang }tt bringen, 
ftifec ben Slrißotelif^en 6($riften fiat er and^ bie 9le« 
piUtf bti fXaton tttlcLxt unb iß, oie anbere Araber/ 
tanS^t bie ^latonifd^e mit ber Slrifbtelifd^en $$i(ofo))^{e 
iB berbfoben* 9teben biefen (Srnfirungen finb nn^ nur 
tocnigf Heinere Gd^ri^en be« 3bn Kof^b angAnglid^. 
flan yat i^m tint abergtöubifc^e SBerepmng iti Slri^ote^ 
ia Djorgemorfen, unb in ber S;^at feine Slu^brfltfe }tt bef^^ 
fen Sobe fnb übertrieben ^) ; man toixh j[ebo(b babei bie 
ibitfbrudtftoetfe be^ Orientalen in Slnf^Iag bringen mfif^ 
fen unb nic^t t)ergeffen bfirfen, ba§ 3bn Siof^b sun)etlen 
bennod^ t)on ben Se^ren be^ S(rifioteIed abweicht unb aUi^ 
bann ben ^rt^um, totläitn er befheitet, nur ben f^Ie^^^ 
ten flberfe^ungen ; ni^it feinem Se^rer betmtft. 

Xtm fein 93er^aftntß ifxx Slrabifd^en ^J^ilofopf^ie }u 
ieurt^eileu; barf man bie SteUung nii^t fiberfef^U; toelcbe 
er 2U bem ^^lam einnabm. S)te dxUnntni^ ber $^i(o^ 



1) Epil. log. praef. fol. 341 col. i m^ Ut %üiQ. b« 9rt#. 
Veoet 1552 Ob.- 1550. 

2} Pbjs. prooem. fol. 3 b. !Dte fBtttt, tüeld^e ^enttemann 
0€f^. b* W^ VlII @. 422 aud bet alten Übetfe^ung anfüitt, 
lauten boc^ in ber Öberfe^ung be^ Wlaniim^ btel gemäf iater. 






118 

fo)>^ fi&ft er für ben l^fi^flen ^md Ux menf$t{<^n 
@ee(e ^)r Sßer fte ecYei(]^en fann, ber foK {Id^ i^r tvei^n 
unb bie fif^eve ©MdfeUgfeit, tt)e(4f^ ft^ ^w^xt, ftc^ jn 
dgen mad^en« %Ux fte ifl nut ffir tDenige unb fommt 
und ntc^t fogUic^ }u. S(ud ber SDIaterie, in xotliSfi %it 
eingetatt(!^t flnb, folgt bie SRot^n^enbigfeit ber finnli^en 
Srfenntnig ; bafier fc^minben und mit ben ©innen ouc^ 
biete Srfenntniffe unb wir fönnen bedtt^egen bie to^^x* 
fdf^einiicfien @a9e nid^t entbehren, bad 3u{unftige ni<|^ 
n)ifren unb (ebfirfen ber SBorai^nbungen unb ber ^xtip^ 
tie ^}* Sei biefen Überlegungen fommt 3bn Siofc^b auf 
badfelie Q^geinig; tt)el(j^ed toir in ber cffrifllid^en ^"fyiW 
fopfiie oft ))emonunen i^aiem SSir muffen erfl glanfeen, 
bid toir }ur (Srfenntntß gelangen fdnnen* S>ie ®etod^ 
nung in ben S^ugenben bed ©efe^ed ))on Sugenb an ifl 
ttot^toenbig; bie Steligion iß frfi^er ald bie $^i(ofo))^ie; 
bie ®efe^e ftnb bie ©rünbe ber Stugenben« SS3er aber 
xA6)i einfad^ bem @efe^e unb ber Steßgion {i(^ ergeben 
^at, fann nidjit sur (Stnjtd^t in bad ©ute gelangen^« 
SDa^er tabett er au$ bte $$iIofo)>fien , »elcbe^ na^bem.fie 
{ur $fiiIofo)>bie gefommen ftnb, jur 9){ida(||tung bed ®e^ 
fe^ed beitragen, unb {lält auf bie ftrengfte ©efe^Iic^feit ge» 



1) Epit. met. I fol. 169 col. 1. 

2) Ib. fol. 183 col. 3. Et propter imbecillitatem intellectiv 
nostri fueruDt necessarii sensus ad ejus intellectionem. — -— 
Ncque possumus illud acquirere nisi per modum famosum (btt^ 

©cied^» tv^olov), Et secuodum bunc modum possunt reddi 

causae propbetiarum et reliquae pronosticationes futuronim, 

3) Destr. destr. fol. 56 col. 1. Non est modus ad perve* 
niendum ad scientianii nisi poslquam pervenerit ad religionem« 
Ib. fol. 57 col. 2. 



•I 



ik. 



11» 

Sm fold^e ^oxm. SBet ft$ gegen iai Oefef ^erge^t, 
ta: toirb mit Ste^t (efhraft; Ae^er muß matt Übten. 
Sttr t>te ÜRenge to&xt bie 9i^i(ofo))^te nur ®ifl 0* «n 
Me Se^re bed 9ri{}oteIe« ftc^ anf^ßeßenb, baß eine j[ebe 
SifTenf^aft t^re eigenen ©runbffioe ffdlm mfiffe, forbett 
er auc^ fSr bie 9le({giondtt)iffenf^aft fol^e eigenen ©runb^ 
fS(^. 9{ur gegen bie falf^ie 9u0legung berfeKen, tt)ie fte 
9on ber Sei^tglfiubigfeit ber ÜRauren gegeben tverbe, er^ 
nSvt er ft(^ auf bae entfc^iebenße ^. jDa« ®efe$ ifl baju 
iefUmmt bem SBotfe bie ©IfidCfeligfeit su getDfifiren, ju 
ttelc^r e0 gelangen fann; niemanb foQ biefe fldren* 
Z)ft6ei sielet Sin 9tof(!^b aud^ bie SBetrd^ieben^eit ber Ste^ 
Kgiotien in SSetra^t (Sx fiSIt fte ade ffir tt)a]^r; fte finb 
akr Beffer ober f4ile(!^ter unb fiaien ftd^ aam&Iig ben)olt( 
fommnet Zai beffere ©efe^/ tt)ie ej gegentt)5rtig gitt, 
fotten mir nun ergreifem @o fiStten e^ bie äBeifen ge^ 
WBL^, meldte }tt fRoxa iai (^firiftentfium^ fo nici^t minber 
bie, mel^e )u üleranbria Hi ®efe$ ber SJtauren an^ 
genommen i^atten ^3. 

^alti l^aft er nun akr ben @runbfa$ feft, baß bie 
®efe9e ber 9leItgton nur ffir ba^ ))raftif(l^e Men ftnb; 
iaS fpeculatioe Seben binben fte ni^it; baran jn^eifett er 
nt^t, baß bie $^i(ofo))i^ie einen fiöi^ern @tanbpunft inne 
fiat^3* (Sx tabett bedmegen bie ©efe^eöfunbigeU; meiere 



1) L. L; ib. fol. 40 col. 1 sq.; fol. 63 col. 3. 

2) Ib. fol. 40 col. 3. Untet ben Tanten t)erf!c(t et bie 
Sfc^ariten, mU aud bem golgenben ftd^ ergiebt. Ib. fol. 57 col. 2. 

3) Ib. fol. 40 col. 8 sq. ; fol. 63 col. 3. 

4) Ib. fol. 56 col. 1. Haec sunt principia eorum, quae 
opeiantur, etc. 



120 

oXi geinbe ber ^^ilofop^ie ftc^ ju erfentten geben, «nb 
mt ee bem ^^ilofo^M^en fttr fc^tmpftid^ im ®inn Ui 
93o(fed wn ®ott {u reben; benn bergle^en 9teben fibir^ 
tragen nur aRenf(^({(|ie6 auf @ott unb tvetben babur^ 
}it)etbeuttg 0* jDa^er laßt er jtc^ au(^ ni^t ai^alttn bie 
©runbfä^e bed ©efeged ju prüfen* 2)en SOBunberi&egrtff 
Idpt er 2tt>ar gelten, aber gegen bte @torungen, tpelc^e 
berfelbe in ber $i^9|if anrtcfiten fönnte^ legt er o^ne i&e^ 
benfen (Stnf))ru(jb ab« SBenn bte 9){otafi^a((tm bad ^a^ 
turgefeg nur a\i ®ett)o$ni^ett gelten (äffen n^oQten, fo 
erinnert er bagegen, baß ®ott feine ®en)o^n^eiten Mß 
nimmt i baß m^ ber 9{atur feine ©etvcfini^eit }ufomme, 
fonbem nur ber t>erfinberli4^ @eele % 2)er $ropl^et ift 
ein !D{enf(^; n>elc^er nid^t Unmfglid^ed mfglic^ ma^en, 
nid^t batf ®efe^ ber SDIenfd^^eit bred^en fann, fonbem 
felbji an ba^ ®efe^ ber SDIenf^^eit gebunben i{}« äS((S 
i$in }um $ro))$eten mai^t; iß aSein, baß er Sßerborgenei 
weiß unb hai ®efeO gtebt, n)et4^ed gum ^eil ber SDIett» 
f(|ien nStfiig i{}. 2)ie Srfenntniß bed SSerborgenen ab^r 
fommt ifym in bemfelben Sßege }u, n)ie anbern 9Senf(|en, 
«)ermittelft iti t^atigen SJerßanbe^, mi^tx Um ©efe^e 
enget fieißt '}♦ 

jDiefe ®runbfa^e flnb ber Se^re be^ 3bn SCofeil fel^r 
nai^e berwanbt» 2)0(^ n^eic^en {te t)on ibr barin ab , baß 
fte bie praftifcben Übungen unter bem ©efe^e für eine 
notbwenbige SSorfüufe gur $biI<>f^P^i^ anfe^n unb bie 
92otffn>enbigfeit be^ ©efe^ei barauf grunben, baß unfer 

1) Ib. prooem. ; fol. 33 col. 4; epit. meL fol. 185 col. 4. 

2) Destr. defitr. fol. 56 col. 1; col. 3 sq» 

3) Ib. fol. 56 col. 1 sq. 



121 

Setflanb (ef^r&nft ttnb in bie SRaterie etngetaud^t iß. 
Sie« n>riß darauf ^in, baß 3(n Stofc^b jener Sereinfa« 
mntig itnb Burft^ieffung bed 93erftanbe^ in ft^i Uli% 
9WtoeI<$er 3i^n S^ofeil bie toodfornmene Slnfc^oitttng ber 
Sa^v^rit erwartete; ni^it geneigt ifl. iRa^i fetner änftd^t 
g^Sren wit in ttnferm gegenwärtigen Se(en }u ben mo^ 
tertetten fingen unb bie SRaterie f&prt bie 9totpn)enb{g^ 
feit tiefen bem ©uten mit fl^« 9lur ein i&efc^ronlted jDa^ 
fein fommt uni baj^r )u« O^glei^i ba6 ebelfle Sßefen 
unter bent Wtonit, iß ber9)}enf(^ nur tin 9RittIered jmi^ 
f(^ett SBergSngltc^em unb QFmigem» 3n ber Orbnung ber 
iDinge liegt e^, baß ein jiebed nur ft($ felbft unmitteKor 
tmb ^oOfommen erfennt/ weil e6 eintf unb ba^fel^e mit 
^ iß unb ni^itd tooKf ommen erfannt .n^erben fann , mit 
meiern hai (Srfennenbe ni^^t eind unb bctöfel^e iß ^}, 
baß aber aud^ iai ißiebere mit bem ^i^ttn bun^ eine 
getDiffe Analogie {ufammenfiängt unb «)mnittelß berfeKen 
au(ff bad ^o^ere ju erfennen t)ermag> <Sd iß bied eine 
Srfenntnig burc^ SJerglei^ung; unb ade {)tmmlif(j^e SSefen 
bebürfen betfelben^ um n>ie ^ielmepr tvir 3)2enf^en, 
wi^t toix auf einer ml tiefern ©tufe be« ®afein« ße^ 
)iem 9lur @ott erfennt ni^itä burd^ Serglei^ung ^3. 



1} Epit. met. fol. 183 col. 4. Impossibile namque est ipsa 
intelligere aliquid, cum quo non identificentur. Ib. fol. 185 
col. 2 sqq. 

2) Ib. fol. 183 col. 4. Et si quid intelligimus de bis prin* 
cipiis, illud quidem intelligimus secundum analogiam. •— — 
Eodem quoque modo comprebensionis intellectus agentis sub- 
jectum est etsentia sua , et si quid intelligit de suis principiis, 
id secundum comparationem intelligit et sie sequitur res de se> 



122 

2)emtta(^ ^tt^^xi^t uni 36n Stofd^b feine 93erfenfung in 
ben SBerßanb ber ©efttnte/ t>{eln)en{ger @tner(et^eit mit 
©Ott« S}te SSiffenfd^aft; meldte ©Ott ^at, iß t)on einer 
Sirt; »elc^e fein Hinterer einfielt/ aU er feKfl 0* t)M^ 
fii^tteibet er mi m^ bie (Srfenntnig bti ^i^ttn nid^t 
gan) ah ; er |iätt «)ielme^r an ter n){ffenfd^afil{(i^en tUu 
terfuc^ung fefl; mlt^t bem ©tanbpnnfte bed Snenfd^en 
gemäß ift^ 

®en){f borf man ti i^m ni^t gering anf(|ilagen/ baß 
er fo bie ))^anta{Mfd^en SSorftedungen «)on einer ü(ermenfi|^ 
li^m Sntjfidung befettigt/ xoütfyt toix bei ben ^(rabifd^en 
|}^{(ofopfien fafl burd^gängig toerbreitet gefunben ^abem 
2)o($ tt)firbe bad n^entg auftragen, tt)enn bagegen ben 
Slnforberungen ber SBiffenfd^ft $(bbrn(^ gef(|^e^en foltte« 
23erglei(^en i(9t({ j[ebo^ 3bn Stofd^b ntd^t juIafTen. 93iel> 
me^r in bec äBiffenfc^aft ilberi^aupt iß i^m aUti in ber 
3Beft gegrfinbet/ nemtic^ in ber Sßiffenfc^aft, m\^t ®ott 
l[^at; nur unfere gegenn^ärtige menf(^(i($e 9Q3tffenf(]^aft reid^t 
in fielen S>ingen ntd^t aixi biefen allgemeinen ®mnb gu 
erfennen, ift aber boc^ in aQenStäden mit ber gMid^en 
äSiffenfd^aft in 3ufammen^ang unb beruht nur borauf, 
baß toix bie Sßiffenf^iaft ©otted , n)ie {te ben Singen ber 
S33ett i{>r Dafein t^erteijt, ju erfennen vermögen ^j, gjur 
babur^ ftnb bie notürlid^en jDinge erfennbar; baß fte auf 



cundo et terlio, donec res desinat ad primum principium, cu- 
jus quidem proprium est nihil inteUigere comparative. 

1) Dettr. destr. fol. 48 col. 4. 

2) Ib. fol. 45 col. 2. Sed credimus , qued omne id , quod 
est in mundo , est ex scientia , licet deficiant vires nostri ingenü 
in multis eorum. Ib. fol. 5T coL 4» 



123 

®eban{ett ©otte« Uxu^tn, be« R&n^ltti, ml^tx fte ^er^ 
t)orge&rad^t ffat SStr miiffen fte iDie Jtunßwerfe etfen« 
um* 2)af bte ^attxk txhmHx i{} ^at fte nicf^t ba^er, 
b(i9^ f{e aXatede x^, fonberti tpeti {te eine SBirfIi(||fett er^ 
^, tt)el(^e )Don i^x auf gefagt «Derben fann ^3. (Sx ncotu 
fett ba^et au($ nid^t; bap bte, n)el(!^e nur ©innlid^ed an« 
nel^men, bte SQiiffenfd^aft wn ©runb auf auf^e^en, tt)et1 
bae @tttnli^e, in ieji&nbtger 93eranberung ber SBifTen« 
fc^oft nic^t etonb ff&lU Z)ie «ufgabe ber SBiffenf(^afi 
tß i^m bagegen bte fi(er|tnn(td^en 3been }tt txUmm, 
ml^t ber SBerfmetfier in ben {tnnli(!^en @toff gelegt fiat^ 
2)ie angefuffrten @a^e (äffen fc^on erfennen , baß tt)tr 
baf ©erfift bef SßeUfvfiemf ki i^m fafl in berfel^en 
Seife tt)ieberfinben werben/ n^ie ti t)on ben fi(rtgen Slro« 
lifc^en Sriflotelifern ^ooraufgefe^t tvurbe« 2)ie (eiben 
fiußerflen (Snben bef felben finb bie erße SDIaterie unb ®otU 
9tad^ ber SSeife bef S(ri{lote(ef mwixft 3bn Stofc^b bie 
Sbtnai^me einer unenbli^en Steifie Don Urfa^en, weil ef 
fonjl feine äStffenfc^aft geben ti^ürbe^ Sei 3^if4^^itur« 



1) Epit qpeL fol. 173 col. 3 sq. Nam accidit rebus per 
arlera confectis, quod intelligantur ab illo, qui non operatur 
eas , propterea quia sunt ordinatae ab iotellectu , qui est ipsa 
forma existens in anima artificis, aliter enim essent intellectae 
per accidens. Et similiter etiam res se babent in natura et in 
rebus naturalibus. Hinc apparet generatim , quod dantur for- 
mae separatae, quae sunt causa , ob quam ipsa substantia sen- 
sibilis est intelligibilis. — — Quod autem materia sit intelli- 
gibilis, non babet ex eo, quod est materia; nam res ideo est 
intelligibilis, quia est in actu; sed si intelligiraus ipsam, con- 
tinuo illud fit per attributionem. 

2) Ib. fol. 173 col. 4 sq. f)ier tt)itb Äratptof befiritten unb 

aBeefuf^rt; tap $laton gegen i^n feine 3^eenle^te aixiQthilUt ^aU. 



124 

fad^eti tfirfen tobe nii^ ße^en iUiUn; tolx mfiffen einen 
Anfang unb ein (Snbe ber Sorfc^ung annehmen ^3* 2)ie 
fSJlatctit mnf ))orau«gefe9t n>e¥ben^ benn ffe »itb wn. 
ber ttoirfenben Urfad^e nid^t ^en>orge(rad^t 9[n6 iil|if 
n>irb ni<fyti; eine |ebe 93er<^nbemng ))erlangt ein @if(^ 
{ect, n^el^e« ftcff t>eränbett; boiS ifl im SUIgemeinen bie 
^aitxit, W>ix efienfo muß bie tt^irfenbe Urfacfi toi^rau«:^ 
gefegt tt)erben; bad SBefen ber IDinge ifl en>ig, n^eü ein 
üebed SBefen ober eine j[ebe ^orm nnr bnrd^ eine anbere 
fc^on ^orj^anbene ^orm berfelten 9rt l^ert>orgebra(l^t n>irb» . 
9lur bie 3nbi9tbuen tottitn, m\^t ani SDIaterie unb 
$orm }ufanimengefe|t flnb« 9orm unb Snoterie bagegeU/ 
fd^ted^tl^in für ftc^ gefaxt, ftnb einfac^^ unb fßnnen ballet, 
n)ie 3lri|loteted (e^rt, nur bur^ Slnalogie erflärt «werben; 
biefe iß iai reine S3erm6gen ju fein o^ne ade SBirRid^^ 
Uit, jene bagegen bie SSirnid^feit, toH^t ben 2)ingfn 
i^r^ n^efentlid^en Unterfd^iebe gewährt, fo baß tt)ir anify 
allein in ben n^efentlic^en Unterfd^ieben bie tpa^ren %ox* 
nten ber 2)inge ju erbliden ^aben, obgleid^ toix oft ge«« 
nftfiigt itnb/ loeil und bie toefentlid^en Unterfd^iebe ber 
jDinge entgegen, an beren stelle atcciben^eii ber S)inge 
ju fe^en ^> 9ßenn n^ir . nun aber iai 3nfammengefe$te 
ani bem Sinfadpen ju erflären l^aben , fo muffen loir auf 
bie reine S<>^>n unb bie reine äRaterie jurfidfgel^en« 

jDie reine gorm iji ®ott* Ü6er i^n äußert fic^ 3bn 
9lof(^b in ber geiod^nlid^en SSetfe. 9lur eine reine ^onn 
btirfen toir anerfennen, n)et( menn mej^rere bergleid^en 



1) Ib. fol. 180 col. 2 sqq. 

2) Ib. fol. 173 col. 4; 175 col. 1; col. 3; 177 col. 3; de 
subst. orbis fol. 3 col. 1 sq. 



ib.. 



125 

tü&xm, fte wn einer ©attutt^ umfaßt tottUn unb alfo 
eine SRoterie j^aien tvArben* @r gel^t toon ber fito> 
f4^toeng(i($en @tn|^eit ®ottti aud, mel^e geforbert tpirb^ 
wei{ in feiner «)o({fommenen SEBiffenfd^aft bad Srfennenbe 
nnb bad ^fonnte einanber f^Iec^t^in gleich fein mfipn* 
9htr in bem^ tva^ bie p^tgfeit (dispositio) gum Srfen« 
nen unb jum Srfanntiverben ^at/ ftnb 93er{}anb, SBerfle« 
^enbed unb SBerßanbene^ ))on einanber iDerf^ieben, im 
»irfli^en @ein ftnb oKe brei badfeKe; ® Ott aber {ommt 
feine Si^igfeit, fonbern nur n^irflic^e^ @eitt ivu ©ein 
SSirfen unb fein SBiffen ftnb tini^ oOe Sttritote, m\^t 
t0ix {|»m beilegen fonnen, ftnb ba^fette* (Sx iß toa^x^ 
fiaft Sßerßanb unb nx^t, tt)ie ^foton Uyxtt, übtx bem 
Serßanb ^}* @ubftan} toixi er )war genannt, aber ni^t 
, o^ne on bie Stveibeutigfeit bed Sorten babei )u erin^ 
ntxn^^. S)a fein SBefeU; fein SQSiffeit unb fein SBirfen. 
mi unb ett)tg {!nb / fo biirfen tt)ir ni(|^t baran benfen, 
baß er einmal bie SKaterie ^u bilben angefangen ^aim 
fodte; tnelmefir ift bieäBelt; feine @^5))fung, s^onSn^ig^ 
feit ffer* @r iß n^eber ruffenb/ no^ bett)egli4^; aber 
n>eU e$ beffer iß, bap bie£^r))er beilegt iverbeu; beivegt 
er ße burd^ bad SBerlangen, toü^t^ er in i^nen erregt» 
SSon ber SSSett berf(^ieben , iß er bod^ tt)eber in ber SBelt/ 
noc^ außer i^r, Dielme^r aDeS ©eienbe iß nur er« Sx 
erfennt/ aber er erfennt nur ^, bie ))oSfommene (Sin^^ 
peit; tt>enn er etn^a^ anbetet erfennte; fo t^firbe er t)on 



1) Epit. met. fol. 1T6 col. 3. Unum, — ut transcendens 
ad ens. Ib. fol. 180 col. 4; de anim. beat. fol. 65 col. 4 sq.; 
destr. deslr. fol. 34 col. 2; 35 col. 3 sq.; 57 col. 3* 

2) Epit. met fol. 183 col. 4. 



126 

temfeKen iefitmmt mxHn ; mm et bie jDinge in ge^ 
meiner SBeife txUnntt, toit fte toon untf erfannt tterbeii> 
fo ipfirbe er »erfinberlic]^ fein ^J/ 

• Sßenn mx yitxin nur SBieber^oIungen fti^on ou^e^ 
&i(beter Seiten ftnben; fo t{} e& etoai ^nbered mit feinet 
Se^re i>on berSWaterie^ 3»«^ au^ fie wiU er allein im 
Sinn be$ Slrifiotetej t>ortragen; aber inbem er beffen 
©ebanten »erfolgt/ lommt er ju Srflebnijfen, tt^eld^e nn^ 
ßreitig ben SSertjf eigent^fimli^^er ©ebanfen in ^\pxvi^ 
nefimen Umtn^ ®tin $lnfe^n iß auf bie Srflftrung ber 
natfirlici^en Sr^eugung geri^^tet; benn bie ®ö)6p^uni aui 
bem' 92i4)td t>ern)irft er , fttibet aber ani^ nfii^ig bie 9lrt; 
wie formen in ber ÜRaterie im SSege ber 9latur fier^oor^ 
gebraut wtxitn , soon ber 9trt }u nnterfd^eiben, n)ie foI($i 
formen bur^ fiunfl {t(|i bilben. S)a« S3ilb alfO; an mU 
4fem ^rifioteled feine it^xt aber ben ©egenfo^ gktif^fert 
Sorm unb ^4terie ftd^ entn^ideU ^attt, genügt ipm ni^^t 
S>enn bie ^unß bilbet nur ba6 äußere, bie Dberp^ 
ber Materie; bie 9tatur aber bringt, in baü^nnerfle itt^ 
felben ein; j[ene fann an ))erfdj>iebenen 3Raterien biefelbe 
Sorm iiert)orbringen ; biefe bagegen joerlangt fftr i^re ^iU 
bungen eine ))affenbe 3Slattxit, n^elcbe für j[ebe befonbere 
Sorm eine-befonbere; t>on buti^au^ beßtmmter ^rt fein 
mup ^3. S)ie ^orm bfirfen toix ui^t ali eine Srftnbnng 
ber ^eriDorbringenben Urfad^e anfef^n / fonfi u^firbe eine 



1) Ib. fol. 180 col. 1; 181 col. 4; 183 col. 3; 184 col. 1; 
destr. destr; fol. 20 col. 4; fol. 38 col. 1; col. 4; fol. 50 col. 2; 
foL 53 col. 2; fol. 57 coL 3. 

23 Met. VIII fol. 103 col. 2. 



Ik. 



127 

B^ip^nfi ata bem 9tt(^tö fiattfinben 0. fßUlmt^x Ui 
itt itotibti^en Sr^eugung (tegt iit gorm bem SSennifgen 
]ta(^ in bar fBlattxit fd^on S)or ber S^eugutig, Hub bte 
Ocnoorbrtngung eine« natütltdj^en SDinged^ fo tvie eine 
iebe nat&xlitl^t Sntoi^ung ber £)tnge iß ba^er tdil^i 
anbereS/ a(6 bafi bte in ber SWatetie liegenben formen 
wi i^x |iert>orge)ogen ii^erben^}* 3(n Sftof^b entjiel^t 
{i(^ babur j^ ber aRetnung / bag bie gorm in ber SRatene 
nur ttxoai tuperli4^e$ tt)äre ')« Q^ s^erglei^t feine Sel^e 
mit ber Seffre be6 9(naragora6| baf bte Sntfie^nng lieber 
Xrt ni^tö anbered fei, aU bad |)ers^orge^en ber in ber 
SHfc^ung ber S)inge ))erborgenen Stgenfd^afien berfelben 
bnrc^ (Sntmifc^nng, unb ftnbet, bap f[e soon btefer nur ba^ 
bttr(^ abweicl^t; ba^ fte bte (Etgenf^ia^en ober formen 
ber jDinge nic^t cXi etwa6 SBirfli^ie^ in ber 3)taterie 
fe^t/ fonbem nur aÜ ber SKfgli^ifett na^ in i^r ^or^ 
^anben^ bo^ f(i^on angelegt unb t)or]^er(efKmmt« 2)ar» 
auf Uxti^t e^, baß eine Jiebe ^ertoorbringung ia berlWa^ 
terie ni^t ttv^a ani einem 3Dtnge }tt)ei mo^t, fonbem 
n>eiter nt^t^ tfi; a\^ baß ein jDing fetner Moßen ^ö^* 
lic^fett entfioi&en unb in ber S3oKenbung ge^rac^t n^irb; 



i") Ib. XII fol. 143 col. 3. Agens non inTenit formani 
creando eam, quoniain, si creasset eam, tunc aliquid fieret ex 
nibilo. 

2} Ib. Vin fol. 105 col. 3. Non enim est boc aliud causa- 
tura ab agente ab eo, in quod agit, sed illud idem, scilicet 
quod est spbaera in potentia, fit sphaera in adu, cum agens 
extrabit ipsum de potentia in actum. Ib. XII fol. 143 col. 2. 

3} L. 1. Non est agens, quia adducit in illam materiam 
aliquid extrinsecum« 



128 

bof Üt 9Raterte ber 2)inge nur Hi in i^xm Semijgen 
Stegenbe i{) , f^iHept |i$ biefe Slnftci^t auf ba« ® enottefte 
aru 3(n fllofc^b folgert ai^er boraud, ba^ für eine j[ebt 
befKmtnte Si>rm eine Beftimmte ÜRaterie ^ox^anUn feät 
mftffe; aud n)el(i^er oUtin {te ^ervorgei^rad^i tvetben Ijniitt 
Sßemt bt^ SRoterte ^erf^tebm tfl; fo mirb aud^ eine Mt^ 
fii^iebene $orm tvetbem Sore batf m^t/ fo Mxit ani 
allem atted »werben unb bieÜRaterie n^fitbentfipig fein^* 
^on ftefit/ ba§ biefe Se^re ber 9Raterie einen i^iel gti^ttü 
Sinffuf auf bie natfirliil^e Q^tße^ung ber 2)inge aufd^ettt^ 
aW bfe Sefiren ber frühem Srabifd^en ariftotelifer» 3n 
ber 3Raterie liegen \^m aQe fteime be^ jDafein«^ mU 
i^ti ani i^x ^ertiorge^n foQ; nur n>atf in ber ^aMi 
fd^on angelegt ift, fann bie n^ivfenbe Urfa(^e au0 i^rj^er^ 
t^orjiel^en« 3)a^er finbet 36n Stofd^b fogar 'bie Seele in 
i^x to^erborgen; wäre {te e^ nid^t, fo »örbe fte ni^ gur 
SQBirfKc^eit geiilbet werben f önnen ^3, 

S>iefe Umwanblung bed iBegdffd ber 3)Iaterie iß ent»' 



1) L. 1.; ib. Vm fol. 105 col. 3. Est igitur hic aliquid 
unum, quod primo est in potentia et post transfertur de po- 
tentia in actum« Translatio enim ejus non largitur ei mullitu« 
dinein , sed. pe'rfectionem in esse. 

2) Pbys. VITI fol. 1T6 col. 3. Quando materia fuerit di- 
versa, diversabitur et forma, et si non, non essent bie materiae 
propriae et formae propriae et tuuc quodlibet generarelur « 
quolibet et in' quolibet, et - tunc universaliter materiae essent 
otiosae et superfluae. 

3) Met. XH fol. 143 col. 3. Generans igitur animam non' 
est dicere, quod ponit animam in materia, sed quod' extrabit 
id, quod est esse anima potentia, ad esse animam in actu. 



^ 



129 

fc^etbenb föx iai &p^m. SBon ber einen @eite Uttat!^^ 
tet barf fle ben Sffiert^ etnet gcrtbilbung ber %xi^otüU 
f(Htt Sepre in Knfpruc^ nehmen. SBa« in biefer ^etßedt 
artegeii l^atte, ia^ bie 5Waterte, »el^e jur natürfi4^en 
(Ec^fittttg benu^t mitb, bo^ immer f(||on in i^rem SBer^ 
ül%oi bie beflimmten ^eime ber SBirRid^feit ^at, ba« 
fl^tK^ fte o^ne alle 3tt)eibeutigfett mi, inbem fte bieun^ 
gmfigenbe SBerglei^ung ber ^atnx mit ber Jhtnfl befetttgt 
'bainx^ fpri^t ftc^ i^r s^or^erfc^enb p^^\i\^tv Sj^arafter 
ait<« Siber ^on ber anbern Seite barf man antfy nii^t 
iiierfe^en^ bap inbem ber üJIaterie fci^on ade ßeime beS 
ie^mmten 2>afeind beigelegt tperben, bie Ce^re )oie( ent^ 
f^iebener gumSDualiömu^ {td^ pinneigt aU iUi bie Slri^ 
{lote(tf(|e Seigre i^nt;- benn nnflreitig fann Sbn 8lof(]^b 
tti(^t mit bemfelben Steckte bie SJ^aterie aU iai m^U 
Setenbe bejeid^nen, wie Slriflotele«» 

dnt'if^n ben beiben' äußerten ©üben, ber reinen gorm 
unb ber reinen 5D?aterie,.He3t nun atte^, tt>aö ber Sffielt 
angehört, in ber 9Kitte* JDiefe in iprer Drbnung mit 
allen ipren X^tiUn unb au^ iprcn Urfaci^en ju ^erfennen 
ift bie aufgäbe unfere^ SSerfianbc^ i)* Sltfe^ in ber Witt 
Siegenbe i|l aber xufammengefeftt unb jwar um fo n>eni^ 
ger einfad^, je tt>eiter e6 (td^ Xiotti crflen ^xinci^f entfernt* 
Senn gtt^ar »erteilt ®ott allem bie einpcit, m^t i^m 
rigentpmUdf^ifl; aber in allem, wa^ x^m einem Köpern 
abhängig iji, iji bod^ ein Scppcltcö nct^wenbig, n^eil e^ 
m'$t allein, wie ba^ ßrfle, feine« eigenen SBefen«, fon^ 
bcm au^ be« ^o^ern jic^ erfreut, t)on welcf^em cö.ab^^ 



1) Epit. met. fol. 183 coL 3. 

®ef*. b. 5Jil- VIII. 



130 

^n^t^^* ytux iit erfie Urfad^e ifi «)cttfommen^ feinet 
fSkiptit t^tit^a^tii, inx^ani einfai^ unb nwtxintttlii^ 
in üeber Steife; toai bagegen einer Urfa^e unteworfm 
ift, mup aud^ mit einem SSermogen U^a\Ut unb iufom« 
mengefegt fein unb fann {t^ bem Sterben nicfit sänjlic^ 
entjie^en* %Uti ift baffer nur unt^oQfommen in SSer^filj^ 
niß ium ffod^fien ^rineip. ®an} tx)ie 9lt)icebron jmeffett 
au$ 3i>n 9tofd^b ni^it felbft ben f^o^ißen Gräften ber SBett 
ü)2aterie beiiutegen ^3. S)ad SSoKfommene fann aber nur 
in Derfi^iebenen ©raben in bem t)orffanben fein, toai an 
ber 3Raterie unb mitj^in am S3erm5gen X^tH ^at, tx)et{ 
eine nad^ ©raben fortfd^reitenbe Slu^bilbung bem, toai 
SSermogen ^at, not^wenbig ift^)« Za^tv gef>t auc^ 36n 
dio\^i barauf ani bie SBett al^ eine 9iei^e ^oon ©raben 
ber 2)inge ftc^ ju benfen, »oeld^e, fo toic fte wn ber 
oberften Urfad^e ^^erunterfieigeu; fo aud^ n)ieber al^ (in^ 
aufßeigenb ju i^r geba^^t »oerben fonnem 3e^ tiefer aber 
ein SBefen in ber 3?ei{ie ber ©rünbe fielet, um fo me^r 
bebarf ed aud^ ju feiner eigenen (Srfenntnig ber Srfenntf 
nig ber ^ö^ern ©rfinbe, weil atteö nur aui feinen ©rün* 
ben erfannt n^irb, unb muß alfo an^ um fo me^r eine 
SWenge \)on grfenntniffen in jid^ aufnefimen *J* 

Unter ben ©raben ber mUli^tn S)inge n^irb nun 
aud^ lieber ein fiöd^jier \)erlangt, burd^ welken bie nie^ 
bem ©rabe mit bem oberpen ©runbe jufammenpängem 



13 Ib. fol. 182 col. 1 ; 184 col. 1 ; deslr. de&lr. fol. 25 
col. 1 sq. 

2) Epil. mel. fol. 171 col. 2. 

3J De subst. orb. 5. 

4) Epit. met. fol. 183 col. 3. 



k 



131 

Z)er ^immA übernimmt biefe ))emtittetnbe DtoQe ttnb )>er^ 
Höbet bai SSergängltd^e mit bem @n>tgen ^); 2)te« ifl 
ipm ba4 $$tKofo))^tf(|ie im 93egnff bed {)tmme{0* @einc 
Sima^mett über bie Sufammenfe^uiig be^fetben ttnb über 
We Drbttung bet 9Q3eU f^Itepen ft(|^ }tt)ar aud^ an hai 
poi^nli^t afhonomif^e @p{iem ber 9ixaitx an; er be^ 
tm^et ed aber nur atö tttoai burc^ bie (Erfahrung @e^ 
ijSftntS unb ber $^i(ofopi^te grembetf unb benft fi^ ben 
$hnmel txvi feiner 3ufanimenfe$ung auS ))erfi^iebenen 
@||>^ren 9on feinem äu^erßen Umfreife an iii ^n bem 
Smerfreife $erab nur ali ein belebtet SQBefen unb bie 
einzelnen @efHme nur ali beffen ©lieber, ©eine S&mu 
gang in t)erf($iebene S3en)egungen ftd^ jerlegenb ifl bo^ 
nur ein 6eben, mt^ti wix nur in unferm SBerßanbe in 
mf^iebene Sfieile fonbern^}* Z)ied j^inbert jfebo^ nic^t 
ein dbltxU unb ein UneblereS, einen SBen>eger unb ein 
9mt%M in i^m }u unterf(|ieiben.s3. S)ur$ ba^ Un^ 
eblere^ }»t\^ti in i^m ijl; bur^ feine förperlici^e SD^affe 
ift er geeignet auf ben Srbfrei^ ju n)irfen, totil er mit . 
ijm etwa« gemein i^at *3* 

SBenn nun aber fiierin 3bn 9tof4^b an bie ?el^re be^ 
!b){cebron {t^i anfd^Iießt^ fo ftnbet {tcb bod^ au(]^ ba^ 
Sejhrcben bei ibm tt)ie bei ben frohem 2lrabif(f)en Slriflo*^ 
felifern ba« SBefen be« ^immcte über bie matertetten Se^ 
f^ranfungen ju erpeben, welcf^en bie irbif(|>en Singe un* 



1) Ib. fol. 178 col. 1. 

2) De animae beat. 1; epil. niet. fol. 182 col. 2; destr. 
destr. fol. 32 col. 3. 

3) Epit met. fol. 184 col. 2. 

4) De subst. erb. 2 fol. 4 col. 4. 

9* 



132 

tern^otfen {tn^, unb er unterfii^eibrt ftd^ ^iettn tooa fetnett 
^org&ngem ttur babur^^ ba^ er genauere Unterf(!^iebe 
itt)if(l^en ber SIRaterte bes ^immetö unb ber irbif^ien 2>{nge 
}tt Qmxmm fu^t SQBenn ber ^tmmel oud^ oi^ne Sßec^ 
ben md^t gebadet »werben {ann, fo iß fein Sterben bod^ 
nur feine endige 9en)egung; feine Dualität unb feitte 
Quantität bagegen ftnb feiner SSeränberung untertt>orfeff^ 
@o xoit wir anlegt auf einen unbewegten ^Beweger jurfii^ 
fontmen muffen^ fo mfiffen wir au^ swtfc^en i^m unb 
ben ft(^ t>eränbernben 2>ingen tin uniDeränberted S3erän^ 
bembeä annehmen; weld^ed in berfel^en Dualität befiäti^ 
big ^tx^axxt, nur in berfelben SSeife beßänbig im ftreife 
bewegt wirb ; wel^^ed ba^er au^ wo^I t^ätige, aber nt^t 
leibenbe Dualitäten l^at ^}« 3n einem gewiffen ©tnne 
behauptet nun 3bn SRof^ib fogar ber ewige ipintmtl unb 
bie t)ergängli(^en 2){nge fiätten xtii^ti mit einanber ge^ 
mein; aud^ SIRaterie unb Mxptx fonnten bem Fimmel 
nic^t in eigentlichem &innt jugef^irieben werben^ ün 
^mit, auf wet^ien er grof e^ (Smiifyt legt unb über mU 
ijftn er erfi ttaify langem 92ac^benfen bad SRici^tige gefttit^ 
ben ju l^aben gefleht ^l^ SQ3enn bie SD^aterie aH iai 
^ @ubj[ect bed Sntflei^end unb SSergej^end gebatikt wirb^ fo 
fommt fte bem ^immel nicl^t ju, weil er Weber entftatt^ 
ben, nod^ 9ergäng(id^ ift; nur fofem bie SD^aterie utt 
weitern ®im genommen wirb, oid ©ub/ect ühtx^avapt, 
fo bag ani^ bie S3eränberung bed SOxti baju gebogen wirb, 

1) De subit. orb. 2 fol. 5 col. 1 sq.; in met VIII fol., 103 
col. 4. 

2) De subst. orb. 3 (in. Aeternum et non aetemum non 
communicant in aliquo omnino« 




1S3 

ttüfTett tDt( bem |)immel SRotevte UiU^ta ^3« 3tt tiefen 
Sepnmungen liegt e« nod^, baß bie ÜRaterie be« ^im^ 
wii unb ber irbif^ett jDinge Derf^iebene Shrten bcrfel^ 
ien ©ottung {tnb; a6er an^ jiiermit ift 3(n9tof^ ni^t 
)8{ttebeti; er fu^t t)ielme^r eine anbete Se^re gettenb jn 
«ai^en, iDelcf^e wn einer tDeitem SBebeutung ffir fein 
Hmuti @9{tem ifL 3n ben Unierft^ieben ber 9rten, 
trittst berfel^en ©attung attiifyixm, liegt lein ©rabuni« 
tofi^ieb ; e^ gte(t imter ifmen xdtfyti ^o^mt unb 9{ie^ 
Hta, ni^ti grfi^ere« itnb @p5tere«. SKer einen fol^ 
^ ttnterf^ieb l^aBen toix ^nnfcl^en ber üßaterie be« ^inu 
wäi unb ber irbifi^en 2}tnge anguerfennen; benn ^t^tt^ 
falten f!<l^ xoit Urfad^ unb SSBtrfung gn einanber; jlene iß 
)j^tr ate biefe« SQBtr futben einen f Olafen Unterfi^ieb on^ 
i» anbern S)ingen, tt)elcl^e tvir mit bemfetten Segrif ju 
iQet^ett fliegen« 2)a« $ener )* S« nennen n)ir tvarm; 
, idber ed ift^^efmei^r bie Urfaci^ aller Wimt unb ge$t 



1) Ep. met. fol. 175 col. 3. Patet crgo^ quod, cam dici- 
tur xnateria de corporibus coelestibus et de corporibus genera- 
büibus et corruptibilibus, dicitur quodam aequi^ocationis modo. 
Duo ergo sunt genera materierum unum scilicet , quod est sub- 
jectum transrautationis substantiae et proprie nominatur materia ; 
afia Tero est subjectum aliarum transmutationum et nominatur 
proprie 9 ut plurimum, subjectum« De subst. orb«6. S)Od^ ßn« 

bei it(^ im ^pxa^Q^hxavi^ ^ietüber SSertDinung. S)ie Wlatnie 
M ^immeld fott gar fem SSetmögen i^aben. In metaph. VIII 
fol. 103 col. 4. @te toit^ (tet ^ctper genannt, w&ten\> an an« 
bem Orten bad (Segent^eil fle^t. @etbfl ©ubject fod fte ni^t 
Hifen. De subst orb. 1 ^1. 3 coL 4. X)er f){mmel iß ni^t 
(oa 9){aterte unb %ütm, fonbetn aud ^ör))ec unb %cxm ^ufam« 
mengefe^t. Metapb. 1. I. Tlan batf i^iet^cn tt)o({ eintged auf 
bie Serwirrung ber Öbetfe^ungen fc^ieben , aber S^wnlid^ allfe^. 



134 

aütn äfingen wannen jDtngen bem ^Begriffe m^fy wx^tv* 
@oI(^e ttnterfi^iebe nennt nun 36n 9iof(^b Qnterf^iebe 
nac^ bem grünem unb ©potenu %vi^ auf bte fSHatctit 
be^ ^immtU unb bet irbtfd^en SMnge finben fte i^xt 
äntoenbung« 2>{e Materie betf «^imnteld f^et^t nur Ui^ 
wegen äßaterie / weti fte ttrfa^e aQei: SRatene tfl« Swi^ 
f(^en beiben Sßatetten ifl ein Unterf^teb bem Supern 
unb bem @))ateni nad^ 0« 

SBenn nun aber 3bn Slofd^b auf fol^e SSetfe ben SSt^ 
griff be^ ^hnmelö iber ba^ 9Ra§ ber ftnnlic^en jDinge 
itt er^ben fud^t, fo fhebt bie6 ba^tn feine getfKge fRotor 
außer aUer Serfif^rung mit ben UmooQfommenf^eiten bet 
S3eft ftd^ itt benfen« Sir ^ben bem ^immel etite 
@eele beigulegen^ weil er ftd^ felbfl bewegt* 3wax 
^angt feine ^Bewegung wtt bem erften Seweger ab, 
aber nur wn bem Verlangen; welc^e^ er naify (Sott 
^at, x&^xt feine Bewegung f^er, er bewegt ftif^ alfo 
feI6fl burd^ fein eigene^ Serlangen» SSeriangen je^ 
bod^ berufft auf @rfenntni§ unb 93erf!anb/ unb ber 
^imme( mu§ be^wegen nid^t nur @eele, fonbem an^ 
SSetjlanb l^aben ^3« Durd^ biefen ^ängt er mit ® Ott ju^ 
fammen unb ijl er ba^ »erbinbenbe ©lieb jwifd^en @ott 
unb aSeft, weit aKe SBirflitfifeit ober gorm »om Ser^ 
{lanbe be^ J^immel^ au^ge^t« S^m barf nii^U unbefannt 
fein; tjielme^r ftnb ©erftanb unb SScrflanbene^ in ifim 



1] De an. beat. 1; de subst. orb. 1; 2 fol. 5 col. 1. 3ur 

(vrflärung be^ Opra^gebraucf^d ^(xqL destr. destr. fol. 43 col. 1 ; 

ep. metaph. foi. 183 col. 1; in melaph. VIII fol. 101 col. 3. 
2) De subst. orb. 4; ep. mel. fol. 181 col. 3. 



IS» 

mi, @eut unb Z)enfen ba^f^I^e^}* jDer {)immel erfennt 
li^t bm^ etnen feiner S^^etle, n>ie ber ÜRenf^^; ev er^ 
fmnt beffer al^ bie @eele; aUed erfetmt et mi feinen 
.Qifa^en^}. @orgfäIttd entfernt 3(n Stof^b jieben ®e^ 
bonfen an trgenb tint UntobKfommenl^eit btefe6 SBerßan«» 
Ui* (Si iß einer ber ^aupbpmüt feinet @treitö gegen 
bie frfi^em Slrabifcben llri jlotelifer , befonbert gegen 3bn 
6ttta/ baß er niifyt jugeben wiK, bem ipimmel fontme 
SittbÜbungdhaft ju ; benn bie (Sinbübungdfraft l^ingt mit 
bem &inn )ufammen unb btent ba^er nur jar Srl^altung 
ber oergängli^en Singe« jDem SBerßanbe be6 ^immzU 
wti^nt bagegen eine unenbTi^e Jtraft bei/ weil er bie 
mtenbltc^e ä3en)egung ber 3BeU regiert; eben beömegen 
«tt^ et of^ne Wlattvit fein, benn ber SSflattxit tonn ivx^ 
«er nur eine enblid^e Araft beiwol^nen ^}. 2)urd^ feine 
«Einheit bilbet biefe äBeft bie Sin^eit einer ^erfc^aft, ei^ 
«e« SRei^e^ % ^an »irb e^ ali leine SSef^iränlung 
rnife^n, baß i^m bie Srfenntniß be^ Sefonbem abge« 
fpro^en wirb; benn biefe ©rfenntnif würbe SinbWbungö^ 
fraft ^orau^fe^en* Sluö bemfelben Orunbe, au« weld^em 
3bn aiöfd^b ©Ott bie erfenntntf beö 9liebertt in biefem fetbjl 
abfpra^, bamit er niij^t abl^ängig in feinem 2>enfen joon 
ber ttiebern SBelt erf^iene, au« bemfelben ®runbe fann 



1) De subst. orb. 1 fol. 4 col. 1; ep. met. fol. 183 col. 3; 
de ao. beat. 4 fol. 65 col. 3 ; ep. de comra. int. abstr. c. hom. 
fol. 67 co]. 3. 

2) De subst. orb. I. I.; ep. met. fol. 183 col. 2. 

' 3) De subst orb. 2 fol. 4 col. 3 ; 3 fol. 5 col. 2 ; ep. met. 
fol. 181 col. 3 ; 182 col. 3. 

4) Ep. met. fol. 182 col. 4 ; 183 col. 2 ; destr. destr. fol. 24 
col. 2 sq. 



136 

er (em SSerflanbe iti ^immtU au^ nic^t bie (BxtmtiU 
niß tet etnjelnen S)tnge in t^nen felbft jugepefim Shicft 
bie (SxUmtni^ be< Slllgemeinen fann er i^m nui^t (eite'' 
gen; er UyaupUt ^^telme^r; bap er in einer SBeife^ er^ 
tenne^ toü^ über ben ©egenfa^ be^ Sefonbem unb be« 
SlUgemeinen f^inauöge^e^ fo tok au^ ©Ott eine foI4^ 
@rfcnntnip beigelegt toixb 0« Stdeg Srfennen iß nur in 
einer Stiftung auf [x^ ober auf bat $f ^ere ; bie pokern 
^ SQSefen erf ennen bat 9liebere ni^t aud i^m , f onbem aai 
feinea ^f ^ern Urfa^en« {)ierauf 6eru$t bie Seffre, »)eU^ 
bem 3^n Stofc^b unb anbern Slraiif^en Slrifiotelifem ofi 
gum S3orn>urf gemalt tt^orben ijl, baß bie SSorfe^ng 
©ottet unb ber Jioffern SRä^te auf bat (Singetne ftd^ nid^t 
erftrede. @ie |iat einen gang un^erbäd^tigen S^arafter* 
yiux 3oor |tnnli($i großen 93orfte((ungen toon einer itiüiiff 
erfchnenben 93orfe^ung foU fte warnen» S)ie S3orfe{iiuig 
für bat Singelne gieH fte fogar gU; nur baß fie ni^t aut^ 
gepen fod i)on ber Srfa^rung bet ^titlii^tn, fonbern nur 
)oon ber Srfenntniß ber Urfa(|iem @ogar bat UM mU^ 
^et bie ntebern teienbigen SQefen trifft/ n^iffen bie l^jk 
^ern Wlä^U unb fud^en bagegen ju f (fluten, a(er i^re 
(Srfenntniß betfeti&en unb i^re @orge bafur. rüprt nv^ 
ia^tx, baß et eintritt, fonbern nur aut ber un)>eränber^ 
iii^tn SOBifTenfd^aft/ n)e(d^e ben ^o^ern SQBefen beimofint; 
benn et ijl unm^gtid^; baß ettt>at t)on einem erfennenben 
principe au^t^t unb baß biefet j[enet nic^t erferinc^)» 



1) Destr. destr. fol. 27 col. 4; 54 col« 2; 55 col. 1. 

2) £p. met. fol. 183 col. 3» Sed iaisum est, quod proce- 
dat aliquid a cognoscente, inquantum est cognoscens, et non 
cognoscat illud. Ib. fol. 185 col. 2 sqq. 



ik^ 



137 

SRan batf nid^t t)evgefrett, ba§ äffe tiefe S3e{ltmmutt^ 
gen üitc bte pfi^ere iRotut/ toon »eichen bte 2)mge un^ 
t(t bem 9Ronbe abffängcn; bod^ nur Qma^t mxim um 
tte (Scfc^einungen bei: !lRenf4ientt>eft }tt begreifen. S3ei 
kr 9etra4itung berfeKen Id^t 3bn 9{of^b ben ©ebanfen 
Ott bie gorberungen ber Sßi{fenf4iafi nicbt außer 9ugen« 
3n äffen Z)ingen ift eine gottlid^e t(b|td^t, tt^e(4ie im %H^ 
gemeinen barauf outge^t, baß bie gormen, »)el(^e ber 
Sottmig na^ en^ig ftnb, »)ie bad Slffgemeine/ ju einer 
(6d^ßen ittbii)ibtteffen gorm auffleigen [offen um (n t^r 
affed }tt erreiilien , xoai innrer 3latwc m^ miiM^ i{l 0« 
Son ten irbifi^n S)ingen i{l biefe inbii^ibueffe gorm 
ber menf^Ii^e Serflanb , ml^tx ba^n befiimmt ift oUe 
gSttfi^e Sonnen ft4> anjueignen, fo ti^tit ed bie ))ergangtf 
W^ 9tatur ber S)inge unter bem SRonbe geflattet @ie 
geftottet iebo^ nur ju erfennen in ber SSeife bed 93er» 
gingli^en, )>on bem ^o^ern ba^u befHmmt, t)on i^m 
em})fangenb* 3n biefer SßJeife foff ber menft^K^ie aSer^ 
ftanb aUti erMiden, nic^t affein ft^ felbjl; fonbern ani^ 
iai ^ö^ße, ben t^atigen SSerjlanb/ unb in ifim m^ 
Ui tßiebere, atö in beffen Urfad^e/ alfo au^ iaS, toa^ 
ni^t erfennMr iji in ft($i, n^eil eä o^ne 93erftänbmß fei^ 
ner feftjl iji ^3, 2)enn ber aSerjianb affein ifl 5[>erfianb^ 
li^« 3nbem nun ber menfd^ß^^e 93erfianb toom t^atigen 



1) De an. beat. 4 fol. 66 col. 1. 

2) Ib. fol. 65 col. 4. Intellectus intelligU agens primum et 
omnia secunda et se ipsum et simililer, quae non sunt aclu in- 

telligibilia , reducil ad intelligibilia actu. Yerbi gratia 

bpis et terra nascens sunt intelligibilia i id tarnen | quod ex eis 
intelligitUFi non inteUigit. 



438 

SSerftanbe ent)>fängt/ tDivb er mit bem t^&ti^m SSerftanbe 
t)er(unben unb al^bann ftnb ^rfannte« ; matttitUtt ' unb 
tf^ättger SSerjlanb ein« ^). 60 btent ber mm\^li^t Ser* 
flanb sur Sr^dung ber ®rabe iwi\^tn ben gen^orbenctt 
2)ingen unb bem Smtgen, nimmt a(er an(fy e(en fcrätt>e^ 
gen bie ganje l^üde unb Drbnung ber SBeft in ftif^ attf, 
tt)el(^e ballet auc^ t)on ber anbem ®Hit im t^atigen SSer^ 
flanbe eben fo »onpänbig au^gebrßtft fein muß ^. ' 
6tne bef onbere ©orgfatt n^enbet nun 36n 3lof(|b bat^^ 
auf bie 9latur unfere« SBerfianbe« m\> feiner S5er|5Ttntffe 
in ber SQSelt ju erforf^en. 3tn aSenf^ert unterfci^ei^ett 
toxx ÄJrper unb ©eete , wttä)t wie 3)?ater{e unb gorm, 
SSermJgen unb »ijcÄid^e SCffättgf eit |t^ ju einanber im 
baften. ^eind ^on biefen beiben fann t)ergfingl{^en ZHm 
gen festen 5)* Sn ber ©eete aber finb n^ieber ©inn unb 
SBerpcinb ju unterfd^eiben , »on ivetd^en jener bad Sinti* 
lici^e, biefer iai Uberjtnnlici^e, 3ntentg{6Ie erfennert fotl* 



1) Ib. fol. 66 col. 1. Nam erit tunc intelligens intellectus 
malerialis; res intellecta est (I. et) agens et inteNectus erit in- 
tellectus materialisy et haec sunt unum in esse et tria in dispo^ 
sitione. 

2) Epist. de intell. fol. 6T col. 4 ; epit. met. fol. 183 col. 3. 
Et quia intellectus noster in actu nihil aliud est; quam com- 
prebensio ordinis et rectitudinis existentis in boc mundo et in 
qualibet ejus parte et cognitio cujuslibet rei in eo existentis per 
suas causas propinquas et remotas ita, quod cognoscat totum 
Universum, sequitur ergo de necessitate, quod quiditas intel- 
lectus agentis bunc nostrum intellectum nihil aliud est, quam 
comprebensio barura rerum. 

3) Ib. fol. 1T5 col. 2; 1T6 col. 1. 2)te ©cele tt)ttb 0U(^ 

©ubftanj unb actio ober perfectio corporis genannt. Met. vni 

fol. 101 col. 3. 



^ 



459 

3cne« ift ttnr tai Sttd^en t>tx ©ad^e, btcfej bte @ad^e 
fdbfl ^)» ©te Slot^wenWgfrit ben SBcrflanb t)om @tnn 
jn ttttterf(^tbett fud^t 3(n 9tof(^b auf ^^erfd^iebene 9rf ju 
ieweffm. 9lur bai aQ3t(|it{gfle ba^^on ^eben totr an6. 
Der €{nn iß an^geireitet im ftorpet/ bad fann a(er bet 
Serfhmb ntd^t fettt; tt)etl tx fonft au^et @tanbe fein 
»firbe mehrere unb entgegengefe^te Rennen gu vereinen; 
wie et bo<^ mu^, n^entt aQed gu erfennen fetrie Seflim« 
mmig iß. S>a$er barf aud^ unfer Denfen nid^t an ba< 
8e|^ni getunben fein «)♦ ©oraflglid^ a5er legt 3bn Slofc^b 
bormtf ®en)i(^t, baß unfer IBerßanb ^^ fel^ erfetint, 
I9el<^e0 bem 6{nne nic^t gelingt, mil er *eine im StÜt^ 
frt ge^unbene Jtraft i^, beren ^citigfeit immer nur auf 
ein iuf ere6 ge^en fann ^. ^an fam fagen ; hierauf 
ierul^t i^m bie ®umme feine« S3egnft 3oom 93erflanbe; 
berni in ber ©ettflerfenntniß finbet er äße GFrlenntnif ♦ 
(ft beruft |id^ baffir auf ben ©prud^ be« göttlichen ®e^ 
fefe«: Srfenne bid^ feftjl unb bu toix^ beinen ©d^Spfer 
erfennen, unb erMtdEt be^wegen aud^ bie ©rnnbfä^e ffir 
bie Srfenntnig ber ^ß^em SBefen in ber Ce^re wn ber 
6eele % 3li^t weniger berulpt ipm hierauf bie wapre 
Sereinigung be« materiellen mit bem t^citigen SBerftanbe. 



1) Epit. niet. fol. 175 col. 3. Esse intelligibile est sensibile 
eo, quod notificat ipsum et facit intelligere quiditatem ejus; 
hiDc dicitur, quod intelligibile ipsius rei est ipsa res. 

2) De an. beat. 2 fol. 4 col. 2 ; deslr. destr. fol. 60 col. 4. 

3) De an. beat. i. 1. Si esset haec virtus in corpore, -— — 
non apprebenderet se ipsam , quia vides formas sensibiles ma- 
teriales non se ipsas apprebendere et finis cssq oarum est ap- 
prebensio alterius rei a se. 

4) Epit. met. fol. 182 col. 3. 



440 

S)em tpttgett SSerflanbe fommt ti notfin^enbig }tt {t($ 
fel(fl 2u orf ernten; eö iß bied feine ^dent^umli^feit luib 
iai (Eigentfifimlid^e fann mit bem @u6j[ecte/ iDel^^ ti 
eigent^fimli(| ift , in ber Qmf e^ntng ber SA^e gewed^felt 
«Derben; ba^er erfennt ber reine abfiracte SBerßonb ftd^ 
feKfl, unb umgefei^rt i{l aud^, n)ad ftd^ \tV>fi erfennt/ 
reiner aißracter SSerftanb^}» (Si fliegen i^ierauj aber 
aud^ bie ©ä^e, baß ber SBerftanb an feinem @ttbj[ecte 
l^afte unb baß auci^ nid^t einmal bie ©eete aU toa^xtt 
@tt(iect bed SBerftanbeö gebadet «werben bärfe, bap er ein 
reine« SSermogen o^ne ade tpeitere ©runbtage fei^« 
3BaS nnn 3oon ber ÜRaterie beö ^immeld gelej^rt xowA^, 
bai gilt au($i toom S3erßanbe; materiell unbemj^fangenb 
n>trb er nid^t in berfeKen S3ebeutung genannt/ n)ie ber 
Sinn, fonbern nur nad^ bem S^lfi^rfein , ml^ti ber 
Urfad^e {ufommtt @(en fo xotnxQ barf i^m tin Seibeti 
in eigentltd^em @inn gugefd^rie^en n^erben, mit niilftt 
toon ftd^ felbfl leiben fann unb iaS Srfennen fein Seiben 
ifl. Slud^ \oU er nic^t toeränbert n)erben, fonbern inbem 
er erfennt/ nur ba« in i^m }ur SSirfüd^feit Ummm, tt)aS 
er ift; benn nur belegen fann er iai (Steige erfemien, 
mit er feftfl ewig ifl '% SDie t)emunftige ©eete ifl nem* 
lid^ intern SQBefen m^ nid^t entftanben/ fonbern i^re ®e« 
burt ijl nur i^r (Singe^n in bie ÜRaterit; fte ifl ein« unb 

13 De an. beat. 4 fol« 65 col. 4. 

2) Ib. 2 fol. 64 col. 2 sq.; epist. de intell. fol. 67 col. 2. 

3) De an. bcal. I.I.; fol. 65 col. 2; ep. de int fol. 67 coLl. 

©ajer UüiQt er aud^ ben Slu^brurf intcllecius passibilis nwjt/ ob«» 
glei$ er t$n in feinem Kommentar ^ur ©d^ttft de anima gu ge* 
brauchen nid^t umgeben fann, iebod^ getoo^nlic^. einen mornenben 
3ufa^ mac^t 



«ik 



141 

ixt SStel^dt i^xtt Wdiutt tüixh i^x nnt wn ttnferm 
•^Bttftanii (etgelegt 0« UnfitetHg f^dt in tiefen Sfi^en 
bie Se^re ^ti Slnftoteled t)on ber Snergie unb bem t^fi^ 
t^en Setfianbe i^xt SSitffamfeit; bod^ ge^en fte ao^ fitor 
bie ®ren)ett ^imui, toäd^t %xi^ottUi in feinet befonne^ 
iteti t»iffenf4^aP4^en Haltung {t($i gefledt $atte; in bem 
Sifer bem iBerflanbe ein jDodfommen n)a]^te4 Q^rfennen 
tmntiQnm nehmen bie Slu^brfidEe Ui 3bn 9{of^b faß ben 
S^after neu))Iatontfd^er ©ebanfen am 
^ . ^an maQ l^ierin ükrtrei(ungen ftnben, n^el^e bet 
jDoörßeQungdn^eife be6 Orientalen )u toerjeil^en ftnb« 2)en 
eigeniß^en @inn feiner Seilte 3oom menfd^Iid^en ^fennen 
mi(b man ft^ erft entjif em f fnnen , wtnn man fte im 
Snfammeni^ange mit feinen Snft^iten wm äBeltf^jlem be^ 
traj^tet^ 3n biefen mt er o^ne aUti @d^manfen an ber 
iKersettgnng fefl/ baß auf biefer Srbe aUti in Sntßel^en 
mib Serge^en i% unb [(fließt ftd^ ber Stiftung ber Se^re 
an, ml^t mix »on 36n SBabf^e|> befonber« ^txlxtUn fa^ 
|ien; baß aUti nur in einer aQmaltgen Snttt^tcHung ftd^ 
Mibe» 3ebem ©^>runge in ber Statur ijl er feinb« gur 
aUti, mai gef^ie^t, mu^ e^ einen t)or^erge$enben 3n^ 
flonb geben/ miU^x ba^ ©efci^e^enbe m^gli^ ma^t unb 
»erbereitet 2)* 2)iefe« ®efeft gilt für ben SSerflanb be« 
SWenfd^en, »ie für alle« Übrige* SSor feinem mixUii^tn 
Srfennen gel^t feine Vorbereitung (dispositio) jum Qx^ 
fennen t)orau«» SSSlit ffit^t mixi ber 93erftanb mit bem 
@inn barin t^ergli^en, baß gu i^m brei 2)inge geff^ren. 



1) Destr. destr. fol. 16 col. 3; 34 coL 2. 

2) Destr. destr. fol. 57 col. 4; fol. 58 col. 4. 



142 

ber moterieUe SScrftanb bem @tnne gletd^enb tt>ei( er bie 
Safitgfett {Kit ben ® ebanfen aufjunel^men , ber ^oerßanbige 
©ebanfe/ welcher bem ftnnlid^en (Sinbtude entfpvu|t/ uttb 
ber tfiotige SBerßanb, tt)el(^er ben 3oer{länbtgen ©ebanfen 
^er\)or(rtngt, n)ie ber ftnnltd^e ©egenfianb ben {innli(^en 
Sinbrud. 2)affer fann ber Wltn\(fy nur unter gfinfNgen 
Umfianben erf enneU/ unb ti gebort eine SSorbereitung ber 
@ee{e ba^u / ba^ fte i^re SBoOf ommen^eit erret(|fe ^}« 

hierauf (eru^t ti, ba^ er einen mittlem SQBeg ^voU 
fdfien ber Sef^re bed ^laton unb be« §(r{fioteIe« u^er M^ 
gemeine^ unb S3efonbered ju gelten fud^t^}« 2)aö 2)a^ 
fein adgemetner, abgefonberter ^S^i^tnen anjuerfennen/ 
f^eint i^m unerträglid^ ^3 / tt)o(ei tt)ir und baran }u er«> 
innern |ia(en, ba^ im SBerftanbe ©otted unb bed ^im 
meld ber ©egenfa^ iwi\^tn äldgemeinem unb S3efonberm 
Uint @teUe |fat. @eine ganje 9QBeUanft(|ft erfennt nut 
eine Orbnung einzelner ^äfte an« Dennod^ fann er bie 
SBaf^^eit bed SlUgemetnen ni^t ganjli^ leugnen, dx mu^ 
eingeftefin, ba^ mit ber SBa^r^eit bed allgemeinen aud^ 
bie SBa^r^eit ber SBiffenfd^aft, ml(i)t mit bem SKgemeu' 
nen [x^ bef(^aftigt, aufgeboten n^erben ttmrbe % (£r er* 
fennt baffer bie SQSal^rffeit bed SlKgemeinen an, {nu))ft fte 
a(er an bad S3efonbere, inbem er fie aU bie Srfenntnif 
bed S3efonbern in aUgemeiner Seife erflärt, n^el^e ber 
SSerflanb baburif» gen^inne; baß er bad SIKgemeine 3oon 

1) De an. beat. 3 fol. 65 col. 1 sq.; ep. de int. fol. 67 
col. 3 sq. 

2) Epit. mel. fol. 185 col. 1. 

3) Ib. fol. 173 col. 4; 174 col. 2; 178 col. 3. 

4) Ib. fol. 174 col 2. 



1^ 



143 

ben it^onitxn in htx SRaterte Qttfytilttn S>ingen a({h:a^ 
^tre ^). (S6 ijl bai^ev bad SUIgemeine im SBerftanbe/ aber 
au(| ni^t aQein im SSerflanbe ober ber @eele bed üßen^ 
ff^en, fontem ni^t weniger in bem t^ättgen S3erflanbe; 
toelc^er bie Urfa^en aUer SDinge in ftd^ entf^ätt; ba ifi 
tf fogor i>or bem Sefonbem aU bie Urfaii^e; opne n)eU^e 
bod Sefonbere gar ni^t fein tonnte ^}. 3)o(l^ )){Iegt 3bn 
Stofd^b tiefe allgemeinen Urfad^en lieber iai ^ntedtgible 
jn nennen^ wtil f[e bo$ immer nur im S3efonbem ftnb/ 
i^eild in ben p^^ern Säften bed ^immüi , n^eld^e na^^ 
oOgemeinen unb not^tt>enbigen ©efe^en bad 3rbif(]^e be<> 
^d^en, ti^eitö in ben irbif^en S)ingen, in n)el(l^en biefe 
@efe$e fu| nur in befonbern @ubj[ecten tDcOit^litt unb tai 
m^n Sßefen biefer €ubj[ecte bilben«. 3n jienem aber ift 
Ua 3nteUigibIe ett)tg unb unabtrennbar^ wn biefen fann 
tf getrennt werben , fo wie bie formen fetned @einö 
toe^^feln; unb ift bal^er in iffnen nur auf eine toergäng^ 
li^e SBeife 3)* di »erfnin^ft fid[i biefe Sc^re mit bem 

1) Destr. deslr. fol. IT col. 1. Scientia autem non est seien- 
tia rei universalis, sed est scientia particularium modo univer- 
sal!, quem facit intell^ctus in particularibus , cum abstrahlt ab 
eis naturam unam communem , quae divisa est in materiis. 

2) Ib. col. 2; epit. met. fol. 173 col. 1; 174 col. 1 sq.; foL 
183 coF. 1. Universale adhuc est prius particulari , nam si au- 
feratur uuiversale, tollitur et particulare. 

3) Ib. fol. 175 col. 1 sq. Intelligibile ipsius rei est ipsa res. 
Ib. fol. 178 col. 2 sq. Inest autem actus et perpetuitas bis (sc. 
rebus transmutabilibus) ex co , quod sunt intelligibilia , non ex 
eo, quod sunt, aliter enim universalia essent separata, et boc 
non cognoverunt ponentes ideas. Sed si tribuitur eis istud esse 
extra intellectum, illud fit ex eo, quod babent potentiara ad hoc. 
Nara si non baberent aptitudinem ad hoc, tunc id, quod in- 
telligeretur de eis, esset inane. 



144 

Unterfd^iebe s\vtf(|iett bem %t^txn unb @))aient; n^et^en 
toit f^on früher ttttioiäilt ^ben; aber aud^ mit ber'Sei^re/ 
ba§ bie bewegenbe Urfad^e nur bie formen mi ber SWa« 
terte giefie , tpeld^e fte ttt i^r ftnbe« 3u ber Srjeugttng 
etttcr üebctt gorm auf ber (Stbe ßel^Jrt eine joon ber SWa* 
terie freie gorm im Spimmü, mi^t benfelben 9tameti 
fftprt, obglei^ fte tn ber Xfyat ^^txtt %xt ifl; ed Qt^M 
ba^n aber aud^ eine trbifd^e SRaierte/ n^el^e gebilbet mirb, 
unb bie Urfad^e ifl/ baß j[ene i^f^ere gerat in biefem be» 
fonbem gaffe in einer befonbern SBeife n){rft» ©o ö)irb 
i. 93. ber befonbere Sßenf^ t)on ber @onne i^ersoorgebro^t 
unb wn ber SRaterie, tt^el^e ein anberer befonberer 
ÜWenfi]^ barbietet, baß |te wn ber ergeugenben Äraft ber 
@onne belebt noerbe^ Sluö bei6ett Urfacben befonberer 
3(rt gebt nun ba^ SSefonbere b^^o^; ^ber nebenbei er» 
S^ugt ft^ ba6 Slffgemeine^ tveil bie fif^ere wirffame ^aft 
iwax mi biefer beftimmten üRaterie unter ben gegebeneit 
Umfiänben nur iai S3efonbere pertoorgte^en tarn, aber 
auify fonfl anbereö ^tt^oxi^k^m f^nnte* S){e in einem 
befonbern SBefen n^irffame Sraft ber @onne erfcbeint nun 
(Ai eine affgemetne Sraft, mit fte in einer anbem SRa^ 
terie an^ einen anbern Wltn^tn bilben fonnte ^). (&in 
®runb biefer Slffgemeinbeit liegt nun aucb in ber Wia^ 
terie; benn fte mup aU Urfa^e angefe^n n^erben, baß 
bie eine ^aft iti immaterieffen ©runbeö in ^itim be^ 



13 Epit met. fol. 185 col. 1. Formae separafae genernnt 

formas in materia. Individuum ergo hominis, quod ge- 

neratur per se, generatur a sole individuo et ab bomine indi« 
viduo, illud vero, quod generatur per accidens et est ipsa hn- 
manitas, generatur ab ipsa bumanitate exspoliata a materia. 




145 

fonbent (^jeugnifTen {t(^ tvirffam e(it)ei{l, unb fte fann 
ba^er otSbte allgemeine ©attung betrautet tt)erben, an 
t^el^e 4)te befonbem gormen aI6 Unterfd^iebe ft^^ an^ 
fc^Iteßen ^3. S)a^er f))attet ft^ benn aud^ bte @rfenntnt§, 
meiere in ben immateriellen S)ingen nur eine ifl, erfi in 
beR materiellen SQeftn gu einer (Srf enntniß beö Sefonbem 
mib be« allgemeinen ^)* 

^ biefer Cej^re bed 3bn 9tof(]^b ift nmi eben fo, mie 
in ben Se^ren ber frühem ürabifd^en 9(rifloteIiTer, ^on 
einem (Einfließen bed |iimmlif(^ett ober t^fitigen SBerfian:: 
be^.in bie @ee(e bed fOltn\^tn bie Siebe; aber e« flelKt 
ft$ ba^felbe m'd[it ali etn^a« äBunberbaretf bar, fonbem 
att tin Vorgang, ml^ an bie getofffnli^en (Sntxoid^ 
(tingen beS 92atur))roceffe< ftd^ onfd^Iiept. 3n j[eber üßa« 
terie ift eine befonbere Einlage; {te }ur Sirf(i(^feit ju brin^ 
gea i(i ber 3n^ed ber erjeugenben SSirffamfeit bed $im^ 
weit, tt^eld^e ütbi^ibueOen SSefen beiwoi^nt, aber t>on 
aSgemetner Slrt i^, t»tit {te ^itU befonbere formen ^er^^ 
)>orbringt/ obgleid^ fte überall burcf^ bte äSerfd^tebenbett 
ber Materie bebingt nur tin befitmmted Srjeugntß }u i^rer 
SSirfung ^at 2)aä GFrgebmß ift nun ein mittlere^« @^ 
»irb ein inbi^ibueSe^ SSefen erzeugt, ml^t^ aber eine 
aKgemettie 9tatur an ft^ trägt/ mit e6 nad^ einer im«: 
materieden 3bee beö erjeugenben SSJefen^ gebtibet n^orben 



1) Ib. fol. 174 col. 4; de an. beat. 3 foK 65 col. 2; epist. 
de iat foj. 65 col. 1. ■ 

2) Destr. destr. fol. 55 col. 1. : Demum existimaot» quod 
jam uniuntur ambsie scieatiae, UDiversalis et particularis , in 
sttbstaatia separata a m^tteria. Et cnm influit hanc ^ientiam 
ei^ quod est bie, diyiditur ad .uoiversalejn et particuiarem. 

®ef(J. b. WU VIII. 10 



146 

{{I; Um birfei in^MimUt SQBefen in feiner ttieugenbeis 
2:$5ttgfett wn ber gegebenen ÜRotene obpfingig Umtt 
nt^t bad ©onje feinet ftraft in fein 93erf legen« 

2)iefe 3lnft^t )»on ber SQ3iffenfc|^aft, toie ße onf ber 
Srbe ftd^ iüM, f at nnn einen ganj lo^mologif^^en Qf^« 
xafttx* ^a^tt ma^t aucb 3to Slof^b i^te (£ntn^id(ung 
gan} unabl^fingig t)on bem Seben betf einjelnen iDtenf^« 
3n bem @ebiete ber (&be gemattet ffe ftif^ m^ bemfUben 
enngen ©efe^e, nad^ tDeltbem fte in aOen Greifen ber SDBett 
iß« (S& i{l bie« eine folgeti^tige 9udfä$ntng be« ©rrntb« 
fa^e«, baß bie äBifTenfdfiaft ®otte«, n^elcfie baö oberße 
$rinci)> oder S>inge ifl, burcl^ bie gan^e SOBett ft(|^ iti* 
firetfe; in einem Heben SQBettfreife nacl^ bem 3)laße feiner 
@te(Iuttg, in bem ^i^txn frfiftiger nnb einfa(]^er, in bem 
tiefem fd^wi^er nnb ger^euter ^)« S)iefer ®mnbfa$ aber 
ift ni^tö anbered ali bie foIgerid^Hge iDentung ber Smo^ 
nationtle^re anf bai iffieltfyfiem, tt^elc^ed bie Krabet 
fii^erltefert ermatten fiattem 3(n Stof^b unterfd^eibet {ic( 
liierin t)on feinen 93org&ngem nur babutd^, baß er m^ 
ber but(^ religidfe ÜfierKefemngen ftd^ toerleiten Ifißt an« 
bere )>$antaftif(|ie SBorfleUungen einjumifd^en/ nod^ wii^ 
ber Srfa^tnng fii^er bie 3)lenfd^enn)ett gemattet bagegen 
ftd^ }tt er^e^em jDa^er fo tDie $Iaton bie 3been, fo 
fe^t er bie 38if[enf4iaf^en ber 9Renf(l^en aU tlmai ^U 
get, wü^ti in bem äBeftiufammen^ange gu feiner 3tit 



1) Epit. met. fol. 183. eol. 3. Quodcunque igitur liorum 
principiorum separatomm , licet sit unum, ita quod intelligeiis 
et intellectum est idem io eis^ nibilo minus in boc praeeiceUnnt 
te invicem. Cui tarnen verios competit unitas^ est ipsum pri- 
inumi ddnde ^od fibi atsociat| nlox etiam quod Uli adbaeret« 



[^ 



147 

fehlen batf* Sie bfivfen Uim^tn ücn be« ^nbfeibuen 
m^^t abhängig fetn, n^etd^e entfiepen nnb uxQt^tn; nur 
bie Setbinbung; in tt^cl^cx fte mit bem ^laton nnb bem 
Sofrated auftreten, tß ^ergängtt^, im Slffgentetnen aber 
»erfleht bie 2Bf jfenf(|iaft auf GErben nie 0. «uf ber (grbe 
l^ nun aber ber SRenf^ bie einzige %xt, ml(fyt ber 9ßif^ 
fenf4iaft filzig i|}/ baper muß au^ bie ^rfenntniß in bie^ 
fer 9rt un^ergfingliif^ fein unb tt^enn ni^t bem einen, 
bod^ bem anbern 3nbit)tbuum julommen ^» 2)ie pokern 
ftrfifte ergießen beß&nbtg if^re Stnftd^t fiber biefe (Srbe; 
e< fann nicfit fehlen, baß fte ®efäße ftnben, toH(^t fte 
aufnehmen« jDte SSemunft erfc^eint bem 3bn 9{of((b nii^t 
weniger aU ein umoergangli^ed Seßanbt^eil be« Seit«' 
3^ammenpange6, aM bie Srten unb ©attungen, toti^t 
m äBed[ifeI ber Onbisoibuen bo^ immer erl^alten werben. 
Ifofi ^ierbur($i ifl ipm bie enotge unb nmn\UUi^t SBer^ 
iinbnng ber Srbe mit ben ^i^ttn Reifen ber 9Be(t ge^ 
fi^ert* 

Z)iefe allgemeine SQeltanfid^t beperfd[it nun aud^ feine 
Sepre t)om tpatigen n)ie t)om leibenben SBerfianbe. SSie 
po($i er au(|i ben t^iatigen 93erftanb fiatten mag, baran 
jtoeifeU er bo^ feinen Hugenblid, baß er nur ber m^* 
^en @f)pare angep^ren fann, iux^ tot^t bad Srbge^ 



1) Destr. deftr. fol. 62 col. 3 sq. Scientiae sunt aeternae 
et non generabiles nee corruptibiles, nisi per accidens, scilicet 
ex copulatione earum Socratl et Piatoni. 

2) De an. beati 2 fol. 64 col. 3 ; 4 fol. 65 cd. 3 sq. Et scias, 
qood noo est alia species, quae apprebendat intelligibilia, nisi 
homo. — — Similiter oportet, ut inveniantur aliqua individua 
in specie hominis , quae apprebendant hunc intellectum ex ne- 
cessitate. 

10* 



148 

iitt mit ben ^i^tm Sp^mn iti ^immtti sufammen^ 
liangt kt ftnbet wo^i feine afhronomif^en ®xünU, 
mi(fyt auf feine ^nft^t [i^ ßM^en, (a^ bet^ ^immet 
m Ie(enbige^ orgamf(|i geMtbete^ Sefen i^, um bte 
@onne unmittelbar an ben gixfiern^imm'el anjufc^Iie^env 
o^(ei^ i^re ©teile im aßronömif^en @9flem ^on i^tn 
bur^ "SJtittefgtiebev gefc^ieben i\t, baj^er fle behn au$, 
wit früher (emerft n^urbe/ na^ SfripoteUfc^er Seigre einen 
i&efpnbern (Stnflii^ auf bie SBilbung iti SDZenf^en itnb 
fiiter^aupt ber leknbigen SBefen auf ber dxit ffaknfbU; 
a(er ber^teic^en Setra^tungen galten i$in bod^ ni^t oB 
ben t^&tigen SSerflanb im SBetveger hti SDZonbe^ SU fu^ 
(igen ^3« SBir fepen ^kxan, ba§ er bie Srfenntnip be6 
^Renf^en boc^ ntd^t ju fio^ erfie^en tDill. B^av ift er ' 
n)eit bat)on entfernt irgenb etma^ unferer Srfenntni§ en^^' 
iiej^en }u woUtn , t>ie(me^r foK aU^i , toai mfglic^ i% 
einmal gefci^ei^n unb babur(|i ben ©innen unb bem Ißer^^ 
flanbe iugänglid^ mxitn, fonfl ^tU ®ott etn^a^ unnfi^ 
gemalt/ nur tfl aOe^ bied an feine natüvlid^en SorBerei^ 
tungen ge{nü))ft unb fann aOein mit ber Üteife ber Seit 
jur SQSirftid^feit fommen ^J» 

9lo$ auffaUenber tritt bie^ in ber Sefire ^om leiben^ 
ben SSerflanbe fierioor« &m Seßrekn i^n ots einen 
notfimenbigen X^tit be$ SBeltjufammeni^angd ju erfennen 
fu^rt ben 3(n 9tof^b baju ipn faft ganj t)on ben sufäOi^ 



^ 



1} Epit met. fol. 184 col. 4. Intellectus autem agens or- 
dinatur ex ultimo horum (sc. orinium) et poaamus ipsum esse 
molorem orbis lunae. 

. 2) De an. beajt. 3 fol. 65 col. 1 sq.; epist. de int. foL :€7 
col. 4 sq. 



i49 

^tn un^ )>erganglid^en 3nbtm'buen Ui^nUith. SSir fa^en 
f^öti; top er bie fpecu(aKt)e SSifTenfcl^fi aM etwa^ Un« 
Dtrgängttd^ed auf ber &be anfaj^; tt)e(($ed ft(|i ^Ib in 
biefem^ (olb in fthem SRenf^eti offenBare. (£i leitet t^n 
idM ber @ebanfe, baf bte (Erbe unb bod erlennenbe 
SSefen auf i^r eienfo ali tint din^tii iu beuten fei/ tt)ie 
ber ^tmmet 2)er tätige Serftanb iß eind , unb bal^er 
muf aud^ in feiner SSeriinbung mit bem materiellen 93er^ 
flanbe tint Sßirfung {t$ erjeugeni toeld^e oli ein 4 3U ben^ 
tat iß / n»enn gfei^ fte fiier toieTe 9)7enf((ett ft^ ^ctt^ttt. 
di i^ hiti ber f))eeutatitoe Setflanb/ tDel^ ol^ne Un^ 
terl^^nng ber &be ftd^ mitt^eilt unb ben tin i^m ent^ 
fpre^enber materieller SSerflanb aufnimmt/ fo ba^ aKe 
Stenfd^eh nur einen gemeinfomen Serßottb $iaM* Seibe, 
tätiger unb letbenber SSerßanb/ {tnbeio>ig; nurberertt)or^ 
iene 93erfian6 ifl jmar anify gewifferma^en emig/ tt)ei( er 
im SOgemeinen bem SJfenfcfiengefd^ted^te niemals fei^len 
hm, aitv bo^ au^ \)ergang(t^, tpeil er in ben menfd^« 
Kd^en 3nbtt)tbuen entfielet unb toerge^t 0» 



1} De anima fol. 164 b. Dicamus ergo dos manifestum 
esse ipsum hominem non esse actu intelligentem, nisi propterea 
quod copulatur cum eo intellectus in actu. Estque rorsum ma- 
nifestum materiam et formam ita simul conjungi et unin, ut 
aggregatum ex ipsis efficiatur quid unum et praecipue ipse in- 
tellectus materialis. Ib. fql. 165 a. Existimandnm est in anima 
reperiri tres partes intellectus. Prima est ipse inteUectas reci- 
piens, secunda vero ipse agens, tertia vero est intellectus adeptus 
seu factus. Et borum duo quidem sunt aeterni, nempe agens 
et recipiens, tertius vero est partim generabilis et corruptibilis, 

partim vero aeternus. Ex boc dicto nos possumus opi- 

nari intellectum materialem esse unicum in cunctis inditiduis, 
possumusque adbnc ex boc existimare bumanam speciem esse 



150 

an biefem (e^ten Sepi:))unfte wixi man UmtxUn Uw^ 
tten, xoU ^tnan bie {o^moIogtf(|ie 2)arfleOungöwe{fe btefer 
Se^re mit ben meta))^9ftf^en ^ntnbfä^en in ißer(inbung 
fit^U SRoterte unb gom ftnb beibe emig, nur bie S3er« 
binbung beiber in ben einjelnen SHngen entfielet nnb ^tt* 
Qt^t, wenn fte aud^ im flKgemeinen in ber SQSett }u fein 
nic^t anfangt unb nic^t aufbort« (Bi ift nur eine ^nmn^ 
bung biefeö meta))]^9{tf(j^en ©runbfa^e^ auf bie Setrac^ 
tung ber (Srbe in ifyxm SSerpattntffe gum i>immtl, totnti 
3bn Sftof^^b forbert, ba§ bie formenbe Äraft be« C>iwf 
mefö bie i^r ))affenbe STJaterie 3U jeber 3^it auf ber (Srbe 
ftnben mfiffe, xotnn an^ nid^t an biefem, bod^ an jenem 
£}xU, unb bap {le al^bann aud^ bie 9)?enf(^en ftnben mfiffe, 
in ml^tn jte bie Srfenntnijfe unb ftünße fier^orbringen 
fonne; xozl^t bie fidd^fien (Srieugniffe i^rer ^aft auf (St* 
ben ftnb. 2)(efe (Srgebniffe be6 meufd^Iicfien ©eified wer^ 
ben ali tttoai ber SRenfd^fiett SQSefentlic^ed angefel^n, toai 
trgenbtt)o auf ber bemopnten Srbe immer ftd^ ftnben 
n>ürbe ^)* Slud^ bie SSeretutgung ber Slrtßotelifc^en unb 



aelernam. Ib. fol. 165 b. Hac ergo ratione possumus dlcere 
intellectum 5peculativum e$se unicvin in cunctis individuis. De 
aa. be^t. 2 fln.; ep. de int. fol. 67 col. 3; destr. destr. fol. 6l 

col.'S sq. jDtefe berüi^mte Sef^re )>ott ber^itt^eit Ui nan^äfU^tn 
^erflanbed kt)trb ü^ciaen^ aud^ bem 3^n Xoftit, bem Sbn $abf(^e(. 
unb bem 9l)Dicebron )ugef((rie&ett (Mos. Maim. doct. perpl. I, 74 

p. 171; Albert Magn. de nat. et or. an. II, 4; de unit. int. c 

Averr.4 u. fonß); mit tt)e(cl^em Siedete !ann i((» nt((»t unterfuc^en^ 

1) De an. fol. 165 b. Nam quemadmodum scientia et 
ipsum esse sunt quid proprium ipsi bomini, veluli est, et artes 
ipsae quibusdam modis proprils videntur inesse ipsi honiini, ideo 
existmiatur Universum babitatum non posse ess& expers alicujus 
babitus ipsius pbilosophiae ; ita quoque existimandum est, quod 



15t 

I 

ber f)((ifont{$en 8t^meife f^Keßt ftc^ bavan am Die 
oll^emeiiteit ©tbanfen finb aOerbfng^ unetttflanben unb 
mvottgitiQli^ , aber mc^t an ft^, fonbern im t^fitigen 
SScr^nbe^ t0ü^ fte unauf^Mc^ bem leibenben unb 
eQq)fangenb(n äSerftonbe ber aRenfd^en mittfiettt 0« $(bet 
nod^ ntgo: if} btefe Slnft^t ))erbttnben mit ber arifbteli^ 
fc^eit 8e^re/ ba§ bte @eele bie Sorm be« Siitptti feu 
3ttbeiii 3bn 9tof({ib btefe auslest, finbet er ft^ ))imie$m^ 
U^ toeranla^t feine dgentfiftmli^e Hnftd^t ))on ber (Einheit 
aOet menfc^^Ud^en @eelen ober beS fßttjjtanUi in aOen 
SRenf^en {u entmideln, a(er iß babei an^ genft^igt ben 
(fofUrungen anberer Sri^telifer fiber biefen $uttft gu 
ibiber^re^em aSorjiiglicIi lebhaft erflArt er ft$ gegen bie 
At^Iegung bed Sileranbroj wn Hp^robiflad, ba$ e« fei^ 
nen Z^til ber @eete gebe , «oetd^er toom ft£r))er getrennt 
n»Are, wit ber Sd^ifer wm @($tffe, b« ^« feinen Ser^ 
tanb, weld^er nic^t an bad ©epim old an fein Organ 



nniTersuni habitatuin non polest esse expers artium naturalium. 
Qttoniam licet in aliqua parte defuerlnt ipsae artes, exempli 
gratia in quadra septentrionali ipsius terrae,. non propterea re- 
liquae qi|adrae privabuntur eis. ~- ^- Intellectus ergo specu- 
lativus est ingenitus et mcorruptibilis liac ratione. Et ut verbo 
dicam, ita se habet'' uKlellectus agcns, qui intelligibilia creat, 
sicut se babet intelleciosy qui distinguit et dividit et qui intelli- 
gibilia recipit; nam quemadmodum intellectus agens nunquam 
desistit , quin intelligibilia creet eaque absolute generet, etsi ali- 
quid subjeclum reperiatur expers hujusce generationis » ita quo- 
que et ipse intellectus dividens et discernens se habet ^XttÜ\l9 
töixt Arist. de an. I, 4 p. 408 b 24 Bekk. huI to voitp d^ nal 
ro &tttQfTp /iUQcUvfiaif uiXov t*>o$ i'aut ^d-ngofihoVf avro d^ 
maa&iq hni^^ tttiaxt. 
1) L.1. 



IS2 

gefnä))ft tt)&re. (St giefit cmi biefev Se^re bte golsmttis, 
ba§ ber SBerfianb ani ben (Elementen betf Six^ptti viu 
Spxin^tf ba^ e$ feine tlf&ti^t, fonbern nur materielle Üt> 
fallen gek/ üa ba^ atted Ott« 3ufat( |fetrt)orge^e. SXan 
{te^t, wie feine entgegengefegte Slnnal^me i^xa bo« äNNttf 
feiner (efire (erfifftt. Stud. benfe((en ©riinben fireitet'ev 
aud(i gegen ^bn S3abf(l^e|f , n>ie fe^r er au(fy fonß beffen < 
S3or{leaung<tt>eife @ere<l^tigfeit n>iberfaffren I&§t unb bie 
Doifbereitenben ®rabe in ber (ihn))fängti(|fett ici ®eiße0 
2u feiner äJoKenbung fär nöt^ig $5(t Mt fot^e 9tor» 
Bereitungen foOen bO(|i ben 93erßanb nid^t i^en)orbringen/ 
mil iai 9tiebere nid^t bie Urfac^e bed ^i^txtt fein fann, 
fonbern umgefe^rt ba« $5 Jere be« 9'liebe5n 0* 3tt>Ä'^ <fr 
bie @eele oli gorm beö organi[d^en Mtptxi xait biefem 
eng ))erlnii)>ft/ aber nid^t toit bie SSJirfung; fonbern n)ie 
bie Urfad^e be^felbem gorm iti Rixptxi toixb fte nur- 
in berfel^en jn^eibeuHgen SBeife genantit, in n^etd^er aQe 
Sluöbrfide gebrandet n^erben, fobalb man fte t>on bem 
3rbifd^en auf bad ^immlifc^e; iDon bem 9{tebern auf ba^ 
{)0^ere äbertragt; nur na$ bem grüf^ern unb ©pätern 
l^at er feine ©eltung; b« |^« bie ))ernänftige @eele al^ 
Sortii gebaut ffaben wix aU bie aQgemeine Urfac^e m^ 
jufe^n, aud n^eld^er bie ^oerf^iebenö-'SBirfungen berfet^ 
ben audf im jinnli^^en Ceben |>ert)orgepn 23, Som ^im* 
mel wirb ber SSerflanb Ui ÜRenfd^en getoirft 3n fdt^ 
iief!ung auf i^n loergleid^t 3bn Siofd^b bie @eete bem 



1) Ib. fol. 163 a. 

2) L. I. Cum dicimus formam et primum actum, id qui- 
dem aequivoce de rationali aniraa et reliquis animae partibuj.^ 



Kk 



I»3 

bnrd^flc^h'gen SSefen, wtl^i ))on bem einen Std^te be^ 
Serftenbe« erleud^tet nrirb; toerfe^tt a(er auc^ ntc^t babet 
fttne S:^eotie wn ber fKaterie anjumenben unb bedwe^ 
gen ter menfd^It^en @eele ein fStmi^tn betjutegen, n»e^ 
c^tf jur SEBirfli^fett toon bem tj^fitigen Setrflanbe l^erou«^ 

SQOS^ ^^^^A fo ^^§ {^^ ^^'^^ ^^^ ^9^^f S^&tigfeit bed 
(Erfeiutend siicj^t: abgefprod^en gu mxitn brauet 0* S>ad 
(Srfetmen j[ebo^ tft in aOen @eeten aQgemein, auf ewi^ 
gctt ®nmbf£0en bent^enb« ißut i^xtt SRatetie nac^ ftnb 
bte ntenfi^Iic^en Seelen )>erf($ieben; tini aber i^rer Sonn 
nai^ nnb tDet(. ber S^erftonb i^re tDafire gorm ttnb t^r 
wallte« äSefen iß, fo fommt aud^ aOen menfd^Iid^en @eeo 
lea tmttin gemeinfamer SBerflanb )tt. S>ie@eele ifl tme 
bod Cid^/r ml^^i an ben Sor))ern in ^kU Straten ftd^ 
hid^t; nimmt man bte ftirper tpeg/ fo ^eigt tS ftd^ mie^ 
bentm aU tha ^« 

i^eran f(^(ief t ft^ nun au$ feine Seigre t)on ber Un^ 
^rblid^feit ber )>emfinfttgen @eele an, auf weld^e er oft 
iurfldfommt. @r {lägt ftd^ babei auf bie allgemeine Über^ 
ieugung, n>el(l^e t)on aUen 9te(tgionen gel^egt »erbe, unb 
meint, ba§ folc^e äberjeugungen, n^enn fle aud^ nur auf 
toa^rf^etulic^en ®a$en beruhten, bocfi nid^t im ®anitn 
falf^ fein fonnten. Slber eben bie6 fc^eint i^n aucfi )u 



Ib. fol. 166 a. 

2) Destr. destr. fol. 10 col. 3. Anima quidem Socratis el 
Piatonis sunt eaedem aliquo modo et niultae aliquo modo, ac 
si diceres, sunt eaedem ex parle formae, muitae ex parte sub- 
jecti earum. — — Anima autem prae caeteris assimilatur lu* 
mioi, et sicut lumen dividilur ad divisionem corporum iliumi« 
natorum , deinde fit unum in ablatione corporum, sie est res in 
aoimabus cum corporibus. 



154 

gekn unb be^wegen ju (e]^u)>ten, ba$ bie @eele ebt 
bo)))>eUed @etn (labC; ein fterMt^e^ unb etn unflerblu 
^e^^3. jDie f^wienge @te((e ta ^ift^Mti, mVIft 
jum @trette fiber feine Se^re t)on ber Un^erblid^feit bec 
®eele geffil^rt fiatte/ ttUattt er nun in SBiberf)»tu^ ge» 
gen ben Slteranbrod ttnb S^emifKoä burd^ feine SBorattt^ 
fe^ung t)on ber (Sini^eit ber menfi^Iid^en @eeten« 2)iefer 
eine materieKe Serßanb tt)irb i&e^onbig t>om t^atigen SBer» 
ßanbe erteud^tet, fo ba§ i^nt niemafö bie ©egenmort ix* 
genb tin^d allgemeinen Segriffed fef»tt« (Er ijl unfterblid^, 
n)et( bie emige SBirtfamfeit beö t^ätigen SSerflanbed a«d^ 
eine unt^erganglid^e SRoterie ^oxmi\iiit, in tbelc^er fie 
wirft. @eine ißergfinglic^feit gn it^avaptm wüxit nid^ 
anbere^ ]^ei§en aU annel^men, ba^ bie menfd^Ii^e 9tct 
t)erge^en f^nnte« 3l\xt toaS toon ben t^ergänglid^en ^ 
biioibuen unb wn ben Sl^ätigfeiten ber (Sittitlbungdfrafl 
ober ber ftnnltc^en @eele bem SSerßanbe {t$ jumifc^t^ ifjt 
bem Sntiüe^en unb SSerge^en unterworfen; aUti bte4 
i{l aber anify nur 93orbereitung für bad SSerßänbni^, ba^ 
mit ti in bie ^nbioibuen eingeben Unnt, aber nic^t boa 
SerjJänbnip fetbji^), gfjur bie a»ittel t^erge^en. ©a^er 



1) De an. m fol. 165 b. 

2) Ib. fol. 170 b sqq. Intellectus enim, qui dicitür inate- 
rialis, — — non accidit ei» ut quandoque intelligat, quando- 
que non, nisi in respectu formarum imaginationis existentium 
in unoquoque individuo, non in respectu speciei. Verbi gratia 
non accidit ei , ut quandoque inteUigat intellectum equi et quan- 
doque non, nisi respectu Socratis et Piatonis; simpliciter autera 
et respectu speciei semper intelligit boc universale, nisi species 
bumana deficiat omnino, quod est impossibile. 




fogt fixiptüti, foii toüxitn mi nitfyt erinnent. Zin 

Sofc^b be^ttt af>t^ bte m'ebeni; nur ju t)erg(iQgl{(^en 3RiU 

ttia (eßnnmten 2:$5ttg!eUeit ber @eele fe^r weit m^, m 

bcm er auc^ Siebe unb $ap, feI6ft Unterfc^eibung botu 

)ä^tt ^3« (Sx faßt fte ade unteir ben 9lamen ber leibenben 

€cele }]trammett, xoü(!^t ^xi^ottUi, meit fte eine Sßoxf 

Bereitung für ben Serflonb bee einzelnen ÜRenfc^ ab^ 

9ebe> ouc^ ben leibenben 93er{lanb/ boc^ nur fi(ertragnng^ 

loeife nenne* &tn barin ftnbet er ben Sileranbrod gu 

tabdii, ba$ er biefen Unterfd[^ieb stoifcf^en leibenbem unb 

raoterieOem Serflanb nii^t beachtet $ia(e^)« Sie Un^ 

flerUii^feitf me(4l( nun 3to 9tof4ib unferer 6eele ober 

^riümtffx unfemt Serßanbe 9erf))ri(|it/ fc^eint ^itxna(ff nur 

ben aUgemeitten Serflanb ju treffen / ben SSerßonb ber 

9aK)ett menfd^h'ii^ett 3(rt, ni^t be^ einzelnen SRenf^en« 

JMl^ fehlen bei i^m aud^ folc^e Superungen ni((t, n>e^e 

Um le^tem einen Sint^eil an btefent ett)igen Seben gefiat^ 

tctt möchten. (Sx benft ftc^ eine fortf^freitenbe ^n^hiU 

bung ber inbimbuellen gaptgfeiten bed 3)Ienr(]^en, unb 

loenn biefelben aud^ burd^ @^n)a^^eit bed ft0r))er0 un^ 

taugli^ gemacht n)erben foUten, fo meint er ictfy, baß 

fie baburc^ nic^t aufgehoben n^erben n^fitben, fonbern fte 

fottten in i^xtx innern 2:^attgfeit bleiben. (Sben fO/ meint 

et, n)urbe bte @eele, wenn auc^ ber £ob aUe i^re SSSerf^ 

(euge i^r raube, io6f in ftcfi bad bewal^ren, waö im 



i) Ib. fol. 121 col. a. Z)o4 bleibt er fld^ (ierin niö)i e^Uitf^, 
»te oben angeführte Steifen über ben unterff^eibenben Serßanb 
{eigen. 

2) Ib. fol. 171 a. 



@($(afe nt^t fteti&e ^). @o n)i(I er tem einjelnen ünetti^ 
f4ien au$ feine SSerDien^e ibewa^tt n)tffet( unbbenft an 
eine SBeveinigung be^fetben mit im SUIgemeinen; i»k an 
tm fStxa^nlitfyimi itt ein}elnen @eienben mit ®ott; 
benn a fd^eint i^m !einetfn)eged unm£gli(|, ba§ m 2Dtit^ 
gtt einem ^o^ent @rabe beö 2)afein0 etffoben (Derbe; 
)>te{me^r burd^ bie Sraft ber i&ilbenben ^ünn werbe atti|^ 
axi^ ber unieleiten unb erfenntni^Iofen ÜRaterie bie U^ 
tebte unb {td^ fetbft etfennenbe gönn l^eran^gejogem &o 
foK e^ au(^ ©otted SSSitte fein, bap bie allgemeinen Sör<i 
men ber 2)inge in ber inbüoibueOen gorm fid^ t)em>frni«! 
4ien unb mit i^x mi n^erben^3« 96er atte biefe Snbetti' 
tungen ftnb bunfet unb ittü^xm eine ©ad^e nur Ieife> 
ü^er n)eld^e 3(n. Slof^b mit bem ©efege nid^t iKerein^ 
^mmen fonnte. ©e^en toix ba^er, um un^ bed ©innetf \ 
feiner Selpre 2^ (emad^tigen, auf t^re aKgemeinften ©runb^ 
fä$e jurüdE, fo t^erben xoix fxtitiüf (emerfen muffen, baß 
feine Überseugung, ein jiebe^ 2)ing l^abe feine ©runblage 
in einem i^m etgentpmli^en ^eime, n>eld^er in ber 3)ta^ 
terie liege unb au^ i^r jur SSSirflid^feit nur l^erDorgejogeii 
werbe, bie gortbauer ber einzelnen Ie(enbigen SBefen htf 
gfinfiigte, aber aud^ nid^t überfeinen f^nnen, baß feine 



1) Destr. de&tr. fol. 60 col. 4. 

2) Ib. fol. 53 col. 2 ; 63 col. 2 sqq. ; de an. beat 4 fol.. 66 
col. 1. Nam intentio divina in hoc fuit| quod formae, quae 
sunt aeternae in genere, ut universalia, debent ascendere ad 
formani unam numero. $lm ^eutUd^^en brüdfi ftd^ batü^et de 

an. beat. c. 5 aud, ai^ct nur naü^ ber Se^re ^U%(ixaU^, ml^t 
3bn Sltofc^b (ier att^une^men f($eint, o^gteic^ er fonfl gegen ^e 
in ^e^te^ung auf bie Bereinigung M materiellen mit bem HM^ 
gen Berffanbe flreitet 



^ 



157 

9Seife ben aSerßanb )oon Ux irbtfc^en ^akxit a()uI6fen 
«ib äit$ ben Ukittn 98efen/ m\^t o^ne Serflanb ftnb/ 
eine Sortboiiier nur in i^xtt ^xt, ni^t a\i 3nbtt)ibuen 
i« t)erf^re$en na$ ber entgegengefe^ten @eite ftd^ ndgt 
Sd mag in btefem unaufgel^ßen SBibevfirette fetner ©nmb^ 
fAfte liegen; baß er ju fetner gn^etbeuttgen Sofung ber 
Srage nai^ ber UnflerMi^fett ber mtn\^ii^m @eele feine 
3it9uc$t nimmt SSJenn er ber Unßerbltcl^feit ber einjel^ 
nen loemünftigen SSefen nic^t gan} abgeneigt ift, fo ^a* 
Un barmtf o^ne Steifet au(|i feine religt^fen ä(er}eu^ 
gniigcit einen (Einfluß» & bringt barauf; ba§ n^ir einen 
(e$tot 3n>e(f unferei Seiend annehmen muffen; baö 93er^ 
langen, xoä^^i ixt SBeU imt^t, mn^ auf eine 33erMn^ 
bmig mit ®ott geffen, n>el(^e ein jiebed SSefen in ber 
Seife feiner 9tatur erreichen foQ ^3^ S)aki after ))ergtpt 
er fein ))^i(ofo))$fif(^e$ 3ntereffe ni^t, unb bie ®lu(ffelig^ 
feit btS ÜRenfd^en, n^elc^e er aU Sopn feiner 9ßii^en 
empfangen foQ/ beruht i^m ba^er an^ nur in ber SBtf^ 
fenfcliaft/ in ber SSeretntgung Ui fj)eculatit)en Serjianbcd 
mt bem tffStigen SSerflanbe 23, 25er flärf|ie au«bruÄ 
feiner Überjeugung )oon ber Unfterbltd^feit ber einjelnen 
»emfinfiigen SBefen ifl ti nun, n>enn er feine aQgemei^ 
nen @runbf5$e wn ber 6ntn)td(ung ber SDJaterie aircf^ 
auf bie Sudbilbung ber menfc^Iti^en SSernunft anmenbet 
unb U^axipM, baß bie @eligfett mi ntd^t a(d eine neue 
gönn juwacl^fe, fo wie m(!^ ber SSerlufl ber SOBijfenfdS^aft 
unferer ©ubfianj ni^td raube / fonbern aUe biefe Srleb^ 

1) De an. beat. 4 fol. 66 col. 1 ; ep. met. fol. 180 col. 4 ; 
181 col. 4. 

2) De an. beat. 1 ; 4 fol. 66 col. 1. 



1»8 

ntffe bet'iBernunft mx ali (SntoidEIungen ober dinti^iä* 
luttgen iti SBefend anfielet/ totlil^ti vw (Swtglett per in 
ber tinijümn t)ernänfHgen @eelc liege ^)« 9[(er eä t)er^ 
rätf^ tiefe SInftxpt au^; ba^ 3(n 9{of#b ba« Men be« 
)>ernfinfttgen SOBefen^ auf ber (Srbe nur al^ eine QFntoid« 
lung (mftept, n)et($e {umeilen iprem 3iete {t^ jumenbet, 
iumiUn aUx auc^ burcp ungfinfiige (SinPffe von ipm 
abgen)enbet koirb unb ä6er]^au))t t>on ben f^ol^em ftrfiften 
Ui ^immtli abhängig ifl, tt)el(^e mi Mi bad ^^Sd^ße/ 
loa^ n^ir.errei^en f^nnen, }uf(i^ren^ balb aud^ «öieber ti 
und gu ;oerfagen i)er|fängf j^ai&en^ 

Sir werben und eingeftel^n mfiffen , ba§ bie JHüli^t 
Seite bed vernünftigen Ceben« in biefer Cepre nur fejr 
fcfimacp vertreten ifl« Sin 3i(If xot^t^ mi ffir immer 
2U errei(|^en vergönnt n^äre, tvirb und i^ier ni(|t vorge^ 
l^alten^ Sd ijl vielmehr ein etviged 9tatnrgefe$; tveU^ef 
bie ganje SSelt in einem gtvar tved^fetnben, a(er nnauf^ 
l^&rlid^en ^eidlaufe itm^U ^n i^n jtnb bie ^i^ttti 9Se^ 
fen bed ^ixtmtU, bie ©lieber eined großen Sebend^ unb 
nid^t miitber; tvenn m^ in einer grfpern SRannigfalttV 
feit/ bie S)inge bet trbif(|^en @))pare gebunben. Mtn ^fe^ 
fen S)ingen roixi eine S:^ei(napme an ber dwi^Uit, aixify 
ein getviffed fet^flänbiged ®eih gerettet, tveit aQed an€ 
feinen eigenen keimen, aud feinen urf))rüngli(^en Einlagen 



1) Ib. 4 fol. 66 col. 4. Et quando quidem ad hunc per- 
venimus gradum, compieta est nostra beatitudo. £t scias, qockd, 
qiiaado est separata a nobis aliquo tempore accidentaliter , non 
debet haec separatio sibi attribui a diminutione et permutatione 
in sua substantia, nee conjunctio simpliciter ei acquirit aliquam 
formam, quam antea non babuerit. 



Itf9 

ftc^ tamidtlt^ aitt ti entwid eft {t(^ alle« ni^t in einem 

gortff^retten nac^ trgenb etnem 3iüt, fonbetn nm nad^ 

bem ))oit Swtgfett per feft (eße^enbem ©tanbpttnfte^ tpel^ 

4^ bte itatfirlii^ Drbnung ber Z>tnge in ber SEBett er^ 

feifi^t Kein SJ^tlofo))^; fo t)iel id) mi^, $at biefen 

0ebatt!en . fo entfc^ieben be^au^tet; (Die 3bn Stofc^b. 

3$m gilt bte ftc( immer gleich bleibenbe äSoOfommen^eit 

ber Sßett opne gortfc^ritt Unb opne m^^tiü, o$ne 

ftreiMauf }ttm Seffem ober {um @(|le($tent nnbcbingt 

M hat eioige ©efe^ ber SSelt Z)a« iß ber Sinn 

feiner Sefire/ ba$ ber f))ecuIaHoe Serfianb unter ben 

Slenfd^en, i^re (Sin{!($t in bie 9latur, i^re^ ftunß nnb 

Siffenf^aft au feber Qtit [i^ finben balb in ber ti^ 

nen, bolb in ber anbem 3one ber (Erbe« (£i ifi bie4 

eine folgeri^ittge 2)urc^f&^rung ber Sinftcfit/ baß ber t^a^ 

tige Sfterftanb betf ^immel« bie Srbe befi&nbig regiere 

na^ feinen ftd^ immer gtet(|i bleibenben ©efe^en nnb baf 

er auc^ immer unter ben matertetten Sebtngungen ber 

Srbe ben leibenben SSerßanb ftnben n>erbe; n^eld^er bte 

Sm)>fängli(|^{eit für feine Srleu^tungen ^aU 9ßan n)trb 

(emerfen Unnen, baß biefe Slnftc^t ber 2)tnge in i^rem 

SQefen bo(^ mefir ber ^latonifc^en ü\i ber Sirifiotelif^ien 

8e^re {td^ nähert« 

di tarn hin 3weifet fein, baß in ben tt^iffenfd^aft^ 
lid^en Unterfuc^ungen be« ^in Stof^b bie $^tIofo))(^te ber 
9rabif^en SIriflotdifer if^ren ©ipfel erreicht ^at, eben fo 
i9ettig aber barfiber, baß fte; wie bie gtei^fjeitige Se^re 
be< 3bn Sofeil, mit bem ©lauben ber Slraber nid^t in 
itbereinßtmmung fte^tl 9)tan n)ürbe eben bedmegen er^ 
klarten muffen, baß gegen biefe '(SuttoidRung ber $^i(o^ 



160 

fo)>^ie in ©panieu in ä^nlic^er äBetfe m SQSiberfprudb 
ft(|i erffo^en falben toerbe^ tote @(^@aial{ einen feieren 
gegen bte morgenlänbtf^en ^rifiotelifer tt^oim ^attt* 
W>tx tt)enn tt)ii: ntd^t xttoa bte SSerfotgungen^ tDe($e 3to 
Ütofc^b in feinem Sllter erfuhr ; etnev feieren Urfad^e gtt« 
fc^rei^en ober in bev fpcitern Slut^e ber SDtotaf^alltm et^ 
tood bergteid^en fud^en foOen^ fo {tnben toir {eine Siput 
einer ä^nlic^en rfidftpirfenben 93ett)egung. . ißieOeic^t tfi 
bieg baraud 2u erflären, bap, mit bem Sobe be^ ^in 
9tofd^b ukr^aupt bte ^^ilofopi^ie ber 3lra(er in ®^nim 
Hx^nmmt, fo tt>ie bafel^ftau^ i^r Sieid^ ju gleid^'3ett 
in fd^nellen SSerfad [geriet^. £)ie Slrabifd^^Slrißotelififfe 
^^ilofopi^ie ^aüt if^re ^efh'mmung erreid^t; aU fte mit 
ben Q^xi^tn in @))anien in fBeruprung gefommen toor 
unb an biefe i^re -Erregungen abgegeben j^atte. 

@o fe^r xoiv and^ jut^erlafftgere 9{ad^rid^ten unb etite 
ooUflänbigere (Srforfd^ung ber Slriftotelifd^en $^iIofo))]^ie 
unter ben Slrabern ju n^unfc^en j^ätten^ fo toirb man 
bod^ in unfern ü^ei^Iieferungen aber fte 3nf<tmmen]^ang 
nid^t oermilTen^ )>ie(me^r einen forttoufenben ^aben i^rer 
(£ntn)iif(ung ttiliätn {(Innern .Set Sl^^^arabi ftnben mv 
no^ bie 9leu ^^(atonifc^e Sepre in einem {larfen Uber-^ 
getoid^te. 2)ie SBelt tx\^tint ipm ali ein Slugfbß ®0U 
M na^ )oerf^'ebenen ©rabett hii }u ber erfien 9J7aterte 
l^eralb, toetc^e bie ©renje be« 2Dafeing bilbet« Mti It^ 
trachtet er als ein geifh'ged t^a^tin , unb ba0 ©innlifl^e 
unb ^or)>erH(^e fte^t er nur a\i eine 93em)irrung :)^er 
Segriffe an. IBon i|^r fotten toir emporßeigen {u ein^r 
SSeretnigung rxit @ott vermittelfi bef Slbftraction, inbem 
ber mi^gli^^e Serßanb in:un^ mit bem tpaf tgejnSerjtonbe 



K 



161 

frc^ ^ttiinM unb toix fo Un enoor(enen fßtt^nb ht ber 

SSrmnigtmg M ^tnttni mit bem (Stia^ttn gmtnnen* 

3>a^ logtfc^ 9tßre(en nac^ etner uniebingten (Srfennhtt^ 

l^crf((^ l^icnit Dor, bo(^ ^rbinbet ftc^ bamtt bte l)$9{tf({ie 

äti^tutig ber Se^re^ tueld^fe nt(^t fo fe^r in ber adgemeti^ 

nen S(n|t(^t ))oti ber iRotf^meitbtgfeit einer emigen unb nie 

enbenben (Emanation, ali barin ftc^ gu erfennen gieH, 

baf bte 9lei{ie ber (Emanationen bei tütittm genauer, ate 

bietf looti bett 9teu^${atomfern gefd^e^n toar, an bie 

9crf^iebenen &ppaxtn be« Sßeltfyflemtf angefi^Ioffen wirb* 

2)iefe Sn^c^t ber £)tnge, wtli^e batf ©efd^e^en auf ber 

(Srbe mit ben 8en)egnngen bed ^immeM in einen ))^yft« 

f(^ Bttf^nnmenpang bringt, ift ein €|^arafterifKf(^er 3ug/ 

wlU^tx bur(t> aQe Se^ren ber 8Irabif((^en Slnftotelifer ^iu« 

bnÄ^gel^t SQSenn au(f^. fc^on ))or ifinen aßrotogifd^e Sefi^ 

ren auf bie $|ii(ofo))^ie einen Sinflufl gefixt Ratten, fo 

Ulbeten bo(|f fte tuerfi bie SlßroTögie ju einem p^iio^e^ 

^^iiifytn Syfleme au«. 93tet n&f^er aU (BU%oxaU f^Ioß 

fi^ 3bn @ina an bie Slriflotelif^e Se^re an, inbem er 

bie 9)?aterie ))on (En)igfeit i^er ni(^t a\i dntn Slu^flu^ 

ber ^d^em ®p^&xm , fonbern alö Sebingung Ui niebem 

imb abhängigen S>afein«, aU ©ubjtect ber ÜRdglid^feit 

aOer X)inge t^oron^fe^te , u>eI4ie ni^^t f^Iecfit^in not^n>en^ 

big ftnb, weil fte ben (8runb i^^re« 2)afeind ni^t in i^^ 

rem äBefen paben. ^terburcb tourbe ber 98eg be6 Bpi^ 

Titualidmu« »eriafTen, n>eI4^en dl^^avaii eingefc^Iagen 

^attt, unb tint (Erflarung ber S)inge )oerfu($t, n)el(^e ber 

$(f9ftf ber Körper ft4^ anfc^Iießt, eine ffUtfytnn^, auf 

welche bie Steigung bc« 36n ©ina jur empirifcj^en 9fa^ 

titrforf4lung ben größeren @injlup ^aben muf te. 3n fei^ 
®ef4>. t). ^>U. viii. 11 



nen Unterftt^itmscn iitx iit BttU, ml^t et wx^tt^ 
f^enb üM ibeweflenbe ßtaft ft^ iaifytt, txitt tiefe 9ttd^' 
tung fefft entfcfiieten ptrvüt, jetgt ftd^ aber au(| bie 
92ot^tt)enbtgfeit außer bet SNatede ba« fio^ere t^Ütge 
$rinci)) }ur ^flärung ber . Crf^einungen ^txhtimi^tn* 
Sluf . ber Unterfd^etbung biefer beibett $vutct)>{ett berni^t 
feine Se^re. 3n ber @eele bed üßenfd^en berfif^ren ß^ 
beibe, in i|»r fh^ {te {uu^eüen itt^@lreii unb t^ereinigen 
fte ft($ iumeilen }tt friebli^er ©emeinfd^aft«; @ben: bieiS 
tvtxU ba)u an i^re ))erf(^{fbenart{8en £|^attgfetten |tt m^ 
terf d^eiben unb f orgf äUig gu tt\ox\(fytn , xcdii . auf . ber tU 
iten 6ette ber t^ierif^en Seele ^ufommt, {tc|i anf^Itepenb 
an bie SSerrid^tungen ber ))erf(btebenett ZypXt Ui i&u 
l^ittii, unb tooA auf ber anbern @eite ber t)emänftigeit 
@eele eigen iji, ba4Jbif[enf(^aftti$e.2)en!en be< Serßan«^ 
beS; ein 9lu6fluß be^ überiooOf^mmenen ®otted bur$, ben 
t>o((fommenen t^ätigen SJerftanb, ben fBemeger ber Seit«; 
2)a finbet ftc^ nun breiertei in bem (ebenbigen SRenfd^en/ 
fein €eib/ ber 9)}aterie ange^drig^ bte bewegenbe @eele, 
xotXi^ mit bem materieUen 2)afein unaufI6«(td^ berfiifi)>ft 
if}/ unb ber fpeculatibe iBerßanb^ n)el(|ier in ber 9itt^ 
einigung xait bem Sn>igen ein )>on ber ÜRaterie unab^to«« 
gtge« unb abgefonberte^ @ein ^aU S)iefer ba« Ser{}&ibt^ 
nip ber Urfa^en.bringenb gießt, ft^ bem ÜRenfc^en ein, 
fo reit bie ben^egenbe @eele ein reinea ©efäß i^n gu 
em))fangen barbietet« Slber ebenbe^megen muß bie@eele 
ft($ )oorbereiten in ben Übungen bed tpatigen Seben« unb 
bea jeitliclien jDenfenö jenen ®a{l be^ irbifd^en S)afeind 
}u empfangen, hierauf berufet beö 3bn @ina Sepre wn 
bem aUmäligen gortfi^reiten in ber Snttbidlung ber ^vm^ 



K 



163 

liefen ä^orßeOungtn mh ^on Hx )>(j$li^en Srleui^tung 

ber @ecle in ber (BxUmini^ b?r ®runbfä|}e; ber ü(er<' 

ftnnltd^en SSegriffe; ber Ux^a^tn, auc^ tn ber $ro)>t)etie; 

j^tmon ffftngt e^ a(, bag bte Unflfrbnd^fett bec @eele 

i^m.e{nleu(||tet ttnb er jiDifd^en ü(erftnnli4icn S3egrtffen 

unb ftmiKi^ SSUbern ober iBorfielInngeii fo forgfilttg 

unterfi^etbet, ba^ er ^^^Uofop^en ber neueren. 3(tt be^ 

\^imtn Unntt^ £em $^t{ofo)>)^ ))or {^m ^at biefen Un^ 

terf^ieb fo f9PeinaHf<l& burcf^gefu^rt, ibie n, fo ba^ ec» 

att$ feinen /Semuf^unsen t^erbanf t toerben mu§ , ba§ er 

für bie f))&tem 3^en ein blei^enbed Slnfe^in g€n)onnen 

l^nt Siber freiließ bie bualifiifdjien ©runbfci^e biefer &^re 

liepen e^ nUl^t JU/ baß er eine t)ot({9e unb loa^re SBer^ 

einigung ber oberßen ^rinctpien in unferer @eele ^atte 

na(|ft»eifen f5nnen* 3)ie 9Raterie unb bie bilbenbe ^&ß 

ttgfeit be^ Ser^anbed ilüUn ft^ immerbar fremb ; be^ 

Serflättb ift baper au^ nur toit ein g[rembling in biefer 

flttnli4fen SBeU* SBie mx\> er bie SRaterie burcf^bringen 

tonnen, mit n)el^er er ni^ttf gemein |^at? 28te/ mfiffen. 

toir femer fragen, tt>irb er im ©tanbe fein ber ©eete, 

melcfie mit ber SDtaterie o^rbunben i^, ju t)öaiger jDur(^< 

tringung ftd^ ju \>ereinen; fo baß Srfennenbe^, Srfann« 

M unb Srfenntniß ein^ finb? 9Q3te ifl e^ moglid^/ baß 

in biefer niebern S3eU ein SSoKfommene^ ober au^ nur 

m ®enfigenbe^ fi^ erjeuge? SBirb nid^t bie n^anbcl«» 

iaxt ^ßaterie bem i^ren SBiberflanb entgegenfe$en ? SBie 

fe^r tt>ir eö au^ biOigen muffen, baß 3bn @ina barauf 

bebat^t iji bie Sntwitflung ber niebern Ärdfte ber ©eele 

mit ber Erleuchtung be$ SSerfianbe^ in SSerbinbung ju 

bringen unb aW Vorbereitung für. biefe s« f orbern , fo 

II* 



164 

(fiufit bted cXlti }ule$( bo^ trat boraitf ^navtf, taß bte 
9)tatme untemorfeti tverbe unb feinen Sßibetflanb mi^x 
leiße, nacktem bte 6eele gereinigt worben. 9htv infofem 
tt>ärbe bie Wiattxit ben 93er^anb in ftc^ aufnehmen fSn^ 
nen, aH fte todSig )ttin Seiben |t(^ bequemt ^ jDa^ev 
foQ fit au^ t>oatg ald leibenbe« $nneif> geba($t i^erben 
unb bie Sef^re t>om eingegoffenen SBerftanbe, n>€(4e bnf il^ 
biefe X^toxit ber Slrabif^en Sltiflotelifer au^gebilbet, be« 
fefKgt unb t^etbreitet tporben ifl, fe^t ben Segrif bet 
leibenben SRaterie ^orauj. SIber toenn ^e benn vnrfli^ 
t)on Sbifang an nur leibenb ift, too)tt beborf e« ber ißet* 
bereitungen um bte €eele, t^ü^t mit i^r alt fierfc^enbc 
Sxaft t>erbunben tfl, )u einem reinen ®ef&^ für bie 
(Smj^fängniß be^ t^atigen 93er^nbed gu ma^en? |>tertn 
liegt ba6 ©d^monfenbe in ber 2)enfmeife be^ 3bn 6tna, 
wel^e^ in mitttn Sorf^ungen antreiben mu^e; 

SI^@aiaIi urff>riingli(f^ xitn benfeINn buali^fi^eii- 
©runbfagen au^gebenb tourbe baburc^ jum 3^f(( oxt. 
ber 9Q3i{fenf(^aft t>er(eitet. @e{bfl ber Sen^eger be« ^m 
meid, tt>ei( er not^wenbig mit ber fNoterie loerbunben i% 
fonn nid^t aU reiner 93erf}anb angefe^n tx^erben. 600^ 
ten \»\x an^ und mit i^m t^erbinben fjnnen , f o I9firbe 
und bo$ baraud fein reined kennen ertt^ac^fem 9htr 
in ber ^Bereinigung mit bem (o^flen principe tx^firbe bie^ 
itt erreid^en fein« 3u i^r gelangen toix aUx.td^t bur^ 
bie @inne, n^el^e nur SBergdnglid^ed fd^auen, nic^t buri^ 
bie Semeife bed SBerßanbed, m\^t \>on unben^iefenen, 
allgemeinen ©runbfd^en audge^en unb ba^er eine ^f ^ere 
^leucfitung t>oraudfe9en, aber feI6p burc^ biefe nur a& 
gemeitted, nid^t aber bad Sefonbere gu erfennen t^ermd^ 



16K 

S£ti« Ztx Serfianb mltnt^x ter Utoti\m\>m SBtffett^ 
fi^ft ße^t mit bell @mneti tn ®ütit, tütnn tt mx aiU 
gemetitt Srfenntniffe onerfennen \»itL 2)a^et ifl ber 
BwetffI an ber äBtffenfc^aft ber SESeg }ur SSa^r^eit SBtt 
tttfiffen etnfe^n lernen ; baß bte SESiffenfd^afi nur eine U^ 
f9nbere> ni^t bie aUti umfaffenbe (Srieucfitang geu^i^rt. 
jDiefe foQ aUen @treit ait^ff^nen; inbem fte auf einen 
^S^tm etantpmtt unt tx^iit, ein neued Sluge fSr bie 
ffiaf^^eit und mlei^t, ber SSeft ber {tnnti^en 93{(ber 
mt enträtft unb in bie SOBett ber fiierftnnlid^en^ ber toa^f 
ren jDinge und einführt Sßad iDoOenltt^ir und fhrfiu(en 
ber umnitteKaren Srleu^tüng bur^ ®oü und (injuge^ 
(en, ba tt>ir bo^ ntd^t leugnen fdnneU; baß bie ®runb^ 
fä^ ber SBiffenfc^afi unmittelbar und eingegeben tt)erben ? 
96n allmfilig tDad^fen tt>ir auf unb fommen nur aUmfiltg 
iwr 6tufe ber äBiffenfii^aft; foUen n>ir niii^i no^ tx^eiter 
fbrtf^retten unb eine noc^ ^f^ere@tufe erfleigen fonnen? 
9btr burc^ bie SOiiffenfc^aft allein werben tx^ir ba^in ni^t 
gelangen« S)ie irbifi^en Segterben muffen toix fliefien, 
unfer ^erj reinigen ^ bann werben wir in reiner Siebe 
mit &CÜ und t^ereinigen fonnen. 2>a|^er iß ber pxattu 
f(|e :SS3eg 2ur SSoIlenbung bem t^eoretifd^en toerjusiel^en« 
Son ))o(lf0mmenen 9Renf((fen miiffen wir lernen T)olIfom« 
men gu werben; bad SBeifpiel bed ^ropl^eten unb feiner 
heiligen fott und leiten« SBiele ^aben auf biefem SSege 
Sottunb feine |iimmlif^en €<;^aaren in @nt)iidung f^iauen 
^ttnti \o tinnm a\x(!fy Wir boju fommen im ©ci^auen 
®9tted Siffgemeined unb 93efonbered in einer ^f^ern (^^ 
fai^rung gu umfpannen. 
.. SXcfr f^wotmerifc^e ^effre ipntiH nun Ui ben 6pa^ 



166 

nift^en Slrabern; auf ml6)t fle tinzw (Sinbrud gem(u|t 
^atU , ftd^ titelt behaupten; mi\ btefe nac^ allen Slnj^^en 
f(]^on früfier eine Slid^tung auf bie (Jtfotft^ung ber 9la^ 
tut genommen Rotten unb, «){e l){e Sefiren be6 3(n 93a^ 
bfcf^ei^ unb ^xtUtii^t anif bed 9It)tcebton (emifen/ ait^ 
bem mateneOen Se(en ^erau^ bte (Sntwidlung bev SBi^ 
fenf(|)aft ^ erR&ren ftre(tem SXefexr Stiftung \iS)\\t%t 
ftc^ au(^ 3(n SSofetI an, fnbem er bfe mpßifd^e ^n^ 
fc^auung^Iei^re ^X^®ayx\H gtt)at annimmt, a(er frei 
mac^t 9on ber relfgiSfen ttkriieferung unb ben ^^cmto« 
ften ; m\6)^ fte mit {td^ führte , an beren Stelle bie Sin^ 
fcf^auung be§ SBeTtfpfiem^ fe^enb, in it^eld^em n)ir trn 
Slbatattj ®otte« vx ungetrübter Älar^ett erWtden ^ fpffeii* 
3n aHmaliger SortbiTbung wx^ ber 3Raterie .j^erau^ Um* 
izn wir, »ie 3in Stofe« le^rt, jur Weife be« ®eifle« 
gelangen, n>el(9er ftd^ felbfl begreift unb nun in ber fjA^ 
fügen Sonn allein bie tätige Jhaft erlennt , xotXä^t alled 
SBai^r^afte bilbet unb alle j ju einer Crin^eit jufammett^ 
fc^Ite^t* £)ä^er ftnb mir au(^ nidl^t gefcf^ieben t)on bie« 
fer Sin^eit- aKe^ Sßa^ren unb I5nnen fte aU und gegcn^ 
märtig fci^auen, fobalb wir nur über bie Störungen *er 
materiellen SBelt un^ ju ergeben miffem 3tt ber <(n|fiit*^ 
liefen Sotm be^ SBeltall« ))ei^nbet ftd^ mi ®ott« ' -• 

3nbem nun aber btefe Slnf^auung^le^re auf (&ximnU 
n\^ \>ti afironomif<$en ®9flemd brotig, müßte fte^ ouc^ 
5u ben twffenfd^ftliclfctt ttttterfu(^ungen jurftäfü^ren, oud 
welligen ed hervorgegangen war« 9Sir fej^en ba^er nun 
ben 3bn Slof(^b bie ?e^ren be« «rijlotcle« unb ter ®rie^ 
c^tfc^en SGBiffenfc^aft t)on neuem erforfc^en unb-p^be* 
mfil^n {?e mit ber 2)enf weife fitne6 S3ol{ei< ;ju t)erf(^mel^ 



167 

gern 2)a0 ®efe$ bec STtauren Ugt tt aetteti; (4 ifi gut; 

wie anbete ®efe|e, f&r bie SRetige unb ba« prafttfc^e 

Seben, ed tfi fcgar beffer a\i anbete ®efe(e; abrt |^5$et 

ift iai t^eotetifc^e Seben unb batf ba^et bem ©efe^e 

nU^t untetmotfen toetben« Sine bauetnbe loodfommene 

(Stfemitntg Xitx\^ii^t nm 36n 9lof($b bem etn}e(nen SDIen^ 

fc^en ni^t, toeil unfet Seben an motetieOen Sebingungen 

haftet unb bie Otbnitng bet SBelt i^x etDiged 93efle^n 

in intern endigen ©tunbe ^ot unb bafiet aud^ ernig be^ 

ttHi^ren mnf « SBit ge^ jten alfo immet bet niebetn SDxi^ 

nnttg itbif(|et Dinge an unb fSnnen un« fibet ße }ut 

Seteinigung mit bem 6($i(f>fet ni^t eti^ebem di giebt 

aber eine ^öf^ete SBiffenfc^aft a(« bie menf<l^Ii(^e ; in i^t 

iß aQe0 gegtftnbet unb baf^et iß au$ bet SRenfc^ ii^t 

Mttvanbt unb fann in anologet 9ßeife eine (Etfenntniß 

betfetben genoinnem SSeil nun eine i^oOfornmene imb 

ewige aßiffenf^ bie SSSett be^etfc^t; iß auc^ oOe« ge^ 

fe^ma^ig, aüti an feine Dtbnung in bet SBett gebun^ 

ben unb bet 93erßanb bed SRenfc^en mu^ biefet Dtb^ 

mtng na^benfen, fann alfo nid^t butd^ 3utfidiie]^ung von 

bet SBelt gut $o#en @tufe bet SntU)idKung gelangen« 

3n biefet niebetn 9Be(t abet, n>e(d^et tt>it angeboten unb 

in xotU^tt Sntße^n unb Setgel^n petfc^en , {fängt adeö 

bott gtt^ei Utfad^en ah, t)on bet SDIatetie unb bet bilben^ 

ben Sttaft, toü^t bem .^immel unb feinem Serßanbe bei^ 

U)ofint. Sn jenet, bem @ub|ecte atted Sntße^en« unb 

Sergefiend, liegen bie Jteime aUt^ beffen, toai n^etben 

foO« Slud^ bie äBiffenfc^faft bed t^ätigen iBetßanbed fann 

nic^td tpetben laffen au^ bem 9li($tij, fonbetn nut bir 

gotmen aui jebet Statetie |Ktt)ot|{e|ien^ n>eU^e i$t im 



168 

äJerbocgenen tntvo^nen. 2)tefe (Uten nun bie tRatitr« 
bebtngungeti^ unter u^eld^en ber tpattge S3erftanb. ottd^ 
mit ben trbtfd^n S)tngen tm 9Renf(|ien {!($ ))eretntgt^ in 
beffen Ttatur btt fietme bed Setß&nbni(Te^ , ber (etbenbe 
Strßanb, Itegetr. @o foO bte 3Bi{fenf(]^aft , wel^ebte 
SQ3eIt geßattet; au^ bem ntebrtgften fiteife berfelbeti nic^t 
fremb bleuen , (a fo tt>te aOed nac^ einem emigen unb 
(efianbig in berfelben Otbnung bod @an}e jufommen^al^ 
tenben @efe$e ft^ fießaltet, fo bavf au(| ber (Srbe gu 
feiner 3eit bie (Sinftdjit in bie ißatur ber 3)inge, ber f))e>' 
cu(atit)e äSerftonb , fehlen. Seine bilbenbe Sf^ätigfett iß 
ii&eraU gegentt^drtig, unb tt)o fte bie grobe SQtoterie über^ 
n)unben, gu freier @eflattung jtd^ erhoben ^at, ba toii^ 
fte au$ i^ren 3n>ed errei(^ unb ^6 Semu^tfeiu i^rer 
®ränbe erjeugen« 9!ur in ben einjelnen ^Kenfd^en, xoüUft 
bem SBe($feI unb bem Sergej unteru^orfen ftnb/ famt 
fte nid^t immer bleiben« 9htr tn ber SBenfd^^eit aU ®att^ 
jed genommen fiirbt fte nic^t/ bett^al^rt t>ielme^r/ inbem 
fte in t^r i(^re paffenbe SRoferie finbet^ ben fletigeu 3n^ 
fammeni^ahg ber @rbe mit bem ^immeL {)ier}u tvirb 
Üebod^ ein ))affenbe« "SRxüti \>erlangt/ ein @ubjjcctr 
xoAüiti Sßaterie genannt tt)erben fann , ober mit ber 
niebem Sßatene, bem @ubj[ecte ber wonbelbaren unb ^ 
gegenfeitig onf^ebenben @egenfä$e/ ni^t ))ertt^e$felt xott^ 
ben barf. STtaterie ^ü%t ed nur^ xovX ti ber eigent^ 
liefen, niebem SRaterie gleid^rtig ift, xcxt bie Duelle 
bcd Stc^t^ bem audgeftoffenen Sichte, xoit bie Urfacbe 
ber Sirfung« Z)ie Serfi^iebenartigfeit biefer gei^gen 
Materie .t)on ber m'ebem 9Raterie ber Körper erfennen 
toir.'taroa^ baf jmt ^^ felbfl erfennt unb <atfvf|(ff 



169 

fd^fl gutiidtotrft, uhi« biefe ni^t ^txma^, uitb baß jiene 

hüi dnbtVibueOe im Std^te be« SOIgemetnen erbltdt, mit 

bm oOgemeinen ÜRaii^ten; «)el($e fibet bad S3efonbere 

^erfd^tn, a(er boc^ nur in befonbern SBefen i^t @eitt 

^aben, in Bufammen^ang ße^enb, tpärenb biefe immer 

nur in befonbem ©egenffigen fein fann* SBenn nun 

ber moterieOe SSerßanb gur 9Birf(i^feit betf (Srfennen^ 

fommt, (Erfennenbed, Srfonnte^ unb (Erfenntniß ^tttU 

nenb, f^ gefc^iept bied boc^ immer nur baburc^, baß 

ber tifätiit Serftanb i^n ben^egt imb {t^ i^m eingießt 

«etmlge ber SBtrffamfeit, wel($e ber ^immel auf bte 

Srbe (utjftbt Ser Fimmel aber wirft auf bie Srbe nur 

i»ermittel{l ber niebem ®thittt, wziift mit bem Srbfreife 

in ttfid^fler 9erfi$irung ße^em Sa^er iß ber Sen>eger 

be< SDtonbetf ber t^fittge SBerßanb, n^eld^er bem materie^ 

len Serßanb be^ !D{enf(^en bie in i^m tiegenben formen 

fsAlodt tmb, fo n^ie er aUzi erfennt, fo an^ i^n aUti 

erlennen läßt/ jieboc^ nur unter ber Sebingung einer au6^ 

ret(|ienben SSorbereitung burci^ bie ßnnli((fen ^äfte ber 

Seele« S)er einjelne ^tn\^ fiat bal^er an^ am fpecu^ 

latioen Serßanbe nur in jufciKtger SSeife ^tH ; bennoc^ 

6eße|it in i^m feine ©eligfeit unb fein Stattet! am ewi^ 

gen ititn, wü^t^ er in feiner SSerbinbuug. mit bem 

allgemeinen SJerßanbe genießen foOL 

BoUtc ti SU m'el behauptet fein, tt)enn toir in biefer 
fpßemotifc^en Su^fa^rung bad ^fi#e erbliden , toai 
bie arabif($en Slrißoteltfer erreichen foiinten? ®ie fin^ 
bet in ber Zpat einen ßetigen 3ufammenbang }n>i^ 
fc^eft aUen Z^tUtn ber äßelt m^ ipxm obßeigenben 
@raben unb mit ipr^m ©runbfa^e;- baß aud nic^t^ 



170 

ni^ti mxit, tt)etß fte (u vmintn, bafi bte äSirffoitu 
Uit ®oüt^ t)ur$ ben tf^ättgen @eift atte ©eMete ber 
SBelt butc^bnngt; UtvaU burc^ ))^yftfd^e aRitteUttfar^en 
aud .b?t ))afrenben SDlatme (erau^itef^enb , )9a« to i^ 
s^erborgen (tegt. .@te I9eiß taxaui au(| a^juleiten, 
n)ie bie tnenf^Ii^e SQ3i{fenf(^aft ali ritt SKgtati) ober 
eine SBidung iti oOed bef^erf^enben fitmmlif^en fßtt^ 
ßanbe^ bte ©rfinbe aUeir S)infle evfotfdj^en fann, ofine 
ienen p^antafiifc^en äberfpannt^riten frfi^erer Sfrobtfd^er 
$^i(ofop|fen SRaum }tt geben, inbem {te t)ielme|ir ftberod 
eine ))a|fenbe SRatetie unb ))affenbe SSorbereitung ber 
irbifcl^en S)inge t)orau^fe$t, bamit bie in ftci^ felbft ij^fi« 
tige, auf {t(^ iurfidtt)i({enbe SSemunft be« Wltn\^m bte 
(»tmmlift^en @tnpf[e erfahren Umt. (£« tfl Me« allein 
bingd rin fünpcb Qufgefu|^rted €y{iem; mltl^ti tmr 
butd^ ^ülfe 9on SSorau^fe^ungen unb felbft t)Ott ge^ 
jtpungenen SBenbitngen frin Biel errric^t, (Srfa^ruiigen; 
)){^t(ofop^tf4^e ©ebanfea unb t^eiB frembe t^tili ebb 
I^einrifcf^e Überlieferungen in flberdnfKmmung gu fe^«. 
S)ie^ fie^t man befonber^ an ber Unterft^eibung ber 
^Utattxit na4 bem ^rfi^em unb bem Späterit unb an 
ber Se^re über SlQgemeineä unb SBefonbere^« . älber bte 
aUgemeine SBerbreitung ber S3oraudfe$ungen unb bie ®t0 
roanht^tlt in ben f&nfUi^en SBenbungen fonnten tx>m 
loergeffen (äffen , ba^ man ju ben (Srgebniff^en Ui ©9^ 
fiem6 tti4^t in rrin u^tffenfd^aftlid^em gortfc^ritt fam. Un^ 
ter bin 93oraudfe^ungen ber Slrobifd^en Sfrtfloteltler ua« 
terf Reiben wir jtt)rier(ri/ fo((|e/ ml^t ben ©runbfä^en 
t^er buolifiifiti^en Slnfu^t angehören; unb fold^e; welche 
nanauid'.ber gelehrten .Uberliefcxung frommen« 9tn< j[e^ 




171 

sm Riefen bie ^anifti^tüittiiUiitn , mit tctli^tti fte )u 
fSm^fen Ifatttn. StOgemeüi gttt bei i^nen bie 8e(re t>on 
(er (Emtgfett ber SBeft unb bev SRotetie; feit bm 36n 
6fna »itb biefe au$ nic^t mej^c al^ %\xi^n^ ber ^a^em 
g^ifl^ett iSrfifte, fonbem ali ein felb^&nbig beftepenber, 
boc^ leibenber €tof angefeffett« jDiefer 9xi[x^t fingen 
9im nun an bie ti^Un Slnfioteltfer o^ne @^n)anfungen 
an; bai fe^eii tt)ir am beut(i($fiett an bem Snbpunfte 
biefer 9:^t(of op^ie , an ber Sef^re be6 3bn Stofc^b; benn 
biefer fieigerte bte Sebeutung ber ffir {t(^ beflefienben 
äSoterie , ittbem er titelt aKein ein unbefHmmte« SBer^ 
miqiai, fonbern bie befiimmten Anlagen ju aKen befon^ 
bem jDingen, bie Aetme aUti Z>afeM, in ifir erblidfte. 
&tn ^itcavii gingen i^m bie größten ©d^n^iertgfetten 
(en)or, n>enn er nun bafl »ifrenf($a^(i(|e 2)en{en ttn^ 
feter @eelt erflfiren MooKte* Unb benno^ ^iett er an 
biefer ^ppot^efe fe^ S^agen n>{r ; warum bie Stabil 
f$en Sriflotelifer ))Qn i$r ni^t lodfommen fonnten , fo 
mjgen »ir ben ®runb in i^rem ©egenfa^e gegen bie 
Tlotat^aUim entbetfen. (Siner @(i^ipfung6le]^re, toä^t 
im anbered (Befe^ al« bie SEBidfür ©otted anerfennt/ 
fi^ entgegenjufe^en (ag ©runb genug &or« STtU i^r 
f onnte eine ^i(ofo))|^ie ft(|i nid^t toertragen , »eilige ben 
©efe^en ber 92atur nacbiugef^en }u i^irer b<^uptfä(blt#en 
aufgäbe ftc^ gemalt ^atte« S^ifc^n biefen betben Au^er^ 
{len ftnnaffmen, ber wiQfurlic^en 6(bo))fung ®otte« unb 
ber . natflrli(ben (Sntfie^ung aKer S)tnge aud ber SRaterie 
burt^ bie bUbenbe Jhaft t>ti ^immcK, ^at ixt Slrabifcbc 
9^tIofO)>|^te, fo^tel tüix toiffen, feinen miWem SSieg ju 
fttben-gwuft^ ©cgen Jene« ertrem mo^tt e« immer 



172 

itod^ nit^iQ fein, baß ait^ biefe^ nic^t aufgegeben iDärbe. 
3m 3ntereffe eine^ n)iffenf(^afil{($en , b* |i. eine« gefe^ 
mäßigen Senfend hielten ti bie Slrifioteltfer feß/ aber' 
auc|^ befonbetd im 3ntere{fe bet Tlatitrnoiffenfd^aft Z)a^ 
mit tt)aren fie au^ an bie Überlieferungen ber ©decken 
gewiefem 3pre Sogif unb ^Reta^^fi^fif , i^x aj^owmU 
S^ti @9flem, ml^ti t^nen jur Vermittlung $it>ifi|im 
©Ott unb ben trbifc^en SDingen bienen foKte, i^ite Ce^ 
ren wn ber @eele unb t>om vernünftigen, wie wm 
tffierifc^en Seien, i^re SRebicin unb SRat^ematif gfab 
gen auf fte fiber. SBir tooUtn ni^t fagen, baß bie ^ro^ 
6er in biefen SBiffenf^aften o(»ne ade ©elbffänbij^, 
opne a((e Srjtnbung 'gen>efen tD&ren , aber unftreitig ift 
t€, ba^ fte btefelben ni^t ani i^ren erflen Semeggrtn' 
ben ^ttani bewfittigt ^aitn, unb eben erft von biefen ottf 
ergriffen geben fie i^re Anregungen an bie freie p^üt^ 
fot)^if($e Srfinbung ai. di tt>aren baper an^ nur 
Fragmente ber alten SSSiffenfi^a^; tveld^e von t^nen in 
i^re orientalifd^e Senfmeife fierübergetragen tverben fosn^ 
teu; l^ie unb ba von if^nen toeitergefjlrbert/ aber o^ne 
ben belebenben ®eift, n^elc^er aUti gu einem orgoni^ 
fd^en ©anjen |ifitte fttmmen f6nnen. ' ftüa^ um fo(($ie 
(Elemente gu verfnfi))fen gefd^e^en fonnte, mußte auf 
eine fünfUi^e Anorbnung ft^ befci^r&ttfen, tvie 3bn 
Stofc^b fte ju geben nic^t o^ne ®iüd verfu(|)te. 

.' ^Raffen, fo umfaffenb tbU bie Slrabif^e ^i(Dfo)^e, 
befonberd wenn fle aXi abgefd^Ioffene @ntn^id(ungen er^ 
f($etnen, n^ie biefe, lU^m unfern fßliä untviberftef^Iid^ 
auf ba^ @an)e ber @ef(|it^te ^in. SSir müfFen^ ititf 
fragen, wca fie fftr biefe bebeuten, ivarum fie in ifim 




173 

etagetreten flttb* 9lo$ ßfirfet n^tvb bfe Kufforberung 
eme fol^ Srage üitv idi ®t\^\ä Ux Seiten ^u toa^ 
goi, »enit tvir un^ nic^t i^er^eblen Knneo, ba^ in f)><l^ 
tem SRaffeit ber ®ef(^i($te eine iDefentlic^e (Entn^iffirnig 
M (Seifte« nici^t me^r in bevfelten Seien^frifc^e fi(^ 6e^ 
9C|tt, mit tDeli^et fie frfij^er betrieben n^urbe* @o ift 
e( mit bet Slrabifd^en $^iIofop|fie/ tt)enn fie. mit ber, 
(Brieil^rc^ett »etglid^en tt)trb* SBir. )>enn{gen bie« nur 
kanm< yt etS&ren/ baf ber Sauf ber 3eiten eine &paU 
toig :be6 tDifTenf^afllic^en 6cben« mit ftcf^ geffi^rt ffoüf, 
fo baf ®Iieber, tt>e((^e nur in gemeinfamem Seben ein 
fcifi|k< ®ebei$en j^aben fonnteU/ geo^altfam au^einan« 
bcc geciffen tvorben* 3n einer fo%n @))altung ))flan)te 
bte eriei^tfd^e aOSiffenfc^aft {t(^ fort/ al« ein X^eii ber^ 
fetten bem Drient; ber anbere bem £)ccibent s^gefai« 
(m toar^ 9Q3ie mi^Iic^ an^ foI($e Unterfd^eibungen ftnb, 
«eit {te bie %üUt be« Seben6 nie genug fonbern mx^ 
^, fo glauben toix bod^ fagen gu bärfeU; ba^ }u< 
ai^fl ber c^rifiltc^en 9Bi{fenf4^aft t)or^erf(^enb bte etpi^ 
f(^ 6eite, ber $lrabtf4ien bte ))(>9{tf(^e @ette ber 3StÜ^ 
anficht )u entn^idCeln jugefaKen n^an S)a(>er ftnben ^ir 
hü ben (S^riften bie i^erfd^aft ber ^tri^e fiber ben Staat, 
iü ben 9Ru|fammebanem bie «^erfcfiaft bed @taat« aber 
bie ftir^e; . bei üenen ®ott aU Urquell ber ©nabe, 
bei biefen ali aUmadbttg ge))riefen unb jenen erfci^eint ber 
SRenf^ cXi frei, btefen aU ©Hat) be« @efc^td«. 

SBir meinen nun, ba^ bie 3lrabif4^e ^|^i(ofo))^ie mit 
ber Grie^if^en an ttrfprungli^fett unb guKe ber ®e^ 
bonfen, an g[rtf(^e unb SRegfamfett Ui Seben« nt($t 
^trgli^en werben fann, ba^ aber bod^ bie S3erglei(^ung 



174 

nii^t {n aller 9lä(f|t($t ungfinfUg fflr fte auffallt 6tu 
c^eti t^ir feie ©ded^if^e ^^{(ofopf^ie tn »et motten ^afi 
t^re« Ce^en« Ulm ^laton unfe Slrift^teled * auf ^ ■ ^on 
wtVffm <iu^ bie 9rä(et ben gti^Un St^etl i^ver fiiei^ 
Iteferungen entnahmen; fo fittberi wix, bap fte w<l^ iw 
mer )^ie( }u Dtel )^on bem fflnfUenf4ien; ))IafHf($en ®eipt 
an fid^ tvug, ml(fytt mm ber entf(|idbettbßen S(^a)': 
rofterjfige be^ ®rie(^tfc^en SBefenS bilbet, um m($t •€{* 
ner Steinigung loon mancherlei i^r anHebenben fuinU/ 
(f^en iB0rße((ung6n>eiren 311 bebürfen« SBir erblitfen- etf 
in jienen unbeßimmten üudbrftften ber 3been ; ber ; SBtm 
flerbilber; ber S^rmen, mit n^eld^en man bad Überfint^. 
lic^e begeicfinen ipcKte; tt)ir erfennen eö in j[enem..uiK 
{tii^ern 6(^n)anfen {^»ifd^en ettiem ober jtvei |)rind^ien/ 
tt>eld^e« mentgflen« ben u^ettli^^en jOingen itid^t geßattta 
tt)oUte bellet 3^sni$ von ber ^erligfett ®otted abja^. 
legen/ baran ba^ btefe Se^ren fo balb bem. floifd^en 
®y|leme erliegen fonnten, loetd^e^ nur barin einen SSor^ 
jug t)or i^nen ^attt, baf ti o^ne @cbtt>anfen ein $rin« 
ciy. loieber^erßeUte; aber anify ben Unterfcfiieb }w{fd^ 
ttberfinnlid^em unb ©innlid^em koteber aufhob« > ^li mn 
fpfifer beim Sibfierben be« ©rieii^ifd^en ©eified bie<9leiiii^ 
^UtoniUx, beren Se^ren einen bebeutenben (Einfluß auf 
bie 9Irabif(tien Slriflotelifer auöfi^ten, im ©ebanfenbed 
Uberftnnlid^en lieber }u reinigen itmüpt tcaxm, }uglei(^ 
bie @in|^eit be4 ^rincip^ f>er)oor^ebenb, ergab fi^ t^nen 
biej bocb nur in einem m^ßifdjien Snt^ufta^mu^; mU 
d^er fiber bie Sebingungen unferer SBiffenfii^aft unb aber 
bie SQaf^r^eit ber äSeU unb i^rer ))f)9ftf4)en Orbnung 
faß gan) fiinwegfa^« (Sim ^kxin unterf(|^cibet ^i^ 9on 



175 

t'^nett bie ?^re ber Slrabifd^en Sldflotelifev t>on t^rem 
crßen Següin an. @^on SI^$ara(i (etra^tete bie 
aprottoniie ber ©riechen atö einen wefentli^en S&c*. 
{ianbt^dl bed (Entanaticn^fyftem« nnb yerfnfi))fte bie lo^ 
giften Seiten t)Ott ber Sntot(f(ung unferer SSiffenfd^a^, 
anjfebenb v^n ben @innen iii }ur reinen (Sinjti^t in bie 
9tftnbe ber (frf^einungen, mit ber S^tberung ber 93er^ 
mtttft einer reinen Stnfd^auung ber SBafft^eit ti^eilfiaftig 
in loerbem fßon biefen 9lnfingen aui entnoidette ffc^ 
nnn eine Sepre, tt)el(^e in gleii^er SBeife ber Sogif unb 
9lctap$f9ft( »ie ber f^^^ftf iugen^anbt tnax. %iJix . bie 
allgemeine Slnft^t ftanb fef), ba^ ade SBirfli^feit ber 
Singe t)on einem ^f^flen .$rind)>e, t)on ®ott/ au«^ 
g^e/ aber nur burci^ t)ermitte(nbe SludPffe wn oben 
^db bi< itt ben niebrig^en ©egenben ber SSett bringe, 
fo eine 9BeU in Ifttfenlofer SSerfettnng üUti JDafein« W* 
benb / baß ober au^ ber menf4f(i($e ^eift , pbn^o^I ben 
niebern ©ebieten ber SBelt angep^rig burcf^ @inn nnb 
Serßanb bem ^i^^ern {14^ }un>enben unb ^nx reinen din^ 
fU^ be4 ä(erftnn(t4)en gelangen fSnne« £)a« SSefhreben 
biefer Sefire jiebocj bie SOSa^r^eit ber SBett unb if^rer p^y*^ 
ftfc^en Srfc^einungen an^uerfennen ffif^rte ben* £)ual{^mu^ 
»ieber jurfld* Unb in i^m lag bie Slufforbemng ba«, 
tüai ber SWaierie angehört, »on ben SQSerfen be« for^ 
menben ?Jrincip« genauer ju unterfd^eiben , aU e* ben 
frftjem ©yflemen ber ^^llofe^jpie gelungen war* «^ier^ 
on«, t)erbunben mit bem SBejJveben auc^ bie |i{(|^jien (5nt^ 
widlungen be« S)enlen^ in SBerbinbung mit ben finnli^ 
i^en Sjfätigfeiten be« t|>iertfc^en Scben«; fo wie flber|iaut>t 
aOe« im ^immtl unb auf ber erbe in 3ufammenpang gu 



176 

ftnben, gingen bie iebeutenbßen S3e{h:e(ttngen unb Cet{lun>^ 
gen bet Srabtf^en Slnfloteltfer |^en)or. äStr g&^Ien gu 
biefen bie Untetfudpungen ü6et ben 3ur<unmen|^ang ber 
ftnnli^en SBorfteQungen nttt ben ;2:(^äHgfetten bed (Se^ 
f^ftnfl unb unteretnanber, bte 9(uäfü|fruttgen ä6er ben Uii^ 
terfi^feb gwif^en ftnnltc^em SBorßeQen unb Srfennen betf 
SSetßanbed, uoobei befonbtrd iai ®mi^t ^tx^oxUn^ttt, 
n)el(^e^ auf bie refleri^e Si^ättgfeit bed Serflanbed unb 
auf ben Untevfcfiieb )wif<$en jtnnli^ien unb tuteUigtbeltt 
gomen unb ^rten gelegt tputbe, übtt ben (Binfin^ bed 
ganzen 9Q3eft)ufammenl^angd auf ttnfer Srfennen, enbltd^ 
bie Unterfud^uitgen Aber ^attxit unb Sovnt; in totU^ 
ft(( dU Srgeintß immer beutli(|er fieraudflellt, ntd^t «^ 
(ein, baß atitn n^eltli^^en 2)ingen ein 9nt^etl an beip 
9){aterie im meiteßen @tnne bed SBorted {ufomme, finu 
bern auc^, baß bie gormen, n^elcfie an i^r nnrRt^ t»tt* 
ben foKen, nid^t nur äußerlid^ t^r anfommen, fonbem 
innerlich mi i^v ^ttaui enttvidett mxt>tn muffen» (Si 
verßej^t ^^, baß t)on aUen biefen Seifiungen a(ge}Ogfii 
werben muß, toai aU 3rrt^um mit il^nen «>erbttnbtn 
blieb, mit fte mit ber falf^en 93orau6fe(ung be^ 2>ua^ 
liitmi t^erbunbcn warem 3lber a\x^ iai ^ot man i^nen 
anjuref^nen, baß fte burd^ i^ren ä^erfnd^ ben Z>ttaltdmttd 
mit ben ibealen SInforberungen an bad menfc^Iic^e (St* 
fennen ju ^reinigen bie Un^attbarfeit bc0 erjtern beut» 
linier in.baö ii^t festen. Sa Rammen ^ierau^ bie y^an^ 
tafiif($en 9}erfleOungen wn bem )>rc)>(ettf<(en Snt^ufta^ 
\mi, mcl^e bei ben Sirabern oft no^ gan} jenen altera 
tbümlicbcn 9lnji4^tcn ^on einer göttlichen SRanie, wn 
einer 9laturbegei{ierung ber €e{^er unb S)i(l^ter glet($en 



177 

itnb wti^t nur baburc^ fi<fy s» U^anpttn mn^U, ia^ 

masi bell leibenben unb bm t^&Hgen Serfiattb an i^tx^ 

fi^'ebene @ttbj[ecte )n t)ert$ei(en ftii^ entfd^Icß, bai &f 

Imnm Iti SRenfc^en ober nur al» ein eingegoffenetf fßtt* 

fUttbmß betrachtete, hierin fpri^t ft$ am flfirfflen bie 

fliennad^t bed ®ef^idd ; bie ^erfcfia^ ber ))^yftf4en Sln^ 

{i((t ber jDinge au$, tnbem au(|> bie (ogifcfien 2:$&ttgfeiten 

inr tvie ein 9latnr))roce^ gebaut n^erben, eine Sef^re^ n^elcf^er 

bie mn^antmebanifc^e Steligion nur gu tt^enig SStberflanb 

cniBegettfe^en fonnte« 3n i^r )>erfänbet ftd^ ber wUt @egen« 

fojf )n)if($en ber c^rtflli(|ien unb ber 9lrabtf(^en $^iIofopf^te. 

9u< ber leßtem iß un< t)ie( Slberglaube gefloffen ober 

Mjf beftfitigt werben, 9{hoIogie, %l^\mit, bie Se(>re 

9om eittgegoffenen SSerfianbe; n)er aber n)eip; bap ein 

fblgerii^tig burci^gefß^rter ^rrt^um bie Siffenf^a^ me^r 

fSrbert/ aU ein t)ern)orrene9 @c(in)anfen, ber n^irb be^^ 

ttegen ben (Sinflup ber Siraber auf unfere $]^i(ofopf^te 

nii^ [(^eitern SBenn ti uns gelungen fein fodte nad^^ 

{ttweifen, ba^ bie Slraber in einigen fünften n>eiter unb 

richtiger fallen, aÜ bie @ried^en, fo tvirb er aucb von 

Wefer Seite SJrberungen unferer SDSiffenfd^aft erwarten, 

Sien baburci^ paben jtc^ bie (^uropäifd^en fß5\Ux au^ge^ 

jci^net , baß jte für SEBiffenf^aften unb Äünfie ber grem^ 

bcn eine rege Smj)fäng(i^Ieit ^atttn unb in i^re Denfweife 

iaib mit me^r; balb mit weniger ©litd ft(^ ju t)erfe(cn 

touptem SSSir muffen |>offen; baß e§ if^nen auc^ ntc^t 

üM au^gef($tagen fein werbe ^ al^ jte bie^ im WliMah 

tcr mit ber Slrabif^en ^^ilofo^jfiie \)erfu^ten, 3n ber 

tjot bfirfte man fagen, ^iert)on ^atte ber ©ieg über ipre 

eigene Sinfeitigfeit abgegangen. 
®fW. \>. 9J«- VIII. 12 



178 

fBon ben 3Iral>ern tarn tie ${!i(ofop(^te an(fy auf bte 3tt^ 
ben, unter weld^en im 12« 3a^r|iunbert (efonber^ üßofed 
ÜRatmonibed einen großen Stupm ftcf) ematB« tt(er bte 
®ef(|>id&te biefer 3iibifd&en $^i(ofoj3f>ie finb wir aber gu 
t^enig unterrid^tet^ aU baß tt)ir ein enlf^eibenbe^ Urt^eil 
nitt fie mi anmaßen bfirften. Sßon Kennern if^rer iU 
teratur ifl in neuern StiUn bej^auptet morben, bafi eine 
felbflänbige ^j^Uofop^ie in i^x nic^t }u finben fei. SIu($ 
müßten mir nid^t^ anzugeben , toai t>on ba^er in bie Un^ 
terfu(i^ungen ber 2:peoIogen be^ 13. 3a^rff. gefommen 
fein fönnte* 



mmüQütc* 

dritter Äbfc^nik 



12* 



Ik 



» 1 



@rfte$ StapittU 



%i($1 



ibem 2u anfange bed 13. Sa^x^* ik @d[^rtften be« 
M^oUUi unb ber 9Ira(tf($en Slrifiotelifer (efannt ge< 
toorbtn traten, riffen bie tpetten Sluöft^teit; tt)el^e fte 
eröffneten, bie allgemeine Slufmerffamfett an ^xö). 972an 
«nrb c« tegreiflid^ jtnben, baß bie grembartigfeit i^rer 
&$ren anfangt manche SBertDtrrnng anrichtete, baf ba^ 
bitrd^ ba6 ÜRißtrauen gegen biefe neuen Slutoritaten ge^ 
itojrt würbe unb eine gartet berer, »eld^e jeber 5Weue^ 
rang ab^cib ftnb, baran benfen fonnte bie 93er(reitung 
jener ©(firi^en mit ©ewaTt ju Joerpinbem. ©iefer SBt^ 
berjlanb bauerte jcbotfi nur furje S^iU SQBir finben, baß 
nod^ fein SDtenf^enalter t>erßrid^en v^ax, f>x^ bie Slrtßo^ 
Wif($e unb SlraBtf^e ^j;iIofoj)^ie in ber X^eologie ftd& 
fepgcfeftt ^atUf otgTeid^ man i^re Stwei^iungen t)on ber 
^ird^enlej^re fe^r gut fannte unb mi^HOigte. jDer Sng^ 
länber 3l(eranber t)on $aU0; tt)el($er f(fion 1222 
in ^arid ein 6eruffmter Seffrer war, wirb aW ber erjJe 
genannt, wtl^tx ben Slrijiotele^ unb Sltoicenna für bie 
c^rifHi(^ 2:{>eoIogie gebrautfite, fo wie er waj^rfd^einlic^ 



182 

au^ itx erfte tfl , wt\<fytx bte Sentenjen bed Som(arben 
mit Srflarungen t)erfa^ ^)» ^an ^at i^n be$tt)egen, unb 
totil er für unb tt)tber feine @a^e entgegengefe^te ÜRet^ 
nungen {ufammenfiellte, ben erflen Sd^otafHfer genannt ^3« 
Seine @umme ber St^eologie, u^eld^e feine @rflarung jum 
Som(arben enthalt , nad^ bem SSunfd^e eine6 $a(fled un^ 
ternommen unb wUtnitt, gewann ein au^ge^eid^neted 
anfe^n, o6n)of>l fie wenig ©eWfianbigfeit be^ Uftf^eiW 
t)errät^ unb aU eine @amm(ung , ml^t erfl m^ SKeran^ 
ber^ Sobe ^oodenbet würbe, in p^ilofopf^ifd^er unb ge^ 
fc^i^itlidl^er tHud^^t nur eine untergeorbnete 93ebeutung 
liat^). gaji um biefelBe 3eit napm aud& 833«^ elm 
^on 2lttt)ergne, feit 1228 Sifc^of t)on ^ari«, frfljet 
tin terfijfmter Se^rer ber ^arifer Univerfitat, SRfiÄjtdjit auf 
bie Se^ren be« Slriflotele^ , 9llfara6t , SItoicenna , äUgasel 
unb Sltoerroeö , me^r um fte ju wiber(egen , nU um fte 
}ur Unterflft^ung feiner t^eologif^ien unb fo^mologifd^en 
Sepren gu (enu^em @ein SQSerf aber ba^ SQSeftaQ fd^Itegt 
ft(^ me^r ben altern Unterfudt)ungen biefer SIrt, aii ben . 
Sorfd^ungen an^ wel(fie bem 13. 3a^r^. eine neue dti^* 
tung in ber ^f^itofop^ie gaben. 3n einem no(fi . )oieI totU 

1) Senigfiend ^at man feine gebrucfte (Srflärung bed, Som« 
batben, wetc^e ber [einigen ber 3^1^ ^^^ boranginge; fonft wirb 
auc^ $eter bon ^ottierd für ben erflen ©ententiarier gehalten, 
aber ni(^t mit ®t(^er$ett. e. ®^xm^ atr(|engef(^. XXIX 
(S« 8ß.f n)0 ein ^u^^ug au^ ^lexanber'd Kommentar gu finben ift* 

2) 3:iebemantt Oeifi ber fpec. ^JiL IV ©. 339* 

3) ^leranber 9. 1245; feine ©c^üter arbeiteten tbettet nnb 
1252 würbe bie @umme i^erau^gegeben. @. über f« Seben Hist. 
lit. de 1a France XVIII p. 312 sqq. %\x^ Kommentare Über bie 
^etapt^pitf unb de anima bed ^rtflotele^ ftnb i^m gugef^rteben 
»orben, bocj befhitten. 



^ 



185 

trrm Umfange (enu^te fßinctnt t)on ^tan^aU bte 
9ni^ ffir iai gtoße ntcynopabtfc^e SBerf, tDcId^ed 
er in Auftrag SubkPtg'tf te^ fettigen unb feiner Orben^^ 
teAber aM ätten i^m (efannten ©djiriftfieQem jufammen^ 
trug. Z)iefe Slrbeit fdOt freiließ erß in bie SRitte be^ 13. 
3a^r^*# fe^t a6er ^oxaui^ baß f(|on ^or btefer 3^ii tie 
tteiftotelifc^e unb Slrabifdl^e Se^re unter bte ^f^ilofoppen 
crogebmngen toar; benn ie^t maren aud^ bie ^lU^t^^^i* 
Iofp)>^en gen(t^igt auf fle einjuge^n. Dbgletd^ 93tncent 
bell Sriflotele« nic^t gelefen ^atte unb feiner ganjen ^iU 
tsng nad^ fein fßtxt^xtx )>^tIofopf^if(^er Unterfuc^ungen 
war, glaubte er boc^ Slu^tfige aud bem !lrißote(e< nid^t 
«tte^en ju f5nnen unb bebtente fid^ be^tpegen ber $u(fe 
Iiberer um fein SSerf burd^ btefeKen gu ^woUfi&n^ 
MgenO* 

di mu^tt jiebod^ eine geraume 3^t i^erge^en, ef^e 
wm in bad 93erfiänbniß Ui %xi^oUU^ unb feiner 3lra^ 
Kfd^ Sludleger.ftc^ |^inetnar(eiten fonnte. Srfl burc^ 
ben ^f^arrlid^en ^letp %li>txt% bem bte SSereffrung feiner 
3cit ben 9tamen bed ©ropen beilegte, gelang bieö. 

9I6ert tvurbe im 3apre 1193 ju Sauingen in S^toa^ 
ha geboren, aud bem (Stamm ber ©rafen ^on SßoKßäbt. 
3tt $abua finben toix i^n in fetner 3ugenb mit ben SBtf^ 
fenfc^a^en bef(fiäftigt ; balb barauf trat er in ben £)omi« 
nicanerorben unb Teerte lange 3^it ju Sbin, um bad 
3a^r 1248 auc^ einige 3^it ju ^ari« , \)on wo er aber 
halt »ieber nacf^ fiSIn jurfidEfe^rte. 3n feinem Drben 
lebte er nad^ jlrenger Siegel , me^r ber SBiffenfc^aft aU 



1) 6($lo{Trt Vincent ))cn ^eaitDai^. U e. 203. 



184 

im praftifd^en Seben jugewenbet, o(gIet($ er )u im 
SOSurben bed Drbend ^tufßteg unb ju man^tn ©efci^äfteti 
ge^raudl^t tpurbe. ^a^fl SlleranberlV., toon n)^I(^em et 
nac^ Stent berufen unb in ^open @^ren geffatten »urbe, 
ernannte t^n jum Sifc^of toon 9tegend(urg unb 906ert 
napm biefe SOSfirbe tm 3. 1260 an gegen bte SBor^edun^ 
geu; n)el(^e i^m ber ©eneral feines Drbend mad^te, ^tx^ ' 
toaltüt fte mit ® ef($id , legte fte aber bod^ nad^ mni^m 
^a^xtn n)teber nieber unb fe^rte in fein ^(ofier ju fi^ 
ju feinem frühem Se^ramte jurfidt ^ier fiarb er in |fo« 
^m ätter 1280 ^3* 

2)er gleip 9II6erf6 be« ©rogen tfl ben fpatem Betten 
ju gro^ gewefen. S)ie SQierfe, tveld^e er f^interlaffen ^at, 
futb ju iaff(rei($ unb ^on ju großer 3Rannigfattigfeit/ aU 
ba§ jiemanb gesagt Kiatte fte burcfi^uarbeiten unb iffren 
SOBert^ für bie Literatur unb bie ©efc^id^te ber SQiiffen^ 
fdl^aften abjufc^a^en. 9{ad^bem man toon ber SRaffe ber 
SSerfe/ n^eld^e feinen 3lamtn tragen, mepr aU f^unbert 
@(|)rtften ald uned^t ober ntd^t ^inlanglii^ beglaubigt ab< 
gefonbert l^at, ftnb nod^ me^r atö eben fo toiele gefanu« 
melt n^orben, totl^t man fär ecfit ^klt, ojine bod^ für > 
atte bie 3uflimmung ber ©ele^rten erffalten gu f6nnen ^. 

1) !f^an er^ä((t, ba$ et mehrere 3a(re t>ot feinem 2:obe bad 
®ebä(|tni8 Dertoren unb an^ in feiner Sugenb- tveni^ Serftanb 
m^^Q^ $^be, bann plö^nd^ etteu(|tet »orten fei« !Oied ftnb dtt* 
gä^Iungen im ®^^6)mcLd bed S^ittelalter^/ mlt^t t)on anbem $(i^ 
Iofo))(en in ä^nlic^er Seife in Umlauf ftnb. @ine anbere @r« 
ICiilviXiQ qUU an, baf er notff 1277 bie Se^re bed'2:$omad Don 
^quino ^u ^arid t>ert$eibigte, fo tt)ie mehrere Angaben t)on bet 
genauen greunbfc^aft beiber Scanner fprec^en. 

2) ^ie flu^gabe feiner Serfe t)on 3anim|^ (Lugd. 1^51), 
mli^z i^ cHixi, ffiat 21 golianten. 



iL 



185 

(Kned fo((^ei| g(et§ed (ebur^e ti, um in ba^ mädl^ttge 
@e(aube Ut Urißotelifdiien ©j^fiemd einjubnngen, baju 
aiu^ tie Se^ren feiner Siu^teger, tt>ie fte ffaufenweife bie^ 
fem StiUAttt ^er^etßromten, unb mentgßend mittelbar ^) 
mufi bie ganje fl(dge $^tIofo)>^{e ber SBorsett {t(fi an^ 
IBetgnen, o^ne bennod^ ^on biefen SRaffen ber tt6erlie^ 
fmtng. ft(^ übtxtoSÜiita ju laffeiu Sie Srnärungett, 
»elc^e 9I(ert aud^ gu ben fettigen Schriften, )um ^ttxni 
i»miaxWi fdl^rie^/ feine ®umme ber Z^tol^it, feine 
tüonliifytn @4inften Knnten ^tetleic^t biefer großen Sluf^ 
gäbe feinet Sebeu« fremb f (feinen, a(er fte ge(en 3(ug^ 
mp ^on bem ®eiße, in »etilem er bie Überlieferung ber 
alten 9^tIofo)>f)ie audjuffaUen t)emiO(i^te, o^ne ft(^ ))on 
i|r fortreißen jtt laffem Sd fam nid^t Hop barauf an 
tie $^i(ofop^ie bed Slrifioteled gu fennen unb a^iufd^ä^en, 
fonbem ber größere Z^iit ber 3(rbeit (efianb barin fte 
itt ben ®ebanfenfreid einjufu^^ren; m\^tx fte in ber 
a(enblanbtf(l[^en S^rifien'^eit erwartete« S)ad ^at Gilbert 
ber ®rope get^^an; i^nt ifi bie 9lr{|1oteItf(^e ^^{(ofop^ie 
feine frembartige Überlieferung; er n>eip/ wai ^on i^x 
geiraudilt toerben fann, toa^ }u )E)ertt)erfen iß. Sben fo 
ßeOt er ^^ ben Slrabifdl^en Strifloteltfern unb bem $taton 
gegen&ber* 9Bir muffen und gefie^n, bap er eine 9Iuf^ 
gäbe getojl ^at, bereu Söfung man faum oon einem SRen^ 



1) ^i^t aUm mitfeftar, benn e« würben um biefe 3eit' 
»a(rf4ieinlt(^ au^ Srabif(]^en Überfe^ungen , au(^ anbere aU bie 
arifloteüfd^en @(|riften befannt. SUbert fennt bie @(^riften ber 
®ne(^. irate nnb ä^at^ematifer , ©Triften bed ^taton, ).9« ben 
^H^on, M Biotin, aber auc^ bed 2:ri0megiflod. 



186 

f4ien txtoaxttn möchte. Mt fpatere y^ilo\op^it Ui 3Slit^ 
tüalttxi ru^t (Ulf feinen (Srfolgem 

91ut: mufl man ni^t emotten, bap icv Untttvi^t, 
m\(^tn er aud feinen neuen Autoritäten }og, offne 93et' 
U)irrungen abgegangen toare. 2>er pißorifdiie ®tof , im 
er ju bewältigen ^atte, \>tt\^xommt faß überall, tDO er 
t^n ju faffen fucfit/ in eine fagen^afte Überlieferung, füt^t 
beutlic^ n)irb man ft(^ bied mad^en fonnen, toenn man 
feine ^enntni§ ber ©ned^ifdjien ^pilofop^ie mit bem soer^ 
gleicfft, tt>ad 3offanned ^on ©ali^buri^ t)on i^r wu^tt, 
Gilbert ^at jtoar eine gr^flere !D2affe ber Überlieferungen 
aber bie alte $^i(ofD)>|iie 9or fd^; aber er folgt fe^r 
unft(|iern Angaben. SQ3enn ^of^anned au^ ber Sateinif^en 
Siteratur bericfitet, fo treffen feine Semerfungen iU)ar tot^ 
niger ben ^ern ber @a(!^i, ffalten ftdji aber io^ na^er 
an bie auf ere ©efdl^icbte. @elbfl Ariflotele^, burd^ f(^Ie(^te 
Überfe^ungen , meiflend ani bem Arabifc^en ^inburi^ge^ 
gangen, mxi ipm eine JDuelle 9on 3rtfffimem^). Albert 
faff ba^ Übel mopl im AQgemeinen tin, n)upte if^m aber 
ni(^t abju^elfem 3J{an fönnte fragen , toai i^m unter fo 
ungünfiigen Umßänben nun bod^ gelingen fonnte. SOBtr 
burfen e^ n{d[^t ju gering anf^Iagen. 2)ie entferntem 
@egenben ber alten ^pilofop^ie blieben bem 13. 3a|fr^* 
freiließ im Sunfel liegen, ia tourben burd^ toerfalfd^enbe 
Überlieferung nur nod^ me^r toerbunfelt; aber bie Seffren 



1) Za^nli^ ftnb tte Serbre^ungen ber tarnen alter f)$tlo« 
fo)>(en; tt>el(^e man bei i^m finbeh 3* ^« Itifmäon ber ^oto* 
ntat wirb in f>alfamian ober ^Itirnemon ))on ^orint( bem^anbett, 
Xenop^aned bon jtotop^on l^^iii philosophus Moloconensb de 
Casumaii. 35ielc ^^i^pi^U bcr %xi f. b. 3ourbain e. 293. 



1Q7 

ber $^Uofo)>^en, mitist in i^xtn eigenen @^nften gete^ 
fen werben fonnten, U\on^tti Ui $lnfiote(ed unb ber 
ara(if(^en Slnßoteltf er , treten bod^ in UmtU^tn Bfigen 
^or ttnb sur 93ef(|iamung fpäterer 3ai^ri^unberte, mli^t 
auf bie ©djioIafKfer mit SSerac^tung ^erabfaffen, tvirb man 
geße^n mfiffen^ baf im 13. ^a^t^. bie Slrifiotelif^e W^ 
Iofo))${e jn^ar nidjit ojine 93orurt^eiIe, aber boc^ (effer 
erfannt n>urbe, aU nod^ in unferm 3affrf^unbert« 

3ur 3eit Sllbert^ mx itiotfy bad @tubium be« Slri^ 
^teled nod^ im 93eginn* 93on mUn ^djiriften be$feI6en 
iefa^ er nur SlraHfd^^Sateinifdiie, für anbere fonnte er 
am$ ®xit^i\^ ^ Sateinif(|e Überfe^ungen benu^en 0* 3n 
SaQen , »o t^m mehrere ttberfe^ungen berfelben @4irift 
t^orlagen, ^at er bie 93erg(ei(fiung ni(fit t)erabfäumt. di 
Q^irb iffm ba^ ioi gegeben, bap fein ®($o(aflifer fo forg^ 
fmn al« er aUe^ fammelte, n)a6 jur Srft&tung bed bun^ 
fefa j;erte« bienen fonnte % gap olle ©4iriften bc^ 
«rifioteled erflärte er in feiner SBBeife o^ne fid^ wörtlich 
an ben S^ejct anjufd^Hc^cn, umfdj^reibenb unb feine eige^ 
ncn Semerfungen, oft weitläuftige Slbfc^ weifungen j^inju^ 
fügenb, toeld^e er au«brüdHi(f> t)on feinen Umf4>reibungen 
abfonberte/ 

5Wan wirb ^ierauö erfennen, baß er einen bo))pelten 
3tt>ea ^aüt, t^nU ben Slrijioteleö ju erltaren, t^dt^ i^n 
für bie ©cbftrfniffe feiner Stit jujuricl^ten* liefern leftten 
3n)ede biente e^ , baß er bebeutenbe Sf^eile ju ben @(|>rif^ 
ten bed Slrifiotelei^ iufe^te, in ber Sln|tc|it/ baß fte ju ber 



1) Sourbain ®. 28t ff. 

2) ebenb. ©• 316. 



i88 

UM iu enttDerfen (ca^ftc^tigt ffabe unb I9el($e er na^ 
ben Seburfhtffen feiner 3ett t^teberperfteKen tooiitu (Eö 
tfl ni^t ojine 3ntereffe, ni(fit o^ne c^araftertfitfc^e 3^9^ 
far t^n unb feine 3eit/ tt)ie er ba(ei t)erfaffren ift» (Ei^ 
nige^ f^at er ganj übergangen, Q)ie bie SR^etorif unb bte 
^ottit, oi^Ui^ 2lt)erroe« biefe Öd&riften erflärt ^atte* 
93on biefen SDingen f^atte ber ©efif^mad ber ©d^ule {t(^ 
}urfi(fgejogen« Sinen a^nli^en @runb mag ti ^af>tn, 
bap er bie ^olitif bed ^xi^ottM, entn>eber gar ni^t 
ober bO($ erfl fpät unb gegen feine fonflige SQieife nur 
an bie SSorte be^ ^rißotete^ fd^ ffaUenb mit einer Sr^ 
flarung ))erfa^ ^3. Slud^ bie 9Reta))f»# be6 Slriftotele^ 
f^at er nid^t in feiner ^wipnUöfm SBeife bearbeitet (it 
ffätt {i(^ babei fhreng an bie Sefiren be^ Slrifiotele^ unb 
mü t)om ©einigen nic^td f^in^ufe^en. Unftreitig fB^ltt 
er iai ®ttoi^t biefed SQSerfeö, fanb aber m^ in t^m 
ju t>ie(erlei, toad feinen ci^):ifili($en ttberjeugungen n)tber^ 
f))ra(fi, unb jugleic^ einen ju engen 3ufammen]^ang ber 
©runbfa^e, al^ baf er bur^ feine gen)o^nIi(fien Sin^ 
f(^altungen ft(fi ju ffelfen gen^upt l^&tte* @r fe^te biefem 
@9fiem bafier fein ©i^fiem ber 2:^eo(ogie jur @ette* 
©anj anberd t)erfd^rt er mit ben pfipftfdiien ®(l[^riften bed 
Slrifiotele«. 3n biefem ©ebiete ^at ber SReifier b'er 9ta^ 
tur fein ^olled SSertrauem Unter feiner gü^rung fud^t er 
aber aud^ bie ^enntnif ber 92atur ju ern)eiterm (&i ift 
Mannt, t»it fein Steiß in biefen Unterfuddungen i^m 



1) aUnt. e. 326 f. Soutbatn h^miUÜ tte (^tS^t^nt br^ 
^ommentar^, toi^ o^ne ^u entfc^eiben. 



189 

tot 9tttf tintt 3au(eYerd )ugqogen ^al 6^n^en ber 
gef^rimen Jtimfi ffipren fetnen 9{amen. 60 n^te er t^on 
Aberglauben felbfi ni^t frei ger)>ro($en (Derben fann, fo 
^ Ott^ ber Hbergloube um feine ))^9ftf(^en ftenntniffe 
einen tfiufcibenben ®(an) toerbreitet älber nac^bem i^n 
forgfittigere Unterführung gerflreut ^at, ift M^ immer 
genug gurädgeblieben um in i^m einen 3}{ann ju erfen^ 
len, tt>el($er burc^ Slei^ unb 6elb{lfiänbigf eit ber %ox^ 
f<ftung für feine Seit in ber ©efd^id^te ber 9laturn)if[en« 
f(^ften einen audgejetc^neten Slang bel^au^^tet SQenn 
man bie aOmilige (Ert^eiterung ber Srbfunbe verfolgen 
«iS/ fo ^at man in feinen ©d^riften na^jufucf^en ; )u 
bcm naturgefci^idr tilgen IBerfe M üriftoteied fe^te er 
\f^ i^m eigene ^ft^et ju ^); unb überbiej tint eigene 
6$rifi über bie !KineraI{en , in ml^tx er ftd^ auf feine 
eigenen Unterfu^ungen an Drt unb @telle beruft ^3. 3n 
äffnli(^er SBeife ftnbet man in allen S:jieilen ber iRatur^ 
oKffenfc^aft feine S^^f^i^ngen erwaffnt. Pgt man nun 
$ttt)U/ bap er baräber bie bialeftif^en Unterfuff^ungen 
imb fein ©9jiem ber JCjfeoIogic feine^wege« t)ernaciriaffigte, 
fo tt)irb man ben umfaffenben ®eifl bed ^annt^ ju n)är^ 
btgcn tt)tfrem 3n biefer 3lu(ffi(f>t ifi i^m fein ©d&olajli^ 
fer gleicf» gu fe^en. 2:(^oma^ t>on Slquinp unb Zm^ 
®cotu6 f^aben fein t^eologif(|ic^ ©9fiem in ©(fiatten ge* 
flellt/ äioger Sacon l^at i^n Dieüeic^t in fcf^arfjtnniger 
Srforf^ung ber 5Ratur »ermittelji ber 9Wat{>ematif fiber* 
troffen; aber atie biefe Scanner benugteft feine 93orarbei^ 



1) ebenb. @. 301 ff. 

2) etenb* ©• 206 f^ 



190 

ten unb {einer t)on t^nen ^at itibt @eUen ber Sotfc^^ung 
fo sufammett3u]^alten gen^uft, n)te er. 

@eme iBerbtenfle um bte SBiffenfdjKißen )>oa{IS]!btg 
a^gufcfia^en mfiffen tvtr anbem fi6er(affett. Unfere Snf^ 
merffamfeit lit^tn ffauptfäd^Itt^ feine 9lr(eiten für bie Hu«« 
(Übung be6 ))^tIofo))]^if(l^^tfieoIogtfd[^en @i^fiem6 auf ftd^* 
S3ei ber Unterfuc^ung berfeKen A(ertt)A(tigt un« aOeri* 
bingd nid^t fetten bie 9Raffe M &o\fi, mii^cn er t>on 
äffen Qtittn l^erbeijiefft, unb bie SRenge ber 9lutoritfitm, 
Yoeld^e er beriUfftcfitigen gu mfiffen glaubt 9l(er burd^ 
biefe ÜRannigfatttgfett ber Singe, totl^t un^ fifierlaben, 
txi^t bO(|^ fei^r ffaufig ber gefunbe @inn unb bad gereifte 
Urtfieil iti ÜRanne^ ftd^ S3afin unb tt)eiß leitenbe ©runb^ 
fa^e aufgufinben, mi^t ^aäi auf bai 3iel vorbringen 
unb grof e ÜRaffen ber Unterführung {ufammenfaffen unb 
erleud^ten. Slud^ in biefer SRfidftd^t getd^net er ftd^ toor 
feinen Tlad^folgem au^, (ei wetd^en bie Sinjell^eiten ber 
Se^re fiärfer f»er))ortreten unb mit ben affgemeinen ®runb# 
fa^en fa{l auf gleid^en SBoben ftc^ fieffen. 3n ber ^ni* 
f Sprung bed Sinjetnen ifl er iffnen aber nid^t gleit^ gn 
fe^en. Sie Elemente/ n^etd^e man in feiner Se^re un^ 
terf(|»eiben {ann, bie Slrifiotelif^^e $^i(ofo))^ie, mit bem 
993e(tf9fieme , n)ie e^ bie 9(raber ft(fi )E)orfieffig gemad^t 
Ratten, unb bie ^ei^ren ber fat^otif4)en Äird^e, treten Bei 
i^m no^ in einer SBeife jufammen , ba§ man i^ren i^tt* 
fd^iebenen Urfprung woffi bemerfen fann* 25a ifl aud^ 
affe§ ©dj>tt)anfen jwifd^en ber fat|>otifdren Ceprweife unb 
ben ©runbfägen ber $^iIofo))^ie nod^ ni^^t t)erf(f>wunben* 
yti^t affein, wie fd^on früher erwähnt, in feiner (Srfld^ 
rung ber ärifiotetiftfien ^ttaf^[\t, fonbern aud^ an an*^ 



191 

bern Orten gteM er ju erfennett; er tooUt ^ter nur 
bte SRetttung ber $ert>atettfer tpiebergeben ; toit biefeKe 
litt ber fotffoKfd^en Se^re ausgeglichen n^erben f5nne, 
läft er bal^üt gefiefft fein. !Do(^ tfl beSn^egen feine wal^re 
itt^ängttii^feit an ben fat^olifcfien ®Iau(en nic^t ju (e^ 
|»etfeln; er unterfd^eibet nur in)ei ®ef(^afte; wel^e er 
ktretbt/ bte ))ertpatettfd^e fS^tlofop^ie unb ba« e^fient 
ter Geologie* !Da^ bie erftere in t){elen fünften bie 
Sa^r^ett ni^t f^abe ftnben f5nnen; baran gweifelt er 
m\ nur ber c^rifUic^e @(au6e ^at bie looUt SBa^r^eit 
f/itaöft ÜRan l^at tf^n ben älffcn iti SIrifiote(e^ genannt, 
itt großem Unrecht; benn er fennt bie B^to&^tn bed 
Icipotelifd^en @9flemd in ben ^anpt^aöftn fef^r tpof^I, 
«cnn er aud^ einiget in ii^nt auf baS Wiitftt ju beuten 
flucti ba^ ti ni^^t in einem )u grellen SBtberfprud^ ge^ 
gm bie fat^oItf(|e Se^te erfd^eine, fo n)iberfpr{(i^t er i^m 
bo($ ol^ne Sebenfen, wo bie entfd^eibenben fünfte ein^ 
treten ; nur in weniger beutlid[ien 3figen ber Se^re nt^t 
allein teim Slriftotete« , fonbern avi6) iti anbem Ober^ 
lieferungen treten feine ©d^manfungen fferauS« @6en in 
foI($en entfd[ieibenben fünften nimmt er aud^ too^l bie 
Partei beS $(aton gegen ben SIrifiotele« , unb man fann 
Jfcron , wie öBerJaupt an ber Haltung feiner ?e^re fe^r 
gut iemerfeu; wit ber Übergang t>on bem ^latoniSmuS 
bed 12. jutn SlrißoteliSmuS beS 13» Sa^r^. bO(fi feineSme^ 
geS fo f^roff war, ba§ bte Ce^ren beS erfiem nid^t nod^ 
auf bie fpatere 3eit f^erübergenommen morben wären 2), 

1) 3* ^- ^c caus. et proc. un. 11 tr. 1, 2 p. 565 a. 

2] 3u Ux fotgenben Darflettund feinet t^^UofopHfc^en ^e^vrn 

(abe i($ (au|)tfä(|n(( feine summa theologiae, feine summa de 



192 

(Sin äffn«4ie« S^erpättnip ^at feine $^t(ofo))^te aac^ 
gu ben frfi^ern tfieologif^en Seiten« @r fud^t an hit[ü^ 
ben anjufnäpfen , tt)te fd^on fein Sommentar )um Som^ 
(arbett jetgt, nid^t toeniger feine tj^eologifd^e ©umme, 
n)e((^e einen fei^r a^nU^tn SSeg wie bie Sentengen tin^ 
f^^Iagt jDie et^if($e 9tid^tung liegt bafier an<fy in feiner 
St^eologie offen t)or. 9htr mit großem SSewu^tfein aU 
^ ber Som(avbe t>erfotgt er fte, inbem er gleid^ }u Anfang 
bie fragen aufwir^ ^} ^ o( bie St^eologie eine SOSiffem 
f(|iaft fei unb n^eld^er 3lrt ber SSiffienf^aft fte ange^are, 
unb {t(^ baffir entfc^eibet^ ba^ fte eine f^raftifd^e SQSiffeit:» 
f^aft fei, ml^c ti auf bie @eligfeit be« Snenf^en ah 
gefejn pabe ^D» @* fiört ijn in biefer Sntf^eibung ni^t, 
baß ©Ott aK Subjiect ') ber S^f^eologie angefe^n tt)erben 
fonnte; benn er fapt ben Segriff ber SC^eotogie ganj tnU 



creaturis unb feine philosopliia pauperum but^gefe^en* !Die a^U 
int ber le^tern ©(^rift tfl angefo(iien werben ; fte f önnte tt>o(f 
ein ^u^^ug fein, bO($ gehört ber 3n$aU bem ^Ibertud unflreitfg. 
^uferbem ^aU i^ eine Steige fCetnerer ©c^riften getefen, tt>et(^ 
gum ^^eil ^u feinen ^rifiotetifi^en Kommentaren gehören unb im 
5: 55be. ber Sluögabe b. Sammp ftejen. @ie flnb für bie öeur» 
t^eilung feiner Se^re fei^r toi^ti^, 3« 8« de natura et origtoe 

animae, de unitate intellectus contra Averroem, de intellectu 
et intelilglbili , de causis et processu universitatis. Rubere feinCT 

©(^riften (abe i^ nur lleUennDeife ^u fRat^^ gesogen. 

1) @(!^on ^teranber bon ^ale^ (at biefe S^agen unterfuil^t; 
))on i^m ftnb ite auf aC(e ©ententiarier übergegangen. 

2) Summa theol. I tr. I qu. 4 membr. 3. 

3) ©er 5lu^brurf @ub|ect, »0 »ir ie^t Objiect gu fagen pfle« 
gen, fommt au(J fcjon früher, namentlich bei 3ltexanber bon ^a» 
M bor ; er ifl a\x^ Sateinif(^en Überfe^ungen ber @rie(^if$en unb 
^rabif(!ben ^^ilofop^en geffoffen. @o finbe it!^ i^n in ber aber« 
fegung bed ^tgagel bon !Dominicud ©onbifalbu^ phil. I, 1. 




195 

f^iteben in SSejie^ung auf ben ®Iau(en; fte Ift i^m ni^t 
SBtffenfd^aft wn @ott, fonbem Don bcn S)tngen, u>c(^e 
ber grdmmigfdt bienen unb ba^er gu unferm ^tU mi 
führen 0* ^c(fy mnxQzx ^ixt ed i$fn, baß bte ^C^cologte 
Qttf @Iau(en beruht/ benn abgefepn ba))on, bap {te eben 
Mtt^egen ftc^eter tft ali jfebe anbere SßtfTenfc^aft, tt)et( 
fie eine goMtc^e Snf^tratlon unb ni^t nienf($Itd^e SRet^ 
nnns S^ <'P^^ ©runblage fiat, ift aud^ bted bte 93etfe 
aQet menfc^It^en SBtffenfc^aft, bap fte ntc^t Don ben Ur^ 
ia^en gu ben SBtrfungen foxt^^xtiM, rvk bte ÜtatuT/ 
fottbern t)on ben f))dtem SBtrfungen aixi (ex posteriori- 
bas) bie frfi^ern Utfad^en ju erreichen fud^t Xtx ®(aube 
imittj^ ifl eine SBtrfung (SotM in un^; er gebort ben 
Saien ®ottti an, ml^t fein 9Q3trfen in mi bezeugen; 
«ib nur Don btefen Srfaj^rungen ani fann bte t>emän^ 
% @eele gu ber Srfenntntp beffen gelangen; xoa^ i^o^er 
iß al< fte felbfl; tnbem fte Dom ©tauben }um ä3etf}5nb^ 
Bip t)crjubrtngen fhebt ^» 



1) Ib. qu. 2. Theologia est scientia de his, quae ad salu- 
tem pertinent; pietas enim conducit ad salutem. Cf. ib. qu. 3 
membr. 1. 

2) Ib. qu. 5 m. 3 p. 15 a. 'Licet ratio non possit in pri- 
niam veritatem eo, quod super ipsam, ex prloribus simpliciter, 
fadt tarnen persuasioncm ex posterioribus, quae priora sunt 

qnoad nos. Licet fidei innitatur ut principiorum, tarnen 

et ipsa fides ex posterioribus crediti quaerit iutcllectum. ^icd 

WieSt flc^ ßong an ben 5lnfelmuö an (quaesi. 5 m. 2.). jDer 
®fanh ift baö WtiM gur tjcclogifc^en (hUmini^ in \ia, ffir l>cn 

vialor, b. J. im ^iitUt^cn Scben. Ib. Ir. III qu. 15 m. 3 a. 1 

p. 5T b sqq. (Sine Jiöjcre (Srfcnntnif ßcwäjrt bie ^infc^auung, 
per gustum Ober rapium , bcr ®Iaube aber »icber eine f^Jcre 

^fenntnif aU bie ratio naturalis. Ib. art. 2 p. 59 b sq. 

®eM. b. ^JiL yill. 13 



1»4 

Sei btefev ^Denfweife fann ti t^m ni^t ^n^eifelfia^ 
fein, bap Xpeologie unb $^i(ofo))p{e/ Dffenbarung unb 
SBetnunft mit einanbet {Timmen muffen* 2)ie JDffen(<u 
tung ijl i^m nur eine ^i^txt Stfa^rung, eine ^ti^^ 
tung ber ©nabe, unb bie Sffeotogie bilbet {t$ in ber«" 

feigen SBeife, toit aUe menfd^H^e Siffenfd^aft na$ bem 

I. 

Slrifloteled ftd^ bilben foK/ au^gepenb wn ber Srfaprung 
unb nur bie ©ränbe ber (Srfaprung auffud^enb* SQSfr 
flauen f4^on früher auf biefe (i&ereinßimmung ber tir$^ 
liefen Sepre »om SSer^aUniffe be^ ©laufen« 2um SBiffen 
mit ber Slrißotelif^ien $pi(ofo!p|iie aufmetffam gemalt 
@rfl üe^t, na^bem man biefe jur p^rerin in ben natfic« 
liefen Sßiffenfd^aften gen)&pft ^atte, {am man gu einem 
^iUiitn Semuptfein biefer Ü^ereinjiimmung« hiermit 
l^ängt nun ber äJorjug {ufammen, n^eld^er ber Speologie 
))or ber natürlichen 9)^i(ofo)3{fie gegeben »^irb« ^it^H^ 
ligfeit be^ (!eiend j^ilft )um (Srfennen* SQ3ir muffen uH 
im c^rifin^en ©laufen ©Ott )un)enben, un^ reinigen, 
u(er jeitli^e Sefirelbungen tmb Seibenfc^aft unä er^e^en, 
um 2ur Srfenntnip beffen ju gelangen; tt>a& über ber 3tit 
iß. @rft baburcf» fommen n^ir jum ©efii^mod beö ©ott» 
tid^eu; gu einer Srfenntmp, i^elc^e ben Slffect ber ikU 
in {t(|^ trägt '3* 3Bir n^erben pierin ben ^a^^aU ber 
SSictoriner erfennen unb bemerfen^ n^ie SUbert in ber ^at 
aUt Elemente ber frühem Speologie ben)aprt pat @etiie 
fttt(i(pe 3In{t(pt ber £)inge legt jn^ar auf fird^Ii(pe ÜbimÄ 
großem ©emicpt/ ^ernacplafftgt aber baröber io(fy feinet 



1 Ib. jtr. I qu« 4 m. 3. Intellectus affectivus. De int» 
et inU II, 10. 




195 

»egeö bie fromme Sefc^auHd^feit tti ®emöt$4 unb iit^t 
an^ bte (Srgetotffe ber ))^9{tf4ien Untetfud^ungen babet 
jn 9tat$e, tt)eU bie 9lahtr bie ©ntnblage be« fittUc^en 
fo^nt« ifU 

$n6trt gept t)on bem ©ebanfen ani, ba^ tn ber ^tx^ 
«ünfHgen @eele ein »aturltd^e^ Serlangen tjl bie erfie 
Orfac^e/ ®ott/ ju erfennen* S)ie< SBerlangen barf nic^t 
»ergeUid^ in ipr fein unb baper tft nicjit gu bejtDeifeln; 
taf n>iir ©Ott ju erfennen «)erm6gen ^)« 9htn i^ aUx 
Ue Srage, ob biefe Srfenntniß un^ auf unmittelbare 
Seife )ufomme ober ob xoiv bad 2)afeitt ©otted ju be^ 
Qteifen poben« hierbei berud ftc^tigt SIbert jtoar bie Sefire 
ktf anfelmu«; ba^ ber' Segriff ©otteö an unb für ftd^ 
lemip fei; aber er entfd^eibet fic^ bod^ fflr ba« ®egem 
t^T. 9Benn ti an^ fc^Ied^t^in gewiß ifl, baß ©ott i% 
fo bebfirfen toix bod^ ber Setoeife")* äBir mfiffen aber 
9bn ber (Srfaj^rung in aUer unfertr SBiffenfc^aft audgefin 
ttiib baffer f^aben n>ir au$ bie 93ett)eife ffir ba^ £)afein 
(Botted ani ber (Srfafirung }u fd^o))fen. Diefe iß eine 
bo)»))ette/ bie @rfa^rung burcf^ bie ©nabe unb bie (Sx^ 
fa^rung in natürlid^em SBege^ totewofil m^ bie leitete 
im toeitern ©inne, n)ie aUed ©ute, bur$ bie ©nabe 
®otted uni i\i Z^til toirb. Slud^ burd^ bie naturli^ie 
Srfä^rung n)irb ©ott bemt^tn, inbem mir Don ben SBir^ 
fmgen auf eine erfie Urfacl^e f^fUeßen muffen; fogar bie 
BfiXntn ber SCrinität fonnen wir auf biefem SÖSege ftnbcn, 



1) Summa theol. I tr. III qu. 13 m. 1 p. 31 a. 

2) Ib. qu. 17. 

13* 



196 

wüi tfnr Stlb hl bfii cotfitft^ Singen otgArftcK ift ^y. 
Do^ vcrßc^t ti ft$, baf tiefe Chfenntnt^ bnr^ bte 
ytatnx eine unt^ollfommnere iß ol^ bie (Srftnntni^ bnrd^ 
bte @nabe, n>el($e bnr^ pfiffe ber ftttlid^en SntoiAmtg 
gemonnen »irb* äterffon^t jebocf^ ift bie (Kfenitnig be« 
®ef(95))fed wm 6^öpfer eine nwoodfornmene, benn bo* 
Snblid^e fonn nii^t bo^ Unenblu^e begreifen/ toitm^X 
ti au^ t^om Unenblt^en nU^t getrennt fein fann nnb an^ 
in feinem Srfennen mit t^m {ufammen^ongen muf * Sbif 
biefe SBeife loft SlKert bie &mSx\t berer^ meiere aäi 
bem Üierf^wengüc^ im Segtiffe @cUti bie ^olgernng 
gqogen Rotten, (Sott Umt ni^t gebac^, nii^t erfannt 
unb ni^t genannt metbem SUlerbingd i^ et nnfiegräflu^/ 
tovm man unter bem SSegreiffim ein UmfafTen be^ ganj|en 
©egenßanbed t>erfl^t; aier weil toit ipn ni^t ganj faf^ 
fen fonnen, bomm iß er bod^ ni^t nnferer ^enntniß 
gängltd^ entrüiit« Senigftend ein Serti^ten @otteö ia 
unfern ©ebanfen ^aUn t9tr an}une|iroen; wenn »ir nid^t 
U^anptm tooUtn, baß mtfer 2)enfen wn aller SSa^rj^eit 
fem i{L (Sr ifi ba^ audfhralenbe tüd^t/ n>e(d^e$ und er» 
leuchtet; n^enn mi ber ©trol feinet Si^ted (entert/ ob^ 
gleich n^ir bie ganje firaft ber erleuc^enben @onne ntc^t 
f äffen f^nnen^ fo {lefien tDir bO(^ mit i^m in ©emein^ 
f($aft^3. ^dUi mt Sn^ert af>ct an^ ben ©ebanfen 



1) Ib. 18 m. 1. Slux Ui einer erHen t>olIfommenen Urfo^t 
M Q^fennend Knnen tt)ir flehen Metbem De iot. et int. I, 2, 

2) Summa theo!. I tr. III qu. 13 m. 1 p. 31 a. Ille enim 
maximc intelligibllis est et omnis intellectus et intelligibilitatis 
causa et in omni intelligibili attingitur, sicut lumen, quod est 
actus visiblliura, attingitur in omni visiblli per visum. Sicut 
tarnen lunien secundum immensitateiDy quam habet in rota solis. 




197 

ft^, bap toit ©Ott nur mitHlfm toU bie Urfa^e in i^^ 
ren SBtidfungen etfennen 0* 

Siix Unntn ni^t fagett; baß SI((^ ^tetburj^ aOen 
6(^n>tevtgfetten entgangen to&xt* (Si (ebrangt t^n be^ 
fonberd ber ®a$, ba§ an)tf($en @ott unb ben ®ef$(i))fen; 
mffc^ bem UnenbK(|ien unb bem ^nilU^tn in fetner 
8lfiif|t($t ©teic^ffeit ober ^nli^kxt fiattftnbe^}, inbem 
rr aui$ ben alten @a9 beffau^tet/ baß j[ebe (2Menntniß 
eine S^nltilifeit iti Srfennenben mit bem (Erfonnten ^or^ 
ottdfe^e; benn bie ®ee(e erfennt aUti nur burd^ bte Ül^ns 
IM^feit be^fel^en mit fic^ ^% Unfiretttg i^ jener Sag ju 

et secuDdum immensitatem potestatis , qua omnia Tisibilia com- 
ptehendere potest, non pdtesf capi Tel comprebendi a tisu, ita 
MC intellecttts divious^ •econdum eicellentiam , qua ezcellit in 
fB ipso , et tecundum potestatera , qua lUustrare potest super 
omnia, etiam super infinita intelligibilia , capi vel comprebendi 
potest ab intellecta creato. De int. 11, 9 p. 260 a ; de cans. et 
proc un. tr. III, 6. !Der SudbrtKf attingere tt>»b gett>9(nt{c( im 
Segenfag gegen comprebendere QthxoXitl^U Summa tbeol. I tr. IV 
qa. 18 m. 3 p. 67 b. Attingi potest intellectu f sed non com- 
prebendi. Ib. tr. III qu. 13 m. 1 p. 30 b. Comprebensio enim 
ert contactus intellectns super terminos rei. ^ad attingere tt>{tb 

^gegen aU simpIex intuitus geballt* (Sin begriff ®0itt^ ifl ba« 
}n im (brennen @tnn nitit möglich« dt ifl nic^t ©ubflana / nit^t 

ens, au($ ni^i 3nbft)fbUUm. De int. et int. IT, 1 p. 252 b. 

S)0(( iß a0ed bad in i^m , tt>ei( et Utfac^e aUet biefer !&inge ift, 
»airer ald in allen ©efc^affenen* d^ ifl bte Sbee, tt>elc(e n>ir in 
oOen S)ingen benfen, nur contra^irt, nid^t t)oQßänbig. 

1) Summa tbeol. I tr. III qu. 13 m. 1 p. 30 b. Causa prima 
superior est narratione — - — et non narratnr nisi per cansas 
secundas, quae illuminantur lumine primae causae. 

2) Summa* de creat. I tr. I qu. 1 art. 3 p. 3 b. Deus non 
UDiTocatur cum creatura in aliquo. Summa tbeol« I tr. III qu. 14 
ro. 1. Similitudo autem finiti et proprietas ad infioitum nulla est. 

3) L. 1.; pbili paup. V, 29* 



198 

aUßentein gefaxt; bo(^ f^ircttet %V>txt ni^t fogI^t($ ju 
feinet SSef^ft&nfung* Sr n^id t^n ; fo mö^tt ü f(|ie{nen> 
fär f))atete Solg^nmgen ftc^ auff))aren. SDa^er (ef(^ränft 
et: lieber ben anbern ©a^, tnbem et meint/ itut bie du 
hnntni^ be^^^efen« unb bet Utfac^e; mmm tttoai i% 
»etbe butd^ bie i^nlic^feit bed Stfennenben mit bem 
Stfannten votliogen/ eine t>etn)ottene (Stfenntniß bagegett 
f5nne an^ X)etmittelfl einet SSetgleic^ung be^ 9tiebem mit 
bem ^i^ztn gewonnen wetben 0» (Sine fo((^e i^tmoxf 
tene Stfenntnip wn ®ott butd^ SSetneinung, wtX^t aber 
eine Sej[a|fung ^(nrau^fe^e, fd^reibt et me }u, auc^ ö^ne 
^fitfe bet ®nabe, t)on iWatut, fo bag jie felbfl ben So* 
fen ni((it fe^le^3* 9Q3enn et abet ben ®uten eine ^i^ 
fiere (Stfenntnig im^ 93eta^n(i(f)ung mit ®ott »etmit^ 
telfl bet ®nabe ^otbe^SU ^3 , fo bemetft man a\x^ , bag 
et jienen attgemeinen ®tunbfa^ feine^ii^ege^ oj^ne alle 
Sef^tänfung geltenb ma^^en n^id. 

SSatum et bie Sefite wn bet )^d((igen SSetfd^ieben^eit 
®otte^ unb bet mitti^tn 2)inge eiftiget aU btUig be^ 
f^auptet, bad geigt {t(^ in bet @(]^o))fung«Ief>te* 3n bie^ 
fet ^at et ben neuen Sefitetn bet 3^ü/ bem Slttjlotele« 
unb ben Sltabent, m^ [^e^etn, n^ie bem 2)at)ib ))on 
2)inant unb beffen ©d^ületn, ju n^ibetßejfen* SUIan tmtb 
ti tfym bidtget SQ3eife ni^t gu ]^o(fi anf(i^Iagen bfitfen^ 
n)enn et in biefem ©tteite auf @a$e einen gu großen 
inac^brud tegt, mi^t nut mit ^ot{t(|)ttget Sefc^tänfung 
f>ätten benuftt wetben foUen» 

1) Summa tlieol. I tr. Ill qu. 14 m. 1. 

2) Ib. m. 2. 

3) Ib. qu. 13 m. 6 p. 37 a sq. 



109 

Um fo mni^tt miifytc ifftn iki }tt t^erargett fein, j[e 
genetzter et tfl t)on ben Srü^eYti ju Urnen unb j[e leiertet 
e^ i$im ba^er^ au^ begegnet/ ba^ er SBorfleKungdn^etfen 
ben (Eingang toerflattet, n^etc^e feinen ©egnern gur Sßaffe 
btenen fonntem 3Bir yabm gefe^n, baß er bad 9itb 
M audfiralenben ii<fyM liebte/ um iai SBeri^&ttntß jwi^ 
fi^ ©Ott unb feinen ®t\^5p\tn {td^ «orfieUig ju ma^en» 
Sei fo tnelen |^ei(igen unb ))rofanen Slutoritäten / tbelc^e 
e« gebrauchten, mo^lte t€ i^xa gan) un\)erfAngIi<^ f^iei«' 
Ben; er überfafi barüber, baß ed beffer gur (Emanation«^ 
att iur @(l^6))fung6{e^re paßt» Seine Se^re fd^Iießt nun 
tai(fy ben ©ebanfen an eine (Smanation ber S)inge aud 
(Sott nid^t au«. (£r betrachtet (Sott in SBeri^SItniß }u 
ben ®ef(l^$))fen Dor^erf^enb att ben aOgemeinen ti^atigen 

Serftdnb (intellectus universaliter agens); ejne SBorftel^' 

btttgtftDeife/ auf mli^t toit ©ewic^t legen muffen , meil 
^ auf ber einen &tHt feine Ce^re in me^rem n^efent^ 
Kd^en fünften wn ber jDenfweife ber S(rabif(|ien Slrifto^ 
tdifer unterfc^eibet , auf ber anbem ®eite ifin über ben 
abfhracten begriff (9otte« erl^ebt, n^el^ im 12« 3a^r|^. 
))or(erf4^enb ft^ geltenb gemac^ patte* 9ber ti f4^Iießt 
ftd^ baran au($ bie 9letgung jur Smanatton^Ieffre an, 
toeliffe toit bei i^m finben* dt benft ftd^ biefen adgei^ 
meinen tf^ätigen !Berf}anb in einem befiänbigen Siu^fließen, 
SnteUigenjen aud ftc^ entlaffenb ^3* ^ted liegt in feiner 
Statur« S8er fragen foUte, marum bie anteiligen) fiber^ 



1) De caus. et proc un. Ir. IV, 1. Primum principium 
est indeficienter fluens, quo intellectus universaliter agens inde- 
linenter est intelligentias emittens. 



200 

flromenl) ft^l ausgieße / ber to&xH nut fragen, tcaxmn 
ftc ^ntetttgenj fei ^)* Sine SBa^I in feiner f(^6j)fertf^en 
S^atigfeit mid er ba^et ©Ott auc^ nii^t jugeße^n;. eine 
fo{(j^e fommt nur 2)tngen gu, n^elc^e but^ ))erf4iiebette 
93en)eggrunbe i^eflimmt i)>erben; @ott i^ringt ba< ®utt 
ytx^oXf.mii ti htf^tx ijl ba^®ttte ani fic^ gu entfenbeft, 
aU eö in ftc^ }urudiU^aUen ^3. 2)a|iet (ittigt ändert aud^ 
bie Seifte be^ ^laton, bag bie (formen aüev Singe eu^fg 
in ®ott ftnb; fügt a(er bo^ (efcf^ronfenb ^in^n, bi^0 
gette nur ))on ben formen im g5tt(i^en ®ti^t, ni^t i^ott 
bem Dasein berfe((en in biefer ftnnlid^en. SSett^}. (ibm 
fiterburc^ lenft er in bie @(^o))fung^(e{^re eim @eine 
Meinung ifl f eine^wege^ ^ bap bie (Sntfte^ung ber £)inge 
auö ®ott eine not{^n)enbtge fei unb aud ber 9tatur ©ot« 
ted fließe; melmei^r (etra^tet er bie ©(i^fpfung aU tintu 
3l€t feiner ixti^tiU ©Ott ifl bie freiefie Urfa^e, mit er 
Urfa(j^e feiner fel^fi; n^eil er bie erfle Urfa^e ifl; Unfrei^ 
^ett fommt nur ber SÄaterie ju % 8Q3enn Slltert freie 
unb natürliche Urfa^en einanber entgegenfe^t; fo gmeifett 
er ni(!^t baran ©ott gu ben freien Uvfad^en gu i&^ttn, 
benn bie natfirlic^en Urfa^en kotrfen nur in ber Jßorau^^ 
fe^ung, ba§ ein Slnbered ))orpanben fei, eine ^lottxit^ 
auf ml^t fte toirfen; tin fol^e^ S(nbere gieBt ed niii^t 
für ©Ott, toel^fer ba^ alleinige ^^rincip ber Sßelt i^ 



1) De int, et nt. 11, 2 p. 254 a. Quaerere cnim , unde 
intelligentia — — habeat formas, quas «xubcrat, idem est quae* 
rcre, unde habeat intelligentia , quod est intelligentia. 

2) De caus. et proc. un. tr. III, 1 p. 548 a. 

3) Ib. IV, 1 ; Summa theo). II tr. I qu. 4 m. 1 art. 2 p. 43 b. 

4) De caus. et proc. un. tr. III> 1. 



201 

Kl» ®ottci äBtde (rtitgt tte SBett ^etDor unb man j^at 
feinen andern ©runb ber ®(^f pfung ju fachen ^)» $(ber 
tet ©egtnfa^ jtptfd^en ^^et^ett unb Statut gilt bem Slt^ 
tadttd boc^ fdne^wegeö alö etma^, n>ad im fhrengften 
6intte auf ®ott angewenbet n^etben Umtt, bielmcf^r ifi 
er i^m nur untergeotbneter SBebeutung* 2){e @(|»o))^ng 
ijl imax ein ^erf beö SOSiden«, fofern fte ettt)a« Slnbe^ 
xti $en)or(r{ngt ; tt)a^ bon @ott unterfd^ieben iDetben 
imf , n>te bie ^nß ttwai aufec ftd^ (emirft; fofern a(er 
in Striae @otte^ ber &a^t na$ eind unb ba«felbe mit 
kt 9latnx unb ber ©ubflan) ®otM ift, ^aben xoix bie 
6d^o))fttng au$ atö ein aßet! ber 9{aturju betrauten ^3. 
SDlan noirb hierin ben boUßänbigßen 9udbrud feiner Über^ 
pgungen über biefen $unft ftnben« $lber frei(i$ liegt 
koritt avLify bie @^n>ierigfeit^ ba^ 2n>ei Segriffe / toü^t 
fb uttfer JDenfen unvereinbar fc^einen, in einen ®eban« 
to )>eretnigt xotxUn fetten« 

äBir bemerken nun too^l, bap baburd^ nur eine ^or^ 
berung an unfern iBerftanb au6gebrä(ft wixi, ivel^e auf 
bad überfc^wenglicf^e 3ie( unfered Denfend ^intt)ei{l. SSarum 
fte an und geßeUt n)irb/ tai tnttoidtit Gilbert im @trett 
gegen bie Slraber unb gegen ben Slrifloteled« 3nerf[ be« 
fcitigt er ben ©ebanfen einer ÜTiaterie, ani mt^tx ®ott 
U)ie iin mtn\^U^ix ^nßler bie SQ3eU gefc^affen fiaben 
fotfte» ©Ott tt>urbe bebürftig fein, mnn fein SBirfen 
eine ÜRaterie )E>oraudfe^te« 9lur bad un))oafommen SQBir^ 



1) Summa theo!. II tr. I qu. 4 p. 56 b ; 60 a sq. SStt beut 
SdlgufHlt: voluntatis divinae causa quaerenda non est. 

2) Summa de creat. I tr. I qu. 1 art. 5 p. 5 a. Crcatio est 
opus ToluntaliJ tX est opus naturae. 



202 

fenbe I6et)arf iti ^xtlt% ®oH aUx ni^t S)em aM&<^* 
ttgen, wUUmmtntn Sefen ge(firt e4 adeS }tt geben utib 
ni^t attem bte Sortn. 3n ben \^ip\m\^tn ®tianitn 
®ottti paben n>tr auc^ ben ©ebanfen ber ÜRotide ^u 
fe$en, n)eil fein Srfennen mbt\^x&ntt tft, ktnb- kolket 
muß au(^ bte 3Raterie t>on t|im gefd^affen fein. fK^t 
QxtU ^ter iu, baß bte 9J2atene, au^ melc^er aUetf ge^ 
((Raffen n)erbe/ gen^ifTemaßen tn ®6tt fei, j[ebo($ ntj^t, 
fofern fie mateneO, b. ^* ein bloßem S^erm^gen tft, fbn^ 
betn fofecn ffe bie Sonn in intern tbealen ©ein in ft<l^ 
tragt ^3. 2)0$ bie ÜRaterie nic^t en^ig fein fonne, mtrb 
aber auc^ barau^ erf^Ioffen, baß ©ott, bie ewige %otm, 
unb bie 3Raterie ni^td mit einanber gemein ^aben Unü^ 
ten ; alfo auc^ nii^t bie (Sn)igfeit ^). ^ier gebraust Iff^ 
bert biefen @a$ bed S(ri{loteIeö gegen ben SiriftotcM 
felbfl. @o befennt er {t((i gur i!e^re ))on ber 6$0))fimg 
au^ nt(fit6. SBtr ffigen nur nod^ fiinju^ baß bie ®rfinbe 
aiberPd ibre »oHe Äraft erjl entwideln, wo jte ben ©e< 
griff ber SRaterie genauer in ba^ Sluge f äffen, aXi biet 
i^ier gef^ef^n fänn. 

)Der {Weite ^unft feinet @treite^ gegen ben Uriflote^ 
Ie6 betrifft bie Ce{fre öon ber (Swigfeit ber Sffielt «n^ 
in i^r beruft er ftc^ auf t'enen @a|}, baß ®ott unb beit 
©efc^öpfen nic^t^ gemein fein f^nne, alfo au^ ni^t bie 
Swigfeit* SQBir fef>en alfo woffi, wie »iel er auf biefen 
@a^ baut. @treng genommen begtefit er ftcb inbeffen nur 
auf ben bur^gängigen Unterfd^ieb iwifd^en bem Ewigen 



1) Summa tbeol. II tr« I qu. 4 m. 1. art. Ipart.i p. 34aaq.; 
part. 4 p. 41 b sq, 

2) Ib. part. 3 p. 40 a. 



203 

imlb B^M^^tt / ^i i^ f^^on eine uttge^jftige üuSbcfnung 
feiner Sebentung, baß SlKert aud^ bie jDauer o^ne S(n<s 
fang nnb (Snbe in biefen ®egenfa$ ^ineiniiei^t ^D« Sßan 
fe^t iwl^I/ baß iffnt alle^ baran gelegen ifl einem @a(e 
VI UBWm, ml^tm bie Slutodtit bed $(rifioteIe« eine 
lU^ere Stü$e ^u bieten festen* Dod^ ^at er au^ anbere 
dvSsibe bem Unfloteled entgegenjufe^en« Sr tvibetf^nd^t 
ifini in biefent fünfte fe^r lebhaft, inbem et i^nt ^or^ 
(fitt, ba$ er bie 8e^re tti $(aton nicfit l^&tte verlaffen 
foOen«. (^r ^5tte bebenfen foUen; baß atiti, tüai Qtma^t 
^, ni^t o^ne Seit fein fann, baß aber bie 3ett noti^^ 
«mbig einen Anfang ^abtn muß, fonfi toiirbe fte nie 
pm gegenn)drtigen SugenMicf gefomnten fein, fonft «Dflrbe 
»an genftfiigt fein in tai Unenb(i4ie ^urfi^uge^en; o^ne 
jfßoa einen legten ®runb ju ftnben^« £)en ©rfinben 
\^ Sb#ötele« ffir bie (Swigfeit ber SSett ^at man vA^ti 
Mtet na^juge^en, aU baß bie Sen^egung ni^t ani 
einer anbern Sen)egung; bie SQ3e(t ni^t ani einer nahlr^ 
U(^en Utfa^e pertoorgegangen fein fann. Senn er aber 
bocand fc^ließt/ baß fte fiberfiaupt ni(^t angefangen ^a^ 
ien Untit, mit j[ebe ®en)egung eine frühere Sen^egung 
ijotau^fe^e, fo fiat er ftcb fetfcp »ergeffen, inbem er fonfl 
anerfennt, baß ber t^atige SSerfianb o^ne ^^ 5u Hxan^ 



1) Ib. qu. Inc. i p. 60 h, Creatura in nuilo debet parificari 
deo; u autem non babuisset initium durationis et esse, in boc 
parificaretur deo. 

2) Ib. qu. 4 m. 2 art 5 pari, i p. 55 a sq. Adhuc (salva 
pace Aristotelis) ipse non posuit rationem Piatonis, quam si 
poneret, ratio sua parum valeret. — — Constat autem, quod 
(actum principium sui esse habet a non facto, quia aliter ire- 
tor in infinitum. 



204 

bettt imtiUn t^&txQ ifl, }uit)et(ett ni^t m^fy Ut greif^ett 
fetne« SSttten^ 0* ^an ftefit; ba§ Siliert $tet bie Sbi« 
ftc^t ^et))ot)tef^t; ba^ bie @(l^d))funa 'ein m bed äSiaen« 
feu 3I(er et mt haiti bo(^ fefl, baß ber $titfie$rttO0 
bet SSeU feine 3ett/ feine SSeränberung vor^erg^C; baß 
ba^ev au((i @ott ni(]^t einmal angefangen fiabe bte SBeR 
gu fc^affen; benn iai Schaffen ifl fein tpm eigentj^üm^ 
(i^et $lct, tt^eld^en et: mit feinem anbetn t^ciU/antfy nUjfi 
mit ben @eßitnen, n^elc^et aU üxoai ein^ige^ gebadet 
n)erben muß unb mit feinem anbern 3lct unter einen a0^ 
gemeinen S3egnf gebra(|it n^erben fann ^). @t fc^eut fii$ 
baffer fogar ni(|ft bie @d^f pfung ein SBunber ju nennen '} 
unb geftef^t ein, baß fte burd^ bie natürliche S3emmift 
nicf^t begriffen mxim fSnne* dbtn iici entf^ulbtgt bte 
^^tlofop^en, tt^eld^e fte nic^t anerfennen tooUttu .-. &it 
fingen nur loon ©runbfägen ber 9laturmiffenf(6afi Mi 
unb für biefe gilt ti o^m SBefcf^ranfung , baß (mi nü^ 
ni^td n)erbe; a&er bie $^9ftf fufyrt aud^ nur auf tie 
na^ften Uvfa^e n , ntc^t auf bie erfle , n)el($e ali fold^e 
ttm^ Sinjige^ iß unb beren SIct beömegen aud^ mit fei^ 
nem anbern Slcte »ergtit^en »erben fann % ©e^r rid^ 



1) Ib. fol. 56 b. Aristoteles In illa ratione multum oblitus 
est sui ipsius. Ipse enim probavit hoc, — — quod intellectus 
agens siae omni alteratione sui ipsius quandoque agit, quan- 
doque non agit pro libertatis arbilrio. Ib. fol. 57 b. 

2) dt t>ern)irft be^t^egen bie voluntas dilatoria. Summa de 
creat I tr. I qu. 1 art. 1 fin.; art. 3; Summa tbeol. II tr. I 
qu. 4 m. 2 art. 1 p. 48 a. Creatio est pröprius actus ejus« De 
nat« et er. an. tr. II, 7 p. 207 b. 

3) Summa de creat. I tr. I qu. 1 art. 8. ^0^ tt)irb Med 

fonfl genauer gettommen unb geleugnet 

4) Summa theol. II tr. I qu. 4 m. 2 art. 5 part. 1 p. 57 b. 



20S 

ttg f4a0t er bte Sc^re von ber @d^d))fuiig, n^enn er in 
iffx ni^ti anbere^ au^gebrüdt ftnbet/ ald beit ®ebanfen, 
weld^en tt){r an ben S3egnff bed (Sef^^pfed fnfipfeit tnfif^ 
feil, bofi e6 ansefatigen |!ak jn feth, ita^bem e$ jutoor 

Sie erßen Anfänge ber @d^o))fttng faft Slt^ert unter 

xitx Segriffen auf, nemli^ ber erßen ÜRaterie, ber 3eit, 

bei ^immtU unb ber ett^igen SnteKigenjen. dv itf^ä^^ 

net ade viet mit beut 9lanten ber gleid^settigen 2)inge 

90tt nnDerg&ngtic^^er 2)auer (coaequaeya)^ inbem er von 

bem (Sebanfen auige^t, baß )n)if(i^en bem ©vigen unb 

beut Btiüi^ta tin SRtttlered fein mflffe; n>el$e« ber @u^ 

pons na$ emtg , ber ^anblung m^ in ber 3eit fei ^}« 

3ene vier glei^jeitigen unb unverginglid^en ®rfinbe bei 

»dttid^en 2>afeind bebeuten i^m aber ni^t eine j[ebe ffir 

iifr ctee @ubflan) , xoit ^ biei vom Segriffe ber 3ett 

m fdbfl verfielt, a(er nic^t minber vom Segrife ber 

erfleii SRaterie gilt. S)enn alle f^rperli^ie Slu^be^nung 

tHrb von i^m nur aii tint SBirfung ber @eele angefeipn; 

bie ÜRaterie gep^rt ntd^t ber SQafir^ett ber Dinge an ; 

pe ip nacfi bem Slrifloteleö nur ^rivation, m^c ®ott 



Et hoc accidit eis, quia creationcm intelligere non poterant ex 
principiis naturae. Omnes enim convenerunt in hoc princl- 
pio, — •>— quod ex nihilo nihil fit, et principia naturae quae- 
«▼erunt non prima, sed proxima; talia enim principia dare et 
ex talibus procedere physici proprium est. 

1) Summa de creat. I tr. I qu. 1 art. 2. Secundum rem 
creatio nihil aliud est, quam relatio quaedam rationis, quae est 
in creatura ex hoc, quod incepit esse post nihil. 

2) De caus. et proc. un. H, 21. Über ben Unterfcjicb iVoU 

f($tn aeternitas, aevum unb tenipus f. Summa de creat I tr. II. 



206 

nic^t iVLt Urfa^e ^t unb t)on t^m ia^tt ni^lt ali ttxoa^ 
^üx^^d^^i^t^tniti, fonbern nur ali tttt^ai an einem 
SInbern fßoxtommtniti , aii ein fStmi^tn be^feI6en w 
fc^afen tottbvx fann ^}* (Bi Uühm ta^tt nur ber ^inu» 
mel unb bie intelligenten fi^rtg al6 bie )Don ®ott g^ 
[(i^affenen ©u^ftanjen; bie (eiben anbern fünfte, iDelc^e 
in bie urfprfinglic^e @(l^f ))fung mit aufgenommen tDerbeii, 
finb ani ber Seife a(iu(e{ten> n)ie Siliert jiene defd^afe^« 
nen Subflanjen fid^ beuten )u mfiffen glauM« 

hierbei fommt nun foglei^ fein S3erpä(tni§ gur (Emoß 
nation^le^re n^ieber in Srage. SUbert fc^Iiept ftd^ {fyt 
barin an , baß er baö Sludgepn ber ®ef4fo))fe afö etmat 
betra(]^tet^ tt>ad notfimenbig burd^ abfleigenbe ©rabe $fin/ 
burd^ge^n muf ^ n^eil bie Urfad^e DoUfommener iß, alt 
bie SSirfung. jDa^er fann fogar ®ott nur UniooIKonM 
mened {^eri^orbringen ^}« hierin ftnbet aber Sllbert anijf 
ben ®runb, xoaxnm eine S^telfieit ber £inge aui ber 
erßen Urfad^e ffert)orge()en mu§* 3un)eilen f($e{nt c< 
iroax, a\i to^UU er bie fßiü^tit ber Dinge au4 ber fOla^ 



1) De caus. et proc un. II, 38 p. 614 b. Expansio divisto* 
nis continui causatur ab expausione animae nobills. tihtC anima 
nobilis unb ignobilis f, ib. 2; 13» De int. et iot. U, 3. Mate- 

ria nihil est de esse vero rei. Sem entfpri^t bet ©runbfaf: 

forma dat esse rei (Summa de creat I tr. I qu. 2 art. 1 ia.) 

Ober toie er tt)eitläu{tger au^gebrütfi toitb: forma dat materiae 

essCf nomen et definitionem. De caus. et proc. un. II tr. I, 3 
p. 566 a. Summa de creat. 1. 1. p. 8 a ; art. 2 fol. 9 b. Sub- 
stantia et entitas materiae in se considerata non est intelligibilii 
proprio intellectu, sed intelligitur secundum privationem. 

2) De caus. et proc. un. I tr. IV, 5; II tr. IV, 5.; de int. 
et int. I tr. I, 2; 5; 8. 



207 

Um aNetten^); a(e( tteö i^ feine legte Sntfd^eibuns 

tiu!^f ; benn tte SDtatede map ftc^ itx Sotm fügen; tie 

SSetfcfiteben^eit ter SDtaterie ifl baffev nur tvegen ter 93et^ 

fd^teben^ett ber gomen unb nii^t bie Uvfa(]^e/ fonbem 

nac iai B^i(fytn ber S3et:f4^iebenpeit bet gptmen ^)* 3n 

berfelben SQBeife pa^en xoix ti )tt evfl&ren, »enn bie Uni* 

voOfommenf^eit bet gef(]^affenen JDinge auf bie SDZaterie 

iurfiflgefüprt tvirb '}; nur aU 3ei$en unb Solge, aber 

m^t ali erßer ®ntnb ber UniooKtommenf^eit iß f(e }tt 

Utxa^ttn* jDaper «Derben aud^ aUe SSerf^ieben^eiten, 

mdc^e au9 SDtoterie unb gorm ^en>orge|ien, wn ber er^ 

flen Siel^eit unterf^ieben % 3nbem bagegen SUbert ben 

tcflen ®ntnb ber S3ie(^ett aufbeden toiU, mnitt er ftc^ 

ber Slnfid^t jU/ baß @otte« S03et«^eit t^iete S)inge $en>or^ 

(ebra^t l^abe, tt)eit feine 3Rad^t unb ®iUe in einem ®u 

f((5pfe tiicfit ))oaßänbig offenbar gett)orben fein xoüxU ^)« 

&ie* $dngt mit ber Smanation^Ie^re ^ufammen, mil bie 

Unm0gIi(]^feit bie ganje gaOe iti gattlt(]^en 993efen« in 

einem ©efc^opfe }u offeneren nur barau^ fließt/ baß 

iebetf ©ef^ipf »on ber SSoUfornmen^eit ©otte^ in einem 

Sbflanbe flefien muß. S)abei tpirb benno^ bie Sin^eit 



1) De nat et or. an. I, 2; de int. et int II, 1 p. 253 a. 

2) De int. et int I tr. I, 5. Materiarum diversitas non est 
causa, sed Signum diversitatis formarunL 

3) Ib. 2. 

4} Summa theol. II tr. I qu. 4 m. 3 art. 1 p. 13 b. 

5) Ib. p. 15 b. Ita est in universo, quod perfecta potentia dei 
et perfecta communicatio bonitatis ejus et perfecta demonstratio 
sapientiae ad finem universi procedere non poterat rebus exi- 
stentibus sub unitate formae Tel materiae, sed existentibus sub 
multitudine. 



208 

ber ©d^öpfung feftaeff alten ; jie tfl eine SQSelt, fott^ojt tti 
^e}tef>ung auf ben ©4i5))fer, tt)e(d^er in ber (^n^eit ber 
SBelt feine (&in^tit offenl&art, aU in Seate^ung auf bie 
®ef#5))fey tt)el(]^e o^ne Sude au$ ®ott aujfiteßen unb in 
einem ununterl^roil^enen 3ufammen$ange unter einanber 
fteffen, fo bag Uin ®tab be< 2)afeind in ber Sßelt 
feplen barf ^)* 3n ganj ä^nli(]^er SSeife wie bie fixcAU 
f(^en Urifioteltfer benft %lUxt fi^ btefen äBeftjufammen« 
pang« S)er ^immel ifl i^m ba$ erfle (£r}eugenbe; Ott 
i^n f^Iteßt aUti [x<fy an n^ie ein Ci^gan^ inbem ©Ott in 
feiner SBirffamleit in ber 9?atur flberatt ber ÜÄittelur* 
faci^en aW feiner »SBerfieuge \i^ Jebient^)* ©o offciU 
Bart {t(^ ©Ott fo voKjiänbis a(< e« mogli^ iß, inbem 
feine Stnl^eit bod^ nur in einer SSiel^eit ber S)inge ft^ 
iti^tn fann. 9lud^ baß biefe SBelt boc^ nur oXi eine (e^ 
grenzte ju benfen iß, gilt bem Sllbertud ä(d ein 9etve{< 
feiner Slnftd^t« S)ie allgemeine Urfa(|e/ bad ttnenblid^e 
SSefen ©otted $at {td^ in biefe enbltd^e SBelt iufammen^ 
gejogen 5), 

2l6er aud^ in btefem fünfte, wenn er nur tim m^ 
mitteUe ©emeinfe^aft beö ©c^opfer^ mit bem niebem ©e^» 



1) Ib. p. 15 a. Et ideo dicit Dlonysius, quod quae 

sunt multa processibns , sunt unum principio — — ; sed in se 
ipsis propter distantiam a primo principio accipiunt niaterialem 
et formalem divisionem et differentiam et illa est causa multi- 
tudinis. Ib. art. 2 p. 19 b ; de unit int. c. Averr. 5 p. 229 a. 
Natura per media omnia progreditur usque ad extremum. 

2) De nat. et or. an. I, 3 p. 189 b; de int. et int. I tr. I, 4 
p. 241 b. 

3) Phil. paup. II, 1 ; 2. 2)er 3[uöbrU(f conlrahere Tommt Ui 

5Ubert oft in tiefer S3ebeutung üor. 



\ 



209 

^^5pfttt ber Sßett in ft($ ju fi^fte^en fc^etnt, U^lt 9iU 
httt mt^t \>it äBorte aU benSuin fetner äSorgfager M* 
Xtm mit bem QEmattatiott jfyßem bie wmitUüaxt SSBirffam^ 
fett ®otte< in ollen ®ef($f pfen «>et({itben ju Unntn, fledt 
er ben Sntnbfa^ auf, baß aOed, tva« bie imitt Ur^ 
fac^ ^»^irft, in einem ^j^ent @inne «>on ber erflen Ur« 
fo^e bewirft tverbe« jDenn ba« S3erm9gen gu bewirfen 
f>at bie )wette Ürfa($e nur bur$ bie erfle unb nur be^ 
tvegen, toei( bie erfie Urfac^e mi^ in ber ^weiten x% 
Sie erseugenbe Araft, «Deiche ben ^^tm Urfac^en bei' 
m^9t, iß in i^nen nur «>or^anben , tveil etn^a« ®ittlu 
^ in i^nen liegt 0« Sien bie« ifl bie 9tatur ber 
\^ipftti\äfm X^otfgf eit, baß fte ben gef^afenen Singen 
imterlii^ gegentofirtig ijt« Stur ®ott tvo^nt eine foI(|e 
Zpfitigfeit bei« SBenn eine j^f^ere ^aft, felbfl wenn ein 
Cttgel ttioai ^en)orbringt, fo ift bie« feine @($9))fung, 
fottbem nur ein ^er^orjie^en ber äBtrf(i(^feit au« bem 
Sermjgen, m\^ti in bem ^eriDorgebrad^ten Singe lag 
rnib tpetc^e« ^on bem f^o^ern ®t^^6p\t nur t>on außen 
angeregt tpirb, tpärenb bagegen ®ott f(|afenb aKenSin^ 
gen innerlich ii^r @etn gtebt« (Si gilt baffer ni^t aUetn 
)>on ber ©eete^ fonbern t)on aQen Singen / baß ®ott ip 
nm unmittelbar gegentt)artig iß/ tvenn e« aud^ ®efe0 
®otte« iß ade« burd^ bie mittlem ®rabe be« Safetn« 
iü jum legten f^evab pert)or2u(rtngen. Sticht aOein u(er^ 



i) De caus. et proc. un. II tr. I, 5 p. 567. ^a^ bem ^ion. 
Sreop.: Quicquid facit secunda (sc. causa) eminentius et nobi- 
lius fach prima et non convertitur. De int. et int. I tr. I, 5 
p.243a. Nihil generat aliud, nisi per diTinum aliquid, quod 
est in eo. 



210 

^anpt tn bet Sßett, fonbem an^ in jlebev Orbnuttg ber 
aßett mug bie erße Vix\a^t gegenw&vtig fein ^3« 2>affet 
tt)u:b auc^ bte Seigre ber %xi^otAiUx toeworfen , baß bet 
SBevfianb wn außen^ev fomme, benn ®ott xoMtifynwn 
innen unb fei ali Uv^e(er bev 9latur nt^t äu^vAi^i 
n)enn au(!(^ t)on if^r ^erf^iebem Sfli^t aOein ber Seilte» 
ger jlebed ^immelä toerleipe biefem feine Bewegung; fon# 
bern au$ ®oü (emege einen j[eben Fimmel toon innen ^)» 
fISaS nun a(er )oon ®ott im Hdgemeinen gilt / bod 
"^aim tvix m^ i&efonbetj toon feiner anteiligen} anjuetf 
{ennen« 2)enn bie f^apfenf^e £^&tigfeit ©otted gefii 
jwav ^on feinem SBiUen, aber aud^ t)on feiner SnteKi^ 
gen) ober feinem S3er{ianbe mii ia ber SBerflanb iDirb 
fogar aU ttwai gräffere« angefe^n/ ali ber SSitle, fo 
baß er bai eigentU^e SOtittel ber @^f))fung fein tpfirbe, 
mm man mit 9ted^t t)on einem SDZittel ber @(!(^o))fmig 
reben f$nnte^3^ 2>a^er n)irb au^ ^orauägefe|t/ baf bie 
anteiligen) überall in allen S)ingen gegenn^artig fei» 3e^ 



1) Ib. II tr. III, 3 p. 254 b ; Summa theo]. II tr. VIII qu. 80 
m. 1 art. 2 p. 179 a. Formern istam, quam deus facit ex, nifailo, 
non inducit nisi dei virtus operans interius. Ib. tr. I qu. 4 m. 2 
art. 3 p. 51 a. Inter mentem hominis et deum nihil est me- 
dium, neque angelus neque intelligentia , quam ponunt philo- 
sophi, cujuscuoque ordinis immediatior est, quam mens ho-' 
minis. 

2) De nat. et or. an. I, 5 p. 193 b. Intellectus , qui est 
auctor naturae, non est extrinsecus naturae, nisi hoc modo, quo 
extrinsecum rebus dicitur, quod est separatum ab eis per esse 
et non commixtum cum eis. De caus. et proc. un. I tr. IV, T 
p. 560 b. 

3) Ib. tr. III, 4 p. 550 a. Intellectus autem universaliter 
agens potius debet esse medium, si medium est, quam voluotast 



211 

Ui SBerf ber Statur ifl au^ SBerf ber dntedigett) , n&* 

pn ober entfernter ^}. 3n ben (eHoren Z)tngen erfd^eint 

snHir bie Sntellltgen) nur tt){e unterbrfidt unb eingetaucht 

in bie SRoterie, «Deiche in tffnen gleid^fom eine^ Giege« 

fid^ erbeut; aber benno^ ifl fte in allen biefen SDingen 

aui^ t^or^anben« SDa^er tß e^ ein« ber kpt^ttgflen ®e^ 

fc^fte, tDeldi^ed SKbert in aOen feinen Unterfu((iungen fiber 

bie 9latur betreibt, t^ie er ti felbft angiebt^/ }u jei^ 

gen, toit au^ bie lebiofen SDinge ber ^ntettigen) feine^^ 

megeö fremb ftnb* über nic^t aOein in enq)irif(|en Un^ 

icrfit^nngen, fonbern auc^ in einer angemetnen it^xt \\x^t 

tc }tt {eigen/ bap }n)ar ben gef^affenen fingen bie fDla* 

tetie noti^wenbig ifl, baß fte aber i^r SSefen, if^re gorm 

90tt (Sott a\i tin Srjeugniß ber dutettigena j^aben. 

2)a febe« (Sef^jpf ani bem 9h'((t< ift/ ff unten tt)ir 
t^ mtr ein toergcinglid^e« 2)afetn {uf^reiben, n^enn ti 
mc^ 9om unt)erg5ng(i(|en SBefen ®otte6 getragen n)firbe'}« 
Stur bem SSefen, n>el($ed and \i^ i^, fommt feinem Se«" 
griffe na(| bad ©ein ju, nur biefen 9Q3efen ba^er ifi ei^ 
ned etvigen ©ein^ t^et((iafttg ; aOed anbere fann ald ntd^t^ 
feienb gebacbt tverbem 2)afier ift ba6 @ein in einem 
leben ©efii^Jpfe toerfd^ieben Ajon bem, wai e* iji*)» 
hierin liegt bie Unterfcf^cibung jwifci^en gorm unb SWa* 
terie; benn btc SWaterie bejcid^net nicf^t^ anbcrc^, aU 



1) Ib. I tr. IV, 7 p. 560 a. Intelligentia ubique est. De 
oat et or. an. I tr. 1, 1 p. 185 a. Omiie opus naturae est 
opus intelligentiae. 

2) Ib. 3 p. 18T b sq. 

3) Summa theol. II tr. 1 qu. 3 m. 3 art. 3 p. 24 b. 

4) De caus. et proc un. I tr. IV, 5 p. 556 a. 

14* 



212 

bai , wai au^tx bet Sonn in einem S>inge ift ^)« jDie 
%oxtti aitx gte(t tai i&efiimmte @ein, mi^ti einem 
Singe augefd^riekn toixi, fo ba^ e« babut^ biefe« jDing 
unb fein anbete j, ein in einet Materie jufammengeioge^ 
ne« ©ein ifl % 3n jiebem ® ef c^ö))fe ifl baf>er ni^tt 
au^et bem @u(j[ecte, ml^^i bie Sem angenommen ^ai, 
ober bem Bün, totltfyti bem beßimmten Sein, benuSSo^, 
gum ©runbe Ifegt ^)« Sr unterfc^eibet l^ietbei nur fotc^e 
£)inge; beten ganjed @u(][ect obet ganje SDZatetie bie i^x 
iufommenbe Sotm annimmt ^ fo bag jie fein SSermdgen 
anbete iu fein in [xtfy jutfid begatten , unb anbete jDingt/ 
mi^t auf et be| gefotmten SOtatetie wtfy eine anbete in 
ftd^ pa^eu/ koel^e entgegengefe^te Sotmen annel^men fanti« 
3enej {tnb bie unbetanbetli^en 2)inge; bied bie «>etAn^ 
betli^eu/ unb ^on üenen ))f{ege man auc^ toopl ju fagen^ 
bap {te offne SKatetie toaten, n>eil fte feine SO?atetie i^ftt^ 
tm, toti^t no^ toeitet gefotmt toetben mfifte^}^ Huf 
biefe SQieife fu^t et einigen @$n)ietigfeiten ^otjubauen, 
mii^i bie ^nnal^me immattxkUtx £)inge i^m machen muf « 
^bet eö ifi flat^ baf biefe Unna^me i^m feine toabte 
Slu^nafime i% (Sx untetf^eibet baffet au$ too^i bie f jt^ 
i)etK(|e unb bie geijHge SWatetie ^3 unb feftt ein j[ebe« 



1) Summa de creat. I tr. I qu. 2 art 2 p. 9 b. Hoc est 
materia, quod praeter formas accidentales et substantiales inve- 
nitur in ente, 

2) Ib. p. 10 b. Hoc aliquid enim est forma contracta per 
materiem. 

3) Summa theol. II tr. 1 qu. IV m. 1 art 1 part. 2 p.38a. 
Materia est primum subjectum ejus, quod est. 

4) Ib. p. 37 b sq, ; summa de creat. I tr. I qu. 2 art 5 p, 15 a. 

5) Phil. paup. I, 2. 



grotf^en WtaUdt wib juiifi^en ' 

ifammetigefe^tetf Mi tDtatnie wnb 

in lann, fnbcm er fl4i bafiti ntn 

d aui^ tiiiisc gc6e, fn tttl(^ 3)t«ttrf( 

in cinan&et aufge^n ^ SXe URottrie 

IKsemeine in btn gef^offcntn S&fngen, 

ifgen S)ingen feine QuantitUr Weil fle 

(cwc^t uiciben fann, lodtenb ftde 

tf), in aitbem ift {le giHr Üctpesüi^, 

:fiesengefeeten 0< Sine onben Sebcni 

allgemeine (Stunblage imb VxOa&ffimit» 

ju fein bfitfen mii: f^t nit^ ieüegcn; 

nui f^te Selltmmung fUt fcfc 

eine Scbeutung. Sie ift tm- im fßtx* 

S^er SludbnuC, ntii^m Vtbttt gc 

rbW Qei^Unif fcci 3Ratcrlc ^gorm «00* 

I ft^ (ejet^uenb ; er nennt f e ben SSegfnn 

loaiio formae) % um bantit audjnbrfldcn, 

nii^ä ift, auger fofern fte fc^oti bie Hnlage 

Serborgenen in fl^ it&it% 



^jinL et ial. II tr. 111, 1 ; Sumina d« creat L I. p. 15 h. 

Mttm aulem dod eit lalis compotitio, «ed ck quo est 

•II'— — et quo eil, eit forma (oliiu. 

nm de creal. i. ). p. IS a. 

p nat. et or. an. 1, 1; 4 p. 190 bj Mimnut tbeol. II 

■ 1 in. 3 arl, 4 p. 52 a. Materia — — potentia in le 

ivam, — — polenlia baec eil poteada incboalioDii 

■tama iheol. L I. Si maleria analogiain habol ad foi^ 
.•—■et ei M, leeuDdum quod ipia eal, Bullim analo- 
Ml, oportet, quod aliquid in ipta äl njppotilniii, per 



i 



214 

SSir (emevlen, ba@ er ^ierbut^ ttx it^xt ici fbtt^ 
tot€ t)on ben tn itx SRaterte t)er6orgeiien gormen f{(| 
3Utt)enbet (St tf^ut eä tttcfit ofine biefe Seffte tpeiter aud^ 
gu6tlbtm 3n ber tt^erjeugung t)on ifirer SBt^ittgtett ftitnmt 
er gana mit bem Sl^erroed tt(eretn, tnbem er mit ij^m 
it^aupM, ba^ ade ^^ito^op^m ba^in ge{hre(t fiaSen {ie 
gu entoideln unb nur ntd^t alle iai rechte 9Q3ort fte aui^ 
gubr&tfen ^a(en ftnben {^nnetu €etne @runbe finb )ttm 
Xfytii ganj Iogtf(|)er 3(rt S)ad , toai ben Slnfong tinetf 
@e{n§ tn fEd^ trägt, mug berfelben ©attung angej^^re»/ 
n>el(^er bie audge(i(bete gorm be^fel^en ongej^^rt ; bie 
i!Berau6ung etnej @eind tfl ber Slnfang btefed @ettid; 
bafier i^ixt auc^ bte ^attxk, n)el(i^e no(|f bet gorm 
beraubt ifl, fd(^on ber ®atbmQ an« tveld^e in t^r aui^ge^ 
bilbet n)erben foU/ unb in ber SRaterte muß fcf^on bie 
gorm liegen, wü^c aud i^r ipertoorgejogen tt)irb, t^ie 
bemt j[ebe$ 2){ng nur aud feiner ))affenbeh SRaterfe l^er^ 
vorgejogen tt)erbett fann« SRan fielet , noie f^ierburc^ ber 
SSegriff ber SWaterie in ben Segriff ber gorm i^erfiber* 
gejogen wixi, inbem aOed barauf l^inau^Iäuft ^ baß jiebe 
SWaterie nur baburd^ tttoai ijl, baß jte im aSerborgenen 
fd^on eine gorm enthält ^)* SDie^ giebt ber Sef>re SltberW 
eine ibealijltf^ie Slid^tung, tt)ie er felbji fe^r gut einfielet, 
inbem er feine reine ÜRaterie anerfennen tt)i((, toielmefir 



1) L.l.Omnis habitusincboaturin sua privatione. Ambitus enim 
unius generis continet et privationem et babitum et ia genere 
illo est speciei inchoatio. Ib. p. 51b; 52 b. Inforrnitas mate- 
liae noDDulIa forma est, *- "— et per banc (sc. formabilita4ein 
ad formam), ut dich Augustinus,, accipit rationem entis et teri 
et boni. 



215 

cMti tta^xt @eitt in bo: %oxm ober bem getfitgen ®t^ 
banfen txilidt, tot^m (Sott in ein üebed SDing gelegt 
$at ^o^tt ffi^rt er aud^ feine Se^re wn ben in ber 
aXoterie verborgenen formen auf bie fioifc^e Se^re toon 
ben fowenartigen Segrifen jurädf, wel($e ®ott m^ bem 
fbigtt^nu« in bie SDinge biefer SBett gelegt $at ^% jDer 
6{ntt biefer feiner Sefire iß, baf bie Staterie fiBerad 
bon^brungen iß von ber 9^nn, tvelc^e ©Ott bon Slnfang 
Ott in aOe SDinge gelegt $at aM ben einigen ®eban(en, 
ber fd^on im beginn ber Z)inge auf if^ren 3totd fiiniveif}, 
fe baf %ifang unb (Snbe ber jDinge in fietigem 3nfani' 
mn^nge ße^em Sßie ßarf biefer ®ebanfe in Snbert ifl/ 
ba« fte^t man befonber« baran, baf er burc^ benfelben 
tefKmmt toirb bie gemeine SorfteOungemeffe von bem 
Sunber )u bertt)erfen / att tvenn ti ata bem georbneten 
tauf ber 9latur heraustreten f^nnte. SBeber in ben SOBer^ 
(en ber fSBunber nod^ ber ®nabe fann ®ott ettoa« gegen 
bie 9latttr wirfen , toelc^e er felbß in bie jDinge gelegt 
1^; ivenn er ttwa^ gegen biefe jRotur t^&ti, n^firbe er 
tt gegen ftd^ felbft t^m, tote augufKnu« fagt« S>{e SBirf^ 
famfeit @otteS iß über ber 9tatur unb fann gegen ben 
gem5^n(t(^en ober ben und befannten Sauf ber ^^atur fein, 
aber ni^ gegen bad, tvaS @ott urfprängUdi^ in bie JCetme 
be« ©afein«, b* ^ in bie SKaterie gelegt l^t^)* 



1) Ib. tr. I qu. 4 m. 1 art. 1 p.43 a. !£)ie Materie (at eine 

idealis ratio in ©Ott. $erg(. befontetd ib. ir. VIH qu. 31 m. 1 
art 1 p. 182 b. @e$t fotgfam tt)erben Utltetf(({ebeit rationes pri- 
mordiales , originales, obedientiales , radicales, naturales, semi- 
nales, causales. Ib. art. 2. 

2) Ib. m. 2 art. 2 part. 2 p.l90a. Faciendo aliquid contra 



216 

9 

/ 

2ßentt nun aitt but$ biefe Sefire baS @etn aOet 
«DeUttd^en Singe gan) tn bie i^om gelegt tvirb, toit 
fommt e$, baß bennod^ W>ttt oj^ne Sebenfen an be« Se^ 
griff ber erßen SOtatette feßpält unb alle Singe nur au< 
i^x t>on ®ottti ranftterif^er SBeii^eit formen läßt? Z>er 
@runb liegt in feinem allgemeinen ©runbfa^e, baß oXitß, 
n)ad bem Sterben untem>orfen iß, wn bem niebngfien 
i®rabe )u bem ^5pern ©rabe admaltg ^x^ erj^eben mufl ^}» 
S)ie« ifl bie Drbnung ber Slatur, baß alle0 Sßerbenbe 
aufgeben muß ju fein unb in feinem Slnfange juerft reine 
SRaterie; b« ^« @u(][ect ber erßen unb niebrigßen §orm 
ijl; aldbann erjl erl^ebt ti {td^ jur gebilbeten 3Raterie, 
n)el(^e tt)ieber @u(j[ect einer neuen auögebilbetem §orm 
n>trb« @o n)irb bad Menbige au$ bem Seblofen, a\xi 
bem Uaem)){inbli((en bad Sm))ftnbli(^e, au^ bem ttnrn^ 
flänbigen bad SJerßfinbige ^3« Sie« gilt von ben Snteli' 
ligenjen ni^t tt)eniger al^ toon ben fgrperli(^en Dingern 
Sllbert tabelt baffer ben $laton, baß er annei^me, bie 
£ugenb n^ofine ber ©eele ^on 9latur bei; fte fomme i|^r 
toielme^r nur bur$ fleißige Semfi^ung ju. Sluc^ bie ^tt^ 

eam (sc. naturam) faceret contra se ipsum. Ib. m. 1 art. 3 
p. 184 b. Et boc modo possibilitas tarn ad consuetum naturae» 
quam ad miracula in principio conditionis inserta est materiae. «^- 
— Et sie, quod consueto cursu naturae fit, materiae natural! 
est insitum, quod autem miraculose fit, in omnipotentia dei et 
dispositione est absconditum; dispositum enim est ab aeterno 
in verbo sibi coaeterno, quid, ex quo et quando talium ali- 
quid faceret^ contra quam dispositionem , ut dicit Augustinus, 
nihil unquam fecit aut faciet. 

11 De int« un. c. Averr. 5 p. 228 a sq. 

2) De nat. et or. an. tr. 1, 4 p. 190 b sq.; de int. et int I 
tr. 11, 4. 






217 

nünfttge @eele mujf wn ber SKatme aui tut ^oxm fti( 
tnttoidün unb etfl mfiffm iit Slnffinge nac^ {^itn t>e^ 
fc^ctoien ®raben gelegt feto/ e^efte ju i^m SSoUenbung 
gelangen fann 0« S)ei; Su^fltt^ bed |^ j^ern Sid^teS ntad^ 
ni^t bte ©ub^anj be ^ ÜRenfd^en in Sirfli^lfeit/ t>{elme$( 
vom Segtnn ber gorm entmidett {i(^ ber SKenfc^ }tt ben 
«>erf${ebenen ®raben be« 2>afetn</ weld^e ev erretd^ 
folL Unb biej gefi^ie^t in ber SQSeifei baf bev mebere 
®rab im pS^ern Me{(t, fa baß auc^ t)on 91^ ber @a4) 
anerfannt «Dirb, bap bte SRaterie, ali ber SBeginn btt 
Sorm, qiemal« s^erge^en ff nne ^}* £)enn tt^enn bie SRq^ 
terie geformt totrb, fo i^ bied ni^tJ anbere< aM eine 
Sortffl^rung bei 2){nged «>ott einem niebem {u einem 
^f^em ©rabe/ «>on ber Serau(ung jur SStrHic^feit unb 
bie Sorm iß ttieiter ni^i aU bad Som))(ement ber ^i^ 

SRan toirb nun auc^ begreifen, toarum SlKert unter 
ben erften ^rincipien ber SSett neben bie SRaterie bie 3^ 
fe^t. 2)enn n>enn bie ^atcxU ali beginn ber Sorm ju 
benfen i% fo fann i^r au4> 93en)egung unb 3eit cAi Wla^ 
ber ^Bewegung nic^t feistem 9luf ben Segrif ber 93eioe^ 
gung fommt ed i^m l^ierbei l^auptfäd^Iid^ an, koeil in i^r 
bie ©eflaltung aller Dinge gegrünbet ift« Qt fnu))ft fte 
unmittelbar an bie STIaterie, inbem er fte a\9 bie ttnt)on« 



1) De nat. et or. an. tr. I, 5 p. 193 b; If, 15. 

2) Ib. tr. 11, 6 p* 204 a ; de int. un. c. Averr. 5 p. 226 b sq.; 
228 a. 

3) De nat. et or. an. tr. I, 4 p. 191 a. Actus et comple- 
mentum. De caus. et proc. un. II tr» V, 4. Gencfratio nihil 
aliud est nisi via a dimiuutione ad complementum. — — For- 
matio enim in esse complementum est. 



218 

enbete ^orm anfielet itnb itn untooUenbeten Singen felbfl 
fte teflegt ^)* ©o finbet er eö not^wenbtg; allen matvcitU 
len 2)ingen eine eigene 93emegung ju^ufd^rei^en. 6el6ft 
ffir bie leblofe 9latur gilt bie^, in n^el^ier io(fy bie Sorm 
t)Ott ber SWateric fajl ganj unterbrfidft ijl; benn obgleid^ 
ber Üitptx ftc^ felbf} ni^t ben^egen fann, fo fonnen boc^ 
■Mc gomen, tt)el(|e in ipm ^eworgebra(|t tt)erben, nur 
äud ber Aroft ]^ert)orge^n , tt>el(|fe in if^m f^on JDorgebil^ 
tfet liegt, fonp würbe baö ganje SBerf ber 9lotur bem 
3ufaa unterKegcn ^J* fßitV bentli^er tritt bie« in ben 
l^jS^ern SBefen ber 38elt/ am beutli#en in ben SnteQi^ 
jgenjrti l^eröor , ani beren iBermögen i^re eigene Spätig^^ 
fett unb bnrd^ biefe« 93e»egung ifire iDirHi^ie gorm l^er«* 
wx^t^t Stftert iji bei biefer 8e|fre nur beforgt, boß e« 
ttic^t fdpeine/ aU n>ürbe piema^ ba« 9tiebere Urfadpe t)e« 
Köpern / inbem au« bem niebern ®rabe be« £)afein« 
bet ipopere ®rab bur(]^ bie eigene Sen>egung be« S)inge« 
ft(^ bilbet* Um biefen ©ebanfen abjuttjeifen beruft trjtd^ 
junä^fl barauf, bag in ber SWaterie felbji fdpon bie ipö^ 
j^ere Urfadpe angelegt liege, aU tin Samt, aW eine innerlid^ 
wirlenbe Urfa^ie , weT^e er einen ®eip fspiritus) nennt* 
@o tt)irb bie ©rfenntniß ni^t \)om ?eben peröorgebrad^t, 
fonbem wn ber erfennenben Äraft, ttJeldpe in ber ÜÄa^ 
terie fag* tiberbie« aber beruft er ftd^ audp auf bie ?epre 
be« Slriflotele« , baß ju ber ©nttt)idtung ber wirflid^en 
($orm au« ber 272aterie f^erau« bie @inn>tvhtng einer an^ 



1) Summa theol^n ir. I qu. 4 ra« 1 art. 2. IMolus est actus 
imperfectus et actus imperfecti. 

2) De nat. et orig« an. tr. I, 3 p. 187 b. 




219 

bevn ^^ttn, f^oit xoktli^tn Som t)otau^efe^ tott^ 
b^O* (Eg M banta^ ein j[€be6 @ef(|5pf, fe(({i bfc 
^ä^^t dnteQigena ein breifad^e« Seti^fittnif , jnm ej^6))fet 
nemlt$> gii ftc^ feKft unb gut SRoterte; nttv burc^ ba6 
i^iU 93er!)5Itntf a(er tß bad ®4(|^^pf b(fö, »a« e« tß^. 
Sluf btefen ®runbfä$ett beutet nun bte Sef^re Klbeäftf 
über- ba^ 93et^5ftn{g be^ SIKgemetnen jum Sefonbärtt« 
Su6 einem ®ruttbe {lieft odeig. ^ ®ott i^ ber allgemein 
micfenbe SSetfianb/ wü^tx naäf ben Segriffen feine« 
Serflanbe« aaeS)inge orbnet unb aKe jDinge |^en)or(rinst 
Son biefer Ö^ergeugung aiiiSgefienb mnfte tflBeti für b4e 
Stealitcit ber allgemeinen {Begriffe {!($ erflAren na^ IMr 
Atteßen unb ^engjien f^ormel biefer Sel^e; baf bie Utt^ 
t^erfalien wt ben Singen feien» a(er er i^tittmt banrtn 
bie ©rftnbe ni^t/ ipel^^ aud^ für bie obiöei^enben^ff^ 
ren f^red^en^ unb n)ie er fiberffaupt geneigt iß t)erf<lHebetUfi^<' 
tige Cepren fo }U berf^^meljen, bag er baö SBa^re iit (pnen 
anertennt unb bie ^infeittgf eit abfonbert, fO't)erffii^rt er att§ 
in biefem %a% inbem. er mit ben Uniberfatien t)or ben £iin^ 
gen bie Uniioerfalien in ben SDingen unb nad^ ben 2>ingen 
toereinigt ©eineSöfung ber ffierfiber fd^webenben gragen 
ifl feffr etnfad^. Die gorm, wefi^e ba« SQSefen unb We 
SSa^r^ieit aUer >Dtnge au^mad^t/ ift loor allen 2)tngen im 
gottlid^en SSerflanbe; aU ber aBgemetne ®runb, au6 welchem 
aUtß fein Safein unb feine SBirflid^feit empfängt; fte ijl 
aber nid^t weniger in ben befonbern Singen ber Seit, 
infofern jte in ber SWaterie wirttid^ wirb; unb nad^ ben 



1) De int. et int. I tr. I» 3; II> 2. 

2) De caus. et proc. un. l tr. IV, 8 p. 561 a. 



220 

Singen, intt)tefem fie bet SBerßanb iti SDtenf(|en, na^ 
' htm fte tn ber SSett t^ixtli^ geworben , erfennt unb au« 
bet materiellen %otm ai^a^ixt ^> t>ai Sein ber aUge« 
meinen Sorm t)or ben befonbem Dingen fließt i^m bar^ 
aus , baf bie Urfa^ie toor ber Sßirlung fein mn^* ^aM 
ober erfennt er au$ an, ba§ ^xi^oUUi mit Sted^t ben 
^oton beffareite, tpeilauper bett fiber{tnn(id^en Urfad^n 
au(( notürlid^e Urfad^en in ben materiellen jDingen fein 
mfiffen; in biefen ift bai SHtgemeine nur im Sefonbem 
unb l^at abgefonbert toon tfmt fein Z>afein nur im 93er^ 
ftanbe^)/ 3nbem aber ber SBerflanb iai Ungemeine er^ 
lennt , faßt er fomoj^l ba 4 u^afire @ein ber S)inge , aU 
i^ren äberftnulid^n ®runb auf; iai Sefonbere, toü^ti 
bttr^f bie @inne n>afirgenommen n>irb, fSgt bagu nur bie 
ungeformte 9Raterie mit ben Knpngfeln ber ftnnlid^en 
(5rf(Jetnung ^* 

^d ge^t l^ierauj ^ert)or, in melc^em @{nne $nbert 
baS ^xincip ber Snbii^ibuatiDn in ber 9)7ater{e fu(|»en 
mußte^ 3n i^r i^ e« gegränbet, baß bie allgemeine u(er^ 
ftnnlid^e gorm in befonbem 2)ingen {t4> barfieUt/ n>eil 
ein i/ebeS S){ng in ber SQielt nur mt beftimmte Sorm 
natfy ber %a^is^ttit (aptitudo), mel^e in feiner Sßaterie 



1) De oaU et or. an. tr. I, 2. £t tuoc resultant tria for- 
marum genera. Unum quidem ante rem existensy quod est 
causa formativa. — — Aliud autem est ipsum genus formarüm 

quae fluctuant in materia. Tertium autem est genus 

formarüm, quod abstrabente intellectu separatur a rebus. De 
int. et int. I tr. II, 8; 5. 

2) De int. et int, 11. II.; de nat. et or. an. tr. 11, 9 p. 209 b. 

3) De int. et int. i ir. II, f. 



1^. 



221 

ober in feinem fßtmi^ttt Uegt, atmeten (onn ^)« Sltar 
nur infofetn fittnen n>ir in ber SRoterie baa $r{nc{)) bet 
Snbtoibttotton ftubeit/ inmiefern fie bie fßtt^^itbtn^tit ber 
formen fd^on in {ic^ trcigt/ üene toemfinftigen Samen, 
jene äSotauibefitmmttng i\xx Sorm, »elcbe ®ott in fit 
gelegt M^3; babut^ »irb bie aOgemeine Sorm in ber 
ÜRoterie tefonbett unb ^ttfammengejogen, inbem iai jDin^ 
in feinem materiellen 2)afein immer nur ein beflimmte« 
SSJefen annehmen fann ^« SBeil a^er ®ott felbft bie it^ 
ßimmten formen , n^etc^e anß ber SRaterie ft^ enttoidelii 
fetten, in biefelbe gelegt $at, fo fe^en tt)ir too^l, baf 
biefe Srflarung ber dnbi^ibuation bo^ nur auf bie erße 
Urfac^e tt^ieber jurfidgefit» Died «>erfennt 9l(ert ni^ 
»ielmef^r f^eut er ft$ feinein^eged ®oit ali bie Urfa(^ 
ber IBerfd^iebenl^eit ber jDinge anjufei^n , n>ie fc^on fri^er 
bemerft u^urbe« (Sr ^t {te ^vaa @(^mu(fe biefer SSeft 
unb um Orbnung in i^r p begrfinben ber @^^))futtg 
einge))flan)t ^% Sinige ©^mierigfeit ma^t ti nun, ba$ 

1} De nat. et or. an. tr. I, 2. Forma est UDiversaliter et 
matenaliter (1. immat.) et simpliciter praehabens omnes forma- 
rum difTerentias , quae secundum materiae diversificantur diffe- 

rentias« ^a^et tt>irb ant^ ben Engeln €ixoa$ TlatmtU^ als 
®runb iixtx 3nbtt)tbuation gugefi^rie^en» Summa theol. II, tr. IV 

qu. 15 m. 1 p. 115 b ; m. 2 p. 116 a. 

2) De nat. et or. an. 1. J. Diversitas enim materiae catuat 
diversitatem formarum secundum esse materiae, in qua est forma. 
Summa tbeol. 11 tr. l qu. 4 m. 1 art. 2 part. 2 p. 38 a. Materia 
per rationem materiae non est principium individuationis , sed 
potius per rationem propra subjecti est principium individua- 
tionis ut primum subjectum. 

3) De int et int. 1 tr. II, 1. Formam in hac materia par- 
ticulatam et contractam. Ib. 3. 

4) Summa de creat 1 tr. II qu. 2 art. 6 p. 16 a. Super 



822 

bie SRaterte auf btx rinen ©ette a\i bai Slttgemettte in 
oOen gefd^affeneit S)tngen angefe^n «Dtrb; na$ einer 93or^ 
fledung jtpeife, . weld^er tt)ir f^on oft begegnet {tnb, auf 
ber anbem ©eite aber au(|f bte Urfa^e bed Sefonbem 
fein foKv Gilbert (ofl {te babur$^ baß er bie 10Iaterie im 
logif^en 6inn )oon ber realen Ü){aterie unterfd^eibet« 3ene 
iß nur in ber @eete unb berufet nur auf bem ©ebanfen 
bei 6ub][ectd fär aded SBerben, ml^ti o^ne a((e befon« 
bere Seflimmungen gebadet mirb; biefe bagegen fe^t bie 
äSaterie nad^ ber SBetfe bed ^t)erroe$ mit allen in ijfr 
t)erborgenen ^rmen> 2)af>er n)irb an^ mit groferm 
Steckte ber gorm ^dgemeini^eit beigelegt ^ aU ber ^Ratc^ 
xit ^)« Slber aa^ biefe gprmel barf nur in bem S)op« 
))elftnn genommen mxitn, n^eld^e biefe Se^re äber]^au))t 
m {t$ trägt« ®enn mit bemfelben Siedete it)ärbe man 
au^ bie S^^^^ ^^^ t^a^ Sefonbere beieid[incn fonnen^ mit 
nur burdi^ bie Unterfd^iebe^ meldte bie gorm giebt, bie 
S5erfd^ieben|^eit ber Singe bewirft wirb* SQSte fönnte e« 
anber6 fein, ba bie Unterfd^iebe jum SBefen ber S)inge 
gej^^ren unb bie 972aterie nur ba^ SRittel ift, totl^ti ju 
feinem S^td ba« SBefen unb bie gorm ffat?^) 

STOan Knnte ftd^ über biefe Bweibeutigfeit in ben 
gormeln be« @i^ftem« tt)unbern; aber fte ifl eine natura 
licf^e golge be« ©runbgebanf en« , ivel^ier ba^felbe be^ 

ipsam (sc. materiam) operatur creator opus distinctionis et or- 
natus <— — > et sie una est in substantia, differens secundum 
esse, qiiod accipit per ornatum et distiactionem a Creatore. 

1] L. ]. ; de int. et int. I tr. 11, 3. Esse universale est for- 
mae et non materiae. 

2) Ib. 4. Materia non intenditur ad esse, sed formae est 
totum esse rei. 



223 

fferfdpt, baß nmlidf aüti natärlu^e 6ein in Ut Dtb^ 
nma iu ©Ott aufßetgen fod, in tctl^^x ti wn iffm wifi 
^entntevfletisenb Qttooxitn if}. <E0 ifi tied betfd^ ®e«, 
bottle, wütfytx it^onUxi auf bad (Stfennen unfered SBerf 
flanbed angetoenbet in bem ©rutibfa^e beä Sln{loteIe6 
jtd^ au^f))ra(l^, bap {^ü^ered unb ®p&ttxti in SBeitefiung 
auf und umgefef^rt }u einanbeir {td^ ))er|falten/ toit tn93e^ 
iie^g auf bie 3latnx^ jDie Se^ren SKiert^d &Ux §om 
unb SRaterie^ SlOgemeined unb SBefonbered ftnb nur dne 
folgedi^ttge Sluöffi^rung biefed ©tttubfa^ed« S>ted f)>d^t 
ftd^ o^ne atte 3^dbeutigfe{t barin aui, baß bie aOgem^ 
nen S3egnffe in ätüdftc^t auf bie Urfa^e ^ox ben 2)in<s^ 
gett; in 9ifi(f ftc^t auf unfern SSerflanb aber na^ ben jDin^ 
gen fein foKen» 

iRad^bem wix nun bie SBebingungen iti tDeltli^en 
S)afetnd, SRaterie unb 2tit, betrautet fiabeu; n)irb t€ 
Bett fein bie ©ubftanjen in bad Sluge ju faf[en, «Deiche 
nad^ bem @9|}eme 3ll(ert^d biefen ä3ebingungen untere 
liegen^ dd ftnb bied; k))ie oben bemerft n)urbe/ ber $inu 
mel unb bie ^»nteOigenien. Unter jenen Segriff umfaßt 
er bie ganje forperli^e 3ufammenfe^ung ber SBcft, bad 
3lei^ ber 5Ratur, unter biefen alle »ernfinftige SQSefen, 
ta& diü^ ber grei^feit unb ber ©nabe^ 

SBir glauben für ben 3^^^ unferer Unterführungen 
ni^t npt^ig {u fiaben weitläuftig in bie Unterfu(|^ung iti 
aBeUf9pem6 unb be« ©9Pemd ber Sngel einjuge^n, tcth 
i^ti Gilbert na4^ fieiligen unb ))rofanen älutoritaten auf^ 
fiettte. @d genügt ju »iffen , baß er in biefen Se^ren bie 
Araber unb ben Slreopagiten ju feinen ^au^Jtfuj^rern ^at 
SBad er t;on bem ©einen ptnjufugt^ n^iK ni^t ^i^i bebeu^ 



284 

tot. jDte i))efentli$e SKft^t feinet Se^te gel^t bod^ nur 
borauf ani ju jeigen, tt){e ber SNenfd^ ju feinem Jgeile 
gelangt !Rur ;n)ad tiefen 3tt)ed Ict&^xt, ^ahm wir )tt 
bead^ten; iai fi(rige tient nur }ur SBefriebigung einer 
9ßip6egierbe / mi^t mit tem ®ange be^ ©yflemed nur 
in einem lodern 3ufammen]^ange fle^t 3m SIKgemeinen 
jiebod^ muf man für ba^ SerßSnbniß aOer feiner Seigren 
bie ©runblage feiner SBeUanfti^t ttidpt au^er Slugen laffeu; 
ml^t barin beruht ^ bap aUti wm ^immel {ferab lii 
)u ber (eMofen 3Ratene in einer Ifidenlofen SSerfettung 
t)on abfleigenben ©raben ber 2)inge befiele« S)ied ifi 
bie Drbnung ber SBett/ tDeI(|e ^on ®ott au^gel^t/ inbem 
beffen Si^ ä(er feine ®ef(^$)>fe ft$ ber^reitet, ni^t in 
feiner ganjen Sude ftd^ mitt^ei(enb, totü iai (Srfle in 
ber Orbmtng ber ©ef^apnen, ani bem ^lii^ti jumjDa« 
fein gelangenb^ bem @dpf))fer ni^t gleid^ fein unb be^^ 
n^egen au(fy ben niebern Drbnungen beiS 2)afeinä nic^t 
biefelbe SSoUfommenfieit mitt^eiten fann, toüi^t ti felbft 
)oon ©Ott em))fangen pat ^}. !Ra(| biefem adgemeinen 
©efe^e bilbet ftd^ nun bie ^ette ber (Emanationen immer 
tiefer fi^abjieigenb in immer unbottfommnem SQßefen au^, 
fBlit biefer natfirlid^en Orbnung ber ^nteUigenien unb 
be6 ^immtXi buri^freujt {t(| nun aber eine anbere Drb^ 
nung^ n>e(^ nur ben ^nteKtgenjen angel^ort; bie Drb^ 
nung iti ftttlid^en Seben^« ^iefe Orbnung in \>ai Siuge 



1) De Gaus, et proc. un. 1 tr. IV, 5. Ordmem in gradibus 
entium non fach nisi casus et Decubitus a lumine primi en- 

tis. Universitas rerum — — consistit in multiludine or- 

dinata ad unum; ubi enim non est prius aut posterius, ordo 
CMC non potest. 



22« 

3U faffen tmtf te fOittt tun^ bie et^if^e Stiftung fetnet 
S:^oIogte afigettieten i^erbem (S« war aitt mtftmtlg. 
ni^t (ei^t ffe mit tet natfirlt^en Otbnung ber !S>tnge 
ol^ne ®tAnmg in Svi^mtn^ani ju bringen^ ba biefe 
tint feftfte^enbe, (ene tint^ttixibtxlUl^t fdn foltte. &tUtt 
nU^t binr^ bie freie X^&HittÜ, burc^ ba^ SBJfer ben gott 
bcr.Cngel^ beren @teOe bttrd^ bie ^eiligen SRenfd^en p 
eiferen tcax, bte ttrf))rfiitglij^ Oittmiig gebrod^en to€td 
bett? 3nbem toir ftnben, baß SUbert bei 93etra$tuttg 
Ui Sdfeit ben äSor^eKungen feiner SSorgfinger {t$ an« 
f(^Iie$t/ e9 nur für tint 93erattbnng geltm lafen tiM, 
toüifyt in biefer SOBeÜber ©egenfä^e ni^t fehlen biirfe, 
nnb bobei behauptet, baß ®otted SßiQen nic^M entgegen« 
gtfe^ fein f^nne^), mAffen t9ir befSr^ten, baß er ge» 
neigt fein mochte bie ftttli^e in bie natftrti^ Orbnnng 
)rtncin)ttsie^en« fßon ber anbem &tüt bflrfte man ond^ 
nmtffmaßen , baß er in bie ®efe$e ber 9tatttr ben freien 
fßiUm nnregelm&ßig eingreifen laffe^ mnn er man^erlei 
n>ttnberbaren Srf d^etnungen , ber n)il(ffirl{d^en @ink))irfung 
ber (£nge{ unb felbfl ber ^agit, toä(fyt bnrd^ böfe dn* 
gel gefibt Witt , feinen ©lauitn nitfyt )^erfagt ^> SBirb 
er bei fold^en nmooUfcmmenen ^bfd^eibungen beiber ®t^ 
iittt i^x Ser^dUniß }u einanber rid^tig beßimmen f onnen ? 
Um ^ier^u gu gelangen n)firbe e^ ^or allen jDingen 
notl^ig gewefen fein ben Segriff ber greti^eit genan jn be^ 
flimmern SDSir finben akr ni^t, baß feine Oebanfen 
f^ierüber jn 5[>pöiger Älarj^eit gefommen »orem 5Ra(^ 

1) Siunina theol. I tr. VI qu. 2T m. 1 a^t i p. 148 b. 

2) Ib. II tr. II qu. T p. 45 b sq.; tr. VUI qu. 30 ra. 1 
p. 180 b. 

®efcj* t>. ?J«- VUI. 15 



226 

feittctt aagemetnen ©runbfa^en legte tt in jiebe geft^affene 
yiatax eine i^x eigene 93ett)egung unb l^terin liegt unfbrei«" 
Üg ber SInfnäpfnngepunft fSr feine ic^xt ä(er bie Stef^ 
fieit« ^btx tt ^(fyxtiit be4»iegett bo^f nt(^t atten jDingeti 
freien äBiUen itXr Dielmeffr bie (Snttt^idlung ber S){ngt 
au« ber SAaterie i^erau« ftefit er nur aU eine @a$e bet 
9latitr an unb forbert bagegen für bie ^reif^eit ber Singe 
Unab^ngigf eii t)on ber SRaterie ^}« dt meint bie SSa^ 
terie, toüi^t ben ©egenf&^en noc^ unterliegt ober mit 
ber a(Igemeinei|..gorm nod^ nic^t einig \% S)o(| feilten 
l^ierfiM bie gettouern Se^mmungen« Dtur fo soiel fefien 
mir, baß SUftert bie grei^eit iti fBüiUtni nur ben ^tx^ 
nfinftigen äSefen gueignen mi0, mil p i$ir SBa^I smifd^en 
entgegengefe^ten SK^glid^feiten gej^fre unb nur ber IBer^ 
^anb tti ^oemünftigen SBefenS biefe )u gleid^er 3eit wx^ 
l^olten unb aldbann ber freien SBiÜffir bie ^tf^eibung 
flberlaffen f jinne ^}<( jDurd^ biefe IBefümmung mi(( er tu 
nen entfd^fiebenen $llbf(i^nitt jmif^en ber {tnnlid^en unb 
ber ))ernatffi{gen @eele fe^en, ^on melden fene ;mar au^ 
nur bie gorm i^reö ©egenflanbe« in . ftdf^ aufnimmt ^)^ 
biefe aia fiberbied ben SSorjug fiat/ baß fte )u glei(^er 

1} De caus. et proc. un. 11, 2. 

2) Summa de creat. II tr. I qu. 68 art. 2 p. 311 b. Li- 
beri arbitrii potentia est specialis secundum ordinem naturae, 
et boc patet per actum ipsius liberi arbitrii, qui est eligere, 
q^i habet aliquid rationis et aliquid Toluntatis. Ellgere enim 
duobus praepositis alterum praeoptare est; duo vero prae- 
ponere ratioois est , alterum • vero praeoptare voluntatis est. 

Ratio unt> iniellectus finb M Gilbert baöfclbe, nur baß ratio in 
befonberer ^i^U^mQ auf ben 3ttfönimenjan9 jwifcjen Orunb unb 
Solge gebraust tt>irb. Ib. qu. 58 p. 280 b. 

3) De nat. et or. an. tr. I, 4 p. 192 a. 



227 

3tit )>erf^{ebene unb entgegengefe^te gomen in ^^ Itß 
ptthtvitn fann 0* iSi ifl btr^ eine ittamtt Se^re be< 
Sb#ofeIe« tmb bet SIra(if$en Slrifloteltfer. eie (ero^t 
botauf , bap ber SerfHüib iai Siagemetne etrfennen fann^ 
wie a bie ©rünbe bed SBefonbem in ft(^ ent^&tt unb b{e 
in ber 3JtaUm gefpaltenen Sefonberfieiten umfaßt ^« 
(Sbm bfdoegen fod aud^ bie )>emünftige Seele nic^t alt 
tin 9ct im ^ixptx , noelc^et au« ber ÜRaterie ^ert)orge^ 
gegen n^firbe, angefeffn toerben. WX bem 9riflDteIe« unfr 
ben Arabern ntnnnt baffer 9I6ert an , baf fle 9on augen^ 
$et tn nn« (omme, ai&er nic^t t^om ^fmmel^ fonbem 
t>Ott ©Ott unb na^ ber aif^nlid^f eit mit ® Ott gebilbet^ 
^erau^egogen au« bem ^xi^Xt @otte«; mel^e« in bem 
aScrfe ber Tlatur toirft')« ÜRan ftefft toof^I, baf feine 
Se^re 9on ber STfaf^rung unb ben Cefiren ber ftird^e ge» 
trieben ft(^ onfhrengt einen entfcfHebenen Slbfi^nitt itoift^en 
bem {tnnlid^en unb bem toerniinftigen 8eben gu machen« 
(Sr p$t {t(^ babei auf ben fpecijif^en XtuterfdE^ieb ber 

1) Summa de creat. II tr. I qu. 68 art. 4 part. 1 p. St6. 
Omnis substantia ralionalis est aJ opposita. 

2) De iot, et int. II, 8 p. 259 a. Oppositio et disparatio et 
diYersitas et hujusmodi non consequuntur formam ni« per hoC| 
quod sunt in materia, sed secundum quod sunt in lumine agen- 
tis, simplices sunt, indivisibiles et unitae, eo quod sunt unum 
et idem in causa prima. 

3) De un. int. c Averr. 5 p. 228 b; de nat. et or. an. 
tr. I, i; 5. Contingit enim formam ^%i^ animam rationalem, 
qoae transcendendo materiam et virtutes materiales in similitu» 
dinem prorumpit moloris primi in natura. — — Intellectus in 
animae rationalis natura ingredilur in conceptum ab extrinseco, 
non ita quod intellectus primus causet ipsam extra naturae opus, 
sed quia educit eum de luce sua et non de aliquo materialium 
principiorum. Summa tbcol. II tr. 1 qu. 4 m. 2 art. 1 p. 48 a. 

15* 



228 

Sind^^}/ n^eld^en er iaüitx^awpt anedannt ^aitn YoiU; 
dhtt xoit muffen nni tvoj^I etngefle^n, baß bied nic^t 
xt^t }pa^tn toiU )tt ben aUgemeinen ®ntnbfä$en fdnet' 
Ce^re; »)e{(^e übttoü nur auf Orabe; im 3(u^ge|fn ber 
2>tnge 9cn ®ott unb in ber Stätffei^r ju i^m fü^ren^ 
Senn man i^m m^ )Ugefie$in mod^te, baß ed mit feiner 
Sej^re {td^ i^er einigen laffe/ menn er bie ^oernänfiige &tüt 
. ))reift/ n)eir.{te allein bie;93oIIenbung unb ben 3med alter 
ttiebem £)inge in ft^ trage unb bedmegen ani^ i^re Sor^ 
mtn in {i($ entj^aUe; fo fe^en mx bo4^ ni^^ ein, nmrnm 
^e bedn)egen<^w ben niebern iBerm^en^ ml(fyt in ber 
ÜJIaterie getonben ftnb, getrennt werben füllte, oXi mnn 
in i^rer ^eroorbringung aUein @^tt unmittelbar unb 
nid^t Hx(fy bie niebern Sräfte n>irfe/ in mi^m bod^ wify 
(BM^i ^aft gegenn^artig unb n)irffam ifi^}. <Sr muß 
bo^ einge{}e$fn/ baß ber 93er{ianb nid^t oj^ne bie @ee[e 
unb bie @eele nid^t ofine itn &6xptx fein fönne, mei( 
jienerbie €ee{e unb biefe ben j^dcper ju i^rem SSerl^uge 
f>a]&e 5). Sotite i^n in ber ©urd^fü^rung biefe^ ®runb^, 
fa|eö , bie gurd^t jlJren, büß bie t)ernfinfttge ©eele burd^ 
ben @e(raud^ fold^er SRittet t>on i^nen abhängig n^erben 
Mnnte ^^3 ? (Bx ^ätte fte xoo^l verbannen f ßnnen bwrd^i ben 



1) Summa theol. LI. 

2) De nat et or. an. tr, I, 4 p. 192 a sq. . 

3) De un. int. c. Averr. 5 p. 229 b. Id, qaod Organum 
habet proprium in corpore, coojunctum est et non habet esse 
separaium ab anima. Intellectus autem habet Organum in corpore. 

4) SSott biefer gurtet geugt H , baf ber SBeife t)om (ginffuP 
t>cr ©ePirnc mah^änQiQ fein unb ber 3Serfianb ^on ber SUinJeit 

ber ©Uten unterf}ü|t n^erben fo0. Summa theol. II tr. I qu. 4 

m. 2 art. 1 part. 1 p. 58 a; de int. et int. U, 10. 



.-n 



229 

® hänfen, ia^ \>tx 3wed[ nid^t ben tOKtteln, fonbem bte 
aSfttel bem 3n)e(fe btenfl^ar ffnb. ftbtt bie @(|ieit \>or 
ber Srmrifc^ung bed ©etßigen mit bem 3JlatttitUtn ifl 
offenbar 9on feinen S^rgfingern auf i^n übergegangen, 
ttnb ttnfhreitig Kegt j^iertei nod^ ein anberer ®eban(e im 
^interffatt; ber ©ebanfe an bie 9lot^tt>enbigfeit ber ®rab^ 
unterfd^iebe in berSQSelt fi^er n^eld^e er bo(^ biet^emilnf' 
tige Seele ergeben mi^tt* 9tod^ an einer anbern ©tefle 
tt^erben tt)ir biefen ©ebanfen in i^otler 9Birffamfeit finbem 
- 3n bem SBorigen ifl fc^on angebentet/ baß aibert in 
ben Segrif ber ^xti^tit ben Segenfa^ }^{fd^en 93erf}anl> 
mib äBiden jte^t^ miifyt er aud^ in ®ott unterfd^ieben 
^te. $(u(| biefer ^untt fonrntt (ei i$m ju feiner genfi^ 
genbeit (Sriebignng. (Sd fragt fd^; n^a^ ba6 Sntf^etbenbe 
in ber grei^eit ift, ber SBiüe ober ba^ Itrtpeil Ui J8er^ 
fianbe« (ratio). Siliert fann {td^ nic^t entfd^Iießen ber 
einen ober ber anbern ^afi bie ^erfd^aft ju ge(en ; er 
nimmt bai^er eine britte «raft ju ^fllfe, bie freie SBillKr 
(liberum arbitrium)^ unb Idßt bon i^r bie Sntfd^eibung 
au^gefin/ inbem er fte n>ie ben 9tid^ter Utxa^M, ioeld^er 
entf4^etbet gkoifc^en bem, toa^ bie Vernunft ali (egefirung^^ 
toertff anerfennt, unb bem, \(t>ai ber SQSiOe begefirt* Srfl 
ani bem Sufammenwirlen biefer Äräfte foH ber tJoHfom^ 
mene SQSitte (perfecta voluntas) pert>orgepn *)♦ ^an 
fonnte nun in ber fißd^flen Äraft ber freien SffiiKffir bie 
^tnfieit be^ ganzen Üßenfd^en t)ertreten ftnben, xotl^t 



1) Summa theol. II tr. XIV qu. 91 m. 3 p. 440 b; Summa 
de creat. II tr. 1 qu. 68 art. 2 p. 311 b. Propier hoc dicitur 
liberum arbitrium , quia io arbitrando non babei limites sihi 
praefixosi quautum debeat moderari pro ratione <t pro volutitate 



:3 
■1 



230 

ÜKert nii^t n^enigev eifHs , aU bie fßictoxintt t)ert^bigt 
3lwc no(^ 6e{fer n)efß er fit a6}uletten auöben aKgemetn^ 
ften ©ntnbf&gen feiner Sefire« D^gleid^ ber 9Renf(^ bte 
SRotetie in ft^ ^at unb bie notürKO^en ftrftfte iti (eben«* 
bigen Sßefen«, bie ))egetotit)e unb bie animalifc^e @eele, 
i^m }ur ©runblage bienen, ift er boc^ ein« in feiner 
tSenrnnft, tveil biefe aU ber p6$iere @rab ber (Sntn)i(& 
(ung aKe ntebere ©rabe M X)afein« in {t^f nmf^Iie^t 0« 
@o tft er au(| in feinem Serßanbe ein«, obgleid^ biefer aOe 
formen unb 3been ber 2)inge umfaßt/ tt)ei{ er eben ber 
f^f cf^fie 3n)ed unb bie |fö#e 3bee ifl, n^elc^e ade nie^ 
bere ^afte ober formen enthalt o^ne @t5rung i^rer Sin« 
fac^f^ett; n>eil {te tok ia€ ^((gemeine )um Sefonbern ftd^ 
t^er^ätt ^3. S{6er bie $lu«fä^rung biefe« ©ebanfen« jeigt 
and^, baß W>txt ^M geneigter ift in ber SSernunft ober 
bem äSer^anbe bie ade« ^oereinigenbe (Sinfieit be« 9Ren# 
fc^cn ju ftnben; al« in ber freien äBidfür. £r be^au))tet 
ba^er, ber ganje ^tn\^ aU ÜTIenf^ beße^e nur imSSer«" 
fianbe^). Unb fo finben n)ir benn a\xi^, baß er baf^in 
{t(^ neigt ade Sege^rungen be« SRenfc^en t)on feinem SBer^ 
ftanbe ab^&ngig ^u ma$en unb nur aU Solgen feiner 
Srfenntniß an^ttfeffU; benn ber ))raftif(i^e SSerfianb leite 



: 1) De nat. et or. an. !, 5 p. 193 b. 

2) Ib. 4 p. 192 a sq. Aoima ista , licet sit una substantia 
hominis, habet tarnen multas potentias, eo quod est in se col- 
iigens omnium formarum se ordine naturae praecedentium po- 
tentias, quae omnes intellectuali natura complentur tanquam in 
ultimo termino et fine. 

3) De int. et int. If, 8 p. 259 a. Homo inquantum faomo 
solus est mtellectus. $a(f^ ^em 9ixiftoM^» Summa theol. II 
tr. II qu.9 p.t9 b. 



231 

cüt SSetfe iti SNenfc^en cüt 0* Stau toixi ^ittin ben 
(ßnflttp btt Snfioteltfi^en fJ^Oofop^ie unt) iai Sor^tr^ 
fd^ be« tffeoretifd^en 3nteteffe« nu^t ^erfennen, »)eld^tf 
frdlt^ gegen bie et^ifi^ Stid^tong ber Stix^tnU^xt fiffx 
f(M a^fUi^t S« gef($te(!t l^bur^^ ba$ Sttert ba« 
^utt mit bem SSaf^ren gang gleid^ fe^t« jDen 9Renf4ien 
fte^t er aU W>hilb M @uten an, wtil er SlbbOb bc« 
' aSaffren iji «)♦ 

^teraud erlUrt t$ ft$, tvarum Slbert (ei Setrad^tung 
iti menfc^It^en ititni iü äBeftem mel^r auf bie t^eore^ 
tifd^e ali auf bie ))rattif(^e Seite fein Slngenmerf ^erid(itet 
^at 6einen aSgemeinen ©runbfä^en getreu benft er ftd^ 
bai (Sxttmtn als tin Xnffleigen bom UnDOOfontmenen 
gmn SoOfotmnenen. Slu(^ bie freien Urfa^en mfiffen bie^ 
fen SBeg ge^m 2)ie Su^Mfbnng ber niebern s^egetatiben 
&tüt i^ bie 93orbebingttng, bie ilRaterie ober ber Anfang 
ffir bie (Entwidlung ber ftnnlid^en, bie ShtSbitbung ber 
finnli(^en bie SSorbebingung fär bie (Sntwidlung ber t^er^ 
nfln^gen ®eele, fonft tDürbe ber ^enfd^ nid^t ein äSefen 
fein / fonbem au^ t>telen haften befielen ^}* 3n ben 



1} L. I. summa de creat. II, tr. I qii. 61 arl 1 p. 292 b sq. 

2} De int. et int« I. ]. Est enim imago primi boni per 
idem, quod est imago primi veri. Summa tbeui. II tr. XV 
qu. 97 m. 2 p. 258 b. 

3) Summa tbeol. I. 1. In actibui rationis, qui dicuntur esse 
liberi arbitrii, ordo est secundum disposilionem et processum 
ab imperfecto ad perfectum. De nat. et or. an. tr. 1, 5 p.l93b. 
Incboatio vegetativi est in materia et in esse primo aubstantiae 
aoiraandae et incboatio sensibilis est in vegetatiTO et incboatio 

rationalis in sensitivo est; quia aliter homo constitulus 

esset multa et non unum. 



232 

yiptxn ©robett beir Sndiilbimg jtnb aud^ bie niebem wx^ 
yanitn unb eben be^megen ff nnen bie ^i^txn ni^t ^e^ 
tDonnen »)e¥ben, tpenn ni(fyt imox bie niebern erlangt 
{inb. Siliert ^lt an biefen ©runbfä^en fo feß; baß er 
fcgat noc^ bem funftigeo. Seien rna^^ bem S^obe bie gort^ 
bauet ber begetotit)en nnb ti^ierifcffen @eele t^orbepitunb 
tm fprbert/ baß biefe ^afte yitx {t$ geübt unb au^e^ 
bitbet $aben rnüifen, bamit bie ©eele bem l^öl^evn^i^te 
iug&ngltc^ tt^erbe; kveil fte in üenem Men feine ©elegen^ 
^tit ftc^ juäben fiaben tDüvben ^}» Stuf benfetben ®(unb^ 
fä^en berufen au^ bie mi(i^tigflen ©ränbe, n^el^e er ber 
Se^re betf Slbettoe^ entgegenfe^t/ baß ber fpecutotibe SBer«« 
flanb in oMm SDIenfd^en nur einer fei. jDenn ba 93er^ 
f^ieben^eii ber ©ubjiecte fiattfinbe in ben niebem ©ro^en 
be$ Seben^; fo ffnne fte an(fy in bem fif^ern ©rabe M 
fpeculativen SSerflanbeä nid^ fehlen ^}. di genügt. |tt 
bemerfeU; baß in ber Unterfc^eibung ber ^oerfc^iebenen 
©rabe ber äSorbilbung für ben SSerßanb Sllbert in aden 
n)ef entließen fünften an bie Seigre be^ 3It)icenna üi^am 
fc^Keßt^). 

3tt bem SSerflanbe unterfd^eibet er nun mit feinen 
SSorgängern ben mfglicden unb ben wixtlii^tn 93er{lanb, 
toiü aber ben erßern nic^t materiellen SSerßanb genannt 
tt)ipn*)* S33dre ber mögliche SSerflanb materiett, fo 

1) Ib. tr«II, 13 p.213b$ 15. 

2) L. . 1. ; de intell. un. c« Averr. 5 ; de int. et iot. I tr. I^ 7 
p. 245 a. 

3) ^er Stf^brud memoria in tet Srinüätdle^re U^ SCudufitn 
ma^t i^m t>aUi ^wax ^iü aufraffen/ toicb aUx tod^ pTej^ 
q\MU^ befeittgt. * 

4) De nat. et or. an« tr. I, 8^ ^et SUtdbVUtf inleiiectus ma- 



233 

t»örbe er ttxoai wn feniec anatme in ten ©ebanfe» ha 
©egenflanbetf etnmifd^eit unb i^n ni^ rein barf^eRen Ktu 
neo; fo baß tu feiner &ltmtni^ (Erfennenbed mib <Er^ 
fannteini^t to^dig eind fein toftrben; er n^ürbe ottbann 
(ou^ nur einer %oxm fä^ig fein, i»tl^t in bem Sermd^ 
gen.ber STZoterie angelegt n^ftre; unb ni$t ba& SUIgenteine, 
ia aUa , t»ai iß ^ su erfennen im @tanbe feim (Sr ik^ 
trautet i^n ba^er ^iümt^t ali eine un^ef^^^^^^^ ^<^ftl, 
in mli^t oUed eingefd^rieben werben fann, unb 9erglei(^ 
i^ mit ben burc^ftd^tigen 2>{ngen, n>el$e bie ©traten 
be« Sid^td in ^^ aufnehmen ol^ne fie jn )oerfinbenu Seine 
getDJ^nli^e Stmnel ifl, ber maglid^e SBerflanb fei ber 
Ort ffir bie a^erfinnüd^en Segrtf e ^}. 2)ie Unterfc^ei^ 
bung it0i\^vx toirHicfiem unb ntdglic^em SSerßanbe be« 
m^t nur barouf , baß bie imnän^e @eele urf^rfingli^ 
nur ein äSermogen ju erfennen ^ot, ani weld^ent bie SBirl^ 
lid^feit bed Srfennend aUmfilig jtd^ fierau^bitben muß» 
Sben be^n^egen iß {te mit bem ^ixpit ^erbunben unb 
^at m ititli^ti jDafein, unb fofern {te Stoum (conti- 
nuum) unb S^it berührt/ iß ße m5gli(|ier SSerßanb, fo^ 
fem ße aber etn^aö Stgene« unb S^ätiged in ßc^ ^at, 
U)Oburd^ baä Srfennen ))ol{i0gen toiti, ^abtn toix xfyx ben 
tf^ottgen 93erßanb betjulegen ^}^ S>a^er iß bie Sepre bed 



terialis fotttmi U)o]^I bei i(m t>pr, gemS^nli^ Aber mit einer CEor« 
rectur, n)ie Uirtt 9t>erroed ber S(udbrtf(f intellectus passibilis. 

1) Ib. T p. 195 b. Nullam materiae coniparationem babet 
iste intellectus, sed potius locus est specierum intslHgibilium. — 
— Locus universalis. De int. et int. II, 4. Intellectus possi- 
bilis -<— •— > susceptibilis non est unius tantum, sed omnis intel- 
ligibilis. 

2) Ib. I tr. I,' 6. :iliitellectus autem habet aliquid sui, iotel- 



236 

ren Slitfang in fld^ f4^lte^ 0« fS€ er! ennt ober bie @eele 
oOe Z>utge^ inbem fte ft(|^ erfenitt 2)ettn jebr« gef^^ 
fene Sing gemintit in feiner Sntwtdlmtg m$tö anbetet, 
(U^ toai im Sarmogen nod^ in i^ta (iegt^ fein eigene« 
SBefen burd^ feine eigene Xfyat* 3n i^ toirb i^m offene 
^r^ mai feinem @ein angel^^tt; bie« gef^iel^t junt St^eä^ 
bur^ eine fßtmittli^nnQ id !£^eile« , im ®anim bux^ 
bie iBertt)irHid^ng be^ ©anjem jDie (Srfenntni§ be« 5^ 
tütiiihda, bie toa^c ^^ilofop^ie, iß ba^er ©eUftedennt^ 
ni^^)^ D^ite biefe $|iifa>fo))|fie erfennen toir nid^, 
m(|t einmal bag toix ni^ti etfemten; aitx oj^ne bie &^ 
fenntniß ber SDinge burd^ bie Silbung feine« Serfianbe« 
erfennt am$ betSDtenfd^ fein eigene« SQSefin nic^t^. 2)a^ 
btttd^ bap in foldf^etr SBeife bie &rfenntnig be« Üßenf^en 
befonber« anf fein eigene« äSefen.geri^rtet tt>irb/ foU nnii 
feine^n^ege« eine 93ef(l^(änfung be« menf^Iii^en fSttftan^ 
be« angebeutet tbevben. S>a« inbit)ibttet(e jDafein be« Ser« 
ftonbed in bev einzelnen @eele iß bod^ fä^ig ba« Mq^^ 



1) Ib. I tr. I, 7 p. 245 a. Ens etiim in anima potiiis est 
iDtentio rei quam re% Ib. tr. III| 1 p. 250 b ; 11, 5. 

2) Ib. II| 8. Adeptus igitur. iotellectus est, quando p^r 
Studium aliquis verum et proprium suum adipiscitur intel- 
lectum. — — Id,' quod est in potentia, non manife.<tatnr nee 
acquiritur ni&i per actum 'suum proprium. — — Totum- au- 
tem accipitur, quando per omoia, ad quae in potentia esty pe* 
nilus fuerit in eiTectu. — — Et sie adipiscitur bomo suum 
proprium iotellectum. Et ideo dixit Plato, quod ?erissima pbi- 
losophiae definitio est sui ipsius cognitio. 

3) Ib. 6 p. 258a. Nibil penitus seit, qui pbilosopbiae , non 

studct , nee cnim se , nee aliud a se. Et baee ratio con- 

vincit, quod bomo nunquam invenit se ipsum, nisi contempla- 
tionc veritatis rerum. '^'« 




237 

metite o^ne 3nbtiribttatton au^ufofen, »eil ti mtt betii 
aUgemeinett t^ii^tti Setflaiibe in Ser^tnbung fW^t tmfr 
9(m fettier 977aterie bef^^rfinft tvirb 0» 3m SBerftonbe lie^ 
gm eben atte Sbeen nnb iDorben bur^^ bie aOgemefne 
3bee ®ottea umfapt (Sr ift ba« SBilb @otte6 im SNen^ 
fc^/ bwr^ me{(|ie0 er mit ber erflen ttrfaj^e aufommen^ 
l^gt itnb i^ )>eri^nl{c^ ifi/ bur$ n^el^e« er aOe gfot» 
men ber IDtnge im Sichte be« ÜKgemeineit 31t erbliifeti 
))enmtg^ 3m SRenfc^en ift baj^er wxüf nid^t allein bo^ 
X^ierifc^e unb ba« SBet^bige^ fonbem au0 baä @ftt>' 
tic^e, ein Sitt) ber SSa^ri^ett, ivel^e' a(« ein 6ame in 
aKen 2)ingen liegt ^}. jDal^er erf ernten tt>ir nid^t fowoj^ 
bnrd^ bie äußern jDinge, old bur$ bie (Ertendf^tung^ iDel^e 
mi^ (&9U fenbet/ tt^el^e aber bun^ bie formen ber noif 
mxä)txi S>inge aU bur(| feine SRittel in unj amr äBirf« 
(id^feit gebraut »irb ^* 

IHerin {tnb bie fin^erfüen gorberungen, weld^e boA 
n)iffenf(|Kift(i(^e ©treten {t(^ ßeKen farni, t^oUfommen be^ 
friebigt« ©Ott fenbet aUe formen in bie Sßelt unb ei< 
nem innerttd^ k))irfenben $unßier gteid^enb bringt er auö. 



1) Ib. 4 p. 256 a. Eadem forma est in possibili intellectu, 
et in materia, Sjed ab intelleclu nullam accipit individuationein. 
Ib. I tr. If T p. 245 a. Intentio rei non specificatur neque in- 
dividaatur per hoc, quod est in luce incorporea intellectiiali, 
sed manet universale. 

2) Ib. I tr. I, 6 in. Imago dei dicitur. Ex bujus enim as- 
similatione causae primae babet intellectum universaliter agen- 
tem. Ib. lly 8 p. 258 a. Est enim mens humaoa ratio et st- 
militudo quaedam veritatis primae, quae est semen quoddam 
omnis veritatis. De nat. et or. an. tr. I, 8 p. J96 b; tr« II, 2 
p. 199 b. 

3) Ib. tr. I, 7 p. 195 b ; de int. et int. II, 3 p. 255 a. 



288 

tm @wm cSlii jDofttn«, ben er mit bev 9Katerie in 
Me SMtitge gelegt ^at, aUed ^er^oi:; biefe formen ob^tr 
tat toofwe @ritt aller 2)inge/ nue fte einen gei^gen llr» 
f)n^g tmb eine geizige Sebeutnng fiaben^ fo if} ou^ 
ttttfer ®et{} fte in erfennes im @tanbe, wtil er ali bad 
9ilb ®otte« atte biefe Sonnen in ft^ enthält ®o {hrebt 
unfer 93erfianb m^ ber ßrfeimfniß ate nac^ bent/ xoa^ 
feine Statnr i^nt ent^fiKt/ nnb ifi bie JDuede ber SlBa^r^ 
l^eit; tt>el(|e er IteBt/ nne fein eigene^ SBefen ; aUe Zau*. 
fd^ung iß i^nt ^tx^a^t, fte ent^ammt nid^it i^ni; fonbern 
nur ber (Ein^ilbung^roft; bann finbet er fein ®ttt unb 
feine ©eligfeit, bag er erfenntO* 

Sßenn man nun biefe ©ij^ilbernngen bej notürUi^en 
(Mtnntni, toit ti bem SDtenf^en fAr mf gli^i ge^aftea 
toichf wx %tgen ^at, fomj^te man n)o^I fragen; «Darum 
ülbert mit ifym ft^ nid^t i^egnügt; fonbern nod^ ein fiBer^ 
natärlid^ed (Srfennen forbert. @öC(te e^ feiu; n)eil er j[c^ 
nen ißerfpre^mtgen , meI4i^ bem natfirttd(^en SSerflonbe 
be^ ÜRenfc^en gemad^t werben ; nid^t t>o(Itg t)ertraut? Sd 
futben ft(|^ in ber Z^at unter feinen @ä|en am^ y>iüt, 
mel^e an bie Sefd(^ränfungen beö menfd^Iic^en S3erfian^ 
bed erinnern; nid^t allein in feinem gegenn^Srtigen Sluf^ 
fleigen, tt)0 er nur aKmättg ^oom $^9ftfd^en jum ÜÄat^e^ 
mati\^tn unb t)om SRat^ematifd^en {um ©ottlt^en gelan^ 
gen fann unb me^r ber Sinbilbung^fraft unb ben @{m 
nen alä bem tf^ätigen 93er{}anbe anfangt; n>eil er in bie 
Tlattxit eingetaud^t nur aKmälig an iai Std^t ber Srfennt^ 
niß fid^ gett)6^nen fann 23, fonbern aud^ üitt^aupt, in^ 

1) De int. et int. II, 8. 

2) Ib. 6 p. 257 b. 



239 

im (e^auptet tt)trb , baß einige« un^egreiflii^ iü, i»k 
bie S3e»)egung / fcie 3eit unb bie erfie SRaterie/ A)c9 bfife 
£>i00e ja fef^r mit ber ^ecau^ung ^ermif^t tt)&rfti/, aii<« 
bete«, über unfern SSerfianb ge^e^ toit bai ®itüii^t, tiHii 
ti einen ©lanj ^Htt, ml^ti unfer (tobe« Sluge ni^ 
pertragen f^nnte» 2)a^er fcU bad S7}at^eniatif((e . oa^ 
ne^mli($ unfernt SSerßanbe ^ufagen , toeil e6 in)if(^en bem 
y^i^ftfd^en unb 2:f^eoIogif(i^en mitten inne liege nnb alfo 
u>eber burd^ bie 2Katerie )>erbunlelt tt>erbe/ no^ unfern 
mit füaxxm unb 3eit jufammen^aitgenben äSerjianb ü^. 
Peige 0* SQSentger ftirenb tß ti {hierin , ba| . toir M 
©dttlt^ie ni^t gut erfennen foIIen# benn bied n)irb biMl| 
nur unferer gegenn)ärtigen &^\»a(fy^tit gugef^^riebeU/ ol^ 
baß aad^ in ben niebern Stufen bed SDafein« etn^a« Un^ 
bur^^bringlii^eö gefunben tpirb, ba fte na^ ben aOgemei« 
nen ®runbfa$en SUbert^« \)telme^r in ben ^(ffern ©tufen 
Hi @etnd poUfornmen enthalten unb begriffen fein fofUen« 
(&i \^mt, aU befürd^tete er ho^, bag in ben n^ettlic^en 
Dingen eine S)!ifd^ung; eine SRaterie^ eine ^Beraubung 
ft^ ftnbe; totl^t bereu Srfenntnip in )[)oUer j&ttr^brin^ 
gung 'oon Seiten ber ©egenflanbe unm^gli(|f matfyU^ Unb 
pon ber Seite be« SSerßanbe« erinnert er ^^ au(fy, la^ 
bie 3nbit)ibuation unferer Seele ein «^inbernig fein mö^U 
für bie unbef^ränfte erfenntnig* 5Da ifl ber ©ebanfe 
mächtig in i^nt; baß ][ebe6 @efd^5pf nur ein Qn\>\id)t9 
i{l, unb barauS jte^t er ben B^ln^, roüi^tx f(l()on frfi^ 
^er erwähnt n^urbe, baß bie ^ernfinftigen ©efd^^pfe bie 



1) Ib. I tr. IH, 2. Divina sunt super intelledum , matbema- 
tica in intelleclu et physica sub intellectu esse dicuntur. 



240 

®teii)eii, ben 3^td aUtx S)tttge ober t>ai Unenblt^ie 
jmor (erfi^ren , a(er nid^t faffen Umttn ^3* ^i^ fi^ft 
fogar wn ben ^geln unb ben @eelen ber ©efUnte^ tofe 
lotel tn^t Dom aRenf(!^en> tt)etd^et burd^ feine SefHm« 
mung ben ^ixptx gu regieren in ber Slnfc^auung bti ®6tt^ 
lid^en gefifrt n)erben fann. 2)enn ber Serfianb be^ SKen« 
. f^en n^irb rein genannt, nid^t tt>ei( er mit bem ^{frpet 
nid^t ber(uttben xo&t^, fonbem nur mü er im Srfennen 
bem f (frperlid^ien Organe nid^tö verbanft % S3efonber0 
Pari aJer greift bei biefem^nnfte ber ©ebanfe ün, mU 
d^eh SKbert faft burd^ at(e feine Sintoritäten betätigt fanb, 
baß im natfirlid^en S)afein ber S)inge eine Stufenleiter 
t)on SBefen not$n)enbig fei unb baß j[ebe$ biefer SBefett 
an^ nur mä) ber @tufe feinet S)afein$ fein notflrtidped 
@rfennett |fa(en ff nne. 2)er SUIeufd^ alfo > n^eld^er mtr 
einen fei^r niebern ®rab bei @eind inne ]^at/ n>irb in 
feinem natärlid^en (Srfennen aud^ nur eine niebere @tufe 
ber Sinpd^t gewinnen Mnnen % 



1) Ib. n,'l; Summa theol. I tr. III qu. 13 m. 1 p. 31 &• 
Finitum non potest capere, quod est inflnitura« 

2) Ib. II tr. II qu. 9 p. 80 a; Summa de creat I tr. IV 
qu. 30 art. 2 p. 101 a. 

3) Summa tfaeol. II tr. IV qu. 14 m. 1 art. 1 p. 93 al 

Über bie natütlt^en stufen bed ^erabfleigend butd^ ben Fimmel 
^ixx fublunartf(|)en Seit trägt albert nur bie fl^einung ber %xi:u 
(ern t>or unb entf(j^etbet ft($ ntc^t; mminiU(fy nlt^t über bie @eete 

beö ^immeld. De caus« et proc. un. 1 tr. IV, 6; 7 fin. (H 
fle^i {(m aber ha9 ^rincip fefl. Ib. 8. Inferlus quidam casus 
est semper superioris et inferlus incipit, ubi lumen aliquo modo 

occurabit superioris. ^a$er ifl au(^ bad ^afetn ber ^ngel und 
nur bur(^ Offenbarung befannt; ed gehört aberaui^ einem onbern 
©ebtete bed ©eind an. Ib. 8 fin. 



241 

jDtefe Seteuffid^eitcn finb e^, mt^c Sfrtert bcn ©ropcn 
vermögen eine ®tnfe be^ Srfennen^ anjunef^men, tvelcle 
er für flbematfirKc^ l^aft, in welc^ier unferer 9lahir itrva€ 
gagefüßt, ein 95erfianb«i§ i^x eingegoffen tDerbe 0» Sr 
nennt biefe @htfe ben S3erfianb, burc^ n^elc^en xoix und 

@Ott )>erä]^nl{(||en (intellectus assimilans, assimilativiis), 

ober aud^ ben göttlichen SBerjianb '^D* (&i iji bie« eine 
^leud^tung unferer 93evnunft, noelcfie oon ®ott, a^er auc^ 
»Ott ben (Sngeln un^ jufomntt^). 2)af eine fol(|ie mög^ 
lid^ fei, n)itb im SlRgemeinen barau^ abgeleitet/ baß ][a 
flberatt ba« Cic^t ®ottc6 ober fiter^aupt baö ^Jpere über 
bad 5Wiebere leuchte, baß bie t)erf^iebenen ®rabe ber 
2)inge in biefer gangen SBelt nicfit^ anbere^ ftnb aU bie 
Offenbarungen ©otteS nad^ ber t)erf4>tebenen gaffung^fraft 
ber ®ef(|>ö}>fe* ®o offenbart ftci^ ®ott in ben «förperli(|>ert 
Singen na(5 ben ©rengen eined jeben Dinged begrengt, 
fo in bem moglid^en 2Jer|lanbe in feinem Söifbe, »el(^e6 
atteö bem Vermögen mi^ enthält, wad ein bon ber SWd* 
terie gefonberteö ©ein ^at, fo in bem t^ätigen SSerfJanbe 
biefer Heinern SQSctt, fo ni^t weniger in ben ©etjicrn^ 
ttjelcfie ben Fimmel bewegen unb biefe ©cwegung nur 
^er\)orbringen um fid^ ®ott gu »era^ulid^en '*). 5Wan 



1) Superaddilum natiirae i(l ein geWÖ^nllfiet Sluöbrucf. In- 
tellectus infusus. Summa de creat. I tr. IV qu. 19 art 1 p.77 b. 

2) Summa tbeol. I tr. III qu. 16 m. 3 art. 3 p. 61 a ; de 
int. et int. 11, 9 sqq. gür assimllare mx'O dUd^ npplicare ge* 
htan^t %ü^ ber intell. accommodalus (phll. paup. V, 29; 32) 

fc^eint auf boöfclbe Jtnauögulaufen. 

3) De caus. et proc. un, II tr. I, 13 ; summa tbcoI. II tr. IV 
qu, 14 m. 3 art. 2 part. 4 p. 110 a. 

4) De int. et int. II, 9. 

®ef((>. b. Wt- VIII. 16 






242 

fte^t ^itxani, baß %\Uxt biefe ühtxtfBCiiMi^t dtUnninx^ 
io^ auf ba^ ©enauefie an bte natfivtt^en ®aUn ber 
Dinge anf(|>Ke§t SWan wivb babei nid^t tyergejfen bfirfen, 
n)te er fi(er iai äBunberkre äber^aupt ba^te. Sßenn 
er leierte , ber menf^Jt(|fen . 3latviX werbe tm eingegoffetten 
^erßanbe etwa^ jugelegt^ fo formte er feinen aSgemeinen 
©runbfa^en m^ bied nur ali fine @ntn)ic{(ung anfe^n^ 
tot^t fx(fy bo^ an ein im SD?enf(i^en t)erborgene^ SSermd* 
flen onf^loffe* . Unb bajer betra(|itet er au^ baö fiber^ 
natürli(|ie Srfennen aU ttwa€, toa^ bem adßemeinen 
Dlaturgefefte fic^ nici^t e«fjie|fert fann* dx Jiätt e^ gwar 
fiir mo^Ui^, baß un$ gottUd^e 3^t4^^n auf eine n)unber^ 
bare SQBeife jutommeu; fei eö in SCraumen ober in pxo^ 
jjf^etifd^en' ©efic^ten unb SBunbern, aber biefe jDinge an 
{t(| gemft^ren und bo^ bie iUernaturUc{}e ^rfenntniß nic|)t/ 
fonbern ber Serffanb t^nt t^, welij^er jie auflegt ©o 
ffatte ni^t ^Jf^fttao, fonbern Sofep^, welcher ben JCraum 
beutete, bie übernatürli(|ie Srfenntniß 0* ©o fotten wir 
aud^ in biefer {tnnltd^en SQ3e(t niemals o^ne S^ittel jur 
(Srfenntniß ®otte^ gelangen unb nur au^ feinen SBir* 
fangen @ott erfennen, fei e« in ber IRatur ober in ber 
®nabe ^^. 2)ied iji eben ba^ aUgemeine @efc§ ber 9?a^ 
tur, welcje^ im SQSitten ®ofte^ gegrünbet nici^t fiberfcf^rit^ 
ttn werben fann; nacf) i^m foU aöe^ t>\xx^ feine natura 
Hd^en ©tufen ^om 9?iebern jum ^{Jiern ^^ erl^eben* 
©afier ifl ani^ für un^ bie Srfenntniß auö natürtid^en 

1) Summa theol. I Ir. III qu. 14 m. 3 p. 42 a. 

2) Ib. qu. 15 m. 1 p. 43 b. In pracscntl \i\a cognitio dei 
sine medio esse non potest, quod medium effectus dei est in 
natura vel gratia. 






243 

©rönbctt gcmtffcr aXi bte Srtcnntntß burd^ ben ©taube» 
unb btefe gett^tfTer al^ bte (£tfenntnt§ toon Slngeft^^t su 
äingeftd^t, oirg(et(|f ber Dtatuir ber @ac^e na(^ iai umge^ 
lehrte SBer^ättitt^ flattfinbet ^3. (5« tfl bie« bcrfelbc ©runbi» 
fa^^ ipel(|ier toerlangt, baß toix erfi bte 9egetatt))en unb 
t^m^(fym ^äfte in uniS audMIben; bamit n)tr ber 9i(^ 
bung be^ iBetfianbe^ t^enpafHg wttUtu @o foU an^ 
ber ^öj^ere Serfiaitb burc^ bie nicbem ®rabe be^ wixU 
li^tn unb ettt)ov6enen 93er{lanbe6 und gug&nglt^ gemacht 
toerben % 

Durd^ btefe Semetfungen totrb nun aUx ber ®ott 
^eral^nltc^te iBerßanb tn ber X^at fo na^e an ben ertDOt^ 
benen ißerfianb ^erangejogeU/ baß eS f(^n)er ^&ü ben 
ttttterfc^teb jwiftfien beiben ju fajfen^ S« f($eint , att 
ft^webte beut Sllbertuö ber ©ebanfe toor^ baß ber erwor* 
bene SSerßanb bod^ nur bte formen gu faffen ^erm^ge, 
weld^e in biefer jinnlt(|ien SSSett immer nur getrennt utib 
t^eretnjett ^oxtommtn , baß e6 aber an^ eine ^6^txt @r^ 
fcnntniß geben muffe »on ber geißigen SQBelt unb in |^ö(|* 
jler ©tufe t)on ®ott, welche aßed ©etrennte j^ereinige* 
3n jienem erworbenen 3Ser|ianbe würbe aKbann bad SSSafire 
nur in einer ieitti^en golge ber ©ebanfen, in biefer ^5* 
^ern Srfenntniß bagegen in einer einfallen Slnfd^auung 
^xd) unö ioergegenwartigen 5)* 2)ied foH jiebod^ ni^t axii^ 



1) Ib. qu. 16 m. 3 art. 2 p. 60 a. 

2) De int. et int. II, 9. Stramentum hujus intellectus sunt 
alii intellectus. 

3) L. 1. Fit autcm hoc, cum per omnia in effectu factus 
inteJIectus perfecte adeplus est sc ipsum et lumen agentis et ex 
oranium lurainibus et notilia sui extendit se in luminibus intel- 

16* 



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244 

f(|Kc§en, baß ber eingegoffene SSerftanb aud^ tiiebereSnt^ 
ttjtrffungdjlufcn in fi(5 umfaffc; er iji no^f nidS^t Slnfdjiau«' 
ung ©ottc^, fcnbern er tfi nur ©rfenntnJß ber 2)tngc 
nitfit in t^rem natfirltd^en Sichte; »te fie jtnb; fonberti 
tm göttlt^en Sid^te, n?te fte fein foUen ober t\^k fte im 
©ebanfen be^ S^^äi ft($ barjießen, ju tDel^^en toix unb 
alle Singe aufjteigen* 35aper erfdfieint an^ SllJerf bem 
©regen baö Streben nac^ bem ®uten afö bie alleinige 
OueQe aUer @rleu(|^tttng unb er ^alt ed für eine Xau^ 
fd^ung, wenn man meine, bag man ba6 gottlid^e @nt 
nid^t finben fonnc; benn in aßem fei e^ j^cr^anben unb 
j[ebe« nur beöwcgen gut, weil e« 3«cf>en unb @}>uren 
beö* ®mi^m in ficj> entfialtc i). 5Wan wirb nid&t »er^ 
fennen, wie t)iel bepr biefe Seprweife ben i^r jum ©runbc 
liegenben ©ebanfen au^jubrüdfen weif, aU bie Slnfd^auungö^ 
leprc ber SSictoriner» 2lud^ fie will eine Slnfc^auung ®ot* 
M tm ewigen lieben unb im gegenwärtigen ?eben einen 
S5orf4)madE biefer ©eligfeit, ater fie unterfd^eibet bie 
©tufen, weld^e baf^in führen, forgfäftig \)on ber Sln^ 
f^ttung; fie finb nur 2:^attgf eiten be^ erleuchteten gSer^^ 
■^anbe«, weld^er fein 3^^ in ber gerne crblidft unb in 
i^m bie Bereinigung atte^ be^ jerfireuten ©einö, wel^e^ 
ben natfirtic^en arten ber 2)irtge angejjört. SQBenn nun 



ligentiarum ascendens gradatim ad ioiellectum simplicem di- 
vinum. 

1) De caus. el proc. un. II tr. IV, 2. Uli decipiuntur, qui 
dicunty quod honum divinum non inveniunt; per boc emm deci- 
piunlur, quia in appetilibus et actionibus nulu.s et sigiia primi 
hon'i sequuntur et non ipsum verum bonum. In nutibus autem 
et signis aliquid formae yeri boni resullat. 



24Ö 

bte Srfenntntp' ber (Stn^ett aVit€ @etn6 burc^^ bte (Srfennt^ 
ntß unferer feltjJ unb bcr ^o^cm Sntelligenjen bcrmittdt 
tt)erben fod, fo iß bakt bte iBormi^fe^ung , bag tn ben 
))ernfinfttgen ©eiflem bte iBeremtgung aller 3beett uttb 
ber Slbglan} ©otted ftc^ ftnbe. 

mt btefer SRtcfituttg auf baö 3tel aUer 2)tttge tritt 
ntttt aber ber et^^tfd^e S^arafter ber gatijen ?ef^re trieber 
itt iai fieUße ii^U 3ttt ftttlt^iett Sebett ber ^tttettigett^ 
jen uttterf (Reibet Gilbert ixoti arten ber SCugettbett, bie 
$(atenif(^en (farbtnattugenben unb bte tpeotogifd^en« 3ette 
orbnen bte Segterben ber @eele unb ffiffren jur ))raftt' 
f^en SBtrffamfett; btefe, ber ®(aube^ bie ^offitmtg unb 
bte Siebe, tDenben ftd^ bem legten 3^^e aller S)inge}u; 
Üene toerben burc!^ (Srfenntntg unb ®mi^nmi ertt)orben^ 
btefe bagegen »werben burd^ ®ott un^ eingegtyffen ^). SSir 
fe^en f^ter benfelben ©egenfa^ im etl^ifd^n ©ebiete, n>et 
^en bie Sogif )n)if(^en bem ernoocbenen unb bem etnge^ 
flojfenen aSerPaiibc aufjieKt* '3m etffifd^en ®eBtete aber 
tritt ber ®runb bed ®egenfa$ed riel beutltd^ev ^er^otr, 
ali in rein n^iffenfi^aftlic^er SRid^tung. di mxizn ^itt 
bad ffiti^ ber ®nabe unb ba^ fftti(fy ber 9latur untcf^ 
fc^ieben* 2)aS {)immli[((;e dUi^ ber ©nabe toiH »Ibert 
nic^t mit ber naturlidjien unb logifc^en @int]^eitung ber 
25inge berglid^en tt^iffen; fonbern lieber mit bem j)olitif(|en 
unb bürgerlichen Steic^e; in tt)e(c^em iwax eine S3ert^ei^ 
lung ber ©efc^afte unter 93erf 4)iebene / aber of^ne tbefent^ 
lid^en Unterf^ieb ber ^erfoncn fiattjtnbe ^)t ^ier t^er* 

13 Summa tbeol. II tr. XVI qu. 103 m. 2. t>ii ^U^fQ^VUng 

tfl fe^r furj. 

2) Ib. tr. 11 qu. 8 p. 78 b. Distribulio regni coeleslis ma- 



246 

f4^tt)inben mit bett naturlid^en Unterf(|^teben an^ bte ®vab^ 
unterfc^^kbe , toe(4^e in ber {tnnßd^en SSkU not^toenbig 
unb totl^t m^ WitxVi Se^re bad m\tntlid)t ^initx^ 
tiiß finb, tD(((^e$ und abfiolt bte gatt^e plle bed gottli«' 
^en 6(tn6 unb ber äBafft^ett in und aufjune^mem ätjoax 
ift unter ben (Sngeln no$ ein Unterfc^teb, au^ ber Übeiv 
itnb Unterorbnung, aber er bejie^t ftc^ nur auf bte l^etltge 
()anb(ang unb bad ®ef4^5^ in ber ^terard^ie, ni^t auf 
ben legten 3^^^^/ n>eI4^en fte erretten foUen« @o legt 
SlKert bte Se^re bed 9reo))agtten toon ber ^tmtnl{f(^en 
4>i(rar(^{e aud^)« @ben fo f^rt^t er ü6er ben Untere 
f^ieb stpifi^en ben i>emütiftigen @ee(en unb ben Engeln 
f(^ wi. @ic fmb babur(i) oon einanber t)erf4)teben, baß 
ftc t^erft^tebene ®ef^fte im fUtli^en Stetere falben unb 
babttr((> in Sugenb unb äBiffenfcl^a^ i^^r ^6^^t^ ®vit x>tt^ 
Hencn foOeii; im legten Z'^tdt aber ftnb fte nt4^t soott 
einanber 9(rf^*eben •> 2)er leftte 3wed ber j^ernünfti* 
gen ©ef^pft ip, ®ott \>on ängejtcf^t ju angejtcf^t au 
f<^u^n I K ^ o^ne SKtttel bte @egentt>art fetned äBefend 
|U gtnk^en» u>d^e4 nur ben Seligen {ufommt; n^etl 
M(f» ^«grtm'art Gotted au^ bie fio^iße @e(tgfeit t)er^ 



HU «imilU c«l |H^lilicu rl dvilibus, quam sit logicis et natu- 

\\ t. t Non «tMjuilMr, iiisi quod difTerunt sacro ordine et 
^\MN^ Vkf^tU^M^ lti0(\ii<'hitt enim non dicit dIsi sacrum principa- 

%\ SumuiA «)«> CiTut. 1 ti\ IV qu. 30 art. 2 p. 101 a. In 
iwwi ^\\ik\\S «N«t <lirt«>rt^iiliat uoii in fiiie ultimo, quia penes finem 
ulUumu^ \\K\\\ «)Utin()UUUIur res, sed in modo promerendi finem 



247 

(etpt^3* jDa merben toix a(fo auc^ anjunel^men fia^ett; 
baß toix ai^ ©(über btefed SRei^d ber ©nabe in Um 
®mim bet t^eologifc^en S^ugenben aber bte (eengenben 
©reitjen jiinau^griangen , welche uu^ bei; Unterfd^ieb ber 
ttatfirltc^en @rabe auferlegt 3nbem t»>ix ®ott f($auen 
(emen, lernen n^tr atte S)inge erfennen. 

S)enn ba ®ott bte Urfac^e aUer Dinge i^, fo soer^ 
f(|tt){nbet in feiner @rfenntntf au^ bte Unbegteiflid^fett 
ber f(nnl{di)en unb materiellen S)tnge« j£)te lOernitnftige 
@ee(e fann, wie bie @ngel, alled; toai ben® (Ratten bev 
a»aterie an jic^ trÄgt, freiltiJ^ an ftc^ nid^t erfennen % 
aber in 'feiner Urfacf^e t)erflärt ip ba6 aUti etfennbar* 
de n)irb ba erfannt smor alö etn^ad; n)aj j[enen @(!^a^ 
ten ber 9)taterie no4> an jlc^ |)at unb begriffen ip in ei^ 
nem biflänbigen gluffc, aber nic^t fo wirb ti geft^aut, 
n>ei( eine fot(^e ^rfenntniß nw eine 9erclnber(i(|)e WttU 
nung fein würbe, fonbern ber Solid ber Serte wie ber 
(Sngel bringt ba buv(^ at(e ;^ä((en ber ^rf^einung i^in^ 
ivixä) unb erfennt atte Dinge im 5Borte ®otteö, in i^^ 
ren ewigen unb unt)eranberti4>en SWujIerbilbern, in ber 
Sebeutung, we^e jie für ba6 9?ei<^ atter 3tt)etfe ^ahm '}♦ 

t) Summa theol. I tr. III qu. 13 m. 4 p. 34 b. 

2) Ib. H tr. IV qu. 14 m. 3 a. 2 part. 2 p. 103 a. 

3) Ib. pari. 1 p. 101 b. Licet causae naturales , secundum 
quod sunt in matcria , ubi sunt sicut in Euripo, nt dicit Plato, 
aliquando agant et quandoque non agant et contingenter agant, 
secundum tarnen quod cfflunt e verbo, immobiles sunt et uno 
modo se habent et per similitudinem talis ordinis sunt in intel- 
lectu angelico. 3^erßl. part. 2 Übet bic visio matutina ttnb tc- 
sperlina ber Sngel, befonbet^ p. 103b. Sienim cognoscitur (sc. 
res) in se ipsa , ut est, cognoscitur obumbrata mutabilitate et 
privatione, licet ex parte cognoscentis aulla sit umbra et licet 



248 



€c UJf^n u^tr bte Singe in t^rem etptgen unb u^ernatur^ 
Itd^n St(^te unb bie &rfenntntp, n>el(^e toon ber Urfac^e, 
aOcr jDtnge au^ge^t, fe^rt im Greife tDteber iu berfelben 
llrfac^e juvud 0* 

@o foOen bie ©e^eimniffe ©otted ftd^ un^ ent^ul^ 
len; a(er freili^ no(^ ntc^t k^, wo unfer Seben 
j>on ber aSaterie abfiongt^ »o »ir erp unfere niebeni 
Stifte Qit^at(eiten trab vom Söfen nn^ reinigen fot^ 
len« 3e^ fonnen lotr ®ott mir f^^mbolif^ unb m^^ 
fd\ät erfemien, fymboltf^, hibem mir bie gefd^affenen 
S)tnge üH Silber feine« äßefend betrauten, m9ßif4^; in^ 
bem teil iaii vsti in ben gefc^jfeiien S)ingen iß, nur 
t» einem ^o^em €äm Sott snf^reiben, im eigentlichen 
^tnn wn ihm temeiaeii ^* 3n ber 3uoerft(^t bagegen 
auf bie Sepärautog bct vemiuifitigen 6eele mit bem emi^ 
geti ^n Mnetntjt $> locrben nnb ®ott in ftetigem 3u^ 
fammcnbatige mit ij^n jo fc^ouen^ ftnbet SU^ert ben 
«'03h>mmtnitai Scicetö fSr bie llnperblic^feit ber ©eele« 
^11 einer foU^ Semnigmig (eborf fte ber Organe ni^t 
mebti u>cli^ i^ mir bosn bienea foOten iu i^xm Ur^ 
(YU«bi jmnii^^itlej^rm 0* ^t ^jbmjen^ unb. £^ier^@eele 

«r\>|t«^<^^^<<<^« ifti Mi» p«r Cfeusatm prouraam ; in verbo autem 
limlU««^ (Ski- für kmW^mu. 

:{> llK I lt. Ul «I«. 13 «»^ t ^30 a sq. 

s^> ^häw*m J* CfwiU I Ir. I ^«* i art. 3 p. 4 a. 

i) (V ^9^(w ^ vMi. IL I)« Maleria et iiislrunieiiUlia Organa 
^^ >Wvv^t jcc^ttJktw» iMtMrwM nisa ad boc, ut ad esse divinum 
^W^w%v<«r <Sttt %»^V' suMaulbta et formata in esse divino 
»i* ^vv»i> hm^vnSji* ^ ^H" x*>CJi^renmt pbilosopbi caducum (1. ca- 
,;,^v-*»^ V^t<* ** ^«w^^»^^» '«•*«?• per quam vere probatur 



249 

foK un4 jtoar auc^ tm fitufttgen Setzen ntd^t \tyim, aber 
nur atö @runblage bed fio^^etn Seiend fott fie und 6ei^ 
loo^nett/ et>enfo mte bte grücjite ted erkporbenen SBeiilan^ 
t>ti auf ben gottlii^en 93erfianb übergeffu foUen* 3tt>ar 
gebraud^t Siliert \xo^ anbere Sewetfe fär bte Unfleti&lic^« 
fett unferer @eele/ orbnet fte aber ade bem angefu^^rten 
unter ; tnbem er fte aU tttcai betra(|itet/ t0a€ nur wn 
ben Siirfungen ber @eele fiergenommen tt>erbe, warenb 
ber ^o^ere SötwtH ber i^, m^tv ^on ber Urfad^e ober 
bem SBefen ber ©eele au^gei^t; iai SBefeu ber @eeTe it^ 
pe^t m tj^rer i^nli^M mit ®i>ü^:). SRo(5 bem XoU 
fc^reibt nun Gilbert ber @ee(e nur eine gortfe^ung ber 
2:^ättg{etten ^n, in totlifycn fte f(|on in biefem Seben war, 
inbem fte bte (Srfenntnt^ ber jDinge in tf^ren SSerflanb 
aufnaf^m« jDaf^er (od t^r aud^ im funfttgen Seben noc^ 
ber mögliche SSerfianb Uiwoyntn, nur baf biefer o^^ne 
^inbernif in en^iger ©eltgfett feine Erleuchtungen t)om 
gottti^en ?ic^te empfangen fann ^D* SQBir fe^en, tt)te fejr 
SUbert bemüht i^ an^ in biefen Slu^ft^ten auf ein po^e^ 
re6 icitn feinen allgemeinen ®runbfa$ fejtsui^aUen ; baf 
aütd nur in einer fletigen (Sntmicffung ber in i^m liegen^ 
ben ^äfte unb im Semaj^ren bef[en, toa^ fc^on früf^er 
enttDtdEelt n^orben ; feine äJoQenbung erreid^en fonne« 

Sie« ifl ba^ t^eotogifc^e ©Aftern Sllberf^ in ben 
^au^ptgügen, wtl^t ^)^ilofo^)^if^en ß^arafter an ft(5 ju 
tragen f4icinen, unfireitig ein fej^r merfwürbiger 5Serftt(|> 
bte Übertief eruttgen ber alten ^J^iIofo<>fiie mit ben SeJ^ren 



i") De nat. et or. an. tr. II, 6. 
2) Ib. 16. 



250 

ber c^rifllid^en Rix^t ju j^cteintgcm di mnitn jt(^ bicfe 
Uttterfu^ungen fccili^ no^ ^br|fetfd^enb beti affgemetnften 
©ruttbffi^en gu unb bie etnselnen Sef^ren bet ^irc^e ftnb 
nur \pCLxU^ Uta^t , obtx bieiS mu^ un^ al^ ber natura 
lid^e Sinfang eine* SSeginnen* erfd^nen^ tt^el^^c* entev 
kDeitern (Sntmtdiung Siaum He^« 2)er @tnn j[ebo(^ ; tn 
ttneli^em e* burd^geföi^rt toerben fotite, iß loon %\Uxt 
fc^on beutltc^ angegeben toorbem 

SOSte umfaffenb mhtxt btc Aufgabe ber SOSiffenfc^aft 
aufgefaßt f^atte, ba* gtebt bte ^otbetung ju etfennen^ 
baß ber t)ernönfttgen ©eele, n)eI4ie t^re Seßimmung er^ 
rei^e; nid^tö unbefannt^ möjt^ unergränbet Heiben bärfe, 
n>eber ®ctt> no^ ber @(^aiten ber SDinge, n>el^en bte 
SKaterie auf atte6 natürlid^e 2)afein werfe; felbji bie ©e<^ 
tt>egung itnb bie ^txtf xot^z ber SSerßanb . nid^t burc^^ 
bringen gu fönnen f(|ieint, weil jie in bepänbiger Seräns: 
berung feinen fejien ^att barbieten, foKen t)on i{>r er^ 
grunbet werben, wenn ba* göttlid^e SBSort jte erleud^tet 
unb atte* im Sichte be« Swigen erfennen läßt Sben 
jiicran fci^tiept jt^ au(i^ Sllbert** Se^re \)on ber ©i^ö^fung 
ter aWaterie OiXi\ benn bie SWaterie barf nidf^t ewig unb 
Dom gottlici^en 93er{}anbe unabhängig fein, wenn fte t)om 
menf(^Ii(|iett ©eifle im g5ttlid^en SQScrte burd^fd^ut wer^^ 
ben foß; fo wie aud^ bie ©wigfeit ber SOSelt verworfen 
werben wx^ , weil wir fonfi o^ne @nbe nad[) ben ©riin^ 
ben beö ®efd^e|^en* ju forfc^en Ratten. S)a^er bef^^ränft 
Sübert bie ©rünbe ber frtaturle^re, weld^e t)or bem 2ln:= 
fange einer /eben naturli(|en 93ewegung eine anbere Se^ 
wegung t)erlangen unb behaupten , baß. au* nicbt* nicbt* 
werben fonne, inbem er* ben ©ebanten einer J>öJ>ern Ur^ 



)^ 



251 

fad^e geftenb xm^t, welche fon>op( bte 92ot^n>enbtgfeit ber 
!Ratur n>te bte ^xti^tit be^ gefc^affenen SSiUen^ i^txi^t 
S)aß biefe ?ef>rmei[e, tpeld^e adeö auf ein $rinci)> imüO^ 
fflprt unb ©runb unb ^on i^m S3egtänb€ted bur^l . bi^ 
9Aerfma(e bed Smtgeit itnb be^ ä^itli^tn, be$ U9enbl^ 
($en unb be^ dniU^tn t)on einanbei; beutlt(^ abfonberlv 
gegen bte ^ernoorrenen ^xt^ümtx ber ^latortiUx unb Sid^ 
fiotelifer burd^ @vünbe unb aixi ben tieften gotberungen 
ber 93ernunft ^txau^ (efeßtgt tt>urbe, barin mtt| mait 
einen bebeutenben gortfd^ntt erfennem 

2)o(i^ trat er ni(i)t ofine alten 3rtffum fier^or« 3H^ 
(ert fonnte auf ber einen @eite to.on ben SSorfieUungeti 
ber Smanationelepre nidjit gan^ {t($ lo^fagen — bie ^tot^fi* 
ipenbigfeit ber ©rabunterfci^iebe in ber äBett leitete er 
borau^ ai — / auf ber anbern @eite lieg er bur^j^ ben 
Unterf(f»ieb {tt)if^en Uuenbli4^em unb C^nblic^em ^^ ^cx^ 
leiten ben ©egcnfa^ jt^ifd^en @4)^pfer unb ®efd^o))f ^u 
fi^arf anjuf^annen; aU bürfte jwifd^en beiben nid^t^ Siij^n* 
li^fe^ angenommen n^erben, eine 9)e|!auptung ; mi^t er 
bod^/ um feinen gorberungen an bie S3ernunft ju geniigen, 
nic^t biö ju @nbe bur^ffö^ren fonnte. (Ein @treit ent^ 
gegengefe^ter 9lid^tungen lägt jtd^ in biefem .5E{>ei(e feiner 
8e|^re nid^t »erfennert; inbem ei: auf ber einen $eite bur^? 
jufuj^ren firebt/ bag bie {>o#e Urfacf^e, @ott/. alten Biu^ 
gen unmittell^ar gegenn^artig ifi unb in allen niebern Uxf 
fachen mit t>oller Jlraft mxü, t>on ber. anbei^n @eit^ 
aber anä) bie Meinung geltenb ma^t, ba§ @otted 
äSirffamfeit bo^ in jiebem £)inge nur nac^ feiner na^ 
türlict^en gäf^igfeit bie äßirfungen ©otted ju em^^fangeit 
i^re SDtad^t bemäfiren fönne, glet4f{api aU ti^axt biefe 



2S2 

Sä^tgfeit ni^t ®otM ^a^t entf))tungen unb untere 

%n^ btefer SD^emung gefft bet ®egenfa| l^ervor, in 

ipeld^em Sld&ett ba^ 9tet^ ber @nabe uitb ba« Sleid^ 

ber 9{atur erbtidt/ t)erglet($6ar bem ®egenfa$e jmtfi^en 

lir(|>lic^em unb weWid^em Seben, über »etd^en feine 3rft 

nt(^t ^inau^ fonnte. 92ur in bem erfiern erbltdt er bte 

t^oUe unb unbefd^ronfte SRad^t @otte^, in bem le^tem 

bageßen eine Smanatton ber gottltd^en ^aft/ t^eld^e notfy^ 

mnÜQ in abfietgenben ©raben ft^ barfieden muß unb 

burc^ m^t ade ®rabe M mltti^tn 2)afein^ offne iüät 

erfüllt werben* SJaburc^ ^itn nun aße 2)tnge ber SSSett, 

fo n)ett tfir naturltc^ed Seben reici^t^ t'l^re befltmmten ©d^ran^ 

fen erhalten unb nur b{e tJemönfttgen SSefen jtnb ber 

g^ttnd^en ©nabe fapig/ burd^ n^eld^e fte t^re nat&xU^m 

<B^xatihn uberßetgen fonnen um ber SoUenbung ti^rer 

SJernunft unb ber SSeraffnlt^ung mit i^rem ©d^ppfer ti^eft^ 

pofttg ju tt)erbem 9?ur für biefe »erben au6) bie ibeo^ 

len ^orberungen in $Inf))rud^ genommen , »eld^e bie SBif^ 

fenfd^aft an baö t)erpänbige ©rfennen rid^tet (S4 Wgt 

fld^ begreifen, baß bie SSerbinbung j^eter einanberentge^ 

gengefe^ter Steid^e gu einer 993eU ;ipre Unbequemlic^feit 

l^at / befonberd ba bie Drbnung ber 9Jatur in ifyvtx ©te^ 

ttgf eit * gcpriefen wirb; wärenb bie unregelmäßige grei^eit 

be« 9leid^e« ber ©nabe beforgen la^t, baß fte biefer Orb^ 

nung f!^ ju fugen ni(|it immer geneigt fein bfirftc* 

Ztnno^ fud^t Gilbert ben 3ufammenpang be« 9teid^^ 
ber 9latur mit bem Sieic^e ber ©nabe fo gut aU m5gli<^ 
f^erjufletten. Sie Seigre be^ Slöerroeö t>on ben in ber 
SWaterie ^erbovgeneit B^men weiß er auf ba« SBefie mit 



m^ 



2S5 

Un logtfd^eti gor^rnngen in fSzxhinim^ {u bringen; m 
itm er in ter Üßaterie nur ben ^Beginn ber %oxm, in ber 
^orm iai Komplement ber Wloili^Uit ftept iinb ben 
®runbfa^ fefi^aU, baß ber beginn ber @ntn>iälung unter 
bemfelben S3egriff gebatikt mxbtn muffe, unter welchem 
aUt @rabe unb felbfl bie Sottenbung berfelben ßej^en* S)a^ 
^er foKen aud^ aUe S)tnge burd^ i^re eigene S^ättgfeij^ 
totnn a\x^ unter ben Segfinfitgungen ber Umß&nbe unb 
ber ^o^ern Drbnungen M SDafeinä, i^ren 3^etf errei^ 
(Jen , unb biefer ©runbfag f auf iai Srfennen ber »er^ 
nänftigen @eele angen^enbet, fuprt jum SQ3iberfpru(|e ge^ 
gen bie Sepre ber frfipern Slvaber, baf bem SWenf^en 
ber t^attge SScrfianb nicf^t angehöre, wie gegen bie Ce^re 
be^ S^erroe^, baß ber fpeculatit)e SSerftanb ni^it bemfel^ 
(en einzelnen 3)2enfdpen {ufcmme, tpel^em bie niebem 
©rabe be^ £)enfen^ jugcfd^rieben mxitn, ©el^r gut l^ängt 
bamit sufammen^ baß in biefer S93eU ba^ SlUgemeine nur 
im ©efonbern, in ber SWaterie, bem 55rincipe ber 3nbi* 
i)ibuation ifl, obivofil ed in ©otte^ SSerjlanbe wx bem 
SBefonbern jid& ffubet, unb baß e^ in unferm Serjianbe 
nur nad^ ben befonbern ©rfenntniffcn ber Sinnlid^feit, aW 
ben niebem Stufen be^ Denfen^, fiel entwtrfeln fanm 
Unb fo befiauptet Sllbert auc| in einer ä^nlic^en SBeife/ 
wie bie SK^jitfer be« 12* Sa^x^. bie Sin^eit ber »ernunf^ 
tigen ©eete, beren unterfcf^eibbare Äräfte nur barauf be* 
vu^n, baß jte in i^rem i^itn j^erfcliiebene ©rabe ju burd^^ 
fc^reiten |^at, in einem jeben popern ©rabe aud& bie nie^ 
bem bewaprenb, weil fte Sebingungen ber pcpem ftnb» 
2)er aSerjianb be^ SÖienfd^en fcpließt jtcp be^ wegen an bie 
^jlanjen^unb S^pierfeele an unb- nimmt bie niebem X^a^ 



.. ■.-• 



tigfeitcn beö ©cmcinftnn* , ber ©nWIbutigöfraft/ bc^ ® c^ 
bäc^tntffeö in jic^ auf, anfang« ein möglicher aScrflant) 
um burd^ feine eigene X^ti^Uit jum tt)irflt(^en 93erf}anbe 
ftc^ au^juJilben* jDaBei entwid elt et, bie Sbeen ber fßtx^ 
nunfi, weld^e in j[eber 9latur ließen , t)on ber SKateric 
abfottbemb, nic^W, aW voa^ in feinem SSermögen liegt, 
benn im Vermögen ber t)ernunftigen ©eele liegen aOc 
3been, unb er gelangt im erworbenen SSerfJanbe nur jur 
(Srfenntni^ feiner fetbji unb beö Sittgemeinen, ml^ti in 
i{>m liegt, na^ bem SKage feiner Sm^^fanglid^feit* ©o 
fommt ber 9Ser|ianb au^ gur Stnjt^it in bie Slbjt(|iten 
®otte^, »elcf^e er in bie ?Ratur gelegt ^at, bur^ bie 
Snttt)irflung feiner eigenen 5Watur, wenn gleid^, wie in 
atten anbern niebern Urfad^en, fo an^ im SSerflanbe ba* 
bei bie SBirffamfeit ber f^ofiern Urfad^e ni^t auögef(|ilof* 
fen i% 

?lur ein^ ifl l^ierbei ftorenb, bie iRoti^wenbigfeit ber 
©rabunterfd^iebe in bem natfirltd^en 2)afein ber ©inge* 
2)ie 33efd^ranf ungen , weld^e auö ifyx auc^ für bie ^tx^ 
nünftigc ©eele folgen, weiß Sllbert nid^t anber^ ju iiber^ 
winben, aU inbem er feine 3ufl[ud^t ju einer übernatür^ 
liefen grleud^tung nimmt, weld^e m€ ®ott t)eräfinlic^t 
unb einen göttlid^en SSerflanb mi eingießt» dx gogert 
nie^t eine fold^e Srleud^tung angunefimen , im 3Scrtrauen 
auf bie Seflimmung unferer unjierbltd^en t)ernünftigen 
©eele, weld^e ba6 Verlangen nad^ ber Srfenntnig be^ 
legten ®runbe6 aller 25inge f^at unb beren natflrltd^e^ 
aSerlangen nid^t getäuf^t werben barf» gür feine Sin*« 
nafime beruft er jid^ barauf, baß wir ntd^t attetn ber 
Statur angehören, fonbem an^ einem ^txn ftttlic^en 



h 



255 

3iei^e, tn welkem gwat JDerfc^tcbcne ©cf^äfte t)crf$ics» 
tenen Dingen jufaUen; aber bO(|^ allen t)ernflnftigen äSe«» 
fen, ben Sürflern tiefet SRet^c^, berfelbe Swed gefiedt 
iß, ben ü}Ienf(]^en n)te ben Engeln, nenili4) mit ®ott im 
©d^auen ber Sa^r|^eit {t(| }u )[)ereintgen unb nun aUt^, 
aii^^ 3){atette unb ba^ 3^itltc^^/ int Sicf^te beö ^wu 
gen ju etWtcfen» 

Raffen wix nun ba^ übernaturli^e in bad?luge, ml^ 
(]^e6 Sl&ert anguneffinen nicf^t untevlaffen fann, fo i^tittt 
ed gegen bad 9iatürltc^e nic^t gu greU abjufle^en; tnbem 
ti f(|^on uberaK in ben 93oraudfe^ungen be6@9{iem^ an^ 
gelegt tjl , iDel^eö ben ^wtd ber ftttli^en SQSelt t)on txmi 
fierein forbert unb aW bie ^i^^t ©piftc ber noturli^e« 
@ntn>tc{Iung anftef^t 9iur ald ba^ ®efe^ ber {ttt(i((ien 
SBelt wirb t^W^anMt, wel^ed bad Oefeft ber «atflr^ 
liefen 3BeIt nid^t fioren fanu; meil biefed JBorau^fe^ung 
unb ©runblage feiner Sntwidlung iji» 2)af>er benft c^ 
Stibert nur wie ba^ 2Bunber aU ein ©efe^mägige^ pö^e^^ 
rer Drbnung, totl^t^ in ben JDerborgenen ©runben ber 
Sffieft angelegt ip* ©eine Slnnafime j^aben tt)ir nur aU 
ein Sefenntni^ an^ufe^U; ba^ bie ©runbfä^e, nacfi todf 
($en ba^ natürlid^e ©ein beurtl^eilt n)trb, nid^t au6rei^ 
^en ben legten 3^ed ber @ntn)i(f(ung baraud abjuleitem 
Slber e^ iji bod^ m Umjianb in biefer Ce^^rweife, wet 
(|er beweij}, ba^ in i^r ber Segriff bed Übernatürlichen 
fi(^ fieigevt, wenn n)ir fie mit ben frühem tj^eologifcfien 
Sefiren eine6 Slugujtinu^, eineö ^ugo öon ©t- SSictor 
»ergteici^en* Stuf ba6 SSerberben ber menf(^Ii(^en 5Watur 
bur^ bie ©unbe legt bie^ ©i;jiem ber S^eologie fein 
grogeö ©en)i(|t» Sllb^rt f onnte jwar ntc^t unterlaffen 



.% 









256 

a\x(^ bte it^xt »on ber SrBfünbe ju bcrücfjici^tigcn; c^ 
gcfd^iefft aber nur obcrfliä^ltt^ 0* ®v bcborf tf^rer ntc^t 
um bte 9tot|fwenbtgf(tt einer fibematurlt^en (£rleu(^tung 
bar}ut^un» £)ie ©rabunterfc^tebe in ber Q^manation ®oU 
M l^olten und f^on in einem f^inlängli^en ^bflanbe t)on 
®ott, um und o^ne eine fibernatürlid^e ^filfe gu i^m 
ni(3^t gelangen ju lojfem 2)iefe SJorpettungdwetfe läßt bic 
Sluft jwifcben 9?atur unb ®nabe t>iel großer erf^feinen, 
aU bie alte Se^re, in i^eU^ bie Srlofung mit aUen ifi^ 
ren übematiirlid^en f^olgen nur aH eine SOSieberl^erfteUung 
ber utfprflngli^en 9latur angefe^n tt>urbe» Sei ber al^ 
ten it^xt (lieb im ©eba^tniß/ baß ©d^cpfung unb @r^ 
lofung ald berfelbe Slct in bem en)igen SBefen ®otted 
gufammen^angen ; in ber neuen Seigre fe^te man feine 
^opung auf eine ©nabe ®otted, mlä)t ber urfprfing* 
litten ?Ratur tttcai 9Jeued julege unb, wad ber ©c^öpfung 
unm5glt4 n^are, bie ©rabunterfd^iebe gu übern)tnben; bad 
JU einem ÜRoglici^en xaa^t* 2)iefe Umtt>anblung ber ?e|^re 
i|l wn bcn ivit^tigjien golgen für bie fpätere Dogmatif 
gcwcfen» Bit ivurbe angerat^en burti^ ben ©egenfag, in 
)vc(d^em man bie iRatur bed Sßeltlid^en unb bad tix^^ 
ii^t 5e6en in ber ®nabe erMitfte* ©ie feftgul^alten boju 
trug bic Smanation^leprc, aber nod^ mepr bte ^)f>vPf^^ 
"iU^m ber Dinge bei, »el^e man t)om Slrijloteled unb 
bcn Slvabcrn geerbt l?atte» 

l ) Smwm ihool. II Ir. XVII. 



kjL 



2»7 

StotiM Caputh 



. X^^mad, ber fingere @o{^n eine^ @rafen t)on Sfqutno/ 
mX^tt mit bem ©efc^Ied^te ber ^ofienflauftfd^n ßatfei 
))erf^wägert toat/ tüurbe 1225 ober m^ tca^x\ifytiniU 
^tm $(nga(en 1227 na^ bei ÜRonte (^afftno }u Slquino 
ober )tt 9toccaftcca geboren* Seinen erften ttnterri^t er^ 
^iett er t)on ®zi^iiäftn im ftlofter gu 9R{)nte Safftno, 
nad^per ju Tleapel« Steine 9{eig^ng jum filoflerleben 
füfirte i{^n in feinem 16. 3a|^re {u bem Sntfci^Iuß in ben 
Orben ber Z)ominicaner }u treten. Bunt S^miKe toar 
bem gutoiber nnb bie jDominicaner fiielten ti baffer für 
rat^fam ifin ani beren 3l&^t )u entfernen. $Iuf ber Steife 
nai^ %xanfxtii^ jiebo^ fioben i^n feine ättttn SBrfiber auf 
unb brauten i^n m^ einem feflen tgd^loffe i^er Se« 
ft^ungen in ^Itaptl, tt)o fte ipn eine geraume 3ett ge^ 
fangen l^ielten. 2Beber bie Oewattfamleit feiner SBrfiber, 
no(^ bie Sitten feiner SWutter unb feiner Sd^wejier, nod^ 
bie 93erfu(|ungen, ml^t man ipm bereitete, fonnten i^n 
in feinem Sntfc^Iuffe erfci^uttern. 9la^bem er feiner J^aft 
entflol^en ttjar, füf)rte er i^n au^. 93Bir finben i^n balb 
barauf in ber engflen SSerbinbung mit Sllbert bem ®ro* 
tcn, bem er aU ©cfiitler in Äoln fi(| anf^Ioß, mit bem 
er nad^ $ari^ ging unb tt)ieber nacfi ^o(n jurucffefirte. 
$ier trat er juerfl aU it^xtv auf, na^^ix gu ^axi^, wo 
er bie au^gebreitetfle SOSirffamleit erlangte, ©ein din^m 
roax fc^nett burc^ aSorlefungen unb ©d[iriften gegrünbet. 
3n bie ©treitigleiten ber 93etteIorben mit SEBit^elm ^oon 

®ef(^. t>. 95«. VIII. 17 



2S8 

€t. 9(mottr unb btr ^orifcr \Xniotx^&t ^tmiätU , wutbe 
er jnr 93ert^eibtgnng fdned £)rben^ wieber na(| Stalten 
geführt* dt lebte f^ter gn «>erf(^tebenen Scalen, (e^tte 
bafelbfi au(^ an «)erf^tebenen Unberfttaten ; bo^ $aben 
mir bte Statte ferner SBirtfamfeit ^au^tfäc^ItV^ in ^ri^ 
)u fu^em @(^on bei feinem Seben galt er für ben erßen 
X^eologen feiner 3^f ^on ben fJobfien UrbanlV. tmb 
kernend IV. geehrt unb gn wichtigen arbeiten «veranlaßt. 
S)ie f^o^en ^'r^nämter, toüäfc i^m angetragen mnrben, 
aud^ bod CEr}bi<t^ttni w% fltoiptt, lehnte er ab, um fei«: 
nem Orben treu ju bleiben, fibcmaffm aber gegen bad 
@nbe feined Sebend »teber dnt Sefirer^ede an ber UuU 
t^erjttät itt 9{ea)>eL 6in ^o^ed Sllter mar i^m ni^ be^ 
fc^ieben« 3ttm (Eoncil )u S^on, mel(]^ed bie beräfimteßen 
SC^eoIogen »ereinigen foOte, im 3a^re 1274 gelaben ßarb 
er auf bir Steife ba^in« jDie @nmme ber 2|ieoIogif, 
mit n>el<^er er ft(^ in feinen legten Rafften bef((|ä^gt 
^tte, foQte wn i^m nii^t wUcnitt merben» 

SBenn man au$ wn ben äBerfen, mel^e ipm gugef 
f^rieben morben ftnb, bie große 3^^! ber une^^ten @$r{f^ 
ten ab)ie$t^ fo bleibt i^m io^ eine fe^r große SDtaffe, 
me(4ie feinen ungemeinen §(eiß bezeugt« 2)aß S:^oma4 
bei jungen 3a$ren fo ^kl leifien fonnte, baju i^aben un^ 
flreitig bie gfinfUgen SSerbaltniffe, unter meldten er lebte, 
tiidft mentg beigetragen« £)ttr^ feine @eburt geffoben 
|)atte er frfl^ einen it^xtt gefunben, melcber ganj fflr 
ij)n ))aßte, bcffen ©runbfäfte, beffen ®elef>rfamf eit er jtcj 
aneignen fonnte« 2)ie Sefhebungen feinet Orben^, bie 
Stnigfeit/ in totltfytx er mit ben granct^canern hbtt, — 
^Bonaventura mar fein greunb — mußten i^n nic^t wu 



M 



2Ö9 

ntg fcrbetn ; Stalten, bem er attgeffortt/ öffnete t^m bur^ 
bte neuattgefnfipfte 93er6tnbung mit ®r{e(!^en(aitb eine 
frtfc^ Oueffe ppilofoippif^er ©ebanfen* SBtr finben bei 
i^m tint ^enntnif ^(atonifc^er @(|riften, mX^t wx i^m 
fein @^oIafKfec in bemfeI6en Umfang; i^atte benu^en 
fonnen ^3* 2)ennod^ ifl er bem $Iaton )[)iel tt)en{ger ge^ 
neigt/ aU SHbert ber ©ro^e; ba6 SCnfepn bed Slrißotele« 
ifl nod^ im Steigern Slud^ für beffen $^iIofo)){^ie eroff« 
neten {t(| bem X^onxai neue OueKen» Sr fonnte beffen 
@(|rtften na^ neuen Überfe^ungen a\x$ bem ©rte^ifc^en 
benu^en unb er foK felbp eine fo((^e neue Üterfe^ung 
^aben beforgen laffen % SSietteit^t ifl fogar biefe Über^ 
fe^ung bie SSeranlaffung gen)efen, bap er feine dxtlaxm^ 
gen 2um 3Ir{fioteIe6 f^rteb , ml^t genauer ali bie ä^n^ 
li^en Schriften be^ SKbertuö aitf ben Stert eingeben« 
2)enn feine Kommentare jum ^Irtfioteled ftnb erfi in 
Stauen t)on ijim JDerfagt toorbcn 5)^ tt>o bamaW bie SBert 
flotte ber Üöerfeßungen au^ bem @rie(|^ifd^en war. ©eine 
Srllärungcn erjireden fid^ aber bei toeitem nic^t ü6er aKe 
SBerfe be^ ^Jiilofop^cn unb erflären an^ bie SBerfe, 
n>etc^e jte betreffen, ntc^t in i^rem ganjen Umfange *> 
e^ ip mogtic^, baß'bavan fein früher Xoi ©d^ulb ifl, 
loieKetc^t i|i auc|) 33lan6)t^ t)ou feinen SBerfen biefer 2lrt 
ioerloren gegangen ; aber eben fo leicht wilvbe e^ fi4> auc^ 



1) @r citirt au9er bem 3:imcioö j. ©. bie (Sefe^e, bie 9Je- 
|>uMi!, ben 5ll!ibiabed; ben ^Jobon, ben SÄenon. Summa c. 

gent. I, 13; II, 57; 73. 

2) 3i>urbain b. tat. Öberf. b. %xi% @. 356. 

3) (gbenb. ®, 357 f. 

4) eine Uberficfit öieH Sourb. a. a. O. 

17* 



260 

iaxavL^ erflären lajfen, baß Z^omai in feinen n>iffe^^ 
f4^aftlt<^en Sefhrebungen Ui wettem ni^t fo nrnfaffenb ift, 
atö Sllbert ber ®ro§e. @ttne iRetgung t}l ber Z^tcMß 
augewcnbct; von ber iRatur, wn ber SSelt t)er(angt er 
nur fo viel ju wiffen, al6 fSr bte^eurt^eilung i^red 
Ser{^ältniffe^ ju (Sott itot^tvenbig ift Sluf ba^ ginjefoe 
ber tRatunoiffenfc^aften |^at er jtd^ baper nü^t eingeladen/ 
ba6 Syßem ber SC^eoIogie bagegen in feinen (Sinself^eiten 
viel audf&^rlii^er unb f^arf{utniger ennoidelt, attf fein 
Stierer« Sr ^at e< auc^ n^rmal^ in verfc^iebener gorm 
bearbeitet, unb bie 6(^riftctt, toü^t ij^m angeboren ^ ftnb 
lange 3tit wn ben S^eologen für Wiu^tt gej^atteu toor:' 
ben unb fc^en una noi^ j[e(t eiited reiflicf^en IRac^iben^ 
fend t»ert^, mit ftbcrlaben {le au((i ftnb burcfi bie ^affe 
ber Sruttbt, tvelc^ (ier iberetnonber gehäuft liegen , fo 
bog tt tiati gcibtc« 8(i(fed bebarf , um ba^ S3ebeutenbe 
r^ott btm 3tt ttttterf (^"ben , tva« nur bie Sebfirfniffe unb 
bie ^cfcbttofflopgftit ber 6(^u(e Jerbeigefu{>rt ^aUti 0* 



n $^ feilt« £««Tfltff«idC]i M t^ologtff^en epf^m^ iaU 
i^ WKl kfoiHtl a« feite summa contra gentiles gehalten ; ben 
(ScmnidiiOK )« tm 6eiittii3ien unb bie t^eotogtfc^e (Summe altt 
«ut Hi^n^ji ciw^tcftlii. 3t«e e^rtft iahe i^ ben übrigen bor« 
^\<$<^^ «^^ «Wh» *^ Se bie füraefJe ifJ, fonbern ou* «jeil 
i|(f t^MiK ittftni lUlct an^r^ort, (gef((rteben an>if($en 1261 unb 
i:J^^ triwul^ KT tefcmmtntar |u ben ©entenaen fein frfifefte« 
IK^^U'^. «wf *. n«b »ril fie boDWnbifi ifi, tt>ai bie t^eotogi- 
kK ^«w«K' 1^ ^A» befcnbrre aber mit fte ba^u benimmt bas 
lkv^<^^ *rilm ^W« Sic^t-ajriften au bertfeibiöen auf bie rti- 
tc'mo><« t^ube bae ^au)>tertt)t((t (egcn mup. ^a^er fö^rt 
t(<^ bu' Hntx^rti^ttNi ctft nü^ ben ©rünben ber Vernunft a\\. ^^ 
K^c»%' wt4^ bet )ti>rtttn Senettantfc^en ^u^gabe feiner t^iolOQU 
»>cn «gnh b. 3* i^^ ff* 



261 

Der einfache ®tbanU, mi^tx im t[yco(og{f^en @9^ 
Umtn t>c€ 13« 3apr^. )um ©runte (te^t ttnb fte bei 
bct 2$eoIogte feft ^U, n>irb o^ne 3n>eit)euttg{ett t)Ott 
Stpomad audgefproi^en. Sitte t)ernünfttge äBefen fhrebett 
))on 9{atttr }u erfennen unb t)on Unn)iffen^eit frei lixmt* 
bett* So n>te aber öberpaupt nac^ bem Slriflotele« ttt 
ber Statur nf^tf umfonß ober opne ^totä i^, fo barf 
aud^ imfer ttatfirli(|)ed 93erTangen na^ (Srfenntnip ni^t 
o^ne BwedE in und gelegt fein, unb einen anbem.B^ed 
fann ei nic^t ^aben aU und )ur Srfenntniß 2u fS^ren» 
9Bir erfennen nun oUti aut feinen Urfad^en unb unfer 
t>emfinftiged Streben m(fy (Sxttnntm^ mn^ und bal^er ge« 
geben fein um t)ennittelfi beöfelben bie Urfad^en ju er^ 
fennem Sfire bied unmdglid^, fo n)firbe unfer Seben 
leer unb ol^ne 3wtd, unfer SDafeiti ein eiteled Siefen 
fein ^3« ®ei ber (Srfenntniß mittlerer Urfa(|en jiebod^ 
fann unfere So^f(^ung nid^t rupen; too fte eine Urfa^fe 
finbet/ n^elc^e )oon einer l^5^ern Urfad^e abj^ängt, ba 
n)irb fte aud^ biefe Uvfad^e ju erfcrfc^en getrieben* 
X)edn)egen fann fte ipre SBefriebigung nur in ber 
Srfenntni§ ber erflen Urfad^e erlangen unb n)ir ffaben 
ba^er aud^ eine erfie Urfad^e, wel^e n)ir ®ott nennen, 
anjuneffmen, bamit bie (Srforfd^ung ber Urfad^en nid^t 
in bad Unenbli(^e gel^e* 9lur in ber @rfenntni^ ®ot^ 
M atfo fann bie JDemunfttge Seele i^re 9lu|^e fin^ 



1} C. gent. III, 44y 1. Vanurii enim est, quod est ad flnenriy 
quem non potest consequi. — <— Non potest poni felicitas 
hominis in eo, ad quod homo pervenire non potest, alioquin 
sequeretur, quod homo esset in vanum et naturale ejus deside- 
vium esset inane , quod est impossibile. Ib. 50, 5. 



262 

. benO* 3)ie^ foU nun nu^t etn^a l^et^cn, tag toxi nur 
eifennen foKen, bä§ ein @ott iß; fcnbem etne ][ebe un^ 
)iM>ttfommene Srfenntmfl einei S)ingc6 treibt nur jü gtd^ 
femStfer in feinet (grforfc^ung an, iii man ju bet ooJt 
fommenen @rfenntntp te^ SBefend gelangt, in m\^tt 
afiein 9lupe )u ftnben ifl; eine fol^e ^oUtomxntnt (SxUmU 
nfiß beffen, wad ®ott iji, ober feine« SSBefen« mftjfen 
n)ir baffer fud^en uub, tvtii xoiv fit fud^en ntufTeu, au^ 
für möglid^ anfef^n» SBon berfelten 2lrt iji bie üterle* 
gung^ baß n?ir (et feinem (efd^ranften (Srfennen flehen 
Weiten Knnen ; ß6cr jiebe ©ef^rSnlung mfijfen tt>it fiin^ 
au^fheien unb nur in bem unbefclir&nften Srfennen be« 
Untefc^ränften fonnen wir unfere ©erupigung finben^), 

Z^oma^ ffigt l^inju, bap auf biefen legten S^tH, bie 
tDottfommene Srfenntnig ©otteö, otteö tejogen werben 
mü jfe , mi in unferm ?eten gefunb i% Die SBiffem 
f(|aften be« !()rafHfi^en ?ebenö ffaben feinen SmU in 
(t^ felbp, nur bie SBilfenfc^aften be6 tf)eoreti[c^en itUni 



1) Ib. 25, 6; 8. Natui^aliter inest omnibus hominibus desi- 
derium cognos^endi causas. — — * Nee sistit inquisitio, quous- 
que perveniatur ad primam causam et tunc perfecte dos scire 
arbitramur, quando primam causam cogaoscimus. Desiderat 
igitur bomo iiaturaliter cognoscere primam causam quasi ulti- 
mum finem. Prima autem omnium causa deus est. Est igitur 
yltimus finis hominis cognoscere deum. 

2) Ib. 50, 1. Qui enim habet opinionem de re aliqua, 
quae imperfecta illius rei est notitia, ex hoc ipso incitatur ad 
desiderandum illius rei scientiam. Praedicta autem, cognitio, quam 
substantiae separatae habent de deo , non cognoscentes ipsius 
substantiam plene, est imperfecta cognitionis species. — — Elx 
hac igitur cognilione — — non quiescit naturale desiderium, 
sed incitatur magis ad divinam substantiam videndam. Ib. 2 sqq. 



263 

^aUa ben B^ed, ml^ta fit fud^eti, in ftc^ fel^ftivbH^'^ * 
aBtfTem @e(6fi bie @))it(e unfete« ©eiße« foKeii bqj^'^ 
^eoretifc^en €e6en biettni; fnbem f{e unfern ®ti% t^ • 
f^nt unb bur(i^ Übung }um (ttttmtn tfl^ttger SBftf^c% 
60 pAngt üebe Sl^fittgfdt be« ®ti^i wn Un Sptiti^ 
t)en aB3iffenf(^aften ab; btefe aber fttib intgefamntt bb 
erflen $i^t(ofc))^{e untcrgeorbnet; tt^ett fte wn biefer ij^re 
®nuibfA0e em))fangen, unb bie erfte fJ^Uofop^ie ^at i$^ 
ren 3»>e(I in ber Zfftolo^it, mii^t i^r boraflglü^iiet 

di tritt ^enn bei »eitem meffr att bei ?Kbert bem 
(Brof en ba« tpecretifi^^e dntereffe ber Sffeolcgie ^enoon 
Xnbere X^fitigfeiten iti menf^b'c^en (Bti^ti mSgen ftcfi 
vüt geringem Erfolgen begnAgen, ber SSerftanb aber {Irebt 
M<fy im ^i^ftta unb {Inbet feine ^(üdfeltgfeit allein itt 
ber (Erfenntntß Sötte«, ber ^i^^tn^ SSa^rfieit ^}. S^t 
bie et^iftffe Stiftung feiner X^eologie fe^tt babei au(9 
tti($t; benn er betrac^itet ®ott aÜ ben Stegierer ber lotx^ 
nfinftigen SOSefen; n>el(^er iai ®efe^ giebt unb attet nac^ 
einem ftttltd^en 3^^^ orbnet» (Sx xoiü bafier aud^ ntc^t 
leugnen, ba§ bie S^^eologie eine ^raftif^ie SBifenfc^aft 
ifi ober eine )fxatti\^t @ette b^t; aber i^r toefentüd^e« 
Seßreben ge^t io^ auf bie (Srfenntnifl ®otte< unb fle 
mup baffer ber ^auptfac^e na^ a(6 fpeculattoe SSSiffen« 
f(baft angefe^n toerben ^3. S)ie Srfenntnifl ber SBaffr«« 



1) Ib. 25, 6. 

2) Ib. 50, 4. In nullo alio quaerenda est ultittia felicitas, 
quam in operatione inteJlectus, cum nullum desiderium tarn in 
sublime feratur, sicul desiderium intelligendae veritatis. 

3) Ib. III, i; summa theol. I qu. i art. 4. 



264 

^ät tur^ ben SBerßanb tjl a\i bet le^te S^tit iti SQBett« 
aUi anjufei^n unb bur^ tiefen 2^tä foKen atte ädrige 
SCJ&ttftfetten bed Oeijied geleitet »erben ^). 

@6 fann nid^t feilten, ba$ S^pomad; j[e ffcfier er ben 
3n)edE ber )oernünftigen äSefen ßecft, um fo feßer au^ 
bat)on ä(erjeugt ijl, ba$ n)ir no(^ wtit entfernt von i^ 
ftnb« SOSir mäffen em))or{)eigen ju unferm Swtdt* Z)te 
SQSafirpett foll ftd^ nur aUmalig unö offeni&aren« S)aiu 
ftnb ©rabe nStpig unb SRittel ber £)ffen(arung. Stpo^ 
nta^ unterf^eibet brei Steifen unb ©rabe bor Dffen(a« 
rung , bte Dffenkrung inx^ bte ftnnlic^e Srfd^etnung ber 
SSBelt/ »eld^e n>ir bur^ ben SSerflanb m begreifen ftve:* 
ben fetten, bte Ofenbarung bur(^ ben ©(auben an bte 
SSerffinbigungen ©otte^ unb bie Ofenbarung bur(| Sln^ 
f4iauung % Mt bret glaubt er gu ^ulfe rufen }u ntfif^^ 
fen um und, unferm 3.iele iujuffiliren. SDie Offenbarung 
burd^ bte SSelt ober burd^ ba6 natfirttd^e Sic^t ber S3er^ 
nunft ge|)ört ber ^^ilofoppte an, bie Offenbarung buvd^ 
ben ©lauben ber offenbarten 9{eItgion unb t^rer SS^eoIo^ 
gte, bte Offenbarung burd^ 2lnf4iauung bem ffinfttgen Se^ 
ben; benn nur in einer n>unberbaren SBeifc fonnte ed ge^ 
fe^ei^en, baß wir in biefem Ceben jDon bem fi6r^)er bc* 
freit würben um ©ott t)on Slngefid^t gu. Slngeftd^t ju 
fd^auen ^3, 

äBenn wir ben brüten äßeg, weil er auger^atb beö 
gegenwärtigen ?e6en6 liegt, t)orIäuftg bei SüU feften 



1) C. gent. I, 1. 

2) Ib. IV, 1. 

33 L. 1.; ib. III) 41; 45; 47. Vel per mortem, vei per 
aliquem raptum. 



263 

b&rfen, fo fonnen n^ir ioify ni^t umpin iai S3er^5(titi§ 
ber $^t(ofo))ffte jur offenbarten 9ie(tgton fogIei(^ in ioi 
^uge )tt faffen , n^eil eö in tte gange SInlage feiner »>if« 
fenf^aftli4^en Unterfud^ungen eingreift @o n>ie X^omat 
bie Se^re ^litxVS bed @ro^en meißend nur n^eitläufttger 
nnb li^t^oUcx ani^xt, fo tput er m^ bie 9loi|in)en# 
bigfett bed ©laubend in gan) &^nUäftx SBeife bar, wie 
fein Seffren S8ir t)erpalten un6 }u @ott wie ju unferm 
3n>ede unb foKen ba^er wn SInfang an unfere ^anblun^ 
gen bemgemfip einrichten. 2>ie$ fonnen tt>ir nur, toenn 
mir unfern 3^^^ au$ fennem Sl(er bur^ bie $^i(o^ 
fop^ie lernen toix ©Ott erfi fpät fennen unb )oie(e gelan^ 
gen auf biefem SBege gar nic^t ju i^m« Slucfi für biefe, 
aud^ für und in unferer 3ugenb mußte geforgt mxitn 
unb l^ierju btent bie Dfp^nbarung be$ ®(au(enö« X^o^ 
mad fialt e« baj^et m^ für nat^iig, baß fei(ß äBapr^ 
lieiten, weld^e bie fJ^ilofopfiie erforfcfien fann, offenbart 
merben, um wie t)iel mcjr folc^e Dinge; m\^t und 
burtff naturlid^ed Cici^t ni^t Mannt fein fonnen, weil fte 
3uffinftiged JDor^erfagen ^)* jDer ©laube an bie Cffen^ 
barung burfe bafier nid^t für Setd^tgläuMgfeit gef^alten 
werben* X^otnai t)erglei(^t i^n mit ben Slnna^men fol^ 
^er aßiffenfc^aften ; weld^e JDon anbern SQSiffenfc^aften 
ijire ©runbfä^e borgen, tt>k bie ^erfpectioe, bie üHujif 
oon ber 3KatJ>ematif* 2)ie geoffenkrte S^^eologie vtx^ 
traut ®ott unb ben .^eiligen. 3"^ Segtau6igung ber 



1) Summa theol. I qu. 1 art. 1. Homo ordiuatur ad deum 

sicut ad quendam finem* Flnem autem oportet esse 

praecognitum homim'bus, qui suas intentiones et actiones de> 
beul ordinäre in fmem. C. geut. I, 4; 5. 



266 

(Stunbfä^e iti ©tauben^ btenen W SQunber, a(er U^ 
fonberö We 3nfi)uation^ ml^t baö grögejie SQSunber ip* 
Z>er ^att))t(en)eid ffir bie SBaprf^ett ber c^rißlt^en 9te«^ 
ligton aber (tegt t^m bo(^ barin, bap fte bte 9)Zenf<$en 
bur^ i^re Seigre itU^tt ^at, tin SBunber, )oorf!ert>erffin^ 
btgt bur(| bte $ro))ffeten unb von folc^er 3)7a4it; ba^ ed 
nun feiner neuen SSunber bebarf ^3« SRan n)ttb pietan 
f(^on ernennen ; bag Spomad ben begriff bed SSunbei;^ 
ntd^t flrenger nimmt, al^ Gilbert ©egenbie Statur fann 
©Ott nid^t^ machen« 3n einem gen^iffen @tnne fann er 
gtoar außer ber Orbnung ber 9latur etn^ad xcixUn, totnn 
man nemli^ bie £)rbnung ber ^latnx in einem engem 
@inn nimmt/ nemlid^ ali bad bem göttlichen SßiQen Un^ 
tergeorbnete; mnn man fte aber im attgemeinflen ®inn 
nimmt; aU ben vernunftigen ©ebanfen, mii^tn ©ott in 
bie Schöpfung gelegt pat/ fo fann ©Ott ni^ti bagegen 
unternehmen, weit er fonfl fi(|^ felbjl wiberfj)red^en würbe ^j. 
Um ben iBerbac|)t ber Seidptgtaubigfeit ^urätfiuweifen, 
l^ält er ci aud^ feine^toeged für unangemeffen auf er ben 
SQSunbern ber 5ßatur unb ber ©ef^^ic^te anbere ©rünbe 
ffir bie SWicfitigfeit be^ cfiriJHi^en ©lauben^ beijubringem 
3f)m gilt ber ©runbfaft , ba§ ni^t« SQ3a{>red fein f ßnne, 
toai ber SSernunft wiberfpräcbe ; benn tt>ad ber SSernunft 
juwiber ip, Knnen wir ni^t beuten* ©ott aU Uri^ebcr 



1^ Summa theol. I qu. 1 art. 2; c. gent. I, 6, 

2) C. gent. III, 98. Praeter ea, quae ^ub ordine divinae 

pi'ovidentiae cadunt, deus aliqua facere polest. Si autem 

consideremus praedictum ordlnem quantum ad ralionem a prin- 
cipio dependentem, sie praeter ordinem illum deus facere non 
polest. Ib. 99—101. 




267 

Ut 9latur ^at iit ©tunbfa^e Ut SBernunft in uti6 ge* 
legt 2)tefeI6en ©runbfä^e mup au^ feine SQ3ei^(ieit ent^ 
fraßen unb n?a$ t^nen n^tberfprtc^t, fann ia^tt ni^t t^on 
®ott fein ^3* 2;{>omad ifl baper weit boüon entfernt an* 
june^men, baß bie ®(auben^(e^ren ; n)e(^e unfern SSetr 
flanb äiterfteigen, »ote bie Srinitatöleffre ; unferer 93er* 
nunft ttJtberfpred^em SSielmef^r meint er, fJe müßten et* 
wai 3Ba^rf4ieinIi(]^e9 l^a^en« (Sr ßfi^t bte6 bar auf, baß 
©Ott m(|t< 9Biberf))re(]^enbed ma^en fann; titoüxH t^m 
akr n)tberf))red^en , n)enn er etn^a^ f?^ ganj Unftffnli^ed 
ma^tt^ dx n)iberf))ri^t baffer bem @a^e Sllbert^, baß 
ber Slatur be^ ©ef^^o^fe^ gemäß feine Sij^nKci^feit jwi* 
f^en tpm unb bem Schöpfer gefunben »erben fonne, ge* 
flefft aber auc^ ju, baß in natürlichem SBege bie SBtr* 
fung berUrfaci^e nid^t gtei^fommen fonne. 2)a]^er fdnn* 
ten auc^ bie natfirlid^en ®ebanfen beö ^enfc^en nur %^n^ 
U^Uit mit ben ©ebanfen ©otted f^aben unb tbtn auf 
biefer Sljinlit^feit beruht bie SOSaj^rfc^ einlief eit, wetd^e bie 
gottlid^en Offenbarungen be^ ®Iau6en6 mit ben natürli*' 
c^en ©ebanfen unferer SSernunft ^aben muffen ^j, gd iji 



1) Ib. I, 7, 2. Principiorum autem naturaliter notorum 
cognitio nobis divimtus est indita, cum ipse deus sit auctor 
nostrae naturae. Haec ergo principia eliam divina sapientia 
continet Quicquid igitur prlnciplis hujusmodi contrarium est, 
est divinae sapienliae contrarium , non igitur a deo esse potest. 

2) Ib. I, 3 ; 8. Habent enim effectus suarum causarum «uo 
modo similitudinem, cum agens agat sibi similei non tamen 
elTectus ad per/ectam agentis simiJitudinem semper perlingit. 
Humana igitur ratio ad cognoscendam fidei veritatem, quae so- 
lum videntibus divinam substantiam potest esse notissima , ita sc 
habet, quod ad eam potest aliquis veras similitudines colligere, 



268 

wa^x, bie menfcl[)Ii(l^e (Srfetintttiß {{I (efd^ranü unb tai 
® ottlid^e iji unenMi^i ; bcö SWcnfd^cn (SxUnntni^ ^tU t>om 
@tnnlt^en an , alfo \)on ber SBtrfung ® otte^ , ntd^t ^on 
bem 3Befen be^felbeii/ unb fann ba^er t)on @ott m^t 
mepr etf^Iie^en, aU toai feine SBtrfungen «)on t^m cf^ 
fenbaren, unb bied iji immer nur mangeljiaft ^)» 3lber 
\m bie SBirfung eine ^pnltd^feit mit ber Urfad^e l^at/ fo 
werben auc^ bie natürlichen ®eban!en hti SRenfc^en tint 
Si^nlid^feit mit ben ^f pern Offenbarungen ö(er ®ott ^a^ 
ben muffen/ 

S3on biefer @tHt em^ftett nunSl^omad bie Seigren ber 
^j>iIofop]^ie für bie Segrüttbung bed ®Iauben«* 3war 
fonute bie f^eibnifd^e $piIofo))(iie bie äBaffr^eit nic^t rein 
erfennen, bad n)a^re 3tel bti menfd^Iid^en bebend ni^^t 
fe^en unb mugte beöwegen in 3rtjifimer geratf^en ^3 ; aber 
bie $^tIofo))]^ie iß bennoti^ in (S^ren ju galten; benn bie 
Betrachtung ber @cl^^))fung ifl nß^Ii^ unb notpn)enbig 
für bie ©elefirung be« ®lattben^, um ani feinem 2Berfe 
ben ^ünftler ju erfennen* JDie SDJeinung muß beßritten 
werben, baß man ®ott nur t)ermittelji iti ©lauben^ unb 
ntd^t an^ au^ feiner SSBirlung, ber SBelt, ju ertennen 
»ermoge^)* S3on ber Betrachtung ®otte« in feinen SQBer^ 
fen muß man beginnen, aU üon bem weniger ©d&wie* 
rigen, weit fie an bie finnli^ien Srfd&einungen jtc^ an^ 
fd^Iießt unb bie natürliche äBaffrpeit ber in i^r ent^afte^ 



quae tarnen non sufficiunt ad hoc , quod praedicta veritas quasi 
demonstrative vel per se iotellecta comprehendatur. 

1) Ib. 3. 

2] Ib. HI, 63. 

3) Ib. I, 12; II, 2. 



ik 



269 

nen (Stfenntniffe tnx^ fiebere SBeweife barget^an n>erbcn 
fannO» 93on i^x ait^ SBaprf^einli^ed ffir bte ®Iatt< 
(ett^Ie^ren }u gewinnen tfl intvägltc^ ffir bie Geologie ^}. 
9(u(^ ftnb bie )){^iIofo)>ffif^en Untecftt(|ungen / totnn fte 
))om ©laufen ftc^ belehren laffen, nu^Iid^ um bte 3r» 
t^umer fi^er bie @(^$pfung ju n>tbedegen/ tt^eld^e not^^ 
uoenbtg au(^ ^tt^fimer fiber ben @(||j))fev na<fy ftdS) 2te>r 
l^en mfiffen '}. $(5ei: tt>it foKen au^ Ui ber ${^i(ofo))|f{e 
au^ natörH^er SSetnunft ni^t flej^en Metben/ n)eil bie 
SBemunft in gdttltcf^en 2)tngen mangelhaft iß ^3. SDo^oe 
mfiffen tt)ir ben @Iau(en fud^en^ menn er au^ feine tooQ« 
f ommene (Srfenntnip gen^a^rt ^3« SDenn in aKen feinen 
Unterfuc()ungen über ben ))o{ttit)en ^ni^aft ber ©lauben^^ 
le^re gept S^^omad wn ber. übergeugung ant, baß tie 
$^Uofo))ffte nt^td totxHx )tt jeig^n im ©tanbe fei; aÜ 
baß er ber SBemunft nic^t n)ibeirf)>rec^e, n)obur^ feine 
©egner U)iber(egt n^erben, unb baß er bur^ n>a(!rf(^ein< 
li(|e ©raube unterfifi^t t^erbe« Slber ti^ix fetten bie ©ad^e 
uid^t fo barßetten, aU mm biefe ©rfinbe ben n)a^ren 
S3ett>ei^ be^ ©(anbeut abgäben ; fonfl n)urben bie ©egner 
triumpffiren ; inbem fte bie @d^n)ä(l^e ber SQSaf^rf^ieinlic^« 
feiten bart|faten ; ber toa^xt ©runb unfereö ©laubeu^ blei^ 



1) Ib. I, 9. 

2) Ib. 8. 

3) Ib. II, 3. 

4) Ib. I, 2. Necesse est ad naturalem rationem rccurrere, 
cui omnes asscntire coguntur, quae tarnen in rebus divinis d«»- 
ficiens est. 

5) Ib. I, 5 fin. 



270 

im bie SSunber im oben angegeknen <Bimt, n)eld|>e bte 
Stotoritat ber ©d^rift tejiätigcn 0* 

Stefe ©ruiibe fltmmen in aQen n^efet^tlic^en fünften 
mit itx it^xt^lUxVS Wcrcitt* 9Hd^t fo gutilimmt feine 
ünftc^t mit bem^ toai Slugußinuö unb Slnfelmuö üUx baa 
JBer^aftnig be6 ©laubend juv SBiffenf4faft getef^rt fiattcn. 
!luf bie innere Srfal^rung im QUanUn legt S^omaö ni^t 
ba^felbe ®mi^tf ml^^i SInfelm ipr (eitegte ; fein ©laube 
|at eine mef^r finpertid^e ©eflatt angenommen unb \»ixb 
ttt biefer ©eßalt aud^ nici^t, toit Um Slugnflinu^; bur($ 
bie 3ut)erft(l^t auf bie (^jiel^ung bet 2){enf(]^{feit but(^ 
©Ott unterflü^t. ÜRan loirb f^ierin bie ©ematt bev ^k^ 
rar(|>if(i^en ©ebanfen, welche bie X^toiojgit biefer 3^it ta 
fortf4ireitenbem 3Rape bel^erf^ten, nicfit ableugnen fonnen» 
S^ax ftnbet Sfiomaö aud^, bap ber SQSiQe e6 fei, n^ad 
ben ©tauben in mi bekoirfe, aber biefen SQ3it(en lägt er 
burci^ feine (St)ibe,nj ber fitttid&en Srfaffrung in mi be^ 
fümmen 23, ©arin ferner jlimmt Z^oma^ xn)ar mit al- 
len S£|feotogcn fiberein, baß er ben ©lauben burd^ bie 
(Stfenntniß ju ergänjen fud^t; aber bie Srfenntniß/ »eld^e 
l^ierju füfiren fcH, jtnbet er ni4)t in ber SBiffenfc^aft 
hierin leitet i|m ber ©ebanfe, bag bie SQBiffenfd[iaft burc^ 
ben fßmtii, burd^ bi^curfit)eö ©enfen gewonnen toerbe 
unb baß tin folc^e^ burc^ jeittid^e ÜKittel fortfc^reitenbed 
2)enfen nur unt)oH{ommen fein fonne ^3. @o wenig bie^ 



1) Ib. 9. 

2) Ib. in, 40, 2. 

3) Ib. I, 57, 8. Sed ex impcrfeclione intellectiialis naturae 
provenit rationaüva cognitio, nam quod per aliud cognoscitur, 
minus est notum eo, quod per se cognoscilur. 



271 

fer @tntt)urf bebeuten ti^iU, eben fo n)entg uoitb man iwt* 
auf ®mm )u legen paben, ba§ ntd^t ade SRenf^^en 
tiefen SQeg gef^en fönnten ^)« @etn ^au))tgrunb ahtt 
liegt in ber Se^re, n)el^e noir f^on bei SIbert gefunben 
|fa(en; baß bie SQ3irfungen tpren Urfac^en ni^t gteicl^ 
fommen fonnten nnb baß bälget aud^ bie menfc|)Iid^e 9la< 
tut ni4it audreid^en n)ärbe bur^i bie (Sntn)id(ung i^rer 
Gräfte bie t)ottfommen€ Srfenntniß ®oiM ju erreichen* 
2>iefer ®a^; t)er{lärft burd^ bie Seigre t)on ben grabii^ 
abfleigenben @d^of)fungen ®ottti, bilbet ben a7Ktt^I^|i|| 
ber flberjeugungen , tcti^t ber Seigre bed Z^omai Doat 
S3erH(tni{fe ber S^ieotogie jur ^^Üofopl^ie unb babtfn$ 
feinem ganjen @vfteme i^re Stid^tung gebem 

X^oma^ fd^reitet nun juerfl ju ben !|>]^iIofc)>l^if(|en 
Unterfud^ungen fiber ®ott/ ben @runbfägen gemäß; wtl^t 
n>ir fd^on entwidfelt ^ahtn. 3lud^ fiiertn {limmt er in ah 
len n)efentlid^en fünften mit Sllbert übtxm. dx erfennt 
bie 9iot{>wenbtgfeit an ba6 ©ein ®otM ju beweifcn, 
weil iwax an jic^ ber 23egriff ©otted ber einleudjitenbpe 
fein mo^Uf bie^ aberbod^ für unfern befd^rdnften äJer^ 
jianb ntd^t gelte» dx t)ermirft baffer ben ontclogifc^en 
SBeweiö, ben Sewei^ au* bem 33egriffe ®otUi, mi^tx 
tDorauäfege/ baß ©otte* ©ein ni^t ben)iefen ju mxUn 
brandete unb baß mir ®ott beftniren fonntem SQir mftf^ 
fen ®otted ©ein joielmei^r auö bem unö Sefanntern, b» ^. 
au* ben (Srfaprungen ber jtnnli^ien Dinge ober anS fei^ 
nen SQBirfungen beweifen ^^. 2)ie Seweife, ttJel^e er nun 



1) Ib. 111, 39, 1. 

2) Ib. I, 10 — 12; summa theol. I qu. 2 art. 1. Dico ergo, 



272 

fü^rt/ fd^Itepen ft^^ ade an bte Utamttn $(rifh>telif(|en 
an, toU er fel^ft kmerft; wa^ tx ii^nen f^injafügt; tfl 
30on fetner großen Seteutung 0* 

^erau& folgt nun a(er ani^, baß toix bur^ bie S3er« 
nunft nur eine um>o(Ifommene Srfenntniß t)on ©ott ^a^ 
l^en fonneu; weit bie SBirfung un^DoUfommener aU bie 
Urfa^e i^ unb bai^er aud^ nur ju einer un)[)Dafo]nimenen 
Srfenntniß ber Urfa^ie fuhren fanm @ott iß ber un« 
ifteweglic^e 93en>eger ber SQ3e(t/ wie Slrifloteleö le^rt X)ar^ 
oitf folgt, baß er ewig ift unb ii^m fein leibenbe^ SBer^ 
mifgen jugef^rieben werben barf, t)ermoge bejfen jer U»^ 
{iimmt werben f onnte {u irgenb einem @ein ; «)ielmelpr ift 
er t)on Slnfang an aUti Wirflici^^)» 3m Ewigen finb 
@ein unb @einfonnen ni^t t)erfd^ieben unb bai^er fommt 



quod liaec propositio , deus est, per se nota est, quia praedi« 
catiim est idem cum subjecto.* Deus enira est suum esse, ut 
infra patebit Sed quia nos non sclmus de deo, quid est, non 
est nobis per se nota, sed indiget demonstrari per ea, quae 
sunt magis nota quoad nos et minus nota quoad naturam , sci- 

licei per eflfectus. 2)af ©Ott xilt^t ^efinirbar, taröber f. c. gent. 

I. 25 p. 23 b. 

1) C. gent. I, 13. ©efonber^ fucjt er a« 3ei0cn, baß bie 
SSeweife beö Slriftoteled bic QtoiQhit Ux ©etöegung nicjt »orauö* 
fefen. Ib. p. 12 b; 15, 5; 20, 10. ©eßcn ten ©ebanfeit »ieler 

®Öttet» Ib. I, 42, 2 ; 3. Quod sufSciehter fit uno posito , me- 
lius est per unum fieri, quam per multa. jDa^ Übel in ber 

2öcU fpritjt ni^t ö^ö^n, fonbern für baö ©ein ©otteö. Ib. III, 
71 p. 271 a. 

2) Ib. I, 16. Unterfc^ieben werben bte poientia ad agere 
unb bie poieniia ad esse, jicne aU bie imiQC Äraft, tt)eltje @ott 
gufcmmt, welche aber fein SSerben beö (Subjectd tn fttj fc^IieSt, 
biefe a(ö baö leibenbe SSermögen , tt>el($eö @ott aböeft^rodjen wer* 
ben muf. Ib. II, 25, 1. 



273 

®cH ttut t)o((e ^ixüi^kit ju , aber (eine 9)taterte ^}. 
Sßeun t){e g&ffe be« @ein^/ n)e((j^e ®ott {ugef^^vfeiben 
ti>trb| mit bem adgemeinen @etn t>ern>e(|i^feft uoevben UnnU, 
fo erHärt ftc^ bagegen Z^oma^, tnbem er ba6 allgemeine 
®m nur atd eine Slbjhaction be« SBerflanbei^ ietrad^tet ^)« 
@ott muß ))ietme^r a(d ein inbit>ibuell(e6 äBefen, n)e((^ed 
f{$ felbfl inbit)ibuirt / gebaut mxitn ')« (Sott ift eind 
unb tinfa^; benn jiebeä 3nf<tinmengefe$te muß eine Ur^ 
fa^ feiner 3ufammenfe^ung fiaben unb befielt au^ Sorm* 
onb SAaterie % 2)a nun ober ade unfere Sprad^e UBlb 
aOe ' unfere ©ebanf en auf 3nfammenfe^ung ieru^n ; fo 
tverben wir aud^ ®otM einfacl^eö SBefenin feinem @a$e 
itttb feinem ©ebanfen genügenb au^brfiden ffnnenO« 
2)er ©ebanfe ®otte6 fiber^eigt aKe unfere Segrife unb 
tüir m&^tn mi bedn)egen bed verneinenben SBeged (yia, 
remotionis) Ibebienen um iffn au6)ubrfiden ^)« Sejfal^enbe 
Seßimmungen &(er i^n gen){nnen toix nur baburcip/ bap 
ti^ir SBorte unb ©ebanfen ; mlä)t «)on ben @efd^6))fen 
al« ben SQBirfungen ®otte^ ]{>ergenommen ftnb, in einem 
f^o^ent @inn nef^meU; aU in n)e(d^em fte t)on ben ®e^ 



1) Ib. II, 91, 5. In sempiternis etiam non difTert esse et 
posse. 

2) Ib. I, 26, 4. Quod est commune multis, non est ali- 
quid praeter miilta , nisi sola ratione. — — Si igitur deus sit 
commune esse, deus non erit aliqua res existens, nisi quae sit 
in intellectu tantum. 

3) Ib. I, 21, 3. Divina essentia est per se singulariter exi- 
stens et in se ipsa individuata. Ib. 42, 11. Illud enim, quod 
est individuationis principium, non potest esse pluribus commune. 

4) Ib. I, 18. 

5) Ib. I, 30. 

6) Ib. I, 14. 

®ef*, b. W^^ VIII. 18 



274 

f(l^())fen gelten* S)te alte Siegel; baß wn (Sott unb ®e^ 
fc^Jpfen nt^tö in gletd^em ginn (uoivoce) au^gefagt wer* 
ben f6nne; gilt auc^ bem X^omai, totil bte S03irfung ber 
Urfa($e nic^t glei(^ fomme« 2)0(^ fugt er i^tnjU; baf 
auc^ feine reine nnb sufdKige S^eibeutigfeit in ben 3e* 
jei^nungen ^^erfc^e, wel^e toix t)on ben @efi$o))fen auf 
ben @(l^o))fer übertragen; tt)etl Urfac^ unb SQ3irfung bo(^ 
immer eine gemiffe ä^nli^^feit bewahrten* 3wif4^en itif 
ben fierf^t t)ielme^r Analogie unb unfere (Srfenntntp ®ot^ 
M, rottet wn ben ®ef(^d)>fett au^gei^t; iß bal^er eine 
analoge ^)« jDie iBoIRommenl^eit ®otte^ i^at ft^ in fei^ 
nem ®ef(l^j())fe t>oII{l5nbig auebräden f^nnen unb ipai ba^ 
^er iai WHM ergriffen in t>ielen SSirfungen ober ®e^ 
fc^jfpfen ft^ bar}ußeOem S)al^er fommen ®ott au^ t)iele 
IRamen )u unb lüir muffen bte ©ebanfen t)te(er ®ef^5))fe 
gufammenne^men um und bem ©ebanfen ®otted ju na« 
l^crn, tnbem tt)ir t>om SSegriffe etned jeben ©efdjiö^fe« bie 
Un^oHfornmen^cit abfonbern, mi^t not^koenbig mit i^m 
j^erbunbcn i^^% 

JTJjoma* flrett nun ben ©egriff ©otte« in t)ottjier 
Cebcnbigfcit ju faffen unb e« unterftü^t i^n fiierbei bie 
«vijiotclif^c l^ej^re; baß ®ott reine mixtii^Uit, mxU 
famfcit ober önergic fei^j* gr faßt bie« junäc^fl in 
©ejie^MUg auf bic ®efc()ö})fe auf, xion mi^tn au« wir 
in )jH(ofo))l)if^er SBBeife jur (Srfenntniß ©otte« gelangen 

I) Ib. 33; 8S. Pure et casu aequivoca. Ib. 1,^34. 

*i) Ib. ai) 85; 36. 

!)) Ib. I| i(); 28, 3; FI, 8, 1. Deus autem est actus ipse. 
Nun niiit^ni fst ens actu per aliquem actum, qui non sit, quod 
r»l i|)*t<» quum in eo nuUa sit potentialitas. 



275 

foUen. 2)a offenbart er ft^ mi in 93erfianb unb SBt^ 
lern Sr ^at fßtx^ani , mil er t)om 93erflante U^tfyxt 
wirb unb aUm jDingen x^xt 3^^d^ ftte^t; er f^atSOBiKen, 
toeit tx ba6 ®ute erfennt ttnb tDttt itnb bte f^ewegenbe 
Urfa^i aOer S)tnge ifl ^). @ein ä^erflanb ttnb fein SQ3i(I< 
ftnb aber ni^t a(d SSermögen tn i^m, foribeht nur al< 
Sff&ttgf etten ^« ®enau genommen u^erßeigt nun X^o* 
mai f^on f^tertn bie Srfenntniß ®ottti nur aud feinen 
®ef4iä))fen unb in Analogie mit ii^nen. 3lo(S) beutli^iev 
mirb bieS a(er, mnn er @oti ni$t oOein in 93eite^ung 
2tt ben ®ef(|^apfen bie 3:f^&tigfeiten be« SSerflanbe« unb 
bed 9SiUend beilegt, fonbern au$ bef^ou^tet/ baf ®ott 
{t(^ felbft ))o((fommen erfenne, ba^ i^m feine ®ute gefalle, 
ba$ er ft^ moUe .unb ni^t aUein iai Segei^rung^uoert^e, 
fonbern au^ ber ft^ feltji begejrenbe 3tt>cd fei '}♦ 6« 
if} eine Dteigung Ui X^omai hierin nid^t ju t>erfennen in 
ber Unalogie jwif^en ©efci^öpf unb ®(J^o})fer bie Seite 
ber S:|>ätigf eit t)or ber ©eite bei Sel^arren« ^ert)orju]^e«' 
6cn. 2)te Srfenntntg, ben SBiUcn, bie ?ufl unb bie Siebe 
®ottea benft er pc^ bei^wegen aW SBBirffamfeiten (opera- 
tiones) in ®ott feltfi % am unjweibeutiflflen tritt bie^ 
in Jeiner SCrinität^Ie^re ^txi>ox, ml^t jnjar im SDSefent^ 
li^m nur ba^felbe wieber^olt, rvai fci^on früher au* na^ 



1) Ib. I, 44, 1; 6; 72 , 1 ; 5. 

2) Ib. II, 10. Inlellectus igitur et voluntas in deo non sunt 
ut potentiae , sed solum ut actiones. 

3)' Ib. 1, 47 ; 72, 3 ,' 8. Ipse igitur est primum agens propter 
finem , qui est ipsemet ; ipse igitur non soluin est finis appieti- 
bilis, sed appetens, ut ita dicam, 

4) Ib. 11, 1. 

18* 



276 

tMxiftx (Sinficfft übtt S3er{ianb ttnt) SQBtden ©otte» ge^ 
le^rt YDorben n)ar ^)/ aber wegen ber f^mbolifd^en ^u^^ 
brdde guwetUn ju no^l {lätfetn Sugeruitgen feiner 2)en& 
tvetfe ))eran(a§t 2)a treiben bie Se^ren ^om (^{eugen 
be^ 6of^ned unb t>om Su^ge^n be6 |fci(igen ©eifle^ bogu 
an auf bad (eben ®otM ®tto\i^t ju legen. @ott tt* 
(ennt (ic^ in feinem @o|!ne unb tpitt ful^ im ^eiligen 
@eifie; ber @o^n, eine Smanation ©otted, ofenbart i^n 
{!$ felbfl; tt)ir foOen i^n aM ein Sid^t benfen, in xot\* 
^m ©Ott fid^ felbfl f(ar tDirb ^« SRand^e biefer %yx^t^ 
rungen fireifen an bie SorfleUung wx, a\i xooixt @ott 
ein be^&nbtg ^if et)otoirenbed SBefen; xcxt benn aut^ 
£$iomad ti ni^^t ablehnen xo\H, baß @ott in SSejie^ung 
auf bie ©ef^l jpfe ein Sterben , ein SSed^fel feiner SBer^ 
j^&Itniffe gugefcl^rieben tDerben bürfe, unb nur abme^rt/ 
baß bied eine SBer&nberung in i^m felbfl in ^x6) fc^Heße. 
jDenn äberad ge^t babei bie gorberung }ur Btxtt, ®ott 
in aOen feinen Seben^t^otigfeiten a(d eine emige Energie 
ftd^ JU benfen ')• 



1) Cf4 ifl frl^T auffaUenb, baS ^(omad bie 2:rtnitätdre$re ^vl 
^en cjfdtbarttn ^a^nttn ber S^eolcgte ^ä^It, obgleich er aUe 
n>cfcwlU*t ^un?tt bcrfelbrn aud ©rünbcn ber SSernunft beweift, 
inbm iN btf ^t\\\ ®oHe« ber ^erflanb/ ber (eilige ®eifi ber 
^iQr ®o(tdt ift« "I^an fann bie^ atfetn m^ ber trai^fenben 9{e(« 
^\\\\^ Wt biif ^H^fftiv^tn ?e(ren ber SReligion ableiten. 

IM IklWUi 19; in sent. I dist.XXVlI qu. 2 art. 2 p. 323 a. 

l>vu* UMoilV^Ut iMlelleclum suum generando filium, se- 

vuiuluiH K\\\\^\\ luaiiifestat se apud se ipsum. Ib. 324 a. Ver- 
\\\\\\\ \\\\\K ^UAUÜ^m einauationem intellcctus et exitum in mani- 

M \\\ M\\\s 1 dUl. XXX qu. 1 art. 1. — fieri non secuDdum 
u ui , ud «ocuudum ralioiiem tantum. (^ beruft ft(^ barüber 



277 

93enn toix nun ftnben , bap in btefen l^e^ren X^^maS 
bod^ üitx feinen ©runbfa^; baß ®ott in pf^tIofo))f^tf$et 
Sßdfe nur aud feinen SSitfungen erfannt werben Um^, 
ftd^ f^tnau«trei(en U^t, fo iti^lt ft$ biefel^e (Srfc^etnunj 
nid^t weniger in feiner Se^re ))om ©d^affen ®otte^. G^ 
flefft in i^r meiflen^ auf bemfetben @tanbpunfte, auf totU 
(|em wir ^Ibtxt ben ®ropen fanbem S)ie 98ett aU eine 
Smanation ©otted betrac^tenb/ fann er bod^ bie $wtg< 
feit ber 93eft nid^t )uge(en, wagt aber aud^ bie (el^re 
t>om anfange ber SSelt nur aM einen ®IaubendartifeI ^u 
behaupten, inbem feiner ^nftc^t nac^ bie Senmnft ni^t^ 
weiter reid^t; ali jur (Sntfrfiftung ber Seweife, wel^e 
f&r bie Swigfeit ber S8eU au^geffi^rt werben fUib^). 
SBenn er hierin t)on SUbert abweicfft, fo beweifl bie«, 
baß bie Slutoritat bed |)(aton bei i^m im Slbne^meU; bie 
Autorität m Sriflotele« im @teigen i{l. (Si pangt bie« 
aber oud^ bamit sufammeu; baß er nid^t {ufrieben ifi ®ctt 
nur aU Urfad^e ber SSelt }u erfennen, wai feiner %m 
fic^t \>on ber ?5^itofop^ie gemäß gewefen wäre, fon* 
bem nad^ bem ©runbe forfd^t, weswegen ®ott bieSDSett 
gef(|afen ^abe» (Sx fe$t ftd^ nun hierbei bem eigentlichen 
SBefen ber (Smanationötefire entgegen/ inbem er ben @a$ 
befreitet, baß @ott au« naturlid^r 9tot^wenbig{eit bie 
^elt fc^affe^)/ ))ielmef^r ba« ©d^affen ®ütte« nac^ ber 



au^brücflic^ auf ben ^rtfl. begriff ber Snetgte. Ib. III dis». Vü 

qu. 2 art. 1 p. 118 a. Sciens, quando considerat, non muta* 
tur proprie loquendo , sed perficitur. C. genl. IV, 11 p. 392 a'. 
Ultima igilur perfectio vitae competit deo. 

1) C. gent. II, 31 sqq.; summa theol. I qu. 46 art. 2. 

2) C. gent. I, 86 ; 8T ; IV, 13 p. 398 a. Deus tcs in esse 



278 

anologie »ttnflnpifler iC^iötigfeiteii itixa^ttt. ©eine (Sc 
banfen ^ieräbei: finb aist wenig enttvidelt, tnbem er 3Sti 
foitti^e« unb SHot^roenbige« ober Statütlt^eö ntt^t un* 
teif^eibetO, unb ouf b« einen ©eite jwar ba« ©(Raffen 
®otUi 9on feinem S&JiSen au^gepn laffen ntö^tC/ auf 
bei anbcrn €e{fe aber bot^ ben Siden ©otted »on fet< 
nem SIecflanbe abhängig mai^t unb babef nur W^aupttt, 
bag bte^ feine ^etjieit nii^t aufgebe, weil ei babur^ 
»DR ni^td äugetem abpfingig werbe ^). SSenn e6 nun 
Veißi Ootteö Seia^eit oUtin fei ber ®runb fetneö ©^of» 
feng; frine ®fite tvoKe {ti$ mitt^et(en unb bte @tfinbe 
ber jDinge, beten 3»ed et {{t, jui IBoUenbung i^xei 
©efntf ^t^; ba:^er inbem et fii^ ^auptfäi^Iti^ woKe, 
woHe er aa<^ anbete« unb bied fei bet ©lunb feiner 
f^öpfetifi^en S^filigCett; ftc() a6et noOe et not^wenbig, 
anbete« ni^it not^menbig, weil aQed ültige nur wie 
etwa« 3ufÖH>fle8 jum nof^wenbiflen 3weÄ ji^setJalte'D; 
fo Mnnen roii (lireiit nut eine Untctf^ieibung ertlirfen, 



producil non naturali neceuilale, sed quasi per iDielleclum et 
TolunUtem ageas. 

1) Ib. 1, 82 fln. Non lamen oportet propter praemissa id- 
nalurale aliquid in deo ponere. Volunlas namqu« saa uno et 
eodem actu mit sg et alta. Sed babitudo ejus ad le est oece«- 
saria et naturalis ; babitudo' aulem ejus ad alla est secuodum 
couienienliam quandam, non quidem nece.uam et naturalis, 
neque Tiolenla aul innaturalis, sed volutitaria i quod autem est 
Tolunlarium , neque naturale neque violcntum neque neceue 

2) L. 1. Si volunlas dei ad aliquid lolendum per $ut ia- 
leUeclus cogailionem deteruiinatur , aon erit determiuatia io- 
luniatii diviqaB.,pBr aliquid estraoeum facta. Ib. I, 83. 

.3) Ib. I, 74 sq.; Sil sq.; 11, 24; 111, 97 p. 304 b. 



279 

ml^z er ^cn feinem pJ^i(ofop^if(|ien @tant)))unfte autf 
niifyt 2tt recf^tferltgen im Qtanit wax* §Iu^ ^tht et fte 
fet(ß n>teber auf/ tnbem er ben SSerßanb unb ben SOSidett 
@otte$ feinem 3Befen gleich fe^ unb fiier^aupt atte 9lu<^ 
fagen Aber ®ott unb aUt (Sigenfcf^aften , noel^e toix i^ta 
ibettegett; nur aU ütoai Utxai^Ut tpiffen ti^iU, toai mir 
in uttferm 93er{lanbe t)on ber 9}2annigfaIHg!eit ber SBir^ 
langen au^gefienb jwar ni^t o^ne ©runb fe^en, n)a6 a(er 
to$ feine reale 93ebeutung l^abe, totil ®ott nur ein ein^ 
facl^etf SBefen fei ^3« ?(nd fold^en fc(in>an{enben ^gerun^ 
gen fönnen n^ir in ber 2:^at nur feine Steigung |^erau6^ 
ffixta ®ott aU ben reinen fc^iSpferifc^en Hct ju benfen, 
unb ti^ir begreifen ti bal^er^ baf er ben Xnfang ber SBett 
aXi tttoad anfielet , toa^ nur burt^ ben ©(ouben feflfte^e. 
S3on biefem @eft(l^td))un{te ani t)ertt)irft er bie Snft^^t; 
bap ©Ott aud naturli^er 9tot^tt)enbigfeit bie SSelt f^afe, 
benn bied wärbe t)oraudfe^en; bap feine SBirffamf eit un^ 
ter einem 9?aturgefefte jianbe^)* ®tin Q^a^tn ifi feine 
Senoegung; melci^er eine anbete S3en)egung t^otau^gei^en 
mmt* S)et ©tunbfa^/ baß ani nid[it^ nid^t^ n^etbe, 
muß auf bie befonbetn ben^egenben Utfac^en bef(![|tänft 
tpetben, mli^t mx ani einem t^ot^etgei^enben äJetm^gen 
ettpad jur SBitftid^fett btingen f 5nnen ; bagegen etpebt ft(| 
übet biefen ©tunbfaft bie f(^öpfetif(]pe S^atigfeit ®otte^, 
weil fie fein Setmögen in ®ott »otauöfe$t unb nid^t« 
»Ort außen bilbet ^)* ©ennod^ t)etg(ei(|t 2:^oma^ biefe 
aaStrffamfeit ®otteö mit bet praftift^en 2;f>ätigfett ber 



1) Ib. I, 18; Sl; 36; 45; 73. 

2} 11^. II, 23. 

3} Ib. II, 10; 16; 17; 37. 



280 

ißetnunft @em (Bxttnntn ift iu^Ui^ ein Jpaniün, tin 
Segrunben itx mxUnUn SDinge, bem ^anbeln »enig^ 
jlen« fi^nli^; unb gef^t ba^er auci^ auf ba^ Sinjelfie; auf 
ble ÜWaterte unb bie äcciben^en^ n^eU baß ^jraftifel&e @r«^ 
fennen nid^t afiein baö SlKgemeine (ebenft; eö l^at bte 
2).inge n{(![|t adein/ fofern {te in ipm notf>n)enbig/ fon^ 
bern au^ fofern fie in jid^, alfo iufättig pnb, im Sluge 0^ 
SBenn man einwerfen foKte, ba^ baburd^ toentgfienö ^u^ 
fattige SSerf^attniffe ®ott Jeigdegt würben, fo teruft {t($ 
X^oma^ barauf/bap bie^ ntd^t ju umgei^en fei« 2)entt 
foKte aud^ bie SQ3eU emig fein, fo ftnb bo4^ bie einzelnen 
S)inge in i^x ni^t emig/ unb ba ®ott aUe jettlid^en 
Steile ber SQSett eben f o toit bie ganje 9QSeU ))on (tc^ 
au^fliepen lä^t; fo barf i^m ein ißeri^altni^ jum ^titlu 
4)en ni$t abgef^)ro^en werben^* 

2Bie fd^koanfenb nun aud^ ber nid^t reale Unterfd^ieb 
Sioifc^en ®otte6 93erfianb unb SOSiOen ^t^t, fo grunbet 
X^omai bod^ auf i^n feine ganje Sef^re »on bem SJer^ 
^ältniffe ber SQBeft ju ©Ott« dx beult pc^ nemtic^ ben 
aSerjlanb ®otte^ in 33ejie^ung auf bie ®ef(^ö^fe in ci^ 
nem großem Umfange als iaS ©ein, totl^ti ans feiner 
STOad^t fferoorgegangen iji ober ^eroorge^en ibirbt @ott 
erfennt auc^ ba^, toai nid^t i^, fogar ba^, tx>aS niemat^ 



1) Ib. I, 65, 2; 6; 67, 2; 70, i. 

2) Iti sent. I dist. XXK qu. 1 art. 1. Cum enim omne esse 
cujuslibet rei effluat ab ipso deo, non solura universi, sed cu- 
juslibet partis ejus, oportet quod ipse designelur in' habitudine 
principii ad quodlibet eorum, quae sunt, et cum multa eorum, 
quae sunt, non semper fuerint, etiamsi ponatur, quod Univer- 
sum semper fuerit, — — oportet, quod nomiua designantia il- 
Jam habitudinem non ab aeterno de deo dicantur, sed ex tempore. 



281 

mxim luirt), atö ettvad feiner 3Stai^t SRogltc^e^^}« 
Qbtn jiierauf bevul^t bie freie SOSaf^t; toel^e er unter tU 
ner 3Se^r^eit moglid^er SBelten trifft 2)enn o^gtetd^ @ott 
baö ©Ute not^menbtg n)U( ^ fo fpnnte bod^ an bem ®u« 
tm oud^ in anberer SBeife Speit genommen noerbeu/ a« 
in welcher e^ n)irni(|i in btefer SQ3eIt gefcl^iept ^}« 2)ied 
fiängt mit ber Sepre t)on ber Mma^t ®otte6 {ufoinmen, 
it>eli^e t>on feiner SJtaterie; von feinen SSittebtrfa^en be^ 
^mt, aUed )[)ermag; t»ai feinen SQSiberfprud^ in {t(^ 
entp&It^ 9tun ift aber )){ele6 nid^t, xoai bo^i feinen 3Bv 
berf)>ru(jp in ftc^ ent^^atten tt)urbe/ mm bie Orbnung ber 
2)inge anber6 t^axt, aU {te iß; be^tvegen muß ©Ott aud 
ben verf(piebeneu m5g(i(f)en Drbnungen ber 2)inge eine 
Qm&^Ü ^aitn , um fte ju fd^affen ^3 ; l^terin burc^ feinen 
SSerflanb geleitet, inbem er ft^^ fe(6{l beftimmte äBirfum 
gen feßfielit; koeldpe er ^wci) feine SQBeiäipeit einer beflimm^ 
ten Orbnung gemäß ipervorbringt *)♦ 3n feiner SQBapI 
unter ben ))erfdpiebenen m^glid^en S03e(ten benimmt ifin 
adetn feine ®üte; aber er ))erletpt feinen ®ef(jpo))fen bad 
®ute nid^t oXt etmad / wa^ feine ®ere(l^ttgfeit il^nen fd^ul^ 
big woreO; nur bebingungöioeife , gefiept JCjfoma^ $u, 
mußte ben gef(paf enen 2)ingen ba^ t^erliepen loerben, tpod 
ber einmal bef(p(of[enen Drbnung ber SDinge gemäß loar« 



1} C. gent. I, 66. £a enim, quae non sunt, ncc erunt, 
nee fuerunt, a deo sciuntur, quasi ejus virluti possibilia. 

2) Ib. 81. 

3) Ib. 1(, 22, 1 sq.; 23, 2. 

4) Ib. II, 26. Quamvis divinus intellectus ad certos effectus 
non coarctetur, ipse tarnen sibi statuit determinatos effectus, 
quos per suam sapientiam ordinale producat. 

5) Ib. 28. Quasi «x debito justitiae res in esse produserit 



282 

{)terattf Uvu^t bte dufäQigfeit ter mltUi^m 2)inge ^)» 
3n fic^ felbfl trägt fein ®ef(|io))f bie 9}ot^n>enbigfett bed 
@md; nur ter Otbmtng ber 2)tnge gemäß, tpeld^e toom 
göttltd^en SBiden (efc^loffen iß, ifl em j[ebed 2){ng an 
ter ©teKe ber SSett not^n>ent)tg, n)o ed ft4^ ftnbet» 

Offenbar $»erfd^t tu biefer SSorfleOungdipeife bte Sltta^ 
logie snnf^en bem @^ö))fer unb feinen ®ef4^p))fen in tU 
ner fe^r bebenflid^en SSetfe toor unb eö fann fi^erbied 
ani bem ©runbfa^e beö £^oma«, baß tt)tr in natärl^ 
4ier SBeife t)on ©Ott nur ju erfennen t>ermägen; mid er 
a(^ Urfad^e ber Witt i{l/ nid^t gere^tfertigt tverben, 
baß er gleic^fam ein Uberf^ilffiged im SBerßanbe ®ottti 
fe^t, in welkem er anbere STIogtid^feiten ber SBett benfe 
dU bie, n^elc^e er t»ixtli^ gefii^afen ^aU ^ni feiner 
Slnnai^me, baß bie Urfad^e not^menbig geringer fei, aU 
bie äSirfung, baß baper ©ott feinen ©Ott fd^affen fcinne, 
baß Dielme^r iai ®ef4fd))f aU fold^e^ ni^t allein feinem 
®tin m^ abhängig t>om @d^5))fer fein, fonbem btefem 
nn^ an ©fite unb Sffiurbe nad^fiei^en mfljfe ^3 , folgte aU 
terbing^ tin Überfcfififftged in ©otteö @ein, n)eld^e^ aber 
auf natfirlid^em SBege gar nid^t ermittelt n^erben fjnnte* 
älber ti flefft üitx^avDpt mißli4^ um biefe Slnna^me, tvenn 
nnr bie Urfad^e immer nur au^ i^rer Sßirfung (a poste- 



1) Ib. 29; r, 85. 

2) Ib. Ily 25, 12 sq. Ex hoc autem patet, qiiod deus non 
potest facere deum. Nam de ratione entis facti est, quod esse 
SU um ex alia causa dependeat, qaod est contra rationem ejus, 
quod dicitur deus. — — Eadem etiam ratioue dod potest deus 
facere aliquid aequale sibi; nam id cujus esse ab alio non de- 
pendet , prius est in essendo et in caeteris dignitatibus eo, quod 
ab alio depeodet. Gf. ib. III, ?0; 49; 97; IV, 7, 7. 



283 

ripri) etfennen foKen« &ifon W>txt ^attt fie au^ in 
ber Sorm auögebrfidt/ baß ®ott unenMtd^ fei; itit€ ®e^ 
f($f))f aUx enblid^ fein map, unb Stpoma^ fhmmt i^m 
<iu(|f ffieritt iti 0« ^^er aud einer enblici^en SStrfung, 
foQte man meinen / fonnte aixi^ nur auf eine enblicf^e Uxs 
fad^e sefc^Ioffen werben. @o tooUtn bie @a$e be6 X^o^ 
mai in biefer ©egenb feinet @)^{lemd überl^au))t nid^t 
red^t mit einanber {limmen. (9egen bie Slnnal^me einer 
bef4^ranften Summe be^ @eind/ tt)el^e, mit ^u^f^iliepung 
anberer 9R5gIid^feiten ; ber @d^d))fung ^erlie^en tooxitn 
fei, fhäuben {t^ bie ©a^e, baß bie @(^ö))futtg ^ottforn^ 
men fein mfiffe, meil ber @($5))fer DoQfommen i^, unb 
baß bie ®äte ©otteö adeö tPoKe, tt)a« mit i^m eine 
ä^nli^feit f^abe^), SWan wirb hierbei nic^t fiberfefiett 
bürfeu; baß feine Sefire barauf l^inarieitet, bie 9tot]^wen^ 
bigfeit einer ubernatürli^en Offenbarung na^juweifen. 
2>iefe glaubt er nur baraud red^tfertigen ju f^nnen, baß 
er ein jiebeö ©efd&ppf in ben ©d^ranfen ber Snblid^feit 
unb Unt^oUfommen^eit feßl^att. ^aiti aUx fd^ien e^ if^m 
bod^ flatt^aft ber Summe aUer ©efc^opfe/ ber ganjen 
SBelt; SotHommenffeit kijulegen, bamit bie ©dj^opfung 
ber SJottfommenfieit beö ®4>opfcr^ entfprad^e* hiermit 
wirb nun in ber S:^at jene Slnjtd^t ^on ber SKoglid^fett 
einer anbern SQ3eft oM ber gegenwärtigen unb wirflidben 
5)ßKig wieber aufgehoben, nur bie SQBelt cvfcfieint i^m 



1) Ib. 11, 98 p. 194 a; 111, 49, 3; 97. 

2) Ib. I, 84, 2. Deus volendo suum esse, quod est sua bo* 
nitas, vult omnia alia, inquantum babent ejus siniiJitudinem. 
Ib. III, 69 p. 267 b. Detrahere ergo perfectioni creaturarum 
est detrabere perfectioni divioae Tirtutis. 



284 

alö mogU^/ totl^t Ut SSoOfonunen^eit unb ®ute be^ 
©^opferd entfpti^^t , ttnb ba btefe SSoKf ommen^eit in f et^ 
nem einielneii ©efd^opfe ftd^ barfleOen lie^, fo mugte fte 
eien tn einer SSeft; in einer SSei^r^eit t)on @efd^o))fen 
bargeßeltt tverben» 2)ied i{l bie ^erfd^enbe f8ox^tümQ€^ 
toeife. 3n einer l^Ubli^en SBeife )>flegt er fte au^ju^ 
brfiden. (£t ))erglei4it ®ott mit einem ^enfd^en^ tt)e^ 
d^er feinen ©ebanfen in mehrere SSorte jerlegt; iveil er, 
i^n in einem SSorte ni^t an^btüätn fann; fo ^aU au^ 
©Ott/ wül er feine SSoIRommen^eit ni^t in einem @e^ 
f4lo))fe audbrfid(en fonnte, loiele ©efc^^fpfe gemad^t um 
fte t)o(Ifommener au^jubrfidFen ^)» 2)er SSergleid^ f daliegt 
ftd^ an bie fird^Iid^e Se^re t)om fd^o)>ferif(l^en äBorte ®ot^ 
Ui an, tt)eld^e^ feinem Sefen gleid[^ ift* 2)ie ©ef^icipfe 
ftnb bamad^ bie SSorte, burd^ lüel^e iai eine QMi^e 
SBort auSgrtriidCt wirb «)♦ 

3n biefer Setrad^tungdmeife i^ nun ba« ganje @9^ 
fiem beö Sl^omad t)on Squino angelegt d^ Uxu^t i^m 
barauf, bag bie f4>6^)ferif4>e ^pättgfeit ®otte« nic^t m 
toiUUxliifti Z^m of>ne oKen ©runb iji, baß fte öte^ 



1) Ih. II» 45, 1 ; Uly 9T p. 303 a. Quia vero omnem crea- 
tarn auhstantiam « perfectione divinae booitatis deficere necesse 
esti ad hoC) ut perfectius divinae bonitatis similitudo rebus 
oommuuicaretur I oportuit esse diversitatem in rebus , ut quod 
pniTrcte ab uno «liquo repraesentari non potest, per di versa 
divorainiodo pcrfectiori modo repraesentaretur. Nam et homo 
r.iitii iiinilin concoptum uno vocali verbo videt sufYicienter ex- 
prinii noii ponsOi verba diversimode multiplicat ad expriraen- 
dttni prr dUtfraa suae mentis conceptionem. Summa tbeol. I 
f|u. 41 nrl. i p. 325 b. 

2) Im aont. 1 dist. XXVfl qu. 2 sol. 2 p. 325 a. Creaturae 
•Ulli qua*) vocca exprimentes unum verbum diviuum. 



k. 



88» 

mt^x einen t^emfinfKgen ®tmh (ratio) Im äBefen Dber 
in htt 3bee ®otM wn {tc^ \tibft |Kkt^)« dnnnor fam 
(Sott xm {!(^ 9[{^nli(^e9 benfen 4tnb ma^tiu & tvfle^ 
dnen aSiberfptud^ in fd^ eitffiatten, tvenn Me aOSirfmtg bev 
ttrfad^e nic^t fi^nltc^ toitt. fSRit bfefen @i^ett, bereu 
wettgreifenbe Sebeutung %ttttt ber ®rope niü^t xt^t pMt 
}tt0^n tooQen ^ i^ bte 2)enhoeife be« X^omo« auf bo« 
dnnigfte 9ema(]^fem 9htr be^tpegen ^en mix aUti 90fe 
«>pn ®ott fern gu j^attem (Et hmt ti nii^t tooOen, t»e{( 
ti t|fm stttDiber ifl; er fann t» nfd^t l^affot, toril 8{^e 
fein Sßefen ifi; nur tbegen ber Drbnnhg ber äBett iftepvaft 
er e«^ O^gletci^ feine Sprfe^nng e6 nfd^t autfc^Ite^t^i, 
iß e« bod^ nur an^tt ber Sibfid^t nii^t aOein ®tittt$,. 
fonbem äber^att))t jieber tfiättgen Urfad^e ^3» 3tt^ar t». 
tmnt®ett tai Sdfe, aber nnr »ie er ba« ÜUd^tfeienbt 
unb bie SSeraubung erfennt; benn ti ift nid^M anberetf, 
al« bie SSercmbung ber gebft^renben SBoKfonrnienj^eitO; 
e^ wirb ba^er mify wn @oü nid^t flefc^afen, ti ^iebt 
!einen vernünftigen ©runb be6fe(ben in ®ott SBielme^r 
ber t)ernunftige (Srunb aller ®efd^i))fe liegt in ber 3bee/ 
n)el(^e ®ott loon ftd^ felbfl |^at« 9ber ia S3e)ie^ung auf 



1) C. gcnt III, 97. 

2) Ib. 1, 95 sq. 

3) Ib. 111, 1. 

4) Ib. 111, 4| 1. Mal um est autem diyersum a bono, qQod 
intendit omne agens. Est igitur malum praeter inteDlionem 
eveniens. 

5) Ib. 1, 71. Gognoscit igitttr privalioDem et per conie- 
quens raaluni , quod nihil est aliud , quam privatio debitae per- 
fectionis. Summa tbeol. 1 qu. 15 art. 8. Malum cpgnoscilur « 
deo non per propriam rationnDf sed per rationera booL 



286 

bie ©cfc^öpfe tfftUt fid^ bicfe Sbee, unbefc^abct i^xtx (£in^ 
fat^Jcit, in »erfc^icbene ^Um, weil ein ©efc^ßpf ntc^t 
Die 33oIIfommenpett t>ti &^6p\txi barfleUen fann; 2)a 
benft ®ott bad ©anje, n)te ein ^ünjilet in einem ®e^ 
banfen fein ganje« SQBerf umfaßt/ unb in ber ^infac^^ett 
feineö SSBefenö, inbem er fte auf bie »ottfommenpe SQBeife 
t>mü, benft er au$ ade formen; tpel^e er ben S>ingen 
mittytilt S>ied fuc^t ftd^ X^omai t)on Slquino baburc^ 
auf^auli^ ju machen ^ baß er jur ^oUfommenen ^fennt^ 
niß ©otted Don {1$ fel^ft auc^ bie Srfenntniß ber SQBeifen 
ted^net , in welchen feine ®üte ben ® efd^cipfen mittfieilbar 
ifl. 3nbem er {td^ nun ttot^tt)enbig erfennt oii mitt^tiU 
* Jar ben Oefc^opfen in »erfc^iebener »rt ber 5i{>nlid&f eilen, 

erfennt er au(fy bie ©efd^^pfe i^rer )oerfd^iebenen Slrt nad^ in 
»erf^iebenen 3been 0* hieran fc^liept er aWbann nod^ ben 
. tviti^ligen ©aft an, bag bie einfache ©utfianj nur infofern eine 
3Jerf(^iebenf>eit ber t^nliciifeiten julaffe, aU fte in einem 
großem ober geringern ©rabe mitti^eil^ar ift ; unb e^ gei^t 
i^m barau« ^ert)or, baß alle SSerfd^iebeni^eit ber gefd^affenen 
Singe auf ©rabunterfd^iebe i^inau^laufe unb nit^tö tbei^ 
itt (ejetd^nen fonne ali bie größere Slnna^erung ober bie 



1) Summa theo!. I qu. 15 art. 2 p. 83 a. Ipse enim essen- 
tiam suam perfecte cognoscit, unde cognoscit eam secundum 
omnem modum , quo cognoscibilis est. Potest autem cognosci 
non solum, secundum quod in se est, sed secundum quod par- 
iicipabilis est secundum aliquem modum similitudinis a creaturis. 
Unaquaequc autem creatura habet propn'am specicm, secun- 
dum quod aliquo modo participat diTinae essentiae slmilitudi- 
nem. Sic igitur in quantuin Deus cognoscit suam essentiam ut 
sie imitabilem a tali creatura , cognoscit eam ut propriam ra- 
tionem et ideam hujus creaturae et similiter de aliis. 



N^ 



287 



■. ^ 



grjfpere (Entfernung btt S)tnge in ber ä^nli(]^fett mit ®ott, 
alfo eine gtf §ere ober geringere SSoOfonnnen^eit ^3. ^ier^ 
mit fKmmt feine Slriftotelifc^e Slnfld^t wn ben ©raben 
ber meltlic^en S)inge sooOfommen überein* Sr bemerfti 
t»it über ben unbelebten ^frper bie ^flan^e ftci^ ergebe/ 
mie bann iai unt)ernfinftige X^itt eine M(fy ^^ttt SBoIU 
fommen^eit ^abe, an xotV^tA ftc^ toieber bo« vemün^ge 
aSefen in einem nod^ ^d^em ®rabe anf^Iie§e* ^ )tt)ei^ 
fett nid^t/ baß j^ierin bie Orbnung ber SDinge befiepe^ 
tt)ie e« ou^f Dionvftud $lreo))agita b^euge, baß alle mdg^ 
Ii(^ ®rabe be< S)afeind erfültt feien unb ^Vi bie ©renge 
eined Üeben niebern ®rabed unmittelbar bie ®ren)e be< 
i^j^ern ®rabed fld^ anfc^Iieße o^ne einen 3i^if(^enraum 
ju lafFen «). 

äBir fonnen ni^ft um^in jn bemerfen, baß bod^ tin 
2^ei( ber Smanation^(e|fre j^ierburc^ auf ben S^onrni 
9on älquino äbergel^t, tt)ie badfelbe in äf^nlic^er SBeife 
aud[^ bei Sllbert bem ®roßen gefunben n)urbe; bie 9lot^<' 
n^enbtgfett ber ®rabunterf(^tebe nemltd^^ n>te fte. burd^ 
bie 9iatur ber 3)tnge ^t^vcmi tft^ STOan !ann ben ©runb»' 
faß jugeben, baß alle Serfd^ieben^eit ber ©efc^ö^jfe nur 

1) C. gent. 111, 97. Similitudo autem ad unum simplex 
considerata diversi6cari non potest, nisi secundum quod magis 
et minus similitudo est propinqua vel remota. Quanto autem 
aliquid propinquius ad divinam similitudinem accedit, perfectius 
est, unde in formis differentia e^^ non polest, nisi per boC| 
quod una perfectior existit, quam alia. 

2) Ib. 11, 68 p. 147 a. Hoc autem modo mirabilis rerum 
connesdo considerari potest. Semper enim invenitur infimum 
supremi generis contingere supremum inferioris generis. Ib. Ilf, 
97. Inveniet euim , si quis diligenter consideret, gradatim 
rerum diversitatem compleri. 



♦ ■ • 



288 



auf i^ter grffem ober geringem (Stttfemung wn ®ott 
Berul^en Unne, man iann t^ aU ein (ebeutenbed S3er^ 
btenft anerfennen, ia^ X^omai biefen ®ntnbfa0 mit wU 
Ut Sntfd^iebenfiett oudgefprod^en unb iai ganje ©etDtc^t 
fetner u^tffenf^aftltd^en Sebentung geUenb gemalt ^ait, 
aitt man tcixi baburci^ noc^ nic^t not|itt>enb{g jn aUen 
ben Folgerungen {ommen, welche er ani ipm jieffen voiU^ 
& tfl offne 3^rifel iebenfltd^ für ben, n^elc^er bai ganje 
®twtU unferer uotffenfci^afili^en Segrtfpe im Sluge ^at, 
ba§ ^ ade f))eciftf(l^e Unterfci^iebe nur auf ©rabunterfc^iebe 
gurütfgehaci^t »werben foKen; a(er ncify (ebenKid^er mu§ 
ed für ben et^ifdpen ©efialt ber £ir^en(e^re fein, baß 
2:^oma^ I6et ber ^udeinanberfegung btefer feiner Se^re 
auf bie ftufennoeife fortfc^reitenbe Sntwtdfung ber ©inge, 
nomentlid^ ber t)emfinftigen SBefen feine di&ä^x^t nimmt 
(Er fann fte bo$ unmöglid^ gang außer ^ugen laffen; 
bad ^teße bie 3n>ede ber SBiffenfc^aft aufgeben« Ohr 
gefielt ju , baß jebe« Ding feinen 3wed nur burt^ feine 
eigene Z^at mtii^t ^3 , unb baß jcbe SSotKommeni^eit ber 
®efci^ö})fe barauf berufne, baß fte ij^re eigenen X^ati^ftU 
tm l^aben unb in i^nen ifyxt fSiixtti^Mt gewinnen ^3 ; 
er eignet in bemfelben ©tnne ben »etnunftigen ©efd^o^fen 
Freiheit be^ SBißen^ ju, txo^ i^xtx 3Ibpangtgfeit von 
©Ott in i^xtm ganjen Sein unb Ceben , weil bie grei^eit 
be« SGSitten« nur barauf Berufe, baß bie wirfenben Ur^ 
faci^en, nici^t nur ju einem Slcte benimmt , »on äußerlich 
wirfenben Urfad^en ju i^rer 2:^ätigfeit nid^t gejwungen 



1) Ib. III, 1. 

2) Ib. 111, 69. 







* 



289 *'* 

merben , toomtt ti {t(^ )oeretnigen laffe, baß f{e ))ott f^rcr 
l^dfierti Urfai^e ' i^r SSermdgen iu toirf en empfangen If^ 
ben 0« <£c ^^^ ti ba^er onc^ ntd^t Uugnen , baf bfe 
®tabitnterf4f{ebe in ber äSeU nid^t allein auf ber ^i* 
t)fung, fonbern and^ auf ber (£ntn)i(f(ttng ber freien jDinge 
berufen« Sollte ti nun ni(^t folgeri^tig ge»efen fein }tt 
fagen, bag ade S)inge, »»eld^e in i^rer freien (Sntn)id^ 
Ittsg i^r n^irllid^ed @ein gett)innen^ erfl bnrd^ bie @ni^ 
miiRung ®ott in loerrd^iebenen (Sraben ftd^ n&ffem? 
@oate ed nid^t )>ielle{(^t fogar mjglic^ get^efen fein ^ier^ 
atsf oOe ©rabunterfi^iebe in ber Sßett i^rem n^a^ren 
Sßert^e nad^ turfidfjuffi^ren? Sine folc^e Sinna^me iDfirbe 
}tt ber fittlid^ Stic^tung feiner 8e^re, xoxt t» fc^eint, 
beffer gepaßt ffakn, atö bie Knnafime, metd^e er oor^ 
aie^t, baß bie größere ober geringere (Entfernung ber 
3)inge t)on ®ott tin SSerf ber 9latur fei. ©einer %n* 
ftcbt nadj) beruht bie Orbnung ber 3SeTt barauf^ ia^ t)er^ 
f(btebenen SIrten ber Singe aud^ )>erf(l^iebene 3^^dfe ge« 
fe^t ftnb , toeil bie £){nge in if^rer SutwidRung soerfc^ie- 
bene S^atigfeiten ffaben, toenn gleich ber le^te 3H>ed 
alten ©ingen gemein ifl^), j)iefer 3ufa$ iji feijir auf^ 
fallenb. Sr beutet an, baß bie ©rabunterfc^iebe bo4^ 
anlegt tt>of>l nic^t au^f^alten motten, baß jte nur t>orIäu* 

1) Ib. I, 68. Dominium autem, quod habet voluntas supra 

suos actus, excludit determinationem yirtutis ad unum et 

violeotiam causae exterius agentis, non autem excludit influen« 
tiam superioris causae, a qua est in esse et operari. 

2) Ib. III, 97. Quia vero per propriam actionem res quaeli- 
bet ad proprium finem pertingit, necesse est et proprios fines 
diversificari in rebus, quamvis sit ultimus finis omulbus com> 
munis. 

@cf4^. t). WU VIII. 19 



290 

ftg für bie 3»ttte Ux SBelt gelten* 3n biefer rein totlU 
liiftn Setrad^tung benft Z^omai ade !Dtnge Don iij^ren 
(eßimmten Sitten ixe (efiimmten ©raben bed @ein^ fefl^ 
gehalten unb i^xtn 2;|>attgfeiten foKen be^wegen na4^ ifyf 
rer Statut ober m(!^ ber £)rbnung ber Sielt (efHmmte 
©renjen gefeftt fein 0* 

SQ3it Derfennen ni^t, baß bie Se^te bed S^fioma^ bur^ 
biefe Slnnaj^me loerfc^iebener 3lrten ber £)tnge; noel^e auf 
®rabe bed @eind ober ber Z^tilna^mt an ber gottti^en 
93oafommenpeit j^inau^Iaufen foKen, n>te »oenig fte aud^ 
aU not|ftt)enb{g bargetpan i^, boci^ eine Haltung gewinnt/ 
n^eld^e fte in Ü^ereinfiimmung mit ber )oerftänbigen (Sr^ 
Kärung ber (Srfc^einungen (ringt. S^onta^ ^erfäitmt 
ni^t biefen SSort^eil ju benu^em S>ie äipnlid^feit ber 
£)inge mit @ött fd^Iteßt in ftci^ ifire ga^igfeit Uvfai^en 
jtt fein für änbere« , ttJeil ®ott Urfad&e ber Sffiett ifl, 
unb ffieraud folgt eine SSerfettung ber Urfad^en, toeld^e 
bnrd^ atteOrabe be«@ein«, b* p. burd^ alle SBelt gef^t^D* 
Sben ^ieraud toirb bie 9Iot^ioenbig!eit ber Bewegung in 
ber SQ3e(t ffergeleitet^ in toelc^er aUti na^ ber S^nli(^^ 
feit mit ©Ott fire^t^ unb bie 9ioti^menbig{eit t)erfd^iebe<^ 
ner @rabe be^ @eind forbert al^bann aud^ t^eild eine 



1) Ib. p. 304 a. Dicitur, omnia in mensura et numerö et 
pondere disposuisti) domine, ut per mensuram quantitatem sive 
modiim aut gradum perfectiouis unius cujusque rei intelligamusy 
per numerum vero diversitatem et pulcbritudinem specierum 
consequeiilem ex diversis perfectionis gradibus, per pondus vero 
inclinationcs diversas ad proprios iines et operationes et ad pro- 
pria agentia et palientia et accidentia, quae sequuntur distinctio- 
nem specieruni. 

2) Ib. III, 21 sq. 



kk.. 



291 

oOgemdnere, t^tiU eine m^t (efonbere SOBirffamleit 0« 
^ß Hegt l^iertn; baß niifyt aUtin 2)tnge ober ®u(fiangefi 
in. ber SBett ftnb; fonbem mify X^&tigltcittn itt^ühm, 
burd^ ml^t j[ene ftdS^ DewirHt^en , unb baß Hefe S^^fi« 
ttgfetten nt^t aUein tm Innern ber Zwinge fieffit bleiben, 
fonbem au<]^ auf anbete fibergepn , f o taß j^ieraud on^ 
bie Slccibenjen ber 2)inge ftc^ erßären laffen, mi^t ftU 
nem t)on ifinen eigentfffimli^ ftnb ; fonbem au6 ben ge^ 
genfeitigen SBerfi&nniffen ber jDinge flammen ^). (&i folgt 
i|^m l^ieraud ni^t minber ber für bie nat&xli(fyt ^ttta^^ 
tung ber S)inge entfc^eibenbe ®a$, baß jtoar ®ott bie 
Orbnung ber SSeft in feiner ©ekoaft j^at, bod^ fo baß 
fte feinem äßefen entfpric^t unb er> na^bem fte einibal 
fe^geftedt n^orben, ni^M gegen fte obtr oon i^r una^i* 
f^&ngtg tffun fann^ koeil er fonft feinem eigenen SBiKert 
unb bem oernfinfttgen ©runbe ber WUtlt, toelc^er in {^m 
m^t/ ioiberfprec^en koürbe, baß er baffer aud^. gegen bie 
ÜRittelurfad^en , mX^t )ur Orbnung ber SSeU ge^fren^ 
unb oi^ne i^re üRittoirfung ntd^tö betoirft^ roitwc^l er in 
aQen 2){ngen ifl unb unmittelbar aUed t)o(Ibringt« %w^ 
joon 2;f>oma6, wie toon feinem Seigrer, toirb bie 9Belt«= 
orbnung mit ber ftttlic^en Drbnung eined ^auöioefen^ 
oergtici^en, in toetci^er in)ar atfe^ t>on bem SBitten be^ 
J^au^fferrn au^gcf^t, ai&er bocf> burc^ feine Diener »er* 



13 ib. 22. Inquanlum vero movendo movent est (inis mo> 
ins eorum consequi divinam similitudinem in hoc, quod sint 
causae aliorum. — — Superiora autem divinae boDitatis simi- 
litudine participant simplicius et universalius , inferiora vero 
particularius et magis divisim. — — In istis inferioribus in- 
tenlio contrahitur ad bonum bujus speciei vel iliius. 

2) Ib. III, 97. 

19* 



292 



rieftet Vritb. Mt 3^mät m itt SSett sretfoi ii 
in ün, fo bof immer hai J^o^ere to^ ^üAttt 
Im mtt^, ttnb ha^tt ift tmt rate 9Bett tmb tritb otta 
dittr Otbimn% {n einem B^tät umfapt 0* 

9Semi baffer bie Slrabiff^eti 2>ogmaHfer gde^ fttr 
le«, bo^ oOed mtr Don bem etnfac^en SBtflen @otM «i^ 
fKbtflC o^ne irgenb ettten tDettent ®nrab, fo wtbcrfjpci^t 
bem 2|ifmtad ttnb tt)iberlegt ifire ^Wetnung, oM »öre oi 
febem Sugentitcfe mt nene @(|fopfung }um 2>afetii j^c^ 
wMiä^ 2)tnged niftfitg unb a(f fonnte in jebem fb« 
genMicfe bie ganje SSett auf^jren, u>enn fte nii^ wn 
9Uutm gefc^ffen tt^firbe« Sielmefir ftnb alle S>iiige fBr 
tl^reit 3^td gef(|^fen nnb muffen für btefen ^wä be« 
Pnbig fein unb be^änbtg mirfen, tt»obur(|f benn on^ Me 
9Reittttng biefer Z^ogmatifer n^egfädt, aU patttn bte Se» 
f4^ j)^fe Mnt eigene Sirf famf eit ^). 

2>nr(|i bie Slnnaffme a(er, bag bte Drbnnng tmb ber 
3itfammenffang ber SQSelt aud ber ßeKgcn Steige Don 
®raben {(iepe, bur^i mld^t t)on o(en f^erab bte tvettlt^ 
4fen :&{nge mit (Hott ^txiunUn fein foKen, ge^t bte Sej^re 
ber 9raHf(|fen ^fiiiofof^pen t)on ben iE)erf^iebenen, $o^ 
ttnb niebern ^immt\i^pp&xtn unb i^ren Semegem nnb 
nli^t minber bie l'e^re bed SDtonpftu^ 3(reopagtta )>on 
ben pi^txtt unb niebern Drbnungen ber @ngel, ber 
pltntnii^^tn unb ber irbifdi^en ^ierarc^ie auf im X^omai 



\) iSiirfima ibeoL I qu. 4T art. 3; c. gent 111, 22; 76; 83. 
fVfH omriiA prr «e ipsum dispoDit. — — Std quantum ad 
0%m:it\wnem f inferiora per superiora dispensat. Ib. 98. Prae- 
Iftr ordifiem illum deus facere non polest 

2) C. gent 111, 65; 69; 97 p. 304 a. 



295 

fitor« SBk tooKett mi nic^t bte tttibanf6ate äRfi^e geben 
btefe @tttfenTetter ber jDinge unt^ bie üu^gleic^nng ber 
fettigen flberlteferungeii; toeI(^e bamtt {ufammen^ongt 0/ 
iti intern ganjen Umfange au^eittanber^ufe^ett« 9tur et« 
tiige fünfte biefer Se^re^ xoH^t einen »tffenfd^aftKtlien 
a^axafttx m ft^ tragen , bArfen toix nic^t äberge^n« 
2)ied trifft natfirltd^ mti^mi bte niebem ®rab'e/ »>et( bie 
ffii^fttn nur an Überlieferungen ^fingen unb in p^anto^i^ 
fi^en aSilbern fu^ bewegen. 9&ir fangen ba^er an^ wn 
unten axu 

^ier jiel^t ber Segrtff ber erften 9]^aterie snerfl un^ 
fere aufmerffamfeit auf {t(^. @{e bejeidbnet iai , t^ai 
mx beut SBermagen nad^ ifl« 3pr flebt tai entgegen, 
t»ai nur ber SBirKtc^feit na<|^ %% unb bie« fontmt allein 
@ott iu. 2)ie fibrigen 2>inge fiebn in ber ^Witte jn^ifd^en 
beiben ober flnb t^eild bem iBerm^gen, t^eild ber %SixU 
Kd^feit nacb ^3* ^an foKte j^ierna^ emmrten, baß aUen 
gefd^affenen SSefen tin Slntfieii an ber SDfatene gugefd^rie^ 
ben tDerben tpfirbe; aber X^cmai umgebt mit ben 9lra^ 
bifd(^en ärtflotelifern bied Singefiänbmf ^ mel^r jiebod^ ben 
SBorten, al^ ber @ad^e na$. 3m mittxn @inn bed 
SBorted mod^te er ju^eflebn, baß aUe gefd^afene /Dinge, 



1) 3. 55. c. gent. III, 80. 

2) Ib. I, 43, 3. In rebus invenilur, quod est potenlia (an- 
tum , ut tnateria prima , aliquid , quod est actus (actu ?) tan- 
tum, ut deus, — — aliquid, quod est aclu et potentia, ut res 

ceterae. t>ie 9)^aterte n>irb ^a^n aucfi aU tod redpiens bem 
agens entgcgengcfc^t. Ib. III, 16, 6, wo aixtfy ter ©egriff ber 
inchoatio forniae Dotfommt^ tc(^ in etncm ettvad anbevn 8tttn/ 
a\ß bei ^(bert. Quodl. III qu. 13 art. 20 p. 274 b $etSt bie 
ä)?aterie in beinfelben @tnn an^ ba^ participans. 



294 

m^ \>it^tiU unt jebe dnteKtgen) ani SDJaterie unb 
Sorm ittfammengefe^t ftnb, tt>et( fte ein 93ennogen unb 
eine SSirflic^f eit ffaben ^); feine gef^afene ^ntedtgen) ifi 
einfaci^ wie ©Ott, foribern {ufammengefest auä t^rem 
@ein unb t^(em.3Ba«^3; er ftnbet e^ ba|fer nur not^tg, 
baß man t)erf(||iebene ^atmtn unterfd^eibe ^r bie t>er^ 
ganglid^en unb für bie unt)er8&ngIi(^en^or))er; für bie 
^dxptx unb für bie ©eißer ^3 , bamit biefe ^erfd^iebenen 
Drbnungen ber Dinge nid^t soermifd^t n>erben , inbem er 
um biefe Slbt^eilungen rec^t ftd^er 9on einanber absugren^^ 
jen ben ®runbfa$ aufßedt^ baß ti gmifc^en ben 2>ingen, 
n^elc^e feine gleite 3Ratene i^a^en, feinen Übergang gebe^). 
§lber hiermit begnügt fid^ 2;^omad aud^ no(^ nic^t; um 
bä^ fiebere ®m t)on bem niebern auf aKe Seife ju 
trennen, ftnbet er ed beffer, baß tvir bie ^^^ern Wirten 
ber 9Raterie nic^t me^r im eigentlictien €inn ^attvit 
nennen. S)er erfien Materie fommt nur ein Seiben, mt 
9tecepti)oität }u; wn ganj anberer Slrt ifl ba^ 93ermfgen 
ber inteUcctuetien jDinge, fo baß eö nur in uneigentlid^em 
@inne Materie genannt mxitn n^urbe« di toixh nem^ 
ti^ burd^ fein Setben jur SSirflic^feit beffen bejiimmt 



1) Quodl. ]. 1. Respondeo dicendum, quod sl raateria di- 
catur omne illud, quod est in potentia quocunqiie modo, et 
forma dicatur omnis actus, necesse est ponere, quod anima 
humana et quaelibet substantia creata sit composita ex materia 
et forma. G. gent. II, 53. 

2) G. gent. 11, 52. Nullura igitur ens causatum est suum 
esse. De ente et essent. 1, 5 m^ D. ^bcrfietn üb. t. ^i\(^aU 

fen^. ber Sog. u. 9)^ctap$« b« retu. ^eripat. @. 41. 

3) G. gent. II, 16, 8. 

4) Ib. IV, 84 p. 489 a. 



1^. 



20» 

toai zi in ftd^ aufnimmt ; ti i^ feine Sen)egung ^ ^urc^ 
meldte bet IBetfianb ben ©ebanfen in ftc^ ))oI][}iei^t; er 
erfennt loielmef^r rul^enb unb bie S8en)egung f^inbert nut 
fein ,Z)enfen; .bedwegen fann tai SBerm5gen, m\^ti 
mir ben gef^afenen dnteKtgen^en (eigutegen ^aitn, mit 
ber (emeglic^en ^attxit ni^t t)erglfd^en merben ^)« SSir 
feigen alfo an^ ^ier lieber ben Slriftotelif^en ©ebanfett 
ber Energie jum Seweife ge^rauc^t, baß bie geifiigen 
S^&tigfeiten feine 93ett)egungen {tnb/ wie fte im Staunt 
gefcfie^n unb alfo ani^ feine f^rperlicf^e ober bett)egli(|ie 
SKaterie )u i^rer ®runblage ))OTau4fe9en. di toixh ba^ 
mit natfirlicf» auc^ ber S(ri{}oteKf$e begriff ber @eele^ 
na(^ melc^em fte nur gorm ifi, in Bi^ammen^ang fieffen 
nnb wn biefer Seite wirb mo^I am meiften gu beforgen 
feitt; baß bie Sw^ibeutigfeit im Segriff ber SWaterie, 
weld^e unfheitig ffier ft(^ ftnbet, ttnj^^a^t ©lorungen 
|ier(eifa$fren merbe. £)ie ©emaltfamfeit la^t J\(^ ni^t 
loerfennen^ mit toiU^tx 2:^oma^ entf^eibet, ia^ nur bie 
bemegltd^e SRaterie S^aterie im maleren ©inne bed fBcxf 
ted l^eißen unb ia^ gwar atte gefc^afene ©ubpangen an^ 
iBermogen unb SBirFIi^f eit , a(er nur bie bemeglt^ien 
©ttbßangen aui SKaterie unb gorm befielen foOen^)« 



1) Ib. 1I| 50, 7. Materia non recipit aliquara formam de 
novo, nisi per motum vel mutationem. Iiitellectus . autem non 
movetur per hoc, quod recipit formas, sed magis quiescens per- 
ficilur et intelligit, impeditur autem in intciligendo per motum. 
Non igitur recipiuntur formae in intellectu, sicut in materia vel 
in re matcriali, uude patet, quod Substantive intelligentes im- 

materiales sunt. Ü^ ftttbct ^toax eilte Succeflion im ^fennen ber 
teinen ©eifier fiatt, aber fte ifi ojne ©ewegung. Ib. II, 101. 

. 2) Quod). ill qu. 13 an. 20 p. 275 a. Potenlia et actus 



296 

I 

SS3ic l^aben itn @trett um bte SBlattxk nun f^on 
bnx^ öielc ©ejlatten »erfolgt Sr jetgt leine fefir reget< 
mäßige ©eflaft, tnbem man i&alb in fieigenbem Tta^t i^t 
alle ä^ebeutung a(fpra(^, (alb wieber i^t größere Sebeu^ 

• 

tung beilegen ju mfiffen glaubte^ j[e na^bem bie tbeali^ 
^fd^e Slnftc^t ber S)tnge fibem)og ober Sefhebungen ber 
$|f9ftf baju ))enno^ten auf bie ®runb(age be^ natfirti^ 
id^en SBerben^ ©ewid^t ju legen* 9Ia(^bem bie cffrifi^ 
ti^t Se^re bie SRaterie nur aU eine ©(Impfung ®otte^ 
)u betrad^ten gelef^rt ^atte, toax i^x Slnfe^n erfl n)ieber 
gen^ac^fen^ al$ bie $Irabif(|>e ^fiitofo))ffte bie iRaturleipre 
begünfligte unb bie SOtaterie fär emig erftarte« @eitbem 
^atU fte at$ ^xincip ber 3nb{t)ibuation gegolten unb toax 
bent jufotge t)on ^\)erroe4 alö bie natfirli^e SInlage aQer 
S)inge gu ii^rer eigentf>umH(|>en gorm, ju if^rer aSerf(|>ie^ 
ben^feit gebacfit n)orben. (S^ tt)ar ein furger XxinrtDfp, 
wetd^en fie feierte* 83et ben c|>rifHi(!^en ^i^ilofo^^^en be« 
SWittelatterö galt pe balb wieber aW ein ®cfc|>6pf ®ot* 
teö; auc^ ben SBertff eine^ ^rincipö ber 3nbit)ibuation 
mußte jte tt)ieber aufgeben. 3war f>aben wir gefel^n, baf 
X^oma^ einen ©runb ber S5erf(!^ieben]peit in ben »erf^ie* 
benen 2lrten ber SWaterie finbet, in ber STOaterie, toeld^e 
nur in uneigentlic^em Sinne fo ^ti^t, bcjfer aber nur 
SSermßgen ber inteUectueflen Singe genannt wirb, unb 
in ber beweglicfien SWaterie ber Ä6r^erwelt, weld^c fi§ 
wtcber in bie SWaterie be6 untjergängtid&en ^hiimzU unb 
in bie 5Waterie ber t)erganglid^en irbifc^en Singe fpafc 

sunt prima principia in genere substantiae, materia autem et 
forma sunt prima principia in genere substantiae mobilis. De 
ente et essen t. 1, 5 tiac^ J>. Qhzt% a. a. O* 



297 

tet ^} ; aBer barum tfi bie ÜRatene boc^ ni^t ald {e^ter 
®nin& bet S3etf(^ieben|fe{t ber jDinge anjufe^n, benn 
©Ott ^at {!e gefd^affen; n)enn bafier in i^r eine ttrfa^e 
bet Serfc^ieben^eit liegen feilte, fo n)firbe biefeKe bc(^ 
auf eine koffere ttrfac^e jurädinffi^ren fein, unb bie SRa^ 
terie fann nur in einem untergeovbneten @inne atö ©trunb 
bet Snbibibuation betrautet tberben« jDie SBerfd^ieben^ 
^eit ber 2)inge Beruht t)ie( meffr in bet SSetfd^ieben^eit 
bet Sotmen aU bet SRatetie unb . biefe ifl ffit j[ene, 
a(et ni(||t untgefe^tt j[ene tvegen biefet ^). S4 tt^fitbe 
nun i^ierbei befleffen fönnen, baß bo^ in bet utfptfing^ 
lid[^n Einlage bet SDJatetie eine SSetfd^iebeni^eit angenom^ 
nten v^üxit , but$ mitist eine j[ebe ÜRatetie füt aOe ^ot^ 
men benimmt n)ate , wtXäjt mit i^x f^etau^gejogen tofit^ 
ben; unb ffietju ifl auc^ X^omai infcfetn geneigt, aU 
et bie okn bemerfte SBetfd^ieben^eit {Wifc^en bet f^immK^ 
f(ben unb itbifc^en, iwii^tn bet eigentlid^en unb uneigent^ 
ü^tn ajJatetie bamit in Üteteinjiimmung ftnbet; et ^tx^ 
witft beSwegen bie ?e|ire be« ?l\)iccnna »on bet 6inet# 
leifiett allet ÜJtatetie unb neigt jtd^ bet Reffte be« Slioet^ 
toe^ ju 53* Slbet bennoci^ fKmmt et bet SWeinung ni^t 
bei , baß äße gotmen in bet SWatetie »etbotgen waten, 



13 In sent. II dist. XII qu. 1 art. 1; c. gent. II, 16, 8. 

2) C. gent. I, 44, 4; II, 40; 49, 3; summa theol. I qu. 4T 
ari. 1. Sed hoc non potest stare propter duo« Primo qulde;ni, 
quia ^— — ipsa materia a deo creata est. Unde oportet et 
distinctionem , si qua est ex parte materiae» in altiorem cau- 
sam reducere. Secundo, quia materia est propter formam et 
non e converso ; distinctio autem rerum est per formas proprias. 

3) Summa theol. 1 qu. 47 art. 1 ; in sent. II dist. XII qu. 1 
art. 1. 



298 

tnbem er fte mit bem Stt^nm, ba^ bte formen bie uiu 
^cxinUxli^c , bem äBetben ntc^t untemorfene Sttbfiatt) 
ber 2>tnge tt^firen , in etn^ n>irfl ^y* (B^ mo^te t^fii bte 
SBeri&tnbung fd^reden^ in n)el(|e K\)enroe^ bte Sej^re wn 
bett t)er(ordetteit gortttett ttttt beut ®t:unbe ber dnbitDt« 
buattott geirad^t ^atte« Snbetit er btefeit in ettter l^ofiertt 
Urfaci^e ttacf^gewtefett ^attt, tno^te {ffitt au^ bte grage 
ttad^ ber utttergeorbttetett Urfad^e toettiger (ebeutenb er^ 
fc^etnett« Ü^rtgen^ tvtberlegt Z^oma^ au^ ttod^ anbere 
3lttft(^ten t)ott bem ©runbe ber SSerfc^tebenffett in ber 
SSeU, wie 3. S3« bte S^etnung bti Origeneö, baß fte 
^om SStUett itnb bem )oerf(^tebenett SBerbtettfle ber ®t^ 
f^apfe, unb bte Seffre ber Sitten, baß fte t)on ber 9lot|f^ 
n^enbtgfett ber ®egenfä^e unb (efonberd be^ SBSfen aud^ 
gei^e. 3ener fe^t er entgegen , baß barnacfi bte )Berf(^te^ 
benffett ber Wirten {eine iBerfi^iebenfieit ber 9Iatur/ baß 
ed bedtvegen einem SBefen m^glicfi fein tt^firbe nad^ ben 
559tpagortf($en gatein \)erfd^iebene Slrten anjunefimpn unb 
baß ber SBiUe beö ©efd^^pfe« f4ion feine 92atur \)oraud^ 
fe^e» 2)iefe 8ef>re greift er befonber^ baburd^ an, baß 
öom Segriffe be« Sofen bie Drbnung unb SSerfd^ieben^ 
l^eit ber 2)inge f4>on )Dorau^gefe^ tt^erbe, tt^eil iai Sö&^t 
nur in ber Seraubung ber Orbnung ober beffen , waö 
fein foß, fein SQSefen ffabc^). 

SQSenn man nun an^ bie ©rfinbe, burc^ weld^e X^o^ 
mai ju Befiau})ten fud^t, baß bie ©runblage ber »ernunf^ 
ttgen ©eele jwar SSermogen, aber ni^tSKaterte fei, nit^t 
fefir ßarf ftnben fann, fo wirb man bo(^ loben muffen; 



1) De virl. qu. 1 art. 11 p. 34 b. 

2) C. geot. 11, 65 7; 44, 3; 6. ^ergl. ib. 11, 41. 



299 

mit miifytx Sorgfalt er hit Smeife für bte dnmtatftiiM 
(ttat, b. y* für bte Htä6xptxti^Mt bed IBerftonbe« Mt^ 
ffi^rt* (£r fiellt iu biefem 3tt)ede bie Seifen be< Utpn^ 
It^en unb Ui geißigen X>a\tm9 )ttf<roimeii« Der Stitptt 
entj^&It atted, tva« er entfi&It/ ttttr burd^ 3ufatnmetiffi^ 

gttttg ber ®ro^e (cominensuratio quantitetis), fo 'ba^ 

Üeber ^tit nur ben ^til, nitmali iai ®an)e vm^^t, 
bagegen ber Serfianb erfennt nnb ttntfapt in feinem SC^eile, 
in einem einzelnen (Sebanfen fein CBanjed unb bie üitU 
gen SCf^eile« jDer ft^rper fann eine anberegform nu^ vfit 
Serluft ber erflen annehmen; baSBerPiMb aber fortfcbrei» 
tenb in feinem Srfennen verliert bad frS^er ®eba^ 
ni^it, inbem er eine anbere %oxm, einen anbem ®eban^ 
fen annimmt; er fann fogar entgegengefe^te Sinnen piß 
gleich erfennen. din j[eber Mtptt ^<ü nur eine inbit^f^ 
bueOe Sorm unb ift niemat« etn^o« ftSgemeine«, n^ 
weniger Unenblici^ed; ber Serftonb bagegen fann üSge^ 
meined unb Unenbli^ed erfennen« SSire ber Serflanb 
ffrperlici^, fo tpärbe er an^ nur ASrperli^ie« ju erfennen 
r)erm^gem 3^ei ^^rper fonnen einanber nid^t n)ec^fe& 
feitig in {t($ begreifen; too^l aber t)ermdgen iai Derfc^ie^ 
bene ^erfianbige äScfen, n^elc^e einanber gegenfeitig er^ 
!ennen. ^etn ^^rper \»ixtt auf fid^ fel^ft juriidt; ber 
Sßerßanb aber erfennt ftd^ unb feine ^eile; alle feine 
@ebanfen (efiimmen ffc^ felbft/ unb inbem fie txknnm, 
erfennen {te ; baß fte erfennen 0* @^ ^irb f^ierau^ aucb 
erf4^f offen; baß bie t)emunftige ®eel^ feine an ber Wla^^ 
terie j^aftcnbc gorm fein fonne, nJeit fte fonp jufammen*^ 



1) Ib. 11, 49; 50, 6. 



500 

gefegt ttnb Sbtx me^vm SCfytiU f!(^ evfiredenb tai din^ 
fa^e )u evfennen nid^t im @tanbe fein n)ürbe 0^ tpel^er 
SSttotii fveiß^ an feiner @tärfe babuv^ loevlievt, baß 
nac^ bem ^(viflotelif^en Segrife t)on ber @eele iai ^tt^ 
ttünfttge Sßefen bO(^ in einer gen)tfren SQBeife a(6 g^f^^^ 
tnengefe^t aud SermSgen unb 9Q3irf(i^feit gebac^t totx^ 
ben muß* 

SDIan n)trb biefen Unterfd^eibungen ^wifd^en Sorget 
unb ®etft i^re SBebentung nid^t abfpred^en tonnen; boc^ 
enthalten {te nic^t bie (e^te ^fcffeibung« Sie fe^en nur 
bie Serfd^iebenf^eft ber Srfc^einungen audeinanber ; Z^o^ 
mäi aitx begnügt ftcff hiermit ni^t, fonbern tpiff ^ith 
mt^x bie 9{ot^n)enb{g{e{t ber tnteQectueKen ®ef^(!|}fe in 
t^rem Unterf^tebe )oon ben materiellen £)ingen nad^t^ei^ 
fem di j^fingt bied mit ber Stufenleiter ber ©efc^fpfe 
iufammen, n)te biefel^e wn unten herauf abgeleitet n)irb. 
3u unterfl flehen bie för))erlid^en S)inge; mii^t nur barin 
eine S^nli^feit mit ©Ott $a(en , baß fte auf anbered 
loirfen« 2>tnn aud^ bie ^Rattxit ifl gut, n^eil fte na^ 
SBirKtd^f eit jlrebt^)* äud^ unter biefen för^)erlid()en 2)in^ 
gen {tnb aber )oerfd^iebene ©rabe, it nad^bem {te n)eniger 
ober mejr gorm ^aben ^D* Um fo großer a6er ip bie 
ä[j)nlid{)feit ber ©efd^opfe* mit ®ott, j[e inniger i^reSBeife 
ju n>trfen iß ^3/ mei( ®ott in allen £)i)igen innerltd^ 
tDirft« S>e^n)egen ergeben ß4f f($on bte ^Pßaiiien aber 



1) ib. U, 50, 3; 51. 

2) C. gent. III, 20. 

3) Ib. III, 22 p. 217 b; 69 p. 268 b. 

4) Ib. IV, 11 in. Quanto aliqua natura est altior , tanto id, 
quod ex ea emanat, magis est inlimum. 




301 

bte (eblofe ^lainx, mil fte {fc^ innerltc^ Mlben; bodd iß 
i^re X^ati^Uit, auf Srnä^rung ttnb ^rjeugung gerietet/ 
no(^ äupevlic^en SrgeußntfTen jugewenbet; loel^ie fl^l tm« 
mer tne^t unb )ule^t ganj, tnbem fte bie gru^t ^ert)ot^ 
(ringen, t)om Sr^eugenben aifonbetn. Sinen ^p^em 
@rab beö 2>afeind f^at f(!^on bie ftnnli^e Kraft ber Spiere, 
tütil fte gan) im 3nnern (ilbet unb i^xt Svgeiniffe ber 
Siniitbung^fraft unb bem ©ebäd^tniffe im 3nnem ber 
schiere {ufä^^rt ; boc^ nimmt fte )oon aupen i^re Anregung, 
benn (ein &mx reflectirt auf {t(i^ \tlb^, unb Slnfang unb 
Snbe biefer SBirffamfeit fallen alfo ni^t }ufammen« %ui 
biefem ©runbe n>irb nod^ tin anberer unb ber ^(f($fle 
®rab ber ®ef(|)o^)fe geforbert, ber ®rab ber JDernünfti* 
gen ®ef(^o!|)fe; roü^t in if^rem refleri))en Srfennen i^re 
SOSirffamfeit gang im Snnern ^aben ^}* 2)ie 9lot{>tt)enbig^ 
feit foI(i^er ©ef^fpfe fe(;t S^oma^ »eitläuftig audeinan« 
ber. @r begnügt fid^ nid^t bamit barauf {t^ gu berufen, 
baß bie ^od^fie äf^nlic^fett ber ®ef(i&c))fe mit ®ott, einem 
bur^ SSerflanb unb SBitten tt)irfenben SBefen, aud^ nur 
in ®ef(i^o^fen, »etd^e Hx^ SSerflanb unb SBiUen wir^ 
fen, erreid^t tt)erben {onne, fonbern ffigt nod^ anbete 
®runbe Bei, ^on ttJeld^en nur bie »ici^tigjlen erttjäfmt 
werben fotten. @r unterfci^eibet tint bo})peUe Sottfom:^ 
menf^eit, bie erjie SSolHommen^eit, beö ©eind ober ber 
?Ratur, unb bie iYoüU aSoKfommenf>eit, tt)elc^e in ter 
SBirffamfeit ober X^äti^Uit be^ Singe« bejtelit; Slu(]^ 
biefe jweite burfte ben ®ef(^o|)fen nid^t fefilcm ©ic 
fonnte aber nur burc^ bie in (t^ juvutffe^renbe SJiÄttgfeit 

1) L. 1. 



302 

ber Srfenntniß erreicfit n)evbem SSenn nun aUx bte 
jwctte SSottfommen^cU ber erjlcn in bcr golge nad^jlej^t, 
fo bo(|i fetne6n)ege^ tm Ülange; )oteIme$r erfl bie SBtrf^ 
famfett be6 natuvltd^n jDinged fü^rt feine S^oKenbung 
itxiti 0» 9Q3te tbid^Hg nun au(^ biefer ©runb fein vxi^t, 
f legt 2:$oma« bo^ ein M(fy gto^txti ©etbi^t auf tu 
titn anbent« dx beruft {td^ barauf, ba^ }ur SBoQfom^ 
men^eit ber SBirfung ed ge|f^re, baß {le in x^x ^xincip 
inxüäft^u, um f((|) in einem Greife ju boUenben; ba^ 
?>tinci^) ater fei ber SSerjianb ®otte«, au« welkem at^ 
Ui ^erbotgegangeo/ unb baper fei mü^ ber ^d^fte ®rab 
bev Sßirffamfeit nur in ben t>erßanbigen SBefen }u ftnben, 
n)eld^e burd^ i^ren Serfianb in ben SSerßanb ®otte« i,VL^ 
rütfge^en^), SGBa« nun l^ier geforbert tt)irb, ifl nid^td 
anbete« aU bie allgemeine ^orberung ber SBiffenfd^aft/ 
baß e« mogli^ fei ba« $rina> ber Dinge ju erfennen 
ober, wie e« für bie gefd^affeneh 2)inge ft^ barpefft, gu* 
rürfjugei^n im ©ebanfen ju bem ^rincij)e, bon weld^em 



1) Ib. II, 46, 2; 5; in ep. ad Gal. 5 lect. 6 p. 64 a. Est 
autem duplex pek*fectio« Prima scüicet, quae est ipsum issse 
rci, secunda vero est ejus operatio et baec est major, quam 
prima, lllud igitur dicitur simpliciler perfectum, quod pertin- 
gU ad perfectam sui operationem. 

2) C. gent. II, 46, 1. Tunc enim effectus maxime perfectus 
est, quando in suum redit principium, unde et circulus inter 
omnes figuras et motus circularis inter omnes motus est maxime 
perfectus, quia in eis ad princlpia reditur. Ad boc igitur, quod 
Universum creaturarum ultimam perfectionem eonsequatur, opor- 
tet creaturas ad suum redire principium. Cum igitur 

intellectus dei creaturarum productionis principium sit, 

necesse fuit ad creaturarum perfectionem , ut aliquae creaturae 
essenl intelligentes. 



k 



50$ 

ber ©ebanfe ausging« 66 laßt f!(|f m^i annt^mm, ba§ 
X^oma« 9on Slqutno in btefem ©tnne auf biefen ^nft 
ba^ ffci^tt ©erntet legte« Sr (ringt i^n ba^er aud^ tn 
itnmtttelbave Seri^inbung mit ber Sinna^me einer immate^ 
reellen @eele* £)ie SBa^rpeit/ n)el(|)e fte ernennen foO^ 
befielt tn ber Slu^gleid^ung bed SSerflanbe^ mit bem ®e^ 
genflanbe ^3« 2>er 93erfianb ju feiner SBirfli^feit gelangt 
muß badfelbe fein, U)a6 ba6 SSerfianbene in Sürftid^feit 
ifl 2)* 8Q3a6 aber in ber 5Waterie xft ober nur bem S5er< 
mjgen m^ befielt/ fann nic^t ^oUUmxatn erfannt n>er# 
ben, tpeil e6 nietet ^oQfommen ifl; be^wegen muß bad 
t)Ol[fbmmen 93erf}anblid^e )oon 3)?aterie frei fein, unb n)enn 
ber Serflanb i^m gleid^en fett , an(S) ba6 loerflänbtge Sße^ 
fen feine SWaterie $aben ^3^ 

' SBir bemerfeU; baß biefer @^Iuß in ber X^at mc^t 
allein bie bemeglic^e SDIaterie; fonbern an^ ade SRaterie, 
liebet SSermogen ))on bem SDoKenbeten SSerßanb^ audf(i^Iießt« 
@r gilt ba^er auc^ ni^t t)om SSerßanbe, tt)el^er nocf^ 
auf bem SOSege i% unb wir werben un6 ba^er aud& ni(^t 
barfiber wunbern, baß X^omai mit ber ©tufe beö menfcj* 
Kij^en aSerflanbe^ noc^ ntc^t bie oberfle ©taffet beö 25a^ 
fein^ erreicht ju l^aben glaubt« S)er SDtenfd^ gilt i^m 
»ielme^r nur aU 3we(f ber Singe, weld^e im ©ntfle^en 
unb ©ergeben jtnb; bie toeränbertic^e 5Waterie, weltfye 



4) Ib. I, 59, 1. Adaequatio intellectus et rei. 

2) Ib. II, 55, 10. Intellectus in actu et intelligibile in actu 
sunt idera. Quodl. 111 qu. 13 art. 20 p. 274 b. Manirestum 
est enim , quod intellectus in actu est intellectum in actu. 

3) Quodi. 1. 1. Est enim aliquid perfecte cognoscibile , in- 
quantum est actu , uon autem inquantum est. potentia. 



304 

attc gormen jur aSirttt^fcit ju hxin^tn jireW ^3 / »eTlangt 
'm(fy tiefer gorm ald m(fy itx legten, n)e(d^e {te erreichen 
tarn ^3« @ofecn nun ber $tmme( mit feinen Semegun^ 
gen an^ in äu^ecer SQiirffamfeit ftd^ emeifen fod, tok 
ade ®ef(!^ jpfe , unb feine äußere äBirffamf eit bie Sßetäm 
berung unter bem ÜRpnbe i^er))or6r{ngt , |iat auc^ fte ben 
aWenf^en $u i^rem 3»^^ 53* Slber eben beöwegen mx^ 
ben nun aud^ ^jf^ere SQ3efen aU ber SD^enfc^ 2^^ dxf&U 
lung aller ®rabe loerkngt/ n)e{I ber {)imme{ ni^t al^ 
lein eine aupere^ fonbernaud^ eine innere SQiirffamfeit 
^aben foK. X^omai f(|i(ießt ftc^ l^ierin beut Slrifloteli^ 
f(|en 9Q3e{tf9flem an, nur baß er einige 3J{einungen, toelc^e 
xait i^m in 3ufantmenffang fielen/ ju befc^ränfen fär np^ 
t^ig ^a\U ^o^tx^ Sefen , ml^t thm be^megen au^ 
^ntettigenjen finb, ftnb ber ^öjiern S33eW, wel^e fein 
(Sntßef^en unb SSerge^eu/ fonbern nur S3en)egung |iiat/ 
ebenfo notfiwenbig, wie t>er niebern SQSett» Siber ed muß 
aucb reine ^ntettigenjen geben, weld^e mit feinem Äprper 
»erbunben jtnb; benn bie SSerbinbung ber ©eele mit bem 
^ox^tx ifl nur eine UnJootHommenJieit, ml^t im SBefen 
ber 3nteUigenj nici^t liegt ^3* Salier tt)irb ber Sen)eid 
tti Slrtflotele^ jurudgciüiefen , welchem er jebod^ felbji 
nur SQafirf^einli^feit beilege/ baß e^ feine anbere reti^e 
©ubjianjen gebe außer ben ©ewegern ber ©ejürne, unb 



1) C. gent. 111, 22 p. 21T a. ©0 QÜi bteö ober nur bieder* 
t>orbrindund o0ec ^rten, in ml(i)n bie ^odfornmen^ett ber$Se(t 
UMt* Ib. 11, 84, 3. 

2) Ib. 111, 22 1. 1. Homo enim est fiois totius gcuerationis. 

3) Ib. p. 218 a. 

4) Ib. 11, 91, 3; 92. 




305 

d wttUn (Engel geforbett, totU^t in Ubux not^tpenbtgen 
StttintvmQ mit Ritptxn fle^n, attt )ttr Stegimtng bet 
SBett nol^wenbig {tnb / weil ®ott äOed nur in ber Drbi' 
nimg ber 2>ittge bnvd^ feine SRittelnvfa^en sooQbringt 
m« ^fpere ^äfte bef^etfd^en fte baS SnCgemeinere unb 
ffnb be^wegen nic^t burc^ bie UtpvAi^t SRoterie contvcu 
^irt ^)« jDaß ^ierburd^ bie unmitteOare Siegierung ©ot^ 
teö üitx bie niebetn ®e({ete beir Sßeft nid^t au6gef(|i(of^ 
fen iperbe / bafür iji fc^on butc^ ft&^tx angeführte ©fi^e 
gefotgt morbem Slier au(i^ ben Sinflnß ber ®t^ixtit nnb 
bc( reinen ©eifler auf bie ÜRenf^en foKen loir und nic^t 
gu uoett auögebe^nt benfen» Sßnnber fpnnen {te niil^t 
loirlen; ba« $at ft^ ®ott )oor(e^atten. @ie tt^irten inu 
mer nur na^ ber Statur ber Ar&fte, xoü^t ben S>ingen 
itttVQ^nen^ SSeber ben 93er{lanb no^ ben SBiQen ber 
SRenf($en fpnnen fte beperfd^en^ totü fte nur S3en>egun# 
gen i^ertoor^ringen (5nnen, btefe geifltgen 2:ff&ttgfeiten a(er 
feine Semegungen {tnb / unb mil nur ®ott ben £)ingen 
tnnertid^ ift unb ba^er aud^ nur er innetlt4f (eßimmen 
fann» £)te/ mi^t U^cniptttt, ba^ bie ©eßime ben 
SBtOen unb ben 93erflanb ber 3)?enfd^en (eperfc^en fonn^ 
ten^ 5oertt)cd^feIn ben aSerjianb mit bem ©intt,<>ber ^aU 
ttn Uitt für baöfelte^ 9lur einen mittelbaren Sinflug 
übm bie ©eflirne auf ben SSerftanb unb ben SOBiKen au^, 
bnx^ ben ©tnn, bie Sinbitbungöfraft , ba« ©ebä^tniß, 
ba^ Temperament, unb \)on folgen ©inpffen laffen frei* 
lic^ m\c a\x6) in i^rer SBa^( ft^ leiten, bod^ n)eip ber 



1) Ib. II, 92 p. 188 b sq.; III, 77 sqq.; 80 in. 

@ef*. b. 9JU. VIII. 20 



506 

9Q3eife ipnen gtt tt)t&ei:fte|fn ^3«^ SQBtv fe^en, ba^ ^tefe6 
©ebiet bei: ©ebcmfen/ in n)eld^ed Sj^omad m^ tx^ibtn 
mi^tc, jDunfel^dten genug enthält um baran p^anta^ 
fc^e aSovßeaungen att}u{nu)>f en , top» meldten au(^ X^o^ 
mad {t(f^ nic^t frei )ra(t/ tnbem er.ioon ben äSivfungen 
bei: 3ctu(erci «)iel gtt txi&^Un wci^ unb ju {eigen fucf^t/ 
baß {ie nid^t aKein buv^ {öv)3er(id^e 9RitteI, fonbern au$ 
bun]^ Wfe ©eifier toDtra^t.ttJerbe^), 

S)ie SBeife, n^ie S^^omad t)on Slquino bie Se^re wn 
ben l^^^ern Orbnungen ber äBelt auefu^rt, fann mi nur 
ali ein 93ett)ei6 bat)on gelten, wie fef^r er (emüfit i^ ou^ 
im Sinjelnen feinen ©ebanfen burd^jufü^ren , baß alle« 
in ber SBelt an eine unverirüd^Ii^e Drbnung ^(^erer 
unb nieberer ^äfte geBunben i% SSBad aber einer ^tx^ 
{laubigen 3lnn)enbung biefe« ©ebanfend angehört, fifltt 
feinen Unterfu^ungen äier ben SOtenf^en gm SQSer ben 
etffif^en @|iarafter ber Seigre iebenft/ ber U)irb f^ier bie 
Sntfd^eibung fu^en^ 

fBtx ber Se^re ^om 3)Ienfd^en regt {tcf^ U)ieber ber atte 
©ebauFe, ben fd^on iftemeftud vorgetragen, ben bie SRy^ 
flifer be« 12» 3a^r^» tt>ieber mit großem Slad^brudE in 
SBewegung gebrad^t l^atten, baß ber SlKenfd^ in ber ^ittt 
fte^e )n)ifd^en (eiben Sßelten, ber loergänglid^en unb ber 
unoergängfid^en, baß er be^n^egen au^ am kßen bad 
Si(b ber ganzen SBelt barftetle. SBir ^aim fd^on beim 
9lemejtuö gefe|>en, toie biefe Seigre mit ber ©e^auj)tung 
tint€ petigen Sufammen^angö in ber fSiti^t ber ©rab^^ 

1) Ib. 111, 84, 2; 9 p. 285 b; 85, 1; 12; 13 p. 288 a sq.; 
86, 1 ; 2 ; 102 sq. 

2) Ib. 111, 104 sqq. 



507 

mltx)^kU in 93er(inbung ftel^t ^ify 9Slfomai ma(|ft 
i^n jnm WtMpmtt^ aUct feiner Sej^ren, in misl^tn et 
bte pde bed menf(^(tc^en Sebend uttf borsufieaen {hebt 
SStr fa^en; toit er im üRenfc^en ben B^xd aKeä (fntße^ 
l^en« unb iBerge^eniS gu erfennen glaubte^ (Er felbß ge^ 
l^ort no(|f tiefer entßel^^enben ttnb t)erge^etiben Sßelt an; 
aber er fann aU ©renje biefer SQeft betrachtet n)erbeii, 
»eil er ba§ ^i4ifte berfelben tfl. (Sr ift bte fleinere SSelt, 
ber SDHfrof o^mud ; toeil er allej in {t$ umfaßt; n)a6 bte 
SSeU enthält / inbem er itic^t aKein alle Elemente in fei* 
nem Adr))er gemifcf^t {lat; fonbern auc^ bnrd^ feine toer» 
nänftige €eele ben StiteHigengen im n&d^{len @rabe {t(|f 
onf^Iiept ^). ©eine loemunfKge @eele aber mac^t ben 
SRenfcfien jum Wltn\(!^tn unb ift fein p^ered unb n^al^red 
Sefen. @o wit bie @eele üitt^anft bie SSirflic^feit 
unb gönn bei itibti if}, U)ie ba6 iRiebere in bie f^&f 
^ere ^aft übergebt , inbem e^ no$ in tl^r enthalten 
bleibt / unb ber !0}enfc^ ba^er nid^t brei @eelen l^at, eine 
IJflanjcns^, eine S^^ier*^, unb eine STOenf^enfeele, fonbern 
bie beiben niebem Strien ber ©eele für ben SWenf^en 
nur bie ©runblage unb ba6 iBermogen ftnb^ ani totX* 
$em er jur SBirflici^feit feinet SBefend gelangt/ fo finb 
m^ fior})er unb ©eete beö aWenf^en nid^t jtt)ei ©üb«* 
f^anjen, fonbern bicfe S^^i^ jene^, welche aber fetncö^ 
tocgeö in ber 9J?aterte »oKig untergegangen i^, fonbern 
ftu(i^ aU ba^ ^ö^ere über bie niebere SKaterie jt^ ergebt 2)* 



1") Summa thcol. I qu. 91 arl. 1; c. genl. H, 91, 3. 
2) Summa thcol. I sec. qu. 31 art. 7; c. gent. II, 57, 3; 
58; 69. 

20* 



308 

2>enn ik 01^ Hperfd^t aU bie gorm bte ganje Wla* 
Utk Ui Sl^txt mb ifl ali fol^e allen 2:^ei{en beö 
Aor))er6 gegento&ffe; unt^eilkr unb eben beän>egeti 
ni^t for))erIi((; ein jeber X^tii aber be6 lebenbtgen itU 
iti ^at nnr burc^ feine SSetbinbung mit ber iauitn 
Somt ober ber @eele feine S3ebeutung ati organifc^ed 
©lieb *)♦ 

^an tDtrb too^l in biefen @ä^en fd^on erfennen, baß 
Zpomad wn 9lquino in ber SSermittlung; xoü^t er burc^ 
bie loernfinftige @eele )n)ifi$en ber {tnnli(!^en unb äber^ 
{tnnlic^en S93ett gu gewinnen fud^t, wn ^^orberungen au^^ 
ge^t; bie im SSefen feiner Se^re liegen, aber mit feinen 
$Inft(|ten SDon ber for))erIi$en yiatux Umiwt^ti in tu 
nem fhrengen 3ufammen^ange {ledern 2)a)oon ftnben {td^ 
ga^Ireid^e @))uten^ 2>ie SSerbinbung; n^eld^e fiattftnben 
fod in)if4ien Setb unb @eele, U)irb nad^ bem Slriftotele« 
abgeleitet ani bem 93erlangen ber 3)?aterie nad^ ber %oxm, 
burd^ tt)eld^e biefe jene berüj^rt o^nc \)on i^x itx&^xt ju 
n^erben^ @^ iß bied eine 93eru^rung ni^t ber Duanti^ 
tat, fonbern ber ^raft na(^^}. Sßenne^ nun aber l^ier^ 
na^ fd^einen fonnte, aU mußte bie €eele au^ einer ^ox^ 
fianbcnen SRaterte {id^ erzeugen; fo ßimmt bem X^omai 



1) Ib. If| 72. Quod autcm anima est forma subslantialis 
totius et partium patet perboc, quod ab ea sortitur speciem 
et totum et partes i unde ea abscedente neque totum neque 
partes remanenl ejusdem speciei , nam oculus mortui et caro 
ejus non dicuntur , nisi aequivoce. 2(uf tiefen Berühmten Ultb 

nu4 in ber fpätern ^Jilofopjie no^Jaltig töirfenben (Bai te« 
^riüotete« be^te^^t ftc^ au(( ib. 57, 3. 

2) Ib. II, 56* Hie autem tactus non est quantitatis, sed 
virtutis. 



309 

bO(^ werben; benn bie SBoSjl&nbigfeit biefer ntebern 993ett 
6e)te^t ft(^ nur auf bte un))erg5ngttd^en Srten, aitx ni^t 
auf bie 3nbit>ibuen; unb ba fte nun toebet (M bem un^ 
toerfinberlid^en SBefen ®otM genommen, nt^ wn einem 
anbern $o(^ern SQefen ittnerlid^ gebilbet merbot lann, fo 
Mei^t ni^t^ dnbered ä6rig, al^ baß ©Ott {te bei ipret 
ßntfle^ung f^^afft ^3« <Sd gef^ie^t bie6 in bem Siugen^ 
blitfe, n)o bie Sntioidlung iti belebten Xitptti ^ierju 
Mti )oorbereitet ^at 2>iefe Sepre ber fat^olif^ien ftir^e 
fu^t X^oma^ bur^ bie ^rifiotelifd^e !0{einung ju »er^ 
{l&rfen, baß bie t^erniinftige Seele von außen un9 an^ 
{omme, toie man^e ©runbe au6 feinem eigenen fßox^tU 
(ungdfreife {tcf^ aud^ entgegenjufe^en fc^einem Sie (Snti> 
fle^äng unb ba« SSBefen ber vernünftigen Seele erbliät 
er eben in einem anbern ü^tt, aU bie (Snttoidlung ber 
ftnnlic^en ^eben^tj^ätigfeitem Mti anbere n^irb in ber 
3BeU nur aKmalig unb burc^ tDermitteInbe Urfad^en von 
®ott ^eroorgebra(]^t/ aber nid^t fobie )oernänftige @eele '}♦ 
SSSenn nun aber au^ bie menf(!^(i(l^ @eele in foI4)er 

1) Ib. II, 86. 

2) Ib. II, 84, 3 ; 85. 

3) Ib. II, 89 p. 184 b. Corpus igitur bomiois lorinatur 
slmul ei virtute dei, quasi principah's »gentis, et etiam yirtute 
seminis, quasi agentis secundi, sed actio dei producit animam 
bumanain, quam virtus seminis producere noo potesl, sed dis> 
ponit ad eam. Ib. p. 185 a. Virtute enim dei utrumque fit, 
et corpus et anima, licet formatio corporis sit ab eo mediante 
viriute seminis naturalis, animam autem immediate producat 

^ie^ Sta^M ifl überhaupt merftt^ürbig toegen bn Oef^r&nfungen/ 
tt)el((e Z^oma^ feinen ^aupifa^en gieU. 



310 

Sßeife tlnm Ünfoiig tn (er ä^t f^aben fod, fo faim bo^ 
^mai ntc^t nafstim , ta^ {!e ebenfo in ber Seit ^er- 
ge^e. @ie fft t^me^r unioerganglid^ / n^te ein jiebed 
9emänßige Sßefen, and t)ieien ©rfinben, befonberd n^eil 
aQed SBerge^n auf 5£rennung ber ^orm unb ber SDIatetie 
beruht / bte tnteQectttede ©ubßanj abev feine 3J?aterie $at, 
tpeil fie im SBerfie^en eind iß mit bem 93erftänbli^en 
unb iai SBerflänblidS^e ewig i^, mil ipr 93er(angen auf 
iai 6n)ige gerici^tet ifl unb nid^t ^ergeblit^ fein fann ^}. 
€b^n beömegen ift ani^ bad Srfennen ber vernünftigen 
@ee(e fo u)ie fiber ber Sen^egung, fo ani^ fiber ber 
3cit2). aud^ ^ter greift ber Strijiotelif^e Segriff ber 
Energie ein, in einer SOBeife, t^ti^t gegen biefe SSerfu^e 
bie t)ergangli(|e SBelt mit bem Swtgen in SBerbinbung 
jtt fe|en patte bebenflid^ machen foKem 

@ben ^ier tfl ber $unft; too aUc gaben bed Bp^tm^ 
gufammengefül^rt werben, too feine SWatur (tc^ ent^üUt 
unb nun nid^t länger {l^ t)erbergen läpt, baß ed an^ 
gwei entgegengefegten Sefhebungen ftd^ bilbet, beren S3er^ 
einigung nur in lodern SInbeutungen gelingen toiU. Sßie 
bie t)ernünft{ge ©eete beö SWenfc^cn in bie SBelt eintritt, 
wie jie tait bem Äörper, bem jle i^rem SQSefen nacl^ otx^ 
bunben fein foK, gu einer Subflanj ftc!^ soereinigt unb 
bann bo^ wieber wenigflen6 auf einige Seit von i^m 
jT^ loöfagt^), bad ftnb Sftat^fel, über toil^t X^oma^ 



1) Ib. II, 55, 1; iü; 12. 

2) Ib. II, 55, 11. 

3) 2)ied ttiit am flärf^en bet ben Sewetfen für bie Stuferfle« 

$ung be^ 2^\Jbi^ (erbot. Ib. IV, 79, 1 p. 479 b. Anima cor- 
pori naturaliter unitur, est enim secuodura suain essenüam cor- 



V;. f- 



311 

wn Sfquttto bte ä6evUeferttttgen itx SBcxi^ii xoititt^oU, 
o^ne i^rer Sffung auc^ nut um tinvx &^xHt na^tx pi 
ttttttu |)ätte er btefe Siot^fel etma aüeugnen foden? 
@ie krängten ft^ i^m »ie fetner 3eit mit unmtberfte^# 
Itd^er (Sttoait auf. 3n ^xoti 9tt^tungeit fu(^te biefe 3eit 
ffd^ aufjuflären ; bte etne ^nit am SIrtftoteIed unb ^tx^ 
tritt bie ganje ^^xt, bie ganje Crbnung ber 993ett; xff^ 
reu 3ufammenf^ang )u begreifen ober tt^enigßend im 
@runbfa9e ^t^u^alttn, bad ifl unfere'Slufgabe; bie attß 
bere ßü^t ftcf» auf bie c^^rifili^en SBer^ei^ungen; fte hx^ 
langt einen ^totd aUci SSerbend, ä(er welken ^inauj 
ni^^t^ mittt ju fu(^en iß, n)o aded 93er(angen aufffört/ 
tin @tt)iged, ber ru^elofen 3^tt QntxMtti^^. @ottte 
biefer 3^e(f aufgegeben werben, um tt)eld^en unb burd^ 
tDel^en aKetn aOe Orbnung in ber SSelt iß? SBir müf^ 
fett ed loielme^r bem 2:^oma^ ivlx (S^re anrecfinen, ba$ 
et bie einzig mf gliche Sf fung aller ätatjffel ni(^t aufgießt, 
t>a§ er n^eber burcf^ bie 93ef4iränfungen ber ^atnx, no(| 
burc^ bie ©c^reden be^ SBöfen^) fid^ abplatten lagt, aU 
le^ auf biefeö 3iel iu bejiel^n unb bie @rrei4iung be^^ 

porls forma. Est igitur contra naturam animae absqiie cor- 
pore esse. Nihil autem, quod est contra naturam, potest esse 
perpetuum. Non igitur perpetuo erit anima abiquo corpore. 

1) Ib. III, 7f 1* Oportet igitur, ut omoe ageos in agendo 
intendat finem. 2. In omnibus agentibus propter finem boQ 
esse ultimum finem dicimus, ultra quod agens non quaerit 
aliud. — — Sed in actione cujuslibet agentis est venire ad 
aliquid, ultra quod agens non quaerit ultra aliquid, alias enim 
actioncs in inflnitum tenderent. 8. Non est igitur possibile, ut 
actiones in inflnitum procedant, oportet igitur esse aliquid, quo 
faabito conatus agentis quiescat. 
^ 2) Ib. UI, 10. 



^N^ 



3t2 

feigen für mjglic^ jn galten« 3iber freute^ wiü ti t^m 
ttt^t gelingen (eite Stiftungen « (eibe äBapr^eiten, bie 
ffia^r^eit id 9tatfitrlt^en/ 3eitti(^en ttnb 93ergänglt(|feti 
lutb bie ^Sa^tfyttt bei Smtgen mit einanber in einen ^6^ 
^tcn 3ufammenf^ang )u iBringeni unb et mtt unfhreitig 
beffet get^an ftc^ bied einsugeße^n , ali burc^ bie Steige 
feiner fd^einiaren SBen^eife iai St&tpfel )u Hxitätn. S)en« 
nod^ )eugen eben biefe Sen^eife )oon feinem Sefhreben 
ivenigfhn« einzelne ^tintte aufjubeden, too iai @n)ige 
(ittd^ in ber 3^it ^^ tntfyMt , unb wenn xoix au(b etnge^ 
fie^n muffen, ba^ er ni^t errei^t ^at, toai bi^^er fei^ 
nem $^iIofo)>$en gelungen tft| bie ^aft feiner ©rfinbe 
genau }u ermeffen, fo »werben n>ir feine Slrbeit nod^ im* 
mer ^o^er an^ufd^fogen ^aUn, aU bie Sßergagt^eit berer, 
noeli^e bie S6fung bed Stäti^feM aufgeben, um mit ber 
atigemeinen ttnn)iffett^eit ficf^ ju troflen« 

9lur f(i^)t?ieriger wirb feine Slrbeit baburcf^, ba§ er 
bie SQSelt tro^ i^ted 3nfammenpanged in jn^ei 2:^etle jer^ 
faßen läßt, wie er i^re SWaterie in »eränberlid^e unb 
un))eränber(i(!^e, beweglid^e unb unbewegli^e tpeiit. ^ber 
bie« ifl eben bie SRatur biefer 55^iIofop^ie, welche, wie 
fo ^ie(e anbere, ben 3!flin\^tn jum .^au^^tgegenßanbe i^^ 
rer Unterfu(i^ung gemacht ^at @« ifi ni^t }u ^erwun^ 
bem, baß i$r ber 3ufammen]^ang ber 3BeIt au^ nur an 
einjelnen fünften jtd^ ergiebt, weil fie nur einen einjel^ 
neu ©egenfianb mit SSorliebe jur Srforf^ung ft^ ge«* 
wä^It f^at. 

Slber £ffoma6 fapt feine Slufgabe in ber S:^at no(j^ 
bef^ränfter, inbem er ben SBerftanb be« ^enfc^en jum 
$au))tgegenflanbe feiner Unterfu(^ung mac^t, ben SBiUen 




•^^ 



513 

bagegen a\i tltcai Unlergeotbneted anfielet X)enn na$ 
fetner Slnjtc^t (eße^t bie ©(utffeligfett be« Wltn^(!^tn, fein 
3»etf , in feinem SBerfe be« äBiOen« 0* <£r lagt ft^ 
wm %xifiottUA begeben / bag bie Suft (delectatio), nad^ 
welcher ber SBide ftttU, nid^t tai ®ute ift, fonbern e« 
nnr begleitet ^3« 3n>av untetfd^eibet er no(^ 8n){f4ien 3(&> 
ftc^t unb SßiKen fo, baß j[ene auf ben S^td, biefer auc^ 
auf ba^ WtiM ft(i^ bejte^e'D; aber biefer Unterf(!^eibung 
n)trb bo(^ feine ernfHic^e $olge gegAeU/ SDietmeffr iUibt 
ti babei, baß ber Sßerßanb ber ^erfd^enbe SBemeger unter 
allen ^fiften ber @eele ifl unb ben 3tt>ed aOer »emunf« 
tigen 93e{lre(uttgen in ftd^ entfialt^}. 2>er SBiKe bage^^ 
gen fhebt nad^ bem ©emoKten unb fann alfo nid^t 3^'^ 
fein ^} ; aU bett)egenbe \Xx\a<fyt bärfte er in gemiffer 9tfid^ 
ftd^t betraci^tet n)erben , inbem er nad^ bem Srfenneu aii 
ua^ bem @ute ber locrnfinfttgen SSSefen flrebt; aber ber 
Stotä be^erfcf)t boc^ inU^t aUt^ unb ber ifl im 93erflanbe 
gu fud^en^}. S8a^ jieboc^ pier bem SBttten nod^ jugeßan^ 



1) Ib. III, 26. Fellcitas in actu voluntatis non coiisistit. 

2) Ib. III, 26, 8 p. 224 b. 

3) Ib. IIT, 6 p. 204 b. Intentio eniin est ultimi finis, quem 
quis propler se vult, voluntas autem est etiam ejus, quod quis 
vult propter aliud. 

4) Ib. III, 25, 7. Inier omnes autem hominis partes in- 

tellectus invenitur superlor motor. Finis igitur intel- 

lectus est finis omnium actionum bumanarura. Ib. III, 26; IV, 
42', !• Ultima autem hominis salus est, ut secundum intellecti- 
vam partem perdciatur contemplatione yirtutis primae. 

5) Ib. Hl, 26, 2; 5. 

6) Ib. 111, 26 p. 225 b sq. Voluntas autem movet intel- 
lectum quasi per accidens, inquantum scilicet intelligere ipsum 
apprebenditur ut bonura et sie desideratur a voluntate« — — 






314 

ben mitb, Ibemegenbe Urfa^e ju fein, auc^ bavfikt: fin^ 
ben {tc^ nur @(|iman{ungem S^oma^ iß ekn fo geneigt 
bem SBerßanbe bie (en)egenbe ^taft in unferev @eele Uu 
{ulegeu; aU im SOBiSen, n)ävenb feine S^eorie barauf 
l^ätte auägei^n foQen bie (Sin^eit (eiber Urfa^en ju er^ 
grünben^ S)en SSiUen al^ (ewegenbe Urfad^e ernßlid^ }u 
(etraci^ten; baran pinbert i^n bte aKgemetne Stiftung ber 
Slriftotetifd^en Sef^re^ mel^e burd^ ^iele feiner S^eologie 
angefiorige Überlegungen nnterpQt v^ixb, bie Überzeugung 
nemlid^; bap ber fS&iUt bur^ bie Srfenntniß be^ @uten 
benimmt n)irb unb biefe ^orau^geffn mn^, bamit jiener 
unauöbleibli^ ipr folget« 2)agegen ftnbet [x^ allere 
bingd au^ em SGBiberfIreben in ipm in biefer Stid^tung 
unbebenfli^i vorn)artö ju fd^reiten, ni^t aMn U)egen ber 
®efar, welche baburc^ ber Sreil^eit beö SSidena broffen 
ttDürbe r f onbern aud^ n>egen ber {ird^Iid^en Se^rey totl^t 
bie Siebe ®oüti aU ba^ ^oc^fie betrachtet S^ax fe|t 
jid^ SE^oma^ juweiten über biefe S9ebenfli(||feit ^inm^^J; 



£t iterum volunlas movet inlellectum ad operandum in actu 
per modum, quo agens movere dicitur, intellectus autem vo- 
luntatem per modum, quo finis movet, nam bonum inlellectum 
est itnis voluntatis; agens autem est posterior in movendO| quam 
flnis f nam agens non movet nisi propter finem , unde apparet 
iatellectum esse simpliciter altiorem voluntate, voluntatem vero 
intellectu per accidens et secundum quid. 

1) L. 1« Nam primo et per se intellectus movet volunta- 
tem. — — Nunquam enim voluntas desideraret intelligere, 
nisi prius intellectus ipsum intelligere apprebenderek uk bonum. 
Ib. Uly 98 p. 806 a. Cum voluntas esse non po&sit nisi de ali- 
quo noto. 

2} Ib. Ill| 26, 5 p. 224. Amare etiam non potest esse ulti- 
mus fiuij|. aipatur enim non solum bonum, quaudo habetur 



k.. 



315 

aUt (fxU^t flnbei er e^ bcd^ ft^ever an^ ttoc^ im legten 
3tt>e(!e eine X^&txQUit be^SBtUend anjune^men; benn bie 
Sie^e ®otUi erfuUe gtei^fam bte Srfenntniß @otM, tn^ 
bellt ber 97{enf(|f burc^ feinen SQBiKen in bem rufie, toai 
ber äSerflanb erfannt ^aU 0* ^(^tt Unntt too^l in bit^ 
fer @ntfc^eibung eine tiefere Sluöglei^ung ber ©egenfäj^e, 
}U>if(^en mi^tn X^omai i^toantt, )u erfennen glauben, 
mnn nur nic^t fein aKgemeiner Segriff t)om ^tn^^m 
ittn tt)iberfpräd^e« S)enn nur ju entf^ieben tft feine 
Uierjeugung; ba§ aUe ^S^ere SSSefen, ml^t ixUx iai 
3eitlic^e {t(^ eri^eben, bie^ nur bur^ benSSerftanb ^aUn^ 
Mt anbere ^ätigfeiten ber S)inge (erupn auf bem S3e^ 
ge^ren unb ber SBiUe ift auc^ nur eine %xt bed Sege^ 
ren^; ba^ Segef>ren akr/ tt)ie ed aUen jOingen, fogar 
ben (eblofen gemein ifl/ cpne Srfenntnif, fogar o^ne 
@inn ^3 ; fann nur ali eine niebere ^ätigfeit ber Dinge 
angefepn tt>erben ; ed fe^t; oi^hi^ bie %m^tit nur barin 
tejlefft, bag ctwa^ ttrfa(|e feiner S£ptigfeit ifl^J, bc^ 
burc^auö feine grctpeit »orau6, ttJeil felbfi bie ^^iere in 
i^rcm ftnnli^ien Segepren i^xc gorm unb X^ati^Uit. nur 



sed etiam quando non habetur. — — Aliud est igitur habere 
bonum , quod est finis , quam amare, quod ante habere est im- 
pcrfectum, post habere est perfectum. 

1} Ib. Uly 116| 1. Adhaeslo autem , quae est per intel- 
lectum , completionem recipit per eam , quae est voluntatis, 
quia per voluntatem bonio quodammodo quiescit in eo, quod 
intellectus apprehendit. 

2) Ib. II, 47, 1. Appetitus naturalis, aninialis, intellectualis. 

3) Ib. II, 48, 2. Liberum est, quod sui causa est. Quod 
ergo non est sibi causa ageudi» non est liberum in agendo. 



516 

wn außen cmjjfangcn ^)* 3w gret^ett fommt tai Sc^ 
getreu erfl burd^ bte teflecttrenbe ^^^ätigfeit; mi^t eben 
babutd^; baß fte auf ftd^ jurüdgept/ ft(!^ f el({l (eßimmt ^3 ; 
eine folii^e reflecttrenbe 2:^&ttg{ett f ommt nur bem SSerflanbe 
3Ut (Sd gebort aber fiberbte^ jur %xt\^tit bie SBaf^I unb 
eine SBaffI fann nur ben SBefen jugefc^riebeu mxUn, 
n>el^e nid^t aUein tok bie ^^tere ein Urt^eil ^aben, fon^ 
bern aud^ ein Urtf^eil/ ml^ti nic^t burd^ bie iRatur be^ 
fiimmt ifi/ fonbern auf hai aUgemeine ®ut gept unb 
iX0i\^tn ben befonbem ©ütern bem SSiffen bie Sntf^ei^ 
bung ober bie SBapI überläßt ^3* ^itxani ergiebt ftd[i 
alfO/ baß ni^lt ber SBiKe unb iai SBege()ren bie l^o^ere 
9latur bed 9)7enfc^en au^matlfen; fonbern nur ber fßtt^ 
flanb , )>on welkem ber Sßiffe abfängt unb toelc^er bem 
SiKen etfi bie l^ofiere 92atur mittffeilt/ inbem er i^n er^ 
Un^ttt%. SBeil nun aber ber 3we(f eine« j[eben SDBe* 
fen« feine i^m eigentffümli^ie SC^citigfeit iji, burc^ toetd^e 
eö feine SSottenbung gewinnt, fo fann auc^ ber 3wecf 



1) Ib. n, 4T, 3. 2)0^ Wirt t)ie0 ib. 48, 2 bef^ränfh 

2) Ib. II, 48, 2. NuIIa autem potentia judicans se ipsani 
ad judicandum movet, nisi super actum suum reflectatur. 

3} Ib. II, 48, 5. Quaecunque igitur babent judidum de 
^gendis non determinatum ad unum a natura, necesse est liberi 
arbitrii esse, Hujusmodi autem sunt omnia intellectualia ; in- 
tellectus enim non apprebendit hoc vel illud bonum, sed ipsum 
bonum commune, unde, quum intellectus per formam appre- 
hensam moveat voluntatem, in omnibus autem movens et mo- 
tum oporteat esse proporlionata, voluntas substantiae intellectua' 
lis non erit determinata a natura nisi ad bonum commune. 

4) Ib. III, 26, i p. 223 b sq, Voluntas igitur secundum id, 
quod est appetitus, non est proprium intellectualis naturac, sed 
solum secundum quod ab intelleclu dependct. 



517 

lieber t>evf)&nbtgen ©efcf^opfed nur in feiner )>erß5nbtgen 
QFrfenntni^ gefucf^t U)erben ^}* 

Sei btefer etnfeittsen Stic^tung muß man felbfl bte 
(Srn^artungen fiera(ßtmmen, noeld^e man batauf fiegen 
möchte, baß S^omad menigflen^ tm iDIenf^en in etneifi 
fo tpetten ^etfe aU mi^li^ bie SBeriinbung be^ 3ei^ 
Itii^en mit bem Smigen na^roeifen n)erbe» 3n)ar lief ti 
bie ftttli^ie ©runblage ber tix^li^tn Stfieologie nic^t jU; 
baß er l^ierbei bie Sntmidtungen betfSBidend gan) außer 
Sittgen fe^te; aber baß tüir babur^ )u einer adgemeinen 
Sinft^t in bad SBer^altniß be« SD?enf(i^en )u ®ott gelon^ 
gen foKten; baran ^inbert bie bef^iränfte 3a{fung btefer 
ganjen Se^re« S)ie aRgemeinen ©runbfä^e be6 S^^oma^ 
ftnb ^ievin in ber Xfyat beffer, cXi bie befonbern Slnn^en« 
bungen» Qv ma^t ben ©runbfa^ geltenb; baß bie SQSirN 
famfeit ®otM über alle ©efd^^pfe boc^ beren eigene 
^(fätigfeit nid^t audfcbließe; mil bie ^i^ere ber niebern 
Urfad^e nur bie Sraft verteile ju tt)irfen/ fte au^ erfiatte 
unb ium SOBerfe anfu{)re; wärenb bie niebere Urfati^e bod^ 
bie ijir »erliej^ene ^aft felbfl gebraudbe *)• Sir ^ahtn 
biefen ©runbfa^ f^on Ui Gilbert bem ©roßen gefuubcn; 
er ifl mit bem ganzen S^fteme biefer SD^anner ^ern)a^fen* 
SBcnn man nun aber ^itxna^ txxoaxttn foUte, baß aOen 



1) Ib. III, 25, 2. Propria operatio cujusllbet rei est finis 

ejus, est cnim secunda perfectio ipsius. Intelllgere au- 

tem est propria operatio substantiae intellectiialis. Ipsa igitur 
est finis ejus. 

2) Ib. III, 70. Superius agens dat virtutern ipsam inferiori 
agenli, per quam agit, conservat eam aut etiam applicat ad 
agendum. 



1 



318 

®ef(l^öi)fen eine eigene, au« ipnen i^eröorge^enbe SBirN 
famfett sugefd^neien n^erbe, fo ^a(en. tt)tt bagegen gefef^n^ 
baß bie niebern S>{nge iii jum Wltn\i^m ^inan bO(^ nur 
burd^ äußere @tnn)tr{ungen ju aOem benimmt mxUn ^oh 
im , tca^ i^nen gef(fitept C^ben fo niad^t ^^ma€ . ben 
©aft gettenb, baß bie gomen ber 2)ingc nid^t außer \^* 
nett, fonbern in ij^nen inbi)[)ibua(i{trt n^erben in einer 
baju etgentfulntli^ (eßimntten !9{aterie ^}, entf))redpenb 
jienen @S^en be« 9lt)erroe« unb bed 9(((ert/ baß bie Meinte 
at(e« JDafein« \:^ ber 3)Iater{e liegen» S)aß er aber auf 
biefen @a$ bod^ feinedtt)ege« ba6 looKe ®en)i(|t legt, 
n>e((^e« j[ene feine Sßorgänger i|^m jugefd^rteben l^atten, 
ntag baffer rühren, baß er y!i)^ wieber t)ergeffen l^at, wenn 
er bie formen ber niebern 2)inge al« etma« betrai^tet, 
n>ad i^nen nur burd^ fiußere @inn)irfungen aufgebnldtt 
tt)irb« 9lod^ einen britten ©runbfa^ ftnben mx t)on i^m 
t)erna^Iänfgt SSir fallen, baß er aKe SntttJtdIungen ber 
SSernunft im engten Snfammenl^ange mit ben niebern 
Äräften ber ©eele ftnbet, inbem er bie Stn^ctt ber ©ecle 
»ert^eibigt unb ba^cr forbert, baß bie f^ß^ern Gräfte bie 
ßntwiilung ber niebrigern tjorauöfegen , wie ber f^o^ere 
©rab niddt of>ne ben niebern fein lanm Slber aUerbtng« 
mod^te e« f(fytt)er palten bie t>ernfinftige ©eete nur aW 
eine {^o^ere Slu^btlbung ber ^J5flanjen*^ unb SC^ierfcete ju 
benfcn unb wir fe^en bafier, baß er bie Unterfudpung 
felbji ber t{)icrif(|>cn ©eele im ßinjelnen 5[)erna(^Iäfjigt» 



1) Ib. 1, 21, 3. Formae naturales — — individuuntur in 
proprüs naluris. — — Ipsae ctiam essen liae vel quidditates 
generum vel specierum individuuntur secuudum materiam sin- 
gulam hujus vel iliius individui. 



319 

SBa^ er ttdt btn ntebern formen bei 93ege^ren9, ber SSegefir^ 
Iti^feit , bem 3ont / n^e^e er aud $(atomf(i^er Seffre ^er^ 
fiBergenontmen pat/ anfangen foKe; f^eint er feKfi nic^t 
rec|it ^mvi^t ju {laben 0* 5Wur fofem ftc an ber SBer* 
nunft X^tii ^aUn, b« |^« alfo nur fcfern fte ettt^a^ attf 
bered ftnb; ald fte feI6ft/ tt)irb i^nen jugefianben, baf 
fte Sugenben jum ®runbe liegen fonnem jDem entfpriii^t 
ed/ baß aud^ bte ^äfte für bte ftnnltc^e ^fenntnip nur 
ber natürlt^en ©ew^f^nung jugef^riekn mxitn, m\^t 
feine JSugenb gewähre, feinen SEBerl^ für ^^ Jak^. 
Sebeitfen mx, baß auf bem Sitten ber Übergang auA 
bem 92iebern jum ^i^txxt, bte @r{ie(ung ivix S3emunft 
beruht/ fo n^erben toix auc^ biefe SBernaci^Iäfftgung itt 
m^txn barauf jurudfu^ren iimtn, baß ber begriff Ui 
SBidend ^m X^omai ni^t ßrenger l^er^etge^ogen tvurbe. 
SQ3enn n)tr jiebo^ bitttg fein w^Um, fo werben toix 
eing.ef}e^n muffen ; baß ein großer 2:(feil ber SDIängel, 
totl^t n>ir ^ier gen)a^r n^erben, im ©tanbipunfte jiener 
3eit angei^ort 2)ie^ tcmcrfen wir befonber« beuHi^, 
wenn wir auf bie ©tWenlcl^re be« X^cttiad einge^n, in 
weld^cr ber S^araftcr feinet ©Aftern« jt(!^ fiarl au^ge* 
^jvägt ^at ©ie ifl nad^ bem Seifpiele bc^ 2lri|}oteIc8 
unb mit ben likrliefcrungcn ber ^latomfer x>txmi\6)t Wßß 
fenrti^ S:ugenblei^re* Sl^nlt^) wie bie ©toifer fud^t STpo^ 
maö bte Xfitx ^latontfd^eu SarbinaUugenbcn mit ber gvo^ 
ßern 9Äenge ber Slrifloteltfc^en S^ugenben ju loereintgen, 



1) 35eröt g. @. Q^oiiiQ üb. bie ^Jil- unb tjeot ^ußenben 
b. S:i^omaö t). 2lq. in fem tfcoL iDHtarb. 1839. ?). 3 ©• 15 ff, 

2} Summa theo!. 1 sec. qu. 56 art. 4 sq. 



- « if 



ilr 



320 

n)a< benn aUetbing« man^erlei @(^n)tettgfeiten ma^t ^)* 
3>{att {teilt baran bie @orgfatt bed 9){anne^, toü^t bte 
atten Überlieferungen 3U fc^onen unb fp t)tel atö miili^ 
für feinen Unterricht )u benu^en fuc^t« SBenn er mit 
bem Sriftcteted <bie SRci^igung )to{f4ien ben äußerften dtüfy^ 
tungen em))fielt/ fo fiat er fie aud[i au^juäben getDuft, 
inbem er felbfi in einer fe^r ^oerftänbigen äBeife m miit* 
lereS 37!ap in feinen SSorfd^riften ju galten ßrebt« 3^ar 
bie nt5n(]^if(]^e 9)IoraI ))erleugnet ft^ bei i^m nicbt; aber 
er bringt boc^ aKe bie SScrfc^riften , tpeld^e ber (Sntffolt» 
famfeit bed m&nd^ifii^en Sebentf {ufaRen, nur unter ben 
93egrif ber 9tat^f4)Iäge ®otted/ ml^t beiweden ben 
ÜJJenfd^en fo t)iel aU ntoglid^ )oon ben Sefc^äftigungtii 
bed gegentpartigen Seben^ almit^n, bmnit jer freiet -iji^ 
©Ott |f($ erfiebe; notptoenbig }u beoba^tenbe ©efe^t fbA 
fte nii^t; bedn)egen fannber SRenf^, auc^ o^ne jtt^ t^^ 
nen ju unter^ieffen ©ere^itigfeit üben unb jum $ei(e ge< 
longen % 2)ie notbwenbigen ®efe$e bagegen für unfern 
SQBiQen beßef^n aUtin barin, bap toir ©ott unb unfern 
5Wäc^fien lieben; benn ©ott tji ber ^au))t5n)e(f, ju toth 
4>em wir georbnet jinb ^3; ber SWenf^ aber ifi ani^ »on 

1) über bie ©inaeljeften »erweife icb auf ©ötttV^ 0. a. 

23 C. gent. Illyl30. Ad boc, quod Ilberius feratur in denm 
mens hominis , dantur In divina lege consilia , quibus homines 
ab occupalionibus praesentis vitae, quantum possibile est, retra- 
hantur terrenam vitam agentes. Hoc aulem non est ita neces> 
sarium homini ad justitiam, ut sine eo juslitia esse non possit; 
non enim virtus et justilia tollilur, si homo secundum ordinem 
et rationem corporalibus et terrenis rebus utatur. 

3) Ib. IIJ, 115. Lex diTina principaliter ordinal hominem in 
deum. 



321 

3latüx tin gefetttged ®ef^6))f/ ein nat&xli^ti ®efe$ olfe 
^ttUnUt bit Snenf^ien unb ba4 göttltd^e ®efe$ foK nur 
ittr ^ä(fe bti nat&xlitfytn bienen* aSer jiemaiiben Itebt^ 
itx muß au^ bie Ke(en^ ml(fyt s^on üenem gelieit t9er# 
btn; toxi foOen atfo unfere 9lä^fiett liefen, weit fte toott 
®ott QtUtU tt)erben ^3. @4iarfftnnta untetf^etbet ^o» 
mai yUxiti bie Z^QiiQUittn bet ®ef(^6))fe, welche bun^ 
eine gen^tffe notürlt^e Steigung, bur$ 3u{linU/ BefKmtnt 
fuib ttttb ml^c burd^ ®efe$ geleitet mxUn ntfiffen, utib 
I5ßt und (emerfen; baß ftat, fofetn fte fiber baö eiii^ 
)e(ne 3nbit>ibuum fiinau^ge^n, nur bie (Srfiattung ber 
9iU, biefe bie einzelnen 3nbit)ibtten bejn^etfen/ um j^ier^ 
m$ abiuteiten, baß ein ®efe^ ®otteö j^in^ufornmen mfiffe 
IK bm nat&rlid^en ©efe^e, bamit bie äSefen, toü^ aU 
dnbi^ibuen i^ren 9Bert(^ f>a(en, tt)ie bie SRenfd^en; ip* 
rem ßtocät )ugeffi^rt toerben ^)« SBir Bemerfen aber aud^ 
l^ierbei toieber; n)ie mä^itig in X^omai ber ®eban{e {% 
baß nur ber SSerflanb ben ®ef(]^p]>fen i|fren blei(enben 
SQBert]^ t)erlei^t unb fte über bie Sebeutung t)ergängU^er 
ÜÄittet tx^ibU @o ttJte bie Seele ber sediere ni^t un^ 
ßerMid^ iß, noetl fte {einen iBerftanb fiat; [(^ bürfen n)ir 
aud^ bie Spiere tobten unb }u unferm 9lu^en gebrauten, 
n>eil fte feinen Sßcrfianb pabcn unb nur gmn 3wede ber 
berflänbigen SBefen finb* SBenn auc^ aKed ber göttli^ien 
SSorfefiung untcrgeorbnet ifl, fo ftnb boc^ bie berßänbigett 



1) Ib. in, 117, 2. Oportet igitur, ut, sicut aliquis fit di- 
|ector dei, ita etiam fiat dilector proximi. 3. Homo — natu- 
raliter animal sociale. 5. Lex divina profertur hoinini in auxi- 
lium legis na'turalis. 

2) Ib. lll, 113 sq. 

®efcj. b- W^ VIII. 21 



ä 



322 

©ef^^pfe in etneT iefonbem SBeife wn i^x Uiai^t, 
YPetI fte eigene freie ^anblungen unb einen 3wed j^aben, 
mi^tx fit mit ®ott vetMnbet ^}. S(uf biefen aitöf^Iieß^ 
licfien SQert^ bed SBerftanbei tt)eiff aber nod^ entf^iebenet 
bie Unterf(]^eibung ^in, n)e($e Sl^omai mit bem Urifh)«* 
UM im\(fytn moratifc^en unb inteaectuellen2:ugenben ntac^t, 
benn bie erflem n)erben nur a(d SRittel, bie festem cXi 
Bnoed bepanbelt; jiene fommen au^ )um 2:ffet( ben ^ie^ 
ten 2U/ biefe aber aOein ben 9Renf(|fen unb gem&i^ren 
ij^nen bie ® lücffeligfeit ^ wel^e i^rer 5Watur entf))ri^t^* 
Siaed bied benoeiß, baß n)ir ben Sluffct^Tuß ober ben 
Bufammenj^ong ber |^5pem mit ber niebem SBelt beim 
S:^omad wn Squino nur in feiner Sefire ))om SBerftonbe 
fuc^en bOrfem Z)ie (Sxttnntni^ beö SSerflanbeö aberri^ 
tet {td^ auf bad 9I([gemeine, 92ot^n)enbige unb dt^i^i; 
bie ))er8änglid^en unb gufäUigen S>inge befonberer S(rt 
finb nur OegenfJanbe ber SWeinung, ni^it berSOSifTenfd^oft 
unb ffnnen nur infofern begriffen n^erben, aU fte aOge^ 
meine unb notfftt)enbige ©runbe ^äben^}^ SBir j^aben 
ba^er f^on oben bemerft, baß bie %vti^tit ber SQSal^I auii^ 
nur auf biefer Srfenntniß bed Mgemeinen beruht* hierin 
liegt au^ ber toefentli^ie Unterfd^ieb gn)if({fen S3er|lanb 



13 Ib. II, 82 ; III, 111 sq. 

2) Ib. 111, 34, 5. 

3) Ib. 11, 55, 10. Intelligibile, inquantum est intelligibile, 
est necessarium et incorruplibile. Necessaria enim perfecte in- 
tellecto «uQt cognoscibilia , contingentia vero, inquantum hu- 
jusmodi, non nisi deflcienier ; habetur enim de eisnon scientia, 
scd opinio; unde et corruptibilium intellectus scientiam habet, 
secundum quod sunt incorrupllbilia, inquantum scilicet sunt 
uniTersalia. 






323 

uub ©tnn* ©tefer, »om fcefonbcm pnnKci^en ©nbrutf 
(ti^^fingtg; hm mx iad S3efonbete erfennett; btr SBer«" 
fiahb bagegen erfennt baö Sllgemetne ^)« $[u4 bentfil^en 
®ninbe barf ber SSetfianb ni^t mit bet StnMIbungdfraft 
t)ertt?e^frtt »erben % DtwofiT ber ÜÄenft^ burd[i feinen 
ft5rper an ba^ 6{nnt{(]^e gebunben iß unb baffer in fei^ 
nem Srfennen au^ wm Ginnli^ien a(p5ngt, oitoo^X er 
auJ einem unentwidEetten !Berm$gen ^erau^; vom m$g^ 
liefen }um tvirftii^en SBerflanbe ftd^ erf>ekn mu$ unb j[e^ 
ner bad €u(][ect (ilbet, burd^ mitfyzi btefer inbitoibueO 
bem einzelnen 9)?enf4ien angehört/ obn)o^I bedwegen bai 
Sefen be^ menfc^Itii^en SBerfianbeö t)cn feinem @ein vtx^ 
f^ieben ifl ^}; fann er boc^ bad ungemeine; ja ba^ Un^ 
eid>t{^e benfen unb n^irb \>on feiner ®rf ße bed ©egen^« 
ftdatti fiberw&Uigt; inbem er wentgflen^ iai Vermögen 
^t fi(er alied {t^ audjubreiten , wenn er auc^ in 993ir& 
Iu!^teit immer nurjetnoad Sejlimmte^ unb Snbli^ed ju 
fajfen im ©tanbe iji *)• 

e« ip unter biefen Säften feiner, Wetter nid^t fd^on 
5^ott %\Uxt bem ®ro^cn Jer un« befannt tt>Sre» @kn fo 
fd^He^t jt(|> 5Cffoma6 feinem ?eprer aud^ in allem an^ xt>a9 
er ukr baö 9Scrpa(tntg be^ Sittgemeinen jum SBefonbern 
leprt, unb unterf^eibet ji^ bafcei tJon i^m faji nur barin, 
baf er weniger auf ben ^(aton ^x6) kruft unb gefliiffent* 
Rc^ beffen SWeinung befreitet, um befio genauer an ben 



1) Ib. II, 66, 2. 

2) Ib. 67, 2. 

3) Ib. II, 75 p. 159 a. Species autem intelligibiles indivi« 
duantur per suum subjectum, qui est intellecta^ possibills. 

4) Ib. I, 43, 7 ; 69, 9 sq. ; II, 66, 5. 

21* 



324 

$(nf}oteIe^ ft(|f ansufd^Iief en , wit nUx^n'pt feine SBetfe 
iß« 3m Qittli^vx iBerßante giebt e$ ))iele 3been, tpenn 
ani^ ni^t wn einanber gefonbert; biefe {tnb s^or olleit 
eittjelnen 2)ingen, ber aOgemeine ©runb unb bai ffitifl» 
lerifc^e fBoxiilb bed (^seinen ^3 ; bie ^S^fle SUIgemeitu 
$eit ifl in @ott unb in feinem SSerflanbe; je na|fer bie 
^nteOigenjen iffm {lefien, um fo aOgemeiner flnb jte; je 
entfernter fte i^m {tnb , um fo flärfer n^erben fte jum Se^ 
fonbern contrafiirt ^}* 3n einet a^nli^tn SSeife ift attii^ 
bie SRalene ba0 SCOgemeinße/ aber nur bem 93enn5geit 
m^i bur^ bie Sirfung einer befonbem lXx\a^t tt>irb 
fte SU einer befonbem ^orm contral^irt unb nun erfl tu 
SEBirflid^feit ein Sefonbereö, ml^ti aber eine allgemeine 
Sorm in ft$ tragt '}* 9htr in fol^er 9ßeife ftnbet fi^ 
bad ^([gemeine in ber Seit in befonbem 9ßefen imb 
U^ ft$ wm Sefonbem in ber Sirfltci^feit nic^t tren^ 
nen*)* 2>ie 3ntelltgenjen, »eil fte in befci^ränlter, jn^ 
fammengejogener Seife ®ott gletc|ien, tragen aud^ bod 
aOgemeine in ftd^ unb f jnnen ci baper erfennem über 
weil ber menfil^Iii^e iBerftanb in feiner Snttt)id(ung an 
bie SJ^aterie gefnfipft ifl, fann er iai ^ttgemetne nur er^ 



1} Quodl. IV qu. i art 1. p. 284 a sq. 

2} C. gent. 11, 98 p. 195. Quanto autem aliqua solülantia 
est sup«riory tanto efos natura est divinae naturae siinilior et 
ideo est minus contracta, utpote propinquius accedens ad ens 
noiversaley perfectum et bonum. 

3) Ib. II, 16, 2. Unaquaeque materia per formam superin- 
dudam contrabitur ad allquam speciem. 

4) Ib. I, 65, 1. UniTersalia autem non sunt res sobsisleii- 
teS| sed habcnt esse solum in singularibus. 




S2» 

f innen, nac^bem ed in bet SRotene tn ^fonberer Sßetfe 
f^<^ S^i^^'St l^<<t/ unb für t^n if) ba^er bad KOgemeineer^ 
na<l^ bem SefonbeTn 0* 9Btr j^aben ballet ein breifa^ed 
@ekt bed KKgemeinen ju unterfd^eiben , ein 6e{n betffel^ 
Un S)or ben Z)ingen im QittU^tn SBerfianbe, ein @e{n 
be^ftlben in ben materiellen jDingen, too etf nur im 9e^ 
fonbem iß, unb e{n@ein be^felien in unferm SSerflanbe, 
ti^o ti erfl naify bem Sefonbem ft^ finbet^}« 93on ber 
^lotonifc^en 3beenle^re n^id Z^onia^ feine Unnaffme et^ 
ni$ SHIgemeinen )oor ben Z)in8en nur be^wegen untere 
Trieben u^iffen, n^eil er bie 9xt^ unb ©attungdbegriffe 
ber jDinge nicf^t oXi ütcai für {td^ ^eßc^nbei anffefft, 
fonbem {ie nur in ©ottei 93erftanbe offne tvirflic^e Stren^ 
nnng s^on einanber fe^t, unb n^eil er nx^t jugiei&t , baf 
ffe unmittelbare Itrfadffen ber jDinge; fonbern U^anpUt, 
®ott bringe biefe nur burd^ ÜRittelurfac^en unb befonber4 
bermittetft ber SBen^egung be« ^immeld fiertoor'}« S)a^ 
bei erfennt Z^oma€ an^ an , baß bie 3nbi)>(buen einer 
9(rt bur(]^ ij^re 2:(fei(na^me an biefet^ xoxt tin 3nbit>i« 
buum ffnb» dx mac^t bie^ befonber^ in ^ejie^ung auf 



1) Summa theol. I qu. 85 art. 3. Cognitio singularium est 
prior quoad nos, quam cognitio universalium ^ sicut cognitio 
sensitiTa, quam cognitio intellectiva. 

2) In sent 11 dist. III qu. 3 art. 2* 

3) C. gent in, 24. Formae, quae sunt in materia, vene- 
runt a formis, quae^unt sine materiai et quantum ad hoc ve- 
rificatur dictum Piatonis , quod formae separatae sunt principia 
formarum , quae sunt tn materia, licet posuerit eas per se sub- 
sistentes et causantes immediate formas sensibilium, nos vefo 
ponimus eas in intellectu existentes et causantes formas inferio- 
res per motum coeli. 



326 

bie 3){enf(fien gettenb , beten ^ttli^t ® emetnfd^aft er ^t 
gtt t)ertfiett)tgen n>uf te ^)« 

@o ^aUn tDür benn aud^ eine Srfenntntf bed toa^^ 
ren @e{nö in ben aUgenteinen Gegriffen, koe^e unfer 
iBerftanb benfen fann, eine Srfenntnip ber funflletif^n 
©ebanfen &otUi, ml^t bie SQBelt gef^affen fiobem 
@(]^on früher ftnb toix auf bte ©puren bavcn geßo^en^ 
ba^ Z^omai mit ben irrigen Srißoteltfern iti WliitüaU 
ttti hü ju feiner 3^it ^ne voQige (Stn^eit bed ©egen^ 
ftanbe^; bed 3ntelligt(eln / mit bem ©ebanfen annaj^m«. 
S03ir n^erben biefe ^Bereinigung ber äBa^r^eit mit bem 
menfd^Ii^en iBerflanbe, biefe ®egenn)art it& ©ebac^ten 
in i^m, n^oi^I nic^t anberd aU $lnf^auung nennen f^n^ 
nen« 9Rit Sluöf^ilie^ung aUer anbem 3^cde; ml^t nur 
ali WM ju biefem ^o^fitn 3^e(fe ftc^ ^tx^a\ttn, fte^t 
ba^r au(^ SC^oma^ in biefer 9Inf(|^auung ber SBa^r^t, 
b. ^. ©otte«/ iit auperße ®(u(ffeligfeit be« SRenfii^en ^3* 
2)arunter ober t)erfle$t er nid^it bie Srfenntniß ber aOge^ 
meinen ©runbfä^e ber Siffenfc^aft; n^eld^e biefe nur 
bem SBermogen m^ in ftc^ entf^alten; ))ielme{ir ietrac^^ 
tet er eine foI4)c Srienntnig nur aU eine tJerworrene^ 



1) Ib. IV, 52, 1. Nam participatione speciei sunt plures 
homines velut unus homo, ut Porpbyrius dicit 9)2it 9lltt>en* 

bun^ auf bte @rbfünbe. 

2) Ib. III, 37. Si igitur ultima felicitas bominU non con- 
sistit in exterioribus, quae dicuntur bona fortunae, neque in 
bonis corporis, neque in bonis animae quantum ad sensitivani 
parlem, neque quantum ad intellectivam secundum actus mo- 
ralium vlrtutum, neque secundum intellectuales, quae ad actio- 
nes pertinent, scilicet artem et prudentiam, relinquitur, quod 
ultima hominis felicitas sit in contemplatione veritatis. 



327 

wett fte in i^xt Folgerungen ftd^ no^ nictit entmicfrft 
ffot unb bcäkoegen loielen 3rt|fämetn au^gefe^ if} 0» Sbi^ 
bte^lenntntp burd[i ben Setpet^/ n)enn fte au^ ^ut 
Srfenntnt^ @otteö fufften foUte, genügt i^m nt^t ISS 
tfi ber SKäptgung be4 SKanne^ entf))re(^enb, ba^ er pb|^ 
babei U)teber erinnert^ nur tt)enige {Junten biefen SBStcg 
ber Srfenntmfl gelten, tt)ärenb iotfy aUe )ur ©eltgfeii 
nrii^en gelangen fonnen, ivie n^entg er aud^ Dor ^rt^um 
fixere/ n>te ^kl er ju n^ftnfd^en unb mittx )u erforfe^ra 
fl^rtg laffe. S)er ntögltii^^ SSerflanb fann oOeö erfennett| 
bu S3erf(^teben$fett be6 (Srfennkren loerj^inbert nt^t; bof 
dUti jugletd^ t)on t^m erfannt n^erbe, fein 93enn^gen foO 
ft^ gan) in bie SQBtrflicf^fett bed dxUnntni loertt^anbehi ; 
ber ^txotii aUx fann bteiJ ntc^t letßen; in i^m Um 
man SDom ^emtefenen immer weiter f ortf^^reiten ; e^ bfetSt 
baffer auf biefem äßege immer nod^ ctwai im iBerm^gen 
iixx&ä, wa^ {t(^ jur äSirflic^f eit nod^ ni^it entwidett ^« 
©ajer ttJtrb fo bie pö^pe ©lüdfeligfeit ni^it erreicht «)♦ 
^ier^ei bräugen ft^ nun au^ anbere Ü6ertegungen mit 
ein , totl^t bie Unt)o(((ommen^eit bed menfc^Iid^en ^r^ 
fennend und 2u ©emfit^e führen. S3ir n)erben baratt 
erinnert, bag wir nur bur4> bie @inne ju unferer Sr^ 
fenntnip gelangen, unb weif biefe immer nur nn^oUforn^ 



1) L. J.;ib. 38. 

2} Ib. III, 39, 2. Talis autem cognilio per viam demon- 
stralionis de deo faabita remanet adhuc in potentla ad aliquid* 
ulterius de deo cognoscendiim vel eadem nobiliori modo; %.- 
Intelleclus autem videtur in potentia ad omnia intelligibilia. — •^< 
Duo autem intelligibilia possunt simul in intellectu possibili 

existere secundum actum primum. £x quo patet, quod 

tota potentia intellectus possibilis potest reduci simul in actum. 



328 

mene $&(fe Qtto&fyxcn, au^ nur ju mwUtommtntc dtf 
fenntnt^ griangen fönnem 9li$t einmal jur ^fenntni^ 
reiner ®etßer ober au^ nur ber Seweger be^ ^immtlt 
Unmn tcix gegentDärtig anber« ol€ bur$ toa^rfcfieinlid^e 
©rfinbe gelangen n^egen be4 natfirltd^en Sufammen^ang^ 
unfereö SSetßanbeö mit ben 93otfleIIungen bet Sin^Ubung«^ 
fraft, n)ie t)iel tDentger tt)erben wix ®0tt in biefem {tmu 
Itii^en Se^en s^oKfommen ju erfennen t)ermogen« Unfet 
SSerftonb an bie S^it gebunben fann ni^t aUti {ugleid^/ 
f onbern nur na^einanber erf ennen 0« 92i^t einmal ftd^ 
fdbfl erfennt unfere Seele bur^ {td^ felbß unmittelbar; 
)>ielme|ir unmittelbar toti^ fte s^on .{tci^ ni(|tö tt)eiter, aI4 
ba^ fte ift; aber ni^t, toai fte ifl. 92ur t)ermittetter 
äSeife; toit fte ®ott ani feinen SBtrfungen erfennt/ er^ 
fennt fte an^ i^x SßefeU; t^re Sigenfc^aften unb Gräfte 
mi tpren SCpätigf eiten unb burd^ ftd^ ; burd^ i|fre Sigen^ 
f^ften, aud^ anbere geifUge SBefen, inbem fte ft^ guut 
Wla^^aU für aUe geifKge SOßefen mad^t; welche i^r gtei^ 
^en^}« (S4 gefft f^ieraud ^txi>cx, baß n>ir, fo lange fte 
in ben (Sntn)idf(ungen biefe^ Sebend tfl; bte @ee(e unb 
mitffin aud^ ®ott nic^t ^oUhmmtn crfennen unb mithin ni^t 



1) Ib. I, 69 p. 58 a ; III, 4T. 

2) Ib. III, 38; 46. Scientia de intellectu animae oportet 
uti ul principio ad omnia, quae de substantiis separatis cognosci- 

mus. Sicut autem de anima scimus, quia est, per se 

ipsam, inquantum ejus actus percipiraus, quid autem sit, in* 
quirimus ei actibus et objectis per principia scientianim specu- 
lativarum; ita eliam de bis, quae sunt in anima, scilicet po* 
tentiis et babitibus, scimus quidem, quia sunt, in quantum 
actus percipimus; quid vero sint^ ei ipsorum actuum qualitate 
inTenimus. 




529 

gut ^oUrommenen (Slfidfetigfdt gelangen f^nnen« 93oni 
Sei^e toHixUn n>tr lo^ fein ma{fen, inx^ ben JEob ober 
iwc^ eine ^t}üdung, toemi tt)tr ®ott voUfomtrten fc^auen 
foKten ^}* @o tptrb bie )>on{ommene Slnf^auung unferet 
Bufunft t)or(e^aften ; n^enn fte niä^t eine befonbere ®nabe 
Qüttti sem&pren foKte* 3tt ipr n)firbe j[ebe6 natflrtU^ 
S3ege|iren be« ©etfled gefHat; febe natarltd^e SSptgfeit bet 
Seele entn)ideft fein; in (Sott Mxitn tüix bie Qrfa(|e 
aOet jDinge unb mithin ou^ oOe S)inge eirfennen^/ unb 
ni^t allein für jie^t/ fonbeni aud^ fttr emg; benn n^eil 
meber ®ott, nocb bie wUcniüt @eele ftd^ t)er&nbent 
fann, xoixi an^ Um 93er5nbeTung in bem ®^antn ®oU 
M flattfinben f^nnen'}« J^ierburci^ f^ineibet S:^oma< 
aUt bie ^f^antajlif^ien SBorfleUungen ab; welche im jeit' 
li^tn Seben eine Slnf(^auung ®otte$ angenommen obet 
wn einet foI(]^en Snf^iauung U^an)fM ^atUn, baß {ie 
»iebet t)erioren gel^n Knnte* 

SBenn nun aber l^iemad^ bie looOenbete Srfenntnif 
@otted mi für biefed Üeben \>erfagt i^, fo ge^t io^ 
iaxmS ni^t ^tx^ox, bap n)ir ni^t im @treben nad^ber 



1) Ib. 111, 47 sq. 

2) Ib. 111, 50; 59, 4. Oportet igitur, quod quilibet videns 
divinam substantiam in ipsa divina substantia cognoscat omnia, 
ad quae se extendit sua capacitas naturalis. Capacitas aalem 
naturalis cujuslibet intellectus se extendit ad cognoscenda omnia 
genera et species et ördinem rerum« Haec igitur quilibet deuDn 
videntium in divina substantia cognoscet Ib. III, 60. 

3) Ib. III, 61 ; 62, 9. Divi^a substantia est immutabilis. -^ 
— Substantia etiam intellectualis elevatur supra omnem mu- 
tationem, quum dei substantiam videt. 10. Quanto aliquid deo 
est propinquius, qui est omnino immobilis, tanto est minus 
mutabile« 



330 

3Süi^citciMnZ^üt itx flBtii^tit mi bev@ettgfeit f^on 
j^icr (eft^en tinnttn 0. 3fi unfere (SxUmtni^ t)on ® <rtt 
and^ nur t>emorren, fo ift fte bo^ (^enntni^ unb fte 
läpt fid^ erweitern unb entwirren burcfi bie Folgerungen/ 
ml^t mx ani ben ®runbfä$en ber SBiffenf^aft ixt^m* 
&oUU nun auf biefem notfirlid^en SQSege in ber dntwiä^ 
lung unferer ©ebanfen nid^t iüle$t iai 3iel errei^t wer^ 
ben fSnnen? Z^omai ^txtoix^ biefen SSBeg feinedmege«^ 
^ ftnbet mit bem Slrifloteled, baß bie fff^ifüe ®Iud(fe% 
feit/ weld^e Wir in biefem Men errei^ien Unntn, bie 
f)>eculatit>e Srfenntniß ber gjttlid^en ^in^^ fei/ weld^e 
burd^ SBiffenfd^aft erwori&en wirb^). 3war pimmt er 
nid^t gan} SUbert bem ©roßen Ui, wenn btefer für bad 
^^^t Smittel ju @ott 2u gelangen ben SSBeg ber S3er^ 
ä{inti^ung gej^alten l^atte; aber eben bie SBeife^ in we& 
d^er er t)on i^m abweicht/ beweiß nur * feine Steigung 
ber Srfenntntg Hi SBerfüanbed fiberad ben erften $reid 
iu geben. S)er SQSeg ber iBera^nlt^ung nemlicl^ ße^t ah 
Un 2)ingen ber SDßett offen; er ftnbet jtd^, wie fc^on be^ 
merft würbe, in ber SQSirffamfeit ber Dinge nad^ aufen; 
für bie tJernunftigen 2)inge bagegen ifi ber 2Bcg ber (Sx^ 
fenntnip i^rer i^o^ern 5Watur gemäß ^j, aber toit fe^r 



1) Ib. 1, 2. 

2) Ib. III, 44, 4. Patet ergo, quod opmio Aristotelis fuit, 
quod ultima felicitas, quam homo in bac vita acquirere polest, 
Sit cognitio de rebus divinis, qualis per scientias speculativas 
haben potest. 

3) Ib. III, 25, 1. Vicinius autem conjungitur aliquid deo 
per boc, quod ad ipsam substantiam ejus aliquo modo pertin- 
git, quod fit, dum aliquid quis cognoscit de divina substantia, 
quam dum cooscquitur ejus aliquam similitudinera. 9. Sicut 




351 

er i^n auify er^ekn mag, benno^ finbet tx i^n ungenü^ 
genb um uti^ bem erj^abenen 3ie(e )tt)ufü^ren , an xctU 
i^ti feine (!e(^re in ^oKem ©laui&en j^angt 9lut; in müf 
Ulbaxtx SBeife t)er(tnbet bie nat&rli^e, (Srfenntntß un« 
mit ©Ott S)te gef^affenen S)inge, bur^ tt)et^e t^it 
©Ott in natärli$e( SQSeife erfennen; ftnb etn^atf ^a^xti, 
a(er ni^t bie äSa^rpeit, mel^e xoix ju f(^tten, mit tt)el^ 
^et ioir unmittelbar mi in ^oeri&inben iegei^ren ^3* S)a 
jiebed t)erftanbige üBefen nad^ ber Srfenntni^ ber SSSa^r^ 
^tit in ^oUtm Sinne ^oerlangt, fann an^ fein natfirlid^e« 
S3ege$ren nur burd^ fte i&erui^igt mxHn, S)a mug ber 
göttliche SSerfianb unmittelbar eind «werben mit bem 93er^ 
^nbe Ui ®ef^o))fe4; er mug iai fein, toai gefeiten 
n^irb unb u^obur^ er gefej^en toirb« SBenn er an^ in 
natürlicher SQeife mit feinem ©efc^affenen aU %oxm {t($ 
))er6inben fann, fo ^txiin\>tt er ftd^ mit ben ^erfianbt^ 
gen ®ef(^()))fen io^ aU intettigible Slrt, ol^ne Einigung 
berJlatur, nur um bad tjerfldnbige SQBefen ju\)ot(enben^3* 



res intellectu carentes tendunt in deum sicut in finem per viam 
assirnilationis ) ita iDlellectuales subslantiae per viam cognitionis* 

©0* iH bieö eine Jöjerc %xt Ux Slfltmilation. Ib. 111, 51 p.249 a. 

1") Ib. III, 50; 51. Divina substantia non potest videri per 
intellectum in aliqua specie creata. — — Est enim unum- 
quodque eorum verum , non yeritas, sicut et est ens^ non au* 
tem ipsum esse, Visio dei immediata repromittitur nobis« 

2) L. 1. — ut sie in tali visione divina essentia sit, et quod 

videtur , et quo videtur. Manifestum est igitur, quod et« 

sentia divina potest comparari ad intellectum creatum, ut spe- 
cies intelligibilis , qua intelligit. ' — — • Nee tarnen potest esse 
forma alterius rei secundum esse naturale. — — Spccies autem 
intelligibilis unita intellectui non constituit aliquam naturam, sed 
perfjcit ipsum ad intelligendum. 



332 

a« ift tt^oj^I etttet Überlegung wtxth ^^^ Z^oma« 
gtt Mefem Srgebniffe fommt Obenan ftt^t ber alte @a9, 
ba^ bte Stfenntntfl wie bte 9tatur bej SRenfd^en bod^ 
nur eine bef^rfinfte fei unb ba^er in natfirli^er Sßeife 
ben unenbli^en iBerflanb ®oHti ntd^t erretcfien fjnne 0« % 
Kn biefen Sag f^Ke^en f!^ bte fibrigen @age an, mi^t 
ttttv 9lu jfü^rungen be^felben {tnb, i^ alber unfhreitig fei^r 
Derprf en , weil fte auf ber ganjen wiffenfiffaftli^en Hn^ 
{td|t betf St^omaj wn ber Orbnung ber SQSett bemlen« 
jDiefe Orbnung t>erlangt t>erf^iebene ®rabe ber Statur ; 
drx üeber t>on i^nen iß in feinen @^ranfen feflge^alten, 
ttnb wie iaS (Srfennen bem @ein folgt, fo wirb anify tut 
ititi SSefen nur ben ®rab iti Srfennentf in natärli^em 
3Bege erreichen Unntn, welker bem ®rabe feinet @eintf 
tnt\pxi(!^U 3n natfirli^er Sßeife j^angt j[ebe« SSefen nur 
mit bem nad^fl ^^tm ®rabe beä @einä unmittelbar {u^ 
fammen« @o toit ein j[ebe0 S)ing in ber SSelt feine be^ 
fonbere 9!rt f^at/ fo bfirfen wir i^m an^ fein naifirlid^ed 
&Unntn guf^reiben, mii^^i fiber btefe 3lrt fiinau^ginge ; 
benn fein S)ing {irebt na^ einer ^fi^ern %oxm aU na^ 
feiner eigenen ^^* ©oß baf>er unfer Streben nai^ ®r* 
lenntniß ber ^oUtn SBa^rj^eit boc^ niti^t t)ergeblid^ fein, 
fo bebarf ed einer (Singiepung beö g^ttlic^en ^ic^ted; bie 
Statur Ui gef(^affenen 93erftanbed muß er^o^t; e^ muß 
i^r ttwai jugefügt werben ; unb fein t)erflant)iged Sßefen 
fte^t auf einer fo niebem @tufe, bap ti ni^t ju biefem 



1) über bie Unterfc^tebe itoi^^tn bem ^otiUt^m tttib bem 
menfc^lic^en ^etflanb f. ib. I, 69 p. 58 a. 

2) Ib. III) 23, 1. Nibil enim secunduni propriam spcciem 
agens intendit furmam altiorein sua forma. 



^ 



SS3 

@($atten ©otte« tt^oUn tt^etben Umtt* ^itx xoixh imn 
eine iKernatörltc^e SBtrfutig ©ottetf angenommen, tvel^ie 
alle €$ranfen ber Statut butd^^ti^t/ ioett fte unenb^ 

Wtan iam ft^ $ter(ei ber Semerfung ntc^t entj^atteo, 
baf btefe Slnnai^men fe^r tt^efentlt^e ©runbffi^e, mlil^ 
bem @9fleme Ui Z^omai unteri&aut toorben traten/ bod^ 
in Ux X^at n>ieber pxx&dm^mtn. ^itftt aOetn, baf 
ftilf^er gelehrt n)orben tpar, ®ott n>i(fe ni^t gegen bie 
Orbnung ber iRatur, mit btetf feinem eigenen SBfllen, 
weither fte gegtünbet ^ait, iutpiber fein n>urbe; n^ir ^ 
ben au^ ^$ren m&ffen^ ti fei ®ott unmjgKd^ bie SSett 
ober irgenb etn>a4 in bet SBett ^oUtommtn p mad^/ 
toeil ba^ ®ef^o))f atö fold^ed nid^t ^oUtommtn, . nid^t mi^ 
enblid^ fein f^nne; nun oitx Uxnm ti^ix eine SBirffam«' 
feit ®ottti Umtn, v^tl^t bennod^ and üeber Orbnung 
ber 9latttr ^eraudgei^t unb bot Unenblid^e gu fd^affen toet^ 
mag. @d mag feiU; baß SC^oma 4/ um j[enen Seigren nsd^t 
©ekoatt anjutpun, e^ ftd^ a\xi^ n)ieber gefallen laßt, baß 
ber t)on ®ott erleud^tete 93erßanb ber ®efd^$))fe bod^ 
@c:f ni(|^t ^oSfommen erfennen, i^n nid^t begreifen toerbe^^ 
unb ^ter^ei treten aud^ n^ieber bie @rabe ber 2)inge ein, 
inbem soerfd^iebene ©rabe ber anfc^aulid^en (Srfenntniß 
©otted angenommen unb von ben verfd^iebenen ©raben 

1) Ib. III, 53; 57, 1. Quod autem fit Tirtute supernaturall, 
non impeditur propter naturae diversitatem , cum divina ?irtii« 
Sit infinila. 

2) Ib. III, 55, 1. Lumen autem praedictum multum deficit 
in virtute a claritate divini intellectus cum clarltas divini intel- 
lectus sit infinita, lumen autem illu4 fioitumi quia recipitur in 
substanlia finita. 



534 

ttt !Bot(erettung jum ©fernen al^n^i^ gemad^t tt^erbeit» 
Sßenir nur Z^omai ju fagen iDfißte; n>te iiti mit Ux 
dinfaäf^tit unb Unt^etKkrfett ©ottea, n)el(^e baBet fefl^ 
gejaften »erben fott ^3 , ftdj^ \>eretnigen laffe , ober wie 
bat notfirltdi^e Seflre^en be^ SBerflanbe« m(fy flarer @{n^ 
{td^t fid^ berui^gen f^nne l&ei einem geringern ®rabe ber 
SClax^tit flberbied a(er muß ti mi ^ixtn, baß X^o* 
mai behauptet/ itUi jDing {hebe nur m^ ber fßoUtom* 
meit^eit feiner %xtf unb bennod^ t)om menfd^liclien S3er^ 
fianbe barti^ut; baß er nad^ Srfenntniß einer SSBa^rl^eit 
{hebe, welche fiber bie @d^ranfen feiner %xt ^inau^gefft 
unb nur bur($ einen 3ufag ju feiner 9{atur erreid^t wer^ 
ben fann« 

Sßenn man auf ben legten $unft ad^tet/ fo ergiebt 
{td( unj eine bo^))eIte 9RagIi((feit/ wie 2:f;oma^ feine 
Unnal^me, baß unfer Ser{lanb befriebigt fein woQe; l^ätte 
burc^fü^ren f^nnen, ol^ne eine fibernatürltc^e 6rleu(|tung 
be«fe(ben ju ^ftlfe ju rufen» (Sntweber fbnnte er U^au)pf 
Jen, ber menf(^Ii(^e ®ei{l flrebe nur nad^ ber aSoHenbung 
feiner gorm unb alfo aud^ nur nad^ menfd^Iidjjer SrfennN 
niß, wie bef^ränft {te fein mJge, baper werbe an^ fein 
SBerlangen, feine 6ef>nfud^t burd^ biefe befriebigt werben ; 
ober er fonnte unfer SSerlangen m^ t)oflfommener @r* 
fenntniß ®oWe« jum Seugniß aufrufen ; baß un« aud^ 
eine tJOÄfommene IWatur beiwohne, unb bie Slffmad&t ®o^ 
M jum S3eweid, baß eine fold^e mi urfprfinglid^ ffabe 
\>erltel;en werben fonnen* 2Daß X^omai ben erffen SBeg 



1) Ib. III, 55 fin.; 58, 1. Possibilc est aulcm bujus lumi- 
nis diversos esse participationis gradus, ita quod unus eo per- 
iecllus iliustratur, quam alius. Ib. 58, 4. 



335 

ni^t xoli^lU, fonnen tt)ir nur ali m 3ei#en bet Xiefe 
feinet toiffenfii^ftli^en ©etfled anfe^n, toü^tt ft^^ ie# 
ivnft n)ar nur in ber ))oII{ommenen Srfenntniß fdtai^U 
gung ftnben )u f^nnen« jDaß er a(er m^ ben }tt)etten 
nt^t einf(|ilug, bafur fanb er unfhetttg i^erfc^iebene ©ränbe« 
Der eine liegt in feiner Sln^änglid^feit an bie ^ir^en^ 
lej^re, toü^c tin A^ernatürK^ed ^fennen fotberte, 9ber 
genauer gu reben^ in beut ©egenfa^e, wel^ier bem fSRiU 
telatter einge))rägt n>ar, su>if^en bem nDeltli^ien unb bem 
geißlt(|en SebeU; }tt>if^en 9latur unb ©nabe, glei^fam 
a\i tt)äre ni^t aUti, toai toix geti^innen, ®abe unb 
®nabe ®otUi^ d^ f^ien ij^m $elagtani«mu6 ju be^ 
f^att))trn ; ba^ ber SD^enfd^ ober iai «etfiattbige SSefen fei^ 
ner befonbern J&ölfe ®tüti gur ©eligfett bebörfe, bafi 
er bur^i feinen freien SSiKen aOein^ au^i o^ne fdtt&d^ 
ftd^tigung ber Svbffinbe; gn ©Ott gelangen ffnne ^3« <Sin 
anberer ©runb liegt aber au^ in ber tpiffenf^afttic^en 
Slnftc^t/ mel^e X^omai gefaxt l^atte, in jener Ubergeu^ 
gung, ba^ tin jiebed ®c\^6\^f, tin jiebed jDing biefer 
SBelt ni^t allein t)on ©ott abhängig ^ fonbern aud^ fei^ 
ner ^atux na^ befd^ranft unb unt^oKfommen fein möffe/ 
baf Slrten unb ©attungen ber jDinge nur 93ef(|ränfun:' 
gen bed aUgemeinen @eind begeid^neten ^ baß t8 Derfc^ie^ 
bene ©rabe ber Dinge geben mftffe unb bie (Sin^eit ber 
SBelt nur in ber tüdenlofen aSerfettung ber niebern unb 
^^txn ®rabe beftef^e» aJJerfwürbig ifl e^ nun, wie Z^c^ 
ma« bennod^ beiben oben au^gefüffrten SWJglid^feiten t^^eil^ 
weife nac^giebt* Der legten SWoglid^Ieit entgie^t er fi^i 



1) Ib. III, 147 fin. 



336 

ni^l ^iHiQ, inbem er bat, toai unferet 9latttr butd^ 
iit Srleud^tnttg ber ®nabe iugefägt tottitn fott; bo^ 
ttt4it ald tint tiene Sd^apfitiig i&etrac^tet tt)t{fen ti>i(I. 
jDenn bie gottltd^e Sorfeffung iß ttt(|it tt^onbelkv; i^er 
IDrbmtng ift aKe^ )oott ^tgfdt i^er untert^otfen , bie 
®nabe ift ba^er au^ ben ÜRenfd^en, tt)el(^e fle em))fatu 
gen fodten / t)ott Einfang l^er verltel^en unb foKte ftc^ ju^ 
gleich mit ber 9{atur t)oni erfien üJIenfc^en auf ade feine 
9la$f ommen fortpßan^en ^}. (S j tt)irb alfo l^ier iai in 
ber S^opfung !Ber(ie^ene nur glei<|fam getl^eilt/ fo baf 
ber eine SC^eil bem smenf^en feiner Statur na^ immer 
onj^angen muß, ber anbere S^eil bur^ feine Sd^vXbvtt^ 
(oren gelten fann; bie ganje Einlage a^er iß bo^ jnr 
Sottfommenl^eit/ t)on einem unenblid^en Umfange, di 
iß um^erfenni&ar, baß xoix burd^ biefen Unterfc^ieb wi 
bem Steige ber Slatur in iai 9{ei$ ber ^tifytit nnb ber 
®nabe |ferö(ergefü^rt merben foUen« Suf bemfel^en SSege 
liegt au^ bie Slad^giei&igfeit beö Xf^omad gegen bie an^ 
bere Sm^glid^feit« 9Q3tr eri&Iiden fte barin, baß er ni(||t 
in. t)6(Itger Ü6ereinßtmmung mit feiner ^otberung einer 
un]&ef4iränften, ^o<|ßen (Srfenntniß t>erf4iiebene ®rabe ber 
®Ifl(Ife(tgfeit im ®^antn ®ottti annimmt S(ud^ bie« 
erinnert an iai fRü^ ber grei^eit unb ber ©nabe, tt)ei( 
biefe ®rabe/ toit n)ir fafien, ))on ber t)erf(^iebenen Sr^ 



1) Ib. Ilf, 98. Nee potest facere aliqua, quae sab ör4io« 
providenliae ipsius ab aeterno non fuerunt, eo quod mutabiiis 



esse non potest 



2) Ib. IV, 52. — auxilio gratiae, quod ei fuerat in primo 
parentc collalum ad posteros simul cum natura derivandura. 



557 

Beti itx 9){enf$en unb bem i^x geMj^renben Sof^n a(^ 
^finfl^S gemalt n^urben. 

9Btr erbltdfen Sterin bte unki>iberfle^It(^e ®en)alt ber 
fttftid^en Slnft^t ber S){nge/ toelc^e ber Se^e US Z^omai 
jttm ©runbe lag« @te burc^brt^it bte S^ronfen einer 
itt.eng gezogenen Sefire ^on ben natürKd^en S)tngem SBtr 
fe^en an^, baß fte ben Xfyomai aber bte ©renjen f^in^ 
ott^trei^t; tbeld^e i^m feine üT^einung t)on ber Slb|^5ngtg# 
fett be^ SBtUend t)om SBerflanbe {ieden tt^oOte; iai ^ox^ 
Jerf^enb t^eoretif^e 3nterejfe feiner ?e^re muß ftci^ if^r 
beMgen; benn ^ter tritt bo^^ eine Slbi^&ngigfeit iti fßtx^ 
flanbe^ ^om SBiUen im legten Qrtj^eiföf^ru^ie t^erbon 
3n ber 2:$at n)ir flnben, baß biefe SQ3enbung ber ®e^ 
banfen f^on in ber erflen Anlage bed ®vfiemd liegt unb 
nur burd^ bte ®ett>aU ber n)ifrenf(|iaftli(|ien SSorltebe ju^ 
rfidgebrängt tvirb« X)enn unter ben ©runbeu; tt)el($e 
a:f>omaö für bie iWot^tt)enbigfeit einer üBernatürliti^en Of^ 
fenbarung anfüfirte; gebatikte an^ einer ber armen 9}?en^ 
fc^en, Yot^t nid^t im ©tanbe ftub ben ^>^iIofo^pif(|ien 
SDSeg jur ©lüdffelfgfeit einjufti^Iagen* ^nify für fte mn^tt 
geforgt tt)crben; ifir SBeg ifl ber ©laube, beffen an^ bie 
55{itlofoi):^en ni^lt entbehren fonnen* ^ierburd^ werben 
n)ir ber fd^malen ©pur ber 55^iIofoi)^ie cntrfirft* Unflrei^ 
tig liegt fiierin etn)a6 Sitd^Kge^; aber Z^oma^ gelangt 
baju nur btttwetfe, unb feine Slnftc|)t; baß ber SSerflanb 
bie ebelfle ßraft ber ©eele fei; auf welker ber SSorjug 
ber ^^txn SBefen berufne, \^mt ^i(fy fogar bem ju wu 
berfe^cn, baß c^ einen anbcrn SBeg juöott gebe alö bte 
wiffenfd^afHic^e gntwicflung be§ SJerpanbeö* 

Unb it>^ n)evben tt>ir erfi t)on biefer ®t\U in ba^ 



338 

eigetttltd^ t^eolodtfc^e ©eHet ber Untevftt4ittng , in bie 
poftttt)en Seigren ber Steligion eingefül^Yt (Sd tritt dbtt 
au^ bamit pslet^ bet wUt (Segenfag uns entgegen, 
tt^eld^er bie ^ietatd^if^en ©ebonfen bed ^Kittelatterd U^ 
megte. Sßir lernen f^ier t>etfd^ebene Steige unb )>e):f^ie^ 
bene SCugenben bed ÜRenf^en für biefe Stetd^e unterf^eu 
bem €o nKe Slrtfloteled 2!ugenben bed ÜRenf^en nnb 
2!ugenbett iti Surgerd unterf^ieben ^attc, f o finbet X^o^ 
mai mit feinem Se^rer Sllbert, baß n>tr an^ bie Singen^ 
ben bed Surgerö no^^ unterf^ieiben muffen, inbem ber 
3Renf^ ni^t aUün jum Surger bed irbifc^en, fonbem 
m^ iti l^immlifd^en Sletc^ed befiimmt ifl ^3« 3u biefem 
Steid^e a(er langt feine 9latur nic^t mi, fonbem nur 
bur4> gSttlid^e ©nabe mirb er 2u ij^m erj^oi&en unb bie 
3;ugenben, mlifyt ffir biefed 9tei(| gefroren, »werben il^m 
eingegoffen ^. hierauf berufft ber Unterfd^ieb smifc^ 
em^orBenen unb eingegoffenen SCugenben, wn ml^tn 
jene nur ben menfcf^Itd^en ®iü^m angeiferen, biefe bage^ 
gen fd^Ied|t^in ffir hai ^o^ße ©ut bed üRenfd^en geffat^ 
ten »werben muffen, meil er burd^ fte ®ott ^ugeorbnet 
ivirb ^}. 2)a|fer merben biefe S^ugenben aud^ bie t^eolo^ 

1) De Tirt qu. 1 art. 9 p. 25 b. 

2) Ib. p. 26 a. Ad hoc autem, quod homo bujus civitatis 
Sit particeps, Don suffidt sua natura , sed ad hoc elevatur per 
gratiam dei. Nam manifestum est, quod irirtutes illae, quae 
sunt hominis, inquantum est bujus civitatis particeps, non pos- 
sunt ab eo acquiri per sua naturalia , unde non causantur ab 
actibus nostris, sed ex divino munere nobis infunduntor. 

3) Ib. p. 27 a. Virtus acquisita non est maumum bopum 
simpliciter, sed maximum in genere humanorum bonorum, vir- 
tus autem infusa est maximum bonum simpliciter, inquantum 
per eam bomo ad summnm bonum ordinatur, quod est deus. 







338 

Stfd^en genannt; benn fte ^aUn ®ott tdi^t allein ivm 
Stotä, t0ai t>on allen mltlii^tn 2)ingen gilt, f entern 
att(^ 2U tf^rem^unmtttel^aifii ©egenflanbe 0« jDte txvwc^ 
Unm, fomo^I ftttlt^en, (äi inteSectuetten Agenten Wn^ 
nen au^ ben Reiben gufommen; a(er fte ftnb ou^ in 
biefer SBetfe oj^ne bie iitit &oUti unb weber wUhmß 
mene, noc^ t^a^t SCugenben; aUti toielme^t, tcaS bet 
3Renf^ tj^un fann ol^ne bte ntebrigfie ber (|^eo(ogtf(|fen 
2:ugenben^ oj^ne ben ©toui&en, ift nur @iinbe^3. ^tm 
aur n^a^ten S;ugenb ge^jrt ber rid^tige SStOe; Mefer (e^ 
fielet aber in fetner Stiftung auf ben legten 3^^^ nad^ 
ber gebfi^renben Orbnung unb tm ber fann feinen 3ßiU 
len na^ bem legten 3^ede rieten, n^eld^er t>on,®oit 
erleu^tet iai ^^d^fte ®\xt fennen gelernt ^at unb nun 
aSed in Seaie^ung jum ^dd^fien ®ute begej^rt'}« S3ir 
fe^en j^terauö , mte fc^arf ^omai iai fibematfirltd^e 
9tei($ ber ®nabe ))on bem Stetd^e ber 9latttr abf^netbet» 
SBenn er au^ fiberaO bte natfirltd^en Slugenben oii Sät* 
bingungen beg ^ciU betrad^tet/ fo foOen fte bod[^ an ftd^ 
leinen SBertfi fiaben, ^6)Uä)t^in nur SBorbereitungen unb 
ÜRtttel fetU; n>el^e man nad^ bem ©ebraud^e von ft^ 
n>tr^; ni^t einmal ali SBorflufen, von tvel^l^n e^ einen 
natfirltd^en Übergang in iai ^o^ere gfibe, tverben fte 
geaclftet/ vtelmefir ber fletige Snfammenfiang ber ©rabe, 
auf totl^tn bicfe ^^tlofo^^ie fonjl ben ^öd^fien SDßcrtJ 
legt/ ift l^ier abgebrod^en* 

S)ie tfieologtf^eu Sugenben be6 X^^tnai ftnb bie brei 

O Ib. art. 12 p. 40 a. 

2) Summa ibeol. I sec. qu. 65 art. 2. 

3) Ib. qu. 4 art. 4. 

22» 



340 

UUmttn Effecte, auf ml^t bie t^xi^ii^t 3Settatu 
f(^uung t)on j[e f^er tf^re Steigung geworfen l^atte, bcr 
©lau^e/ bte Hoffnung unb Me Sic^e« äSenn tt)ir nem^ 
li^ tn rechter SQSeife nad^ unfcrm 3^e(fe )u und hmt^ 
gen foKen , fo muffen wix i^n f ennen unb erfe^nen ; gur 
@efinfui£^t nad^ beut 3^(de gebort aber t^eild bte 3^ 
soerftc^t/ bag er errei4i6ar fet, ^eil fein SBerflänbiger m^ 
bem Unerrei4ibaren ^xtit, t^eild bie Siebe ju ifim« Die 
ßenntniß unfered 3^e(fed gen>aprt nur ber ®(aube, n^eil 
toix unfern 3^^d ni^t ald gegenu^ärtig erf(|^auen unb 
baffer nur unt)o(tfommen ju erf ennen t)ermogen; bie 3u^ 
t)erft^t, baß er erret(((ar fei, ift bie {)offnung unb 2« 
i^r gefeOt ft($ bie Siebe ©otted, n^eld^e bie ffoc^fte !£u^ 
genb unter atlen unb ol^ne tvel^e feine ^ugenb ift ^3* 
jDaß biefe Slffecte ber t^eoIogif($ geßimmten @eele atö 
Sugenben ju betrauten ftnb; leitet Z^omai baraud ab, 
baß fte @ntn)i(i(ungen beö SQBidend ftnb/ in tveld^en atte 
!£ugenb im eigentlichen @inne bed SQSorted gegrunbet ifl, 
totil im eigentlichen @inne bed äBorted nur ber SQStKe 
auf bad ©Ute ftc^ be^ie^ft ^3t S)er Glaube aber iß ein 



1) De virt. qu. 1 art. 12 p. 40 a. Ad hoc autem, quod 
moveamur recte in finem , oportet fincm esse et cognitum et 
desideratum. Desiderium autem finis duo exigit, scilicet fidu- 
ciam de fine obtinendo, quia nullus sapiens movetur ad id> 
quod consequi non potest, et amorem finis, quia non desidera- 
tUFy nisi amatuni) et ideo virtutes theologicac sunt tres, scili* 
cet fides, qua deum cognoscimus , spes, qua ipsum nos obten- 
turos esse speramus, et Caritas, qua eum diiigimus. Ib. art 11 ; 
c. gent. Ulf 40, 5 ; summa tbcol. 1 sec. qu. 62 art. 3 ; 4. 

2)- Be irirt qu. 1 art. 12 p. 39 b. Et quia bonum inagis 
proprie compctit parti appetitivae , quam intellectivae, propter 
boc noroen ?irtutis coavenieotius et magis proprie competiivir- 




341 

SBetf be« SEBitten^; mnn er au^ mif eine (Srtentttniß 
bed 3tt>e(Ie^ gcrtd^tet tfi; bcnn ber mUt ^at m tjnn We 
^erf^aft fibet ben SBetftonb, tnbem btefer nii^t nbtj^mi^nb^ 
gen ©rflnbcn mi^tni, fonbem nur »eil er wtff, feine 
Sujlimniuttg gtebt 0* ©ben fo tjl e« ber aOBtffe, miifytt 
bte |)offnunß tn und betoegt/ tmb jte auf ben 3^ed un^ 
fered Strebend leitet; unb n^elc^er bie ikU in uM tnU 
gfinbet ju einer seifiigen SSeretnigung mit unferm Bwed 
unb gett>tifermapen ju einer Serwanblung tu tpn ^J^ J)e«^ 
wegen finbet Z^oma^ au^ in ben t^eoIogif(^cn SCugen» 
beU/ obgleid^ fte bur^ (Singießung mi beitt)o|ineh; m(fy 
immer eine ^ti^tit iti menf(^Ik^ WiiUtni. Vlnx mit 
unferer 3uftimmung finb fie in nnt ')♦ 3n einem anbent 
Si(|^te bagegen evf^eint bem Z^omai ber le^te 2t9tä Ui 

tutibus appetitivae partis, quam virtutibus intellecUvae , Licet 

i 

virlutes inlellectivae sint nobiliores perfectiones, quam virtules 
morales. Summa tbeol. I sec. qu. 56 art. 3; 6. 

1) G. gent. III, 40, i. In cognitione autem fidei principa* 
litatem babet voluntas, intellectus autem assentit, quia vult, aon 
autem es ipsa veritatis cvidentia necessario tractus. Summa 
tbeol. I sec. qu. 56 art. 3. Movetur enim intellectus ad assen- 
tiendum iis, quae sunt fidei, ex imperio voluntatis; nullus cnim 
credit nisi volens. 

2) Summa tbeol. I sec. qu. 62 not 3. Est voluntas, quae 
ordinatur in illum finem et quantum ad motum intentionis in 
ipsum tcndentem, sicut in id, quod est possibile consequi, quod 
pertinet ad spem, et quantum ad unionem quandam spiritua- 
lem , per quam quodammodo transformatur in illum fmem, 
quod fit per caritatem. 

3) Ib. qu. 55 art. 4 fin. Virtus infusa causatur in nobis a 
deo sine nobis agentibus, non tamen sine nobis consentientibus. 
Ib. II sec. qu. 23 art. 2 p. 95 b. Unde sequeretur, quod dili- 
gere non esset voluntarium , quod implicat contradictionem, 
cum amor de sui ratione importet, quod sit actus voluntatis. 



S42 

SRenf^en ; t^effentwegeti ade btefe t^eo(ogifd^en Sugenben 
fint)« 3n>ar a\x(fy er muß in einer Z^ati^Uit iti menfc^^ 
I^en ©etftej erteilt unb (efeftn n)erben, a(er nidj^t in 
einer 2;(^ättgfeit bed SBidend^ fonbem be« äJerfianbe«« 
jDer SBide flre^t nur nac^ ber Sufl, n^el^e bie (Snei^ 
^ung beS S^täi (egIeiM/ biefe aber tfl nad^ bem S(ri^ 
lloteieji tt)ie f^ion frfi^er eri^fif^nt iDurbe, nur tttoai, 
wai bie 3(nf^auung ®otM begleitet/ bie Sinfd^auung 
ai&er, iai le^te 3tel ber SSemunft, ifl ein SIct bed S3er^ 
Panbe« ^}» 

@j ifl nid^t oj^ne ^ntereffe su i&emerfen, n>ie l^ier 
no^i einmal tint Knorbnnng ber ©ebanfen m)(ioxUmmt, 
mel^e tt)ir in einer fe^r fi^nlic^en ©eflatt fd^on in ben 
ätteflen Q^üm ber c^iflli^en $f^i(ofo))^ie gefunben ^a^ 
bem QUratni t)on 9!(eranbria^ n^enn er bie @tufen be^ 
gei^nen n^iS, burci^ n^eld^e n>ir }u ®ott fommen foQen; 
Qt^t au^ ^on ben ))raftif(^en S^ugenben aus unb ftnbet 
beren SBodenbung in ber ^i^ttn @tufe ber SQ3i{fenfd^a^/ 
bann aber laßt er auf bie SQSiffenfd^aft eine l^ö^ere (SnU 
tt^idlung bed SBiUend folgen, bie ikU, ml^t jule^t 
8ur |>5#en Sl^eorie, jur ertf(|>aft ®otte« fuhren foJt^), 
einen ganj ä^nlid^en SSJeg nimmt X^oma^ an, inbcm 
ani^ i^n bie moralifd^en 2:ugenben bie erfle @tufe iiU 
ben, bie inteOectueden £:ugenben bie iwtitt, erfi l^ierauf 
treten toiv in baö ®ebiet ber eingegoffenen SCugenbcn ein, 
n>el^e bad ))raftifd^e SRoment im fRä^t ber ©nabe t>er^ 
treten, unb julef^t gelangen tt^ir wn bemfel^en \)or(erei^ 



1) Ib. qu, 4 art. 3. 

2) SereL ®ef((. ber c^riflt ^(t(. I @« 463. 




S45 

M )ttv wiUovmtmn Z^a^tit, ttt Sitfid^auung ®otte« 
an tinc Überliefetung tß baM nid^t jn tenlen ; benn 
bie SSerfd^tebenj^ett ber Sbtfbräde unb felbft bet ®ebatu 
feil iß bem entgegen« Sine fif^nlidl^e Sttc^tung bed ®e{^ 
fiti, tüii^t bei ))or|ferf(benbem t^eoretifd^en dntetefTe bie 
Oebeutfamfeit beö $rafttf(^en bwal^ren/ weld^e fibet iai 
weltliche (hhmtn bie 903ürbe bed teligi^fen Seben« ev^ 
l^ben tPoKte , führte )u einer ä^nUifytn SBenbnng ber ®e^ 
bmtfen« Sßie verfd^ieben ift nun aber benno^ bie 6tel<' 
Inng f totl^t @(emen8 unb mi^t Z^omai bem ©tauben 
gab« Sener fd^Ioß i^n unmittelbar an bie ))ra{tif<$e Zw 
genb an , tt)ie fte au^ im tt^eltfid^en Seben f!($ entn>iilett; 
biefer leitet i^n mi einer Eingebung ®otte$ ab, meldte 
bie notärlid^en ^rfifte Ui !ISenfd[^en fiberfleigt. SBir er^ 
bliden f^ier bie grope ftluft/ mtift immer n^eiter ^tou 
fdden Sßemid^em unb ©eifiii^iem ft(^ geSfittet ^aüi. 

(Erfl bur^ ben ©lanben ttitt nun X^omad in bie po^ 
^)>en Seiten bed 6f)riflent|^um« ein» IDie 9(rt/ iDie'er 
ft^ über fte erflärt; ben)eift bie fDIä^igung feinet ©etftej* 
jDie (Srfenntnig ©otte^ ifl eine bo^))eUe, )uerfl burd^ bte 
Sßelt/ bann burd^ fibematürltd^e Offenbarung; aber jene 
foQ un^ ben 9Q3eg ju biefer ia^ntn, bamit n)ir aOm&Iig 
)oom Sliebern )um |)o^ern auffleigem Slucfi in ber Offene 
barung giebt e^ folc^e ©rabe; burd^ meldte ber 97Ienfd^ 
me^r unb me^r toorbereitet wirb bad ißofffommene }u 
faffen« Unfere Offenbarung, tcüä)t wir burd^ bte fiei^ 
lige @d^rift em))fangen f^aben, ifl aud^ nur eine umi^oll:' 
lommene , burd^ ba^ ©e^or, nt^t burd^ iai ®eftd[ft, wth 
d^e« ber \)olHomninere SBeg fein würbe, nur ein JCrojjfen 
bed großen SUIeere^, weld^e^ wir einfl flauen foOen, nur 



HU 

m bttnfeln Silbern mitget^eitt/ (Deiche toxi mit 3uvu(f^ 
Haltung beuten unb gegen bie S3orn>urfe ber Ungläubigen 
t)ett$feibigen muffen, nii^t burc^ bie natürlid^e SSernun^, 
fonbem nui; baburd^^ baß tpir jetgen, bap fte ber no^ 
tfirlid^en 93emunft nic^t n)iberf)>re(^en 0« (^r unterfd^ei^ 
btt ben unentmicfeUen ^m im entmtcfetten @(auben; j[e^ 
ner »ar ^on je^er berfe((e; biefer aber ift attmalig ge^ 
n^ac^fen burc^ bie Unter f^ieibung unb 3ufßgung wn 
©lauben^artifelU/ ml^t im unentn^idelten ©tauben \c^ 
gen^3« Slber ni^t in gleici^er SBeife ftnb aUe an ben 
enttt)i(fe{ten @Iauben gebunben, anii^ m unben^u^ter 
(Staube fann ben einfältigen SD2enf($en genügen ^3* 3la^ 
,t)erf(|iiebenen 3eiten n)irb auil^ eine t)erfd^iebene Srfennt^ 
ni^ Ui entn)i(fetten ©tauben^ wn ben SUtenfc^en ver^ 
langt« 3u i|fm ge^frt bie ttberjeugung t)on bem ®e^ 
i^eimniß ber Steif(|n>erbung unb be^ Seiben^ d^xifti, metc^e 
in entn^icfetter äSeife t)or ber (Erfc^einung unb bem ^obe 
(Sprifii nicfit oor^anben fein fonnte« 3n einer unent^ 
widetten SBeife jiebod^ fonnten auc^ bie Reiben fte ffaben 
unb m fot^er ©taube fonnte i^nen jum .^eite gerei^ 
d^en % Stuf ben ©tauben an bie gteifc^n^erbung S^rifli 
legt X^oxnai iai gr^pte ®Mi(fyt, mil fte bad n)irffamfte 
SWittet iji ben SWenfd^en jur Hoffnung auf ©Ott iu er^e^ 



1) C. gent. IV, 1. — ut tarnen praesumtio perfecte cogno- 
scendi non adsit. Probanda enim sunt hujusmodi auctoritate 
sacrae scripturae, non autem ratione naturali, sed tarnen os- 
tendendum est, quod rationi natural! non sunt opposita. Cf. 
ib. III, 40, 3; summa tbeol. II, sec. qii. 1 art. 5. 

2) Summa tbeul. II sec. qu. 1 art. T. 

3) Ib. qa. 2 art. 6. 

4) Ibu qu. 2 art 7. 



345 

(eti; tnbem {t^ aetgt, ba^ ti nitfft unmoglid^ tfi (Sott mit 
bem SKenfc^ea ju tDerHnben« Sei^t fann bie^ ffir m^ 
utjgttc^ ge^iatten n>ert)en tmb ein folc^er Unglaube muf 
ben 3Kenf(|ien jur SSeriweiflung (ringen ^3« SQSir fe^en, 
tag er hierin nic^t trabet fte^en iltibt ^on ben ^rtifeln 
Ui ©laufend gu {eigen , tap fte ber SSemunft ni(|^t n)i^ 
berfprei^en^ fonbern ba§ er au^ SBetveife für fte beiju« 
bringen fuc^t. £)o^ ge^t X^omai ni^t fo »>eit.t)ie 3tot^^ 
tvenMgfeit ber fünfte , tod^t ttt ©louie umfaßt, bar^ 
tfiun 2tt tooUtn, fonbern er begnügt ft(^ bie ©d^i^Iic^feit 
(conveoientia) ber göttU^en SRa^regebt, xoti^t für unfer 
^fil getroffen ftnb; toa^rfi^einlicfi gu ma$en^3. Unftrei^ 
tig tji bie^ in ben oberfien ©mnbfa^en feiner ©fouien^^ 
le^e gegrunbet* 2)enn ba fte an teine gortbilbung be^ 
natArlid^en Sebenö ftc^ anfcfiliepen foK, fonbern aUe^ toon 
ber eingegofl^enett ©nabe/ meiere in ber Unenbli((){e{t ber 
gjttticiien Mma^t i^re alleinige ©tä$e ftnbe, abhängig 
mac^t, mn^ttn aud^ bie SRittel/ n)e(^e ffir bie uberna^ 
turlic^e (Srfenntnig gebraust »werben , nur a\i tttoad 
ä&iafärti^e^/ loenn ni^t gar ©(ei^guUiged angefefin 
noerben» SQSir »werben biefe 9ii4itung, toelc^e in ber ®tau^ 
benöle^re toon jie^t an immer fiärfer ftc^ geltenb mad^te, 
in no^ ßarfern ^u^fagen ber f))ätern 3eit fennen lernen» 
@e^r genau fiangt fiiermtt feine Slnftd^t ^on ber @rb^ 
fünbe jufammen» SQir toerben e6 ni^t tabelU; ba^ er 
{te nt^t aU eine mxfUi^t @ünbe/ fonbern nur aU ein 
SSerberben ber menfc^Ii^ien 3latux Utxai^Ut, ^eld^e t>om 



1) C. gent. IV, 54, 1 ; 2. 

2) Ib. IV, 50 sqq. 



346 

erßen @ünter auf aOe Wm^i^tn {t(^ fortgepftonjt ^af>t; 
ttnn im^ bie erfle ©ilnbe fei eine 3^n:iUtung bet menfcl^ 
(t^en unb tt^ettb'^en ^&fte eingetreten, in tyel^en bie 
niebern gegen bie fif^ern ft(^ empört fiätten; unb biefe 
fei nun au$ auf bie fpätem ©ef^Ied^ter in natfirli($er 
Orbnung fibergegangen ^)* 9l(er ed ftnbet {i(i^ au$ no^ eine 
onbere, n)ie eä und f^eint, n^efentlici^ ^erf^iebene Snft^t wn 
ber Srifunbe iei ifim, inbem er, n>{e f^on frfi^er eriD&^nt 
tvurbe, i^auptf&^It^ borauf ®mi^t legt, ba^ bie ®nabe, 
n>el$e bem SRenf^en urfprfinglii^ wn ®oü ^erlieipen 
tuar, na(fy ber @finbe i^nt endogen loorben fei ^3« (St 
f>ttKai^M ba^er bie Sri&funbe an^ nur ald eine ©ad^, 
u)el$e bur(|f 9lutorit&t und befannt iß ober bod^ nur bor^ 
aui erf(^Ioffen »werben fann, ba^ toir iai Üiel biefer 
SOBelt nid^t allein ald notfirlid^e golge unferer ViwoftUm^ 
men^eit anfe^n fonnen, fonbem barin eine @trafe erten« 
nen^). @o tt>ie nun bie ©nabe aü ttt»ai, toai unfe^ 
rer 9latur ni^t angehörte, und genommen toorben i% 
fo fann fte m^ tt>ieber aU tint 3nga(e und t)erlie|ien 
n)erben unb bedtoegen ftnbet S^^omad ben 3rt|^um ber 
$elagtaner, toie f$on enoa^nt/ nur barin, baß f[e (eug^ 
neten, koir bebfirften einer gfttß^en J^filfe gur @e% 
fett^). 3Bir feigen, baß er audli fiierin ben gußtayfen 
SUbertd bed @roßen folgt» 



1) Ib. IV, 52| 1; 2. Nee dicuntur peccasse in eo, quasi 
aliquem actum exercenteS| sed inquantilm pertinent ad naturam 
ipsiusy quae per peccatum corrupta est. 

2) Ib. IV, 52, 5 sqq. 

3) Ib. IV, 50 ; 52. 

4) Ib. III, 147. 



547 

(Si iß (eBtetflt^/ tDantm SC^omad Übtt bie Hoffnung 
ttiaer ifi, ali üitx ben ®Iau^* @te ßfi^ {t(^ auf 
btefeit, j[a ber ®fou6e enti^&tt {!e fo |t^, inbem iiur $off^ 
nnng bie (Kerjeugung gel^^rt, baß toix ik en)tge ®e% 
feit mit ßittti^tt J^älfe erlotsgen ff nnen , biefe äievjeu^ 
guiig aber bev ®Iaube Qtxoi^tt 0* @d bejie^en ft^» f^ier^ 
auf bie ©lottbenäarttfef, mlil^t bad füafUge unb einige 
Seben mi ))eri^etf en unb in bett legten ^offmmgen betf 
SRenfi^en ttmfd^Ioffeit futb. 3nbem X^onmd biefe box^ 
legt/ faßt er no^ einmal bie (Elemente feiner Seigre gu^ 
fammen. SQSeil in ber )>erg&ngli$en äBett aUa nur bed 
SDtenf^en tvegen ifl, verlangt er mt!^, baß fobalb ber 
9Kenf(^ fein 3tel erreidj^t ^at, aUt^ Slnbere in ber t)er^ 
gängli^en SBelt ftc^ umgefialte; Sntfie^en unb SSerge^en 
aufboren unb ba^er au$ ber Fimmel; bie ttrfa^e tti 
(Etttfie^end unb SSergei^en«; pi ße^e unb bie 3eit auf^ 
l^dre; benn nur bur$ ben 3SiUm feiner SSetDeger, ber 
nun fein 3iel erreicht ^at, toixi ber ^immel belegt 
jDo(!^ foS nur bie SQSeife ber SQBeU {t^ t^eränberU; i^re 
@ub{lan$ a(er bleiben , n^eil bie göttliche ®fite il^r en>{^ 
ge« ©ejief^en »erliefien fiat^* 

S)ie l^od^fle ber t|ieoIogif(|!en ^ugenben ifl aber bie 
Siebe ©otM* S)enn na^ i|ir fireben @(aube unb $of^ 
nung^in; biefe »werben ba^er auc^ einfl ))erge]^en, bie 



1) Summa theol. II sec. qu. 17 art. 7. Objectum autem 
spei est uno modo beaütudo aeterna et alio modo divinum 

auxilium. Et utrumque nobis proponitur per fidem, 

per quam uobis innotescit, quod ad vitam aeternam possumus 
pervenire et quod ad hoc paratum nobis est divinum auxüium. 

2) C. gent. IV, 97. 



548 

Stelle aber tt^irb nkmali aufhören. Hoffnung unb ®Iau(e 
.(eräj^ren gtet^fam nur ®ott in SSejiei^utis auf ia€, xoa^ 
a\xi ifym fiertDorgefit, iubem fte m^ inm äBa^ren unb 
®ttfen fuhren; bte Ste(e bagegen (erü^rt ®ott felift/ 
bamtt fte in ti^m fKOfte^e 0* SBie tn atten SBemegnngen 
m 3(nfang; eine 2)7itte unb eht @nbe ju untetft^eiben 
ftnb , f tonnen n^ir <iu^ in ber Sie(e > brei ®rabe un« 
terf^eibett/ bte 8te6e ber S3egtnnenben , tveld^e toom 93 j^ 
fen unb ber ftnnli^en 93ege]^rltd^fett ftd^ airotnbtn, bte 
Ste6e ber Sortf($rettenben , tt)el(^e im ®uten ftd^ flarfen, 
unb bte Stelle ber S3oIIf ontmenen , mli^t in ®ott, ipxm 
Siele; gtt rujen tegel^ren^)* SOBtr fönnen an btefer unb 
an fi^nlt^en Sefiren Ui X^omai fe^en, n)te er jiener 
S(rt ber X^ttU^it, m\^t bte SRipßtfer bed t)ortgen da^rl^. 
audgebilbet j^atteu; ni^t abgeneigt iß« ^u(^ er (egt 
großem ®mi^t auf bte @tufen be^ Slufßetgen^ 2U ®M, 
fo »)te feine gange $^{(ofo))${e bem ©rabunterf^iebe bte 
größte 93ebeutung i\x\^xxtf> unb in ber Sntmidflung be6 
tjernünftigen fiebenö üteratt ba6 gorff^retten \)om nie^ 
bem gum fio^ern ®rabe gu ben)a]^ren fu^te. §l6er in 
feinen Sejlimmungen biefer ®rabe/^ fo »ett fte bem üBer^ 
ftnnli^en Seien angei^oren, ift £|»oma^ fe|»r einfa^. 
3Wan fxt^t iaxan, bap j[ene ^jfp^ologifd^en Unterfd^eibun^ 
gen, toeld^e bie SSictoriner »erfolgt ^atUn, bei i^m ^in* 
ter eine größere %viUt ber SQ3iffenf(^aft ftd^ gurücfgegogen 



1} Summa tbeol. II sec. qu. 23 art. 6. Fides aulem et spes 
atlingunt quidem deum, secundum quod ex ipso provenit nobis 
vel cognitio veri vel adeptio boni, sed Caritas attingit ipsum 
deum, ut in ipso sistat, non ez eo aliquid nobis proveniat. 

2) Ib. qu. 24 art. 9. 



349 

^aben» %n^ ^at er barm einen ofenbaren Sorjng )>or 
ben SR^fltfern, baß er bie ®rabe bed Sluffletgend ntc^t 
aM ©rabe ber Slnf^auung i&^it, fonbern in btefer nur 
ben legten 3n)ed ader (£ntn)tcf(ung erdicft 

. gaffen tt>ix nun bie grage in bai Singe , tt^ad fiber^ 
ffaupt bad @9flem bed X^oma^ fftr bie ))$i(ofo))^if$en 
Seßrebungen bed SDtittelalterd geleitet l^abe, fo ffnnen 
tDir ni^t unterlagen l^ierbei ein 2)o))))eIted 2^ unterf(^et# 
beu/ bie B^iili^Uit ber älnorbnung, n^elc^e er in ben 
3ufantmen|^ang ber ti^eologif^en Seigren brad^te , unb ))oii 
ber anbern Seite bie Sluffaffung unb ben ®tbxani^ ber 
p^nofo)>^tf(|ien ©runbffi^e, tt)el$e fein Serfaj^ren leiten 
ten» äBenn n)ir ftnben , bap er in jiener mit ^iütx Um^ 
[i^t, mit großer SDtäßigung unb ©ewanbti^eit ^tt^% 
fo fiaben xoix baburd^ ben ®runb ber n^eitgreifenben (Sx* 
folge bejeic^net/ toeld^e feine Sepre gehabt ^at. SQBad 
aber biefe betrifft, fo muffen tt>ix gefie^n, baß toir bie 
gortf d^ritte ; ml^t feine it^xt in S3erglei($ mit ber Se^re 
älbert'^ be^ @roßen braci^te, nid^t fo f^ocfi anfd^Iagen 
fonneU; xoit e^ ^on fielen gefc^e^en iß; loenn er auc(^ 
bie ©runbfä^e Sllbert'ö jum X^til beutlit^er unb entf^ie* 
bener tnttoiätUt, fo f^eint nn^ io^ an einigen fünften 
fogar ein 92a^Ia{fen bed ))pilofo))pif^en Strebend ftc^ 
fenntli^ }u mad^em 

Unßreitig ifi ti ein bebeutenber SSort^eil, toel^e feine 
©arfieöung wx ber Cefire ätbert*^ »orau6 ^at, baß er 
bie SWeinung befeittgt, aU wären bie gefd^affenen 35ingc 
in ni^td mit ©Ott ^ergleid^bar/ baß er bagegen bie Sl^n^ 
li6)Uit ader 2)inge mit ©Ott l^eroorf^ebt , toeil fte feiner 
äBirffamfeit in i^rer Sirffamfeit nad^fa^mem Slber er 



330 

mtwiätit l^terin au$ nur einen ©ebanfen, ter jn^ar ht^ 
beutend genug ifl, al^er feinem Sekret t)0$ ni^t gefef^tt 
^atte; er m&^i^t nur einen ))oIemif($en Sludbrud be^fe^ 
(en ^ tt)el$er na^ ber entgegengefegten @eite ber S3etrad^« 
tung ^inmieß; baf er l^eibe ©eiten, bie ä^nltc^feit unb 
bte Unä^nli^fett ber ®ef($$))fe mit i^xcm ©djifpfer^ gu 
einer ftd^ern Unterf^eibung geirad^t fiatte, n)irb man 
nic^t fagen fonnem 2)Iit biefem SSort^eil l^ängt ti )u<^ 
fammen, baß er bie an iai SRi^ßifc^e ßreifenben fßox^tU 
lungen feinet Seprer^ von bem t)erä$nli($enben SBerflanbe^ 
weld^er und erfl mit ©Ott toa^x^a^t in geißige ©emein^ 
fc^aft t)erfe$e/ babur^ berichtigen tomtt, baß er bie ®ott 
))era^nlid^enben S^atigfeiten in allen ©efd^opfen fanb, 
bagegen ben vernünftigen ®ef(^f))fen ti t)orbe|iiett ©Ott 
burc^ (Srfenntniß bed SBerßanbed ft^^ 2U )^ereinigen; unb 
io^'i^ an^ ^itxin nur eine anpaffenbere 2)arßeIIung bed 
©ebanfend gu ftubeU; baf im 93er{lanbe (Srfannted unb 
Sriennenbe« fid^ loereinigen müßtem SBir trotten e« je^ 
bo^ nid^t »erfennen, baß erfi burd^ biefe SBenbung ber 
Seigre bie Seit red^t entfd^ieben loon ber ^totonifd^en 3been^ 
lepre ftd^ lodfagte^ inbem nun nidi)t mt^x im SOBefen, 
fonbern in ber SJÖirffamfeit ber Singe bie Offenbarung 
iti ©ottlic^en gefud^t rnirb unb inbem jugleid^ ber ©e^^ 
banfe ftd^ geltenb ma^t, baß bie ^odfommene ä^nlic^^ 
ttit ber ©efd^o))fe mit i^rem @4io))fer in i^rer roa^x^a^t 
innerlid^en SBirffamfeit beruhe, in n)eld^er i^re X^atii^ 
kit auf fte felbft jurüdgef^enb ftd^ felbfl beflimmt unb in 
»erjlänbiger SBßeife |id^ erfennt* 2)ied ifi ber SSorgug ber 
gefddajfenen SSernunft iprem ©d^opfer gleic^enb burcf^ ft^ 
fcftji ju feim ^ierburd^ treten aUerbingd bie ©ebanfen, 



i 



3^1 

n^e((|e bai ©^flem %tbttVi im^ittn, in ein Rareres 
Stc^t Unb fo ftnben wir ben Z^^mai Hitx^au^t imH^t 
bie 3>arße0ung iti t]^eo(ogif(|en (S^fimi mogltd^ft al^ 
jurunbem ®m @$arf{inn bringt babei in tai Sinjeljie 
ein unb erweitert bie ©ebanfen, wel^e SQ^ert nur in 
ro^em Entwurf gegei^en {fatte^ in ou^fü^rli^en Unter«» 
fu^ungen« 2)ied ttitt f^on in ber Anlage feinet S^ftentf 
auf bad jDeutlic^fle ^en^or, tot er bie 9lot$n)enbigf eit 
beö ®{aui&ent an bat le^te 3i(I unferet ))emfinftigen 
etttUni t^tiU fär alle; t^eilt auc^ ffir bie $$i(ofe))$en 
fei^r einleu^tenb auteinanberfe^t unb eben babur^ anify 
ben et^if^en @^arafter feinet @9flemt be^ei^net 

3n biefer SSejie^ung ftnb an^ befonbert feine ge^ 
nauem Unterfuc^ungen fiber bat SSer^äitniß im\^tn 93er^ 
ßanb unb SQSiden, jwifc^en 933iffenf($afi unb SCugenb ju 
erwähnen« @t jetgt fld^ in i^nen un^erfennbar bat @tre^ 
im ben {tttU(|ien ©e^ialt ber ^r^enle^re, fo soiel alt et 
bat @9{lem t)ermo(|te, in bat ^i^t ju feiern S8ie SU^ 
bert bie tpeologifd^en t)on ben moralifcben Sugenben un^ 
terf(^etbenb/ gelang et i^m nun au(^ Wirf(i(|f beut ein^ 
gegoffenen, toon ber ®nabe erleud^teten SQillen einen jfo^ 
i^ern 3&cxt^ anjuweifeu; ali ber natürlichen SQ3iffenfd^afi; 
aber bat Joorperfd^enbe tpcoretifd^e 3ntereffe gemattete et 
bod^ nt^t/ ba^ bem ftttlic^en Seben ber fffcbße $rett ju^ 
fteL 'Bai befcbauli^e Seben muß i^n ba^oontragen« Unb 
wenn baffer S^omat aucfi bemfif^t war bemSBillen einen 
felbflänbtgen SBertl^ unb eine felbftänbige SBirffamfeit gu 
be^au)>ten; fo erf^eint er bo^ weber in feinen S3eweg^ 
grunben frei, noc^ in feinen 3weden unabfiängig; fon« 
bem wirb in beiben burd^i ben 93erßanb benimmt ^..in^^ 



i 



F 



5S2 

c^ne &:Tenntn{§ be6 ®uten hin SBtKe tfl unb tai ^^^t 
@ut nur im fd^auenben SSerßanbe gett^onnen n)ub« 

9luf bie @cßaltung feiner ^e^re l^at nun aber befon^ 
ber6 feine Slnftcbt 'oon ber natürlichen SSerfd^iebenpeit ber 
jDinge einen entfcf^eibenben Sinjiup* Qi ifl ald ein 93or^ 
ffytii feiner jDarfleKung^meife an^ufe^n, ba^ er bie 9In^ 
nahmen ber Smanation^e^re entbefiren fonnte^ um bie 
soerfc^iebenen @rabe ber 2)inge abzuleiten , inbem er fte 
unmittelbar auf ben SSerßanb ©otte^ jurficffä^rt, wd^ 
4ier ni^t attein ftd^ in feiner ganzen %nUt, fonbem antfy 
in lieber SQ5ei[e/ in »etd^er er ben gefci^affenen SBefen miU 
tfieilbar ift; ju erfennen t)erm6ge unb mi^tx bur^ bie 
@fite feinet SBiKen^ betoegt ft^ baper auci^ in aUm 
©raben benfe um atte ©rabe iti @ein^ feinen ©efc^opfen 
gtt ))erlei^em (Si txti^a<fyft bem £^oma^ f^ieraud, ba$ 
t^m bie SBett in einem ununterbro^enen 3nfammen$ange 
aUci 2)afein6 erfd^eint, of>ne bag er genöt^igt wäre ben 
unmittelbaren 3nf«nimen^ang aller ®ef(^opfe mit ©Ott 
aufjugefien* 2lud^ gelingt eö i^m ben ujed^felfeitigen (Sin* 
flug ber 2)inge auf einanber auf eine f(f)itfti(^e SBeife fi6) 
jtt erfldrcn, inbem er ni^it allein ben 3«fflmmenJ)ang aKer 
2)inge in ber 3bee ©otte^/ fonbern auc^ ben ©ebanfen 
au ^ülfe ruft, baß jebe^ ©ef^o})f bie St^nKt^f eit mit 
bem ©Töpfer bewa^renb au^ eine SSBirffamfeit auf an< 
bere^ l^aben muffe, xoit ©Ott« Slber roix fonnen aud^ 
Ifierin nur bie Sorjuge einer abgerunbetern 2)arflcttung 
erblitfen; bcnn an^ biefe ©ebanfen lagen in bem ©9* 
fieme %\btxV^ fc^on fejfr beutlic^ loorgebilbet, unb anberc 
(Slemente in ben allgemeinen ©runbfa^en Sllbert'c^, n^elcbe 
fd^ii fe$^ beutlic^ enttoidelt einer toeitem Pflege mxt^ 



gekt)efen »)aren, fe^en tptr bagegett t)on3:^omaj t^etnad^^ 

loffigt ^tetju jä^Ien wtr bcfonber«, bap er bie Se^re 

SIQ^erf d aber bie SRaterie al^ ben S3egtnit ber e$orm unb 

bte Seigre be^ Sloerroed fi(er bie 93e¥(orgen^eit ber Sor^ 

tuen in ber SDIaterie Ui @ette liegen I&^t 2)Ian fie^t, 

ba$ biefe Unterfucfiungen, n^el^^e bie natilrlic^en @runb^ 

lagen bed ftttli^en unb retigijlfen Segens erforf^en fojK^ 

kn, bo(^ al^ialb in biefer 3^it tt^ieber gurficftraten« SDer 

fteim baju lag freilid^ f(i^on in ber Untetf^eibung bjer 

SRaterie im eigentlichen unb im uneigentlicf^en Sinne» 

S)urd^ fte fonnte ftd^ bie S^eologie^ tt)el$e bo$ t)or a\^ 

lern ben geijligen 2)tngen if^re Sufmerffamfeit ju f^enfen 

^otte, ))on einer ßrengern Untersuchung beö S3egriffd ber 

äSaterie für entbunben {matten» 

@te^t nun a(er fcf^on iai ©eifitge' m^ ber Sepre 

bed Z^ovxai in einem entft^iebenen ©egenfog gegen iai 

ÜRateriede, fo ift ed boc^ no$ natärlic^ unb ^at baburci^ 

mit bem 3)!aterteaen etn^ad gemein; um n)ie t)ie{ ent^ 

fc^iebener it}trb biefem nun bad flbernatürlicfie entgegen«' 

treten! SSon ber unenbli^en SWa^t ©otteö pammcnb 

bricht eö alle ©d^ranfen ber Statur» Slui^ ffierin feboci^ 

haut Z^oma^ nur weiter fort, voai fein Seiprer f^on 5e^ 

gonnea |Kitte» ©eine wettlduftigern 2lu6fü{>rungen biefeö 

©egenfa^c^ gekn ber itfyxt nur ein flärfered Slnfe^n; 

benn bie gaitje ?ef^re t)on ben tt>eftli^en JDingen, wetci^e 

5£|^oma« jlcf> au^gebilbet f>atte, iielte in ber Z^cit barauf 

ab bie 9lotJ>tt)enbigfeit einer üternatürli^en ßrteucfftung 

barjutfiun, wenn bie locrnunftigen SBefen i^rcn 3^cd ^^"^ 

reichen foUten, x^ox alten 3)ingen jene ?e^re t)on ben na* 

tfirlic^en ®rabunterfc||ieben, welche ein üebe« SQBefen DfT' 
@cf(j. b. ?ji(. viii. 23 



■ *a 



3S4 

^itibm muffen in itt noturlt^en @ntn)t(ffang feiner: 
^äfte ben t)0l{en ©e^att Ui @etnd ju genoinnen, Wtan 
n)trb a(er überbtei au^ (emerfen f5nn£n ; baß X^t>mai 
tDon Kquino ben Umfang ber Srf enntntffe ; ml^t auf 
übtxmtüxii^tx Offenbarung beru|>n foBen, auf Äojlen ber 
natfirtt^en (Srfenntmß unb gegen ben @{nn feinet it^^ 
rerä au^jubefinen ni^t soerfd^mAfft 2>te Seigre t>on bem 
ititti^n anfang ber 2BeK, ml^t mUxt auf gjlafon |i^ 
flfl^enb no$ für eine ®a^t ber natfirli^en @rfenntni$ 
angefe^n l^atte, erftart X^omai für einen reinen SlrHW 
be^ ©iauben^* 3)2an {te|)t i^ieran, tt)ie ber ©taube im 
bie Unfel^Ibarf eit beö Sirtjloteleö in atter natfirlid^en dx^ 
fenntniß fi^ befepigte, baö Slnfe|>n beö ^Jlaton im abne^^ 
men war» JDiefer ®egenfa$ in)if(J^en übernatfirK(t)er unb 
ttaturlicf^er Srfenntniß mi^ und auf bie enfgegengefe^tett 
Autoritäten O^in, mli^t in biefer Seit mit einanber bie 
wiffenfddaftlitl^e Unterfuci^ung bewegten* @r biente nur 
baju ben Streit be« SBelttid^en unb beö ©eijllic^en au^ 
in ber ?ej>re f^eraudtreten ju laffen* 






SBie fe^r auc|> bie 8eJ>re bed X^ma€ »on Slquino 
burc^ ij^re SWaßigung unb abrunbung ^ mp^al, fo 
fonnte fem Spfiem bod^ ben ©eifatt eined benfenben 3eit^ 
Ottern, tt)el4ieö in ben liefen bed ©eijied bewegt war, 
ti\6^t in aßen ^Junften erwerben, SWeJ^rere feiner ^Junfte 




38» 

würben fffentUc^ gemi^biKtgt Sßetin X^omai au^ bent 
^xi^ottUi niä)t unbebtttgt betgeßtmmt ^atU, fo fd^tett et 
bo^ beffen 55^tIofo})^ie einen ju ßropen @tnfltt§ auf b(e 
Si^eologte geflattet iu l^aBen *)♦ <gö W^t fi4i temerfen, 
ba§ bte ©rengen, mi^tX^^mai gtotfd^en ber natätlt(|^ett 
$:ptIofo))$te unb ber übtxmtMi^m S£^eotogtc gqogen 
l^atte^ no($ feinedn)e3e^ genfigen mUttn, baß ber S3ov^ 
)ug; n^eld^er t)on tfim bev ^fenntnißt^eorie bej Slriflo^ 
tele« Dor ber ^tatontft^en 3becntepre gegeben »orben 
tocct, bte entgegengefe^te SSotfleffungdtoeife, meiere auf 
btefe ft(^ ftu^te, ntc^t gu befdttgen ^etmo^te, unb baß 
feine CeJ^re t)om Ser^äftntjfe bed SSerflanbe« jum SSBiKen 
bie et^if^e SRid^tiing ber Ätrd^enlejfre ni^t Jefrfebtgte» 
jDiefe unb t)iele anbere fünfte t)ermo(Jten f^on ju fefner 
Seit mefirere kbeutenbe ?ef>rer gegen fein t^ologifc^e« 
©9fiem jtci^ ju erHaren» SSon i^nen föj^rc. x(fy nur beu 
an , mX^ix mir ber' bebeuteubfte unter il^nen gen^efen jit 
fein \^mt, ben ^einrieb ®oet{)aB 50on ©ent^)» SWan 



1) SJergt. bie ©ä^C; njetti^e gegen beu Sojattne^ de Monie- 
sono ju ^ariö auföefteUt würben , Jtnter ben ©entenjen be« 2om* 
batben unb einige 3wf«t^ baju b. Launoj. de var. Arist fort. 

p. 213 sqq. ed. Efswicb. 

2) @eine ^e^re öerbient eine genauere ^üfung> aU i$ i^ 
ttJibmen !ann. Sflnx feine Quodllbeia Jabe icj ju ©eftc^t befom* 
Uten unb 3ur SSergteicf^ung mit ©und ©eotud, ber ijn Jöuftg be» 
ftreitet; guweilen jugejogen. !Werfn)ürbig ift feine 3been(ejre; weltje 
an bie ^latonift^e erinnernb, bO(^ öon ijr barin ahwii^t, bag 
fte leine natürticje, fonbern nur übernatürticje @rfenntnif ber 
3been und 3uf^reibt, bftgegen aUed naturtit^e ^fennen nur för 
flüfftge SBorüeUung ^äU wegen ber S5eranbei:ti4>feit ber @eele unb 
ber finnlitSen Oegenflänbe. ©. Job. Duns Scot. in mag. sent I 

dist. III qu. 4, 2 sqq.; Heiir. Gand. quodl. V qu. 14. ^nt^ bfe 

23* 



386 

lann biefe Slngviffc ßegen bte Sefirc bc« ?lqutnatcn aW 
Ütergärtge ju ben »iel ficlrtern angriffen t>c8 3Dun« ©co^ 
tu^ anfe^m 

ÜUx bad Se^en bed So^anneä S>un6 @cotu0 ^a(en 
tt>ir nur n^entge unb oft unter einanber {hettenbe Slnga^ 
bem 2)ad da^r feiner ©eburt mirb t)erf($ieben angege^ 
bem @r foU 2U 2)un4 geboren toorben fein, an ber filN 
li^en ©renje von @$ottIanb, n^of^er feine Setnamen 
flammen, in einer eblen unb xt\ä)tn Familie; vonn^el^er 
er fär ben ^ieg erlogen tourbe, aU sufäKig einfe^renbe 
Srandtfcaner feine fcfmedeSaffung^fraft entbecf ten unb 
i^n bä)u beßimmten , ft^ ben SBiffenf^aften in n)ibmen 
unb i^rem Drben ft(^ an^ufd^Iießen* dx lehrte guerß ju 
£)rforb, tt)o au^ feinen Sorlefungen ber (Kommentar üu 
ben ©entenjen ^ert)orging , iai berü^mtefie feiner Sßerfe. 
3m 3» 1301 fd^eittt er nad^ ^axi€ gefommen ju fein, 
tt>o er mit gteid^cm Seifatt wie ju Oxforb lehrte, bie 
.SBfirbe eine* 2)octor« ber 2:^eologie em})fing unb gegen 
bie Dominicaner bie Seigre »on ber unbejlecften ßmpfäng^ 
niß SWaria \)ert{ieibigte» ^icr blieb er biö gegen feinen 
2:0b, ber i^n ju 6oln ereilte, »o^in er im 3apre 1308 
gur SBeftreitung ber SBeg^arben berufen worben tt)ar ^)» 

SSie fein Seben , fo liegen au4^ feine SBBerle nod& fei^r 



r 

Stet^eit M StCTcn^ i>txiintiQi er geaen Un ^etermmi^mud M 

S^Oma^. Ib. I qu. 16 sq. 

1) MatÜi. Veglensis vita Job. Duosii in Waldau tbes. bio- 

ei blbliogr. Cbem. 1792. SBobbiiig'^ %nQaUn ftnb i>icl »erwoT* 
renet. ^u4 ^unf^on in (Sn^tanb trtrtf ald fein ©eburt^ort ange« 
geben. i)>{a$ einigen foQ er 43, nac^ anbern nur 34 3* aU gewor« 
ben fein. 3luc^ t)on i^m ge(t bie Oage, baß er, in feiner 3ugenb 
bumm gewefen, banir pioj^li^ erleu(|tet »orben fei. 



• » 



357 

im 2>un{e(tt ^}* 3n ben ^ni^aUn, n)et($e n)iv t>on ip^ 
nett "fyahtn, ftnb tte Spuren iDon SSetfälf^ungeu nt^t ju 
\)erfennen* SQBenn bte Herausgeber |te jum S^etl }u tiU 
gen gefugt ^aben, fo tß baS ofine fidlere« $rtn€t)> ge^ 
fc^e^eu; ober wentgflen« o^ine mi Sted^enfc^aft über t|ir 
SBerfapren abjulegen % ©eine ©(^riften finb . »on tpm 
fefbß ci^ne S^ti^^l nic^t bis jur SSoHenbung auSgearbei« 
Ut n)orben. SIRand^eS [(^etnt nur ani feinen 93or(efun» 
gen gefloffen ju fein; aber m'eied t)erf d^iebt er feine (£nt^ 
[(Reibung unb ^txwti^ bie S^^orer ober bie Sefer auf i^r 
eigenes 9tadiibenfen» SRan erfennt in i^m einen arbeiten«« 
ben ©eiff/ n^el(|ier baS 3ici feiner SNä^en nod^ in ber 
Seme erblicft ©eine Arbeit ßedt ))orne^mIid^ in feinem 
©Vfleme ber S^eologie. ©eine Kommentare )u ©c^riften 
bed SI. unb 9t. ^ejlamentS ftnb ni(|t einmal in feine 
Serfe aufgenommen koorben; Don ben Slriflotelifd^en 
©c^riften (at er einiges erfiart, bod^ tverben bie mti^tn 
SrHärungen ju ben )>^9{tf(^en ©d^riften, ml^^ i^m ju^ 



i) 5^ Jabe feinen erflen (Kommentar über bie ©enienjen ^e^ 
Tefen m t)er Ku^gabe t)ed $)U0O (^aoellu^ AdU. 1620. 2 yoll. fol. 
<£S tu bte^ bad opus Oxoniense, ml^i^ bem. }toelten kommen« 
tat (opus Parisiense) öorge^ogen it)irb. !Die Slu^gabe feiner Serfe 
t)on ^abbing (Lugd. 1639. 12 voll. foL) (abe i^ nur bei flüci)« 
tigem ^ufent^aU in ^tbliot^efen einfe^ fönnen. 0enfl ^abe <(b 
3ur ^anb gehabt unb bis unb ba berglicben feine quaestiones 
quodlibeiales (Venei. 1506 fol.), feine Kommentare jum 3(riilo» 
te(e^ de anima (un)>o(Ienbet na($ ber Su^g. b. $. (Iaoe((u^ Lugd. 
1625. 4.), jum 9or))b9riu^ unb ju ben logift^en <^f|riften C^u^g. 
0. 33en. 53encDOii. Pap. 1520. 8.) 

23 Sabbing'^ "2lu^gabe wirb i^imn nitjt beffer fein, aU bie 
3(u^gabe bed Kabettu^. ^a^ einer flüt^tigen $erg(ei(!^ung gu ui« 
tbeiUn ifl in iene biefe unberänbert übergegangen. 



3^8 

gefd^vie^en morben ftnb; ffir mtd^t gefialten unb bie 
©teUung , ml^t er ä(ei:]^au)>t ium SIrtßoteIed annimmt, 
I&pt nid^t baran iwti\tln, ba^ biefe Slrt bet Untetfuc^un^ 
gen i^m bod^ nur einen untevgeorbneten SBetti^ (ia6en 
fonnte* 

2)ie ätic^tungy welche er feinev äBiffenfd^aft gegeben 
ffat / ifl burc^au^ tix(fyli^. Wlit bem 3lugnßinu^ gefielt 
er tin, er mflrbe bem Sioangelio nic^t glauben, aU nur 
totii er ber fati^oKfdjien Äird^e glautc ^)» @r vertraut 
bem fettigen ©eiße, n^el^er bie ßird^e leitet unb »)ie 
er in ben ^eiligen @(|iriftße((ern gen)irft ^at, fo nid^t 
minber in ber ^ird^e fortn){rft. @^ri{luä fiat ben 3ün^ 
gern nid^t aUeä gefagt, meit fte nic^t aUti tragen fonn^^ 
ten, er i^at ipnen ben ^eiligen ®ei{l )E)erf))ro(i^en ; bie 
3l))ofte('Jiaben ber £ird^e bie Überlieferung gegeben ni^t 
allein in i^ren @d^riften; fonbem auc^ in ben ®.en>o|^n^ 
l^eiten, U)eld[}e i^r äberfamen; ber ©taube aler mupte 
nidiit aKein au^gef))ro(^en; fonbem aud^ erflärt »werben, 
fo wie e^ bie 3eit Joerlangte, »et^e für neue Äefcereien 
au(^ neue Srflarung beö Olaubenö beburfte^)* ®ott 
fej^lt benen nid^t/ welche »on ganjem ^erjen i^x $eil 
fud^en; er erleuchtet fte, wie er fo \)iete fd^on erleud^tet 
^at SD^it bem 3(ugu{linud beruft ftdl^ S)unä @cotu^ auf 
ben ©tauben ber SBelt, weldiier Hi gropejle SBunber 
wäre, wenn er, ber o|^ne ©ewaft, burd^ fd^wad^e Serf^ 
jeuge gegrunbet worben iß, an^ opne SBunber ^tx^ox^ 
gebra(||t worben wäre '), ©o f^lliept er mit »ottem SBer^ 

1) In sent. prol. qu. 2, 8. 
2} Ib. I dist. XI qu. 1, 5. 
3) Ib. prol. qu. 2, 10; 13. 



3S9 

trauen an bie 8epre Ux fatfiplif^ien ^rc^e ft^ an, n^elc^e 
tu Beugntjfe bet ^eiligen, ber SSeftgefc^t^ite für {id^ j^at 
unb noc^ tmmet burd^ ben ^eiligen ®etfl {td^ (ejeugt (Sr 
iittü^M fte al^ eine Ouede ni^t aOetn ber rtd[ittgen 
Se^re; fonbern an^ be^ ftttltd^en Seiend unb yalt betf^ 
wegen auc^ ni^t wmiitx aU ber Sombarbe auf bie äußere 
S^^t, ml(^c fte auffegt unb leitet, t)erßarft ^k\m^x ni^t 
fetten beffen fiierar^iifcfie ©ä^e. 2>ad //jwtnge {!e ein^u^ 
treten" mo^U er in ber jlrengjJen SBeife ^on ber tvett^ 
Ii(|ien Wa(^t ge^citten kniffen. (£r tt)ürbe ed nii^t tabeln, 
wenn ben 3»uben i^re ftinber, um fte gu taufen, mit S3or^ 
{t(|t entjogen, j[a wenn bie 3uben felifl bur^ 2)ro$iung 
unb @d^reden t^ermod^t würben bad S^rtßenti^um anju^ 
nehmen, in ber 93orauäfe^ung , baß eä gef^epen fonnte 
ol^ne babur^ größere Ü6el iperbei^ufäpren 0* <Sr be^nt 
aud^ bie ©d^tuffelgewaft Uß ^rießerd fo a\xi, baß fie 
nic^t üUtin auf ieitlid^e, fonbern au4^ auf ewige ©trafen 
ftd^ erfiredfen foK; bod^ mit bem dufa^e, baß l^ierki, fo 
ti>U in anbern Dingen, ber ^xk^tx nur aW SBerfjeug 
©otted l^anble, welcher fetift eined b^fen ^ngeld ftcf^ be^ 
btenen fonnte um tiu gültige Saufe gu ))ot(jie^n» ?{ur 
in gewö^ntic^em SBege fei ber ^riejler bad SQSerljeug für 
bie ©nabenerweifungen ©otted in. ber ^irc^e unb jwar 
gunäc^ji ber SSif^of für bie 2:aufe; nur wegen bed Se^ 
bürfniffed waren foid^^ ä3erri(^tungen auc^ an anbere 
55rieiier übergegangen 2}, äßi^ fejfen, baß ^itx iit j^ie^ 
rar^ifc^en Segriffe in wUcx ®t\valt heraustreten* 



1) Ib. IV disl. IV qu. 9, 1 sq, 

2) Ib. IV dlsi. VI qu. ii 3 sq.; dist. XIX, 23 sq. 



560 

SRan Imtxft an biefen Slu^eirungen M{fy tooyt, baf 
bem 3opanne^ ber gemäßigte @tnn, weld^en wix Uim 
Z^omai fanben, nt^t itiwo^nU (Sx tf} t>cn etwad ber« 
berer 9Itt 0etn|^eit tn feinen Unterfi^eibungen ))ermiffeii 
mx itoax m'^t; \)telme|ir tf} er bann r>ox aütn $lnbem 
SReifler; aber feine iBeife ifl fireng/ feine ©ebanfen 
f(^neibenb/ fein Slutfbtud o^ne alle ©lätte, tc^ unb soet:" 
na^iläfftgt Bie @))ta(|e, U)el(|e ev rebet, ^at bie gan^e 
@4^tt>erfa(Itgfeit, mi^t man ber Bifyola^if ixm S3ortt)uvf 
gemalt ffat; unb nut ben f))ätern ^üUn tt>ax e^ )ocr(e^ 
Ifalten fte an Sarktei ju fiier(ieten* Qtint @egner, 
iDeld^e er jiebo^i fetten nennt/ bei^anbett er mit^arte^ im 
@efül feiner ü(ertegen^eit, bie ©egner ber fatpDlif(|en 
^ir^e Megt er mit @4iim^fmortern* S3enn er aud^ wn 
ber SBeItanf(|fauung ber Slrabifc^en 3(riftoteIifer ni^t gan} 
unabhängig iflO; fo ftnbet bO($ ber )^erf{ud^te Slperroed 
wx ipm feine ®nabe 2)^ 

S3ei feiner burd^auö fird^Iid^en Haltung tt)ürbe ed ein 
SSSunber fein^ wenn er bem Slrijlotele* einen unbebingten 
©laufen f^enfte* SQ3ir ^aben fd^on gefe^en, baß au^ 
bie SSorgfinger Ui ^nni Btotixi feineön^ege^ aQen @ä^en 
Ui Slriflotele* beifUmmtem S6 ifl aber bei ben f>ierilber 
^erfd^enben Sörurtfieilen too^l ber SWupe wert^ etwa« 
genauer anjugebeu; wie U^x 2)un« @cotu« iai Slnfef^n 
bed Slrifloteleö befc^ränft. dx t^ut e« in einem viel 



1) 93et0l. über ba« SBettfpflem unb ben Einfluß ber ©c^inte 
fcgar auf unfern SBiaen ib. II dist. XIV qu. 2 ; S. 

2) Ib. prol. qu. 2, 8. Saraceni vilissimi porci. Asini 

Maoicbaei. Ib. IV dist« XLIII qu. 2, 5. llle maledictus Aver- 
roes. Ib. 26. 




361 

Qx^mx ^a^t aU Sl((ett ber ®ro^e unb Stffomad nnt 

t^ ta^t ftd^ erwarten, baß er bie 972td(i(Itgung ber Slru 

flotelifd^en $^i(ofo))^te au(^ ntd^t tn bet fd^ottenbfien 

äBeife au^fprtc^t/ tt)enn gtet^ er beu ^^^tlofo^p^en mit 

©(^impfwprtern t)erf^ont SDie Sewetfe ber ^^iU^tp^tn 

&6er^aupt {tnb t^m t)erbäd^ttg. Slrtftoteleö fettf} gekaud^t 

^erfi^tebene ©runbfä^e/ ^on iDeld^en au^e^enb er ni(|^t 

immer ä(er ben 3n>(if(( ffittau^fommt Dft folgen bie 

9^i{ofo))^en in i^xtn ®ef»au^tungen nur ber Sßa^rfd^etn«' 

li^feit Sßte fonnte ti anUxi fein, ba {te bie natfirli^^e 

(^fenntntß ffir {ureiij^enb galten, aBer bo^ eine n^a^re 

(Srfenntnig ®otM unb eine wa^re ©eligfeit mi ah 

fpre^en?^^ Die« trifft ben ^auptunterf(|ieb jwif^en 

ber fieibnifc^en $(iUofo))^ie unb ber c^rifltiii^en 2:|^eotogie» 

3(n i^n f^Iießen {t$ anbere fünfte an, in n)e((^en 

f(!^on $l(6ert unb X^omai bem üriflotele« tt)iberfpro^en 

l^atten, bie ©wigleit ber STOaterie, bet SQBelt, ber |>imm* 

lifd^en Äor^jer unb i^rer Bewegung* 2)un« ©cotu« fäumt 

ni4it feinen SSorgcingern pierin beiiuflimmen. @r iUiU 

aUx ^itxUi nid^t ftel^en; aud^ anbere ^auptpmUt ber 

ärijiotelifctien ?efire »erben t>on i^m angegriffen* ©o 

bie Unterorbnung be« ^raltifd&en unter ba« Speoretif^e, 

in welker X^oma^ bem Slrijlotele« gefolgt war, toeldje 

3Dun« ©cotu« akr barau« ableitet, bap Slriflotele« feine 

^rari« gefannt ^aU, m\^t auf ba« f>ö(|>fle ®vit gelj^e ^3 ; 

f bie Seigre , baß ber 3^td obet ba« Segei^rung«toertpe 

bewege opne bewegt ju werben, inbem er ba« Wl^taf^o^ 



O Ib. prol. qu. 1, 3; IV dist. XLIII qu, 2, 16; dist. XLIX 
qu. 8, 2 sqq. 

2) Ib. prol. qu. 4, 42. 



362 

rifc^e in biefcr äuöbrucf ^weife ffer^oot^eW ^) ; f o btc ®e^ 
iKittptung, baf jur ^rfeuntni^ not^n>enbtg {tnnü^e dx^ 
tnnetung gebore unb baß au^ ben unioemünfttgen Z^it^ 
xm tiwt fold^e (Erinnerung jutomme ^3* SJfan jte^t n)Ol^I/ 
baß biefe €äge felEfr n^eitgreifenbe Folgerungen l^aien^ 
unb ed laßt {t(|f erwarten, baß ber fc^arffinnige ^ann, 
tt^elc^er jiene ©runbfäge angriff, a\x^ bie gold^ntngen 
nic^t gefd^ont ^aitn wirb« 3Iuf bad (Sinjelne miUx m* 
2uge|^en iß pier ni^t ber Ort, aber im KKgemeinen mirb 
man im 3luge |fa(en mfiffen, baß S)unö @cotud in fe^r 
entfi^iebener S03eife au^ einzelne fünfte feiner W>toti^m^ 
gen wm Slrifloteleö perJDorffeM ^D» 

9Ran fonnte glauben, it miUx er vom §(rifioteIe^ 
^ entferne^ um fo enger mxic er f((|f an bie j^erge- 
brad^te Formel ber ^ir^enle^re anfd^ließen. Sßir l^aben 
gefe^n, n)ie i^m fein (Glaube an bie ^ird^e etn^ ifi mit 
feinem ©tauben an bie SBeUgefd^td^te, n?ie er bem l^eili^ 
gen ©eifie v^xtxant, totl^tx bie Se^rer ber ^ird^e erteud^^ 
Ut ^at unb no^ immer erleud^tet äBirb man ni^t be^ 
fur4;ten muffen i^n in einer ff(a\)ifd^en Slb^ängtgfeit von 
ben {ircl^Ii^en ^(utoritäten ju ftnben? ^an tvüxic ftd^ 
taufd^en, n>enn man bergleic^en erwartete. SlIö wenn 
ber ffeilige ©eiß @nat>en woKte unb nid^t frei macffte* 
ältö wenn 2)un^ @cotud nid^t ^ofen bürfte, baß er au(fy 
ibn erleud^tet ^abe unb txUn^Un werbe* £)er &ir4ien^ 
te^re witt er getreu ani^ängen ; aber er wiU fte aucf^ fort^ 



1) Ib. 11 disl. XXV, 2. Fini« non movel nisi metapborice. 

2) Ib. IV disl. XLV qu. 3, befonterö nr. 8. 

3) er. ib. prol. qu. 1, 23; qu. 4, 25; 42; II disL 111 qu.7, 
6 sqq.; dist. XIV qu. 1, 4. 



Ik. 



363 

mun. SBenn er itm ©laufen ft^^ txQjitit, fo ifl fein 
@Iau(e |lav{ genug, um an^ ben 3toti\ü auiiix^aUtn, 
mt fotl ber 3«>cifcl ni^t fiegen ^3* ©ein ©taube ifl 
ni^t blinb; er n)tU unterfuc^en um auf bte ©runbfä^e 
bed ©tauben^ ju fommen. ^a fd^redetl {(fn felbfl bie 
3lu^fprü((^e t>e( ^eiligen nic^t; er fiimmt i^inen ni^^t bei, 
fobalb er etwad in i^nen finbet, n^o^ ben ©ränben Ui 
®laviUni tt)iberfpri^t (Sben fo frei / n>ie et bie Se^ren 
be^ Sldßotele^ angreift, erflärt er {td^ al^bann au(i^ ge^ 
gen bie @ä$e eineö Slugufiiuu^. 3Benn einige ^eilige ju 
fagen fcbeinen, baß bie (Srbfünbe in ber jtnnli^en Se^ 
gierbe befiele, fo fümmt er i^nen ni^^t Ui; w^nn jte be^ 
l^aupten, bie ®ünbe ^ait Um tt>irfenbe, fonbern nur 
eine mangeinbe Urfad^e, fo finbet bad eben fo n^enig feine 
©ißigung 23, ©ewig biefer 6d^olaj}ifer ^at einen fxi^nm 
©eifl, SSon S3orurti»ei(en la^t er nic^t (ei^t jtc^ befie^ 
4ien; er i|i t)o((er B^ti^tl, mit er einen fefien ®runb 
fßr alle feine S^m^^l ^aU 

SQSenn n)ir i^m bie Slbpc^t auftreiben bie ^irc^enle^re 
tveiter ju entmidetn, fo gefit ba^ unjweibeutig au^ ber 
ganjen Haltung feiner 8e^ve ^ert>or, wel^e gegen 'bie be^ 
fle^enbe Sluffajfung be^ fix^li^tn ©laubend fe^r t)iel ein^ 
2un)enben ^aU ©einen SSorgcingerri, einem Slnfelmu^, 
einem 3ti(^arb ioon ©t SSictor, einem 2:i^oma*, wiber^^ 
fprici^t er fajl auf jieber ®txU unb in ben wi^tigjicn it^x^ 
punften* SWan ^at feinen ©treit gegen ben JC^oma« be^ 



1) Ib. III disl. XXXII, 15. Nee fides excludit omnem du- 
bitationem , sed dubilationem vincentem et trabentem in oppo- 
situm credibilis. 

2) Ib. II disl. XXXll qu. 1, 7; disl. XXXVII qu. 1, 18 sqq. 



364 

fonbetS aU tim tun @d^ut|lreUtg{ett/ ani bet (Sifetfud^t 
t>er Svanctdcaner gegen bie 2)omintcaner ffev^orgegangen, 
anfejin woffem ^ tft ba6 tinc SBejfauptung o^ne ©runb, 
ipetc^e nur au6 UnFunbe ber ©ad^en {iammt SDie äSer^^ 
f^ieben^etten ber 9)!etnung, weld^e jtt^tfc^en beiben Se^i« 
rem ber fat^olifd^en ^{r(^e |»erfd^en; Kegen in ben ®runb^ 
lagen t^rer @yfleme unb greifen eben bedn^egen faß burd^ 
oUe X^tik t^rer Se^re ffinburc^* 

grettid^ bartn fiimmen beibe uberein; baß f^e bte X^to^ 
logie 2um S^^dE ader t^rer Unterfud^ungen nia^en unb 
be^wegen aud^ btefe SQ3iffenfd^aft wx allen anbern erf^e« 
ben. Sie iß bie SSiffenfc^afi aUti (Srf ennbaren ; n>enn 
uHr fte fo benfen, wie fte ©Ott befigt; n^eil adeö Sp 
fennbare in i^m gegrunbet ift* 2)ie6 if} i^re SBurbe an 
ft(^« Sfir un& freilid^ iß ße eine anbere, aber nur n)egen 
unferer Sef4iranft^eit ^3* Slber f4;on barin mi^t 2)un^ 
@cotu^ t)bn X^Dmai ab, baß er bie S^eologie t)on ben 
übrigen SBiffenfd^aften abjufonbern fud^t, tt>eil biefe i^re 
@r{enntniffe für ftd^ f>aben unb /ene an^ ben anbern 
Sßijfenf^iaften ni^t untergeorbnet iperben burfe/ nic^t 
einmal ber 3)2eta))^i^|tf ; burcf^ tvel^ie bo$ feine ber t^eo^ 
logifcjien ©eelenßimmungen bewiefen »erben fönne ^)* 
jDod^ bfirfen n)ir bied nic^t fo t)erße^en, alö woKte 
S)un^ Scotuö ber t^eologifc^en Sinft^t baburc^ ütoa^ 
entjie^en, »ielnie^r iß er ber SWeinung, baß bie S^^eolo^ 
gie aOed im göttlid^en Ci^te in einer ^ooUfommnern SQSeife 
erbliden f^nne, al^ e^ bie einzelnen SSiffenfd^aften au^ 



1] Ib. prol. qu. 3, 23; 25. 
2) Ib. 29. 



■ü. 



36» 

t^ren ©runbfö^en ju bewetfen im ©tanbe jinb ^). ®a< 
l^er tt)ftrbe bte S^eologte fiber bte aitbern äStffenfc^often 
JU urtf^ctlen woj^I im ©tanbe fetm 2)er 95f>tIofoj)pte ba* 
gegen n^id S)un6 @cotu$ bte ^ntfc^eibuttg aber t^eologt^ 
f ^e S)tnge nid^t jugefite^n , n>et( {te nur aud ^ffgemeinem 
auf SlKgemeine^ ^(S)lit^t, iai S3efonbere aber ni^t ati 
Sefonbered ju erfennen \)emiag, meil fte au$ aKeS auf 
Slot^wenbigfeit jurucf fä^rt 2)arau0 flammen i^r grobe 
drt^fumer, bie 972emungen, baf ®ott aKeö not^uoenbig 
)oerurfa(|e , baß bte SBett emtg fei unb baß fiberftnnli^e 
©ttbfianjen nic^t funbtgen tonnten % ©eine Xjfeplogir^t 
ft^ ein anbere^ l^o^ere^ 3iel gefledt« @ie fiat e« mit bem 
^tiU ber ©eete }u t^un, n^eld^e^ ein Sefonbered ijl unb 
nit^t eine SBirfung ber Stotfiwenbigf eit , fonbem einSQBerf 
ber ^teipeit. ©olc^e 2)inge ffnnen nid^t ani ^^ilofo^ 
))^if(|ien @rünben bemiefen noerbem SBenn nun aud^ 
hierin 3:^oma^ ^oon Slquino bem ^mi ©cotud nod^ bei« 
ftimmen fonnte, fo tritt bod^ beiber ©egenfa^ fogIei(^ auf 
iai @ntfd()ieben{}e barin f^erau^, baß S)und ©cotu^ ge^ 
gen ben SK^oma^ ben ^^raltif^en 3wedE ber SJ^eotogie 
geltenb ma<^t* Qx t^ut bieö, inbem er jtd^ auf bie ®e«^ 
jlalt ber S^eologie im Slflgemcinen beruft, weld^e »iel 
me^r U^xm müßte, aU jte »irlti^ Ief>rt, wenn jte baju 
wäre bie Untt)ijfenpeit gu t)erireiben, unb tt^el^ie nid&t fo 
oft ipre ?e{>ren ju toieberl^oten braud^e, wenn jie ni^t 



1) fb. I dist. III qu. 4, 23. 

2) Ib. prol. qu. 1, 14; 30. (St befheÜet ben ^ai^, quod in 
primis principiis includunlur Tirtualiter omnes conclusiones sci- 

biles, weil au k>em ^Cttgcmeinen nur auf ^ööemeine^ Qii^lc^m 
»werben fönne. 



366 

but^ n^ieberl^olte (Srmai^nun$ auf bte @ttten n>trfen 
tt)oWe ^)* 3Der ®lau6e > auf wcld^em btc S:^coIogtc be* 
nipt, tfl fetn ^eculattioer, fonbcrn ein ^Jtafttf^er ?lrt, 
ein ^ct mmütni; fetbß ta^ Stauen ®otte^ etfc^etnf 
bem 2)un^ ©cotu« tn btefem iid^k, weil e^ ein ©enu^ 
i^, töeld^er bon und tegeprt wirb^)* Sr fe^rt l^terta 
gur 8e^rtt)e{fe SllberP« bed ©tofen jutfid; (nbem er bte 
S^eologte ald eine SRebtctn ber @eete betra^^tet unb ben 
ber Rettung bebfirfttgen SWenfc^en aW ben ' ©egenjiattb 
(siibjectum) betfelben anfielt ^3/ befefitgt jtc aber befon* 
ber* iatm^, baß er bte ?e^re be* Slrtjiotele« »on bem 
SBorjuge ber t^eorettft^en t)or ber pxaU\\^tn SSernunfi 
t)ertt)trft ^> 

€6en btefer ^unft jeigt, baß fetne Slbft^t tt)etter gei^t> 
al6 feine SSorganger patlen gelangen Wnnem SQBenn au($ 
aibert bte et^if^e SÄtc^tung ber ^irc^enle|^re anerfaniit 
^ttt, fo toax er bod^ \)on feinem eigenen tfieoretif^en 
Sejlreben unb von bem Slnfel^n beö ^frifiotele^ ju fe^r 
be^erfc^t n)orben, aU bag er i^r o^ne 3rrung "^attt fot* 
gen Wnnen; X^omä^ )?on Hquino patte f^iertn no^ mel^r 



1} Ib. prol. qu. 4» 42. Non est autem baec invcnta ad 
fugam ignorantiae, quia multo plura scibilia possent poni vel 
tradi in tanta quantitate doctri «.«e, quam hie tradita sunt. Sed 
baec eadem .repJicantur frequenter, ut efficacius inducatur au- 
ditor ad Operationen! eorum, quae ibi persuadentur. 

2) Ib. 41. Fides non est babitus speculativus, nee credere 
est actus specuUtivus, nee visio sequens credere est visio spe- 
culativa, sed practica. Nata est enim ista visio conformis frui- 
tioni. Ib. III dist. XXIir, 15. 

3) Ib. prol. qu. 3, 2 sqq. 

4) Ib. prol. qu. 4, 42. 



567 

nachgegeben« S)a9egen ^tbt nttn 2)und ®cotu0 mit wl^ 
lern Semuf tfetn bie fttttic^e S&ebeutung ber S^^eologie ^er^ 
t>or« >^3war Witt er bem Serftanbe nlc^W »rrgeBen, weit 
o^ne tpn fein SQttte fein fann; aber er ^at bad lootte 
Seben bet iBetnunft tm 9(uge nnb beutet an^ baß tn ifym 
betbe Sßomente; SSerfianb nnb SBttte, ein^ finb unb^ nur 
unterf^ieben werben, o^ne baß baburd^ {^re ^in^üt auf«' 
geffoben werben fottte , nnb ben ®runb biefe« ?eben« 
ftt(^t er tm SBitten, weld^en er mit bem Slnfelmud a\i 
ben iSBeweger unb J^errn im ganjen Stetere - ber @eele an^ 
erfannt wiffen witt^)« S)eän[)egen gefleht eraud^ tm wei^ 
tem ©ittue bed SQSorte« ju, baf ein jebe« ©rfennen efne 
^rari« unb toom SBitten be|>erf(^t fei, fo wie überbau})! 
bad Segei^ren ba^ @rfennen ^w>ox\oitt unb bad ftnnltd^e 
Sege^ren für ©inn unb ©nWIbung^fraft, ber SGBitte för 
ben aSerjianb ba^ bewegenbe ^JJrincip ijl 5), auf bie (St^ 
grftnbung biefer ®a$e wirb man fein Slugenmerf rieten 
mfiffeu; wenn man bie S^eclogie bed t>mi @cotud tn 
tj^rem xt^ttn ?id;te auffaffen wiU, 

S^ teud^tet m, weld^e SSort^ette t^m a\xi biefer gaf^ 
fung feiner ?e^re erwad^fen mußten, tnbem er bie yiot^ 
wenbigfeit ber Offenbarung bart^un wpttte* SBBir erin^ 
nern un^, wie man biefc barau* bewiefen l^atte, baß 
ber Swed unfere^ Sebenö i)on un^ erjl erjlrebt unb ge* 
wottt werben mfiffe unb baß er beöwegen un« jufunfttg 
fei unb alfo Xfon mi ni^t erfannt, fonbern nur geglaubt 



1) Ib. prol. qu. 4, 3 ; 6 ; 9 ; 44. 

2) Ib. II dist. XLII qu. 4, 2. Voluntas est niotor in toto 
regno animae et omnia obediunt sibi. 

3} Ib. prol. qu. 4, 3 sqq. 



368 

unb gehofft wtxim Urne. Snbem ^mi @coto< im 
SSefetUItd^en benfeI6en SBeg etnf^^Iägt; erinnert er l^ier^ei 
an ben ©treit ber $|fttofo))(fen gegen bie ^eotogen, 
ml^tx bartn gegrünbet fei; baß jene t)on bem ©rnnb^ 
fa^e ausgingen ; bie 9latur!onne in im, n)ad not^tom^ 
big ifit feinen ÜKangel yaitn, biefe bagegen (effaupten 
müßten ; baß wir einer ükmatSrli^en ^älfe bebürfett/ 
um ben und notpn^enbigen 3^tä ju erreid^en ^}. $luf 
bie @eite ber le^tern ftd^ fc^Iagenb t)erlangt er mit fei^ 
nen 93org5ngem; baß ein jiebed erfennenbe äBefen, rotU 
^ti ium ^anbeln beflimmt i^, eine ftenntniß feine« 
3wetfeö f>aten muffe unb baß biefer 3weÄ bie. ©eligfeit 
fei; biefe aber im (Sinjelnen ju erfennen ift auf natura 
liefern SBege unmi^li^, tt>iz bie 3n^eifel unb baäl B^xoan* 
fen ber 55^itofop|>ett über biefen ?5unft beweifen; aW tin 
3ttfänftiged fönnen tt^ir fte ni^it begreifen, fonbern nur 
an fie glauben ^3* Slud^ muffen wir bie SSlitM ju unferm 
3^ed wiffen , um i^n errei^en )u f onnen / unb ni^t aU 
tein bie«, fonbern, wie ©und ©cotu« ju ben ©rünben 
feiner SSorganger fjinjufe^t, wir muffen ju unferm ^mi 
an^ wiffen , baß bie und ju Oebote jie^enben SMittel ju* 
reic^enb jtnb; benn fonjl würben wir nic^it wivffam, ni^t 
mit tjoller 3ut)erjt(|>t unfern 3tt>^d \>erfoIgen fönnen; wir 
njfirben fonji t^erjweifetn muffen, welche« bie ©ünbe ge* 



1) Ib. prol. qu. 1, 1. Natura non deficit in necessariis. 
Jb. 3. Tenent enim pbilosopbi perfectioiiem naturae et negant 
perfectionem supernaturalem. Theologi vero cognoscunt de- 
fectum naturae et necessitatem gratiae et perfectionum super- 
naturalium. 

2) Ib. prol. qu. 1, 6 sq.; IV dist. XLIIl qu. 2, 32. 




369 

gen Un f^etligen ®eif} tfl. Mt Mefe not^enbigen (£r» 
fenntttiffe f^einen i^ftn nun auf natürlti^em SBege n^t 
enetd^bor )u fein; benn aui nat&xli^ (Sxlmntni^ erge^ 
Un ftd^ nur not^n^enbtge Sßirfungen ®otte<; bte @e% 
feit a(er wixi toon (Sott fteitDiiltg )^edte^en unb bte 
SRtttel iu tjfrer (Sriangung tvärben ntd^t au^tetdden, tt>enn 
®4>tt fte nic^t annähme unb pim SBerbienfl und onte^ 
nete. Za^tx iebfirfen }»ix fflr aüt biefe SDtnge ber fibny 
natuvlid^en (Srleud^tung ^)« 

Unfireitia (egt biefe Sefire ben ^f 4»flen SBevtfi ouf bat 
ä^etnaturli^^e (Srfennem 9to(^ i^r kofivben aUt an^en«« 
gungen ber ^vernünftigen ©efd^j^fe erfoigfofl fein, ttenn 
ni4^t bie fiiematürli^^en ®ahtn ®otte« ^in^uträtem 9li$t 
U)ir ftnb ttrfac^ unferer @eligfeit, fanbern ®ott. Unfer 
S^erbienji ge^frt bem SBege an, auf nveld^em n>ir )u ®ott 
anflreben; mx ober auf bem SBege iß, ber fann irren, 
nur ber tooUig erfüllte Sßide ijl fi^; ba^er finnen tt>ir 
bttr4^ unfere !i:^aten bie itnn>anbeI6ar.e @i4^erf^eit ni^t 
erlangen, mld)t SBebingung ber ©eligfeit ift; biefe fann 
nur )[)om legten 3n)e(fe, \)on ®ott felbfi iverliei^en wer^ 
ben. Die Seloi^nung ift immer größer aU iai S3er^ 
bienfl, mnn aud^ bied nid^t fehlen barf um aU !D2itur^ 
fad^e bie S3eIo|^nung )u erlangem S>ie grei^eit unfered 



1) Ib. proL qu. 1, 8. Beailtudo coDfertur tanquam prae- 
mium pro meritis ejus, quem deus acceptat tanquam dignum 
tali praemio et per consequens nulla naturali necestitate sequi- 
tur ad actus nostros qualescunque , sed contingenter datur a 
deo actus aliquos in ordine ad ipsum tanquam meritorios acci- 
piente. Hoc aulem non est naturaliter scibilei ut videtur, quia 
in boc errabant pbilosophi ponentes omnia , quae sunt a deo 
immediate, esse ab eo necessario. Ib. II dist. XLIII qu. 1, 5. 

®ef4>. t>. W^^ VIII. 24 



370 

9Bttfen« fonn bod^ feine abfolute SefitgTett tm (3ntta, 
feine @t^erBeit wx ber abtt)enbung }um SB^fen getvS^ 
ten, unb t^enn wir biefe erlangen fotten, fo muß fte ba^ 
l^er toon einer ^i^ttn übematär(i(|ien Urfac^e abgeleitet 
werben. 2)ie $anblung ifi in unferer ®emalt, aber ni(^t 
ber CFrfoIg ber J£)anblung; bft fielet bei ®ott; im Srfolge 
aber, im ®enu§ unb in ber greube am ®uten ffaben wir 
ben S^tä unfere« Ceben« ^u erblicfen, wetd^en ba^er ®ott 
allein gewährt« Unb ni^t allein biefe SBerlciffung Ui 
l^64iflen ®nM fe^t eine fibematfirti(^e ÜJtitwirhtng ®ot^ 
M wxaui, fonbem aud^ auf bem SBege ju i^m bebär^ 
fen xüix ber beflfinbigen (^unterung ®otte^ ; wir erfal^<< 
ren fte in ber ^reube am ®uten; bur^^ wet^e @ott un« 
erquirft/ bie un« einen 8orf(]^marf gewfij)rt ber ©eligfeit 
unb un< n6t^ig ifl/ nm uM gum ®uten f^eranjujiel^n ^}. 
' ffiie fhreng nun aber au(fy biefe SBemerfungen ba« 
tibcrnatfirWclie aW eine (Srgänjung unfere« 8eben6 forbem, 
fo werben wir bod^ nit^t überfein , ba§ fte ouf fepr 5oer^ 
flättbige SQSeife an bie gorberungen unb erfa^rungen un* 
ferer ©ittlid^Ieit anfna^)fen. Unb fo finben wir überpau})t, 
ba§ bie Se^re be« 35un« ©cotu« oom Übernaturlicf^en bie 
©runbfafte ber Siffenf^aft beffer im Sluge bat aW bie 
?ef^ren feiner Sorgänger* 2)ic wunberbaren SBorpeCungen, 
mläf^ man fonfl t^om übematfirlid^en gehegt fiatte, befeitigt 
fte meijlen^ mit ®Ifirf. Sei aßen feinen {) Öffnungen auf 
®otted ^aife ^ält S>ttnd @cotu« bo(^ bie alte it^xt wn 



1) I dist. XVIT qu. 3, 26 sq.; 84. Delectatio quTppe est ab 
objecto, quod attingitur per actam et non tantam ab ipsa po- 
tentia agcQte circa objectufQ. Ib. II dist. V qu. 1, 8; dist. XX 
qu. i, 2; dist. XXIll, 6 sq. 



k 



371 

bet !ISttn)tv{ung iti 3fltn^iftn in feiner @eltgfeit un(e> 
^togt fefi. CE0 tft i^m fernem Sn^eifel untemorfett / ba$ 
aOe ®ef(^$))fe; aud^ bte (Sngel; n^eil t^nen bie ©eligfeit 
n{(^t \)on 9latui: itito^^nt, toit fte tm SBefeft ®otte^ 
liegt, fte erfl inxi^ i^te eigene Xf^&ttgfeit geirinnen fon^ 
nen, baß fte be^n^egen ni^t fog(ei(| feiig ftnb, fonbem 
burd^ einen Slnfang, tittt fSHittt unb. ein Snbe ^tnbmr($# 
ge^n ntfiffen um bie ]^6(^^e ®nabe ju empfangen 0* t(tt 
biefen Sa^ f^tief t ftc^ i^m a(er in folgeri^tiger SIMei^ 
tung bie S3e{h:eitung bei: gett>difnli(|en Sfnfi^t t[^on bett 
fif»ti;natfitH(|ien ®a6en an, n>ie Z^omai biefeße burc^ 
feine Z^toxit nnttx\t&it ^atte, ali mm ft^ nemlic^ in 
btr Serlei^ung einer ganj neuen, bie @($ranfen unferer 
9latur äberfieigenben ^aft (eftfinben« Sffienn ben ®t^ 
f<l^6pfen eine fol^e neue ^aft fSr bad flbemotfivlic^ 9er# 
litten mxim foOte, fo Mrbe biej in ber Z^at tint 
neue ©d^öpfung fein, »elc^e webet 5Don ©eiten @otted, 
n^ \)pn @eiten ber 972enfc^en jugegeben werben fonnte^ 
Z>a ber erfie $unft ni(|t (eflritten würbe, wenben ft<]^ 
bie ©rflnbe bc« 3)ünd ©cotu8 auf ben jweitcn $»nft 
SDtan i^atte t)cn einer @r^o^ung ber menfc^Itc^en Platin 
i\xx^ bie ®nabe gefprod^en; ater jlebe SQBirffamfett be^ 
ü)tehf^en, au^ in ben ®(iUn be6 fietltgen ©eifie^, auc^ 
in ben t|feoIogif(|en Slugenben ifl eine menfc^Itd^e SBtrf«' 
famleit, nur metapf^orif^e Slu^brurfe ftnb e^, wenn 
man »on übermenf(|)Ii4)er unb unmeufc^lid^er JCugenb re^ 



1) Ib. II dist. V qu. 1, 3. '- Omnis natura consequitar suam 
perfecti6nem per operationem propnam , sed perfectio et finis 
cujuslibet creaturae rationalis e»t beatitudo, quae soIi deo est 
naturalis. Ib. 5 ; qu. 2, 13. 

24* 



372 

Ut ^). fßtm ein d^ttlid^er Setßont) ju Den SBtrffamfet^ 
tm bc0 begnabtgtm 9Renfd^ gebort, fo ifl bted im Saufe 
oOer notfirlic^ni jDingc, »eil o(^tte g$ttlt(^ Stiflaiib 
{du ®ef(^ jpf tveber t»ixb no(^ (eße^t ^. Die ©nabe 
gebort felbfl mit jum ^ttmi^tn ber @eele, melt^eö i^r 
wn ®ott soerlie^en koorben, tmb bad natürlt^e @tre^ 
tm^ @eligfeit fe^ t^ovau«, baß bie ©eligfrit ffii: mi 
miüli^f baß toir alfo botf 93mitogen ju i^r ^a(eii'3* 
Sßeitn wir }uir S^rtigfeit (habitus) bed Statten gelangen, 
fp iß bied nnr eine mitttt Su^bilbung Ui natfirlii^ 
Sermogen^ (potenda habUuata), toüäfti ia^tt in aOen 
(Ent»i(Httngen bed @utett in uni t^oran^gefe^ tt>erben 
muß« 2)aß aber bie eingegoffene Serttgfeit o^ne nnfer 
3nt^nn, o^ne eine »irffame SC^^otigfeit unfered natflrli^ 
(^en Sermdgend bad (Sutt in und «oUenben foltte, mfirbe 
iiic^td anberetf f^eißen, ali baß bie S^ugenb in und tin^ 
geführt würbe, wie bad S^uer in tin &t&A ^olj ^}. @o 
ober iß ed nii^t nai^ bem Stngeßänbntffe aller 2.^eoIo^ 
gen, fonbem ffir bie SOSirffamfeit ber fi^ematärlic^en 
®nabe wirb eine Sffiirffamfeit Ui üßenf^en ^ooraudge« 
fe$t, burc^ welche er bie ®nabe in ft^^ aufnimmt, unb 
biefe SSBirffamfeit muß jener empfangenen ®nabe ux^lU 
nißmäßtg fein; weil uberad eine Proportion jwifc^en bem 
Seibenben unb bem 2:|fuenben, jwifi^en bem Smpfangen^ 



1) Ib. III dist. XXXIV, 3. Omnis actus bomiais proprie 
loquendo est bumanus. « 

2) Ib. 5. Oeus dedit babitom voluntatis, semper assistit to- 
luntati et babitui ad actus sibi convenientes. 

3) Ib. 1 dist. III qu. 3, 3; II disL XXVI, 4; 6. 
4} Ib. I dist. XVII qu. 2, 4; cf. ib. 8 sqq. 



575' 

Un unb Um Empfangenen tP>oratt«)ufe9en iß 0* 9lttt 
burd^ t^r SSermagen baper, bui:^ i^te gfaffungifraft (ca^ 
pacitas) fdnn ©Ott in bie ^dpevn SBefen faKen, mt^ 
ipn aufnehmen [offen *)♦ 3u biefen ©rßnben fe Jt 3Dun« 
®cDtu6 nod^ $tn)tt/ baf tt>enn ba0 aSermdgen ber ©e»' 
fc^d|)fe tt^^t »erben müßte, um b(e ßJtttid^en ®aiett 
2U empfangen ^ baburt^ in bev Z:^at ein ganj anbeveA 
»trmSgen gefegt werben wörbe* Önfer »etflanb muß 
für iai gcfttltd^e iii^t empfSnglid^ fein, n)enu er e< foQ 
empfangen f ünnen ; foffte i^rn «orper ein anbere« SBermi^ 
gen gegeben ' »erben, fo n>firbe er nitl^t me^r berfelbe aSeri» 
flanb fein ^^ @o ^Ü jDund @cotd< ben fi(ertriebeneit 
Sorfteffungen \)on ber fibernatftrlic^en QSrleu^tung etft^or, 
baß mir bie GEtnerletj^eit ber $erfon nid^t aufgellen bfir^ 
fen, bamit berfelie natörlit^e ^enfc^ baS »afire @u(][ect 
ber Srleu^tung unb Sefeltgung bleibe % 

SBenn mir nun iai $rge6niß , »etc^e^ er ani biefeu 
Unterfud^ungen }{e^t, mit ber 9Ieignng feiner 3^t nad^ 
ber entgegengefeiten 9iid^tung t^ergleiclien/ fo werben toir 

1) Ib. prol. qu. 1, 34; I dist. III qu. 3, 4; IV disl. XLIX 
qu. 11, 4. Inter objectum et potentiam non oportet esse ae- 
qualitatem , sed quandam proporiionem ; talia autem, inter quao 
requiritur sola proportionalitas , ppssunt esse maxime dissimilia, 
ut patet de materia et forma, sirailiter de activo et passivo. 

2) Ib. IV dist. XLIX qu. 2, 10. du ben etd^ertttigfti im 
Su^brud be^ äbetnaiürli^en gebort ed , baß iti^i ni((t aUm oon 
einer infusio, fonbern a\x^ bon einem illapsus ®oifed in ben 
S^enfijen gefprocf^en würbe. 

3) Ib. I dist. III qu. 3, 2. Si habitus respicit aliquod ob- 
ieclum , quod non continetur sub primo objecto potentiae , sed 
excedit, tunc ille habitus non esset babitus illius potentiae, sed 
faceret eara non esse illam potentiam, sed altam. Ib. 25. 

4) Ib. I dist. XVII qu. 4, 5. 



374 

ti in ber Z^at iKettaf^^enb {tuten« (&x gefielt ju , ia^ 
bie übetnatfttli^en äSirfungen tn mi gett)iffemaf en no« 
tjhrltd^ fltib, inn^iefetn fte (^ert>otge^n au< unfern natura 
liefen äSerm^gen unb ber SSirffamfeit be« äBtllen^, n)el<^e 
ba}tt urfprünglid^ (efUmmt if} t)on ber gottlt^^en SOBtrtfom^ 
fett ft^ anjie^en unb iefefligen )u laffen ^). S03orauf er 
bringt, ba« tft freiließ etnleu(i^tenb genug. 2)er SRenfcl^, 
um ber @eltg(eit tf^eil^afttg ju merben, muß \)on tnutur 
ia€ SBermögen ^aben bie ©eltgfeit ju empfangen; feine 
Sefeligung ifi bafier nur bie natärlic^e (Sntu)i(flung biefed 
93erm5gen4 unb ed geprt ba^er auc^ feine eigene Xfya^ 
tigfeit, bie SDtitmirfung feinet SBiUend baju, um btefe 
SSoQenbitng feinet SQefen« ^u geminnen* 93on biefem 
@e{!($töputt{te au^ge^enb bringt jDund @cotud bei biefen 
Unterführungen aud^ fe^r na^brfidlic^ borauf, baß auc^ 
bie ®akn ©otte^ und nur attmälig ju S^eil n>erben; 
inbem er babei ben ©runbfa^ gettenb ma^t; baß ber^ 
felben Äraft / welker ber niebere @rab ber (Sntwitflung 
angei^ore, au^i ber frohere unb ffo^fle jugef^rrieben wer^ 
ben müp* 

üDoc(r »)firbe man ftd^ irren, woUU man ^ieraud ah 



• 1} Ib. I dist Xyil qu. 3, 34. Actus iste non creatur lo- 
quendo piroprie de creatione, tum quia respectu ejus concnrrit 
aliqua causa secunda activa, creatio autem est solius agentis 
primi sine causa secunda, tum quia bie praesupponitur aliquod 
receptivum ipsius actus, puta volunlas, in creatione autem nihil 
susceptivum praesupponitur. — — Actus non est proprie su- 
pernaturalis , quia, etsi babitus praesuppositus sit a causa super- 
naturali iramediate, tarnen iste positus in esse est causa natura- 
lis respectu sui actus et ideo actus, qui producitur per talero 
babitum, non est proprie supernaturab's. 



i^ 



57$ 

nefimen, jDuni^ ®cotud ^H mx fd^cinkr ber JMrd^en* 
(e^):e {14^ angefd^Ioffen ; n)enn er von u^ematuclid^en ®(u 
l^en f))ra(^; mlmt^x ge^it fein S3eflre(en nur ia^in in 
bem Slcte ber Offenbarung unb bet Sefettgung ^atütiu 
^ti unb iXf>ttmt&xli^ti mL^x^a^t )tt t>ereim8en, inbem 
er bie innertid^e SQSidfamfeit ©otted im frommen 3RettK 
f({ien {tc^ ju erflären fucjit 0^ @r unterf^eibet ju biefem 
Btoede bie %xt, toie bie ntebern unvernünftigen unb wit 
bie {fopern vernunftigen ©efd^cpfe, jiene burd^ äupere tm 
tüxli^ 2)inge in natürli^er SBeife, biefe bur(^ ein üitx^ 
noturßd^ Sßiifenbe^ }u i^rer SSoUenbung bekoegt kverben« 
äBenn bei jenen ber 9lct ber 93o((enbung nur eine mtütf 
lid^e SQSirfung ifi; fo ifl bagegen bie 93o(lenbung ber ver< 
nünftigen Qit\^ipft von ber Strt, bag feine natflrlid^ 
Urfadiie i^r genügen {ann ; benn fte kooKen nid^t bie !Ra^ 
tnx, fte n)oIIen ©Ott erlennen uitb genießen; nur inbem 
er jie bewegt, an ftc^ iji^yt unb ftd^ uxi^nli^t, gekvin* 
nen (te ia^, xi^ona^ fie ßreben mfiffen, inbem fte fi(^ 
leibenb ju i^m vergalten ^j* ^er SBerflanb be^ SDZenfd^en 



1) ©Ott tfl bem S^enf((en ^toat etn>a^ ^u^nii^eß, Tofern bie^ 
fer na4^ jenem fhebt unb t)on t^m toodenbet n)irb ; aber bo4 nur 
gen)ifferma9en äußetli^^ inbem in ber Sefeligung eine ^eretni^ 
gung be^ ©eligen mit ©Ott Doratt^gefelt tt)irb. Ib. IV dist 

XLIX qu. 2f 27. Perfectlvum extnnsecum tcI quasi extriose- 
cum ; quasi dico pro deo , ubi objectum beatificum est idem 
cum ipso beato. 

2) Ib. proJ. qu. 1, 33. Superiora ordinantur ad perfectio- 
nem majorem passive recipiendam , quam ipsa possint active 
producere, et per coasequens istorum perfectio non pofest pro- 
duci, nisi ab aliquo ageote supernaturali. Non sie est de per- 
fectione inferiorum, quorum perfectio ultima potest subesse 
aclioni inferiorum agenlium. 



376 

mu^ erleuchtet werben burd^ ®ott/ mit er @ott erfen^ 
nett nnU; ^ieriit ifl er uer^altnißmäptg geMIbet wn ®ott; 
fiteritt Letten ifyu feine naturlicf^en Bewegungen vor; 
bamit er aber t^oOenbet werbe, mu^ jule^t ®ott i^n in 
fibernatfir(i(^ SBeife ttlta^ttn, xotil ®ott immer nur 
eSi ubemotitrlii^e Urfad^e; weld^e er ift, wirfen fonn« 
(Sben fo ftnbet ti ftc^ auc^ f(^on in oQen ben (Sntwid^ 
btttgen be^ (Seiftet, welche auf bie SoQenbung be^ 93er^ 
fianbe^ fiinbeuten nnb un^ einen SBorfc^mac! ber ®u 
meinf(^aft mit ®ott geben. 3m ©tauben }* 93« ifl bie 
offenbarte SSa^r^eit an ftc^ ni(^t loermdgenb ben Serflanb 
jur BeifUmmung ju bewegen; Sßirfenbed unb l^eibenbe«, 
tüi SBort unb bad Vertrauen , ml^ti ti erwedt, fle^ 
fien fiier an ftd^ in {einem genfigenben SSer^ältni^ ju ein^ 
anber ; aber bie im !D{enfd[ien wirfenbe ^aft ® otted loer^ 
mag (ur SeifUmmung {U bewegen; wn i^x bewegt )u 
werben / ba$u ift ber SSerfianb ))er^5(tni^mägig gebilbet 
unb bie fo burd^ ®otted inwo^nenbe ^aft voOjogene 
Offenbarung ifl ^iernad^ in bo))))eUer SBeife aU eine uber^ 
natürlid^e anjufelin, t^eil^ in Sejte^ung auf ba^ äber^ 
natürlich !93ewirfenbe; burc^ toti^ti allein fte ju @tanbe 
fommen fann^ t^tili in Sejie^ung auf bie ^oxm be^ 
®eifieö, wetd^e aUtin bnx(fy eine ubernatürlicbe Urfad^e 
gegeben werben fann 0* ^de fibernatfirnd^en SBirfungen 

1) Ib. 34. — supernaturale, sive intelllgas de agente, sive 
de forma. Cum infers, ergo intellectus est improportionatus ad 
illud et per aliud proportiooatur, dico, quod ex sc est in po- 
tentia obedientiali ad agens et ita sufBcienter proportionatur ilii 
ad hoc, ut ab ipso moveatur. Similiter ex se est capax illius 
assensus causati a tali agente , etiam est naluraliter capax. Non 
oportet ergo ipsum per aliud proportionari illi assensui in re- 




577 

etf^ietnen ba^er bem SDuntf Scotu^ atö nat&xü^t, fofem 
fte ber 9latur ber ^ernftnfHgen @ef(|^$))fe gemfig ftnb 
ttttb fte nur wUtnitn, aU fibernatfirßd^e a(er , fofem fte 
oOein 9on ®ott/ bem üitxnat&xli^m ©ruttbe allev tto^ 
titKd^en SDinge/! ^er))orge(ra(|t «oerben f^nnen^ o^etl er 
nid^t aOem Anfang, fonbern an^ SSoKenber aller jDingeifl 0* 
ÜSan Witt bie JBebeutfamfeit biefer Unterfc^efbungen 
ni^t t>erfennem @te bringen {n ber X^at mid^tig burc^ 
ba« ganje @vftem ber 2:^eoIogie ^inbur^ unb befeittgen 
ober berichtigen jene fibertriebenen SSorfteOnngen ^om 
ÜbematSrtic^en, ju koel^en bie t^eologifd^e Siid^tung ia 
ber SBiffenfc^iaft fd^on an {td^ geneigt tjt; mX^t aber be^ 
fonberd ^on ber 3lrabifd[ien $f^{Iofo))^{e begfinßigt tcox^ 
ben tt)aren, j[ene SBorßellungen t)on bem (Singie^en eineö 
neuen SBerfianbeö/ wvl einer 3ngabe 2u unferer Statur, 
loon ber S3erlei^ung eined neuen 93erm5gen^, toetc^e^ 
ton em!)>fangen follen o|ine eine Smipfangtid^feit baffir }u 



cipiendo. — — Veritas isla rdvelata non est sufHcienter incli- 
nativa intellectus ad assentiendum sibi et ita est improportionale 
agens et passum sibi improportionale, sed agens supernalurale 
est suflicienter inclinativum intellectus ad istam teritatem cau- 
sando in ipso assensura, quo proportionatur huic veritati. Ib. 1 

disi. XVII qu. 3, 34. SSergl. bie Unterftjeibung 3n>if4^en ©e- 
n^attfamem , ^aiMi^^m, freiem ttnb Ü6e¥natürli(ffem ib. IV dist. 

XLni qu. 4, 2 sqq. 

1] Ib. IV dist. XLIII qu. 4, 3. Passum — — dicitur natu* 
raliter moveri , quando movetur ab agente naturaliter sibi cor» 
respondente, supernaturaliter autem moveri , quando ab agente 
supra totum ordinem agentis naturaliter proportionato isti. Ib. 5. 
Si (sc. passum) formam naturaliter sui perfectivam reciperet a 
tali (sc. supernaturali) agente, adhuc reciperet eam supernatu- 
raliter f non quidem propter babitudinem ad formam , quia sie 
naturaliter recipit, sed propter babitudinem ad agens. 



573 

"^aUn, oon einer (Sti^o^ung unfere^ ©etfied, wtl^t Me 
@(^vanfen ber 92atttr Durc^brtc^t* @egen biefe drt^ümer 
iberuft jDun^ @cotu^ f?^ barauf^ baß wtr ni(^tä empfan^ 
gen fpnnen, tt)(^u tt)tr nt(^t t>on ißatot bie (£m))fängK(l^<r 
!ett l^a^en, unb mil wiv @ott em))fangen foKen/ ben Un^ 
enb(i(^en; au^ ein nnenblidfied S3etmogen^^a(»en muffen/ 
n>ie benn bie )>ernünftige @eele gen^iffermagen aU unenb^ 
It(^ anjufe^n tfl/ menn man ))on ifirer SBer^inbung mit 
ber a)2aterie aifiva^ixt 0« 3^<t^ f)>i^i4^t auc^ £)unä @co^ 
tu^ 9on einem mi Singegoffenen, t>on einem SinfaSen 
(SotttB in unfere @eele unb Wt (\^ {Ireng unb aufric^^ 
. tig an bie atten Formeln ^ baß \m aui bem Moß 9!a^ 
tudiflien (ex puris naturalibus) niäft feiig n)e(ben fön^ 
neU/ baß bet ©taube ni^i wn unfern Sitten aKein ab«» 
pänge; aber nic^t nur baß er ni^t an\^6xt un^ einju^ 
fd^ärfeU/ ber eingegoffene ©lau^e fonne o^ne ben ermpr«* 
benen (älanitn ni(fy( in'a SSerf ge^n^ fonbern aud^ bie 
urfprünglid|>e unb natiirlid^e @m})fängttd^feit unferer ©eele 
für aüt ®aben be^ ffeiltgen ®et|ied mt er unbebingt 
fep unb ba« hereinfallen Ootteö in unfere ©eele bebeu^ 
Ut ii;m nici^td anbere^z ali baß bie u^ernatiirli^e SBirf^ 
famleit ®otteg überall t)örauögefe|t »Derben muß für un* 
fern Serflanb unb für unfern SQBillen , weil ber gef^iaf* 
fene ®eijl »on einem böffern ©egenfianbe feinet Segel^^ 
ven^ unb feiner Srfenntniß ju entpfangen benimmt iji % 
©0 genügt biefe Sej^re ber Siebe jum übernatürlichen, 



1} Ib. I disl. II qu. 7, 40. 

23 Ib. III dist. XXIII, 15; 18; dist. XXXIV, 3; IV dwt. 

XLIX qu. 11, 8 sq. Tlatx üergleicte hiermit bie ile^re tcd 2\aat 
öon eUUa. @ef4>. Ux Wl VII ©. 587» 



379 

ol^tte weld^e bte t^eoIogtfd[ie Sttd^tung fi4f ^tt^a^m tt^ärbe, 
finbet Qbtt au^ bai Wtittä tiefe 8ie6e für bie S3etra(^^ 
tung bet tDeltlicfien Dinge unf^iblic^ gu ma^m* 2)enn 
t^ott Seiten biefer ittta^ttt ifl ba^ , maö toix Sbtmat&x* 
lid^ nennen , nur eine (Sntwiiflung i^reö natfirlidE^en 93er< 
tn^gen«/ ö(ernatßrlid|i a^er n)irb ti mit 9ie(^t genannt, 
loeil toix in xpm eine SBirfung ©otteö erfennen unb eine 
fo SDoQfommene/^oUenbete gorni/ ba$ tpir fte ton einer 
natärli(^en Urfad^e ni^t ableiten {dnnen, fonbem bann 
tm fiiernatürlid^en 3n>ed bed @^5pferd erMiden« * 

anan begreift, baß biefe Ce^rweife bie mefentttd^ften 
IBeränberungen in bent ganjen @9fiem ber S^eologie l^er* 
verbringen mußte* (&i n^irb unfere Aufgabe fein ^u un^ 
terfuc^en, in mie n>eit 3)un4 @cotuS tm ©tanbe gen)efen 
eine fold^e ttmgeflattung ber Slnfui^ten fi(er iai fStvmu 
tiiß ber SSelt unb befonberd ber t)ernänftigen SSefen ju 
©Ott burd^iufü{>ren» 

©d^ott bei feinen Unterführungen über bie Sewetfe für 
bca ®tin @otte^ jeigen j^cfy feine Abweichungen 'oon fei^ 
nen S3orgängerm dx fc^eint gtoar im ©anjen benfetben 
SBeg einiufci^tagen , tt)et(ben Sllbert unb X^omai gegan« 
gen n>aren; aber er verfolgt ibn, toie ein 3Rann, totU 
6ftx gen)opnt iß feinen eigenen @ang ^u ge^en« dx ver^ 
wirft bie SWeinung , baß ®ott und an <Hf> befannt fei, 
fo baß ed fetner ©eweife für ba« ©ein bedfelben beburfen 
würbe, unb finbet bamit in Sufammenjang anify ben on^ 
tologifcben SSeweid bed Anfelmuö unjurei^enb ; nur 



1) 3(ud bemfeI6en @runbe, meieren &i6ni^ geücnb machte. 

Ib. I dist. II qu. 2, 32. 



SSO 

bte Sen^tife wn ben 9)tttteTntfa^en , dfo t)on ber (?r^ 
faffmng oud genügen t^ni/ tnbem i^n ba(ei bteSSoran^^ 
fe^ung UiM, ba^ tint le^te Urfad^C; ein fester S^td 

unb ein l^dc^fle^ äSefen (emineDtissimam ^ via eminen- 

tiae) wn mi not^totniii anetfonnt «werben ntüffe; ba^ 
mit toix ntd^t tn tai Unkfitmtate gefSf^rt n^etben, fon^ 
betn im ©ebanfen beö Unenblid^en unfere fRu^c jtnben ^). 
2){e %xt, tt)te 2)nn4*@cotu^ jiene bret 9Romente mit ein^ 
onber ^oerfnilpft um bie (Sin^eit ©otteö in (etveifen, ift 
gang im (Sefd^made Ui 9RittetaIter^ an ben loerwideltfien 
98enbungen^ £od^ f^dd^t er au(^ fe^r einfad^ ben ®runb^ 
fa^ an€, ml^cx i^n leitet O^ne ütotffn^enbigfeit iß 
feine 93iel^eit ju feiern Unfet SBetflanb firebt fiieraU 
nad^ bev (Sin^eitt SBenn aud^ in bett begrfinbeten S)ingen 
»ielfieit ifl, fo fö^rt ber SSerflanb fte bo^ not^wenbig 
auf eine Sin^eit gurfid; unb ti ifl bai^er bem Segriffe be^ 
55rincip« gemäß ein^ ju fein^)» SBie fe|ir aber au<l^ 
JDun« ©cotu« auf biefe feine Äunft im Aufbau ber Se^ 
tt)eife t)ertrauen mag, fo geftefit er bod^ ein, baß bie 
^)^iIofoi)fiifc^en Seweife jwar genügen bie unenblid^e STOad^t, 
a^er nid^t bie SlQmad^t ®otteö gu bemetfen. (Sx untere 
fc^eibet nemlid^ 3tt)if(|en biefen beiben in ber SBeife, baß 
jiene einer ttrfad^e gutomme, xotl^t aUeö bemirfe^ ][ebo(| 



1) Ib. I dist. II qu. 2. (Sine äberft^t über bie gan^e Semeid« 
att ftnbei ff(& $ier ^. 34« ^euertingd $at Saut in f. c^rifUi«* 
(Jen ?ejre t)on ber Dreicinigfeit II ©. 589 ff« ben Sewei^ teö 
^. 6c. au^fü^rlic^ au^einanbergefe^t. 

2) Ib. I dist. II qu. 7, 36. Nulla pluralitas ponenda est 

sine necessitate. Ib. 37. De ratione principii est unitas, licet 

in principiatis possit esse pluralitas , quia semper rednctio est 
pluralitatis ad unitatem. 



4 



3&1 

tii^it not^wenbtg o^ne 9R{tte(ittfa$en , ti^nt SRatcrk, 
btefe tagegeii; bie Mmai^t, tint Urfad^, tDeld^e o^ne 
Ttittünt^a^tn unb o^ne 3Raterie affed ffer^orbringe. 
SBenn ed ba^ )um iSegviffe @otte4 s^f^''^^/ ^<^ß ^ ^ 
macfitig fei; fo tpfirbe iai @tia (Bettel au^ ni^t ou^ 
y^(ofo))$tfd^en ©runben (e»)iefen n^etben {jntten; fonbcm 
ed fei nut ein ©IctnUnSattitü 0« • 98ir erfennen j^ieran 
bte fovtfd^reitenbe iRetgung ber 3^it iai ®tUtt iti (Slatu 
htai audjube^nen unb fe^en , tpie fte burdt^ bie Setnfung 
auf bie 9r{floteIif(|e $^ilofo))^ie nnt^rftfi^t »)irb« SDod^ 
»irfen (eint S)und @ccttt« nod^ anbete SBeweggvfinbe* 
SKit bem wUm S3egriffe ©otte« ift i^nt ond^ betSegtiff 
ber S^rimtat ))er6unben; auify x^n Unntn xoix ni^t bnr^i 
nnfere natSrlic^en JBetDeife gen)innen; benn ti ftnbet ft^f 
ttvar bie Bpnx ber Xrinitöt in allen ®ef(|&)>fen; aber 
nur ben ©laubigen ifi fte erfennbar. 2)a« Silb ©otte« 
iß in un^/ aber kt>ir iDiffen tt ni^t, fonbem l^aben e6 
nur ali einen ©egenfianb ttnfered ©toubend^)* 993er 
fottte nic^t hierin üenen ©runb be«. Unterf^iebed in>tf(^en 
natürlicher unb ubernatfirli^er Srfenntnig »ieberei^ennen? 
:Die natürlichen SBirfungen treiben und (tDar ba)u an m 
U^M $rinci)> aller jDinge }u fud|ien / aber ti gef^frt ein 
gl&ubiged ©emüt^ baju rxvx ia biefen um)olth)mmenen 
aSirfungen bie SUmac^t unb ^erlid^feit be§ ®d^6))ferd gu 
entbedfen» 

9lod^ bebeutenber tt^erben bie Slbweid^ungen tti Umi 
@cotud ^on feinen SSorgangern in ber Se^re ^on bent, 



1) Ib. I dist. II qu. 2, 27; dist« XLII, 2 sq. 
2] Ib. 1 dist. I qu. 1, 4; dist. III qu. 9> 9. 



584 

Segviff iti @etetiben (Sott in bevfelien Sebeutung Uu 
Setegt werbe ; in n^eld^etr er ben ®ef^$))fen )ttfomme; 
beim bad @eienbe bejet^ne n)eber bad ®ef(|affene; nod^ 
Hi Ungefd|iaffene / fonbern beibei ^3* konnten tt)tr @ott 
nt^t im xoa^xtn @tnne ein ®eienbe^ nennen ^ fo tt)firbe 
man mit Siecht fragen muffen, m bie äSa^ri^eit bleibe; 
th fte auft»6rte ifx bem @eienben }tt ge^fren ^3» ©einen 
iS^tt^eifen liegt ber®ebanfe 2um®runbe; ba^ tt)enn®ott 
ni(|t baö @eienbe wäre in bemfelben ©inne, in welkem 
bie ®ef(^ö)>fe, fo mflpten wir befiaupten, entweber ®ott 
ober bie ®efd^())fe waren nic^t im eigentlichen @imie» 
jDabei aber befreitet S)und @cotnd bie SReinung, ba^ 
ber Segriff bed ©eienben bie ^i^ftt ®attung be^eic^ne, 
weli^e bur$ i^re ttnterfc^iebe beflimmt loerfc^iebene Krten 
be$ @etenben gebe. £)enn ber Segrif ®otted fade ni^t 
unter bie Kategorien, alfo au^ nid^t unter bte Kategorie 
ber ©ubfianj, wetd^e in t)erfd^iebene Slrten get^etlt wer«' 
ben fönne; er j^abe feine S(cctbenjen unb werbe bur(| 
feinen Unterfd^ieb contraf^irt. SEBoOte man ba^ @eienbe 
aU ®attung fe^en, weld^e in bai (Snblid^e unb bad ttn^ 
enblid^e etngetpetit werben fonnte, fo würbe man in ben 
SOBiberfprucb t)erfaaen, bap man ba^ Unenblic^e aU etwa^ 
burd^ ba^ Snblicbe SBegrensted fe^te* @ott iß t)ielme^r 
iai fdfiled^t^m (Stnfac^e (slmpliclter simplex), wetc^ed 
nid^t ani @attung unb 9lrt jufammengefe^t fein fann ^3. 



1) Ib. 6 sqq.; XlOtb toeütaufttget ib. l dist. YIH qu. 3, he* 
fon^crd nr. 11. CoQceptus enlis non est formaliter conceptus 
creati nee incrcati. 

2) Ib. 1 dlsl. Vni qu. 3, 13. 

3) Ib. 1 disU VIH qu. 3, 16 sqq. Nihil dicitur de deo for- 



38» 

^terottf itxn^t aUx auc^ im S)ttn4 6cotu« ter wa^xt 
&inn ttx Qmii^tn Slranfcenben). &i ifi bit f^lec^t^tm 
tttge (£tnfa(^pett ®otte6^ Me Unann)enD(arfett ber ©at^ 
tung unt) beö Unterfc^iebeö auf feinen 93egttff, toaö j[ebe 
rtale S)eftnttion ®ottti ^txUtttt imb i^n un^egreifltc^ 
maifyt^^. ®elegent({(| fSgt er no$ ein anbereS SRetf« 
mal ^ingU; bur^ mi^ti ber Segriff ®otte« bon anbem 
Segriffen ft^ unterfd^eibe ; bafi e^ nemlid^ fein i^m ent« 
Spxt^tniti ®i(b ber @inbtlbungdfrafi ge(e ^ 

Unftreitig ifl biefer $unft fitr bie gan^e 2$eoIogie wn 
ber grf f ten 9Bi(|^tigfeit SUtan »irb ipn bei aUen Untere 
fnil^ungen be« Z>un^ @cotu0 nt^t ani ben Sugen laffen 
bftrfen. 3)ai Ü6erf$n)engli(l^ im Segrife ®otte^ fommt 
bei aUen einjelnen fünften in Sinregung, (ei ber SBie(^eit/ 
bem 9Q&erben unb bem 3uf&IItgen^ ml^t er in Sejiefiung 
ottf @ott SU benfen ft^ gebrungen fft^tt; aber nid^t min^ 
ber bie Sefc^ränfung ; toil^t er bem @ebanfen Ui 
SCronfcenbentalcn giebt» %\xi feiner Ce^re, bap ©Ott im 
toal^ren @{nne ttd Sorteö ein €eienbe^ fei/ lit^t er bie 
wi^txQt Folgerung, bap aud^ ber@a^ Ui 3ßiUx\^xn^ti 
auf i^n angetvenbet »erben bSrfe. (&x geUe nic^t aUein 
wm Binnli^n, fonbern an^ )Dom Üterftnnlic^em SSenn 
aud^ ®ott unter feine Kategorie \&Ut, fo bef>au))tet er bo4> 



nialiter f quod est limitatum , quicquid autem est alicujus gene- 
ris, quomodocuuque sit illiiis generis, est oecessario limita- 
tum. Cf. ib. I aist. III qu. 3, 27; IV dist. 1 qu. 2, 3, tVO tod 
simpliciter simplex Dom Simplex tUlterf($ieben tt)itb. 

1) Ib. IV dist. 2 qu. 2, 3. 

2) Ib. I dist. VIII qu. 3, 13. Isle conceptus non habet 
phantasmata sibi corrcspondentia. 

@ef*. \>. mi vill. 25 



\ 



386 

für t(fn feine ©ettung ; weil er für aiiti ©eienbe gilt ^). 
Um fo n^i^tiger erf^^eint un^ biefe Splgerung, je großer 
bie Slutorität be^ X>mif^ni 3lrec))agita auc^ htim 2>un^ 
6cotu« ifl. 

3uerft tnad^en fi^ biefe ©runbfä^e bei ber Unterfu^ 
d^ung aber bie SBielffeit in ^Sqie^ung auf @ctt geltend 
Sro9 ber f(^(e(||t^innigen Sinfa^^eit ®otte^ nemlid^ fte^t 
jDung @cotu^ ft^ genot^igt i^m auc^ eine Sßielf^eit in 
einem geiDiffen @inne beijulegen. @r t^ut ed mit einer 
genoiffen ®^t\x , ni'^t o^ne 93ebenfli(|if eit ^3 ; aber er fie^t 
ftd^ bagu ge}Vk>ungen unb ermut^tgt ^x(fy in biefem Untere 
nehmen burd^ t>ai Sßeifpiel ber @ee(e, wü^t e^ne i^re 
(J^in^eit 2U soerlieren soielen 5t$fei(en ber SJ^aterte i^re ^orm 
giebt Qwax fei bied infofern eine Unt)oafommenfieit; a(d 
bie ®eele babei t>on ber SJ^aterie abf^angig fei ; ab*er man 
fonne ^w biefer ttnt>oUfommen^eit ai^t^n unb ed wfirbe 
aBbann immer no^ bie SRogli^feit äbrig bleiben eine 
SBiel^eit mit einer t)cUfommenen @inf>eit ju ^erbinben^). 
^itxt>nx(fy ha^nt er ftd^ ben SBeg feine Srinitätetefire cf^ne 
3ulaffung eined SBiberfprud^^ buri^iufuf^ren* SIber nic^t 
aOein biefe Se^re, fonbern auc^, voai mit if^r in bama^ 
liger S^it notpit)enbig ^erbunben i^, bie reaten Untere 
fc^iebe unter ben Stgenfd^aften @otte^*); inbem bie 2^ri* 
nität nacf^ bem 3lugufiinu6 auf @tiä^tni% 93erfianb unb 



1) Ib. prol. qu. 1, 29 ; IV dist. XLIII qu. i, 10. %n^ fur 

bie Zxiniiät^U^xt tt)icb er gcUenb Qtmatit. Ib. 1 dist U qu. 4, 2. 

2) Ib. dist. II qu. 7, 41« Et dico sine assertione et praeju- 
dicio sententiae melioris etc. 

3) Ib. 40. 

4) Ib. 1 dist. VIII qu. 4, 17. 




387 

SBißcn ®t>tM aurödgefujrt »feb^}, unb nx^t mttibcf 
bte fßiüptit ber ©ef^^^pfe / benen eine Stel^eit tn beti 
3been ® otte« entfpred^en mup ^ , alle« bte« poin^t beti 
jDund @cotud eine SSiel^eit in ©Ott gitjugebem Qi fiän« 
gen al&er biefe fünfte genau jufammen. S^^n^ @cotu0 
unterfc^eibet ^ier^ei, um bie @d^wierig{eit/ n^eld^e e^ 
ma^t, in ®ott eine SSiel^^eit gu fe$en, rec^t btntli^ }ti 
bejeicl^nen/ einen {(einem unb einen grffem Untetftf^ieb 
in ©Ott; ben fleinetn im ®runbe feinet S^efen^/ welker 
un^ t)er(orgen ift , unb ben großem in ber (SntfaUung 
feiner Stgenfd^aften , ber ^erfonen in t^m, wie feiner 
fc^öpferifc^en Spätigfeit; ^on meld^em tt)ir au^gef^n mti^ 
f^/ um Kenen }u erfennen ^). GEr j^att ftd^ au<i^ l^ierin 
an ben ©runbfa^, baß tt)ir bie Urfad^en nur aud ben 
SBirfungeu; ©Ott nur ani ben ©efc^dpfen erfennen ; in« 
bem er mit ffit^t barauf bringt/ bap f^on im ©runbt 
ber Unterf($ieb fein muffe, mt^tt im 93egrflnbeten ft^ 
ftnbe/ unb baß er atfo a\x^ ni(fyt Üo^ im SBerftanbe 
fein fonne*''). 2luf biefem SDBege bringt er nun junä(]^|i 
barauf, baß ioix eine boi)^5ette @(|i5pfung unb einen bop* 
ptUtn ©runb für biefe ©d^ö^jfung in ®ott anjuerfennen 
^a(en, inbem bie 9latur auf ben Sßerßanb, bie iSernunft 
auf ben Sitten ©otted t>ertt)eife, forbert at.er al^bann 
aud^; baß wir im Segriffe ®otte^ fein ©ein für jt^ un* 



1) Ib. 1 dist. II qu. T, 2. 

2) Ib. 43. 

3) L. 1. Dico, quod tarn in rebus, quam in intellectu dif- 
ferentia major manifesta est et ex illa frequenter concluditur 
differentia minor, quae est immanifesta, sicut ex differentia 
creaturarum concluditur differentia idearum in intellectu divino. 

4) Ib. 41. 

25* 



3j38 

tnfd^eibcn t)on feinem @etn tn ^Seite^ung auf anbete^/ 
b» ^, t>on feinem @etn , fofern er ®vunb ber ©efti^opfi 
i% ' 3n biefem ©ein ®otte« für ju^ finbet er al^bann 
(iVk^ bie @inf>eit ber beiben Ranfte; t^et^ie er in ber 
Segie^ung ©otte^ auf bic ®efd^o))fe unterfd^ieben f)atte; 
benn ba^ ©id^^SBoIIen unb bad @i^ «« Srfennen @otte^ 
finb ein«, mit feiner 9latur 0» SWan wirb bemerfeU: fön«' 
nen, baß in biefer 8e|^re ba« urfprünglid&e SSerponb^ 
nif ber Srinitat^Iej^re auf einem neuen SQSege n)ieber 
buv4)5ric^t 

2)ie 5Wanttigfatti8fett ber 2)tnge in ber SÖBelt, t)ött 
melier biefe Se^rmeife au^gel^t/ ifl aber au^i Hnt seitliche/ 
bem 3D3erbe^ unterworfen unb jufattig» SBon bfefer Seite 
audgefienb bilbet ftcf^ nun bie Sepre be« S)un« ®cotu« in 
einem nod^ entf^iebenern ®egenfag gegen feine SSorgän^ 
ger au«« S)ie 3uf&0idf^it ber n?eltlid^en S)inge ifl i^m 
eine ni^it ju bejnjeifelnbe SBorau^feftung , in weld^er i^n 
bie 8e|)re be« Slrijioteleö betätigt, ©ie Knuten anber« 
fein, al« jtc ftnb« SBer ba« leugnen »ottte, ben fönnte 
man nur tt)ie einen SWenf(^en be^anbeln, ber bie ©runb^ 
fä§e ber SQBiffenfd^aft bejhitte« SWan müßte i^n martern^ 
bamit er eingejidnbe, eä wäre mogtid^; baß er nic^t ge^ 
martert würbe % SDaburd^ fott jebo^ bie bebingte yioffy^ 
wenbigfeit ber tt>eltli(|)en ©inge nii^t geleugnet werben; 



1} Ib. 18; 21; 45. Non est autem formaliter eadem enti- 
tas ad se et non ad se. Cf. ib. 1 dist^ II qu. 2, 22. 

2) Ib. 1 disl. XXXIX, 13. QuI negant aiiquod ens contin* 
gens, exponendi sunt tormentis, quousque concednnt, quod 

possibiie est eos non torqueri, 3Jlit ©crufung auf eine ©teUe 
U^ ^lt>icenna. 




380 

Um fte ^aUn i^xt Urfa(|en ttt ©Ott unb Uxmm unter 
iBovau^fegung btefer Utfadpen niifyt anber^ fem, al^ fte 
flnb; aitx an jt^i Mnnen fte anbiert fefn^)* %ni bet 
3ufa(l[tgfett ber n^ettlt^en S)ttige folgt nmt au(^, bä^ fie 
einer ^ufaKtgen Urfad^e i^ten Urf)^rung «)erbahf eit ; t»tU 
aui 92ot^wenbtgem nur 9lot]^n»enb{ge6 J^eri^orgefit/ 3u' 
ffiKtgeä bagegen nur auf eine iufalHge SSeife Bett)irft 
werben fann ^). 2)e^n)egen muß in @oti eine gufäUtg 
toirfenbe Urfa^e angenommen werben, it^eit 9oh ber er« 
fen Urfad^e aUti abfängt , unb toemi jte not^whtbig 
verurfoc^te , alled not^wehbtg fein tcüxit* £)ie ^fällig 
wirfenbe Urfa^ie in ®ott iß aber nic^t fein Serßanb; 
benn bl^r Serflanb ioirft not^wenbig/ weil er eine natflr« 
K(^ unb feine frei »irfenbe itraft ifl ^. 5rtur ber SaSiöe 
noirft ni^it mit 9lot^n)enbigfeit, fonbem frei, unb wir 
muffen ba'^er annefimen, bap ®ott bur(| feinen SQStlfen 
bie jufättigen Dinge ]^ert>orgebrac^t ^at *)• 

1) ^te contingentia ftnb not(tOenblg nec«ftsiiate consequen- 

tiae, b. ^ unter ^oraudfe^utis be^ gittti^en SSiUen^ ib. 85. 

2) Ib. II dist. 1 qu. 2, 5. Contingentia^ non sequuofur ex 

nccessariis. ^ttf eine ntethDürbige SBetfe flimmt hiermit ^efftng 
überein. Über bie SBirfCic^feit ber IDinge anfer ®ott. Slu^g. i». 
eac^mann Xl @« 111. 

3) Ib. I dist. I qu. 3, 9. Intelleetns potentia natura- 
lis et non libera. Ib. qu. 4, 1$ dist. II qu. 7, 83. Inteliectus 
mere naturaliter, neeessitate naturae operatur. ^ied ttitb bOT« 

ün€ Beriefen, baf er ba^ l$etmdgen (at ^ntgegengefelted gtt eteK 
fennen unb gu bem einen ober bem anbern bet ©egenfä^e ffiff 
nic^t befHmmen !ann o^ne natür(i4)e Urfac^e ober o^ne SÖSiden. 
Ib. IV dist. XLIX qu. 10, 2. ^nx ber praftifc^e ^erflanb fann 
ber 5^atur entöeöengcfe^t werben. Ib. n dist. XXV, 23. 

4) Quaest. quodl. XVI fol. 40 col. 3. Aliquid causatur con- 
liügenter, ergo prima causa contlngenter causat, ergo tolun- 



390 

iBon. tiefte Se^e ou^ vtiia^ptii^t nun X)und Scotuö 
bem @a^e ber $^ifofop$en^ ba^ ein $nnctp ntd^t ol^ne 
feine Solgen fein fonne 0/ unt> mithin ber Seigre ^on ber 
(Stt)i8{ett ber äQelt (So liegt in ber Sufättigfeit ber 
9SeIt, baf fte angefangen fiat gu fein^ 2>er SQ3i((e @ot^ 
tei mnß befc^Iießen , ba^ fte fei , bamit fte fei. 3)er 
SßiUe ©otttö ifl atterbingi ett)fg; aber barauf fotgt ni^t, 
bafi bie SSirfong be^felben ett)ig fei« £)und @cotud uni« 
terfc^efbet m^ f^ierbei tt)teber ba^^ mad ©Ott jnfommt 
an ftc^/ imb toai i^m {ufornrnt in Segie^ung auf bie 
®ef^5)>fe. 3ene«. ifl ber SßiKe ©otted/ n)et(^er feiner 
Srinität angef^ort; wiv ^aUn i^m einen fofd^en beigule«' 
gen ; n)eil er f onfl nid^t feiig fein n)firbe , benn bie ©&" 
ligfeit befielt in einer St^at bed SOSiOend ^D. 2)iefe feine 
Seii^^ng auf fein SBefen ift i^m n>efentli$ ober notp^ 



tas causat. Probatio primae consequcntlae : qüaelibet causa se- 
cunda causat, inquantum movetur a prima; ergo si prima ne- 
cessario movet, qüaelibet alia necessario movetur et quaelibet 
necessario causat; ergo si aliqua secunda causa contingenter 
moYety et prima contiugenter movebiti quia non causat secunda 
causa nisi in virtute primae causae, inquantum movetur ab 
ipsa. Probatio secundae consequentiae : nullum est princi- 
pium operandi contingenter, nisi voluntas vel aliquid con- 
comitans voluntatem, quia quodlibet aliud agit ex necessitate 
natürae et ita non contingenter ; ergo etc. In sent. I dist. VIII 

qpu 5, 19 sqq. S^^etlmütbig ifl ^inUi Ut ®e\>anU, ba$ tvenn 
Qhü not^menbig wixtt, n atted o^ne ^erfc^ieben^eit $ert)orbtin<> 
göt tpütbe, benn e^ tt)ütbe al^bann au^ bet ))ott!ommenen Vit* 
fa^e aded ^oUfommm tt)erben. S)ied i^egrünbet bie iRot^wenbig- 
feit, baß bie ^ufättigen geft^affencn Urfat^en erfl burc^ bad SBer* 
ben i^re ^oUfornmen^eit erteiiffen fotten (ib. 20). Ib. dist. XXXIX, 13. 

1) Ib. 11 dist. 1 qu. 4, 5. 

2) Ib. I dist. X qu. 1, 2. 



391 

mettbtg ; bagegen bte 9r)te^ung feine j ^iütni auf adctf 
anbete außer if^m ifi ntd^t noti^n^enbtg, fonbem nuv }ttffi(< 
It'S/ fo baß ®ott au^ ba^ Sntgegengefe(}te wollen ff nnte 0» 
2)a^er n)tberfe$t ftcf^ auc^ X)un« @€Otu^ auf ba4 9}a(^« 
bradtid^ße ber Slnftd^t, baß (Sctteö SBtKe bur^ feinen 
SSerßanb, bur^ bie (Srfenntniß be^ ©uten ^nm Sci^affen 
befhmmt mxbt. Vli^t be^ ©Uten wegen fiat ©Ott lit 
9Be(t gemacht; fonbetn aUed ifl gut, toeti ed ©Ott 'ge^ 
mäd^t pat; ba^ ©ute ift nur baö, mi bem SBiden 
©otteö entf))rtd[it. ^r bie einzelnen; ^ufäUigen X)tnge 
f tonen wir feinen anbern@rttnb angeben, al^ben SBUTen 
©otted, unb einen weitem ©runb $u fui^eu; wfirbe untf 
nur in batf Unenblid^e führen unb würbe nur l^eißen ei^ 
neu ©runb fuc^en, wo fein ©runb $u fud|ien iß ^)* 2>ent^ 
ungeachtet aber leugnet S)und @cotu0 ni^t, baß au(| ber 
SBiUe ©otte« in Sejie^ung auf bie ®ef(^d))fe, fein fd^a^ 
pferif4^r SBille, weld[ier na<]^ außen gef^t unb mit ber 
^anbluiig t)evgli(|en werben fann 5) , aW ewig angefe^n 



1) Ib. l dist* XXXIX, 22. Voluntas divina nihil aliud re- 
spielt necessario pro objecto ab essentia sua, ad quodlibet igitur. 
aliud contingenter se habet, ila quod posset esse oppositi. Ib. II 
dist. XXXVII qu. 2, 13. Quodlibet enim aliud a se deus con- 
tingenter vult et contingenter conservat. 

2) Ib. II dist. I qu. 2, 9. Voluntas dei, quae vult hoc et 
producit pro nunc, est immediata et prima causa, cujus non 
est aliqua alia causa quaerenda. Sicut enim non est ratjo^ 
quere voluit naturam humanam in hoc individuo esse et CHd 
possibile et contingens , ita non est ratio, quare hoc voluit uiiae 
et non tunc esse, sed tantuin quia voluit hoc esse, ideo bonüm 
fuit iilud esse, et quaeiere hujus propositionis , licet contingen- 
tis immediate causam est quaerere causam sive rationem , cujus 
non est ratio quaerenda. 

3} Ib. Hl dist. VII qu. 2, 4 sqq. 



392 

iDetben utüfTe« 2)emt in ®ott tann ft^f ni^tö ^mnUxn. 
93ou (Swi^Uit xooUtt er, fca§ aUti gefi^ei^e, unb. tDtU 
ba6fel(e tio$ üe^t ®ott iß (eflanbig frei; feinSBiOe ifl 
nie i^ergangen« SBeil nun aber hai soon ®ott ©etvoKte 
erfl fpater, erß in ber Seit wirb, barum vtxanttxt fiä) 
ber SOSitte ©otteö ni^U S)ettn bie« ifi u6er^au))t bie 
Statut bed SBiUend, ba§ er SDon feinen (Sr folgen ni^t 
abhängig iß« S)er äBide, n)el(]^er tttoa^ für eine f))atere 
3eit ti^iU, t^erdnbert ft^f ni(]^t, toenn ti in btefer f))ätern 
3eit erfi eintritt* S)a6 9leue ifi in bem {)en)orgebr(^ 
ten, aber nid^t in bem $er.i[>orbringenben 0« @o beiA 
^$ 2>unö @cotud ben f(]^5)>ferifd^en toit ben regirenben 
äSttten @otted al^ einen 9(ct, mX^tx erß in ber Seit 
feine (Erfolge $aben foQ, ium ^til fogar erfl in ber ^u^ 
fün|)igen Seit, obgleid^ er in ftd^ fel^ß t)oUenbet i% 

SDIan n)irb ni4^t ^txUnntn, ba^ btefe Sefire, inbem 
{te für aUed ÜSannigfaltige unb aded äßerben in ber SBelt 
titoai (Sntfpre^enbed in @ott fe^t, nur in einer einpeit^^ 
Itd^en unb emigen ^orm, barauf Einarbeitet bem S3egrife 
©otteö feine ganje gfitte, fein \>oüt6 Ceben ju gewinnen* 
älber fte tr&gt an^l^ bie @))uren eineö (Streitet an {!$, 
in ml^m fte ftc^ entwidelt ^aU ©e^r naf^e fommt fte 



1) Ib. I dist. XL, 3; dist XLV, 2; 11 dist. 1 qu. 2, 5; 7. 
Agens autem liberum polest eadem ^olitione antiqua effectum 
ilOTum producere pro tunc, pro quando vult effectum novum 
taie; non enim est oecesse, si sempiternaliter vuU et non pot- 
6fl de novo velle , igitur ^ult pro sempiterno ; sicut non est 
necessarium in me, qnod, si nunc volo aliquid, quod pro nunc 
velim illud, sed possum velle illud esse pro cras et eadem vo- 
litione staute , sine omni mutatione a parte voluntatis meae pos* 
sum illud novum causare cras, pro quo folo illud. 



593 

ben &itMfim, ml^t bte ort^oboiren S>ogmatifer unter 

Hm Kroicm gefunben fiatten/ loeil fEe gegen btefelben 

@egner biefelbe Seilte/ bie itfyxt loon. bent ottmäd^ttgen 

aSSiOen ©otte^ aber fdne 6$((pfangt su 4>ert^eibtgen 

fu(|ite* Siafftt fcO b» äBtOe ®otteä ni^t i[)Ott feinem 

ä^erfianbe abp&ngtg fein, fonbem umgefel^rt ber Sttflanb 

9otM iat notfimenbig edennen, toca fein SBide frei 

^f^Ioffen $at ^3» 9lo$ weiter fc^eint e< sn fS^ren, tt^emt 

^fmi @totai an^ bie Se^re be< ^omat loertbirft / ba$ 

JfhM ^'e ® ef(|^$))fe in feinem SSefen erfemte ; fpfern ti 

i^tbem S)ingen mitt^eUbor ift ^* 2>enn j^ierburd^ ii^irb 

Msr f(|^a)>ferif4fe SSiUe ni^it aKein loovx Serßanbe^ fon^ 

bem m^ ))om äBefen ®f>iM abgeUß^ unb ed fd^eint nun 

nid^tj onbered ali @runb ber €(i^iS))fnng fibrtg gu blei# 

ben, a(« bie SßiHfur be« göttb'd^en 9tat^f(i^Iuffe& 2)(u 

mit ßtmmt ti äberein^ baß Don bem SBillen ®otted be^ 

ffau)>tet tt)urbe/ er ^atte aud^ bie entgegengefefite SSelt 

toollen lonnem jDiefer @a(^ tmrb baburd^ no^ ))erftärft/ 

baß er nid^t attetn auf bie natfirlii^e 6($o)>fung, fcnbern 

au($ auf bie jtttlid^e Orbnung ber äSelt angett>enbet u^irb. 

^mn a\x^ ein anbetet ®ittengefe$ ^atte ©Ott geben fon^ 

nen, wenn er gewottt l^ätte; in feiner abfoluten SDtad^t 

ffätte überhaupt aUti gefianben , toai feinen Sßiberfpruc^ 

entfialt; nur U^t, m^itm er einmal eine beftimmte £)rb^ 

nung ber SBelt angenommen ^at, ijl feine SWad^t an biefe 

gebunben; baö i|i ber Unterf^ieb jwif^ien feiner georb^ 



1) Ib. I dist. XXXIX, 23 sq. Wlan ))erdL au(^ t>ie i^ixe 
tee 3(t)icebron @. 102. 

2) Ib. 1 disi. XXXV, 7 sq. 



> 



394 

netcn mib feutrr oftfoltstcn 9la^t ^). 3Skm mm Mefe 
6a$e mit bnt @5$m feer Wtotat^Uim mb ttn 9<>(8^ 
ntngen, ml^ oM biefe» gqogen i^tttbcii, lu^amatn^ 
^üt, wirb man fcaö ©efa^rltcf^ bcrfel^n tii(^t loerfennen* 
a^er gtt htm ^ttferßen, ju iDd^m bte 9xaf>ix ge^ 
trieben tt^wrben, laßt jDutt^ @cotud ftc^ n^t forttetfett. 
SSJentt rim'ge feiner @a^ ben fi^^pferifd^en äBtIIen @ot^ 
ted t)on feinem 3Befen nnb feinem Serfianbe loJ^uUfen 
i^inm, fo lenft er bod^ balb n>ieber ein^ nnb fein fUÜ^ 
<^d, nne fein »iffenfc^filii^e« 3ntereffe zwingen i^if alle 
biefe fünfte im begriffe ®otte« gu einer (Sinfieit gufiMi^ 
menjttfaffem SBenn t^m aud^ löitUi im Sittengefe^e <ä9 
eine äSiOffir ®otte6 erfc^eint, fo bo^ nic^t aUti; ^itU 
me$ir liegt ti in ber 9latur be< Sittengefe^e« / bafi ti>ir 
boj ®utt, baß n>ir (Sott liefen foKen* S)er SBiOe be« 
64id)>ferä fann bie @ef(^6pfe nur auf ftd^ bejte^en. (S^ 
gie(t baper md^ ein ©efe^ ber 9latur, tt>ü^t^ ®ott in 
feinem abfoluten SQSilKen ni^t (rechen, )>on tt)el($em er 
tticfft entMnben fann % @ott ifi ber 3tt>etf, ttjctc^er burd^ 
ffd^ iu jid^ jurfidtfü^rt 5). @o ffängt ber SBittc ©otte« 
mit feinem Sßefen jafammem Tlit feinem 98efen j^ängt 
aber aud^ fein SBerflanb {ufainmen , unb o^m äSeifanb 
fann ®ott ntcfit n^oUen. SBenn er eine SBelt um fte ju 

1) Ib. I dist. XLIV, 2 sq. Ideo sicut potest aHter^ ita pot- 
est aliam legem statuere rectam, quae si statueretur a deo, recta 
eMct, qiiia nulla lex est recta, nisi qiiatenus a dei voluntate 
acceptatur. 

2) Ib. 111 dist. XXXVIl, 5 sq. ©0* foU bieö ©efeft nur 

mQaii'Oi flSebeutung (aben. Ib. 10. 

3) Ib. IV praef. 1. Creaturae suae per se ipsum in se 
ipsum finaliter reductivum. 



^ 



395 

f4faffen tt)ä^(en foK; fo tnu^ et iuöor einen t^etßftnbtgen 
^on berfel^en entmerfen, unb feine ©ebcmfen fuib bie 
SRuflerbilber; i^on tpeld^en bie Sfnotlbnung ber SOBett ai^^ 
p&ngt^}. Um ba(ei.bie grei^eit bed gdWid^en SOSiOen« 
gtt Bema^iren f^eint e< bem S>und Sicotn^ nur not^tDeui» 
big ben erflen unb ben {weiten SSeirflanb ®oüti ju^ un«: 
Ux^^ziim; jener beße^t in ber Scfenntnif feinet 993efen< 
unb ift ett)ig unb notfimenbig tt>te biefed; in.i^m liegen 
bfe' notfimenbigen $rittci)>ien be< &tini unb. dn. i^n ifl 
iAs, au(9 bet SS3i((e ©otteA gei&nnben; ber }mette f8tti^ 
^b ©otted bagegen (efie^t in bet Stfenntnip Iti 2^ 
ffiOigen^ alfo bet äßett^ nnb biefet ffongt )>on bem fBiiU 
(en @otte^ ab; benn bai 3ufä([{ge erfennt et tiut bed^ 
»egen not^wenbtg, tveil et ti getDodt ffat^}; 9Bit fe^ 
l^en , ba^ na$ biefet iBorfteKungdtDeife bet etfle Setflanb 
@otte6 io^ aw^ in ben jtioeiten nnb ntitfiin in benSBit^ 
len ®ottti eingteift, benn et foQbie not^tüenbigen ^tin^ 
cipten adet Dinge enthalten unb n^itb ballet aud^ anf 
ben $tan bet mog(i(|en SSett eiitn^ttfen, tvetd^en bet 
SBitte ©otteö ergreift unb mttoixtiii^t 2)af>er fiannnt 
t^, baß biefet |5tan, wetzen bet abfolute SDSitte ©otteö 
etgteift unb totl^&c feinem gecrbneten SBißen jum ©tunbe 
liegt; bO(]^ feineämeged ol^ne odgemetne^ ®efe^ iß. ^i^ietin 
unterf(|eibet jtd^ nun bie Se^re beö 2)un^ ©cotuö we^ 
fentlic^ i)on ber ort^oboren 2)ogmatif ber Slraber* 2)er 
georbnctc SOBitte ©otte^ i^at fein ®ef?6 gegeben unb jwar 
avL^ 3Iu^napmen )oon ipm {t(j^ t>orbef)atten , aber auc^ 



1) lb.I dist.XII qu.1,12; XXXV, 12 j cf. ib. dist XXXVI, 8. 
23 Ib. I dist. XXXIX, 14 ; 23. 



396 

btefe muffen m bte Orbtmng ber aQgemdnen ®ntnbfa$c 
yaffetu 2)edn)egen tfl btt 9{et$ie ber todüi^ (Snttvicf^ 
Imtgen ni^t eine beflanbig abtee^enbe unb jeben augett^ 
hM von ^fcfiem an^ebenbe, fcnbem fo n>te fte im SStl^ 
bn ®otted gefegt tß, fo ^at fte eine untoanbelbore Drb^ 
ming^ tt>eil ba^ SeiKi^e nic^t a$f bad Sl^olnte iurüct' 
iDti^en fonn ^). 2)a^er ^a(t jDund 6cotu9 auc^ bte Sin^ 
l^eit ber 3ßtÜ fef} unb nic^t minber bie äBobrl^eit ber 
Serffiltniffe, o^ne toel^e bte ©n^eit ber äSelt ni^t fein 
unb feine SBiffenfd^aft SBol^rl^eit ^aben tvfirbe» 2>etttt 
nid^t aOetn bie Statl^emotif nnb bie $ff9ft( ^a(en ti mit 
Ser^ättniffen jn t^un, fonbem eine j[ebe äBiffenfd^a^ Be^ 
ttt^t auf ber (Srfenntniß ber Ser^attniffe; mt^t itoif^tn 
Subßonjen unb accibenjen beßef^en^. @o fu(|t S)un^ 
€cotu« ben WUtn ®otted, toet(]^er bie S8elt gefc^affen 
nnb beßänbig in feiner 3Ra^t ^at, boc^ ber SStdfur ju 
entjiejien* Oott \>erfolät feine 3wede unau^gcfeftt, 3wede, 
welche in feinem äBefcn liegen; nur bie 3Jl\ütl ftnb in 
feiner SBa^t; aber au^ fie $a(en tint fittM^t, toit eine 
n(ttürlt4)e Orbnung« 

^od^ kooKen wir nic^t leugnen, bap ani jiener Un^ 
terfc^etbung jwif^cn bem abfotuten unb bem georbneten 
SBiQen ®otte<, toie au« ber Slnna(ime, baß bte 3){ttte( 



1) Ib. 1 diJU XXX qu. 2, 9 sq. 

2) Ib. 11 disl. 1 qu. 4, 11. Et quJa posset protervlri de re- 
lationibus, — — contra hoc arguitur primo, quia hoc destruil 
unitateni uuiverai, secundo quia destruit omnem compositionem 
in iinivoi-so, «uhstantialcm et accideDtalem , terlio quia destruil 
omiuMii c»ui«alilateni causarum secundarum, quarto quia reali- 
iateiu seien tiurum nialheraaticarura destruit. (S^ folgen tie 55 e* 

weife. 



397 

gum 3wtdt ©ctted tod^ in 9erf(|tebener/ ja entgegenge^ 
fester SBeife gen)ä^(t totxim Umtm/ man^erlei 93ebeti{^ 
It(|ied in bie Seigre bed S)unö ®cottt0 fommt (Einige 
3fige; n)el(i^e ba^feKe begeid^nen fifnnen, bfirfen ))on uM 
nic^t fibergangen n^erben» 

Slm meijien nta^en fte ftd^ in feinen Seiten aber bie 
Jlatwc bemerfli^; wtii biefe @eite ber SQBiffenfii^aft n»e« 
niger {leidig von i^m bur^earbettet wuYbe^ Qtoax Ifi^t 
att$ et bie Unterfud^ungen fiber ba£ afhronomifclfe (S^fieni; 
mie ed bie Slrabifd^en Slriflotetifer au^gebilbet fiatten, 
n{(|it gang bei @eite liegen; abetr er iji tDeit basoon ent^ 
fernt ben i^immtifcffen fi5r))ern eine fo ^c^e SOBfirbt beigiu» 
legen , tt>it feine SSorgänger e6 get^an l^attem S)ie Sln^ 
nannte einer Ipp^ern, unioerg&nglid^eii SRaterie vtxtoix^ er 
afd ber ^^^eologie gumiber ; ber $immel ift au^ berfelben 
vergänglichen SDJaterie / ani xoü^ct bie gange SQ3e(t gebit* 
bet n>orben ^). 2)ie ^rage, ob bie ©efiirne belebt feien, 
^a\t er fär gmetfel^aft, unb totnn fte entf4)ieben werben 
foUte/ fo tourbe bie @ntf(|eibung nur auf einem @Iau« 
ibenSartifel berufitt^)* ©eine Slnjid^t »on ber S^aturioif«» 
fenfd^aft fpiegeU ff(i^ aber überhaupt in beut aUgemeinen 
©runbfa^e ab^ auf m\^m er ade Erfahrungen über bie 
9iatur gurä(!fu^rt @r fpric^t i^n mcf)t ungef(^tdt in bem 
©a^e au^, bag aUe^, toai in ))ielen gäQen t)on einer 
ni(]^t freien Urfad^e |iert)orgebra4>t werbe ^ eine natürliche 
SQSirfung biefer Urfad^e fei* dx madj^t benfelben mit 9ted[)t 
aU einen @runb[a^ geltenb, wel^ier gum Slufbau aUer 



1) Ib. II dist. XIV qu. 1, 4. @egen ben 3(ri{toteIed. 

2) Ib. 5.1 



398 

^o^rung^kptffenfi^a^ über t>it Statur not^n^enbtg fei 
ttttb be^tpegen atö Stfenntni^ bed Serfiatibe^ ))or aUet 
<£rfa$rung6u>tff^nfd^aft ))orau^ge]^e; n>etl aOe @rfa^rung 
nur auf einer unt)o(({otntnenett ^nbuction (eritl^e 0* ^an 
fte^t aber a\x^, baß biefer ©runbfa^ für bie Sef(|^rän^ 
iutigen ber 92atur inxä) freie unb fl^ernatürlic^e 3Btrf^ 
famfeit dtavm gelapn l^at 9{ur na^ 92aturgefe^en tu 
geben ft^ bie Srfi^einunsen immer in berfelben 38eife; 
n)enn aber freie ober ubernatfirlid^e Urfad^en ftd^ einmi^ 
fc^en , f onnen fte au(|^ anberö gefcfiei^n. S3ei biefer Über«« 
ieugung Unnen bie ST^tttelurfac^en ber 3tatnx nur eine 
utttergecrbnete S3ebeutung l^aben; fte fd^einen bem S)und 
@cctud au(i^ entbehrlich« S)a^er ftnbet er e^ mogli^^ 
baß in ber 9!atur eine ' äBirfung audb ^^^^ raumitcbe 
aSerraittlung, eine SQSirfung in bie gerne, borfcmme^), 
unb ber SQSunberbegrif erfäfirt t)on i^m feine ber 93e^ 
f^ranfungen, tctlä)t Sllbert unb a:^omaö für npt^ig ge^ 
Italien l^attem Um bie SWöglid^feit ber S:ranfub|lanttation 
ju befiau^)ten nimmt er an, tin 2)ing fönne gänjttc^ »er^ 
gefin unb ein anbere^ an feiner ©teile gefc^affen n)er^ 
ben^}« S)em @a$e/ baß bie SBirfungen einer Urfad^e 



1) Ib. 1 dist. III qu. 4, 9. De cognitis per experientiam 
dico-, quod licet experientia non faabeatur de omiiibus singula- 
ribusy sed de pluribus, nee quod semper, sed quod pluries, ta- 
rnen expertus infallibiliter novit, quod ita est et quod semper 
et in Omnibus , et hoc per istam propositionem quiescentcm in 
anima, quicquid evenit ut in pluribus ab aliqua causa non li- 
bera, est effectus naturalis bujus causae. 

2) Ib. n dist. IX qu. 2, 16 sq» %mMäü^ gegcn Un %xU 
ftotele^. 

3) Ib. IV dist. XI qu. 1, 4. 



h. 



399 

tte B^xanim i^ fRanmti iuxi^Ucifym Unnttn, flefft tin 
gekotß ni^t mentger geffi^frli^er ^ur (Seite, tia$ miiftm 
eö mdgltcfi tt^äre, baß aud^ ber 3ufammen|fang ber 3^t 
mUxixo^m wüxit, o^nt ba§ be«U>egen bie Stnevlei|iett 
ber $erfon aufgehoben n^erben mußte 0* 

9lo($ aufaKenbetr mn^ ti mi fein; baß a^nli^ 
@ä9e au(| nad^ ber ftttlic^en @ette ju auftreten; mli^t 
bo(^ )oom jDun^ @cotttd forgfalttger beadSitet xotxim 
mußte» SBtc fiaben fcl^on fräfier bemerft, baß er iai 
natürh'cfie Sittengefe^ ju bef^rSnfen fud^fte, um ba4 fttt^ 
(t(i^e Seben fa|i aUetn ))on bem pofitiun ®ebote ®otted 
abfiangtg ju machen ^3. <£r ge^t barm fo toett }u be^ 
l^aupten, baß audb bie Siebe be^ Släd^flen mit ber Siebe 
®otted nid^t notfiwenbig i[>erbunben fei; benn aui ber 
iitit iti unenbli(|ien ®nt€ folge ni((t not^tvenbig bie 
Siebe bed @nblid^en; nur ber Sßflle ©otte^ in feinem 
©ebote au^gefprocben f^abe beibe unjertrennlicfi mit tin* 
anber t>erbunbem SQSenn aud^ bie Siebe ©otted in fic^ 
fd^Ioffe, baß tx)ir aucfi bie .lieben fottten, t)on tt)eld^en er 
geliebt fein }»iü, fo wfißten toix bod^ ntdbt/ soon n^eldpen 
SRenfd^en er geliebt fein tooütt, unb nur für unfern ge^ 
genn?ärtigen befc^ranften Bufianb müßten tt)ir im M^f* 
meinen freilid^ )>orauöfe9en , baß i^m ade 9)Ienf(|^en an^ 
genefim toaxtn ^}. QEr t^eift nni bamit auf ben endigen 
9{ati^f4^Iuß ©otted Aber bie SBerbammten ^in, totl^tn et 
itoax aU etmaS Unbegreifticffeä anfielt, aber um fo fefier 



1) Ib. IV disl. XLIII qu. 1, 4. 

2) Ib. UL dist. XXXVII ifl bafür ber on^fä^rtt^fle ^emiß. 

3) Ib. III dist. XXVIII, 4 sq. ; dUt. XXXVII, 9 sq. 



400 

ii^WfM 0. ^an tuirb ^itmaify emifffen fonncii, in tme 
t^cttcm Umfange er ixt SufäStgfeit ber 9Rttte( gnt €clig^ 
feit nimmt. Sud^ bte SKenfd^tDerbung (^firifK ge^jltt t$^ 
nm am Z)und 6cotu0 tDiterltgt bte Seigre be^ 9nfeU 
mnö ü^er biefen ^unft. ®ott ^otte auc^ anbete SSege 
toi^ltn Umtn UM gu erl^fen; aUe 93erfe S^rtßt tn bec 
(Srijfung waren frei unb nnr infofem not^tDenbig , aXi 
fte 9on bem nnt^eränberltcfien/ aber {ufädtg ti>irfcnbett 
aSiden (9otted gekooUt konrben ^3. SBie fiarf beweifl ftc^ 
nnn a^er titn in biefem SBirf en ber S93t((e ® otte6 ! @ott 
iß SRenf^ gett)orben/ ein Sa^ glet(|^(ebeutenb bem ©a^e, 
ba4 Unenblid^e ift enblicfi geworben; begreifen fcnnen n>ir 
i^n ni^t; auf feine ber und befannten %oxmtn ber Scgif 
Mf t er ftd^ juriidfü^ren ^}. SDiefe SlKmacl^t @otte6 , an 
weld^e wir glauben foDeU/ fiat feine @(]^ranfen ; wie ®ttt 
mit einem SRenfd^en ftd^ ))er einen fcnnte/ fo f^ätte er 
au^i mit einem Steine ftd^ ))ereinigen fonnen ^)^ Unf}reia< 
tig liegt in biefer Sluöbepnung , welche bem aUma^ttgen 
SBiden ®otte^ fiber aOe gufäUige ^itttl gegeben wirb, 
ein ^au))tgrunb be« SweifeW, mit weld^em t)on biefem 
ai^eologen fo »iefe ©äje ber natfirlid^en SBtfTenftliaft be^ 
tracfitet werben. 

3Benn nun biefe unb ä^nlt(|ie @ä$e bed 2)und ScOi« 
tu* na^t baran anfJreifen baö natürltd^e Sffitffen gum fc^eim 
boren Sortpeite ber offenbarten Sal^vl^^ett ju befeitigcn, 
fo finb bocff ^mi fünfte feiner ?ej>re, welche biefen ben^ 



1) II). I (list. XLf, 11 sq. 

2) ll>. III dist. XX, 7 sqq. 

:)) 11). III dist. Vll qu. 1, 1 sqq. 
4) Ib. 111 (list. II qu. 1, 6 ; 13. 



k 



401 

Unim ©riß tn bte SBa^nett bet noHtrUc^en Stffenfd^ft 
iuriidEf&^rem 3>er eine Kegtin feiner et^if(^en 9tt(^htng/ 
btr anbete tn Uv SKetap^i^ftf« 

SBon jfener ®ette tf} e« t^m nnit^titiax, baß e< 
feine aBtttfar ®otM fei-ben äBtSen ber ftMi^fen ®e^ 
f(^d)>fe auf jt(^ ju richten, fßidxat^i mm anbem 3weif 
ali ft(^ fonnte er ntd^t fe^en« 9htt bie Wtttl, mtifyt mi 
gtt i^m fahren fodten, i^tngen wn fetner SBillfflr aU 
S)a^er unterfd^etbef jDun^ @cotud ein icp)ptüti SBege^^ 
ren in unfernt SBiKen, ein natfirlid^ed unb ein freied, 
9om Überlegen ani^t^tnUi* 3ened fire(t nac^ nnferer 
SBoOfornmenfieit/ nac^ ®ott, nnb fann feinem ©efc^^pfe 
fefflen^ fel(fl ben93erbammtenni4it; biefeö bagegen fommt 
' ni^t aden SKenfdpen ju unb fann ba^er aud^ ni<^t not^^ 
n>enbig fein. 3I(er bad natfirlid^e Sege^ren iß aH bie 
allgemeine ©runblage t>tS freien Sege$irend anjufe^n unb 
muf be^megen aud^ mit bem freien SBege^ren in fl^r^ 
einfiimmung fielen» SBenn uoir ba^er buri^ biefed mi 
fettji jum ^anbeln bejlimmenb ®ott jugefü^rt wer^ 
ben fetten^ fo muß aud^ iai natfirli^e Segelten ju ©Ott 
ffifiren/ fonft t^firben jtDei entgegengefe^te SBirffamfeiten 
jugleic^ in mi fein f^nnen^)» {)ier tt>irb nun nicfit aU 
lein ber 3wed ald etmaö 9Iotptt)enbiged gefegt/ fcnbern 



1) Ib. IV disl. XLIII qu. 4, 2. Voluntarium vel lib<?ruin, 
quod se ipsum determinat ad agendum. 

2) Ib. IV dist. XLIX qu. 10, 2. Duplex est appelilus in 
voluntate, scilicet naturalis et über. — — Sicul enim quaeli- 
bet natura babet inclinationem naturalem ad suam perfectionenriy 
sie eliam natura intellectualis, scilicet voluntas, habet nalura- 
lem inclinalionem ad suam perfectionem. Ib. 4; 12; 15. 

@eW. t>. W^* Vllf. 2G 



402 

ti wirb für benfetben a\x^ ein paffcnbe« 3Mittel »erlongt, 
tai tiatfirit4ic SBegcfiren* Unb nod^ ttjettcr witb biefe 
gorberung au^gcbef^nt ®ott muß un6 auf unfmn Sege 
au(| l^clfen, burc^ wctd^e WM e^ au(3^ fet; wenn wir 
etfranft finb, fo mu§ er un^ ^txUn, anfangt nur ^ali, 
juteftt ganjlt^ 0» S33ir f^aben ffieriu unjireitig einen SDSeg 
ju erfennen, ber }n>ar im Sefonbern 3lbn)ei(|ittngen ge^ 
flatten mag ; aber im ^gemeinen feine notpn)enbigen Se^ 
fh'mmungen ^aU 

%i(f>t anber^ ifl e6 mit ben meto^J^pjtfc^en Gegriffen, 
beren unbebingte ©fittigfeit 2Jun§ ©cotu« ni(|it in 3»«^ 
fei fletten fonnte, ba fein ganjeö p^ilo^op^iS^ti SSerfa^^ 
ren auf beren SSorau^fe^ung Uxn^U Sie aW not^mn^ 
btge unb un)>erbrfi(|^Ii^e ®efe$e anjuerf ennen ; ba3tt ^att 
er jid^ ben 833eg offen gehalten, inbem er bie @rfennt^^ 
nig be^ Sffiefen^ Ootte« aU ttm^ t)on feiner SB3iafüc= 
Unabfiängtge^ fegte* 3n biefer Sifenntniß liegen, wi^ 
tt)ir fa^en, bie ©runbfäge aße6 ©ein^, benn ®ott feftj^ 
ift feinem äSefen na^ ein @eienbe^ unb fein @ebanf^ 
fällt ba^er an^ unter benfetten ©runbfag, »eld^em ade 
S)enlen unterworfen ifl , unter ben ©runbfag beö SQBiber 
fpru(|i6» ©0 toie nun baö SBefen ©otteö unb ber Set 
Panb be^felben auc|> feiner f^öpferifd^en Wla^t ju ©runbi 
Hegen, fo fann fie an^ i^ren ©efii^öpfen bie attgcmeinei 
©runbfäge be^ ©ein^ nur einbrücfen unb fie in ben SSer 
jianb ber ioerfidnbigen ®efd^6})fe legen» SDaber fann au 
2)unö ©cotuö bie natürlitfie (Srfenntniß biefer ®run 
fäge ni(!^t leugnen, unb eö fommt nur barauf an, » 



1) Ib. IV praef. 1. 




4M \ 

n>dt er fie aniit^nt tmb xoü^t ®rettge er ius|||^ 
unb bett SSa^r^eiten fe^t n>el((e nur ouf ber SBfflfftt biÄ 
georbtteten göttlichen ^iUmi (eru|ftu 
^ Set ber ttnterfucfiung ffierüier Jbemej^ man fef^r 6alb, 
baß feine ^an))tri$tttng auf ben fittlid^en 3tt)etf, ti^fl^ 
er verfolgt; a\x^ mit feinen nirtap^^ftfc^en Srunbf&^en 
in engfier SSerbinbung ^e|ft 93on ben ^^of nungen, mU^t 
i^n beteten, audge^enb treten feine ättgenupen 9nft^teto 
fiber bie 9}atur ber weltlichen S>inge in ben ßarfßen @e« 
genfa(^ gegen bie Se^ren feiner äSorginger^ ffiir ^ 
)ur l^öd^fien @eligfeit befKmmt; bod ^öc^fte foden »ir 
begehren« 9lber Unmigli^ed fann man nic^t in tt)irffa^ 
mer äBetfe t^^oUen; o^ne bie Hoffnung ben 3^^^^ i» tr« 
reiben ift ber SStde nnmirffam« Deswegen muffen mir 
an^ tin 93erm5gen ^aben, n^eld^e« sn unfenn B^>ede ^n^^ 
reidiit, unb meil mir H* Unenbli($e begehren foKen/ ein 
nnenbti(|^e6 SSermogen ; ben» jmifc^n (Enblid^em nnb Qn^ 
enbltd^em iß fein SBerffältni^^ fein SRaß. S)ie ^ menfc^^ 
(ic^e @eele ifi berfelben @eligfeit f&ffig mie ein jiebet Sn^ 
get ^)« 9!ad^ ber et^ifcffen 9tic|ftung iti S)un« @cctu6 
erfiredt ft($ bie$ unenblic^e 93ermögen ber SDemfinftigen 
®ef^d))fe aun&ci^ft auf ben SBiUen; aber auf i^n m(Sft 
aUtin, fonbevn aucff auf ben 93erßanb« JDenn n)ir^bär^ 
fen bie 93erm5gen ber @eele nid^t trennen ^ mit jte im 
9Q3efen ber @eele etnä finbt Sie finb fetne^egeä aH 
X^tilt ber @eele anjufe^n ; fonfi tt)ürbe ber STZenfd^ ni4it 
eittö unb feine Seele nic|it einfädle gorm fein *}• 8luf 



1) Ib. II dist. I qu. 5, 1; dist. VI qu. 1, f ; 3; IV dbt. I 
qu. i, 11; dist. XLIX qu. 2, 19'sq.$ ^2 sq; 27. 

2) Ib. II dist. XVI, öj 11. 

26* 



404 

Un 6a$ ft(]^ p^enb ; tag üAtxaU in ber ^latax teii 
93eJTere, n>o mogli^/ axttfy uotrHid^i fei, tap al&er »on et^ 
nem ^rtnctpe ntei[)rere SQSirfungen au6gt|)en fcnnett/ tt>ie 
bie SQStrfungen @otted {etgen, nimmt Dun6 @cotudbiefe 
3}oafommenipeit aud^ für bie t>ernänfttge @ee(e in $Iq^ 
fpru(|^, mld^t ba6 S3t(b ber jDreieinigfeit in ftd^ trage, 
welche um fo 3[>ot(fommener , it nä^er fie i^rem S^td 
fle^e, aud^ bur(|^ i^r eigene^ ganje^ SBSefen ben 3^^ 
ergreifen muffe» Siur in SegieJ^ung auf bie t)erf(|>iebettett 
SBirfungen ber @eele giebt er baffer gu, bap man wn 
loerf^iicbenett^SJermJgett berferten fpre(|>en fünne; iniff^ 
rem SBefen bagegen i|i fte ein«, fo jiebod^, baß gcwiffc 
toa^xt Unterf4)iebe in formeller SBeifc t)on einanber- un^ 
terfcfiieben werben mfiffen, toelcf^e ber ©eele gufommen, 
n)ie man in ber ÜRetapipipftt iai @eienbe ali ben ge» 
meinfamen ©runb bed @inen, be6 SBapren, beS @uten 
unb anberer Seflimmungen betrad^te ^)» 

3m ©efonbern aber wirb biefe CeJ^re t)on bem Skt^ 
l^düniffe beö Serpanbeö jum Sffiißen in Segiepung auf 
ben fio^fien Swed geUenb ^ma^t SQ3enn in ber ®u 
Itgfeit bie fioc^jie Seruf^tgung ber gangen ©eele gettjonnen 
werben foU, fo genügt gu i^x ber SSBide nic^t allein; bie 



1) U). 15 sq. Essentia animae indistincta re et ratione est 
principium plurium actionum sine dlversltate reali potentia- 
rum. — — Sicul sustinetur de deo, quod omnino idem rc 
et rallone reali est principium plurium realiter distinctonim. 

£)teö tt)irb jebocj nr. 17, um bequemer He entge0cnfleJenl)en Sfu* 
toritateu bamit t^ereinißen gu fönncn, gtt?ar nic^t oufge^oben, ober 

tod) im SlUiJtruCf mobiftcitt: Sicut ergo ens continet unitive ra- 
tionem unius, ^eri et boni, aliorum, sie auima continet po- 
tentias istas unitive » quauquam formaliter sint distinctae. 



405 

Sentf^tgung mn^ ade SBermSgen ber 6eele treffcit^);' 
SBenn aud^ Ut SRu^e ber Seligfett tt)efentlt(^ im ©cnttfl 
meldtet bem t^oKenbeten äBillen folgt / gefmf^t werben 
mu^, fo ^aUn toix boc^ bad ®<fyavitn Ud iBerftanbeä 
toenigflend ald unerlafli^e Sebingung be4 ftligen SBiU'' 
Uni an}ufe|»n ^3. Unb ffieraud ergießt {Id^, baß unfer 
Serftanb ein aSermogen ®M ju erfonnen j)a(en muffe; 
fonß fdnnte er nid^t feltg werben. (St ift feinem Sbjectr 
unb 3tt>^dE^ s^erp&ftmßmäßig unb bied 93erf»&(tniß jwi^' 
fc^en bem 93erftanbe ber enbti(|en ©efc^jpfe unb M m* 
enblid^en @(l^5)>fera barf nid^t in quantitati))er Seife ge^ 
bad[it werben ^^. S)a^er fe^t fu$ Sun« @cotud ber Se^re 
be^ X^omai entgegen ; baß unfer SBerßanb nic^t« iu en* 
fennen ))erm(fge, waö ^(^er wäre aU fein eigene^ ®ein^ 
3tai^ biefer Se^re wfirbe au($ ber niebere (^ngel ben f^i^^ 
l^ern ni^t }u erfennen loermfgen^)^ unb man fte^t/ wie 
atte Sä^e ber mipßifd^en ^ierarc^ie bamif gufammenfiäu^ 
gen. 2Bie feffr anify 3)und @cotu^ bie Slutoritat beS 
2)ion9{tu^ Slreopagita achtet, fo i{l er bo^ biefen @ä$en 
bur^auö nid^t geneigt £)a^ ©ein bed ®efc|iö^f^ wirb 
immer niebriger fein aU bad ©ein be« Sd^öpfer^ , auc^ 
wenn i^m bie fiimmtifd^en ®aUn mitgetpeiU werben, 
unb e^ würbe alfo aui |ener Sepre fließen , baß wir ben 
@d^())fer unter feiner SBebingung ju erfennen )E>ermo(|iten. 
9lur eine aSerJfoUuißmäßigfeit, bie a6er eine fepr große 
aSerfc^ieben^eit beö ©ein^ iulaßt^ muß jwifd^en bem gr^ 

1) Ib. IV dist. XLIX qu. 3, 3; 5 sq. 

2) Ib. 1 disl.I qu. 5,2 sq.; IV dist XLIX qu.4, 8; qu. 5, 5. 

3) Ib. IV disl. XLIX qu. 11, 3 sqq. 

4) Ib. 4. 



406 

bttttttben unb bem dxfannttn flattfxnben / fonfi tt>ärbe 
ttfbtt ber Whn\if ®m, tiod^ koutbe ®ott ben ©tein 
evfennen fiimien. 9Iur mup bad (Srfenntnt^t^enn^gen bed 
SRenfc^en umfafTettb genug fein, um ba^ Srfennen ©otted 
in ft(]^ aufnehmen jafinnen; toit totü er au(]^ )>om 3n>e(fe 
bei: SBett a{>ftepen mag; fo muß boc^ fein SSerfiältnig ju 
i^m unmitteKatr fein, um tl^n erreichen ju fpnnen; fein 
SSevflanb mii^ fi^ig fein t)on i^m (ewegt ju tDerben ^3. 
S)und @cotu^ geßept babet JU; baß in bet @rfenntniß 
bed Sttennenben eine SSer&^nli^ung be^felben mit bem 
(Scannten/ atfo aud^ in bet ffdc^ßen (Srfenntnifl eine 93er^ 
a^nlid^ung bed SRenfc^en mit ®ott ))orauSgefe$t t^erben 
mfiffe, fi&It aber baBei bo(^ ben Unterf(f|ieb jn»if(|^en Sr^ 
fennenbem ünb Srfanntem feß , benn bie 3bee ©otted 
t>om Steine mxU nic^t ber @tein , fo n^ie iai Suge 
bed @e^enben nicf^t iai ®efel^ene unb bai^ 93tlb be^ Raif 
fer^ niö)t ber fiaifer werbe 3), (Si i|i alfo nur bie Slffn^ 
licl^feit eined Silben, n)eld^e er 9on bem ricfitigen ®e^ 
banfen verlangt 



1] L. I. Praeterea si boe est verum, tum nee cum lumine 
gloriae vel quocunque habitu esset possibile creaturae vidcre 
deum , quia esse dei excedit modum essendi ipslus , immo to- 
tnm istum intellectuirn et habitum et lumen, et ideo dico, quod 
inter objectum et potentiam non oportet esse aequalitatem , sed 
quandam proportionem. Talia autem, inter quae requiritur 
sola proportio, possunt esse maxime dissimilia, ut patet de ma~ 
tcria et forma , similiter de activo et passivo. 

2) L. 1. Non enim requiritur inier objectum et intellectum 
nisi proportio motivi ad mobile ; objectum enim se babet per 
modum moventis potentiam. — "- Potentia enim capax est 
operalionis tantum respectu bujus objecti et ideo proportionatur. 

3) Ib. I dist. m qu. 3, 4. 



^ 



407 

2)te Solgen biefet Se^te greifen buv^ feine ganje 
S>enfn)eife i^inburc^. Wim fann fagen, fte ma^t crfl, 
bad n)iffenfd[iaftli(^e @tre&en )Don ben fcf^Iimmfien SBontt^ 
t^etlen frei, tpelc^e ifnm toom SUtert^^um ^er ©d^ranfen 
ju fe^en gefud^t (matten» d^ iß {fier feine Stebe mt^t 
wn ben (Stufen bed 3)afeinj, tt)e% bie ©ef^opfe ein^ 
engten, tt)ie in i^rem @ein, fo in i^rem Srfennen, feine 
Siebe wn ber ^nblid^feit iffred S3erßanbe9, ivelc^e i^nen 
nid^t erlaubte gemiffe ©rengen beS gorfc^end ju ä(ermitt<» 
bem Suc^ ber fc^opferifd^en SRa^lt ®otte« n^erben folc^e 
©renken ni^^t iDorgef(|frie(en, aU tt)enn er nic^tt Sod^ 
fommeneä ]^ert)orbringen Umtt, weil jiebe äSirfung un^ 
DoUfommener fein mu^te, aU i^re Urfac^e« SBielmel^t 
fe^t 2)un« ©cotu« mit ®e)iel^ung auf bie S£rinität, bag 
ein SDoQfommened ^rinctp aud^ in t)oIIfommener SOSeife 
)>robuciren tDerbe ^D. ätoax fügt er ^inju , baß ed mit 
ben @t\^6p^tn tttoa^ anbered fei, totU^t liegen i^rer 
@m))fängti(l^feit immer ttwa^ Un^oQfommeneö; Sufadige^, 
iSn\>li(fyt^ fein warben, unb er toerwirft be^wegen an^ 
ben @a9 nid^t, ba§ bie SQSirfung not^menbig geringer 
fei aU bie Urfa^^e ^3 ; ober alle^ biea iqit^t ft(^ nur auf 
(ene Seigre, ba§ t)er]^altttipmapige S)inge in if^rem ®m 
ganj t)erf(j^iebener unb entgegengefe^ter 3lrt fein fönnten, 
ol^ne be^wegen aufjufiören im 3n^dtte i^red ©ein^ ftc^ 
gu entfpre(^en. ©o ijl anä) ber mcnfc^K^e bem gottti^ 
^en SSerjianbc iproportionirt , obgleicj^ jener nur em^)fang' 

1) Ib. I disl. II qu. T, 3. Quicquid de raiione sua fornlali 
est priacipium producendi , illud io quocunque est a se , in eo 
est principium perfecte producendi. 

2) Ib. 4; pro!, qu. 2 lat. 17; disl. III qu. 7, 25. 



408 

Ii$, tiefet mttt^eüenb tfi; bann (efie^t bie Sitblidf^feit 
iti gefc^affenen 93er{}anbe^; bap er niifyU ani {td^, o^nt 
OBjfect; melc^e^ {t($ t^m baxbitM, ju etfennen ^oemtag, 
unb be^megen au(!^ iai Unenblt^e m6)t fa.ffett t6mxtt, 
wtnn niifyt ®ott in ubttnatMii^ct SQSetfe i^n (etoegte; 
ffierin (eru^t aud[^ feine 3ufa((tgf eit^ n^e((^e nid^t oUein 
eine SSerneinung in {td^ f($Iießt, fonbern aud^ eine ^xt 
bed @ein6 (ejeid^net/ fo tvie bie :9lot^n?enbtgfeit eine an^ 
bere ärt beö ©ein« 0* SRan begreift, »ie wii^tiö bie^ 
fer @ag für bie.SeJire biefer 3«t i|l/ wri^c ben ©egen:« 
fa$ amifd^en ®ott unb ®ef(i^())f auf ben ©egenfag itou 
fc^en 9lot^tt)enbigem unb 3ufäaigem iurädbrad^te. 3luf 
t^m berul^t ti, bap S)und @cotttd feinen unbebingten 
gprberungen fftr bie aOSijfenfdjiaft ojme atte ©efd^ranfung 
Staunt geben fanm 9(((e^ tjl erfenn^ar unb jiebed ^tu 
ßänbige äSefen fann atte^ erfennen* Der 93erfianb toirb 
ivix6) feinen Oegenfo^ befc^ränft; weil er ©ntgegenge* 
fe^ted gugleid^ erfennen fann; \>on Statur firebt er ailti 
einjufef^n unb ^at f^ierju baö »oße SScrmogen ^D^ 2)af^er 
lagt S)unä @cotud aud^ t)on ber Unenblid^feit be^ 3u^ 
erfennenben, »on ber Sufaßigfeit be« Sinjelnen, xion 
ber glfi^^tigfeit ber {tnnlid^en unb natarli^en 2)inge ftd^ 



1) Ib. prol. qu. 2 lat., 7; I disU XXXIX, 35. Contingentia 

est modus positivus entitatis, sicut necessitas est alius modus. 

2} Ib. 1 dist. VIII qu. 2, 2. Quaelibet intelligentia polest 

^'<^;V> intelligere infinita, quia omne inlelligibile. ib. 111 dist. XIV 

-"!' *!"• 2> ^^ *^^* Quicunque intellectus est receptivus notitiae 

cujuscunque objecti, quia est totius entis et per cousequens ad 

quodcunque inlelligibile habet desiderium naturale , et si quod- 

cunque cognosceret, in hoc perficeretur naturaliter. ^ü^ ^ai 

ftij an djriflo bciviefcn. 



^ 



409 

ni^t \^vtitn; er forbert; baß toit: bied aUti )u etfennett 
bad SBermfgen i^aben muffen/ m bet voKfornmenflen SSSrife^ 
anf(|iaulid^, in feinem @runbe, in ©ottO« 

3i\xx fommt ber SRenfd^ l^ierju niif^t fogleic^» Mt 
vetnunfttge SQBefen fonnen nur aQmälig ftd^ entn>i(!eln« 
@ott (emegt unfern ä3erfianb nid^t guerji ju ft^ unb (di^ 
bann ju ben übrigen S)ingtn, fonbem bie Drbnung ber 
Srfenntniß ge^t ben nmgefel^rten SQSeg^)« 3^ai^/ ^ic 
f4^on (emerft/ n)irb suge^ben, baß )pion äbifang an ein 
Segriff ®otM mi itim^t, (Act nur in allgemeiner 
unb ^verworrener äSeife, fo baß tt)ir nnr ba^ @etenbe 
üitx^aupt in i^m erfennen, ml^ti aüii (Srfenni&are bem 
Vermögen nad^ in ^^ enthält?); fo tt)te üitt^aupt bie 
allgemeine unb t)ern>orrene (Srfenntniß früher i{l, aU bie 
beßimmte ^f enntniß be^ @in}elnen ^^3 , aber eine folc^e 
^erioorrene Srfenntniß fann ni^t bie t^ätige Urfacl^e 
ber beutlid^en unb beßimmten (^fenntniß fein, totil burc^ 
ba^ Un\)o((fommene ba^ äSoQfommene nicbt i^ervorge^ 
bracht tt)erben fann ^}« 9lu^ t)on und felbß l^aben toit 
anfangt nur eine fold^e allgemeine unb ^eruoorrene (St^ 
f enntniß ; wa€ mi und tt)erben foK , bad toifTen toix ttU 
nedweged »on Urfprung an ^)* 

1) Ib. prol. qu. 3, 28, tt)obei bie ?(riftoteKf(!^e ©efiniffon ber 
Siffenf4)aft conigirt totrb; I dist. 111 qu. 4, 13; 11 dlst lli 

qu. 6, 17; IV disl. XLV qu. 3, 17. 

2) Ib. III dist. III qu. 3, 5. Essentia divina non movet in- 
tellectum nostrum primo ad se, secundo ad omnia alia cogno- 
scibilia cognoscenda. 

3) L. 1. ; ib. IV dist. XLIX qu. 12, 8. 

4) Ib. 1 disU III qu. 2, 22 ; 25 ; 28. 

5) Ib. 1 dist. III qu. 7, 13. 
6} Ib. prol. qu. 1, 11. 



I 

1^ 



410 

« 

hiermit erflart ftc^ S)ttnd @cotud auc^ gegen bie fta^ 
fäfi 9 ^^^ ^{^ Qttit aM immer fi(^ gegenn)ärtig au$ un^ 
mer fic^ ju erfennen t)ennpge^ unb bcfäm))ft bie ^loto^ 
ntfd^e Slnfi4^t^ auf welche bie Sef^re ber SDJyßifer bed 12. 
3a^r^« ß(^ gegrOttbet l^atte, baß »ir unmittelbar unfer 
Sefen fd^auen n)ürben, wenn nnfer Sluge niif^t ^on ber 
@finbe getrübt wäre, of^ne burc^ bie Slutorität be^ Stu^ 
gttflinttd ft(^ f(^eden gu laffen« Sticht in ber @ilnbe oI« 
lein liegt tif baß wir aKmdlig und entwideln mflffen 
unb an bod Sinnliche gefeffelt ftnb, fonbern aud^ in ber 
Drbnung ber ^afte biefer äSelt ^> S)und @eotn^ er^ 
fennt )war ben @a$ an, baß unfere ))olIenbeten Z^a^ 
tigfeiten, fo wie fte unmittelbar un^ gegenwärtig ftnb, 
fo aud^ unmittelbar toon und erfannt werben, unb baß 
a(i$bann fein S^^eifel bagegen, baß fte in un6 ]oorf»anben 
ftnb, auf{pmmen ffnne^}, aber bamit fte unb in i^nen 
unfer SSBefen erfannt werben, muffen wir {te erfi in und 
entwidett i^aben. 

3tt biefen ©ä^en liegt bad SBBefentlid^e feiner Srfennt* 
nißtel^re. 9ta(!^ t^nen iß bie @eele ald eine, aber nid^t 
ald bte einjige Urfacfie bed (Srfennend anjufei^n. SSßäre 
fte bcffcn ganje unb einjige Urfacj^e, fo würbe fte, aW 
ft4^ fetbß gegenwärtig unb wn nic^td ge^inbert i^re na^ 
tfirlic^e ^f^ättgfett {u vottiiepn, avii) immer unb afled 



1) Ib. II dist. III qu. 18, 13. Intellectus noster pro statu 
isto non est natus. moveri immediate, msi ab aliquo iniagina- 
bili vel sensibili extra prius moveatur. — ^- Sed est ex pec- 
cato et non solum ex peccato , sed etiam ex natura potentia- 
rum pro statu isto , quicquid dicat Augustinus. 

2) Ib. I dist. III qu. 4, 10. 



411 

erfennem IDa toix nun a(er bie GErfo^ntng machen , baß 
tvtr nul^t immer unb aüti ttUnncn, fo muffen n){r an« 
nehmen ^ baß bie @eele ni^t ixt einjige unb ganje Ur« 
fac^e bed Srfennen6 ifi« dhtn fo ti)entg aber fonnen toit 
on^ jugeben, baß bie ®eele nic^t eine )Dcn ben Urfac^en 
be^ Srfennen^ fei, fonß w&rbe ti ntd^t in unferer ®e« 
tDalt fein etma^ gn erfennen, totan xoix ti erfennen tooU 
len , unb bad Srfennen n>firbe nid^t unfere St^l&tigf eit 
fein. X>ai Slnbere abet; n>el^e0 l^ingutreten mn^, um 
bad Srfennen in un^ ffervoriubringen, iß ber ©egenfianb 
bec( Srlennen^, »el^Kr in irgenb einer SBeife, tt)ie er 
ti t)ermag, atö gegenn)ärtig^ ft($ und barfleden muß um 
gemeinfd^aftli^ mit ber ^dtigfeit ber @eele iai Srlen# 
nen ju ))o(()ie$n '}. £)ie @eele ifi ba« ©u(j[ect be^ (Sr« 
fennen^, aber außer i^m tt>irb autfy ein Ob/ect be^ (Sr« 
finnen^ )Der(angt; erß aud bem 3ufammenn)trfen beiber 



1) Ib. I dist. III qu. If 3 ; 20. Intellectio actualis est ali- 
quid in nobisy non perpetuufn, sed babens esse post non esse, 
flicut experimur. Istius ergo oportet ponere aliquam causam 
activam et aliquo modo in nobis, alioquin non esset in potestate 
nostra iotelligere, cum volumus. -^ — Apparet etiam bic« 
quod oportet concurrere animara et objectum praesens et boc 
in specie intelligibili, Si ergo nee anima sola nee ob- 
jectum solum Sit causa totalis intellectionis actuah's et ista sola 
videntur requiri ad intellectionem , scquitur, quod ista duo 
sunt una causa integra respectu notitiae geoitac. Ib. 32. Quia 
anima non semper est in actu respectu cujuscunque intellectio- 
nis et ipsa Sit sibi ipsi approximata , et non semper impeditur, 
conduditur ipsam non esse causam activam totalem , sed ali- 
quid aliud requiritur. Illud autem aliud conduditur esse ob- 
jectum, quia eo praesente sequitur effectus, eo non praesente 
non polest baberi eifectus. 




412 

gefit iai toixtii^t dxUmxm ^ttoox 0« Cd »)trb ^itxUi 
t>otauägefe$t ; baß bie @eete felbft in t^rem gegentDätK^ ' 
gen Bttfi^nbe ntcj^t bad £)6][ect i^re 2 (Srfennend fem fSnne, 
)»tii ade 2)tnge mx mi tfften tt)trflt4ien S^attgfetten 
tttannt n^erben , inbem {te auf und wirf en, unb bie X^i^^ 
tigfeiten bet @eele etfl tn intern Streben nad^ i^vem 3iele 
^^ entn>ideln fotten ^}. a)tefe ©runbfa^e mt ^mi 
@cotud ffir ade 3lrten ber Stfenntnip feß. SelBfi bad 
finnli^e 93i(b, ml^ti foix wn bem äußern JDb][ecte em^ 
pfangen, tt)irb nicj^t wm JD6j[ecte allein $en)orgeka(l^t, 
«ielme^r wU^k^t ti bie @eele nur unter ber 9Rittt)ir^ 
futtg be« Oiitcti ^}* (Sd (erupt i^m fiierauf ; baß tt>{r 
eine (Srfenntniß t)on äußern Dingen burc^f bie Sinne ge^ 
uHunen f^nnen« S:>tm an^ ^itxiü ift n>ieber eine S.^ä^ 
tigfeit bed äußern £)&j[ectä unb bed äSerflanbed ju un^ 
terfd^eiben^ 3)er @iuneneinbrud fegt eine äußere Urfa^e 
t)orauä. (Sr n)irb aber beurt^eilt m^ bem fc^on ange^^ 
füfirten unö inwo^nenben ©runbfage bcö SSerflanbeö, 
n)el^er aUer natürlichen Srfai^rung in ©runbe liegt, baß 
toa^ in ben meifien gälten loon einer nici^t freien Urfa^e 
]^er))orge(ra(^t werbe, bie äSirfung einer natörlid^en Ur< 
fad^e fei^ 3n biefem ©runbfafte finbet 2)und ©cotuö 
bad ^Kittel täufc^enbe ober t)ern>orrene @inneneinbrude 
t>on folgen ju unterfci^eiben , welche und 2Ba j^red »erffin* 



^) In anal. post. 1 qu. 3. 

2) In sent prol. qu. 1, 11. 

3] Ib. 1 dist. 111 qu. 7, 24. Concedo euim quod istam ima- 
giiiem, quae est sensatio , non causat corpus in spirltu, ut to- 
talis causa, sed aniina causat in se mira celeritate, non tarnen 
ut sola causa ) sed anima et objectum. 



■i? 



415 

tch>>* %u^ bie üUxnat&xUd)i Srfenntniß tDtrb m^ 
bm^tXbm ^a^^it Untt^tiU; m^ ftc, n){e f(|ion er^ 
iDal^nt n>urbe, fatm nut butcf^ Sinwirfung tim^ äbevna^ 
türlid^en D^jiect^ toon und gewonnen toerben. jDedwegen 
t{) ttnrer Stfennen fiberffaupt von ber einen @ette ein 
Seiben, ^on ber anbem Seite ein 2:^ttn^ ®el(jl gegen 
®ott loerff&tt ft(( ber äSerfianb nid^f oKein leibenb ; foni^ 
bern in oOen pßen mfiffen wir bie (Sinftd^t in un6 felbfl 
»ottjteffen 2> giur fo loiel gefleht ^mi ©cotu« ju ; baf 
gwar im natörlid^en Srfennen ber SSer^anb bie IpaupUxx^ 
fatffe fei/ meil er t)on aOgenteiner SIrt über aUii ftc!^ er^ 
^ede, n^arenb bad £)b][ect t)on befonberer äirt nur auf 
einen ibefKmmten ©ebanfen und befd^ranle; unb n^eil bad 
Obtect nur atd SRiiurfad^e tt)irffam fei, wärenb ber 93er^ 
^anb mit freiem SBiKen tDirle unb bad Objiect aii fein 
Sßerfjeug gebraud^e, ba§ ed bagegen anberd fei bei ber 
Abematurltd^en (Srfenntniß; benn ®ott bflrften wix nicfit 
aU tin befonbered Dbj[ect unfered dxUmtnS fe^en ; au(^ 
fann er ni^t a\i untergeorbnete Urfad^e unb aU 3QtxU 
jeug unfereö SSerftanbe« gebac^t werben 5)* 

9!a(]^ biefen @ä$en f^ließt ft($ nun S>un6 @cotud an 
bie Sef^re bed 2lri|ioteleg an, baß aUed unfer Srfennen 
^oon ben ©innen audgel^e unb unfer 93erfianb t>or feinem 
wirf lid^en (Srfennen nur eine unbefi^rtebene S£afel fei ^^ ; 

1) Ib. 1 dist. III qu. 4, 11. 

2) Ib. 1 dist. 111 qu. 7, 37. Nam si deus eam (sc. intel- 
lectionem) causaret et eam in intellectu nostro imprimeret, non 
minus eam inlelligeremus. ©oS bet SSetftant leite, ((j^Iieft |t(J 

an eine ^teUe bed ^rißotele^ an. 

3) Ib. 1 dist. 111 qu. 8, 2. 

4} Ib II dist XI, 3; dist. XXÜI, 5. 



# 



414 

attx ti fließt tl^tn aM benfel^ auc^, ba§ bie SBrife 
b€^ Serflanbcd nit^t iß nute teibenb gegen btc Objecte 
ft(^ ju t>er|^a(tett; t>telme$r fe(6fl in ber ^npfuibmig iDen^ 
bei er ftc^ mit freier Z^dtigfeit ben Objiecten }u» S^ax 
eitle natfirlic^e SSirffamfeit ber £)(j[ecte auf ben Serflanb 
ivirb jugegeben; ber ßärfere ober )^toa^ttt (Sinbmtf be^ 
fKmmt bie 9ii(^tung bed (Srfennend; auc^ foK ber Ser^ 
ftanb immer nnr a\i eine natfirlic^e firaft, n>e^e mit 
9{ot]^n)enbigtett tt)irfe, angefef^n n)erben; aSer ber 3Biflc 
gebietet tl^m unb giebt iffm eine freie Stic^tung ^3» SSom 
@inne ifl bie Zf^tigfeit be6 Serflanbe^ unterfc^ieben, 
benn ber @inn fann aKein bai ©inntid^e anffaffen unb 
tiii^t einmal ba§ ©innlic^^e im STOgemeinen , fonbem nur 
bied Sinnliche / immer nur eine befonbere (Srfc^einung ; 
nur ber ä^erjlanb abßral^irt t)om 93efonbem unb fommt 
gur Srfenntniß bti Sttgemeinen ^3« S)ie ©rfenntniß be6 
?lffgemeinen ifi ba|>er bem ^f>itofo^)ficn ber ft(3^erfle Se^ 
mi^, ba§ ber SBerflanb t)om ®inn ^erfc^^ieben ifl ; an il^n 
fd^liefen ftd^ aber an(!^ anbere ©eweife an, fjergenommen 
von ben eigentümlichen S^fiatigTeiten be6 S3erflanbe6 in 
ber Swfömmenfegung ber Oebanfen, in ber ©ntl^eilung, 
im ©c^Iie^en. ©elbji bie @rfenntnt§ be^ S3efonfcern barf 
ben ©innen nur in intern ©eginn gugeeignet werben; benn 
ber SSerflanb mn^ ben ©ebanfen be^ SBefonbern bewa^^ 
ren, um t)on bem SSorfianbenfein beffelbeU; weld^eö ber 




1) Hl. I dUt. 111 qu. 6; IT; 26. 

2) Ib. 11 dist. XXIV, 6. Si enim nulJus esset intelleclus 
abstrabens boc universale, quod est color, oculus bovis wideret 
album et nigrum; iramo color, ut quid commune abstractum, 
ooo videtur, sed boc album et boc nigrum. 



4i5 

@ttin ftnbet; auf bte (Stfenntniß fetnev ©rünbe t)or}tt< 
bringen ^}^ 

3ni SBefentltd^en freift^ entnimmt jDun« @cottt6 btefe 
Sefften aber ben Untevfc^teb itoi\^zn SBerfianb unb @tnn 
toon feinen Slutoritäten unb e(enfo verfährt er. auify in 
feinen @ä$en fi(er bie 2!$ätigfeiten ber ©eete, mi^t 
bem @tnnl{(^en ftd^ anf4ilte§en, ü(er ®eba(^tni§ unb 
Sinbilbung^fraft» Sine in ba^ Sefonbere eingef^nbe 
genauere Unierfu^iung ü6er biefe fünfte ^oermiffen toix in 
ben un^ gugangtic^en ©d^riften ^3* fSJlit ber Sirifloteli^ 
fc^en Se^re ^alt ftc^ S)und @cotud |»au)3tfa^K($ an ben 
3ufammen|iang ; in welkem ä^erftanb unb (Sinbilbungd^ 
traft unter einanber ftei^en , lä^t bagegen bie Unfj|rf(|)iebe 
ber Slrabtfcfien $^tIofo))^ie nur mni^ f^er^ortretem SDie 
(Siniilbung^fraft ^at ed aber mit bem @inn gemein^ baß 
fte immer nur tin (efonbere^ 3i(b un^ barfieKtt (Sin 
^oi^ti Säiit aUv mvi$ einen j[eben ®tbanUn beö 93er^ 
flanbeö kglettem S)afär ^pxti^tn ^anpt\ad)ii{fy 3n>ei 
©rünbe. S)te (SinHIbung nemli($ ))on ber einen @eite 
entf^ri^t bem ftnnlid^en Elemente in unferm Senfen« 
2)ie ftnnli^^e Jl^ättgfeit aber erfd^etnt bem 2)un^ ©cotu« 



1) Ib. I dist. III qu. 6, 5 ; IV dist. XLV qu. 3, IT. 

2) Über ta$ ©ebä^^tnif f4)Iiefen ^^ bie Unterfu4)un9en be« 
S). @c. an bie Se^te bed Stugufl. t)on bet 2:r{nität an unb voüt 
biefe ®ott ben fßaUt mit ber memoria ))erg(ei((t/ ift ^* @c« 
geneigt bem ®ebä4)tnif eine (öpere Sebeutung beizulegen; aU 
e^ nacb bem ^rifl. i^at ^edn^egen fprii^t er ben 2:^ieren ®e« 
bä(btntf im bö^ern 6inn ab unb nur im niebern @inn mirb ib' 
nen ein ®ebä4)tnif an $b<tntaften (3beenaffociationen) ge!nä))ft 
augeflanben. (Ib. IV dist. XLV qu. 3, 8 ; 11.). @ebr beacbtung^' 
tt>ertb ift nun bie Unterfrbcibung gtt)if(b«n memoria intelleciiva 
unb mem. sensitiva , mi^i ft(b baran anfcblieft. Ib. 17; 20. ^ 



416 

atö ber tttebere ®rab ttt ber Sntwtdiung unferer ®eeTe, 
bie SBerfianbe^ti^atfgfoit aB ber ^d^ere unb ba9 9Kebere 
muf in ber (SntkDtdKuttg bet ©efd^opfe bem ^6^mt ald 
notfftpenbtge Sebingung in entfpre^enbet SSeife s^otron^ 
ge^tt, fonfl kDfitbe etmad 993tberf))re(l^enbe4 im lebenbigen 
SBSefen fein unb bie Unentmid elt^eit beä 9liebeni ein $in^ 
bemiß fui: bie dnttoiäimi iti |)o$ern n^erben. ^nni 
@cotud ffätt aud^ in biefer Sejieffung bie @in^eit ber 
6eete feß unb f^ilie^t ft(^ f»au^tfä(f|Ii(j^ genau an bie 
Se^re W>txV& bed ©ro^en an', inbem er ben niebem 
unb ben poffern Z^til ber @eele nur aU toerfcfrie^ 
bene jSntmidlungeu bedfeI6en SSermogen^ anerkennen wiü, 
n)eif ^Httfang unb ©d^Iuß in berfelben ^aft liegen mfiffen 
um mit einanber t)er(unben gu fein ^3« 93on ber anbem 
Seite berlangt er für ba^ Srfennen be^ äSer^anbeö au(^ 
eine 93or(ereitung; rottet ti moglid^ ma^t bie Sl6ßractton 
t)on ber befonbern ÜJkiterie p ^oK}ie]^n unb bie erfenn^ 
bare %oxm bem äSerflanbe anzueignen; biefe fo(( bie @in^ 
bilbung^Iraft gewal^ren , inbem fte 5oon ber aWaterte be* 
freit, mit wet^er bie Sinbrüde beö ©ein^ behaftet |inb 2)» 



1} Ib. II disi. XXIV, Bcfönberö nr. 3. 2)ie SRebe tfl Jier frei* 
It(( nic^t t)on ©ituitic^fett unb Serflanb allein ; fonbern t)on ber 
portio superior unb inferior bet Vernunft ühttiawpt, bie ®rttnbe 
aber ftnb gro$ent(ei(d gan^ aUgemetn. 

2) Ib. I disi, III qu. 6, 28. Duplex est necessitas conversio« 
nis intellectus ad phantasmata. Una est conformitas actionum 
potentiae intellectivae et phantasiae, quia quicquid intelligimus 
in universal!, lUud idem pbantasiamur in suo singulari. — — 
Impedita operatione pbantasiae impeditur intellectus. — — 
Quoad causam secundam vel necessitatem est intelligenduni, 
^ quod species intelligtbilis abstrafaitur a phantasmate. 




4i7 

Z)kfer 3ufammenpang M t^erßanbtgen Srfemien« 
mit ben ftnnltd^en (Sinbrfiden unb ben Sitbern ber (Sin^ 
bilbungaftaft ifl t)on großer SBtd^ttgfeit fttr bfe ^tmt 
Ut jDund @cotua über bad menf^^Itd^e Srfennen» <£r 
entotdett i^n befonber^ im @trett ^egen ^einrid^ Don 
®ent/ tDel^^er bte Sßogltd^fett einer {td[^em ttatflrlid^eit 
Srfenntniß befhritten ^atte. |)e{nn(l^ flaute {t(| borauf, 
baf n)tr fein ftd^ered ^enngeid^en be« SOSiffen« wn 9tatitr 
(efäpen. ®n foI((e6 tt)firbe nur in ber un^^eranberltd^en 
3bee ®otte9 ge^nben n)erben fdnnen, unfere natäxUifyt 
iSrfenntniß aber f^nnten i»ix nur ani ben notärHc^en 
SDingen unb ber @eele iie^ien unb bedn)egen to&xt (te im$ 
unftifier unb fd^n)anfenb^ n^eil {!e wn ^erSnlMUl^en 
jDingen abgenomtnen würbe« & unterfd^ieb i^terbei ein 
bQ)>))efte^ üTtußerbilb, m^ ipelc^em unfere ®ebanfen beur^ 
äftiü tt)erben fonnten, ein gefd^afened unb ein ungefd^f^ 
fcneö; iai gefd^afene SKuflerbilb tß bie aOgemeine intel^ 

ligtble Sorm (species universalis intelligibilis) ^ \Ȋ^t 

wn ben gefcfiaffenen 2)ingett in mi |ien)orgebra^t n)irb, 
ober eben be^wegen n)anbelbar unb unjutoertafftg ; nur 
ba« ungcfd^affenc SWufierbitb, bie 3bee ber SDinge, wie 
fte in ©otte« fd^oi^ferifd^em SBerftanbe ijl, würbe einen 
ft^ern 5Waßilab ber SBa^r^eit abgeben 0» JDem fe^te 
nun 2)utt^ ©cotud eine genauere Unterfcfieibung itnferer 
natflrli^en erfenntniffe entgegen» ©ntge^ wiffen wir X)on 
SWatur o{>ne aßen 3weifel, anbere« burc^ bie (Srfa^rung 
in attgemeiner (Stfenntniß, noc^ anbere^ wiffen wir um 
mittelbar unb o^ne aUtn 3weifet in urie fefbfl unferm 



1) Ib. I dist. HI qu. 4, 2 sq. 



418 

feitnett tt)tr vxit St^erl^eit t)on b^ äußern ^Dingen , wie 
füe- segempfirttg ftnb , aui tett SSSttf ungen ; wt^t {te auf 
lin^ ani&itti* 3wti t)on biefen Qrrfenntni§atten, bte etfh 
unb bie bntte^ ^aUn Un Sinn nur $ur äußern Seran^ 
I^ffttttg , )DoII)te]^en ftd^ aber ga») in unferm Innern ; baß 
td^ MM«ipe^ baßjd^ lebe, bat)on tDetß i(]^ unmittelbar o^ne 
^Ife ber äußern @egenflänbe; i^re 3Ritn)trfung )u bte^ 
fen (Srienntniffen ifl nur nebenbei not^tg; fo n>etg ic^ 
an^ bie aOgemeinen @runbfä$e ber SBifenfcffaft )>on 9la^ 
tnx, i» 1&* bie Seigren ber ä^ati^ematif, o^ne not^menbige 
^fe.eineS £)rgan<, toti(fyt^ nur nebenbei mi^ an biefe 
@nittffi$e erinnern !ann» (Süoai anbered ifi e« mit 
fcen beiben anb^m äürten ber. nattirli(]^en @rfenntniß; fte 
fe^en einfr.beßtmmte.änßere (Erfahrung ^oxaui, tt)obeiber 
©egenftanb bie @ee(e in befonberer äBetfe erregen muß* 
2)aß aber aud einer feieren gnfälltgen unb \>orSberge^ensr 
ben Erregung eine ftcfiere unb nDtptt)enbige (Srfenntniß 
l^erborge^en fann, berufft barauf, baß auf fte /euer 
allgemeine @runbfa9 bed Serfhtnbed angen)enbet n)irb, 
tt)ad in ben metfitn %aüm \>on einer nic^t freien Urfad^e 
^efd^el^e, fei SBirfung einer natfirli(f>en Urfad^e 0* 2)tefe 

1) Ib. 6. Nota igitur, qaod quatuor sunt conditiones, de 
qiiibas nobis est oecessaria certitudo, sciiicet de scibilibus nm- 
plicit)^r, de scibilibus per ei^perientiam , de aclibus uostris et de 
cognitis ut nunc a nobis per sensus. Ezemplum de primo, 
^riangulus babet tres etc. , exemplum de secundo , luna eclipsa- 
tur, exemplum' de tertio, vigUo, exeinpluni de quarto, illud est 
album. Primum. et terfium tantum. egcnt sensu ut occasione, 
quia simpliciter eii certitudo, si omnes sensus errarent. Se- 
cundum et quartum tenent per idem , sciiicet, quod frequenter 
evenit a ooo libero , babet iUud pro causa naturaii. 




419 

(Smt^etätng Utoti^ ba§ ttnfere ttatilvl^e QEtfesntni^ ntd^t 
ganjltcl^ ))on ben ftnnti^en Erregungen unferer Seele bnr^ 
bte t)erginglt4ien unb t[)eranberlt4ien 2)inge (»eriDorgebrac^t 
nnrb unb bednoegen bem beßänbtgen Stufe ber (Srfc^ 
nungen täi^t anleint fdttt; iDeld^en ^aftit li^xt, t^tt^ 
bte Stfabemtfer för t|^re 3weifel anf^en ^); ))ielmd^ 
»enii aui^ ade @tnne täufd^en foOteitf fo würbe bo(^ bie 
SBerbtnbung, toelcfie ber Serflanb nad^ fetnen aOgemeinen 
©runbfi^ett ftnbet, unerfc^ittterlic^ fein, tpeit fte auf ber 
(Erfenntntg folc^er 93egrife Berul^t, mU^t not^enMj) 
mit einanbet t>er(ttttben tperben mftffen, totü ber ^e 

ben anbem in {t($ f^lteft (principia nota ex terminit)« 

9uf foI4ie (Srunbf&^e fuc^t aber S)un« Scotud.m^ We 
QErfafirungderfenntntffe surüdjuffl^ren loermitteljl j[enetf afU 
gemeinen :@runbfa$ed be6 SerfUmbe« ünbinbem er bafNH 
bie unmittelbar getDtffe innere (Srfa|inittg ju ^fllfe ruft, 
loel^e felbfi (d^ ^xincip angefe^n merben muß; febatb 
fte nur bie ttJtrft{(^ in un^ öoßiogencn SIrte (actus pei^ 
fecti) bejei^net. S)en Übergang t)on btefen tnnern (Su 
fa^rungen ju ben (Srfal^rungen ber &vi^tm äBelt finbet er 
nemlii^ babur^, baß er m^ jenem allgemeinen ®runb< 
fa|e bei5 Serjianbe* auf tm Äußerlt^e naturlid&e Itr^ 
fad^i^ f(|)Itegt; n^el^^e bie natfirlid^en äßtrfungm in uu^ 
^erjp^orbrtngen muffe ^)/ 



.. f 



1) Ib. 4; 5. 

2) (b. 7 sqq. Termini' principiorom per se notorum talem 
habent. identkatem:, ut alter evidenter necesxario altcium inclu- 
dat. — — Quantum ad istam' notitiam intdtectns non habet 
sensus pro causa , sed tantum pro occasione , quia intellectus 
non potest habere notitiatn simplicium, nisi -acceptam a seosi- 
bjt5| illa tarnen accepta. pot^st simplicia tirtüte sua compo- 

27* 



420 

9){ag nun auc^ tiefe Se^re über unfere (Stfenntnig t^te 
guten ©rünbe l^abeu; fo hUiit in i^x itnno^ ein bunf» 
ler $unft, n)ie bie Segtife und sufommen, n>eld^e einet 
ben anbern einf(^Iießen, fo bag fein 3rt$um bei SBerfton^ 
be« fi(et bie etflen ®runbfä$e biefer Slrt ntf gti($ tft 0* 
@einer Slnft^t m^ ftnb bie ©runbfä^e bed SSerflanbed 
analytif^e ©ä^e unb ber SSerflanb foO bie Serbinbung 
ber in ipnen enti^altenen SBegtife felbßt^ätig erfennen; 
aber ed fcfieint, att krollte er bie gu loerbinbenben Se^ 
griffe topn ber ftnnKii^en Erregung aUtittn, mnn er fici^ 
bed ^niitnäi bebient , bie Segrif e aU einfädle SBefianb^ 
t^eile bej @a$ej wfirben t>on ben Sinnen em))fangen ^3» 
UnflreiHg itio^ ifi bied nur eine Ungenauigfeit ber S)ar^ 
flettung; miil^t ä^nlid^en Siudbröden ber Slrißotelif^^en 
Sepre nad^gebilbet ift« SB3o t>nni @cotud genauer fu^ 
an^ixüät, ia unterfcfieibet er felbß in unfemt ftnnlid^ii 
(Srfennen ein ic^pHM, bie S^atigfeit beö SBerfianbed 
unb bie S^^ätigfeit bed @inned, unb f^ireibt biefer nur 
eine entferntere SKitmirfung gur ©rjeugung ber Segriffe 
2u , n)eI4ie er inteUigible formen ober SIrten nennt ^}* 



nere. — — St omnes sensus essent falsi, a quibus accipiuntur 
tales termini , — — intellectus circa talia principia non deci- 
peretur, quia semper baberet apud se terminos, qiii essent causa 
veritatis. — — De actibus nostris dico, quod est certitudo de 

multis eorum, sicut de principils per se notis. Et sicut 

est certitudo de vigilare , sicut per se noto , ita etiara de mul- 
tis aliis actibus y qui sunt in potestate nostra , ut de me intelli- 
gere, de me audire et sie de aliis , qui sunt actus perfecti. 

SSergl. ba^u bie Bef^yränfungen ib. 15. 

1) Ib. II disL XXIII, 5. 

2) eie^e bie au^ge^o^. ^kU^ ib. I dist. III qo. 4, 7 sqq. 
3} Ib. 1 dist« III qu. 6y 28. Antequam igitur inlellectus hat' 



421 

Z>a« ^attxkUt Ui @tnne< unb iti ftnnli^en ®egen^ 
ßonbed fod batet nic^t in Setrad^t f ommen ; tenn tia$ 
bem Wci^oUU^ m^mtn toir nuv bie Sotmen ber 2)tnge 
waj^r^ unb bie SWaterte ffl ttjegen ber gomen, a^ nt^^t 
umgeleffrt S)te inteatgitdn Sonnen fmb au($ ber @eele 
ni^t gegentDarttg burd^ ben ^tnu; fonbern fte liegen im 
aSerftanbe toor bem (Srfennen unb {!nb, um und eined 
Mi geläufigen ^ni\>mä9 )u bebienen^ angetome ®e^ 
griffe; ber ftnnlic^e SinbrudC tt)irb für ba« widlid^e Qx^ 
fennen nur berlangt, bantit ber niebere Z^til ber @eele 
mit bem ffo^em in lUereinfKmmung fei , unb nid^t ber 
fftperlid^e @inn (ebient fEd^ bed SBerjianbed gur ©rjeu^ 
gung ber Segrife, fonbem umgefe^rt ber äSerfianb ge^ 
hxan^t ben @inn )ur 93o0enbung ber X^&HiUit, fSr 
t^eld^e er befiimmt i{l % Ibit 93orfielIungV mt^t burd^ 



beat speciera, neccssario oportet ipsum coDTerti ad pbantas- 
mafa, sicut proprium passivuin convertitur ad suum proprium 
actWum, a quo simul et ab intellectu agente suscipit speclem 
intelJigibilem. ib. qu. 7, 20* Oportet concurrere animara et 
objectum praesens et boc io specie intelligibili. Quaest. quodl. 
fol. 38 col. 4. Pbantasma non potest facere speclem intelllgi> 
bilem nisi concurrente actione inlellectus agentis. In anal. post. f 
qu. 3 fol. 191 col. 3. Intellectus agens gignit in iDtellectione 
possibili speciem ex illa , quae est in phaqlasia. 

1) In senl. I dist. III qu. 7, 20. 

2) Ib. 1 dist. III qu. 6y 18. Praecisa causa cujuscunque po- 
tentiae habendi speciem praesentem, repraesentaotem objectum 
suum, est, quia ipsa est cogniliva et natura dedit sibi, ul pos- 
sit habere objectum prius naturaliter sibi praesens, quam cogno- 

scal. Sed illa praesentia non erit per aliquid impressum 

organo, quia non habet Organum, ergo erit per aliquid Im- 
pressum illi potentiae. Tale autem impressum repraesenlans, 
praecedens in potentia intellectiva actum intelligendi, voco spe- 



422 

t^U @inne bev @ede jugefü^rt xoixi, mtfiätt bie ®e^ 
griffe nur üt )>trtüorrener äBrife; i^ mu^ ber Strßanb 
begegnen/ nu^t aOein nm fte ftc^ anjnetgnen, fonbem on^ 
nm ba«, v^ai i»en)orgIän)t, in ber Sorftettung ber (Ein^ 
bttbnng^fraft bur(|^ bad ii^t bed t^ättgen SBerßanbed ju 
crleud^ten unb )u burc^brtngen nnb fo ben befKnunten 
Oegriff unb bie beuflic^ (Srfenntni^ )tt gen>innen 0« 93oh 
ber Slnftc^t ber $Iatonifer ou^ge^enb, ba^ tt)ir nur bnr^ 
SC^eUnaf^me an ber . 9Ba|»r|»ett unfer (Srfennen gen)innen 
unb ba$ ade«, tpad burcf^ 2;^eilna^me ümai toirb, feine 
^üülul^Uit auf ein erfleh ®Iei4^namiged gurficfftt^ren 
muß, an tt)el(^eni ed 2:^eil nimmt, tt)ie bad äBarme g* SB« 
nur bur$ bie äBarme toaim xoixi, geße^t S)und @CDtud 
SU, bap nnfer Srfennen soon einem er^en (Srfennenben 
abhängig fei ^3 # tt)iberfpri(^t aber ber SReinung, baß bied 



dem intelligibilem. — — Et ideo faUum accipitur, qnod spe- 
cies talis noii est nisi praecise propter Organum. Natura enim 
causat talem partem talis corporis sie mixtum, ut sit perfecti- 
bilis a tali potentia animae et coDgruat Operation] ejus, quia 
matena est propter formam et non e converso. Quaest. quodl. 
XV fol. 38 col. 2. 

1) In sent. I dist. III qu. 7, 33. In prima igitur actione in 
intellectum possibilem agens est pbantasma, sed quod quid est, 
splendens in phantasmate, est ratio agendi in ipsom et hoc in- 
quantum illud, quod quid est, stat in lumine intellectus agen- 

tb et penetratur ab ipso lumine et ambitur ab ipso agente. 

Et in 'isto occursu imbibit illam intellectionem confusam et 
transmittit ad intima sua et tunc recipit eam a se intimios, 
quam possit eam redpere ab objecto* Uli etiara impressioni 
sie intimatae occurrit intellectus secundo et in illo secundo oc- 
cursu immergit se illi penetrando illam et in hoc est distincta 
et perfecta cognitio intellectus. Ib. qu. 8, 3. 

2) In anal. posL I qu. 3 fol.190 coL4. WctftVUrbtg tft tte 



423 

• 

erfle (Srfennenbe tte 3t)ee fei, unb U^anpM bagfaen, 
nur tn bec erfieit Urfa^ie, U)eld^et iaS Glennen m\ttiU 
li^ jutomme, burfe bad gefucf^t toerbeti; an tcü(fymtoit 
burc^ unfev (Scfennen Sl^etl ^ctitn ^). ®o tperben t9tr 
a\x(fy ^itt but$ bte t^ieologifd^e Stic^tung ber Ce^re bar^ 
auf surudfgefu^ct/ bag in bem un\)eränberlt$en SQiefnt 
@ctte^ auc^ ber ©runb oder unwanbel^aren Segriffe unb 
©runbfä^e ber SSiffenf^a^ liege. 

j£)ie« ftnb bie allgemeinßen Slnbeutungen fi^er bie 
Z^m^Uit be« aSerßanbed in tf^rem äSrr^aitntffe aum 
(Sinn, »elc^e in ber Z^at nur bie innere @elb|länbig« 
feit be^ SSerfl'anbeä be|»au)>ten ^}. (Sttoa^ eittbnngenber 
ge^t 3:>m^ @cotud )u SSJerfe, tpenn er ben tt)eitern 93er^ 
lauf ber tt)iffenf(^afllt(^en Z^atiiMUn }u erforfc^ien fu^t 
2)aiei ift bie 93oraudfe^ung , baß bie einmal t)om 93er^ 
ftanbe enttt)i(felten SrfenntnifTe in ifim Meißen« SBdre 
bied nic^t, fo n>urbe ed feinen Sortfd^ritt im (Srfennen 
geben, fonbevn jeber 93erßanb mfirbe ju j[eber ^tit ber 
9Btffenf(^aft eien fo na^e fiel^en mit üeber anbere, unb 
im (Srfennen mägte befiänbig wn üteuem angefangen 
werben ^3» 



^mvLtiQ f taß nac;^ ber ^laionift^en Seigre bo^ erße (Srfennenbe 
bie 3bee beö iWcnfc^cn fei. 

i) Ib. fol. 191 col. 4. Omnia inteliigentia per participatio- 
nem reducuntur ad aliquod intelligens p«r- essentiam , sed illud 
intelligens non est idea^ sed ekt prima causa, cujus iuteiiigere 
et esse sunt eadern. 

• 2) Quaest. quodl. XV fol. 36 col. 4. lulellectio est actus 
«nimanens. — — Omne inteliigere est ipsius intelligenliafe. 

3) In senl. I disl. lll qu. 6, 26 sqq.; qw.T, 26; 11 dist. Xl,3. 
Si nulla maueret notitia habitualis non mänente actu intelli- 



424 

S)en Einfang be^ 6rfennen6 ma<fyt nun aUx bte finn« 
li^e Soifjiefluttg* 3n t^r jieboc^ ^abtn toxi nur eine »er* 
tootxtu ^Unntni^, totil fte nur ^ccibenjen und bar^ 
ßeOt/ n)el$e in einem ftnnliij^en ©anjen s^erbunben ftnb, 
aber t)on einonber bur$ bie SIbfteaction bed SSerjlanbed 
gefonbert werben mfiffeu/ um ju beutlic^en (Srfenntniffen 
jtt werben ^3. SBir abj}ra|iiren nun ium^^ ans bem 
finntid^en ©anjen bie niebrigfie Slrt; Welche bie SQSa^rne^^ 
mung am ßarfßen bewegt $at; benn bie 3nbi\)ibuen, wenn 
fte avL^ erfennbar jtnb / fo ifl bo^ i^re $rf enntniß tnU 
Weber überhaupt nid^t für mi ober bie fpätefie/ wel^e 
wir errei^en^). SDa^ bie niebrigjie SIrt und juerft jur 
Srfenntniß fomme^ bafür wirb ber ©runb angegeben, 
baß alle naturlid^e Urfad^en, wenn fein ^inbernip tnU 
gegenfte^e/ bie flarffie SSirfung, wel^e in i^rer 3Jlaä)t 
iß, ^er)[)orbringen würben, baß aber bied für beniBerf!anb 
unb ba« Objiect bie niebrigfie Slrt fei, mit jte alle ^o^ 
f^ere Segriffe in p^ enthalte, weld^e wn beiben f^er^or^ 
gebracht werben Unntm* Slud^ wirb bafür bie Srfa^^ 
rung angeführt, baß wir früi^er bie Slrten fennen, aB bie 

gendi, sequeretur, quod semper esset intellectus aeque in po- 
tentia essentiali ad intelligendum. — — Semper de novo opor- 
teret recipere talem forniam. ^amtt (ätlgi ^te it^ßCt ^Oti ^tt 
memoria intellectiva ^ufantmett. 

1) Ib. I dist. III qu. 4, 22 sq. A sensibilibus non est 

expetenda sincera veritas, quia notitia sensus est circa aliquid 
per accidens, — — - sed virtute intellectus agentis, qui est par- 
ticipatio lucis increatae, illustrantis super pbantasmata, cogno- 
scitur quidditas rei et ex hoc habetur sinceritas vera. Quaest. 
quodl. XV fol. 38 col. 2. Actio abstrahendi, quae est prima 
actio intellectus agentis. 

2) In sent. II dist. III qu. 6, 17. 



- --• - 



42$ 

mttn, ia tte metapl^pftfd^en Segdfe, tt>el$e in i^nen 
Itegen 0« 9I6er el&en ))edtt)egen tfl oud^ bte (Stfenntnif, 
mtel^ie xoix junäd^fl t)on ter ntebrigßen %tt Qminntn, 
nur soemorren* Sie beutlt^e unb l^efKmmte Srfenntnt^ 
cute^ ©egenftanted tDirb nur tur^ bie Segdf^erflärung 
gewonnen; tt)te a(ct bte @egen{länbe junSd^ft bur^ bie 
J^filfe ber Sinne wn un$ anfgefaft werben, tragen i|ire 
^Begriffe nur in ununterfc^iebener äBeife bie ^ffiern Se^ 
griffe in ftd^ , mli^t )u i^rer SBegrtperfl&rung gehören« 
3uni t)oIlfomnien beuttid^en begriffe einer %xt ge^frt nun 
bie (Srfenntniß aKer ^ i^ern S3egrife toom Segriffe in 
@eienben an hi^ )u ber niebrigften SIrt ^erab* S)er 9e^ 
griff M @eienben ai&er fann nur auf beutli^e SSeife 
erfannt werben, weil er ber aKgemeinfte unb ein f^Ied^t^ 
fiin einfad^er Segriff i% & liegt in aKen eingelnenSe^ 
griffen, unb feiner Don biefen fann baper beutli^ gebac^t 
werben ol^ne i^n. Son i{im au^ ba^er muffen aUt 93e^ 
grif Vergärungen gewonnen werben burcfi (Sinti^eilung M 
.Sffgemetnflen hi^ ju bem iefonbern ©egenflanbe ber 93e^ 
grifföerflärung l^eraB* 2)ie beuttidjie ßrfenntniß, auf 
wel^e wir |»inar(etten mfipn, gel^t beäwegen ben entge»^ 
gcngefe^ten SBeg in Serglei^ mit ber verworrenen &^ 
f enntniß , weld^e t)on unten fierauf beginnt. Z^eöwegen 
i^ a\x^ bie ^ttap^^^t bie oberfle SBiffenfd^aft, welche 
gum beutli^en Srfennen fit^rt, inbem fte bie ©runbfä^e 
aöer übrigen SQBiffenfiJ^aften entwid elt 2)* @ö jtnb mithin 

1) Ib. I dist. III qu. 2, 22 sq. 

2) Ib. 24. Nifaril concipitur distincte, nisi quando concipiun- 
tur omnia, quae includuniur in ratione ejus essentiali; ens in- 
cludltur quidditalivc in omnibus conceptibus quidditaüvis infe* 



426 

imi \)erf(^ebene SSkge^ n)el(^e wix in unferm (Srfennen 
eittaufd^Iogen ^abem 3n ter Unterfd^etbung berfelben 
^aü ftd^ 2)un« Scotu« fheng an ixt logtfc^e Ü6et^ unb 
UtUerotbnung ber SBegttffe. Sßtr fiefgen auftpart^ t)on 
bttt ntebngjlen Sitten ju ber ^^c^ßen ©attmtg; a(tt)drtd 
wn ber f^o^ißen ©attuttg gu ber mebrtgfien 9Irt burc^ 
bte ganje Setter ber 93egrife ffinburdl^« 3ene6 tfl ber 
Sfl3eg# toetd^en wix na(fy unfer^r SteQung gu ber ^nnlu 
c^en Erregung mnel^alten muffen ; er gtebt iai ^itttl ab/ 
burd^ toü^t^ toix ik SntmtcKung unfered SSerftanbe^ 
iunä(]^fl }u betreiben ^ahm; benn bad iDermorrene QxUn^ 
ntn l^alt bte a)h'tte iwifcl^en bem 9{ic^t ^ SSiffen unb bem 
beutlt($en (Srfennen; baffer ifl jiened ber S^it »ad^ frfiffer 
dj btefe^ 0« 3l(er ba6 beutltd^e (Srfennen ifl nnfer 3tt)e(f. 
Salier bärfen mir über Jene« auffietgenbe SSerfa^ren iai 
l^erabßetgenbe nt^t ^erno^l&fftgent S>ur^ bte« le^tere 
eine beutltd^e Sri enntnt^ ju get^tnnen ; baju |^at S)un« 
@cotu6 guten 3Jlut|>, weit in ber geworrenen ©rfennt^ 



rioribus; ergo nullus conceptus inferior distincte coDcipitur, 
nisi concepto ente. Ens autem non potest concipi, nisi di- 
stincte , quia habet conceptum sirapliciter simplicem ; ergo pot- 
est. concipi distincte sine aliis et alii non sine eo distincte con- 
cepto. Ergo ens est primus conceptus distincte conceptibilis. 
Ex hoc sequitur, cpiod ea , quae sunt sibi propinquiora , sunt 
priora, quia cognoscere distincte habetur per defmitioneniy quae 
inquiritur per viam divisionis, incipieudo ab ente usque ad con- 
ceptum definiti. 

1} Ib. 27. Simplicit^r primum est illud, quod est primum 
in ordine confuse cognoscendi; quia processus naturalis ab im- 
perfecto ad perfectum est per medium , confuse autem cogno- 
scere est quasi medium inter ignorare et distincte cognoscere 
et ideo confuse cognoscere est ante quodcunque distincte in- 
teiligere. 



427 

ntß iit ^i^txn Segriff^ btx ftraft nod^ (yirtualiter) 9cr^ 
borgen liegen unb tur4^ tie llnierf(|etbttng unfcred Sep* 
fianbed j^erau^ge^ogen werben fi^nhen 0« ®o feigen mir 
ein, ba$ bie oberßen ©runbfa^e ber SBiffenfdda^ f^on 
loerftedEt in ben t)ern)orrenen S3or(}e((ttn^en liegen nnb ed 
nur betf analytif^en äJerfal^end bebarf um fte l^erborjn^ 
ite^n, baß aber iai eigentlt^ tptffenf^a^UdSie SSerfa^ren 
erß burd^ Bufammenfe^ung ber SSet^eife, buxdf @tnt^ei# 
(ung unb @rflärung gewonnen loirb^« S)iefen @tanb^ 
))ttn{t, wetij^er wn ber 3Keta)>^9{tf an4 bie beutliil^e (Er^ 
fenntniß ber 2)inge gu begrftnbot fud^t, ^ä(t jDnn« @co^ 
tu^ feft; fein ganje^ 93erfa^ren entfpri^t i^m, fo weit 
t€ pyilo\t>p^i\(fy fiö) entwidelt; bur^au« fu^t er and ben 
aOgemeinfien metap|»9ftf(]^en^ ®runbfa$en feine Se{ire )tt 
er^&rten« 

@o wie bie $^iIofof)^ie bed 9)tittelatter6 ben 3ufanu 
men^ang ^wifci^en Srfenntniglefire unb Seigre oon ben ®e^ 
genßänben be^ 2)enf end iii auf ben Dund ©cotud: l^etab nie 
au6 ben Slugen \)erIoren ^atte, fo wirb man ft^ benfen iin^ 
neU; bap a\x^ biefer ^ierju am toenigßen geneigt wcir. SBar 
boc^ feine gange @rf enntniglel^re auf bem @egenfa| gwifc^en 
Ob|ect unb ©ubfect gegrünbet unb babon burd^brungen, baf 
beibe ni6)t getrennt werben bfirfen , wenn ein Srf ennen gu 
@tanbe fommen foll. @e^en wir nun auf feine adge» 
meinen ©runbfa^e über bie beutUd^e grfenntniß, welche 
er anjlrebt, fo werben wir nid^t baran jweifetn fönnen, 
ba§ er bem Slßgemeinen SBa^r^ieit beilegen mußte, benn 



1) Ib. 28. 

2) Ib. 26 sq. 



428 

nut vom Siagemetnen mi toiä, et unfeter (BtUmtni^ 
jDetttK^feit jutoac^f^ laffeiu @etn Steoli^mu« ^a^ f[$ 
tm Mgemetnen auf btefel^en ®runbfa$e, tvel^e fc^on 
soot tpm entotdett toorbeti tooren. SBare tag Sd^emeitie 
tti^t tt)apt/ fo tDfirben toit in äBa^r^ett t>cn jiebem ditif 
gelnen nut aujfagen ffntten, ba^ eö biefed Stnjetne n)5re, 
aOe 3nbtt)ibuen i9üi;bot nad^ glet^em SRage gemeffen 
n>erben mfiffen unb fetn 3nb{t)tbuttm tDßrbe bem einen 
A^nlt^er, bem anbetn unä^nlt^er fein, weit ber nmne^ 
rif(^e Unterf^ieb aQein tinc v^a^vt Sebeutung j^Stte ^3* 
Sie notSrtid^en Untetf^iebe ftnb wt ben einjelnen 2>tm 
gen unb biefe t^etben nad^ jenen gebilbet Sßenn bafier 
bei; 9tominaIi^mud annimmt, baß bie allgemeine Statut 
ber S>inge erfl burd^ ben Serßanb tDerbe, fo muß man 
bem entgegenfegen/ baß ber SSerfianb nur ber Statur ber 
Singe folge unb bie allgemeine 9{atur berfel^en fein 



1) Ib. II dist. III qu. 1, 3. In omni genere est unum pri- 
mum , quod est metrum et mensura omnlum, quae sunt illius 

generis. •: In singulis praedicationibus idem praedicare- 

tur de re. Ib. 5. Si omnis unitas realis est nuraeralis, ergo 
omnis diversitas realis est numeralis; sed consequens est falsum, 
quia omnis diversitas numeralis inquantum numeralis est aequa^ 
lis, et ita omnia aeque sunt distincta, et tunc sequitur, quod 
non plus potest intellectus a Socrate et Piatone aliquod com- 
mune , quam a Socrate et linea, et esset quodlibet universale 
purum figmentum. In Porphyr, qu. 4. Universale est ens, 
quia sub ratione non entis nihil intelllgilur , quia intelligibile 
movet intellectum. Cum enim intellectus sit virtus passiva. — 

— non operatur, nisi movealur ab objecto. Universale 

est ab intelleclu. Et cum dicitur, ergo est figmentum, dico, 
quod non sequitur, quia figmento nihil correspondet in re extra, 
universali autem aliquid extra correspondet, a quo movetur in- 
tellectus ad causandum talem intentionem. 



429 

t»&tU, totnn au^ Ux SSerftanb ni^t toftre; bai geurt 
t9firbe tiefer odgemetnen Statut m(!^ kennen , bie dnbt^ 
t>ibtten lofitben fi6) in bem ihretfe iffter 9rt not^ ber neu 
tfitlt^en aSeife eyseugen, tpenn aud^ ber 93er#anb aSe« 
bie6 nt^t backte ^y* 2>{efe Sße^au^tung bet aOgemeinen 
^ficiffe entfprtd^t ber annähme betf SDuni @eohi< , ba$ 
t9ir bie S^griffe ber SIrten nid^t burd^ bte {innKcbe SBapr» 
nej^mnttg empfangen ^ fonbem ba^ fie bem Serflanbe alt 
in ber 9latur tiegenbe Objieete {i(^ barbieten, tt^eld^e ^loat 
immer in einem befonbem Gnbjieete ftd^ ftnben, loon bem^ 
felbcn aber ioif unabfiftngig finb ')* 

dnbem nun aber fo bie SSol^r^eit ber aagemeinen 
9tatur U^aupM n>irb, geflefit Sund Scotn« bod^ ein/ 
fte »erbe jum 9(Ugemeinen erfl burc^ ipre Se^iej^ng auf 
bad Sefonbere, babur^ alfo, ba$ fte ba< Sefonberc 
üt ber 9latur außer und l^enoorbringe unb in und wm 
SBerflanbe auf bad Sefcnbere belogen werbe* 9ln fi^ 
felbft, n)te ^lotcenna geleiert ^aU, fei fte Weber aOge» 
mein, nod^ befonberd'}« {)ierauf fd^eint ed ft^ ^u be^^ 



1) In «ent. II dist. III qiu 1, 6* Nullo existente inteliectu 
Ignis causaret ignem et corrumperet aquam et esset ali<p]a uni- 
las realis generantis ad genitum secundum formam, propter 
quam generatio esset univoca; intellectus enim considerans oon 
facit generationem esse univocariiy sed cogooscit eam esse uni- 
voeam. 

2) Ib. I dist. III qu. 6, 28. 

3) Ib. II dist; 111 qu. 1, T. Natura est indiflerens ad udi- 
tatem singularem. — — Nee universalis actu eo modo, quo 
aliqnid est universale factum ab inteliectu, non ut objectum 
intellectus, nee est particularis de se. Licet enim nunquam 
«t realiter sine aliquo istorum , non tarnen est de se aliquod 
istorum, sed est prius naturaliter omnibua istis. Prima 



4S0 

iU^m,.ba^ et nur tinen fomtateit VLnttv^^ti ^tf4^cn 
bem adgttnemrn unb l)m biefpnt)ertt SQSefen ber jDmgt 
(nirrfennen. «)t0; mit f tf^rirbe^ <3Hn)eIne notfm^enbtg aud^ 
tiäiMUß^i^mi nxiivtin: jebe^ , SUIgeinetned notfinoettbtg 
0ifk«IBef<mt)ere^ tfi wi: iüi SIQgemeitte itm oOgemettt )tt 
feilt im Sef^nbertt jftc^ vtxwitdi^tn ,-, ia^ S3efonbere um 
da Monbeteif Soffen ts fein bur^if bad SUIgemeine (e^ 
fimmt feitt'mup* (S6 U)ivb.btea JBtri^ältnip mit bem 
Set^altttiffe bergorm unb ber SWatetie bcrgK^en, tt>el(i^e 
noti^wenbi^ifufammenge^ifren, uttb er|t in bem qu6 SRa^ 
terie unb ($otm 3uf<inimengefe^iett i^r n^al^re^ Sein. |^a^ 
6enV aber .bOj$ ai€ t>OK einanber unferfc^teben toon un^ 
gebad[|t »erben muffen^)» . ÜRan n>irb bemerfen fonnen, 
bo^ biefe formale Sluffaffung^t^eife be^ @eind bollfommnt 
ber. %tt tni^ptU^, nne ^m6 @cetu« auc^ bie üntv^id^ 
Inng ber ®ebanfen toom Sefonbem.sum SUIgemeinen itnb 



igitur ii^tellectio est naturae , ut ei non cointelligitiir aliquis 
modus, neque qui est ejus in intellectu, neque qui est ejus 
exira inlellecCum. 

1) Ib. qu. 6| 15. Omnis entitas quidditativa — — allcujus 

^neris est desfe indifferens. ' ad hanc entitatem et illaniy 

ita .quod ut entitas quidditativa est naturaliter prior iata enti- 
tate, ut est baec; et ut prior est naturaliter, sicut non conve- 
nit.sibi esse hanc, ita non repugnat sibi ex ratione sua suum 
öppöiitum. -n- . — Quodlibet qommune et tarnen determinabile 
adbuc potest distingui, quantumcunque sit una res, in plures 
realitates formaliter distinctas, qiiarum haec formaliter non est 
ilia, sed baec est formaliter entitas singularis et illa est entilas 
naturae for.maliter; nee po^sjunt istae duae realitates esse res et 
res, sicut possunt esse realitas, unde accipitur genus, et reali- 
tas, unde accipitur differentia » unde- realitas specifica accipitur, 
sed semper in eodem , sive parte sive ioto , sunt, realitates ejus- 
dem rei formaliter distinctfte. .:,...:.:. . : < . : 



^1 

t)om SlKgemetnrn jum {Befoitbem In entgcgengefegtet 8ti(^ 
tuttg / a(ec in gleicher SQBetft ^trieben mtffen »iH 

. S>er bttuHe Slu^brud, lodc^int'^S^itnd ©cotnd fücfetoc 
8e^e t»&^itt, l^t feinen Sln^angieni^bett Setmaliftett^ 
)DieI )u bebenfett gegeben* fBix xottitn i^n mtmi ptt 
ganjen t^eologtf^ 9ii(^tung; btiS^ Sßanned txtloxta Uiüf 
nen« Sin i^x ^atte er eingefei^n^.bof bir öbentotficlij^e 
dthnntni^ gewtfTermaßen eine tt(ttär(i(i^e märCf ba^^ bie 
gufätitgen ®ef(ffo))fe t)om nof^n^enbigen SBefea 0otte< 
bet SSeife i^xu &mi mify untetfi^ieben »erben mü^ttn, 
aber boc^ ba^felbe ®etn ent^tatten Unnten ;.fo mie, Scrui 
unb SfSatene^ S^^ättge« unb Seibenbe« einanber/cntgegeni' 
gefegt n^aren, aber bpcf^ and^ bem dnlpatte noc^ ^df ^&U 
Itg entf))re4^en müßten; in berfelben SSeifeflnbet £C tum 
Ottfl^ /^ ba$ älQgemeined nnb Sefonbtreä ^^Kig bem 5(t^ 
^e noi^. in einanber aufgeben , inbem nid^td Sefonbe« 
red ifl, tt)äd nt^t aUt t^m fibei^crbnete Slllgenieinl^ei)^ 
tm in ftc^iruge, nid^tö Sügemeined/ tüai nic^tin ben 
i|^m untergeorbneten Sefonber^eiten fetner ganjen S3ebeu^ 
tung na$ audgebvüdt tom* Sin feine t^ieologifdjie 2>en^ 
ipetfe f^Itegt er bted unjweibeutig an ; inbem er mit bem 
Sluguftiitud bie allgemeinen S3egriffe a\i bie SDIußer be^ 
ba^M, na^ meldten ®ott aUed fc^afft; unb forbert, baß 
fie ^on unferm SBerfianbe im ^iifytt ber endigen äBal^r^eit 
erlannt n^erben feilen; mit i^n ®oü in natürlicher 38eife 
ben>egt unb erleuchtet 0« Sluc^ ba^ natürliche Srfennen, 
toenn ti jur ^^d^ßen S>eutli(|){eit gelangen foU, fann nur 
*)om 1^ö#en ©eienben, \)on ®ott, ber Urfatfie aller I^inge 



1) Ib. 1 dist. Ul qu. 4, 18 3qq. ; dist. XXXVl, 7. 



432 

abgetdtet tottbtn ^> HOe ©runbfage , fott^opl t^eoveK^ 
f^e cXi pxatti^i^, ^fingen loon bem e)t)igen S{(|^te ®ot^ 
tcd ab/ toül fle )oom ©eienben abgeleitet iperben mfiffen, 
wü^ti ber ©runb aller ^in^t ifi; ba^er ift bte Xfyto^ 
logte bte ^0#e (Srfemttnt^, toeld^e aUe SBtffenfi^afieit 
«ntfaft, unb tDte auf bie 3Reta))^9ft{ alte übrige äBiffen« 
fd^fiten )nrü(fgeffi^rt toerben M^ta, mnn toix i^re ©runb^ 
fä$e )ur ©enuge erforfc^en totUtn, fo tnfiffen loir ouc^ 
bie 9Reta))p9{tf toieber auf bie S:^ecIogie, b. p* auf bie 
ewige Sßo^rj^eit @ottetf surädfufiren/ um i^re ®nmbf5(;e 
3tt erf^dpfen; tu ber (Srfemttni^ biefer ©runbfä^e aber 
liabett ttnr aUbann aaify eine ©emetnfd^aft mit ©ott^ mt 
Xl^eiteafime an feinen ©ebanfen, inbem fte uni bie Orb^ 
mmg entlüden , wü^t er ben jDingen ber Sffielt gegeben 
l^t ^). SSBir xotxbtn mi j^ierbei baran erinnern , baf 
jDund @cotud and^ ben SBer^attni^begrif en eine Sßo^r^ 
^^ außer bem 93erjlanbe beilegte« @o iß fein Steali^ 
mu€ überhaupt o^ne @cbranfem @elbfl bie SPtoterie; 



1) Ib. I dist. in qu. 2, 29. Perfectissimam cognoscibile a 
nobis etiam naturaliter est deus, 

2) Ib. 1 disU 111 qu. 4, 23. Cognoscuniur sincere in luce 
aeterna, sicut in objecto remoto cognito, quia lux increata est 
primum principium entium speculabilium et ultimusfinis rerum 
practicarum et ideo ab ipsa sumuntur principia tarn speculabi- 
iia, quam practica. Et ideo cognitio omnium tarn speculabi- 
lium quam practicabilium per principia sumta a luce aeterna 
ut cognita est perfectior et purior cognitione sumta per prin- 
cipia in genere proprio. Et hoc modo cognitio omnium 

pertinet ad tbeologiam. Cognoscere enim triangulum habere 
tres, ut est quaedam participatio dei et habens talem ordinem 
in universo, hoc est nobiliori modo cognoscere triangulum ha-^ 
bere tres, quam per rationem triaoguli etc. 



433 

V 

oim^ fte iai 9lieb¥igj)e wn aUm Seienbett i^, muß 
bo$ at^ tin ©etenbed gebadet mtttn unb {Kit i^re 3bee 
in @ott ^3» äBtt Yoetben f^tetnad^ emorten bätfett / baß 
tii^t ttttnbet ben inbtt>tbtteaett fiSegnffen a\i bett odgc^ 
mritten t^re 9Sa^t|iett i^ett^afftt n^irb» Sliif eine gettattete 
Unterfc^eibung übrigen^ ber totffenfd^aftlid^ett SBegviffe, 
tt>eI4^e alö oSgettteitte bte Slatur ibegränbenbe Sorttteti atti^ 
gefe^n tt)erbett foKett, gej^t biefe ?e^te nt^t ettt, o^moj^I 
au<^ fte bte naUklii^m Sitten nnb ©ottungen bet 2>tngt 
))ot^etf$enb betudft^ttgt 

9lt^t mtnbet abet soett^etbigt 2)nn4 ®cotu6 bte 9tea# 
litat be6 SSefonbetm Sind aUen fttfiften ffarei^r et hoA 
Sotutt^etl aui bem SSege )u täumen, baß bte 3nbt)){' 
buatton nut auf ttmi S^etnetnenbem betufie» Sin ben 
toMlitfyta SSegriff iti 3nbtt>ibuumö ftc^ anfd^Ueßenb be^ 
metft et, baß batin ein äBibetjianb gegen bte Z^tilbat^ 
feit liege unb btefet nut in ttwai S3ej[a|ftem feinen @tunb 
i^ben fSnne ^). Slucf» mujfen toix ben 3nbt)>ibnen eben 
fo gut einen be|iimmten Untetf(^teb beft S3egttffd beilegen; 
aU ben Sitten unb ©attungen; toit ben 9tten ein fpe^ 
dflfd^et, fo fommt ben 3nbi)oibuen tin inbit)ibtteaet Un^ 
tetfd^ieb jU/ n)enn et au^ fut unfetn SSetfianb ni(|t U* 
gteifli^ fein foUte» jDa^et bittfen mit au(^ ni^t meinen, 
baß bie Wlattxit alleiniget ©tunb bet 3nbit)ibuation fei, 
benn bie gotm ifl ©egenflanb be^ SSegtiffö, unb bet nu^ 
metif^e Untetfcjieb ttitt iu bem SIttbegtiffc fiinju um 
iai aSetmogen bet 2ltt in einet beflimmten SQBeife ju ge^ 



1) Ib. I disl. XXVIl qu. 3, 10; II disl. XII qu. 1, 11; 20. 

2) Ib. 11 dist. III qu. 2, 4. 

®ef*. t>. ^Jil. vill. 28 



434 

^tten 0» S)e0wegen {heftet et aui^ gegen bie Slnna^me, 
ba$ bte 3nbtt){bttett ber 3<t$^I na<|^ in ba$ Unenblii^e 
gel^n mS^ten, nnb ftefft ba$ {nbtotbneKe @etn ali einen 
3iDed be« Bi^o^ftti an, weiter in ben ebelften ®e^ 
f$j)>fett ongeftreftt tt)erbe um iffnen bie ©eTtgfeit gu vev« 
(ei^en O. fßut in ben t)ergSngIi(^en 2)tngen bet 9{atur, 
mi^ aai JRaterie unb gonn )ttfammengefe$t ftnb/ in 
ivel^ bie ÜRaterie bte allgemeine 9trt gu einem S3efon^ 
bevn gafammengiel^t:; j^at ani^ bie 9}taterie/ jfeboc^ nnr 
einen untergeorbneten Snt^eit an ber 3nb{t>ibuation 3}» 

S}o4^ auc^ bem S)un0 @eotu$ berettet bie Snna^me 
irnmaterietter SBefen in ber 2>nr$fu^rung feiner ©runb« 
fft^e fil&er biefen ^unft feine geringe ®^n)terigfeften« 
6eine ©runbfäge ffi^ren i^n baffin burd^ bie gange 
Sd^opfung ^inburc^ tint Serbinbung iti Sefonbern unb 
beö StUgemeinen anjunefimen, unb bamtt l^fingt i^m auc^ 
bie S3eriinbung gmif^en ÜRaterie unb $orm gufammen* 
3n ber S^^eifung muffen toxx auf ein @{nfa(j^e6 fommen; 
aber n>ir mfiffen und and^ etngeße|»n; baß fein ©efc^opf 
fo einfacff fein fann aU ber @ci^5))fer; benn felbfl bie 
))oI{fommenj}e ^ntetfigeng unter ben ©efd^opfen l^at i$r 
Sßiffen unb SSoKen nur aU ein Slccibenö an i^rer @ub^ 
ftang unb ift alfo aui ©ubftang unb 3(ccibend jufammen^ 
gefegt, ni^t an p(fy unenbtid^/ fonbern aud ^Beraubung 
unb Qtin gemifd^t, toit ani ÜRoterie unb Sorm, ein 



1) Ib. II disL III qu. 5, 3. Realitas individui est arailis 
realitali speciGcae, quod est quasi actus determinans illam rea- 
Iltatem speciei quasi possibilem et potentialem. 

2) Ib. II disl. ni qu. T, 10. 

3} Ib. 11 diit. 111 qu. 6, 21; 22. 




435 

I 

@etenbed/ aitx ein Ibk^ti, totl^ti eine (SontracHon brd 
ÜOgememeti gum SBefonbem odtaudfe^t ^3* Slu« btefer 
9lotfik9enbtgfe{t ber 3ufammenfe$ung fttv aU^ ®ef^j))fc 
ergtebt ftc^ auc^, ba$ jiebe« Z>üis ber S8ett ani WloittU 
unb Sorm U^t^t, benn biefe beiben ftnb ba6 fJofttt)^, 
ml^e« in jfeber 3ufammenfe$ung ft^ ftnben muf ^3. 
2)enno$ beftnnt er ^^ fe^r, »»enn er mit bem Srißcte^ 
Iti behaupten foQ/ ti Umt feine reine SKaterie unb 
feine reine gorm in ber Sßeft gebem S« \^tixtt i^m 
bie6 bie üttmadl^t ®otted ju bef^ränfen. ®o tt)ie er reine 
®eifier anjune^men geneigt i^, fo meint er^ bSrfe man 
au^ eine reine SRoterie annehmen/ iDeilfein 3Biberf))rtti( 
in bem ©ebanfen berfelben gefegt fei '3* £r befhtitet 
be<tt)egen aud^ bie Cefure bon ben Stniagen )ur Sorm (m* 
tiones seminales) in ber WtaUxit, xodl {le fcfion etnxrt 
ber Sorm ^linltd^ed fein wüxim, inbem er ifire Unju^ 
ISnglic^f eit unb iai !33ilbli($e in t^r gut mi^miftr ^^^t 
jiebod^ in i^ren tiefern @tnn einjuge^n . unb äwai ®enfi^ 
gcnbe^ an tf^re ©teile gu feften % Slber J)un* 6cotu« 
gejle{!t au^ etn^ bag eine reine SKaterie i^re ©teile in 
ber SBett nid^t finben Unntt, fo wie er oucji im ©egem 



1) Ib. 1 dist VIII qu. 2, 1 sq. 

2) Ib. 1 dist. HI qu. 6» 33; H dist. XII qu. 1, 13. Primulti 
est absurdum , scilicet quod generabile sit simples. — — Se- 
cundum etiam est impossibile , scilicet quod aliquid componalur 
ex nibilo et aliquo; igitur sequitur necessario tertium, scilicet 
quod aliquid componitur ex aliquo et aliquo , sicut ex maieria 

et forma, d^ betujf Jferauf ^er ©ewei« tftt @a^ö , baf feine 
Kreatur f(!joffen fönne. Ib. IV dist. 1 qu. 1, 28 sq. 

3) Ib. II dist. Xn qu. 2, 3< Non est contradictio materiam 
esse sine forma quacunque substantiali et accidentali. Ib. 4; 6. 

4) Ib. II dist. XVIil. 

28* 



436 

fa^ ben Sngebi, fcfem fte ber 903ett on^t^irm, eine (e^ 
fUmmte Sejie^ttng gum frtlicf^en S)afetn (etgulegen ft$ ge^ 
n Jt^tgt ftefit ^3* üRan toirb eingeße^n tnaffen, ba$ ^er^ 
bitr(|^ bie 9)egrtffe einer reinen gorm unb einer reinen ÜKa« 
terie gong anger bem Sereicff unfere« tDettli^en S>enfenS 
geflettt tt)erben; nur um bie Mma^t bed ®i^ipftxi über 
aOeö SSiberfpru(|iIofe gu i^avtpUn toerben biefe @eban^ 
fen eingeführt. SBai bagegen unfer totltli^ti 2)enfen 
betriff fo gefie^ X>mi @cotud ein, ba$ «Dir bie SRo^ 
terie nur in 93erbinbung mit ber gorm gu erfennen t)er» 
magern S)enn fte iß bieUrfac^ bed gufäUigen @eind unb 
toirb nur im Sterben ber gufädtgen formen erfannt 
Sßir tpftrben t)on t^r gar nid^td toi^tn, wenn iDir ni^t 
ben Sßec^fel ber formen an ifir tDa^ntä^meu ^). ^^nti^ 
ift ti nun avL^ mit feinem ©ebanfen an reine formen 
ober ®ei{}er* Sie .^emun^igen ©eelen, obgleich reine 

• 

gormen, foUen bod^ mit einer ber S3er))o((fommnung fä^ 
fiigen ÜRaterie oer^unben fein # unb wit er bie <£nge( 



1) Ib. II dist XII qu. 2, 5. Sicut angelus, qui non est 
quaotus, est io loco aliquo definitive, non circurascriptive, 
supposito quod sit in universo, si tarnen fieret exlra Universum, 
ubi locus non est, non esset in loco definitive; sie materia si 
fieret in uni?erso sine forma , esset definile alicubi , si autem 
fieret extra Universum, nusquam esset localiter vel definitive, 
tarnen esset natura quaedam absoluta. 

2) Ib. II dist. XU qu. 1, 19 sq.; 111 dist. XXII, 16. £t ita 
inaterla est igaota scientifice et est causa contingentiae. ->- — 
£t per hoc non excliiditur materia a quidditate* rei , quia de 
iliis mutabilibus et corruptibilibus polest baberi scientia in upi- 
vcrsali sciendo talia esse rautabilia. 

3) Ib. H dist. III qu. 7, 4. Animae intelleclivae sunt 

formae purae, licet perfectivae matcriae« 



437 

I 

in bet Sßett an tintn (efiimmten Ort fe^t, fo fnUt ec 
anify t^rc unb ber loemfin^tgen @eelen 3mmateriaßtfit. 
fe(^r fraglic^; t)on einer f drpevli((en , ben fftanm erfüSen« 
ben Materie berfel^en xoiU er frei(i(( ni((t4 Riffen, aBer 
bQp fte aud^ wn ber erfien SRaterie frei feien, WdQt er 
ni^t ju ityau)ßHn *)♦ 

SBenn n)tr biefe ju einem reinen (Srgetoiffe.nid^t 
bnrd^ge(t(beten @ebanfen betrauten, fo Unnen wir uni 
baBei ber 93etra(]^tung nid^t entf^alten, xoit biefe Seit; äi^ 
bem fte bie !D2^inungen fe^r ai^tveic^enber Hutortfaten ^ 
i)ereinigen ftre^te, bod^ an^ i^ren ßarffien @eif}em uni^ 
nbem)inblt(^e ©(^mierigfeiten entgegenfe^te* @(en bartn 
liegt tin ©runb if^rer ^ofnung auf eine ü(ematärlid|e 
Srfenntniß; toütfyt t^enigfienö ffir bie Bufun^ eine $j|^ 
fung Derfprid^t/ too bie gegenU)artigen ^&fte nid^t ant^ 
reiben. SDunS &cotai inbent er auf bie genaueße^ (Er^ 
fenntni^ beö Sefonbem int SBefonbem bringt^ fte^t ftd^ 
genot^igt einjugefle^n, baß unfere natürliche Siffenfd^aft 
fte nid^t gewähren ff nne. jDenn bie ©riinbe ber m(fy^ 
feinben Sefonberl^eiten fletten ftd^ i^r nur in ber m'iooUp 
fommenen gorm ber 9Reinung bar* 3n ®ott j[ebod^ ifi 
bie 3bee ber STOaterie , in i^m lann jte erfannt tt)erben ^% 
@o feffen n)ir mi auify in ber Srfenntnip be^ Sefonbern 
unb ber ©rünbe bed dufäUtgen tt)ieber auf bie tpeolo« 
gtfd^e (Srfenntniß ^txmt^tn, U)ie ti nidS^t anberö fein 
fann, ba atte« SufaHigc feinen ®rftnb in ©otteö SBit 
len ^aU 



1) De anitna qu. XV, 7 sqq. 

2) In sent. 11 dist. XII qu. 1, 20; qu. 2, T. 



438 

fl^etfeffen mir btefe Se^ven bed 2)und @cotud u6er 
bcrif ^xftnnm ber menfd^Itc^en @ee(e/ fo (efrtebtgt und 
in ii^nen $fatt))tfä^I{(^ iai ©lei^getoi^t, mel^tö et in)i^ 
fc^en bent 92atfit(i(^en unb ü(eniatüT(i(fien ju f^alten tt)d$* 
3n)ei fünfte; wn toü^tn feine gange Sf^eorie U^tx\ä)t 
tcixb, flehen i^m feß, baß nemlid^ auf ber einen @eite 
bad Srfennen unfever @eele eine S^p&ttgfeit unfereö Ser« 
ftanbed i% auf ber anbem @eite aber aud^ a^^ängt t)on 
bem Sorjianbenfein unb ber Sinn)irfung be6 ü^ernatür^ 
lui^en Diitcti, toti(fyti ade SQSapr^ett trägt unb un6 mit^ 
t^eilt» SBon jiener €eite ifl er nun geneigt ben t^ätigen 
Serfianb aU einen mi angef^origen unb ald ein inner«' 
(i$ in unfernt @u(][ecte SBirffame^ ju fe^en ^}. 2)a toen^ 
bet er ft($ ber Se^re gu , auf bie Sebingungen , unter 
wü^tn tt)ir unfere ©ebanfen ani ber {uinlid^en Srfa^^ 
rung ^erau6(i(ben; fein Slugenmerf rt^tenb, bag toix eine 
burd^ unfern iBerjlanb ern)or(ene (Srfenntniß (intellectus 
acquisitus) ^ai&eu % SSou ber anbem @eite gtebt er au($ 
ber Slnftd^t i^r 9le^t; baß nur @otted emige Sßa^r^eit 
un^d erleu(]^ten fonne; inbem n^ir an i^r 3:^eiT nef^meu; 
unb jtei^t er unfere Srfenntnijfe aU eingcgojfene Oeban^ 
fen an ^). 3nbem er Reiben Seiten in ber 93etrad^tung 



1) In anal, post« I qu. 3 fol. 190 col. 4. Intellectus fit ali- 
quod intelligens vel sciens in actu et uon per agens extrlnse- 
cum , quod est subslanlla separata influens species in intellectu, 
sed per intellectum agentem, qui est intellectus intrinsecus. 

2) Ib. Fol. 191 col. 2 sq.; de anima qu. 13, 6. 

3) In anal. post. I qu. 3 fol. 190 col. 3 ; fol. 191 col. 4 ; 
de anima qu. 13, 5. Huic concordal sacra scriptura , quae 
ponit deum ipsum t:s&^ illud lumen , quod ponit Aristoteles in- 
leUectum agentem. 




4$9 

» • ■ 

unfern (SxUmtni^ i^xt 28af^Y^eU jugeflept, fe()en mit, 
ti)k t€ iim gelingt j[ene fireitigen %nj^\^ttn aber ben tv^ 
t90T(enen unb ben eingegoffenen iSevjlanb mit einonbet 
gu ))eveinigem S)a^et mirb au$ bie öiernatfirKcle Cr' 
fenntoig im SBorte ©otted nur ali bie t^oUfonitnene (Eiiif 
n)i(f (ung unfered möglichen SSerflanbed betrachtet 0« 

a^er bei biefem ® (ei^gen)t(|te , n)el(|ej im M^mtU 
nen itt)tf$en übernatürlichem unb 3lat&xli^m gel^alfen 
tt)irb, muffen mir bo^ bemerfen, mie S)und @cotnd in 
feiner Se^re t>on ber menfctilid^en SSiffenf^aft barauf ^is^ 
arbeitet bad natflr(i(^e (Srfennen in ba^ äbematitrKd^ 
.|^inilber{u}ieffn unb biefe^ in ber größten @t&rfe ^ert>or' 
treten ju laffen. 3)ie Srienntnif ber allgemeinen @runb^ 
f&l^e unb mit i^r jebe beutlid^e Crfenntniß^ mi^t wm 
allgemeinen mi gemonnen mirb ; noenn fte antJ^ auf m^ 
tMi^tm SSege erlangt werben foden, fo fe^en fte bti^ 
wxan^, baf ®ott, ber allgemeine ®runb bed @tin^, 
unfern äSerfianb in uSernatfirlid^er SSeife ben>egt unb er^ 
leucbtet; unb f^ierbei fott ®ott bie «^aupturfa^e fein, un* 
fer 93erflanb nur in untergeorbneter SBeife mitmirfen, 
anber^ ald ci Ui ben ^rfenntniffen iß, n>et(fie mir s^on 
ben natitrltifien ^Dingen l^aben. @o mie ^iernad^ bie aU^ 



1) Quaest, quodl. XV fol. 38 cöl. 4. Intellectus bealus pot- 
est habere verbum- de creatura cognita in gehere proprio et ad 
formationem i|lius vcrbi ponendum est intellectum possibilem 
sie se habere tunc, sicut se habet nunc ad formationem verbi, 
quod habet de objecto nunc, quia secundum Augustinum — 
— sie deus res, quas condidit, administrat, ut eas proprios 
motus agere sinat. Igitur remanebit in patria naluralis actio, 
quae oata est competere naturae secundum suam perfectionem. 



gemeinen S)tnge nuv im 8i^te ©otted beutli^ geflaut 
ttf erben; fo foOen roix an^ bte (efonbere STIaterte atler 
jDfnge nur in ber Sbee, tpeli^e ®ott wn t^r f^at; t)o([^ 
f ontmen jn ernennen tm @tanbe fein , f onft ai^er tptrb 
ttnfere natörtt^e (Srfenntniß t)on ben (efonbern SDtngen 
nur für ÜReinung gehalten. SSie fraftig baffer auc^ S)un$ 
&totai bie natfirli(i^e (Srfenntniß be^ !D?enfd[^en t)ertffei^ 
bigt; fo ergte^t jtc^ t^m bo^; ba^ fte t^re @i^erffeit 
nur burc^ bad ü(ernatfirlt^e Si^t ber in ®ott gefc^uten 
®rttnbfS^e getvinnt Sßenn er bagegen auf bte S3efom 
ber^etten bed natfirli^en Srfennenö fielet, fo neigen fid^ 
feine Betrachtungen ber ÜReinung unb bem B^etfel gu« 
3n bem gegenmarttgen Se6en {tnb n)ir t)on einer SDlap 
l^efc^ranfenber Sebingungen ge(unben, unb n^enn n>ir 
au^ auö aOgemeitien @runbfä$en bte natürlichen unb 
fel^fi bie \)ergangli(]^en S)inge ju erfennen t)ermogen; fo 
ret^t bieö no($ immer nid^t ju ber l^^c^flen Srfenntniß 
ani, »el^e wir für ba« Stttgemeine unb baö Sefonber^ 
im emigen Cid^te gett)innen fotten, jebeS ®efe$ unb je^ 
be6 S>ing aU einen X^til ber weltlid^en £)rbnung erfen^ 
nenb, welcfie in bem SSBiKen ®otteö gegrünbet iji. Sn*^ 
bem ©un« ©cotu^ biefe gorberung unferer SSernunft feft 
l^ält; fann er fic^ bamit nid^t begnügen ; baß wir ®ott 
nur jum entfernten ©egenjlanbc unferer Senfenö fiaben 
foÖen, wie eö in unferm gegenn)artigen ßeten ber gaU 
ift; feine J£>offnungen ric|>ten ficfi bai^er auf baö feiige 
Cefcen; in wiUfytm ®ott als näd^peS Dbject unfereö SSBif^ 
fen§ jtc^ barbieten foß. 

Um aber btefeS icitn ju geit)innen, baju QC^ixt Ui 
aSSeitcm mefir unfer SOSiöe M unfer Erfennen, erjl babur^, 



44t 

H^WM ^mi&cotni tiefer $ttnft gettenb gemalt tDivb^ 
txitt bad fi(ergen)t($t bet t^eologtfii^en Slt^^ng bei ifftn tn 
feiner ganjen ®roße ]^er\)or* ©erfelbe Sorrang, weiter für 
©Ott in feiner SBejiej^ung ju ben ®ef$$))fen bem SSiQen ^tft 
bem Serflanbe gugefcfirieben mirb, ma^t {td^ eben fo ent«" 
f(]^ieben au^ für bie ®ef($6))fe gettenb, unb tn biefem 
^JJunfte offenbart ftd^ t)on 9teuent ber {larfe ©egenfa^ 
jtoifi^n ber ©cotiflifd^en unb SC^omiflif^en 2|eotogi^ 
Sr jetgt ft^ f^on bortn, baß j[ene ))ie( entfd^iebener al« 
biefe auf ben.Unterf(|ieb ^nnf^en 9latärli(|iem unb S^eient 
bringt S)aper ifl fle ti^tit baioon entfernt sujugeben; \>a^ 
aUed @ein gut; am miU^m, baß ti Jitttii^ gut i^« 
SRan muß natfirli^e unb fttlii^e ©fite unterfd^etben; 
aber fetbfl bie natfirli^e ©fite ifl mit bem <Bün ni^t 
badfelbe/ ^ietme^r t)erlangt fte gu i^rem @ein eine t)o(t^ 
fommene äbereinfUmmung ber Steile unb ber äußern 
aSeri^fiftnijfe ffir bie natörli^e SSoBenbung be« Dinge« *)♦ 
Die moralif^e ©fite bagegen hqityt {td^ nur auf bie 
it^atigleit ber tJernfinftigcn SGSefen unb tJerlangt ffir bie^ 
felbe ba« rid^tige SSer^äUniß in aUtn SSegiei^ungen , )^or 
aUtn Dingen jum freien Sitten; al^bann aber a\X(!^ gum 
©egenjianbe be« SOBittenö, jum 2^tä, jur S^it, jum 
Orte nebji anbern fünften; tt^tl^t Ui ber ^anblung in 
©etrad^t fommen fönnen 23. Unjireittg iji biefe Untere 
fci^eibung ber er(le unb entf^eibenbe ®^ritt; mt^tx ge^ 
t^att werben mußte ; ioenn man ju einer genauem Srorte^ 
rung be6 ©egenfa^e« im\^tn ©utem unb 93ofem ge^ 



1} In sent. H dist. XL, 2. 
2) Ib. 3. 



444 

@totttd iß ed ni^t tventger^ offeni^art a(er in t^m fet^ 
nett t)cllen ®egenfa$ gegen btc !E^onit{Hf(^e S|feoIogie. 
SSenn biefe in le^tev (£ntf Reibung, tviemo^I mit einigem 
Siber^ei^en^ eine Sl^f^angtgfeit bed SBiQend loom Ser^ 
ftanbe angenommen f^atte, fo xoiU 2)nnd @cotud ba^on 
tti^tö toiffem 9n bie @))t^e feiner Unterfu^ungen über 
biefen ^unft fieUt er ben ©a^, tDelc^er ali ein ibenti^ 
fd^ angefeif^n »irb, ia^ td^ti anltxti aU ber SßiQe 
bie totale Urfac^e bed fBioUtni fein fonne« Sßeber ber 
SßiQe fann erfennen, no^ ber 93er{ianb fann tooOen; 
feiner wn beiben ifi bie totale Urfa^e ber 2:^ättgfeitett 
iti anbem; beibe aber toirfen in bemfel^en ©nbjiecte mit 
einanber; fo bag bur^ ipt gemeinfd^aftlt^ed Sßtrfen gu 
bemfel^en Srgebniß erft bie fr&ftigfte 2:^atigfeit ber 93er^ 
nnnft ftd^ enttoidelt. S)er SSerfianb jiebod^ t)er^ätt ftd^ 
gnm Sßiden in ber gef^affenen 93ernnnß toic \>ai SRittel 
ffim S^cd; baffer ge^t j[ener biefem borau6; n^eil in ber 
Srieugung ber S^fiattgfeiten bie legte bie befle iß 0* ^it 
bem S3egriffe be^ SQSiKenö ifl a(er au^ t)er(unben, baf 
er tint {ufädig toirfenbe, burc^ feinen anbem ®runb be^ 
fKmmte Urfai^e ift. @o mie fd^on frfi^er t)om SQBillen 




1) Ib. 11 disL XXV, 22. Nihil aliud a Toluntale est causa 
totalis volilionis in voluntate. Ib. IV dist. XLIX qu. 4> 16. 
Nee actus intellectus est totalis causa actus voluntatis, sed par- 

tialis causa, nee e converso voluntas est totalis causa in- 

teHectionis. — — - Voluntas imperaos intellectui est caasa su- 
perior respectu actus ejus. Intellectus auteni, si est causa voll- 
tionisy est causa subserviens Toluntali, tanquam babens actionem 
primam in ordine gencrationis. Ib. 18. Intellectus dependet a 
iFolittone ut a causa partiali, sed superiori, e converso autem 
volonta« ab intellediooe uta causa partiali, sed subserviente. 



445 

©otted au^einanber gefegt touxii, baß tx ia SBestei^ung 
auf bte {ufädigen 2Dmge aufattig tbirfen muffe/ fo toixi 
m^ t)om menf(fi(t(^en SOSiffen barau«; baß e« sufiUtge 
.^blungen be^ SDZenfi^en gek; bte golgerung- getogett; 
baß er eine sufadig toixUnht Urfatfie fein mitffe« gär bie 
iuf&Utgen ^anblungen betf SRenfd^en aber beruft ftc^ tivmi 
@eotu4 auf bie ©raube, bed Sirifloieted / baß tirit fonß 
«f^t überlegen; ni^rin :t>raftif($e X^aH^hit mi eintaf^ 
fen warben ^}« Senn ber SBer^anb ben SQSitten U^ivmit, 
fo tvürbe er nt($t inbifferent bleiben gegen bai (Entgegen^ 
gefegte; ti t^urbe atöbann bie @änbe soom Srtf^um autf^ 
ge^n unb ber 3rt^um nid^t eine golge ber @unbe fein 
ober bie ©träfe, bie 93erblenbung bed SSerflanbed; tt>ürbe 
t>er,@anbe t)orau^ge$fn; au$ .würbe man at^bann ni(|t 
2tt ermahnen; fonbern nur ju belehren i^abem 2>a$fer 
biirfen wir im SSerftanbe nid^ bie Urfac^e Jutfien, we^ 
wegen^^ ber SßiHe baö Sine ober ba^ Slnbere . toiü ; bie 
(Srünbe, wel^^e er bem SOSiQen wx^att jur fBa^l, U* 
flimmen i^n nid^t; ^Ulmt^x mn^ er ftd^ felbjl beßimmen 
unb wir ^aUn in i^m iai ^eftimmeube unb iai ®e^ 
pimmte ju unterfc^eiben ^3« 



1) Ib. II dist. XXV, 23. AliqfDid evenit in rebus contingen- 
ter et voco .contingenter eTenire evitabililer evenire; aliter si 
omnia inevitabiliter evenirent, non oporteret consiliari neque 
negotiari. — — Quaero ergo, illud quod contingenter evenit» 
unde Tel a qua causa eveniat. Non a causa determinata ; — — 
ergo a causa indeterminata ad alterutrum oppodtorum. 

2} L. 1, Intellectus non potest determinare voluntatem in- 
diflR^renter ad alterum conlradictoriorum. Ib. 24 sq. Potenlia 
igitur rationalis perfecta, cujusmodi est voluntas, quamvis sit 
cootradictorionun , poterit determinare se objecto praeseote ad 



446 

@o entfd^eibet ft^ ^mi @cotu^ gegen ben Z)tUt^ 
tnim^mud iti X^cmai ffit ben ^nbifferentidmud. SIbei: 
er bleibt batet ni^t flehen nur feinen S8ibetf)>ru^ ond 
allgemeinen logifcfien unb {tttli^en ©runben gegen ben 
2>etetm{nidmud einjulegen, ^iüm^^x fu^t er ben Snbiffe^ 
renti^mu« t)on ben @d^n)ierigf eiten ; n^el^e i^n brfidfen, 
}u befreien unb bilbet {t§ babur^^ eine p\^^oUQififyt 
Z^totit ü6er iai S3erpdltn{ß bed fBiOen^ }um SSerftanbe 
att^> rottet fetner S3orau^fe$ung t\\t\pxi^U (St ifl ber 
dt^t, fo t)iel id^ n>etp/ (Deiner bieS ffir ben 3nbiferen^ 
ti^mu^ geleiflet ^aU 

@eine Meinung tfi feineöwegeö; ba§ eine !D?itn)irfnng 
be« SSerftanbeä gum SSiUen au^gef^Toffen n^erben tnfijfe* 
Sd »erbietet bie« ber oJen angefil^rte ®ag, bag bte fraf«^ 
tfgfle- X^ättgfeit ber Vernunft erfl bur^ iai Sufammen* 
wirfen be« SSerflanbe« unb be« SQBiffen« in bemfeften 
®ubj[ecte ju ©tanbe fomnte, unb nid^t weniger ber an^ 
bere ®a|; baß ber aSerj!anb aU aWittel bcm SBSitten, 
welker 3wed i^, »orau^gef^en ntfijfe. 2)er SBitte be* 
SWenfd^en ifl baf>er ni^t blinb; ber Oegenflanb feinet 
SBottenö muß i^m gegenwartig fein; ber SJerflanb muß 
i^m benfelOen \)or{)aUen unb eine @rlenntniß muß baffer, 
wenn and) nid^t ber 3^it ober Sauer, bo^ bem Segriffe 
ober ber 9latur nac^ bem SQBoHen t)or^erge^n 0- Se«^ 




iinum iliorum. Ib. III dist. XXXIH, 5; dist. XXXVI, 12 sq. 

^ie Unterff^dbttng im %&iUen gtptft^en tem SSefItmmten unb tritt 
^fftittimeitbeti tptrb gettta^t; n)ei( feiit agens uni?ocum auf ft^ 

ffibft »irfcn laun. Ib. 1 disl. III qu. 7, 27; quacsl. quodl. XVI 

)^ 89 col. 2. 

I i) In «ftüU -U dist XUI qu. 4, 3. Omoi» volitio requirit 



447 

tDegen entf^nbet ftc^ ^mi @cotn4 gegen bie SDteinung, 
baß ber SSide fd^Ted^t^tn aber ben Serfianb |iei:f$e« ^ 
einer 8en){ffen SSetfe jebod^ ^erf^t er cttt§ übet t^n unb 
ti gefd^te^t/ tDte Stugufltntti fagt, baß (Dir erfennett, 
wenn wir woUtn, ober baß ber SQSitte ble Utfacbe bet 
Sr^&ttgfeit be6 SSer^anbe« n)irb. S>iti gefci^ie^t üebod^ 
Ute beim Seginn bed 2Denfen4; tt)eit ber @ebanfe wx 
bem SOBilltn fein muß^ Sir f^aben ba^er ben er^eh unb 
ben gtoeiten ©ebanfen )u unterfi^eib^n; soon meld^ien fttttt 
nU^t in ber ®en>aU Ui SßiOen« ift, too^l aber btefer. 
jDe^tvegen giebt ti @änben ; bie nur im ®ebanf en befie-^ 
l^en, e6 giebt aber a\x6f ©ebanfen, toetd^ feine ©finben 
fein fjnnen; toHl jte bem SSiden t)orl^erge$m dxfi bo^ 
burd^ n)itb ein üeber ®eban{e jur @flnbe ober öberi^aü^t 
gnre^ung^ffi^ig^ baß n)ir unfer SefaOen ober fSftii^aSen 
baran f^aben^ baß tt)ir i^n alfo gti einem gn^eiten @e^ 
banfen umgeflalten 0. S>ie erflen ©ebanfen betrachtet 
nun S)und @cotu4 nur ali äBerfe ber 9latur in m^* 
@ie ergeben ftd^ und gu toiberl^otten SRälen ; fo oft xoix 
einen neuen eintrieb jum Seben in mi f))firen , fo oft ein 
neued Objiect unfern SBerfianb beioegt; ba enoad^t ber 
SRenfd^ $u einem neuen Semußtfein untoiKf ßrlid^ , oi^ne 
fein 3ntffun ^> (Sd toerben burd^ biefe Stuftest bie erflen 



necessario intellecüonem naturaliter priorem , licet simul <lu> 
ratione. 

1) Ib. 5. Cum possit distingui cogitatio generaliter in pri- 
mam et secundam, de prima probo , quod non potest esse in 
potestate voluntatis, quia aliqua cogitatio praecedit necessario 
omne velle, saltem natura. Ib. 15; 19. 

2) Ib. II dist XLII qu. 4, 15. Toties habet homo primas 



448 

äittf&ttge bti ))ernünfitgen itUni auf jieber ©iufe ber 
<Entn)tcfIung \)on bet flttltd^cn ©il^a^ung auegef^Ioffett. 
üXan n){tb btefe S(udna]^tne t)on ber attgentetnen 9ie^ 
gel> ol^ tt)enn bte erßen ©ebanfen nicfit aud^ freie Snt^ 
totiKungen ber @eele tt)dren, fepr aufaKenb ftnbeti; i^efon^ 
btti n)enn man genauer unter[u(|t/ n)a6 £)un« @co tud 
jtt. ben erfien ©ebanfen xti^ntt. S)enn ixi^t tttca nur 
bit {innli^e Slnregung burd^ ben &nix\xä, toeld^en etn 
©egenflanb auf unä ma(]^t, fonbern auc^ ben SBegrtff be^ 
(Begenfianbed unb fel^fl tfk ©runbfä^e unfcre^ S)enfend 
nnb ^anbeln^ fe$t er aU ttt^^ai, toai uns burd^ bte 
etßett @ebanfen gegeben tperbeO* ^it fe^en ffterau/ 
wie -flarf in t^m ber ©ebanfe n>tr{t/ baß bte ®egenflanbe 
ttttb ber letbenbe unb t^ätige SSerflanb , tt)eld^e tn un^ 
btn ©ebanfen f^ertoori&ringen / n^enn er o^nt SSenntMung 
be« SBtden« ftd^ audMIbet; ati natfirltd^e ^tintipitn tn 
mi toixUn, unb n)te flreng er baran fefi^äft, baß au^ 
unfere ©runbfdge )Don und im überftnnli^en £)6][ecte. ge^ 
f(^^aut tt)erben* 2)enu auf biefe ©rnubfö^e fiter bie ©runbc 
unfereg Srfcnnen^ wirb bie Unfej^Ikrfeit unb SSBittenlo* 
pgfeit unferer erjien ©ebanfcn jurürfgefuj^rt 2)^ ©od^ 
wixtt babti aud^ nic^t weniger bie äSergteid^ung jwifd^en 
bem menfdfflid^en unb bemgöttlid^enSSerßanbe; benn auc^ 



cogitatioaes , quoües sibi occumint diversa objecta et quotics 
turgit a somno. 

ji,' tjjIb.T; 111 dist. XXXVI, 13. NuIIus potesl omnino errare 
„fuapaai principia practica. 
-Ib, 11 dist. XLII qu. 4, 5. Objecta intelligibilia respectiz 
;tionis sunt causae naturales nctivae, et intellectus agens 
jt^inbiliSi si pooanlur agere ad inteilectionem. 




449 

in biefem unterf^teb Sund Btotni, toit n){r gefel^n ffa^ 
itn, eine erfie; wm SSttten una^ffSngige unb eine sttoeitf; 
)»om SOStHen ai^ängige Srt ber ®ebanfen unb )fi^tte jn 
jener bie (Srfenntniß ber Mi^tn SSa^rj^eiten , ju biefet 
aibetbte ©ebanfen, n^Id^e auf bad duf&aige unb burd^ 
ben aSiUen erfi ju SBoKffl^venbe ftc^ l&ejte^en« SS3enn man 
abtt auf biefen $unft ber S3er8let(^ttng fte^t; fo wirb 
aa^ bie SBe^au))tuttg , baß bie etflen ©ebanfen opne un^ 
fem äBiUen mi entfielen; nur a(« eine einfeitige STuö« 
bntddmeife und erfc^einen« 3n ber feinen äBeife ber Un^ 
terfi^eibungen, in toti^tn jDunS @cotud fi(eraud reid^ 
ipar, tDirb er ben erfien ©ebanfen bed SRenfc^en aud^ 
t90{^l nod^ tintn SBiden jur &titc gefleUt f^a^en, tveld^er 
bem SRenf^en m\tntix^ fei/ aber bon feinem auf bie ju«» 
f&iligen «^anblungen gerid^teten SSiSen unterfi^ieben tt>er^ 
ben mäffe/ fo toit er ben SQSiKen ®ottti, ber auf fein 
SBefen gef^t, ^on feinem fd^$))ferifd^en SSiden unterfc^ic^ 
ben^atte^)* 

SBad nun aber bie jn^eiten ©ebanfen betrifft^ fo mad^t 
ti atterbingd eine @d[in)ierigfeit/ tt>it fte wm SßiKen 
^ert)orge(rad^t mxim fönnen; unter ber SSoraudfe^ung 
jeboc^; bag bie Srfenntniß ber erfien Oebanfen ni^t »ott^ 
f ommen iji ; wirb jle (t^ (Öfen lajfcn* @o tt>ie fd^on tci 
ber ftnnlic^en Sßal^rne^mung td ^oxUmmt, baß wix nic|it 
allein ben tejiimmten unb beutti^ erfannten ^unft, fon^ 
bern nebenbei aud^ nod^ »iele anbere ^mtU, tt^enn aud^ 
nur unbcuHic^ unb »erioorren wa^rnefimett , fo erfennen 
toir au($ burd^ unfern 93er{ianb neben bem beßimmten 



1) ©• oben ©♦ 390 f. 
®ef*. t). $5«. VIII. 29 



480 

&timttnw(fy ))te(e anbete un^efHmmte unb t^eroovreiit 
©ebanfen unb tt)tr geioinnen babuvd^ fftr unfern SBiUen 
bfe fBia^t Iffn fef})u^atten ober ju richten auf btefe no^ 
un))oOfommenen ®ebanfem Sluf btefe SBetfe »erben alt^ 
bann fo(($e ©ebonfen bur$ bie SRttwirfung unfereö ^iU 
Uni ß&rfer unb fixerer auBgeitlbet »erben tonnen in xca^ 
fernt iBerflanbe, »eil, mnn {»ei ^&fte berfelben @nU 
ftaxi^ jtt bemfeKen 3wede »trfen ; if^re gemeinfc^aftlic^ 
Strffamfeft fräftfger unb wUtovmtntt i% ali »enn nur 
eine wn i^nen biefem 3»eAe ft($ »ibmete ^3^ Unb $ter< 
\>VLX^ »erben bie ©ebanfen ein freiet SSerf unfered 3S\U 
Itai unb fSnnen und jugere^net »erben, ber äBiffe aber 
»irb frei wn ben ©ebanfen, »el^e er gu rügten, gn 
fpannen ober aud^ na^julaffen bie ^a^t ^at 

Wtan »irb bemerfen, baf biefe Se^re wn ber 9Ra$t 
id SBiffend fi^er unfere ®ebanfen mit ber 9nft(^t su^ 
fammen^fingt , baß ber SBitie ber @runb ber Seligfeit 
ober Unfcitgfeit fei ; benn feine Xj^otigf cit äußert ft^ in 
bem SSBo^IgefaOen ober !D?i$faffen, in ber Sufl an ben 



1] In sent. II dist XLU qu. 4, 10; 11. Una inteliedioxie 
intellectus existente perfecta possunt ibi esse multae confusae 
et imperfectae , nisi illa intellectio esset ita perfecta et actualis, 
quod non pateretur secum aliam. Ulis ergo confusis et im- 

perfectis ibi existentibus potest voluntas complacere in 

qualibet earum ^ etiam si illa intellectio non fuerit cognita Qt 

objectum actualiter, et voluntate complacente in aliqua 

intellectione y confirmat illam et intendit. Illa igitur, quae fiiit 
remissa et imperfecta , fit per illam complacentiam perfecta et 
intensa et sie potest imperare cogitationem et convertere intel- 
lectumtad illam, Voluntate autem nolente aliam intellectionem 
et non complacente in ea illa remittitur vel desinit esse et sie 
dicitur volunUs avertere intellectum ab intellectione iJliiu. 



451 

2)tngen ober ©ebanfen tn ber ®ee(e. (Stn fold^ei SSBo||I<s 
gefaKen ober üRt^f allen erzeugt {!($ nun iti j[ebem ®e^ 
banfen, feÄp Bei j[cber finnttd^en Sorpettung fn unferer 
@eele unb barauf beruht ber SSetfaO; xt>ti(fytn n){r ben 
©ebanfen geben. Sad erfle (Stntreten eines ®ebanfen< 
ifl gn^ar feiner jtttli^en ©d^a^ung untem)orfen^ aber fo^ 
balb ber !D7enf($ an i^m fefl^fift ober Aber {>n ptnau«<< 
ge^t/ fo ^^d^^Bt jtd^ bie« au« einem äSerfe Ui SSiUtng, 
itnb babur^ toixi ber ®ebanfe gut ober fünbi^aft 0« (So 
tt>irb j^ierbur^ bem äSiUen bie ^^ätigfeit jugefd^ieben 
an beni; toaS in natürlid^er SSeife in unferer @eete {!d^ 
erzeugt pai; fefiiupalten unb erf} baburd^ ti uni anjueig^ 
nen' at« tttoai, toai wn und begehrt toorben unb nn^ 
ferer eigenen, freien ^fitigfeit angepJrt 

(Srß tt)enn man biefen $unft im 3luge j^at , n)irb man 
begreifen, toie S)un6 @cotu« mit feinem 3nbiferenti4mu« 
bie unbebingtepe ^rSbejiination«te|^re »ereinigen fann^X 
3Sai oben t>on bem SSerpattniffe beö SCBiUen« gum iBer«" 
ßanbe gelehrt n)urbe; lann man in ben @a^ jufammen^ 
giepen, baß nic^t ber entn)i(!elte ©ebanfe ben SCBiden be^ 
Wege, fonbern ber SBitte ben unentwidelten ©ebanlen an 

1) Ib. 19. Delectailones vero, quae sunt m voluntate tan« 
quam primi raotus, sunt peccatuniy quando sunt de objecto il« 
HcitOy — -^ quia lUae non sunt sine actu rationis et volunta- 

tis praecedente. Appetilus noster, in quo convenimus 

cum brutis, est über et rationalis per participationem , non 
autem per aclum suum, sed per actum alterius potentiae, sei- 
licet voluntatis, cui subest. 

2) 34^ bemerfc bieg tefowber^, »eil man feinen Sntifferen* 
iimn^ gewöjnlic^ aU ^elogianiömnö ßebeutet iat Über feine 
2(bn?eict;ung »on t)cr 2lU9ufiinif($en 2ejre über bie ©rbfünbe tt?er* 

ben wir fpater fejen. 

29* 



452 

bad Ct^t \\%\it unb fo bie SUbung ber 6eele Betreibe* 
Sl^et ba(ei n)irb bod^ fi^eraO f eßgel^altett ; baf ade (Se^ 
banfen Sßerf e be$ S3er|lanbe6 ftnb ; tDet^ev tn not^t^en^ 
btgev SBeife benft, fei ei unter bem Stnßuffe einer w,^ 
törlii^en ober einer ü6ematür{i(^en Urfailie; unb t% Heibt 
ba^er bem SBitten nki^ii anberei fikig ati burd^ bie 8üft, 
tt)el^e er an ben ©ebanfen ftnbet ober nid^t ftnbet/ fte 
uni anzueignen unb fefi unb fefler ju Valien bber {te nur 
an uni t)orfi6ergIeiten ju lajfen. 2)ie SntwifKungen un^ 
ferei SBett)uptfeind alfo erzeugen jtd^ in vxA mi 9{ot^tt)en^ 
bigfeit/ a(er {te (Derben tDal^rf^aft erfi unfer/ ttenn tpir 
fte burd^ unfern SQStden feß^attem 

^Wi n)irb ben SDund ©cotui in biefer Sesie^ung 
gegen ben 93orn)urf ni($t t)ert^eibigett {^nneu; baß er bei 
ber et^ifd^en 9ttd^tung feiner Se^re nid^t genug bie 93er^ 
binbung feßgef^aUen l^at^ tt)eld^e jwif^en 9Iatur un^ !Ber« 
nunft ftattfxnbet Tbxzi fiußert jtd^ barin , baß er toieied 
in ber @ntn)tdE(ung ber @eele ali etmai ftttlt^ ®Iei($^ 
gültige^ anfielt; n)etl eö nur alö @runb(age bei SQBil^ 
leni gilt, aber nod^ nid^t t)om SOSitten ergriffen ifl*). 
93on biefer SIrt ftnb atte erfle ©ebanfen. ^i äußert ftd^ 
aber aud^ bartU; baß ®utei unb S3ofeö nur m innem geß^ 
palten unb Slbn^eifen ber @ntn)id((ungen bei SBemußtfeini 
gefugt n)erben. 3^ar jiept S)uni @cotud aud^ bad $an^ 
beln in Sorten unb äußern SBerfen jur @ünbe f^inju, 
aber bod^ nur, fofern e6 ate golgeber ©unbe erfd^eint^}^ 
hierin ma^t ftd[^ ber ©egenfa^ jtoif^en ®eip(pem unb 



1) Ib. n dist. XLI, 2 sqq. 
2) Ib. II dist XLII qu. 4, 15 sqq. 



ikft. 



ft&tUli^tm Ui i^m auf bot ^ntfd^iebenfle gettenb; toU 
tx htm i. S3« im Stgentpum tdne @a^e be« gittH^en 
®efe^e4 erfennen hm, ^idmt^v ti nur al^ eine golge 
ber ©ftnbe i&etra^tet ^)» 

Km beufli^flen tritt ai&er biefe Stic^tung feiner ftttli^ 
$en Ibifti^t in ber Se^re «>om Unterfd^iebe }tt)if(l^en ben 
moralif^en unb t^eologif^en iCugenben fferauö« S)nn< 
@cobtd unterfd^eibet eine breifa(^e ®fite ber {)anblungen« 
S>ie erfie (eflept aUein in bem guten äBerfe int SiKge^ 
meinen/ bie anbere in ber iefonbern ®flte be6 SQSerfeS 
in Se^te^ung auf alle tlmflfinbt unb mit Sinfd^Iufl ber 
fUtli^en SCrie^febern , fel^ß baß ti ani ikit gn bem 
QiÜü^tn ©efe^e gefi^e^e, bie britte enblid^ ifl txnt ®a^t 
ber ®nabe unb ffi in iitU ju ©Ott fel^ß gegrünbet 
2>ie beiben erßern betrad^tet er ili»ax ali bie not^totniU 
gen Sebingungen ber bxitttn, aitx f[e werben to^ nur 
ald !S3irfungen ber natürlichen ^itwidiung im ÜT^enfd^en 
gef($&9t/ l^akn no^ feinen %n\pxvL^ auf SSerbtenft unb 
So^tt; n)eI4ien nur bie britte^ bie Siebe ®ötM, bietpeo^ 
togifd^e S^ugenb; bie fibernat&tU(^ und eingeflößte ©nabe 
gen)ä^rt. $ter ftef^en notürlicbe Steigung in ber morali^ 
fd^en S:ugenb, mi^t ni^ti 93erbienflli(^ed |fat^ unb iai 
93erbienft; n^eld^ed in ber ti^eologifd^en 2:ugenb ^txik^m 
toixb , einanber im fc^roffjien ©egcnfaft gegenfiter ^J* 

tffiir burfen piertei bie Semerfung nid^t nltx^t^n, 
tüetd^e fd^on bei äiltert unb ^omaö {td^ und aufbrängte^ 
baß bie 9iot^tt)enbig{eit ber fibernaturlid^en ©nabengaben 



1) Ib. IV dist XV qu. 2, 3 sq. 

2) Ib. II dist. VII, 11; dist. XL, 4. 



wn itx (Srbftttibe goit} ttnab^ängtg genuuf^ tcv^ Swa 
leugnet 2)imS @ci>tittf tie (Sriffinbe titelt, bte %olitn Ut 
@fiitbe, tveU^e wn bem er^eit SRenfc^eit auf fernen SHo^ 
fommen übergegangen ftnb, tvelc^e i9tr ^aien o^ne nnfa 
3n^ttn, nic^t in ber ^n(i^ Sege^du^fett befl^enb, 
fonbem in ber Ungere^ttgfeit, in ber Unorbnung ber 
@eele, in tod^er bte {utnlic^ Sege^rltc^feit )nni flta> 
nag ftc^ geweigert $at ^3; )tiHit forbert er ouc^, baf biefe 
Solgen getilgt oerben muffen burc^ bie ©nabe, banttt 
»ir bie @eltgfeit gewinnen fönnen^; aier bie Sergen 
bnng ber €finben, bie Sßieber^erftettnng ber menfc^tii^ 
9latnr jn neuer ©eret^tigfeit genagt i^nt boc^ nur ^n ben 
Sorbebingungen ber @eligfeit/ )ur ftttlic^en Zugenb« 
2>ied tritt am bent(i(^{len in ber Se^re ^erauö, bog SIbam 
and^ t>or bem Sunbenfade nic^t oni feinen blo^ na^ 
tfirltc^en Gräften ^otte feltg o^erben fonnem jDie ®ninbe, 
ml^t X)mi @coiu4 anfuhrt, entluden fef^r gut bie 9H(^^ 
tung feiner Se^re« (Bt unterfi^eibet bad {tnnltc^e Sege^^ 
reu unb ben 3&iikn, t>erlangt aber jur @eligfeit eine ^6U 
lige tt(erein{Hmmung unb 93eru|ftgung betber« Diefe ju 
gen>{nnen fd^einen i|im nun bie natürlichen Gräfte be^ 
fSktn\^tn nic^t au^iureic^en. S)enn bo^ fuinli^e Sege^^ 
ren tt)firbe uni ^um Sinnlichen {iefien unb ni^ o^ne 
Zranrigfeit o^urbe bie naturli^e Üteigung t)om Sinnli^ 
c^en abgeteuft tt)erben tonnen« S>a nun aber jur ^o^ 
Pen @e(igfeit gefrort, baß tt)ir bem &imti^tn bur^au^ 
entfagen unb in Siebe uni ganj ®ott ergeben, fo forbert 

1) Ib. II dist XXX qu. 2, 2; dist XXXII, 7; 12; 14. 

2) Ib. 11 dist XXVIII, 7; dist XXXII, U; IV dist XIV 
qu. 1, 8. 



4S& 

2)imd €cotu« eine üUimAMt^t StntDirfiutg iti u6ev^ 
mtMi^tn Objecto unferec Siebe, Q)e((^e und über üene 
Zxauxi^Uit iti ftnnlid^en Sege^rend ergeben unb im ®o 
naffe ®ottti felbß Dad Seiten und {ur Suft mad^en finnte 0* 
jDamit ßinunt fein SBegtiff bec @änbe überein, xcüf^c 
i^m in ber Slbuoenbung bed fBiUmi ))on ®ott/ in ber 
J^intoenbnng g^r (Kreatur beflef^t ^} ; benn ber ffinbjpafk 
äBiüe ifl eine SontracHon Ui aOgemcinen SSSiOend auf 
tai befonbere, bef^rdnfte ®ef^o))f ^). Sine folc^e 93^ 
fcbränfung batf bei ber befeligenbin £iebe ®oitti niäft 
beßepm SQBir iverben erft j[e^ re^t 9erfie^n, t^^amm 
2)ttn« @cotud nic^t jugeben fonnte, bag bie iitU M 
9lä(^ßen in bem abfoluten SQBiaen ®otUi liege« 9ber ed 
i{} hierin auc^ bie @(|^eu wi bem t^ettli^ien Seben uttb 
ber »eUIi^en Ciebe nid^t 2U Derfennen, n^el^e in jiebem 
Segefiren bed ©innlid^en unb @nb(iti^en eine Störung 
ber Siebe ©otted furchtet Unfhreitig eine auffadenbe Sr^ 
fd^einung bti einem Spanne, tt)e(^er boc^ bie fönfieit ber 
niebern unb ber ^ü^ern 93erm^gen im !D2enf(|ien fräfttg 



1) Ib. II dist. XXIX, 4. Oportuit aliquid ex se ipsi volua- 
Uti esse delectabilius , quam aliquod delectabile alicujus vis in- 
ferioris, et cum nihil sit tale ex parte ipsius voluntatif | oportet 
aliquid fuiase in voluntate supernaturale , - quo fieret sibi finis 
delectabilior , quam aliquod delectabile alicujus appetitus sensi- 
tiv! , propter quam ratidnem delectabiOus se retraberet a con> 
delectando appetitui sensitivo , quam recedendo ab ilk> delecta- 
bjli, scilicet fine. Ib. 7. 

2) Ib. II dist XLU qu. 4» 2 sq. ; dist XLUl qu. 1, 2. Pec- 
catum est aversio a deo et conversio ad crealaram. 

3) Ib. 11 dist. XXXVII qu. 2, 10. Voluntas contracta per 
differentiam aliquam ad voiitionem creatam, quam circumlo- 
quimur per hoc, quod est limitatum, est prozima causa defeclus. 



4tf6 

3tt ))ert$eibtgett tou^tt^ (£4 offenbart ,fi^ bortn ai^ec 
au$ itt aU^tmünt ©ebanfe, tvel^er bur(^ feto ganj^ö 
@yfiem ^inbnr^ge^t, bag bte SoKenbung fo tvie bed 
^tnttni, fo om^ bei SBSoKen« ber ©ef^opfe ))on einem 
Dbtecte a^^fingtg fei ^}. 2>er fffienfd^^eit fcmmt itnc «in 
))afft9e6 Serm jgen iwc @eligfeit ju , tvet^eä tiicl^t but^ 
ein notitelic^ , fonbent inx^ ein Mematürlidi» SBtrlenbeö 
gnr SQirfli^ffeit fid^ entuoideln tößt % dim nur be«n>e^ 
gen, wit f(^on früher ernannt, »irb bie Sefeligung oU 
ein uBematfirU^er 3lct angefe^n, »el^er ))on ®ott aui^ 
ge^en mug, bec nnfere ^anblnngen annimmt/ {t(^ gefall 
len lapt unb jum Serbien^ nn« anrennet , bem bie $er^ 
fon frupec gefaSt/ att bie ^anblnng^}, o^UUfy bie 
ftttlic^e ^onblung aM not^tvenbige Sebingung fSr bie 
Sie^e ®otte$ ))or^anben fein mug unb Don bem 3Rm* 
f^en ou^gept, ivel^em fte <üi 93erbienß angere^net toet» 
ben foß ♦)• 

SSemerfendmeri^ ift ti Ui biefen @ä^en , bap 2>un6 

1) De anima qu. 11, 7. Delectatio autem est in voluntafe^ 
sed non a voluntate, sed ab objecto. 

2) Ib. qu. 15, 10. 

3) In sent. l dist.XVII qu. 3, 22 sq.; 27; 34; quaest. quodl. 
fol. 41 col. 1. 

4) In sent I dist. XVII qu. 3, 25. Actus, qui est irieritum, 
est in potestate niea supposita influentia generali, si habeo usum 
liberi arbitrii et gratiam, sed completio in ratione meriti non 
est in potestate mea, nisi dispositive , tarnen sie dispositiTe, quod 
ex dispositione divina semper sequitur illud completiTum ad 

agere meunu 9ttd tiefet mib äinlx^m Mieden ^at man ben 
9>e(ag{aniditttt^ übet BtmiptU^iammü^ bed 2). &. betDeifen tooU 
IfR* ^< i|l abet nitt bertvtttenb ben @tteü atDtfc^en ^elagiitd unb 
l ifl tt(Hntt ^ auf eine SiU min)enben a» »öden , m tveU^et bie &^ 
bonfen eine gan^ anbete Senbnng genommen Ratten. 




4tf7 

<S^oto6 beti SBittett j^ott tem fi^ematflrltd^ett 0(j[ectc fei^ 
Her ükht lo^ gan} onber« (eßimmcn Mft , aM von bat 
nat&tftd^n Dbjectett. (Sd ifl tiatfiirltc^ in btefev Sieie be« 
SDteitfc^at jtt ®ott m^t tne^t bte 9tebe bat)on, baß bec 
StQe au^ )um (Stttgegengefe^ten fti^ i^eßimmm Umtt, 
fonbeni bie ^Jerfon, t9te gtfagt, iß ®ott ftfipet ongti» 
n^m ali bte S^atigfett be« SüiUttA unb btefc t9&b bem 
gemiß ftc^ (efUmmen mfiffem 2)te0 ^mmt bomit ühtt^ 
ein, baß jwat bie !Dtitte{ auf&llig jtnb, ober tttd^ bet: 
3»€ä, wn beffen Siebe ®ott fettfl tiic^t entbtnben tamu 
9Itt(^ tourbe fd^on oben bemeift, baß jnmr bei umoOfom^ 
neuer (Erfenntniß brniHe «nb bem^orrene ©ebattfen neben 
ber bentlü^en (Srfenntniß Staunt j^aben unb baß auf jlene 
attbann bie 9Qa^( Ui inbifferentett SSiOen« jt^ in^tta 
tarn 0; aber anbertf mirb ti mit ber boOfcmmenen &* 
fenntaiß ®otte« fein« ^ier foO alfo bie Unentf^ieben^ 
J^Mi SßiCen« anf^^ren; fte galt nur für biefe^Men, 
tt^Ii^ed in ber ^ittc sn)tf($en 9nfang unb Snbe liegt 
Sßir ftnb auf bem SBege unb. fo lange man auf beut 
SBege iß, fann man irren; erfl ber bottig erffiSte äBide 
tvfirbe {ti^er fein, o^ne äBa^I unb ©^toanttn, in ber 
®egenn)art beS unenbli^en fDiitUi, ml^ti i^n ni^t 
anber^ oli feßffatten fann ^3* . 

® egenn^ärtig aber l^aben wir bie Sßa^I, nur im fS^t^ 
gef^mad betf ©enuffed lebenb, tt^el^er nni n^erben foS, 
nur bon ^erne ben ©egenfianb unferer Siebe erblicfenb» 
jDa fdnnen wix ®oü iwax unmittelbar, aber boc^ nur 



1) Ib. 11 disL XLll qu. 4, 11. 

2) Ib. 11 dist. XX qu. 1, 2; disL XXllI, 7. 



4^ 

tm SKgemetnett tdamm tmb ÜtUn ^)* t>a (eburfen totr 
btr göttlt^en (2ErIett$ttttig um tmfrrtt Sßeg finbcn, nm 
unfemt J^l i^txttoxitn ju f Stuten, uitb iponbeltt tiu|^t im 
Schauen , f onbetit nur im ®lauim, mläftt iai ntebrigße 
unter t>tn üictnatüxlii^ Cuttern iß^. 2>a beb&rfen 
t9tr auc^ , um und mit uuferm {uffinfttgen 3iele in Ser«' 
^buttg 2tt fe^eu; ber @acramente , in wü^tn gumr dne 
ubemotütlic^e $ttaft liegt, okc boc^ nut eine nm)oQfimi^ 
mene, mefl fte in Ux Semegung i^ ^> Wt einem flerb^ 
It^en fijr))er soetbunben fönnen toix feiner unt)erg5itgli^ 
^m 8nß tfieilfia^g fein ; an bo« Unt^erginglic^e mftffen 
seir gtott^, auf bad ewige Seien ^ofen« @o tt)ie uai 
bie emige SSa^r^ett ni^t gegentvortig i^, fo bfirfen »ir 
mi aniff feiner t)oIIfommenen SSiffenfd^ft rfifimem Z>fir^ 
ftn lotr etioa U^aixpttn, ba^ bie menf^Iic^ SEBiffenfil^fi 
tm @tanbe fei aui fuj^ern @rßnben bie UnfteriKc^fdt be< 
Stenf^en gu (eu^eifen ? ^eine^wegetf« @o gewiß ti i% 
baß ium SBefen bed !Dtenf($en bie (Srfenntniß be^ ^tx^ 
flonbea geffort/ fo folgt borau^ bo4^ nur mit 98a^rfc|etn^ 
lid^feit, baß'Unfere t)ernänftige @eele o^ne SRaterie unb 
eittfad^, nad^ bem Smigen fhrebenb/ ani^ unt)ergängli(^ 
fei , baß aber ber gan}e ^tn^^ , fein itih mit einge^ 
fi^Ioffen, be^ en>igen Seiend t^eil^aftig fein tt)etbe, läßt 
fid^ and^ nid^t einmal mü 993a^rfd^einlt(^feit bart^un % 
&üxit (teerieugnng t)on ber Unflerblic^fett be$ SRenfc^en 



1) Ib. I dkt XVII qu. l, 34; IV dtsL XLIX qu. 12, 8. 

2) Ib. m disl. XXIV, 21. 

3) Ib. IV disf. I qu. 5, 3. 

4) Ib. IV disL XLill qu. 2, 4 sqq.; ber ^bfi^dtf ftnbet ft(( 

nr. 26. 



i^. 




/tö9 

ffot ipxm geniigenben ®runb oSeiit in itx (Smi^^tÜ M 
feltgen i^Un6, ml^ti bem Pcto&^Um ÜTJenfc^en im fdtß 
fonbcrn beftimmt nnb von ifim errei^kt ifl; biefe ®u 
tpi^^tit aber formen u^ir niii^t auf natuvlic^nn SBege ge^ 

SSeif en tttc nun no$ einen 93It(( auf bie legten jDtnge, 
toU ^mi Bcotixi {te benft, fo f önnen n^ii: mi ni^t vtx^ 
^t^Un, baß bie SSevno^Iafftgung bei: ipfi^ftf^^en Unter« 
fttc^nngen einer gu breiten nnb ju xoMli^ta KuOlegnng 
bet ^eiligen S(utorit&ten Ui i^min bie{)änbe arbeitete^}« 
Über ben &otptt ber Seligen; aber feine Seibenloftgfeit; 
:93ett)egli(^feit; ßlar^eit nnb gein^eit ^edt S)ttnd @coto« 
iDeitlättftige Unterfn^nngen an nnb ftej^t {t$ babei ge« 
notfiigt bie le^tere fo groß |tt ftnben, baß gn»ei Jt5tt)er 
an bemfelben JDrte jugletd^ fein f onnen ; um bie Wlü^ 
li^ttit i^iertoon gu bett)eifen l^&tt er {t^ an ben allgemein:» 
ßen meta)>^]^ftf(l^en S3egriff beö ^5r))erd, bemerft aber 
ni^t/ baß er eben babur^) ben 93egriff bed )>|)]^{tf((en 
fi2r))erd gan) befeitigt ^3« 3)!it btefer ^nft(|^t l^angt au$ 
feine Sofung ber S^age, ob alle Seligen im ekligen Ceben 
etnanber gtetd^ fein n>urben/ fef^r eng {ufammen, inbem 
er eine getoiffe Ungleic^^^eit ber 3nbit)tbuen au^ no^ im 
feiigen ititn feßfialten )u muffen glaubt unb j^ierju bie 
S5erf4)iebenf>eit berfiörper ^erbcijie^t*}» 2)0(|| liegen bie 

1) Ib. 32. 

2) Sielet ba))Ott ifl ben spätem ani^WQ gen^efen ; man (ai 
über tiefe fünfte, tt>ie übet: anbere^; i^erft^iebene ^exte; einiget 
ift t>on (£a^itUx$ , ii^ tt)eif nt$t mit mX^im S^e^te , au^ tem 
a:ert geworfen »oxben. Ib. II dist. XX qu. 2, 4. 

3) Ib. IV dist. XLIX qu. 16, 17 sq. 

4) Ib. IV dist. L qu. 6, 11. 



460 

(e^ten ®ett)egdrünbe ju btefer @ntf(i^etbttng tiefer in htx 
tiitnt^mli<fym jDmImetfe Ui SDuntf @cotu0* & ge^ 
^t^t auf ber einen 6eite gu, ba$ SBerfianb unb SBitte 
bet ©efd^opfe nuv in ®ott, im Unenblic^en ifire Sefrie^ 
bigung ftnben fönnen , fte^t an^ n^eber ^on ®eiten Ui 
unenblti^en D^ject^, no^ wn Seiten unferer inbit)ibttel^ 
ten SJentun^ ein ^inbentiß, baß itnti ft(^ ttn^ mitt^eu^ 
fen, tt)iir ti em))fangen unb genießen fonnen; auf ber 
enbem Seite a(er ftnbet er, baß bod^ t)erf((iebene 9Xen^ 
f^en in «)erf(^iebener SBSeife gur ® eligf eit )oori6ereitet fuib 
bnr^ i^r frfifiereä Men, buri^ tfir ^erf^iebened 93er^ 
bienfi, burd^ bie si^erf^fiebenen (SnttDidlungen i^re« 993i(^ 
Itnd r ttnb bietf ffi^rt i^n gu ber fi^ergeugung , baß fold^e 
Vorgänge nii^t o^ne Solgen fein fonnten; ba^ S^fl^ere 
muß im @pätern {t(^ fortfe^en; bad geitlid^e Ceben ber 
9)tenf($en, t)on aQen in ^erfc^iebener Steife gefä^rt, Ixtttt 
au$ ffir bie t>ert$eilenbe @ere^tigfeit @otted in ber S3e^ 
feligung )oerfd^iebene Slnfnfijjfungöpunfte bar ^)* SSir fe* 
l^en, n)ie entfi^ieben S)un6 @cotud aud^ l^ier ea fefi^alt, 
unfere 92atur aud^ in ber inbii^ibueQen gorm fei gu aQem 
®uten befähigt, xoit er ben @runbfägen feiner SSorgfin^ 
ger barin auf ba6 Ungt^eibeutigfie fd^ entgegenfe^t, aber 
oud^ nid^t ba))on abgefit ben unenblid^en unb not^U)en^ 



1) Ib. 5. Intellectus et volunlas non quietalur, nisi uLi est 
objectum suum in summa sua perfectione, ergo nonnisi in in- 

(inito. — — Enti ut ens non repugnat esse infinitum. 

Quaecunque potentia passiva in specie est ad perfectionem to- 
tarn eandem in specie absolute in quocunque individuo, pro- 
pter dispositionem tameu, ut puta propter merita , ut disposita 
sie potest esse inaequalls respcctu perfectionis in diversis indi- 
viduis in eadem specie. Ib. 6 sqq. 



461 

btgen 3n|^aU unfere« itUni mit tem 3eiH{^en unb 3u^ 
fälligen in bie genauefte SSeri&inbung }u fe^en, inbem n 
ben aSiQen jmn $rincip aud^ unfere^ (kDtgen Se6en« ma^t 
nnb biefe6 baburi^ mit ben (efonbcm «nb it^^x&nUm 
Slnfgaben be< {dtlid^en 2>afein«, in xotli^tm ber 9Rmfc^ 
fi^ vorbereitet, ju einem ©anjen lufammenfaf t* 2)a ie^ 
gnügt er {t4^ bamit ))on bem Sßitten ju ))erlangen; baf 
er feine S3eru^igung in bem ©uten finbe, n)el(^etf ©Ott 
i^m befKmmt ^at; aUti SBege^ren, ml^ti barü6er f^in^ 
audgel^t , ifl @änbe. S>^^ gefleht er bei biefer Serfd^ie^ 
ben^eit ixA legten 3t9ede JU; baf bie Sufi an a0em ©u^ 
ten in un^ toie in anbern aUtn gemein fein tverbe ^), 
eine Formel, toeld^e in ber Z^at wn ber Sefire Silierte, 
baß i'o^ax in ben ©efdpSften; a(er nii^t in bem 3mede 
ber vernunftigen SBefen ün Unterfd^ieb fiattftnbe/ nic^t 
n>eit a(}uße^n fd^eint. 

@o n^ie S)und @cotu$ o$ne 3^eifel ber f(^arfftnnigfte 
ttnb einbringenbfie ©eifl unter ben ^^ilofop^en bed fSRiU 
tetotterd ifl, fo mo(|ite man i^m aud^ m^t jugefie^n 
mäffen, baß er am tiefßen unb voKfiänbigflen bie ®e^ 
^ei&ungen ber $^ttofo)>|fie in biefem S^itxanm nac^ ip^ 
ren @tärfen unb ©d^wad^en aufgebedft l^at« @eine ßunß 
ifl im Sldgemeinen rol^, feine ©prad^e barbarifd^; aber 
auf bad fetnfle arbeitet er jieben ©ebanfen aui; Überfid^t 



1) Ib. 4. Quietatur (sc appetitus), quia aUingit, quantum 
natus est attingere per dispositioaein iUam mediam, sine qua 
noa erit conjuactio ad illam causam. •-* — Beatus non vult 
habere majorem beatitudiaem , quam deus vult eum habere. 
Ib. 10. Quilibet gaudebik de quoUbet et de omnibus, de qui- 
bus alias gaudebit. 



462 

fe^lt feinen Savfiellungen fafi ganj; n>er aitt t)on ber 
feinen ©lieberung Ux einzelnen ®ebanfen ju genauerer 
Setrad^tung ftd^ anlogen l&^t, tpirb aOmciltg geit^affr 
imben/ baß bo<^ ber fd&einbar i)ertt)orrenen aWajfe feiner 
@&$e eine fe^r beflimmt enttt>{dette Slnft^ ber Dinge 
gttift @runbe liegt; ben ^(utoritäten Ui Sdtert^um^ be^ 
{engt er feine aufrichtige iBere^rung; nnb feine (S^rfurd^t 
t)pr ben Se^ren ber Äirc^e iji unbebingt ; aber babei weiß 
er im(fy bie ^einf^eit feinen Unterf(|eibungen bem Ffifinen 
unb eigentffümlid^en ©eifie feiner Sepre eine freie unb 
ftdpere Sda^n ju bre^en« jDad ©tarffle, n>a^ man gegen 
feine aOgemeine SSeife einn)enben fann; bejei^net eben nur 
ben ff^arafter ber mittelalterlicl^en ^^ifofo})^ie^ Slße 
©runbfa^e/ auf n)el^e er ftc^ flfl^t, l^aben ein ^ox^tx^ 
fd^enb togifd^e« ober tnttaj)^9jif(|ie« anfef^n ; auf bie Sin^ 
Sel^eiten iti et^ifd^en ober !))ff9{tfd^en iibtni unb S)a^ 
feinS laßt er fajl nur beifpieln)eife ^x^ tin. 

2)amit flcfft eä nid^t in S33iberf))rud^, baß bie Slid^tuhg 
feiner 8e|>re inx^ani et^ifd^er Slrt iji* S)enn eö fianbelt 

ftd^ iN/ fo ^^it ft^"^ ^^f^^^ t>^^ 55?ilofo}):^ie angel^ört; 
nur um bie meta))f>9jtfd^en ©runblagen ber ©i^if* ©iefe 
etjifd^e SÄid^tung ^at er. mit ber fiir^enlel^re unb ba^er 
mit ber ganjen ^Jpilofi^l^ie be« SWittelalter^ gemein; aber 
feiner |>at fte beutli^er l^erau^gefiettt unb entfd^iebener 
burd^geful^rt, aU er, feiner |^at auc^ bie metapff^fifc^en 
©runblinien berfetben jugleid^ fi^arfer gejogen unb pren^ 
ger inne gei^altem £)a^er fommt ti, baß er, mlifytx 
bo^ bte SlUmad^t ©ottetf gegen aUe 9taturbef^ränfungen 
ii^ an bie äußerjle ©renje ^ert|^etbigte , benno(^ feinen 
SlugenblidE baran jweifelt, baß ©Ott Umnöglidjied/ 3Bu 



463 

ttx\px^tnt>U ni^t miQli^ ma^tn Umt. Z)er @ai^ it9 
S8Sittx^xn(^i tfi fetn metapi^t^fir^er ^oxt, ata »el^m et 
otte feine p^iU\op^i\(fym ©fige \(l^ip% - T)a^(x fommt ti, 
ba$ er e(en fo ffifftt aM folgerid^ttg ten falfd^en degen« 
fa^ )tt)tf(^en 9}atfirK^em unb Übernatfirli^em auf|ieU, 
aM n)enn ©otted üUrnatMii^t ®aUn iai Semt^gen 
ber ®ef(^opfe jie ju faffen überflctgen unb ®ott atfo, itii* 
bem er fte gtebt, Unm^Itd^etf ^oObrtngen Umtt. £)^ne 
beit ©egenfa^ gwifif^en Vlatux unb iBeniunft au^ul^eben, 
o^ne bte ^^f^re (Stotgung (eiber in ®ott ju leugnen, 
gilt ipm ba^ Übernatürltc^e bod^ für nid^tö anbere^, aM 
ffir bad; t^ad fein Segriff be)ei4inet, ffir ben ®runb ber 
9latur, ai6er in feiner etffifc^en 9li(|tung au($ ^r ba« 
ßtjiect ober ben 3tt>eÄ unfere« vernünftigen ©treten«» 
3n i^m foOen aud^ für un« iRatur unb 93ernunft fti$ 
einigen, meil nur iti ber (Stnigf eit aller ftrfifte unferef 
Seben« ba« $5(^fle erretd^t unb eine tJJOtge S3efriebi* 
gung unfered 93ege^rend gemonnen mxUn fanm S)e^ 
n>egen verlangt SDund @cotud aud^ etne vSKige äluf^e« 
bung itd SQ3tberf)>ru($d im ^Jttn^^tn, eine völlige Über*' 
einftintmung nic^f allein Ui &ixptx^ unb be0 ^ti^ti, 
fonbem aud^ im ntenfd^li($en ®eiße nid^t minber eine 
völlige Übereinjlimmung be^ 9liebern mit bem ^o^ern, 
bed SSerflanbed unb bed SQSinend, inbem er jenen al^ bie 
Ütaturfeite; biefen al^ bad %xzit im geißigen Ceben be«» 
trautet« 3)ltt jener meta})$s^{tfc^ett Stiftung feiner Sefire 
fie^t benn auc^ bad Sefireben in SSerbinbung bem Se^ 
griffe be$ überfd^tvenglid^en in ®ott tine genauere fßt^ 
fKmmung ju geben* 35enn auf ben SBegriff be^ ©eienben 
gefft jDun« @cotui babei {urSd, in ifim ftnbet er hV 



464 

H(e Sebeutttng für ®ott unb fäi: ©ef^opfe; S3et)tngted 
uttb Un(ebtttgted futb bdbe nur 3lrten iti\üim Qtini, 
finb (eibe in bemfel^ett @tnne M fBoxM, unb fo tt^ 
f(|etnt e4 t^m timt an^ di nUfgltc^, bap bec 93erßanb, 
ml^er ba0 @etenbe crfemit, an^ ®otte^ Sein ^u ev^ 
femten )))nrmag , t)^enit g(et(^ bod @ettt @otte0 nic^t na^ 
bemfeCbett üßa^e gemepn t^erbett barf, m^ tvel^em bod 
Gern ber ©efi^opfe^ @tttb bo(^ 93ebingtetf unb Itnbe^ 
btngted, duf&Htgc^ unb ^ot^wttiti^ti nur )oerf$tebene 
Srteit be^felben ®mi, o^gUic^ )>on ^erfc^iebener 9rt/ 
bo^ betreiben 3tt$att«^ 

Sßir ^aben ^ittin ben c^araftmfKf^en S^g angebetu 
M, tvel^er burd^ bie SSerfa^rung^weife bed Z)untf ©co^^ 
tuö in allen feinen Unterfnci^ttngen l^tnbur^gel^t Übctaü 
iß er bemfi^t bie Sßiberfpmcliloftgf eit ober bie Überein^ 
^mmung unter ben ©liebern unfered S)enfen« na^gumei^ 
fen, überall ^at er td bal^er aud^ ntit einanber entfpre^ 
i^enben Unterfd^ieben gu t^nn, mit ©egenfägen, bie cim 
anber forbern unb beren 3ufammenge))oren er burc^ aQe 
ÜRomente, weld^e feiner S3etra4^tung {td^ barbieten, nacb^ 
juweifen bemfi^t iß* @o iß ed, n)enn er au^einanber^ 
fe^t/ baß 3ufaIIige^ ober Sebingted unb 9lot$ikt>enbiged 
über Unbebingteä einanber in allen fünften entf))re(^en 
mfiffen , fo n>ie Seibenbed unb S^atiged , fo tt)ie SDlaterte 
unb Sorm, @m))fängli(^e^ unb Objecto toelii^e^ ben>egt 
@o mm er seigt/ bap StOgemeine^ unb 93efonbereä 2^^ 
einer (Einheit {ufammenge^oren, inbem i^r Unterf^ieb 
nur barauf beruht/ baß ber Serßanb entioeber )>on oben 
^ob ober oon unten herauf bie Steibe ber Segriße burc^^ 
läuft/ ober toenn er bart^ut/ baß auc^ 9Iiebered unb ^ü^ 




46» 

^txii in Ux dnUviätnni Ux @ee{e gu etnanbev ))affeii 
mufen, bamtt burc^ i^xm (Sinftang ba« S^^I be< Se^en« 
erreicht tpetbe, fo nid^t mtnber, tvenn et Serflottb anb 
SBiKm tpte ba« natürliche unb iai freie (SIement unfe<^ 
tti getfKgen l^e(end mit einanber ju einer un}ertrenn(a^ 
ren @in^eit )>erfnapft wtffen tpiC* jDied ift ba« ^xintip 
feiner Sepre, t)9el(^e< er in ber Sormel auöiubrödCen pflegt, 
bap bie entgegengefegten 93egriffe einanber ^ei^ältnif^ 
tnäpig )ugeorbnet fein mfiffen« 2)ie Sßa^rffeit/ »^firbe 
man fagen f^nnen, fud^t er nid^t in dnem ober bent am 
bem ©liebe ber ©egenffige, fonbem nur in bem, xoai 
üUx beiben fd^n^ebt unb bie SSermittlung ieiber lilbetv 

jDied n)irb niemanb t>erfettnen; ml^tx imtxU, ba| 
biefer ©ebartfe unb biefe SSerfa^rungaweife bie ^vspt^ 
pxoiimt, mit welken er {14^ (efd^äfttgt, ifim Uf, fo^ 
too^I ba« t^eoIogif(|ie ald ba0 ntoralifd^e. SQBad ba« 
tJeoIogif($e betrifft, fo erfennt er, wai »ielen verborgen 
hUibt, baß ed oergeMid^ fein lofirbe ©ottlidped unb SSSeTt^ 
Ii4ie^, 9lotf>n)enbige^ unb 3nfä(liged, in einen fd^rofen 
©egenfag gegeneinanberfiber ju fleKen; eine SBerbinbung 
jtt)ifd^en beiben muß gefud^t Joerben ; fie muffen einanber 
»er^ältnißmapig jugeorbnet feim 2)apcr mftffen tt>ir wn 
BtiUn ©otted, be« notfftoenbigen ©ein*, fegen, baß er 
trog feiner 9lot^n)enb{gfeit jufdtttg »erurfad^e, t>on ber 
Seite be* 3nf«ßigen, baß eS fapig fei bie unbebingten 
unb uiienbltd^en äBirfungen ©otted in fld^ aufjune^men, 
trog feiner @nb(td^feit« fSRan tann fagen, in bem 93e^ 
fireben biefe beiben fünfte )u unterfc^eiben unb ju ))er^ 
einigen, barin iji feine gan}e Jtffeotogie gegrilnbet, fo 
weit ffe t)on pJilofoj)flif(^en ©ebanfen bewegt loirb» ?lber 
©ffcj- b. W^' VIII. '30 



466 

iai ct^if^t ^xoWta f(^Ite^t {t(^ bavan auf iai SngPt 
an* SQtr bemerfett iit6, wtnn toix itntn Unterf^iet in 
©Ott mit einem Untcrfc^iebe in ben {tttli4)en ®t\^i^\tti 
t>erg(ic(ien ffffen, tt>enn xoix erfaf^ven, t)aß tUn Uiw 
gen 2)4ind @cotud ben Unterfd^ieb i^^f^^^ SBerßanbunb 
SBiKen in ©Ott, feinen realen (Sigenfc^aften , in bai 
fiarlße Sielet ju fießen fu(^t, n^eil er in jenem bad 9lot|^ 
loenbige, in btefem t>ai sufäQig SSerurfad^enbe ttWÜ 
ditn be^megen ^ält er ben Unterfc^ieb {toifd^en bem SBif^ 
fen ©otted von ftd^ unb feiner 3Bir{famfeit nad) aupcQ 
SE)ermttteIß feinet SBiQen^ für einen n)efentli(^en fJttnIt 
ber t^ologifci^en Unterfu(]^ung , toeil jene beiben ^ludtt 
in bem begriffe ©otted nic^^t ununterfd^ieben gelaffen tvec» 
ben burfen; in einer anbern gorm aber lefirt x^m Usß 
feite Unteufd^ieb au4^ tokUx jurfid; wtnn er ben äh\^ 
luten.unb ben georbneten SBiden ©otte^ trennt/ eine 
gorm ber Seigre, koel^e bod^ jugleic^ au^ barauf ^tt* 
weifen fott, bag koir üter ben Untcrfd^ieb jwifc^en bew 
uot|>toenbigen SBefen unb bem jufäKtg t)erurfa($enben 3SiU 
Un ©otte^ bie ^inf^eit beä iBerßanbeö unb Ui SQSiden« 
in feiner geijiigen ©ubpanj nic^t üterfef^en biirfen» 3lo$ 
entf(|iebener aber tritt biefe« et^ifd^e ?5roMem in ben ®p 
genfagen f^eroor, voelcfie toir bei Setrad^tung ber toett^ 
liefen S)inge feß^alten unb t)ereinigen müffem ^udge« 
lienb t)on ber Slufgabe ber S^^eologie un^ ben SQ3eg jun 
^eile 5u jeigen forbert er fiienger aU aUt feint SSor^ 
ganger alle Sebingungen, mli^t f^ierju erforberIid[^ ftnb. 
S)a verlangt er beu ©lauben, bie Hoffnung unb bie Siebe 
©otte^, burdf^ koelc^e xoix bem unenbti^ien Ob/ecte und 
jumenben mit ber ^wtx^xifyt ti errei^en ju If nnen, ^ux^ 



467 

UtU^e kvir ti an(fy wixUii^ ergtetfen in «nferm ti^tntn 
Wiftin, mit bec @rlm(^tung m^mi SBetfionte«, aber 
ni^tminbtt bnx^ bie übtxnat&xli^c Sirffamfeit ©otte^, 
tn tt>e(d^er er fein unenbli^eä SQSefen und mttt^eflt ttnb 
iit tiefem . SIcte ber SDtitt^etlung unb be« Empfangend er^^ 
tmft ful' bte unenbltdj^e Snq^fänglid^feit ber enbltd^en 
Scfen btefer Sßeft, n^eld^e bem ftttlt^en Steid^e ®o»e« 
ange^fren« - 3n biefer fetner et^tfc^en fRi^tanQ befettigt 
2>tttid @cotud ade bte @(|^ranfen/ mi^t man bem S^r^ 
flonbe ber ©ef^pfe fiatte aufbringen tDoUen. jDte ®rabe 
ber nottlrltd^en 2>tnge fd^reden t^n ntd^t ab bem ^tn^ 
fehlen ünt gaffungöfraft für iai ^i(fy^t iuiuetgnen;.benn 
fein äSerfianb mu^ feinem SßtKen entf))red^en. 2)er SRenf^ 
fttfft Sterin nic^^t tiefer aU bte Engel. äBenn er an^ 
feinem @ein nad^ ben @efd^c))fen angehört; fo fann er 
bCNl^ ben ©ä^öp^tx faffen; ber ä^erfianb fann ^i^txti 
erfennen, ald fein @ein; nur t)erfȊltni^ma^ig mu^ er ge^ 
bilbet fein 2U bem unenblid^en £)bj[ecte; mit n^el^em er 
unmittelbar unb in feinem ^nnerften A)ereinigt if?« SBenn 
t9ir bie Slnorbnung bed t^eologifc^en @)^flemd fiberfepeu; 
wie jDund @cotud wn ben {tttlicfien Sorberungen aud^ 
gei^i unb auf fte immer n)ieber iurödfommt, fo n^erben 
n^ir iii4^t anfieffen fiierin bie flärffien 93en)eggränbe feiner 
8e|fre anjuerfennem ^ier|>in fiatte ia üUx^aupt wn i^ 
per bai^ S^riflentf^um gen^iefen, baß im ÜRenfd^en ia€ 
gotttid^e Seben, im Enblic^^en t>ad Unenbli(]^e {t(| ^oHiit^- 
Jfm foKte. I)und @cotud befeitigte nur bie SSorurtbeile 
feiner Vorgänger , aU totnn l^ierju eine (Sx^i^unQ unfe^ 
red 9$erm$gend, eine 3ngabe )u unferer 9latur; eineEnt^ 
(rfiünng aud mi felbfl verlangt n)erbe/ inbem er iaxtynt, 

30* 



466 

iai etlutfd^e $toUem f(^Ite^t ft^ bavan auf bat (Sngfle 
an* SQir bemerfett bie^, noenit toix jenen Unterf^teb in 
©Ott mit einem Unterfc^iebe in ben ftttli4)en ©efc^opfen 
t>erg(ic(ien feffen, tt>enn wir erfaf^ven, baß e^en bedive^ 
gen 2)4ittd @cotud ben Unterfd^teb itoi^äftn SBerfianb unb 
Sßiden in ©Ott/ feinen realen Sigenfc^aften , in bad 
ßärfße Sic^t ju fieUen fuc^t, n^eil er in jenem iai 9iot^^ 
ivenbige, in biefem t>ai jufäQtg SSerurfad^enbe erlieft 
Sben be^megen ^alt er ben Unterfc^ieb {toif^en bem äBif^ 
feit ©otted von {t4^ unb feiner äBirffamfeit na^ außen 
soermitteiß feinet SBidend für einen tvefentltc^en $unft 
ber t^ologifcl^en Unterfu(]^ung , n>eil jene beiben fünfte 
in bem begriffe ©otteä ni^t ununterfd^ieben gelaffen tott^ 
ben biirfen; in einer anbern gorm aber le^rt i^m ber^ 
felbe Unterfd^ieb ani^ toititx jurüd, wtm er ben abfo^ 
tuten. unb ben georbneten SBiden ©otte^ trennt/ eine 
Sorm ber Seigre, n^elc^^e bod^ iugleic^ au^ barauf ver^ 
toeifen \oU, baß n^ir über ben Unterfd^ieb jn^ifc^en bem 
uotfiU)enbigen SBefen unb bem jufätlig t^erurfac^enben 3&iU 
Un ©otte^ bie @ini^eit be^ iBerßanbea unb be6 SOBiDend 
in feiner geiftigen ©ubftan} nic^t uberfef^en bfirfen. ißod^ 
entfd^iebener aber tritt biefe^ et^ifcf^e Problem in ben ©e^ 
genfägen ^tx^ox, voelcfie toix iä Setrad^tung ber totlU 
tieften S)tnge feß^alten unb t)ereinigen müffem 9u2ge^ 
{^enb t)on ber Slufgabe ber S^^eologie un^ ben SQ3eg jum 
{)eile iu 2eigen forbert er firenger ali aUe feine S3or^ 
ganger alle Sebingungeu/ mli^t ^itxin erforberlic^ {tnb* 
X)a «erlangt er ben ®lanUn, bie Hoffnung unb bie Siebe 
©otte«, bur^ toeb^e toix bem unenbticfien Objiecte und 
lunmiben mit ber Suoerjtc^t ti erretten ju fonnen, buri^ 



{ 




467 

tUkVfyt toix ti aui^ toixtti^ ergreifen in iitiferm tigeiteii 
SBtCCen, mit ber Erleuchtung unferetf Sßerflot^e», aber 
nicfit minder bur^ bie iibernatärUd^e SBirf famfett ®ottt», 
in mi^tx er fein unenblid^eö SQSefen mi mittj^etft« Unb 
in biefrm . 9lcte ber 3Ritt$ieiIung unb Ui dmp^anQtni er« 
tmft fi^ bie unenblidlie Srnpfäitgti^feit ber enbltd^n 
Sßefen biefer SBelt, meldte bem ^Itc^en Sleid^e @otte« 
angeboren» 3n biefer feiner et^if^en Stitl^ng befeitigt 
2)tttt« @cotud at(e bie @4iranfen/ xcü^t man bem I3er«^ 
flonbe ber ®ef(p))fe ^atte aufbrftngen woUtn* jDie ®rabe 
ber natürltcfien 2)inge fd^retfen i^n nid^t ab bem 9){en« 
fd^en eine |$affungdfraft fär bai $j#e gu}ueignen;.benn 
fein 93erf}anb mup feinem äSiden entfpred^en« 2)er äftenfc^ 
fe^t f^terin nid^t tiefer ald bie (IngeU äSenn er anify 
feinem ©ein nad^ ben ®ef^o))fen angeffort, fo fann er 
b0il^ ben @d^o^fer faffen; ber SBerftanb fann ^^^ere« 
erfenneu; cid fein @ein; nur ))erfiä(tnigmaf ig muß er ge« 
bilbet fein }u bem unenblid^en £)bj[ecte/ mit t^eld^em er 
unmittelbar unb in feinem ^nnerfien «)ere{nigt ifl* SBenn 
n)ir bie Sinorbnung Ui t^eologifc^en ^^^mi überfei^en^ 
wie ^und @cotu^ )^on ben ftttlic^ien e^orberungen aui^ 
gel^f unb auf fte immer n^ieber gurödtfommt; fo n^erben 
mx ni^t anfiej^en hierin bie ftärffien 93en)eggrfinbe feiner 
Se^re anjuerfennem ^itx^in ^atte fa iiber|fau))t von je« 
l^er ba& S^rijtentf^um geu^iefen, baß im SRenfd^en bad 
göttliche ititn, im &iHi^in bai Unenblid^e {I^ »oUite« 
l^en foUte. I^mx^ @cotu^ befeitigte nur bie SBorurtbeile 
feiner Sorganger; aU wenn ^iergu eine Srl^^^ung unfe^ 
xti Sßermfgenö, eine 3ugabe gu unferer 92atur; eine@nt« 
rfiifung ani mi felbfl verlangt werbe/ inbem er iaxt^nt, 

30* 



468 

tap tmfer (Sxttnntn ®otM wn Seiten unferetf fßttv^^ 
Qtni nur ein mt&xli^zi, bap adeö 3ufä(lige Um 9lPt^^ 
ivenbigen «>er^a(tni^mä^ig gugeorbnet fein muffe, tvie bad 
Seibenbe bem Zpati^tn* 

Siefett etf^ifd^en ©runbiug feiner Se^te wtxim toit 
übtxaU bur(^ feine meta))^9flf(^ett ®runbfä(e unterflft^t 
finben, n>o nid^t etwa feine fi^ilofo))ffifd^e Sinfi^t burc^ 
Snl&equemungen an bie Überlieferung getrübt wirb* SBir 
erfennen i^n U)ieber in feinen Se^ren über bie Qntwiäf 
lung ber ^ernfinftigen @eele aui ben niebern Jhäften ffer«* 
aui, bie an ba^ @innlid^e unb SOlaterieUe ftd^ anfcfiließen ; 
benn bie 9lot|fn^enbigfeit ber materieQen ©runbfoge n^irb 
fär alle iufäUtge £)inge angenommen, rotii bie 9){aterie 
nur ba« @ubj[ect bed 3ufa([igen ifl« SQBenn i^m au^ ba6 
©inntic^e afö ettt)a« erfd^eint, tt)a0 t)on ber ^nteKigenj 
abgefonbert n)erben fonnte, fo iß er bo^ ba)[)on fibev^ 
geugt; ba§ n^ir in unferm fttt(i^n Seben erfl t)on i^m, 
)»om ©innlt(fien aud {u ben ffo^ern ©tufen ber (Snttt>iä^ 
lung gelangen f^nnen. @o foll au^ bie ftttlic^e S^ugenb 
ber t^eoIogif($en aU S3ebingung ^orangeffm äim ^axU 
fien aber brudt {t(^ ber {tttlic^e ©inn biefer Se^re tn bem 
!Berffä(tniffe ber Unterorbnung ani, totld^ti bem 93er^ 
fianbe }um SiKen gegeben n)irb* ^ai ftttlicfie Seben alA 
3wed fod über iai tf)eorettf(^e ^tx^djtn, ba^ t^eoretif($e 
i^Un nur ein !D2ittel für ben @enu^ ©otte^ fein, wenn 
gleid^ bie Hnfd^auung ©otted al^ notf^menbiger S3e{ianb^ 
tbeil ber ©eligfeit gilt hierin ijl ber 3nbifferenti^< 
mud be« Dun^ ©cotu^ gegrünbet, ber mit ©(^arffinn 
entmidelt in)ar au(^ nur al^ eine einfeittge S)arlegung 
bed SJerjwttniffe« jwif^en SSerjianb unb mUm angefe^n 




469 

n>erbett tarn, a(er of^ne 3^{fel ffiv bie ^ntmiif (ung be« 
et^tfc^en ®e{fie^ in Uv Stix^tvXifyxi ein gottf^ntt tvax, 
Ux ni^t Mibiübtn bnrfte« 

S[(er unfheiHg ftnb at(e bte Seiten be4 3)un^ @co^ 
tu« in {prer et^ifc^en unb nieta)>$9{!f(|en Senben) nur 
fe|fr allgemein gei^altem di fe^ft i^nen an einet leben« 
btgen 9nf(|fanung, an einer fru^tbaven Slnn^enbnng auf 
ba« (Sinjelne. jDa^er bleibt jDund €cotttd faß nur bo« 
bei ^e^en, ba^ bie notl^wenbige Urfad^e sufSOg t>erur# 
fac^enb aUti in ber 98eU unbebingt in ber SRannigfat 
tigfeit i^ter S^cltigfetten burc^bringen unb bel^erf^en ntäffe 
nnb bap t)on ber anbern Seite bie bebtngten jDinge im 
Staube fein tt)erben hai unenbtid^e Object in Setßanb 
unb SBiKen ju ergreifen unb ^u faffen ; n)ie aber bfefer 
9roceß von beiben Btittn ft(^ t^oQjie^e, botfiber ftnben 
t»k bei t^m nur n^em'ge VSinU^ 2)e«n)egen muß i^ni 
tie ^offenbarte ^Religion an titXtn Stellen )um JBeweife 
bienen, wo man glauben fodte, baß ©rfinbe ber S3er« 
nun^ au^rei(|fen n^firbem 2)ie ®rfinbe tiefer (Srf(j^eittung 
liegen eben fo fei^r in feiner ftttH^en/nn'e in feiner me^ 
tapfiyfifd^en äfnftd^t ber 2:)inge« 3ttbem er bie SSett aM 
einen ftttlic^en ^roceß begreifen mottte ; erfdfiien i^m ber 
emige SRatHc^Iuß ©otte« aber bie SSerbammten xoit eilt 
unattf(j(4It(]^e6 älätpfel; ben ®egenfa(^ )tt)if(^en ®utem 
unb S86fem; bie Tlot^fwenbigfeit; baß er junä^fi in 9e^ 
jie^ung auf. bie Seflimmung ®otM aU ein )>erfonIi(l^er 
gefaßt tt)erben mfijfe, f^nnte er nicfit ubertuinben; l^ier 
)oerfagte i^m feine ÜKet^obe bie entgegengefe^ten begriffe 
aii )>erf»a(tntßmäßtg i einanber jugeorbnete ®Iieber )u faf^ 
feUf benn la€ Sofe nur alt ein 9}{ebere6 in ber; Untere 



470 

orbnung bev Segrtffe ober ber ©rabe ober mx aU einen 
^Kongel 3U benfen , bo^ ließ eben bie €törfe feinet tt^'^ 
fc^en 9ii4)tung nid^t )u* S)a na^m tt feine 3uPn(|t )U 
bejn a^foluten SDSiKen ®otHi, xotld^tx ifim toie ein tief 
iBerborgene« aber bent georbneten äSitten fci^webt 3li^t 
minber mürbe er na^ biefer ®eite von feinen mtta'p^^^ 
ftfd^en ©mnbf&^en getrieben. 6eine ÜRet^obe bie @(iey 
ber feiner ©egenfäge burc^ einanber tvec^fel^meife )u be» 
flimmen (&tte i^n ba^in fuf^ren fonneii ben 93egriff @ot^ 
tti nur in feiner . S3e)ie^ung jur SBSett }tt f äffen ; eben 
bafiin »>&rbe er an^ gefommen fein, totnn er jheng baran 
ft^ Q^^ttn Ifätte, bap n)it auf ben ^Begriff ©otted nur 
pon ber (Srfa^rung ber tveltli^en SDinge geführt n^erben; 
«be? feine t^eologif^e SRi^tnng $atte au$ unobfiangig 
i>on aKen biefen Setradj^tungen ben IBegriff ©otte^ im 
9(uge« .^ott ifl baS SSoIIfornnfene; in aOen biefen 'ipdi^ 
Ud^en jDingen ^ot er bo^ nur tn tiln>cah)Tnntener SBeife 
ft(ff. offenbaren Unntn; {te ftnb nur bie 3eic^en feine« 
}ufallig n>irfenben fBiUtni, nid^t feiner unenbli^en Sil» 
maä)t, feine« abfoluten SSiflen« unb SQBefen«« @efbft 
jiene SWet^obe mit ben ©egenfd^en }u.S)erfa^ren, fonnte 
t^m nun eine Sefiatigung biefer ©ebanfen f^erbei^ufu^ren 
flauen. S)enn i^r liegt bod^ ber ©ebanfe gum ©runbei 
baf bie SBa^rl^eit ni^t in ben ©egenfä^en unb in i^rem 
gegenfeitigen SSer^ättnß . erf(i^$)>ft fei, fonbern in beut 
©ntnbe berfel^en, tt)eld^er aber, i^nen. frei fcfiKoebe unb 
erfl. bur($t'äBa]^I bo&u.ft^ beflimtKe in einen folcfren ©e< 
genfa$ einzutreten unb i^n jU: begrunbetu S)ie« iß ber 
myflifi^e ©ebmtle;. n^I^en 2>un« @cotu« in «)erf$iebei« 
neu gortnen bar^fteKen firebt/ tvelc^er i^n antreibt auper 




AU 

ber Offenbarung ®oHt« in Det SSS^ett itod^'-^gsie frS^c 
Ofen^vung in bec Slnfd^uung be« uneiiUi{|alvJDbjyprt^ 
ju ijroffen unb einen 93orf(^maif berftlSen fürbic «Ite* 
'btge 6eelc ju fotbern* ■ < ■ : v * •'-vi .' '/'»h':^ -'-tlrivis 
hierauf berul^t e«/ bap et tei aOet'fäntrtrogmtttiit 
f(^en Strenge ba« n>eU({(|^e (£r{enneit mit'ffef^tif^en.lS^ 
gen 6etra(|ftet, j[a alle« tfottaiH^t ^htn im^ineff farit«) 
® egenfa^ gegen feinen t^eiAorgenen ftiem«tfirS#eii (SivätH 
fe^t; n)ei( ed nur «inen süfftDigen 3«i|animAl$ang 3nit 
@otted 9Befen pabe, nur ein sufAafge^'.SKitttt ffo: M 
®nabe ®otte6 fei. ^o^ bet eeite bei;:fatfU^^ »li 
trac^tung ju tritt biefe 2>enfioeife> bef^nbittvffasrf'^a^ui^ 
tt)d( biefe @eite bie gforfc^g bed ^utt "Scotu^boik 
i^erf(^enb ^c^aftigt« jDod <Ein)eIne/>beflfen^0(NIv«)fev$ffr 
an betreiben falben, ifi in^ feinet XSigiei^filnliiJ^ )f ttt- 
unferer gegenmartigen 9S3iffenf($aft bod^ .|iid|(«'j^^grftQA 
ben; ben SSiden ©ottetf in feinem unbebingten SRatf^fc^Iug 
Aber ©ered^te unb Ungere^te, ba§ er au^ tai Sofe )u^ 
IS§t; f^nnen xoit ni^t : bereif eti^jbafjttJi^r Unfterblic^^ 
feit unferet ganzen ^erfon un^.beflimtnt bajt/ fpn^en )i)ir 
ni($t bemeifeU/ totm xoix au^i einfe'pen, ^a^ er unfern 
SSiden auf ^^ gerietet ^aUn mu|; fo t)er{le$en tt>ir 
boc^ fein ftttlid^e^ @efe^ mä)t, ni^t einmal; wie er Mö^tH* 
lenfann, bag n>tr ade uttfere^'9{ft(^^ :{{eben4inb<(|nen 
ba« ®ute n)finf($en; n^et^e^ er i^ettLiümiXfKttvt^erf^. 
|^at> bie aXittel ^ux etiiiUitr^mtöft \tiK^^^ft9 ftWj 
fdfireibt; «rf^^einen un4 b(dme|ipiald/n)ifit(h:fi^i> imb/iiMt 
bun^ abematurlid^e Cffenknrung- fonwtn^^gA^ili^ttiibfifite- 
jurei^enbe jttoft erfennien^ ^ So/grtinlbet'^ftlr/tibetaO bie- 
9tot|^i^nbtg][ei^ Ui ^mi^ti^ar(b0m^»^nitia^^ 



472 

tar(t4^er SSetfe unerforfd^Ii^eii 9Btacn ®otte«, fa t>it 
gange ^tür toiU^t nur gum ^xM für btefed J^anbeln 
brfitmrat i^f ^at einen folgen unerfotrfc^Itd^en @tunb* 
2)a]^e( bfitfen U)tr auc^ nur ))on ber Sj^eologte bte und 
noti)n)enbige ätuffl&rung em^arten ; bte mUli(fyt SBiffen^ 
fi^ftft aber bient t^r nur )u i^xm not$n>enbtgen ©egen^ 
fo^e unb gu ber 93egrünbung ber äberjeugung, ba^ toit 
bei t^ ntd^t ^e^en Meife^en, fonbern bte X^toU^U fu^en 
mfiffen« Xud^ fie jebod^ foK un< nur einen 93orfd^madC 
bW fettgen ©trauen« unb ®enie^end ®otte« geben; )>ott 
bem (Sebonfen, baß «Dir ben ®lmUn begreifen fdnnten, 
ifl S)ttnd @cotuj no(i^ tt^eiter entfernt; aU Z^omai t)on 
Slquiiio» ;SBetttt bie Offenbarung mi S93i{fenf(^aft ge^ 
währen mVlit, fo n^firbe. fte biel nte^r lehren mfiffen, 
9iel n^eniger-praftifd^ fein , biel mentger auf @rmal^nun« 
gen f d^ einlafifem , 



mtvM Kapitel 

2lbn>eid[iungen wn ber fpflematifd^en Slu^bilbung 

ber S^eologte* 



I, 



: jDer gitoße 9Iei$t]^nm an )M^i{ofo^i^if^en Unterfud^un^ 
geii> n^eld^n.bad 13^ 3a]^r|f. barbtetet; pat una aJ^äßt:« 
guttg unb Sefd^ranfung in unfern SDtittjpeilungen geboten* 
SRoge ti un6 gelungen fein ))on'ben ci^araftenfiifc^en 3ft^ 
gen nicbt« äbergangen }u ^aitn. Sßer bie t^eologif^en 
@9fleme, mU^t: t»ix gemuflert l^aben, im ©angen gu 
fibcrbifclett vermag; .wirb ni^t anpejn in i^rer Sinfeitig«^ 



i% 



473 

Uit ben Ütim i^xti 93erfa((6 ju erfennen. W>^x nx(fyt 
aUein in tffnen fel^fl mac^t er ft^ Unntii^, fonbem n>tr 
fepen neben t^nen au(^ anbete ffti^n^tn ber Sotf^^ung 
entporfirel&en , tveld^en in btefen Si^fiemen ntc^t i^i: wütt 
Sted^t tviberfupr. SSenn bergteic^en oud^ ][e$t gurfidge^ 
brangt ti^urbe, wax ti n{d[^ gu emarten, baß fte fpäter 
gegen bte unbiOige ^erf^aft bet äbennad^ttgen 2:^eoIog{e 
fi^ ttmpixtn tDfirben? @d^on gu j[enev 3eit ffätte man 
bte %mU gewahr tt)erben f^nnen, beren <Snt))orfommen 
ben ^erfd^enben t|!eolPgif($ett ©yflemen t^ren Untergang 
bro^te* 

L Stoger SBacom 

jDte Sfrabtfii^e $pttofO))|^te, auerfl bur$ bie Seßrei&un^ 
gen in SDtat^ematif unb 9{aturn>tfrenf^aften eingeführt, 
^otte ni^t allein in SlI6ert bem ©roßen bie m^U^itt 
naH^ biefer @titt gelenft $Iu(| anbere ^anntx berfelben 
3tit, tt)ie 9loger Sacon, $eter wn Sfpono, ber Slrjt ^x* 
nolb t)on SBi((ano)[)a , weld^er bad SInfepn bed 9l)[)icenna 
gu bejheiten toaste, ftnb btefern 3uge gefolgt. Unter ^ 
nen ^at mit 9ted^t feiner me^r bie Slufmerffamfeit ber 
92euern auf ftd^ gebogen > al9 ber guerfl genannte«^ 

2)er Sngldnber Stoger SSacon, gelBoren 1214 gu ^U 
cbeßer, bem Sranci^canerorben ange^Srig, gu JDxforb 
unb^art^ in ben SQSijfenfcf^aften gebildet, getd^nete {t^ 
inx(fy tin umfaffenbeS @treben na^ fienntnijTen au^, 
wti^t Aber ben gett>o^nU(^en ©eftc^tdfrei^ feiner 3^it 
(hinaufgingen« S)te ©ebred^en ber @^ule fannte er too^t 
unb ragte jte freimut^ig« dx forbert eine größere SWan^ 
nigfaltigfeit ber Äenntniffe, befonber« in ben. ®^xa^m, 



i 



474 

in Ux SRat^ematit uub in btx 9{afutfunbc. (Sr fu^t ju 
geigen, toit aud^ ber ^tu^en ber Z^toXo^it fte ev^eift^; 
aUx n^enn er in ba« (Sinjettte eingeigt, tritt an bejfen 
etede foifl fii&erad ber 9tu^en für bei« praftifi^e Seien« 
972an fann ^ä) ni^t entsaften in biefem 3w ^^ ^9^' 
rafter be6 &iglanberd gu ai^nben« @r (efonberi |^at bte 
Slufmerffamfeit ber 3la^tüüt auf i^n g^ogen» 3n ber 
^at wctat^ Sbacon jfenntriiffe; n)el% }u feiner 3rit 
üngett^oi^nlid^ iDaren, fipric^t a(er no^ me^r Hoffnungen 
mi, wn beren (Erfüllung feine ^nft nnb feinde SSifTen^ 
fc^aft tt>eit entfernt war 0» @ine in ba« Ungef^eure oufr 
malenbe ^^antafie, tt)ie jte bem SKittetolter nicfit fremb 
ifl, fc^eint babei bem ©acon jur Smpfe^lung feiner wnf^ 
fenfc^apti^en SSorKebe bieneh }tt foflen* Wlan fönn ^ 
ni^t wunbem, baß er barftier in ben Shif eine« '3*«* 
Bereri gefomntcn ifi nnb feinen 9Jamen nod^ me$r bee 
©age, in n^etc^er er tint a^nli^t SloDe toit unfft ^^P 
fpiett, aU btr ®ef(^id&te etngebrürft l^at* Qi mag ^Jierin 
ein ©runb liegen ; baß bie ©efd^id^te feineö 8eben6 fejr 
bunfel ifJ» SD?an iDeiß, baß feine Orben^brübet ijn eine 
S^it tang gefangen yiüttn; über bie ©rilnbe ^erf^en 
ieio^ nur Serwut^uhgen» ®aß fte, xoit angenommen 
tt)orben ifl , in ber freifinntgen ©ejireitung ber iird^Hc^en 
^ntmtattn ni(^t lagen, gel^t Mi feinen ©djiriften beut 
K($ l^eroor, in t^t\ä)tn er ni^t unterläßt aU einen treuen 
6o^n ber Sfirc|e öberaü fti^ ju befennen. 

Ser bebeutenbße S^^etl feiner »iffenfc^aftlic^en ?(riei' 



1) (5. bdrfiber ©teffcn^ pcicm. ^Vdil für 53eförb. b. free. 
9)Jpf.I 6, 14 ff. 



475 

tot liegt au^ac.btt Qmo^nAv^mMx^mi feiner ml bet 

wb|$i:<f0tsimben.3t{t, unb ffiärut ifi.itti^dtts Ut^mpt^ 

iiutü^ipt^ foi^i man^egen fte ]^etna$lSfftgt totytben fiib>); 

ir^^f iH4rt eben titt^ äittbcify mt^x gef^riefon; a(^ 

mmrfßt .tscuita tooUm fBiat ton 9oit ifyox iitft^en, 

k)ei<i^<t ttt«r.bte 9M(^tnitg feine« ®eiße« fe^r bentlt(|», 

l&$t ^oMr'totli iii^ mit @i($er^eit al&ne^men, tt^ie u^t 

m3^0tii^ 91p: 93ett)itftff in gebrad^ ffatte^ \ 

;.:Sfbi^|k(iaii'fetnfr ®i^rtften m'rb man l^olb ben fd(« 

fUnUgot &ii^Ui 3ftannti erfemien> iD^I^er mid^t al^ 

leitt n^e :Suaft(fiten gtt faffät tveif^ fdnbern an$ bie 

arteit gttt7Ätt«f8f«rttttg ni^fc fc^ent 3$n jdc^net ^ox^ 

ißiß^ 'Mt, bof errnrit t)()iiatt4f(^ttenbenr Sttde tie brei 

aNfettf^e» )3H)r aHet ftbrigeti emi|»fiett^ j«)eU^e:{'beit 

fifUwi ^r^tittberttit'fett/^er ^genonnte^ 

4^ ttnen nctim ^ti itA ^px^toi 

I|||r^^ |)cdftett| kkrr®))ra^ttbe, .bie SKa^etiiMtf unb 

^j||S^9|K> mdld^e dtuf 93eVM^9 ttnb /{Bct^- (ettt^t; 

'Stoim ^jeibe befonbera ber Reiben le^fmt ift ec i^ott. 2>ie 

9M||etta((tfemit)f[ett c]r <itö bic et^e tmb< {»(^tef e 93iff 

fmfd^ltv'ittt^ n^dd^er:. A((e ufoige (Srlcntthti^ bentffe, n)jet( 

bie iDvantiffit imdjir b^t. ®n(flanir bie etfic itnter best M^ 

t^^eu iflv wdl :ft«it 7ba«.tj®(#igß unb SnHge Hfit }m^ 

bvtß ^(tepeijfid^e imb 3i»öli$e ccfemieii^: n^eil : bie >a)^«^ 



1) ^CtUpttDerf ifi ta^ opus maiiis d<«l £ieiB«nl«m 1V(> Ed. S. 

Jebb. LiMid. ;11f32 ioL' Senigi bebeuiet bie epistala de »ecretis 

of^ribu» ,arlis ]«i Datiirae .et: 4e nuUkate.sfta^e^ "Qp« XOce, 

Hamb.ims, filft i^mfelbett fl^ ;de$<|kitf&eit. , ^«beirer.^tiftftt 
(oJbe 1^ nit^i 0e{e|iit; not^ beti ^itedi f^etncn fk tiir. S^e be^ 
opus niajus ^u fein. 9{0(!^ iti^^t gebtttdic @d^ifi^in'^M^*Q^oiifin 
anfgefunten. 






476 

matif oUeitt einen toasten ißwtii getoa^en fott ^}* 2>te 
(Srfa^ng aitt benft er ftd^ alt bie Crgäniung ber 9Ra< 
t^tmatit; o^ne {te la^ fi$ ni^ti outfreic^enb etfennen; 
berSemetd genfigt ni^t; erß bte (Srfal^rung, ba^Sd^nen 
ber Wiixtlii^ttit beffen / toai beriefen tt)orben , beruhigt 
ben ®eift. S)a^er tfl bte Srfal^mng bie ^errhi Aber aUt 
Spttvlatiu SBifTenf^fien ^3. SlRan bemerft^ baß bte Se^re 
be^ flvi^otüt« i^tt SBirfung ^at 9ti>ger Sacon beruft 
fti^ auf fte^ inbem er bemerft/ baß n^enn Xri^otelrd ben 
SSeweid att ®runb ber SBifTenfclaft anfeffe, er babei bte 
(Erfafirung ali ®runblage it« Sen^eifed t)oraudfe$e ^3. 

di ftttb btefe Se^ren, wai 9leuere bemtod^t |^at ben 
Roger S3acon aU tai iDt{fenfd^aft(t($e ®en{e feineö So^x* 
l^unbettj )u ))retfem S>od^ toixi man bitttg fragen bfir< 
fen / ob fetne (2^pfe^(ungen ber 2Rat$femattf unb ber (£t^ 
faffrung t)Ott einer reifen: Stuftet in bie Sebeutung bit« 
fer SSSiffenf^aften au^gel^en* SDat)on f innen iDir uni 
nid^t flbergeugem 3u ii^rem Sobe bringt er ntetflen^ Sin^ 
geißelten iä, in n)e($en i^t 9{u$en ftd^ 6en)a^ren foff« 
Unter biefen ftnb bie meijien ober aufattenbfien fold^e, 
tt)eld^e }eigen; noie tief er^ gonj gegen bie SSorßellungen, 
ml^t man wn i^m «erbreitet l^at, in ben SJorurtl^eilen 
feiner 3eit berfhridt ifl. SBenn er bie Srfaprung loben 
t0iU, fo taßt er bie ^((fung alc^imiflifi^er 9tät^fel, bie 



1) Op. maj« p. 60; 62 sq. 

2) Ib. p. 445. Sine ezperientia nibil sufficienter sciri polest. 
Argumentum concludit, — — sed non certificat neque remo- 
vet dubitationem , ut quiescat animus in intuitu veritatis, nisi 
eam inveniat via ezperientiae. Ib. p. 465. Haec sola scientia- 
rum domina speculativanim. 

3) Ib. p. 445. 



k. 



477 

SBerlfittgecung btd Ce(en j , bic Srfenntniß bet 3ttfuoft, 
bte Umgeflaltnng ber Sitten/ bfe innere ^leuc^tung be« 
@etfte« in allen ®raben bed @(|auend butd^ i^re ^^fiIfe 
enporfen 0« SQSenn ev bie SDZat^ematif )>(ei{}; fo beti^eifl 
er itvor onc^ grfinbKc^ere (Sinft^t in i^re Seifhtngeii, 
aber «>or aüen jDingen i{l i$fm bie Slßronomie^ b* ^« bie 
Senologie ber Semei« fär i$ire SBortreffli^feit« Da« 3r^ 
bifd^e (ann man nur burc^ batf $immtif(^e, batf ^intm^ 
lif^ie nur bur^ bie SOlat^ematif erfennen ^3* 3^ar nn« 
terfd^eibet er falf(|e nnb ipa^re fRatf^ematif unb ift bem 
3lberglau(en nic^t vx ^^ feinen ® eflatten jnget^an ; a(er 
t^enn er Slutoritöten ber ftird^e ober be« ©ericfitötvefen« 
ffir ft$ ^^i, muffen n)ir un< if^n gefallen (äffen '}. SQSenn 
er ber äfhologie feine 6Hmme giebt, fo oerpinbert i^n 
«ücrbing« fein ))raftifd^e« SBejlreben i^r eine unbebingtc 
MiHgfett für ba« SBorpermiffen menfc^Iic^er «^anblungen 
|ii}ttfd^rei(en« Sie grei^eit ber ^anblungen foQ bemai^rt 
merben^ 3un)etlen meint er^ bie ®e{Hrne gäben nur 
3eid^ beffeu; n)a« ®ott burd^ freien SSiUen unb !Ratur 
3u ben^irfen befc^Ioffen ^abe* Dod^ iß i^m bie« xMjlt 
ade« ; ber SSide \>%i SDIenfc^en fott burd^ fte )U)ar nid^t 
genoti^igt werben, aber bod^ fiarle Eintriebe erhalten loA 
freiioiUig 2u tooUen, n)0su bie ©eßirne i^m bie Steigung 



1) Ib. p. 446 sqq. ; 472 sq. 

2) ib. p. 60. 3n feinet afhologifi^en Neigung (fegt ed^ 
tfe ®ef)»ne für ))ernänfti9e SQBefen %)x erHoren; aber er tt>iter'' 
fpri^t be^n^egen au(( ber 9»{t((t^ baf ber ^immel unberänberltc(^ 
fei^ benn um bie irbifc^en ^inge )tt erzeugen muf er in berän« 
b^Ii((fer üBeife toirfen. Ib. p. 383 sq. 

3) De secr. op. 1; 2. 



478 

erregen 0« S8atf er ^aUi ber %tti^tit bti SSiden^ t)t>r^ 
htpaü , tft ganj itnießtmmt ge^en. @eme aUgemeinen 
@runbfa$r ßimmett ber Slßrologie un(ebtngt'6eu 6r iu 
ftttittt fe^r entfcdieben bie STZeinnttg, ba§ bie ©efKme 
nur für bad Mgemeine forgen ; an^ hai S3efDobere i^itt« 
gen {te ^er)[)or* 93on bem J^immel auä, benft er ^, fhro^ 
Un bte n)tr{enben ^äfte aixi nad^ bem 3RttteI)mnEte Ut 
SSett, nad^ ber QErbe unb U^imvxm iai, m^ouf btefer 
{t(t^ erjeugt/ fo baß ein ftitx $unft ber 6rbe mte bte 
®f)t$e eine« ßegeld ober einer $i^ramibe feiger |»imm^ 
tifd^en Sludßralungen tf}^)« dx bringt babei auf bie 
))ra{tifd^e Slnkvenbung ber Slfhclogie* ^ein bebeutenbe« 
SBerf foU offne i^ren diat^ unternommen tDerben^ toeil 
ti^ nur in txw&^Utn 3eiten ^oUbxa^t n^erben fonne» @r 
(i0igt ti , baß Sfrifloteled z nad^ ^ einer untergef d^otieneii 
@<l^rift/ bem SKeranber gerat^en ^abt ofme 9lat$i htn^ 
Hfironomen nid^t iu effen unb nid^t gu trinfcm Qx fd[^ärft 
befonberd bie SQSid^ttgfeit ber Slfironomie für bie 2:^eoIo>' 
gie ein; benn burd^ ipre ^ftlfe Ik^tn ftc(^ bte t>erfc|fiebe^ 
uen @igent^&mlidiyfetten ber iBoIfer beßimmen ; man fonne 
burd^ fte bie 92ot^n>enbig{eit unb S3erfd[iieben|ieit ber U^i 
Sleligionen geigen unb i^nen i^r ^oroffop ßeBen^3* ^an 

1) Op. maj. p. 151; 156. Quamvis enim anima rationalis 
non cogitur ad actus suos , tarnen fortiter induci potest et ex- 
citari , ut gratis velit ea , ad quae virtus coelestis inclinat. Ib. 
p. 168; 189; 473. 

2) Ib. p. 181. Quilibet punctus terrae est conus unius.py- 
ramidis virtuosae coeli. Ib. p. 239« 

3J Ib. p. 114; 156 sqq.; 189; 246. Astronomia regulat 
omnia propter boc, quod omne opus magnificum debet fieriia 

temporibus electis. ^ü^ t)te ^rop^egeiuttßen einr^ S^ecUn u«f«tt)« 
iaUn Um grofen SBett^ Ib. p.l69. 



^ 



479 

tarn nid^t batart smeifetn, bap er eine ber $attt)tjlu$en 
bed afhrologifcfiett Sl^erglaubend^ gewefen tft ^ 

greiffdt t)om SI(evgtaa(en feiner 3eit tvetben tt)in>m 
alfo ni^t nac^vu^men f^nnen^ %n(fy )Don i^ren^ Slutoti« 
t&ttn tfi er ni^it frei« ^toax an SSSarnungen gegen ben 
fBliUxm^ ber äiutoritöt la^t er ti ni^t fehlen ; , fein 
gr jf ere« Sßerf fängt mit i^nett an , unb man ^at, U^oii^ 
berd für feine ^reifinnigfeit in biefer 9{i(|tung au$ feinen 
S03ttnf($ angeführt, baß bie @d^rif)en be« Sriflotele« nt^t 
Dori^onben fein m^c^ten; totU jte )oieIe inm Srt^um t)er^ 
führten unb in unauft^^Iid^e @d^^ierigfeiten ^txtoiüüttn* 
Vitx biefer Sßunfd^ ifl. nur gegen ik fd^Iec^ten fl^er^ 
fe^ungen gerid^tet« €r forbert fogar ben $abfl auf einige 
untergefd^o(ene ©d^riften iti Slriflotele^ ; ba« !8u^ ber 
@epeimniffe unb u(er bie l^imnilif^en SinbrudEe/ u(er# 
fe^en ju laffen 0* S03enn er bie @))ra(l^funbe empftelt/ 
fo ifi eS eben nur bedn^egen, beii er bur^i fte eine S3e^ 
reicl^erung unb S3eri^ttgung ber alten Slutoritaten ern^ar« 
UU 3nbem er bie falf(|e 9(utorität t)erfoIgt, n)i{I er nur 
ber rechten Autorität ber Siix^t, ben ffeiligen $^i(ofo))]^en 
unb $ro))^eten Sa^n bre^ien^ $Iud^ beruft er ft(|f überad 
auf älutoritoten nic^t aUein ber ^ird^e, fonbern aud^ ber 
$^iIofo))]^ie , nid^t allein auf ben älrißotele^/ fonbern aud^ 
auf bie SIrabert ©egen bie Slutoritat ftreitet er nur, m 
bem er auf Autorität jid^ flüftt* greiK(^ felbp Slrtjiote^ 
M iji ntc^t jum 3iet ber SOBei^j^cit gelangt; aber er unb 
feine 6(j)ute finb bo^ bie bepen göj^rer in ber f^ilo^ 
fopl^ie; jte fiabcn nur geirrt, weit fie \)on ber cl^ripKc^en 



1) Ib. p. 2^6. 



480 

Se^re ntd^t rrfeu^tet traten. (Sv'ftefft fitorl^att)>t tU^^u 
U\op^it üU ein Sßerf ber 9ro))$eten an, nne au^ tie 
^'r($en))5tet, SIrtfioteIed unb bte %xcAtx be)eugt ^fitten 0* 
®dne Seifte er^e^t ft^ u^ ben @t:anb))unft ber Seit 
fdne^tt^ege^* &tint $$fi(ofo))]^te ^at e« nur auf Sl^eolo^ 
^{e a(gf fe|fm S)te c^vi^U^t Se^re / n)te {te in ber fici^ 
Itgen @($nft enthalten i{}; l^barf nur ber (SnttoiiRun^ 
burd^ 3n^t im ftrd^Cid^en 9le(|ft unb burd^ Se^re in btr 
y ^flofo}>|fte um bic »ötßommene fSkii^tit ju gewahren ^* 
SlKeö Sßiffen n>i(( iffm nic^t« fageU; tt>enn e^ nt^t auf 
Z^toioQ\t angmenbet tverben fann* 9lur für btefe ^at 
au^ bie $ffilofo))^ie i^ren SSBert^, benn an fi^, o^ne 
Dffenkrung ffi^rt jte nur jur ^ößc ')♦ 

!Ra(|i biefen Äußerungen fann man nid^t baran ^mi^ 
felU; baf Üloger Sacon bem attgemeinen 3»$^ i^ ber 
wiffenf^afrticffen Sntwidlung fetner 3eit fotgt Slter bag 
er ti mit einem beutlic^ entmtdetten Sen^ußtfein ber 
©rfinbe t^äte, baran f(|ieint »iel ju fehlen. Über bad 
Scrl^altniß beS ©laufen« gum SBijfen, ber J^^eotogie jur 
55^iIofo))^{e; wet^e* bod^ i^ierbei juerfi in grage lommen 
»ßrbe, ftuben wir gtt)ar man^e äiußerungen bei i^m, 
aber fte jtnb ber allgemeinen Überlieferung entnommen 
unb l^angen ni^t gum Sefien gufammen» ^ntotiUn for^ 
bert er wofil einen ^mti^ für ben ©tauben unb biefer 



1) Ib. p. 3} 6; 8; 28 sqq. 

2) Ib. p. 2S. Una tarnen est saplcnlia perfecta, quae in 
Sacra scriptura totaliter contiaetiir per jus canonicum et philo- 
sophiam explicanda. Ib. p. 108. 

3) Ib. p. 42. Pbilosopbia infldelium est penitus nociva. — 
— Pbilosopbia secundum se ducit ad coecitateni infernalem. 
Ib. p. Iü8. Humana nihil valent, nisi applicentur ad divlna. 



k 



481 

foU tttc^t aUtin buv^ äBunber/ fonbent <md^ bnxify ^^u 
lofop^ie geführt totxUn. %uify toixi iohü ber ))rafttf(|( 
®ei{i ber Sffeologte anetfannt unb bie SDloral ald ber 
ctgentlid^e 3w^cf ber fpecttlattt)en GMenntniß an^fe^n^}. 
£)em «Deltlt^ett ^thm wirb alöbann {^^r fein SSBett^ 
m'd^t gan} abgef^rod^en , benn toix fotten aUmfilig €m))or^ 
feigen; aber ber B^ecf ifi bo^ SIbtfbtung be^ Sleifd^e^, 
t»tX^i nur nid^t mit ©etpatt gebroi^en, fonbern bur^ 
Übung gejägett werben foU ^* SBenn aber Sacon ))({# 
Iofo^f!if(^e Seweife bed ©laubentf ^txla%t, fo ))erffinbert 
i^n titi bo^ ni^t ju ic^anpUn, ber ©laube ntüffe bem 
SSiffen ))or]^erge]^n ; erfl ntfiffe man glauben; bann erfa^^ 
ren unb erfi ^nUit merbe man ben ®runb einfe^en Un^ 
ntn^% dim bied tfl ein SpavtptQxnni , weld^en er in 
feine (Sm))fe^Iungen ber (Srfal^rung Derflid^t, baß er auf 
bis p^^ern (Srfaf^rungen ft(^ beruft, welche Wir ma^en 
m&Ktn, wenn wir bie S93a]^rl^eit nici^t ber dxit ober be^ 
^imtaüi, fonbern t^rer ©rünbe in ® Ott erfennen wol^ 
len« ^i^t anberö aU bie SDI^ftifer weiß er ba ))on ben 
4>erf$iebenen ©raben ber Srleud^tung }tt erja^leu; burc^ 
wel(i[ie wir auffteigeu/ in mli^tn wir und reinigen ; um 
crfl ber weltlichen; bann ber t^eoIogif(|en 2:ugenben t^tiU 
l^aftig reine Spiegel ©otte* ju werben *)♦ (&x evfiärt 
fi(|^ .l^ieräber in Übereinflimmung mit ber Slrabifd^en $^i^ 



1) Ib. p. 41 ; t)er intellectus practicus tf^ etter a(^ ter int. 
speculativus. Ib. p. 47; 246. 

2) Ib. p. 116. 

3) Ib. p. 160; 465. Oportet primo credulitatem fien, do* 
nee secundo seqaitur experientia , ut tertio ratio comitetur. 

4) Ib, p. 354; 446. 

®ef(^. t, ^Mt. Vlll. 31 



482 

(ofopffte, ittbem tx itx menfc^Iicfien @eele nur ben lü^ 
benben fßtxftani in\^xtiH, ben tffatigen iBerflanb ober 
au^er i^x fe^t, nur baß tx benfelben ntd^i im Fimmel, 
fonbem in ®ott fuc^t ^}. SQBie bamit bie Sret^eit be« 
SSiKenö 2u soereinigen fem mo^t, iai (ebenft er 
f^terbei eben fo menig aXi bei ber SBert^eibtgung ber 
9fitotogte. 

ttberi^att)>t ftnben t»ix, baß er ben 3ufammen|^ang ber 
Sßiffenf (ba^en ; bie etgentlid^e Slufgabe ber ^^ilo\op^it, 
nur menig im Huge ^at (Sr arbeitet immer nur barauf 
f^in über bie SSiffeufd^afteU; beren !Bema($IäfjIguttg er 
beflagt ; jtt beren ^Betreibung er anf))omen mod^te , ben 
^od^ften ®lan) be^ Sobed )u verbreiten« SQBenn er ffir 
bie ÜRot^ematif ^pxxtfyt, fo iß {te ti, mli^t bie Urfa<ben 
ber jDinge mi erfennen laßt; n>enn er bie (Srfaffmsig 
lobt/ fo foQen wix o^ne bie (Srfafirung/ baß }n>ei fireife 
ftd^ fc^neibeu; feine Sinftc^t in bie 3lat\xv be^ gtei^fd^f«* 
lid^en ^xütäi Qttoinncn Unntn, fo foQ bie Srfa^rung 
ni^t allein bie (Srfenntniß be^ 93or^anbenen / fonbern 
aud^ feiner ©runbe mi getod^ren % Sei biefer (ej&ten 
S3epauptung fc^Iägt oi^ne S^eifel bie 93ermif($ung ber 
beiben Slrten ber (Srfa^rung; bed überftnulid^en nemlic^ 
unb Ui ©innlic^eu; )ur SSertoirrung an€* SBir mfiffen 
aber gefief^n , baß biefe ^Jroben feine Hoffnung machen 



1) Ib. p. 26. Intellectus agens non est pars animae, sed 
est substantia intellectiva alia et separata per essenti^m ab 

intelleclu possibili , ut ostendatur, quod philosophia sit 

per influentiam divinae illuminationis. 

2) Ib. p. 100 iq.; 445. 



k 



483 

in im ^anbfi^riftltd^en SQSerfen tiefe« ÜRanned eine fiebere 
jDur4»fft^rung feiner ®runbf&$e ju fmben» 

2}ied ^inbert jiebod^ ni($t feinen burd^tringenben 93er« 
ßonb in ein}elnen Se^ren an}uer!ennem Sr m'rb i^n in 
ber Stid^tung, wü^t i^n wx anbem feiner 3^tgenof[eii 
ott^jetc^net/ am metfien iewiefen pa^m* 3n ber S:pot 
ftnben n)ir in feiner Se^re fi(er bie SZatnr @&$e / xotl^t 
ipm eigentpmltii^ finb unb ^$n 3latfyitnUn fiier* bie !Be^ 
bittgungen Ui wtM(fym 2)afein< )ettgen«r $ier bringt 
er ottf bie Srfenntniß bed 93efonbem unb forbert; ba^ 
ti nic^t »weniger ali ba4 3UIgemeine SSa^rl^eit |fa(e/ ba^ 
ti ni^t oKein au« ber Serlbinbung/ aui bem 3ufammen^ 
treffen ber Mgemeinffeiten entfleffe, soerlangt auify, ba§ 
e« nid^t aUein auf bie SRittel be« Serfianbniffe«, f onbem 
auf ben SSerßanb fel^fl toirfe 0. 2>afier fc^eint ti i^m 
für bie Srfenntniß ber natürlichen jDinge not^n^enbig, 
ba§ bie in mi abgebttbeten formen (species) ni^t aU 
lein bie formen/ f onbem m^ bie ÜRaterie ber 2)inge/ 
alfo iai ani SDtaterie unb gorm {ufammengefe^te ©anje 
barftetten , toomit a\x^ bie 93e^au))tung in Bufcttnmenfiang 
fle^t/ baß unfer Srfennen ni^it aUtin ein 93erf unferer 
©eete, fonbern be« ganjen SRenfd^en burd^ bie ©eete 
fei ^)« (Bi beutet bie« aSe« barauf pitt , baß Sacon ter 
fTOaterie eine viel größere Sebeutung {stiegt, al€ ^xu 
flötete« unb feine Sln^Snger« 6r UpavDpM iapex, baß 



1) Ib. p. 3T1 sq. 

2) Ib. p. 365 sqq. Species substantiae non est tantum 

ipsius formae seu materiae, sed totius compositi. Hemo 

lotelligity licet per animam, et magis proprie et verins sie di- 
citur y quam quod anima intelligat in homine. 

31* 



484 

ttian ben @&$en Ui iTtftotele« in biefn S3ei{e^une eine 
falf^c S^tutung ge^e, unb tvcnbcf ftc^ bagegen ber 8e^te 
btS %-omoii yx, ba^. bie i^ocmen bn S>inge auä bei 
3)Iatetie {lerau^geiogcn tveiben. @tn (Id| äugerlii^ec 
a&brud bei Soi^ t» bei ^Ratene genügt nii^t, tveil er 
nur bie Obetfläi^e tei Singe (eifipien roütbe ; bie SBii' 
lung bei Sflatur bringt in bie S^tefe 0- VaM erttdrt er 
fi$ aber aui^ gegen bie Smanation ber gormen, tvelt^e 
avi ben t^ätigen Urfa^en 'hervorgingen unb .in ba« Sn* 
nere ber Materie etnbrängen, glet^fam nie wenn bie 
t^ötigen Urfa^en etwa» au» ft^ ^erauSIaffen fönnten 
unb t{ire SS^ättgfeit t^nen einen fßntuft biät^te. Sine 
foli^e Stnna^me betraute bie 9l(itur ald eine @i^(!))ferin. 
Unb nun befc^iänft er bie tSirffamfeit ber Urfac^en bar« 
auf, bag fte bie SRaterie baju eriegen fi$ felbft inner« 
It{^ buii$ bie in i|»i Itegenbe tt>ätige ^aft ju tjeränbent*]. 
(£r ge^t alfo no^ einen @^ritt Weiter aU Stvencc». 
3n ber SÄaterie fel&[i pnbet er ein tpätigeS SJcrmSgen 
fit^ fetbft ju »eiroanbeln. 2)ie[et tief tingteifenbc ©^ritt 
fu^rtnDt^tvenbig anbere Sbänbetungen gerbet. £>ien»i4' 
ligße ifi, bag Sacon. ft^ genöt^igt fte^t ni^t aOetn g^ 
gen bie Sineilei^eit, fonbern au($ gegen bie @i'n^eit ber 
SKaterie ju ftreiten unb bie f«)fre ju »erweifen, bag aDe 
aSetf^iieben^eit ber 2)inge wn ber gorm flamme. S)it 
geiüö|jnli^{n Slnna^men hierüber erflArt er gerabeju fäi 



1) )b. p. 3TJ. Aclio naiuralii esl in prefundo patienli*. 

2) L. 1. Gcneralio speciei — — oporlci Ceri — — pc 
vcram immumigdMlM|^aa|Wwil) de poleuüa icliva mateiue 
pilimlic.. . 




485 

beit größten 3rt^um in bm fpeculattoen SStffenfd^aften, 
für eine toaste ^e^erei; tenn ti toftrbe iaxmi folgcii, 
Dat Die SRatene mtnili^ fei, aOe tt^ätige l^rdfte in fUfy 
trage/ att($ nur eine gorm fnibe, j[a @ottfet^}« €o 
fe^en mir i^n meiter fortfe^en, ober aud^ iferid^tigen, 
n^ad ^^txxoti begonnen l^atte. SSenn teffen Se^re / traf 
alte Rtimt Ux kDeltlic^en Unterfd[ii^e in ber ÜJtoterte ur« 
f))rfingli(l^ f($on angelegt «>ären/ ali ein bebentenber gort« 
f(|fritt angefeffn werben barf/ fD toat er bo^ ie^oftet mit 
ben SlRangeln iti ^üaUimui, ml^t iux^ feine SMn^ 
berung nur bemerflic^er mürben, inbem bie SRaterie nun 
nicfit mei^r ali ein gänjlid^ Unbeflimmtetf erf^ien , fon# 
bern ali eine beflimmte Statur unb ^atfyt, na^ bereu 
))oraudgegebenen Anlagen bie Silbenbe ftraft ftd^ rid^ten 
muffe. 2)iefe SDta^^t ixa^ nun bie 8e^re ^acm^i, m 
bem er bie 9Katerte nic^t ali din^cit, fonbem nur. ali 
93iel^eit gelten ließ, aber no^ mei^r boburd^, baß er 
na^ cprißltd^er Se^re bie SDtaterie nur ali ©efc^opf QioU 
M betrachtete, ^ierburc^ {ließt feine Se^re »oix ber SKa^ 
terie in ber S:^at mit ber alten Se^re cffrißlic^er $$i(o^ 
fo))$en wn ben @amen))er^ä(tnif[en {ufammen, ml^t 
@ott in bie @(^ö))fung gelegt ^abe. 

3UIe biefe @ä^e ge^en auf bie ^a^fr^eit ber mltti* 
cl^en j&inge ani unb fw^en biefen ein fetbßdnbiged ®ein, 
einen mefentlic^en Unterf(|){eb unb eine i^nen eigent^üm^ 
lic^e ^aft ju bel^aupten. 3Jlan toixi iaxaui bie @tärfe 
ber Steigung ermeffen , welche ben S3acon jur Siu^bilbung 

1) Ib. p. 88 sqq. !Dte ^emejfe ftnt) ni(H audgefii^rt; mit 
Hr* «ii^t ^ietjet gctörten. SWan fönnte «««fünft über' pc in fei* 
; «qe^nkEten ©Stiften über f^^pftt unb 3^eta))$9ft! hoffen. 



486 

ber mUli^tn SBifferifd^a^ txkb. (Sine ®egettit)tvfung ge^ 
Qtn bte Ü^etgtmatt bet tf^ologtfd^en Stu^tungen fetner 
S^it liegt baritt Deriorgen unb fu^t in aHgemeinen 
mt{f<enf(^afib'(^ XSrunbfi^en fu(^ Suft )u ma^en* Siber 
et$ erfc^eint biei aüt^ nur tvie eine SBota^nbung beffen, 
t0ca funftige Seiten ju leiflen ^aien tt>äirben; unb erffidt 
ballet bie @eele Sbacon'i nur mit p^antafli^^tn ^opun^ 
gen« jDer tl^eoIiDgif^en 93orIie(e (td^ entgegen}ufe$en tDo^ 
gen biefe Seflreiungen nitfyt, ^iümt^x f(^met(|)eln fte t^r, 
inbem fte.in ben unermeßlichen fiteid ge^of^er (Stfa^mnf 
gen 0«$ bte mpfKfd^en (Erfahrungen einer Snfd^auung 
bed. ©amid^en jie^em 

2» aiaimunbtt« Sttllu«* 

. Stnen um t^ieled anbern (Einbrud gewähren bie 9m 
ßrengttttgen , loeld^e ber fd^m&rmerifc^e ®))anter Slaimun^ 
bud SuKud mad^te um ben SBiffenfd^aften fetner 3(it 
eine neue ©eftalt gu ge(em 3n $alma auf 3)?aaorca 
um 1235 geboren ^attt biefer 9J2ann/ aud eblem unb be^ 
gutertem ® efc^ed^te ftammenb , am J^ofe bed fifntg^ 3a^ 
cob nur ber tt>eUKd^en &u{l gelebt/ ber 2)i(^tfunfl unb ber 
ikH ergeben, um bie Sßiffenfd^aften toenig befämmert, 
ali er plSiili^ miüm im SSerfolg feiner Säfte burc^ re(i^ 
gi5fe Erregungen aufgefd^reift tburbe, in ft(^ ging unb 
bem jDienfle ber 9ieIigion ftc^ n)ibmete. ^rau unb fiinb, 
^au6 unb $abe \)erltep er um in ber @infamfeit ftcf^ ju 
fiävfen* yii^t^ (ag i^m na^er aU ber S3efe(^rung ber 
©aracenen ftc^ ju untevjiepen. Slber er ^lanitt baju ber 
SOSiffenfc^aft ju bebürfen« 2)ie ©rammatif unb ba« Sra* 
bifcjie ju lernen fiel i^m nidj^t iu fc^n^er; aber größere 



^ 



487 

@(|^tt)tenglettett fanb er in tzx jOurd^bttn^ung ber c^rifb* 
liefen ^r^entei^re, tpte fte but^ bie ©treittgfetten ber 
@($ttte t^emitrt; in {!4i burc^freugenben , unenblic^ ^ev< 
f^tungenen 93emetfett geUi^rt tt)urbe« (St fleffte ®ott an 
i^n gu edeud^ten» 2)a nourbe if^m in bem einfteblerifd^en 
Seben, tveld^ed er führte , bie große Rün^, eine neue 
SKet^obenleffre; gef^^enft uhb burd^ i^re^ülfe faff er{t<| 
im ©tanbe offne bie Slnfirengung iti Semen« tinb yiadj^* 
benfend aber ade gragen ber Sßiffenfcf^aft 9[u6funfi p 
gebem 3$re ^aft mUtt er in S^eflreitung ber ^n^am* 
mebaner prüfen. (£t fUd^te fte mt^xmalt in iffren @i9en 
auf, offne @rfo(g; aber weber fterfer nod^ @d^lfige «)er^ 
mo4>ten feine S3e^arrlid^feit ju bre^ien. jDod^ fanb fein 
Unterne^mungdgeifl an^ nod^ eine anbere Stic^tung. 9u(( 
in (Euro))a fanb er feine geinbe loieber« !Rid^t allein bie 
Sottigfeit ber geiftltc^en toie ber mltU^tn Prßen in iBe« 
fhreitung nnb SBefeprung ber SDhipommebaner fud^te er 
burd^ fcbriftlic^e unb ))erfdnlid^e Ermahnungen gu neuem 
Q^ifer anjufac^en ; fonbern faft nod^ me^r Ärgerte i^n bad 
Slnfe^U; in tveld^em bie Sirabifd^e ^ffilofop^ie an ben 
Sd^ulen @uro^)a'« flanb* 3n jaf^treid^en S33erfen bejlritt 
er nun bie 9\)erroiften unb tt>enbete feine große $unf) baju 
an in ade SBiffenfd^aften eine neue SDtet^obe ju bringen. 
(Sr ))erfaßte nun iH in fein ^o^ti Sitter eine 9teipe t>on 
©djriften Aber fafl aCe SBtffenf djaften , weld^e in feiner 
3ett betrieben U)urben. ^ii aber aud^ biefe SemuOungen 
o^ne bebeutenben (Srfotg toaren, mad^te er ft(^ nod^ titti^ 
mal auf C1314) nad^ «frica ju f^tffen, ju miffenft^aftti^ 
dbem ©treit mit ben @aracenen um fte jum S^rißent^um }u 
belehren. 3lber {aum ffotte er Sanb gekoonnen, aH er 



488 

}u fiSugta faß Stt XoH gefteimgt wnxiti ®tmt^^ 
S^tfer nahmen i^n auf; am 93orb i^xti 6^tfe« ffoiu^te 
er feinen unntf^igen ®eift ani ^}« 

@(^on )u' feiner 3ett gab e4 CuKtftot; M< in bo< 
16. unb 17. 3ai^rpunbert hinein f^aben SSfinner ^on @eip 
unb ©ete^rfamfeit in ber SuKifc^en Jhtnft grof e ®e< 
^eimntffe gefud^t^. 9)tand^e mag bo« bnnte ®em{f<^ 
t>erf(^tebenart{ger S>enfmetfen, n^eld^e er aufna|^m ober 
ml^t mit feinem 9tamen in SBerbinbung f amen , ongc« 
toät ^aUn. 3lr{ftote(if(|fe S3egri{fe begegnen miö bei i^ 
fafl auf {eber @eite ^ ; bamit t^erbinbet er bie Se^ren ber 
ftir^e, empfteft aber auc^ bie Staiiala* Unter feinem 
yiatatn ftnb femer @(^riften toerbreitet/ ti^eU^e ber m^ 
flifd^en (Befd^aulic^feit bienen foaen> t^tiü in ber iattiß 
niS^ttt, t^tili in ber S3oIfdf))ra^e. Rubere ® Triften, 
rotl^t 9)tag{e, duinteffenj ber 2)inge, %l^imit betreffen, 
^at man t>on feinen ed^ten @d^riften abgefonbert, )um 
X^tH n^a^rfd^einlic^ nur um bie 9te(|itgt5ubtgfeit be» StUm* 
ne^/ wil^tx jule^t ben ^ranct^canem {t(^ angefc^toffen 
fiatte, aJorfc^ub ju leiften*)* gügt man l^inju, bag inh 



1) ^ie ^rt feinet 2:obed i^ nii^t gon) fietvif , fo tt)ie über* 
t^au)>t über fem ^eben manc^e^ Un^ut^erläfftge t)erbreitet ift^ Über 
fein Seben unb feine Schriften f. Nie. Antoo. bibl. Hisp. vet. II 
p. 122 sqq.; 9{eanbeT'd J(tr((enGef(^. IX ®. 114 ff. 

2) 3* fl9. (üiorbano 9runo unb Slt^anaftu^ Stix^tt. 

3) 34 ^ann nut Raymundi Lullii opera ea, quae ad adin- 
ventam ab ipso artem universalem etc. pertinent (Argentor. 

1651. 8.) (enu^em !Die Sudgabe feinet @fl^viften t>on ©olainget 
(Mogunt. 1721 in 10 golianten) ift mit niii ju ®ebote. 
4) Ober bie ©c^rift de secretis naturae fagt 9lic. Sntoniu^ 

(bihlioth. Hispan. vet. II p. 137.}: Stilus Raymundino similli- 
raus est. . J-; 






489 

lud ou^ Mtt 3urtd))rttbett) unb SDIebicut f^dei um fte 
bur^ feine Aunfi ju «)erbe{fem, fo tDtrb man barilier 
mc^t gtoetfetn , baß tn feinen Serf en man^ed ftd^ ftnbtn 
lieg^ wai fpätem ^orfc^ungen Anregung gu )>erf))red[ien 
f^^einen f onnte> ÜRan fonnte (ei SuSud / tt>ie bei SBo)* 
con eine Släcfnoirfung gegett bie Sinfeitigfeiten bev ^eo^ 
logie, ein Streben nac^ iSmeiterung ber SBiffenfd^aften 
ftnben. gftad^bem SUbert ber ®roße bie SOSif enfd^aft im 
tveiteften Umfange betrieben ^cüt, mx fie unter ben 
^dnben ter ftrengern 2:fieoIogen »lieber gufammen ^tß 
f4imunbem 3n feiner Snnft bagegen ^tt^pxa^ SuUud 
üUt befonbere äBiffenf 4iaften auf eine aQgemeine 9S3iffen# 
f(|iaft ber ©runbfa^e }urfid^ufä|iren ^3. 2>iefe fu^it . er 
nid^t in ber SC^eotogie; obg(ei$ i^m bie ^^eologie aM 
bie aßiffenfd^aft M ^i^^tn erfd^ien, auf tt>eli$e aUti 
abitpeden foUte ^). £)^ne Städltd^t auf Sutoritat iDoOte 
er «)erfaffren; benn ber 93erftanb foOte ft(^ vA^t gtet<^ 
anfangt 9om ©(auben binben laffeu/ fonbem s)om S^tU 
fei au^ge^n, n)eil feine natfirlic^e SS^atigfeit ni^t tai 
(Stauben ; fonbern bad (Srf ennen fei ^3« jDe0tt)egen ift 
Snttud au(^ in einer afinlici^en äSeife toit SBacon für bie 
SWonnigfaltigfett ber (grfenntnijfe* Unfern SBerffanb er* 
blidt er in einer natärlic^en 93erbinbung mit ber 3^it unb 
ben S3en)egnngen be6 j^frperd^) unb legt bedmegen ein 



1) Ars magna prooem. 

2) Princ. phil. concl. p. 146. 

3) Ars brev. 7. Intellectus in principio ponat utramque 
partem esse possibilem et non Iiget se cum credere, quod na- 
turaliter non est suus actus , sed inieiligere. 

4) L. I. Intellectus est in tempore successive mediante motu 
corporis, cum quo est GOB}l|nclus. 



490 

gtoßed ®mxifyt auf bie aRannigfalttgfdt bed Settlid^en. 
jDie^ |fat fetbfi auf feine SE:^eoIogte iSinfluß; intern er 
gegen bie 9){etnung pctüä, ba^ feine Unterfd^iebe im 3n^ 
teUigibeln ftattfänben, gegen bie itfyxt ber ®aracenen, 
ba§ bie Stgenf Mafien ®otte8 feine tt^a^re 93erf^ieben|fei>' 
ten in i^m tt)&ven, ed «)ielme^r not^n)enbig ftnbet in 
©otted SBerftanbe eben fo ^iüt ®ränbe )u unterfd^eiben, 
aI6 jDinge ^on ifim begrünbet toerben ^3« 9)Ian fann ti 
l^ietmit in übereinflimmung {tnben , taß et bem ©eb&d^t^ 
ni^ ffir uttfev Srfennen bad gvjSßte ©etDid^t beilegt ^3« 

Slber biefe Süc^tung auf bie SÄannigfaftigfeit aud^ 
n^ettlid^er (Srfenntni§ ifl bod^ t^on feinem auSbauetnben 
gleipe unterftfi^t 3n ade bie ®yfteme unb 93or{leaung9^ 
n)eifen , au« tt)el(^en er feine SSegrif e unb ' @&6e ^(!fy6p% 
gept er nur oberflä^Iid^ eim @o in bie Sluguflinifd^e 
unb Srifiotelifc^e 8e^re, fo in bie ^abbala. 3nbem er 
Slrabifd^e ^fiilofopi^ie befreitet, ^ttxatfy tt, baf er feine 
grflnblic^e Unterfui^ung berfelben angebellt ^at ®t\ä)i^t 



1) Ib. 3; 44; ars niagn. IX, 2 ; 6. 3{J CWäJne Jietbei, 

baß man i(in pant^eifiifc^er S^einungen gan^ o^ne ©runb Befc^ut« 
bigt ^at* £)ie innern Sii^ätigfeiten ©otte^ fe^t er ^toax aU not(^ 
toenbig unb emtg, unterfi^eibet fle aber bon feinen äufern ^iä^ 
tigfeiten, tt)el4>e ouf bie @4öpfung ge^en; ®ott unb ®ef(|^öpf 
flnb i^m tt)efenUi($ unb not^toenbtg unterff^ieben^ bfe ®ef(^opfe 

Clltßanben unb enbUc^* Ars mago. IX, 3; 6; 7; 8; 16. 

2) Princ. pbil. 12. Q^ (((fließt bie^ on bie ^uguflinifd^e 3u« 

fammenfleUung bon memoria, intellectus unb Toluntas an. X)er 
Sitte fte^^t in ber STOitte jn^if^^en ben beiben anbern, tnbem er 
bur4^ ben ^erfianb neue, bur4^ ba^ ©ebäc^tnif bie alten gor»* 
men begehrt. £)ie^ ifl nic^t übel, aber gleich barauf geugt bie 
35crg(eic^ung , wetc^e er jwif*en jenen brei geifligen Straften unb 
Gaffer, Suft unb geuer anficttt, bon ber p^antaflif^en Spanier bed 
SuHud. 



J^ 



401 



unb Statut Unnt er mx m^ ben gangi^avflen Box^tU 
(ungetu Mti tenft er burd^ feine neue 9)tetffobe ^u 
}n)tngen« 

Sßenn tt)ir nun a(er biefe unterfud^en, fo mfiffen trit 
gefte^n, baß xoix mi ü^erraf^t flnben bnrd^ i^xf SMirf^ 
tiQUit, inx^ bit nadtt SQBidffir unb burd^ bte geifHofen 
^anbgrtfe in ber Ku^fS^rung i^rer fBerfnüpfungem Sie 
gei^t wn einer Sin^eUung' au6, n>eld^e inUni in eine 
Za^tl jufammengefleat ^aU S>a »erben }Uerß unterfc^ie«' 
ben $ribicate, aBfoIute unb reTatitoe; $rageA> n)el<|e 
fiber bie ©egenfi&nbe ber SQBiffenfd^ft oufjun^erfen finb, 
®uHtctt, 2;ttgenben unb Safhr; {ebe biefer Sint^eiium 
gen n^irb ol^bann in ttnterabt^eitungen ge^ra^t, mX^t 
burc^ SBud^fiaben bejeid^net bad fitp^aUt ber großen ßunft 
bt(ben« ^iti ftt^^aitt fotten toix • ou^n)enbig lernen. 
93on einer Ableitung ber Sintpeitungen unb Untereintpcii^ 
(ungen ifl nid^t bie Siebe« Wt allen ben fo aufgeßetKen 
93egrtfen xoixt l^ierauf )oerfapren, inbem n^ed^felnb eintr 
aM ber einen @(aife mit einem anbem ani ber anbem 
Slaffe ver^nben n^erben foQ* $,ieraud geffen bie ©fi^e 
ber SQ3tffenf(|aft ^txwx, auf n)etd^e ti abgefei^n ift. 9Ran 
fann nid^td 3)?e(|antf(|iere^ ftd^ benfen. S)er Set(|tftnn; mit 
iDetd^em bie ^Begriffe, tin imUd ©emifc^ an^ Slrißote^ 
Kf(^^2IraWf(|er ^piiofoppie unb cprifHid^er ?eprtt)eife, 
aufgefieKt n^erben, bie gän}Ii(|ie Sntblfßung von ber din^ 
ftc^t/ n)orauf bie 9Iufga(en ber SSiffenfd^aft beru^n, geben 
{i(^ befonber^ funb in ben leeren Sirfeierflarungen, n^eld^e 
?uttu« »on feinen Gegriffen giebt. ©a wirb j* S. bie 
©Ute aid ba6 . @eienbe erf (Srt, in äSejug auf n>e(d^ed ba^ 
@ute gut wirft, mit bem befrembenben 3ufa$e/ baß ba« 



492 

^xm ®ute \>ai @ein, t^ai Sofe ba« ^li^itfdn fet, 
ba $df t bie ®i:5ge ba6, in Sejug auf tpd^ed bie ubri^ 
gen Oualttatcn gvo^ finb; bie j&auer bad, in SBejug auf 
wt^ti bie Dualitäten bauem , unb bergleic^en tne^t 0^ 
8u$ biefe jDefinitionen kverben )um S[udtt)enbig(ernen cm^ 
pfolen ^3« 9(Iej bied ^at faum ben @($ein eined miffen« 
f$aftli($en SSerfafften^. 

ÜRan i^üvbe ftc^ beö Staunend barüber nid^t entffal^ 
' ten fönnen , baf eine fo(d[ie 3Ret^obe einen mm auc^ 
ni^t bur^greifenben , io^ mt^xmaXi tvieberi^olten @in^ 
bYud gemalt ^at, totm man nic^t bie ®d^tt)äd^en ber 
t>m4f iffxi Siutotitäten unb Streitfragen )>ei:n)i(f etten 6e^r^ 
ioeife biefec 3dt }u bebenfen ^ätte» 3mniei: me^r ^attt 
^ biefe )u einer fafl unburd^btnngli^en STtaffe einanber 
WiberßrHtenber äinftd^ten gehäuft ^ mi^c bie urfpriing« 
Uiim @runbbegrife Ux SSiffenfc^aft faft )oerbedtte. @d 
f^ien not^wenbig ju fein bie 2}?et|fobe ju ^oereinfa^^en, 
bie SSHffenfd^aft auf eine Utim 3a${ ))on atigemeinen S3e^ 
griffen unb auf eine einfache SWet^obe ber SJerfnujjfung 
unter ipnen jurufijufil^ren. Saß man in biefen ©runb^ 
lagen ber äSiffenfi^aft erfl fefl fein muffe/ e^e man an 



1) Ars brev. 6. 

2) Ib. 1; 6; ars magn. I p. 219. 34^ CTÄaJtie Jierbet, baß 
f^f^e me^aniff^e ^filf^mtttel bem WMalin ni($t ftemb toaren. 
®{e würben befonber^ für bie Sogif gebrau^^t* ^^on 3o^. t>on 
©att^burp ern>ä^nt eine logifc^e ^afc^ine, tt>e(($e fein Se^rer ^iU 
fftlm »on Ooiffon« erfanb* Met. II, lo p. 804 sq. (gö ße^ört 
(ierfter and) bie 8egei(^nung ber @4^lu$ftßuren )um $e|iuf i^rer 
l^eru^anblung (Barbara , ^elarent u. f. toO, n^el^^e gett)ö^nti(( fär 
eine (Srftnbung be^ $etru^ ^ifpanu^ im 13. 3a(r$, (bed ^abfled 
3oJann XXI) gilt. 3m 14. 3a^r^ mx bie IOflif*e (SfeWbrücfc 
be0 ^nribanu^ berühmt 




(*■■' 



^ 



Vi » 



495 



He f(^n)iettg{len fragen ge^e, tat fc^etnt inUni tlnß 
fd^ärfeu iu n^oKen; mm tx forbevt, ba^ man fein Itl^ 
^fiabet bem ©ebfid^tniffe tinpxiitn foKe. @e((fi frine 
@trf elerf (arungen / fo un6e|^Dlfen unb erfolgtotf fte ftnb; 
[(fieinen fagen )u n^^en , feine ® runbBegrif e feien ßot 
genug in ber Snf(|auung; au6 bem, n>ad on i^nen^eil 
yait* 9J2an {fnnte ffierin eine ©egenwirfung ber $foto^ 
nif(|ien gegen bie 9i:if}ote(if($e Se^re fef^en« Sl^er »>enn 
foI(|e SBetra^tungen aatfy iegreiflid^ nia^en, n^ie gegen 
bie ®^^cmt ber SS^eotogen eine ©egenwirfung i)on bet 
^xt, toit iuUni fte i^ettieb; ni^t gan) offne (Srfolg Mieb, 
fo tt)irb man bod^ gefie^n mfiffen, bap bie ©ebanfeU; 
auf n)el($en fie iixii^tt, ro$ unb unreif xoaxm unb i^xtn 
©egnern gegenftber nur in einem bunfeln ©efAIe eined 
9or:^anbenen ISeb&rfhiffe« ^(fy befiau))ten fonntem 

3* Sonao.entura* 

JJiefe ®egen»irfungen ^o\x ©eiten ber 5Wet^obe unb 
ber (Srfa^rung über bie 9latur, waren unfireitig nur ffinu 
merliii^ in SSergteid^ mit ber fu^nen 9J}etap^9ft( -i^rer 
©egnen @ine fr&ftigere ©egenmirfung fonnte xaan kü^ 
märten ^oon ben Srfaf^tungen bed bef(|au(i(^en Sebeni aud/ 
n)el(^e bod^ \)om tf^eologifc^en Softem felbji em^^folen W!^ 
ben mußten. SSeber Gilbert ber ©ro^e, no(|i "X^mÜ 
))on Slquino ober £)und 6cotu3 weigerten ftc^ in bti 
frommen Stegnngen bed ©emütpd glei4lfam bie Srgäitir 
2Uttg i^rer Sl^eorien ju fe|im 9Ieben bem Seien in ber 
fird^Iic^en Übung forberten fte j[ene innere Scfc^^aulic^feit 
tn ber 3uru(fge}0gen^eit ))on ber SQ3eIt/ in ber gütte btd 
geizigen Seben^, weld^e ben aupern Übungen i^ren (S>i^^\i 



^4 

gctoi foKtc; fic aOe tDtqm auf ba< &^tam 9etM 
Ott oitf bot Icttoi Bwcif cbtr tvcrngfiatf att auf etncn 
tmciitbc^rfu^rti 9f ßonMf^ril U^ Ie$tat Bn^tcftd ^in mib 
9crlangteii mif einem SorK^nuuf bc^felben in nnfenn 
gegentpdrttgen ithau Z>ie tfieotogifi^en Xugenben bed 
(Btonben«, ber {)offnung nnb ber Siebe ftnb i^nen iai 
^i^ftt, tȟi ber Sknberer eneii^ fonm 3n biefem 
Sinne ftnb fte alle ber SRyßtf nic^t abgeneigt unb geße^ 
$en au($ ber Z^eoHe ber m^^^m Sefc^anlic^feit, totl^t 
bie Sictoriner ^atift^ai^li^ int 12* 3a^r^« au^ebtlbet 
fiatten, i^ren Sinfln^ anf i^re 69ßenie ivu Sier ben^ 
noi|^ int 13» nnb iii in ben SInfang betf iL ^äpx^* 
Ifinein ^eigt ßd^ nnö feine left^afte ©egenmirfung t)cn 
biefer @eite, ^ielme^r ber 3ug nad^ bent @9ßent gwingt 
alled, tDoi ein U&ftiQti Seben soerrätj^, in ben Sxtiimt^ 
top^yitf^er ©ebanfem 

3una(|{l fonnte man einen neuen leBenbigen 3In(auf 
in ber dnitoiälnnQ ber mvßifc^en 2:^eoIogte I^ei Scua^ 
vtntaxa soermut^en, menn man auf ben fftn^m biefe^ 
SlRanned fte^t, tDelc^er einem X^omai )oon Slquino gletd^ 
geartet n)urbe. ^o^anmi Bibanja; im (^ranctöcancr 
£>xim, n>eld^em er angefiorte/ Sonat>entura genannt/ 
würbe 1221 ju Sagnarea im Sircfienflaat wn armen 
Cttem geboren. 3n ber Mut bed 13. ^a^x^. wax er 
ber gefeiertfie Seigrer ber granci^caner ^u ^ari^^ ber Sie* 
benbuler unb greunb bed Z^omai t)on Slqutno. Sotb 
barauf , nod{^ jiung; tt)urbe er jum ©eneral feine« Drben« 
tcto&^tt unb yaüt einen bebeutenben Qiw^n^ auf bie üKil^ 
berung feiner Kegeln* 3«w Carbtnal ernannt; tDo^nte 
er bem Concil (n i^on 1274 Ui, ßarb a(er tt)ärenb be^ 




im 

felbeit no$ in bemfcöen 3a^re, geehrt im Stöbe, toie er 
im Sekn ein allgemeine^ Sertrauen genoffen ^atte 0« 
3n feinen ^a^Ireic^en SBerfen, tt>e(d^ ber (Srflävung ber 
i^etligen @d^rift, bev ©entettjen beö Somi^atben unb my^ 
{Hfd^en ^Betrachtungen gen>ibmet ftnb , Hxx&t^ er nic^t bie 
umfaffenbe ©ele^rfamfeit eined Siliert , nic^t ben ©c^arf^ 
ftnn eine« j&un^ @cotud, aier eine innige gr^mmi^it, 
tpelc^e na^ @rfenntniß in ber Siebe ®oüti fhrebt» ZXe« 
^at i^n itt einem aOgemein geachteten Se^rer ber ^r^e 
gemacht« @eine 93ef(^rei6ung ber Steife bed ©eified )u 

@Ott (itinerarium mentis in deum) iß eine Cieblingö^ 

fd[irift für fromme @eelen geMieben« 

(Sr ifi «)on benfelben ©runbfa^en burd^brungen/ ml^t 
bie @9{leme feiner 3eit leiteten« Ükr^eugt ba))on., bap 
e« ber Vernunft gejieme iai ^o^^t ®nt )u begehren, 
forberter, bap eö erfennbar unb erreichbar fei, gtoeifelt 
a(er auc^ ni^t, bap »ir ber gfttttc^en ^filfe unb Df^ 
fenbarung bebürfen um e« )u er! ennen unb gu errei^en^. 
2}aß er aber gu einer genauem Sntmi^ung biefer ®t^ 
banfen gelangt n^are a\i bie meißen feiner 3ettgeno{fen; 
baoon fönnen n^ir bie Semeife in feinen ©d^rtften ni^t 
ftnben« @eine Unterfuc^ung bringt feine neue ^rgebniffe, 
fonbem fud[it nur bie äußerften 9ii($tungen bur$ eine 
mittlere Slnna^me aud^ugleicfien ^3« ©eine üRäßigung 



1) SJcrgt f. €eben^bef4>teibunö t>or ^tt 2luö0. f. SBerfe (Ve- 

net 1751. 13 ^U* 4.) I p. 21 sqq.; hist. 11t. de la France XIX 
p. 266 sqq. 

2) In sent. 1 dist. III ps. I art. 1 qu. 1; 4; brevil. I, 1. 

3) %U 8eled ^ievau fü^te i^ nur feine a^^einung aber ha^ 
9(incip ber 3nbit>ibuat{on an , mit man i^n irt^ümlicli für ben 









' * ..^ 



• /496 ■ " 

* 

l^tertn fleltt t^n bem ^oma< toon 9<tifiio unr ®ette; alter 
fte läßt au$' eine gemiffe ©(dc^gaUigfeit gegen bie unf^ 
fenfc^aftUc^e Untftfuc^ung (Itden* 

Seiner SRic^tung nad[i tDfirbe man trn)avten mfifen, 
ba^ bie Unterführung über bie frommen SRegungen unfe^ 
retf ©em&tfi^ t^n am erßen ju neuen 3luff($(fi{fen fuhren 
n>ürbe« Slber tpo er bte @tufen be« befc^aultd^en Sebenj 
ief^r eibt, $äU er ^i^ fafi n)frt(i^ an bte Unterf^etbun^ 
geu/ n^eld^e 9ti(|arb )oon @t SSictor gemad^t platte, unb 
fe^t ben 6 ©raben be^felben nur nod^ einen {teb?nten 
l^ittjU; tt)ie ben ©abbat ju ben 6 S^gen ber 3lrbeit/ ba^ 
mi mir jule^t na($ bem SBege ber Stufie genießen , in^ 
bem mir ))dl{ig in ^\^t mi ©Ott ^^ereimgt ; \Vi ipn t)er^ 
manbelt merben ^3. jDied ifi ba^ SRvf^if^^ ^nb ©effeimße, 
ma0 niemanb t)erßefit/ meld^er ni^it empfangen ^oX, nic^t 
ein SBerf be^ SDtenf(fien/ fonbern ©otteä im SRenfc^en. 
dnbem {t($ nun Sonat^entura tn biefen Sefiren an bie 
. SSictoviner anfif^Iiept/ burfte man ermarten, bap aucf^ i^re 
pf9(|io(ogif§en Unterfu^ungen auf x^vi übergegangen fein 
mürben; aber er bepanbelt biefen %^t\\ ber S<>i^fcbung 
fap mi aSera^^tung. 3nbem er bie mi^^ttgjJe grage, 
meldte bie SStctoriner mit Sorgfalt unterfucirt Ratten , ob 
mir mehrere S3ermpgen ber ©ee(e anjune^men Ratten ober 



Ur^cBer btefer Unterfu^ung angcfe^n $at. ©r entft^cibet ftc^ ba* 
für, baf Weber gorm iiO(|> SÄatene, fonbern bie ^Sereinigunö bei« 
ber bad ^efonbere ]^eroorbrä(|>ten* In senu II dist. III ps. I art 2 

qu. 3. p. 98. 

1) Ilin. ment. in deum 7. In hoc autem transita , si sit 
pcrfectus, oportet, quod relinquantur omnes intellectuales ope- 
rationes et apex affeclus totus transferatur et transformetur ia 
deum. 




: ««Ä"^: 






■r f 

I 

497 >' 

itut etn<; 3U etitf(|eiben ftd^ anfd^tdt; meil fte t)on otelen 
fietitgen Scannern {n tttetlegung getogen tt>ovben n)&re, 
meint er, fte fia(e bod^ feinen iRu^en unb fei nur eine 
@a($e ber 9Ieugter. @etne Sntfcf^eibung ifl a(er auc^ 
pcf^ttg genug unb gegen ben @tnn bev SStctotinet, in^ 
bem er eine 9Ref»t|^eit betr @eelent)em5gen annimmt, o(« 
»ofil nur txn SBefen ber ©eele fein foß ^D» 

Unfireitig (emeifl bie^, bap fein a^yflici^mud oon an« 
bern Semeggranben au^ge^t; a\i ber an^fUci^mu« be« 12. 
3a^r^. G^r ^at eine metap^yjtfd^e Stiftung, toie bie SSif« 
fenf^iaft feiner 3eit tt^er^aupt (&ixL Z^txX ber $(atoni« 
fd^en Se^rt; n)eK4ie $ugo «)on @t äSictor gelieH fiatte, 
tß auf x^n fi^ergegangen« Sa ift ^w ben ur(ilbli(i^en 
3been bie Stebe; nad^ melden ®ott bie SSett gefil^affen 
l^at; meldte a(er aQe auf eine 3bee oj^ne Unterfd^ieb ju^^ 
rtdgefüprt werben ^j; ba wirb .t)on ber Bereinigung be< 
ÜRafrofodmoJ mit bem SRifrofo^mo« gefprod^en, a(er 
cx^ t)erlangt/ bap xoxx mi ju bem |^5^ern Sid^te ©otted 
erbeten follen, in t^elc^em /eber Unterfd^ieb i^erf(|in)inbet; 
in n)e(($em n)ir nid^t^ me|fr gu fe^en gfau(en^ beffen 
iD^ittelpunft fiberad; beffen Umfreid nirgenb« ifl, unb ju^ 
le^t fe^en wir und aufgeforbert Aber 6innlid^e0 unb 3n^ 
teQigitle^; il^er @eienbej unb 92id^tfeienbe^ l^inau^juge^n 
unb oj^ne unfer SSiffen jur Q^in^eit jurädCiufe^ren^ weld^e 



1) In sent. II dist. XXIV ps. I art. 2 qu« 1 p. 585. C^tne 

(^ntfc^ul^tgutig l\z%\ barin ^ baf er bie Srage l^efotiber^ in ^e^ie« 
l^utig auf ben Unterf((ieb ^tt>if((en ratio unb affectus be^anbett^ 
n>etc^en bie $ictt?riner s>erna(]^(ärft0t (atten. 

2) Itin. ment. in deum S ; in sent. l dist. XXXV art. 1 qu. 2 

p. 982 a. (Sine S(n{t(^t, auf tvetc^e ber f))ätere 9^ontinati6mu^ 
ein ilet flärfered ®etbi($t legte. 
®ef*. b- 9JiI- VIIF. 32 






I 



498 

unliebe« S3efciiitiibj[ebe9Biffetifi$a^tfl^> 9BiterUitf(ii 
f^irrin bie iiteta)>$9pf^e Sttc^toiig, tvd^ Aber oOe ®e^ 
gcnfä^t fittiait« totU Sine )Hmt^tt{Hf(^e 9tdgmig ta^t 
fu^ bann Spüxta. Ob febo^ Sonotoentnva jn etnem Se^ 
ivn^eut i^rer tmffenfd^ftttc^tn ®rfittbt gäonrmcn fet, 
U^t bte UnbefUmmt^rit fttttar2>ettftt>ttfe im BtotifeL ^ 
9&tt an^ ben ©egenfa^ smifd^en @eele nnb (Sott ftft, 
tvril bie 6eele na^ i^, intern ^^ßen ®nt, {t^ beuv^ 
t^eile^, nnb $i(fi ft(!^ an« ben 6i^n>ieriftfeiten , t»tU^ 
ba< metap^yftf^e Streben nac^ Sin^eit bereiten fönnte, 
bnrc^ eine jiener t>emiittelnben Unterf^^eibnngen , t^el^^e 
er liebt, inbem er gwor bie Sin^eit aller t^emfin^'gen 
®rfinbe in ®otted Sßefen fe^t, aber bod^ au^ eine 93iel^ 
f^eit ber 3been ober ^vernünftigen ®rfinbe ber ®t^^ip^t 
in ©Ott einr&umt, n)ei{ bie 3bee bie ÜRitte ^olte {toifc^en 
©ebac^tem nnb 2)enfenbem unb ber SDenlenbe, ^ott/ 
eind , bie gebauten 2)inge aber stiele feien ^« 

4. SReißer dt^axt. 
Siel entf^iebener finben toix biefe metap^yftfd^e 9tid^^ 



1) Itin. ment. in deum 2; 5; 7. Tu autem, o amice, circa 
myslicas visiones corroborato itinere et aensus desere et intel- 
lectuales operationet et sensibilia et invisibilia et omne non ens 
et ent et ad unitatem , ut possibile est, inscius restituere ipsiuS| 
qui est super omnem essentiam et scientiam. 

2) Ib. 3 p. 349 n. 

3) In sent. 1 dist. XXXV art. 1 qu. 3 p. 584 sq. Idea signi- 
ficat divinam essentiam in comparatione sive in respectu ad orea- 
turam, — — respectum medium inter cognoscens et <M>gni- 
tum. — -^ Et quoniam cognoscens est unum et cognita sunt 
niulta, ideo omnes ideae in deo sunt unum secundum renii 
sed tarnen plures secundum rationem intelligendi sive dicendL 



% 






499 

tttitg (et einem SRyßtfev einer tttoai n>atent 3eit tDieber^ 
(ei bem a^eifiet dt^axt, einem beutfc^en ^rebiget; »ir 
finben fte ba in iBerbinbung mit einer toolf^tfiiimlii!^ 
Stiftung; tt)el(i^e noc^ in anberer Stfitfft^t unfere Stuf* 
merffamfeit auf ftd^ jie^t/ o6n)o^I i^re S3ebeutung erfl im 
folgenben 3^itraum beutlid^ n)irb* di ift fe^t tva^r^ 
fd^einlid^, baß dffnlic^e Q^fcfieinungen aud^ in anbem SSoIf^i* 
fprad^en toorfameh, namentb'(i^ in ber Srani5ftf(|ien ; a(tt 
(ei ber SSemad^^Iäfftgung , in mli^tt bie ^oU^ty&mli^t 
Literatur be^ ^ttttaitttt lange gelegen ^at, fehlen un« 
barü(er bte Tlad^ri^ten. 

®($on furj «)cr ber ÜRitte be« 13« 3a$r^. fe^en toir 
anSncfie auftreten , mi6)t alt Solf^prebtger in beutfcfier 
@pra(|ie folcfien 9lu(^m eriDarben, baß i^re getfllid^en <Sr^ 
mafrnungen nt(|it nur t)cn 2;attfenben in Jtir^en, auf 
Seibern unb SQSiefen mit Segierbe ge^jrt/ fonbern m^ 
niebergef($rie(en n)urben unb fo %ii wx\ nni gefommen 
finb« @^ maren bied Sruber jDaioib t)cn Slug^burg mit 
bem ^Beinamen ^eutontcud unb beffen faf} gteid^^eittger 
(erfi^mterer @^äler SBruber Sercfitolb t)cn Stegendburg, 
beibe 3)tinoriten, alfo bem Orben angefförig, n)el(^er 
<m n&($flen bem SoKe ftcf^ anf^Ioß. 3$re $rebtgt ifi 
fefir ))olfdmaßtg; {!e ermaf^nt }ur grommigfett/ {um gott^ 
feltgen Se6en; unter ©otted freier 9tatur prebigt fte am 
fd^^aultcl^ von ben SSunbern ©otted in ber ©((lopfung unb 
ki^etfi auf bad SBerßänbntß ©otted wxi ber 9tatur yin\ 
)oon ben fir^iUd^en Zeremonien $ä(t fte ni^it aUju loiel; 
gegen ben Sldaßfram ber $fenntg))rebiger ergebt fte if^re 
@ttmme niä^i minber oXi gegen bie lieber; ein guted 
^er}e x^ beffer a\i ^euif(|i(agen ; mer bie Siebe )tt ®ott 

32* 



OD» mgcMnMt 9ottai 9ar; tsr im 6in >cr «9^ 

tenui^ laffhi fiib oMt idat fUmutoMtai ms IttAtiibcii 
e^fioii oKärai, wtU^ er tm^ in aflgrartsai mi^ 
ioifgetot wtVtt^ 

&^ # nrit tai S^cologcn fcisar 3ctt 9m bct 
fifeeqmgttng btmltniiigai, te$ Mc Mnbiftjge €ecle Ui 
SHeitfc^ boiit iepinrart fei in bcr inrigftai SerMitbwig 
orit ®ott M ^d#cn 9s(c< gan] tmb o^ne afle @^& 
Icnmg t^etl^afttg in wabau iSt Mdl fit, too mSgULi^, 
w^ ttb^afUt axa ttnb ^BOOtSkü sworftc^er atö tte 
Sekret ber fitr^, tveb^e in getKUten Qnttrf^eibungeii 
tie etorfe itt äßifretifc^fi fiu^au ®ott foO fu^ und 
gonj DfeoKtmi, ipit ifyn goiQ erforncn; er foO ganj 
unfer merben^« ©otq nac^ ter SSetfe ber 3:^eoIogte 
feiner 3ett betrautet bieä Sfj^art ald ein Q^ingießen ®oU 
M in unfere @e(te o{fne aKen Stutf^aU ^3. 2)iere (Sini^ 



ten ; jlene fc^einen mit aUcrbing^ eine ^ertnifc^ung ber Beeten gu 
(nodfen , aber fSt (Sfftart felbß ftnb fte ni^t entf^ei^enb. 

1) ^an oergl. )• 9. 9reb. foL 818 col. 2, t»o He fanb^aftc 
Semegimg oto ^enfc^en Uiaxüpttt wirb mit Su^na^me €(ti^ 
tmb ber 3undf^n 3Jlatia. 

2) (Ebenb* fol. 305 col. 2. @ot unb i($ feinb ein mü Meo* 
Ken. C^enb. foL 315 cd. 1 sq. Unb na^bem bad biß gefc^e^en 
ift^ fo ift m^i becbptgen in ^ott, bo) nil offenbat »etbe ober 
ba^ ttit mein »erb* 

3) (Sbenb. foh 246 col. 4; fol. 300 col. 3. 3(^ fprif^ 

ba0 ft(( 00t in eim pegfli^en menf^en, ber f!cb au gvunb gelaf« 
fen ^i, mn^ aU^nmal ergieffen m^ aUtt bermögcn^ett alfp gan^ 
unb Qox, baf er in feinem (eben n^ in feinem n)efen noc)^ tn 




SOI 

Ux uttb ^etnrid^ @ttfo ju feinen @(^fi(etn fiatte, burd^ 
bie äSürben feine« Drben« audgejeid^nei; a(er ^nify ge^ 
gen ba« @nbe feine« ititni unb nacfi fdnem STobe tou 
gen ^e^erei loetbammt ^3. Sv fod einen Kommentar fi(ev^ 
ben Sombarben unb anbere geleierte S^tiften gefc^rieben 
^abtn; toit beft^en aber wn i^m nur no^ eineSleifie 
beutfcfier ^rebigten^). ^an^at ixt 5Keinung geäußert, 
baß fein Sn^fiicidmu« in gef$i(!^Iii^em 3ufammen^ange 
auf bie fte^er Ui freien ®ei{led unb ))on ba n)eiter auf 
ben ^mahitfy unb ben 3offanned @eotud gurfitfjufft^ren fei* 
S)at)cn ^mat^ aber feine ^rebigt nid^t« 3ubertöf{tge«* 
@r beruft {t(j^ auf bie Qm^^nli^tn Slutoritöten feiner 
3eit/ bie fiir(|ienv5ter , ben SreppagiteU; aud^ auf bie 
^etbnifd^en SReifler, befonber« ben ^laton, wn ben 9{euern 
auf bie Se^rer feine« Orben« SKbert unb Z^omai. 8on 
ben eigent^fimli^ien Se^ren bed Srecpagiten, be« Sntol^ 
xi^ ober 3o$anne« @cotu« iß bei i^nt fein^ @))ur'3« 



1) ^ie 3eit feiner ®ebutt unb feinet XeM ifi unbefannt; et 
muf aber t)or 1329 geflorben fein, too er in ter Setbarnntungd* 
bntte 3otann'0 XXll. aU )>erih)rben begeit^net toirb. ^ergt i&b. 
i^n unb feine Se^re d. ec^mibt ^eifler Q^^art in b. t^eot ©tub* 
tt. jtrit 1839 @* 663 ff.; 9){artenfen 9J{eifler ddatt. f)amb. 1842. 

2) @ie finb meidend leintet ben ^rebigten ZanUfi gebrutft. 
3^ bebiene miify ber tafelet ^u^g. b. 1521. ^x<l^t aUe^ in bie« 
fett ^rebtgten ober Ce^reh 19 bon i$m. @. fol. 31T col. 2. 

' 3) 3(b rechne ba^in bie @tufen ber i^ierar^ie, bie üemtitteltf 
einfcbauung ©otte^^ bie ibeati{lif($e %nfitfytf bie Se^re t)on ber 
atigemeinen 53efetigun9 unb »on ber periobif(ben MdU^x ber 
2)in0e au ® Ott. SDie «rt , wie ^. ©(Jmibt a. a. O. @. 692 bie 
^e^re (g!(arf0 mit ber £e(re ^matxi^'9 ^ztgldtit, trifft bie cba* 
rafteriftifiben fünfte ni^ft. (äiefeler ^irfbengeftb« "• 2. @. 626 ff. 
beruft ft^f me^r auf bie »erbammten ^j^e , aH auf bie 9)rebi0« 



804 

Sott bed $rteo))a8tten; bap ®ott üUx bemSSefen fri^3, 
unb belegt bte< bur^ feinet deitgenoffen Sej^ten übet ba< 
Siagememe unb bte Unterfcfiiebe. @ben n)etl ®ott aUti 
i^, iß et n)ebet bte^ no^^ ba«, o^ne aUm Untetfc^ieb, 
tiu 9ßeife o^ne Sßetfe; ein Sßefen opne SSefen ^3. ^ier^ 
auf betul^t feine Q^infa^l^eit; et i^, wie bie St^eologen 
le^tteu; nicf^t a\xi Gattung unb Untetfd^ieb sufanunenge^ 
fe^t. jDeömegen iß et au($ namenlos unb ti tnüp^ fcd^ 
btetan bet SSeg bet SSetneinung, ml^^n (Sf^axt n)ie mit 
ben SR^ftifetn fo mit ben 2;^eo(cgen feinet 3eit gemein 
^aU ®ctt iß niäft^i n^&te et tttoai, fo mürbe et Un^ 
terf($teb fuiben; et iß abet au(|^ aUti. (&x tu^et ni^t; 
et iß nicfit bewegt; in i^m iß ade^ bie^ eind; ©toi« 
bUttlein unb ^olj unb @tein unb atie Singe; ha$ ift 
baj aSetbiße; batin fiabe i^ mi^ beti^otet^D. . . 

3Bit ßnb biefen ©ebanfen o^ begegnet; Sffiatt btficft 
ße nut f^ai unumwunbenet aui aU bie S^^eologen bet 
6(^ule« @o iß eS aud^; wenn feine Se^re äj^nlic^ bet 
Sefite be^ Xfyomai oon bet Unterf^eibung untet ben &* 
genf($aften ©otteä nid^t ^id mt"^^, wenn et bte btei 
^erfonen bet ©ott^ett (di ^Relationen; wel^e bet ^ttb^ 
flani untetgeotbnet ßnb^ nicbt fej^t ^o($ a^ttt; wemi et 
t)ietme|^t nut bamit ß($ begnügen wid bie ©ott^eit p 
etfennen unb ße aU iai $^$ße }u )>teifen. 3n ©Ott 

1) (Sbenb. fol. 286 coL 4; 301 col. 1. 

2} @benb« fol. 244 coh 3; 249 col. 3; 287 col. 1; 307 col. 3; 

®^tt ifl tDebet tiefen not^ ^ttnm^t, no^ befentiet nt((t tif noiff 
Wi0, (terumb i9 gott (ebtg attet ^ing unb ^ierumb ifl et aUz bing. 

3) (^benb. fol. 249 col. 3. 

4] X>it ®fite ®oite0 ifl nur etn)ad Untrrßeotbnetr^ : in ber 
^^ii^iii offenbart ftcfi nut feine ®($ale. ^benb. fol. 287 col. 3; 3. 



• 

nernlt^ txUiät er nur ixt SQSeife / toit ba4 er^ $n»ct{> 
®runb bnr ai^attgtgen jDinge iß; fein SSetffSIttii^ jur 
SSelt/ tDel^ie« in bem fStt^aUni^ itx brei ^erfonen ber 
Xxinitat bavgefieat ibirb; bie ©ottj^eit bagegen iß i^m 
ber adgemeine fi3egri{f, ber biefen fBefonbetffeiten }uni 
©runbe liegt 0» S)ie< ^at fein ©egenbilb in ber Seigre 
®i{(ert*d unb fKmmt mit bem Unterfcfiiebe ber @^utt^eiM 
logie im\äfm bem georbneten unb ai&foluten SSiKen ®^U 
M f# ganj fiberein. 9lur ift aud^ j^ier (Btfyaxt n^entger 
)[)orft^t{g al^ bie @^ule, aui mi^tt er feine @&9e 
enbiafim; inbem er ben &^m nid^t )^ermeibet, oii tooVit 
er ©Ott o^ne feine SSBerfe; toemt er Spxii^t: (£^t bieSreo»* 
tnren toattn, mar ®ott nid^t ©Ott, barum bitte id^, ba§ 
©Ott mi^ quitt macfie ©otted ^« jDa^ hierin jfebod^ nur 
ein 6d^ein liege, ein einfeitiger Slu^bruil feiner ©tban^ 
fen, ba^ jetgt ftd^, tDenn Sf^ort oud^ iat ©egentfieU 
ywoxU^xt unb wn ®ott le^rt, er finne nicfit ol^ne feine 
©efcfifpfe gebadet mxitn unb o^ne feine fd^afenbe X^a^ 
tigfeit. ©Ott mag unfer fo n)enig ent(e^ren, aU toir 
feiner; feine ®d^a))fttng ifl en^tg in i^m; ©Ott ift lebig 
oOer 2>inge unb barum iß er alle 2)inge. 2)iefe Se^re 
fnftp^ fid^ baron an, ba^ ©Ott aU ber adgemeine ®vxxSb 
aOer 2>inge angefe^n werben mu^, (Stuart aber aud^ 
t9o(^I einftefft, tai Mgemeine fei nur babUrd^, ba$ t6 
bem Sefonbern ftcfi gemein ma^U Sßenn ©Ott ftd^ nid^t 
gemeinte / f o toaxt er ni^t ©Ott ^% 9Q3ir f e^en in f o& 



1) C^benb. fol. 287 col. 1 sq.; 301 col.l; 302 co). 1. @Ott 

unb ©ott^eit $at unbeifc^etb an toürfen unb an nit it)Ü¥!en. 

2) (Sbenb. fol. 30T col. 1 sq.; 308 col. 4. 

3) (Sbenb. foL 252 col. 4; 254 col. 3; 307 coL 3. 



806 

^ @aim im SDtdfinr dt^axt nicfit fem wn itn it^^ 
xm ber Sra^ifc^en $|iiIofo))^te nnb be« Sttifloteled über 
bie (ftDtafett btr SSett. @elbfl an bie (imnationil^xt 
fpielen feine @&$e atu ®ott, behauptet er, nmf ftc^ 
offenbaren» jDo(|i »td er nx^ti tvtffen )^on ben Ser^ 
mittlnngen {tutfd^ un< nnb ®ott, ml6)t bte (Emono^ 
tiondle^re be« jDionyftnd nic^t mtnber att ber Slraber 
gefe^ ^atte. ^u^ U^axtpttt er bie @^ fpfung and 9{i4itd 
mit ber fiird^enle^re ftanb^aft ^)« SQBir tDerben nac^ aU 
fern biefemnid^t anberd fagen ffnnen, <di bä^ feine Se^re 
fiber ®ott bO(^ nur {Wifd^ onperften SRi^tongen fd^n)aidt, 
welche tt^ett baioon entfernt ftnb bur^ Surficffü^rnng anf 
bie nrfprSngltd^^en 9lufgaben ber SSifTenfcfia^ jur Sbtf^ 
glei^nng ju gelangen« 

(H^atPi Se^ren fiber bie ®t\^ip^t ^aben benfelben 
(f^arafter# ^itx ße^n bie @a$e, tpelcfie anf ber einen 
6eite bie ütici^tigfeit ber SBelt, auf ber anbem 6eite 
i^re etrige SBaf^r j^eit in (Sott behaupten ; gang nnoermit^ 
tett einanber gegenüber. jDte äBett ifl ni^td, alKed (Snbi^ 
litfyti^ nur Biotin, ni^t bie SQSaj^r^eit, toelcfie toir fu^ 
4^en; aber au$ in aQen Kreaturen iß ettoad ®otte4^» 
9Ln(fy in biefen @a$en ftnben toir bie Se^rweife ber @^tile 
toieber« 2)enn ber Unterf(|iteb , toelcfier bied nnb bad 
abfonbert, ift ci, toai jum Setoeife ber 9{i(|ittgfeit be< 
SSettticfien bienen foO. Son aUm bied nnb bad ntüffen 
toir (äffen um bie SBaffr^eit }tt erfennen. t>ai Sldge^ 
meine bagegen , xoü^ti ben Unterf(|iieb au^f^Iie^t; »irb 



1) @benb. fol. 245 col. 1. 

2) (Sbenb. fol. 352 col. 1; 254 col. 3. 



807 

ytit ift eblev aI4 bei: 3)tenf(^; totU^tn iify an mix tta^t, 
aU ^ab^ ober jfaifer ; in bei; Q^»){afett ftnbet feine 3a(l 
fktt, taufenb @ngel {tnb ni^t mif)t ali iwei ober einer 0» 
J^ierin fpric^t f!(^ ber Steati^mud fo ßarl au4, ba^ man 
]&efar(|iten mf^te, (Sf(rart n^oOte bie SBa^rffeit beü i93e# 
fonbem leugnen^ (Er ^at j[ebo^ on^ in ber Schule ge^ 
lernt, bap ber Unter r4)ieb in ber SSett not^wenbig iß; 
ald ben ®runb be^felten i&etrad^tet er bie ÜRaterie; fo^^ 
fern bie ®ef^())fe bie SRaterie unb ben ttnterf^ieb not^^ 
ivenbig an ftcfi tragen, ^ten fte auc^ notf^toenbig einen 
@(^aben, m Ü(e( unb Ungemad^ an {t(|l« ©eine 9nfi(|>t 
ber Sßelt ift ungefäir biefeKe, »eld^e wir M stiert bem 
®ropen unb X^oma^ wn Slquino gefunben ^abem (Er 
benft {t($ bie 2>inge ber SSett nac^ SSerfd^iebenfieit ber 
®rabttnterf(^iebe wn ®ott burd^ bie geißigen 2)tnge jn 
> bem f or)>erIid^en jDafein {lerabfleigenb^ 3n biefem niebem 
®e6iet ber @rbe l^angt aUti wn niebem unb ^oj^ern 
ftr&ften, wn @innli(|ffeit unb ®ei{l unb wn itn (Sin^ 
ßuffen bed $imnte{« ab» jDen SRenfc^en benft er a\i in 
ber 3}littt fle^enb itoi^tfytn ®eifltgem unb^ SeiMicfient, sn^i^ 
fcfien 3^t unb (Ewigfeit« din üebed Ding ^at feine iu 
fKmmte 9latttr, wetcf^e i^m in ber ©d^Spfung jugetl^eift 
würbe, unb wn feiner iRatur unterf^eibet er bie ®a(en 
ber ®nabe % Slud^ eine freie Sirf famfeit ber ))erhSnf« 
tigen ®efd^(Spfe nimmt er an unb wn i^rer Q^ntf($etbung 
ma^t er ed abhängig , ob bie 2)inge }u ®ott jurü^e^^ 



1) (^enb* fol. 251 col. 2 sq. 

2) Sbenb. fol. 247 col. 1; 352 col. 1; 264 col. 2 sqq.; 300 
col. 3 sq. 



808 

ten tottitn, t)cn bem fte au^geflofTen ftnb; ober nid^t 
^>mn btC; mi^t ft$ )ocn i^m feieren/ toerben nicfit ju 
t^m )urüdRommen ^3* 

jDerfelben 9(nft($t fd^Kept f!^ (Sf^att aud^ in bei: afyu 
fd^en SRid^tung ber S^^eologte an, »enn et bie oemfinf^ 
ttge 6eele t^or allen ®ef^5))fen au^jetd^net 2)enn fte tß 
faj^tg ade jDtnge in ftd^ ju umfaffen, o^ne Unterf^ieb aU 
iai 8{(b ber äSeft, ober oielme^r ®otte^* 3n aSen 
(Sreaturett tfi ttt»ai ®ottti, aUx in ber @ee(e ift ®ott 
gSttltd^; benn fte tß feine 9ltt^e{l&tte; in t^r iß ber ®e^ 
fd^madf ®otte4 unb fte fe^nt ft(|i befianbig nad^ biefem 
®ef(|imaä^% jDiefe ®eban{en, treldfie t)on ber SS^eoIo^ 
gte feiner S^it gemäßigter unb mit toorftd^tigen S3ef($ran« 
fangen toorgetragen tDurben, brüdEt &^axt mtfy feiner 
SBeife {e(^aft unb in fuffnem Folgerungen ani* ®ott 
l^at bie ®ee(e o^ne Unterfi^ieb gefd^affen, in i^oOfonraie^ 
ner Souterfeit, in reiner 93ernunft; niemanb mag fte in 
enblid^en ®ebanfen begreifen; fte ift ®otte^ @o$n ; ein 
Üeber 37lenf(^, U)eld^er 3U ®ott ft($ mnttn mag, in bem 
if} ®ott geboren; ia dt^axt finbet in ber @eele ein ün* 
gefc^affene^ Sid^t, mi^ti aber ade 93ergängli($feit unb 
93eranber(id^feit ^intoeg ift unb mi^t^ ba^ toa^xt unb 
innerffe SQSefen ber @ee{e au^mac^t; iai ift bie (Sinfol^ 
tigfeit ber @ttU, in toti^tx aUt anannigfaftigfett iffrer 
ftr&fte ein« ift ^3. di ftnb bied Folgerungen, toelc^e au6 




f) aUnt. fol. 247 col. 4. Unb alfo aU alle bing ein Ite^t 
getoefen feinb uf^ufltefr^n, atfo feinb fp au($ e^n Iie($t n>tber in* 
^ufommen^ bie ficfi mitt frepem toiUtn baioon nit ferent. 

2) (Sbenb. fol. 254 col. 1 ; col. 3. 

3) ^benb. fol. 355 col. 3 sq ; 261 col. 3. ©Ott (at fp cn 



S09 

im SBetlangen ber @eele m^ bem ^S^ßen gejogeii it)ev^ 
ben unb von bev Sotau^fe^ung mi^t^n, ba^ bte 6eele 
gu einer lo^tttgen SSefriebtgung t:^te^ Serlan^j {ommen 
fjnne / n)el(|ie alfo an^ in ber 2:$eoIogtt btefer 3^t lie^ 
gen« Sie erinnern an bie Q^nergie tti S(rtßote(e<* , SSenn 
nun j[ene @ä$e ben Unterf^ieb itoi^^m ber @eele unb 
(Sott Qani auf}u|^e(en unb bie erfiere nid^t ali ®ef^f))f 
iu i&e^anbebt \^tmn, fo ^a(en wix in t^nen bcd^ nur 
Übertreibungen ju fe^en, tt>el(^e 6f$iart au($ n){eber gut 
gu ma^en fuc^t (^ mu^ aiierfenneu/ baß bie @eele 
empfangen ^at tin frembe^ SSefen^ ml^ti geurfprunget 
ifl ocn ©Ott; ©ottej äßefen mag ntcfit ttnfer SSefen totx^ 
Un, fonbern foK unfer Seien fein; mit @ott föSen toix 
mi toereinenitt ber@$auung; aber ni^fyt in berSßefung; 
@ott if} gut loott 9{atur/ ber ÜRenf^ a(er nur oon ®nabe ^3* 
Sf^art ftnbet noäf Sefc^ranfungen genug/ n)el^e bie @ee{e 
))0n ©Ott fd^eiben, bie ÜRaterie, toeld^e an beA @e^ 
fc^apfen haftet, bie SeiMic^feit, bie SRannigfaltigfeit; bie 
Seitlid^feit unfere^ Seiend. SSegen biefer ©eire^en ber 
menf(^Ii(l^en 9latur mußte ©oit ftci^ ben SDIenfi^en gleid^ 
macfien, bamit fte feine Siebe erfennen unb feiner inne 
toerbtn 2), 

ater freiließ toir Wunen bie ^ebigt (St^atVi niäft 
frei baoon fpreti^en, baf fte bie SWittel nid^t genug U^ 
rfid|i(|itigt, m\^t wir jur grreid&ung unfere« Siele« «n* 



unbcrfji^epb ßefji^affcn. ^itt »Irt ou* \>m mttielbaren «««fiteren 
ber ©eele au« feen Sngetn entftjiebhi »it^crfrrorjen. Q^bm^. 

fol. 300 col. 4 sq. 

1) etenb. föl. 277 col. 2 sqq.; 278 col. 1; 809 col. 4. 

2) &n\t>. fol. 255 col. 3 ; 313 col. 1. 



510 

inxotaitn ^aittL &tn ^ittin ftnben n)tv ttn ^arfßeii 
Unterf^teb {tvlfd^en fenter Se^ve unb ber 2:^eoIo9te bor 
e^tdt. 9ttf ba« 3te{ ifl jiener Hnge geheftet; btn Seg 
iiberfpritigt fte ober tn jd^te i^n abfurjett« jDie 9)tittet be^ 
totffetif^afHtd^en Seiend Oi^tet (Sffiart gering unb ))reb{gt 
gegen bie ©etel^rfontfett/ gegen bie feinen Qnterf^etbm^ 
gen iti 9la^benfend« (Sin fcfflid^ter 3Rann fonn »o^I 
eben fo gut ®ott erfennen, ali ber ÜReißer bet SBiffei^ 
fcbaft 9tt(!^ bad praftif^e Seben gilt i$im tDentg. 3m 
SBirfen erblidt er faß me^r eine Sntfrembmig wn ®ott, 
ein heraustreten in bie 3RannigfaItigfeit^ att ein 9KtteI 
beS aufzeigen j ju tl^nu jDer äSitte iß ba« ®nte , auf 
bie äSerfe fommt ti nic^t an^ unb bennoi!^ iß ber 9Bt8e 
anc^ nur eine untergeorbnete firaft ber @eele 0« 6dbß 
bie t^Iogifd^en 2;ugenben {iegen jtoar auf beut SSege, 
ifutb aber noc^ fem toon ber Sottenbung^« 2>en ®tait^ 
ben an (^^rißum ^dft Q^art jn^ar feß, aber bm)on toitt 
er ni^ti n)i{fen, baß 6^rißuj und nur ben SSBeg ofen^ 
bart ^abe, auf xoü^m xoix gu ®ott gelangen feilten, 
i^ieUne^r, wie er fefbß fage, er |fabe mi offenbart oOeS, 
t»ai er gel^ört ^abe oom Spater / unb i|fm |fabe tn feiner 
®eburt ber Spater aQeS offenbart, bie Slbgrfinbigfeit beS 
gottlicfien SSefenS; fo i^be er ani^ und ofenbart, baß 
toir aOe ber @obn ®otted ßnb ')* äBenn er nun no^ 
ÜRittel }ur Sefeligung toerlangt, fo läu^ bad aOed io^ 
nur auf t)emeinenbe gorberungen ^tnauS. SStr foOen 



1) (Sbenb. fol. 251 coi. 3 sq. 

2) (Ebcnb. fol. 258 col. 3. Sott bet Hoffnung, d^enb. fol. 
278 col. 1. Son bet 2\ihe. 

3) (Sbenb. fol. 263 coL 3. 




Ml 

und oder SBerfe entfletben, aUti SSBarum (kNegen, mU 
^ei bo^ nur auf bie üRittel ge|»e, ttt^t einmal na^ un^ 
ferev Seltgfett tvad^ten, n^dl bieS nur na(fy bem Seinen 
tra($ten ^ei^e; er forbert bie ^Sd^fle Uneigennfl^igfett ber 
@eele; tDir foQen mi felbß ®ott opfent; un^ felbfi gu nickte 
niacfien; n)eil ®ott ani bem 9{{$t^ aUeJ f<^(tfFe« 2)ie Seele 
foQ {t(|f aUti au^fc^älen unb t)on allem ft$ f^eiben, tt>aö {ie 
fiat, wnititn, Stx&^tn unb Statur^ bamit nic^t^ Unreine« 
in ®ott fade; bann foQ fte ®ott leiben, i^n in ftcfi mirfeh 
laffen, bamit jte mit i^m t^fOig geeinigt n)erbe; ber 
SD^enfd^ folge nur unb tt>iberf(e^e ni^t ^3^ S)ae iß bie 
Sauterfeit bed ^erjend; »el^e @f$iart fi(er ikU unb 93er< 
Pnbnip er^eM, wn mi^tt er fagt, ba$ {te niemal« 
faden Unnt, to&xtnt toiele {iebenbe unb oerftanbige Seute 
gefallen n)ären; ba« i{l bie geifUi^e ®eburt ©otte« in 
ber @eele, mii^t er ^(j^er ad^tet aU bie {eiUicfie ®e^ 
burt ©otte« in ^riflo ^). 2)er ©ebahfe an eine SSer^ 
einfad^ung ber @eele ^erfcfit ffter(ei unb e« f ommen auf e^ 
rungen ^ox, tczl^t an bie Se^re ber frfi^ern ^pfiifer 
)oon ber @in j^eit ader @eelenfrafte erinnern* (Si ifl wn 
einem günTIein ber @ee(e bie SRebe, t^e^e« alt i^x im 
nere« SBefen betrad^tet toixi ; bie loieTen Gräfte ber @ee(e 
toerben biefem 3Befen entgegengefe^t unb nur ali beffen 
Sludgiefungen betrad^tet. S)a« SBefen ber @eele ftnb ni^t 
bie @tnne, ntd^t ber Sßide; no^ ber 93erfianb, fonbern 



1) (Ebenb. fol. 244 col.4; 245 col.l; 246 col.4; 252 coI.l; 

254 col. 4. SBann gott ber muf fetter tt)ür!en in und, tt)anned 
ifl ein götlii^ tt>erf, ber menf(( fol^ nur unb toiberflee ntt, er 
leibe unb (a^e gott MxUti. (SBenb. fol. 304 col. 1 ; 317 col. 2. 

2} @benb. fol. 278 col. 1 ; 314 col. 2 sqq. 



»12 

n^ettn man bfefe fira^e bet @eele In iai SBefen nimmt, 
fo ftnb alle tita, bte ©eele {{I (Sott qM^ unb ^at fet^ 
nen Xfftil mhtx an 3ett no(^ an Mi 0. Sl^er genauer 
gefft atfyatl in biefe Se^re nt(i^t dm Sie aSgemeine unb 
oierp^ilic^e Sorffellung, mit n)el(]^ev ev in Sejug auf 
aQe n)iffenf(j^a^Ii(i^e Unterf(]^eibungen fxäf begnügt, laft 
iffn m^ \tfyon bamit jufrieben fein ber 3)teinung ber 
@(i^ule beijußtmmen, bap im ©d^auen (Sottet ade firafte 
ber @eele er^o^t werben ^* ©eine Sepre i^rem ^aupt^ 
guge nad^ gept barauf au6 bie fDtittel )u befeitigen, unb 
Ifierin f)e$t er im ® egenfa^ f on>o^I gegen bie Sictormer, 
wü(fyt bie ©tufen be^ 3(ufßeigend }u @ott )>{Iegten , ald 
gegen bie ^^eologen fetner 3dt. D^ne fDtittel uoid er 
©Ott erfennen ^3. jDie et^ifd^e fftx(!^tnni ber ^eo(iygie 
(ann babei nur ^wa(l^ loertreten fein* 9lur baburc^ foU 
len tt)ir alleö ®ute, t^aä bie ^eiligen unb !Dtaria unb 
S^riflu^ gen)ir!t l^aben, p unferm (Sigen beft^en, baß 
xoix mit ®otte« 9latur geeinigt, finb *3- Sin änMitf ®ot^ 
te^ in feiner Slof^ett einiget bie ©eele me^r mit @ott 
atö alle SQierfe ber S^dflen^eit tS ju tpun loermfgen^}* 



1) @6enb. fol. 249 col.4; 251 col.4; 252 col. 2; 287 col.4; 

296 co]. 4 sqq.; 301 col. 1. S)te eine StxaH ber ®ee(e toitb 
Vernunft; Sertiünftigfett; (SmiSii^ genannt; in SBa^ett aber ifl 
fte namento^, mie @ott. 

2) @benb. fol. 243 col. 1. 

3) @benb. fol. 244 col. 1 ; 300 col. 4. 

4) (SBenb. fol. 266 col. 3. 

5) @benb. fol. 248 col. 3. Sann ein einiger anMi(! ^u t>er< 
ftanb ber Moß^eit, bie gott ift, ber einiget bie fei mer.gu gotte, 
benn fp geeiniget motzte »erben »on aden ben tberfen, bie bie 
heilig cjrifjenjept j>e gen>ürfet bon auffen. 



1^ 



S13 

nn^tail^M btefed ©egettfa^eS gegen bte X^olPgfe fet^ 
net 3(tt fann man mcf^t oetfennen, ^toit Ut Seffte S& 
ffatf ^ aud t^r ^en)ptgegangen ift SDteä jetgt ftd^ an 
me^rern |)unften; n)el(|ie f^cn ewfi^nt tt)urben, (efon^ 
ber^ a(et barm, bap um bie SRfglt^feit einer SSereini« 
gung ber menfd^Itc^en @eete mit ®ott ju jetgen oorjfer^ 
f^enb bte metap^yftf^en Segnffe unb bie yiatax be9 
toerfiänbigen ^fennen« |fer(etgeicgen /derben» 3m (Sv^ 
Umm ftnb tvix mit ®ott tini^ Srfannted unb 6rfem 
nenbe^ ftnb im mirftt^ien Q^cfennen badfeI6e» 2>ie Scj^re 
ber 3(riJloteItfer btefer 3^t Ringt in biefen Qa^m itut^ 
ti^ na^* 3m @e^en n^erben Sluge unb ^oii tini, nur 
bie ÜTIaterie [(Reibet fte; tpäre ba^ $0(3 o{fne SRaterie, 
ein geifili(|iej jßing; n?ie tai ®t^^t münti $(ugej, fo 
tt)firbe fein Unterf^iieb unter t^nen fein« Sei geifligen 
SDingen ba^er, mie ®ott unb bie @eele ftnb, finbet au^ 
eine t)ölltge (Einigung bed @rfannten unb bed Srfennen^ 
ben ßattO« SBenn geforbert wirb, bap ber äSerftanb 
be^ SRenfd^en ftc^ reinigen foU um ®ott in ft(^ aufju^ 
nehmen in einem Seiben, fo meifl biej o^ne 3n>eifel auf 
bie Se^ren ber SIra(ifc^en Slriflotelifer )oom tfiätigen unb 
(eibenben 93er{lanbe unb wn ben @ingießungen @otte^ 
in bie gereinigte @ee(e jurud« @p mad^t auc^ eine beut*' 
f(|ie Sl^^anblung Ui 14 3ia^x^., m^c tt)ieberpoft auf 
(Jf^art fici^ teruft, jienen Unterfc^ieb jwift^en bem leibeut^ 



1) Sbenb. fol. 300 col. 4. SBerc aber baö Jol^ on maini^ 
«nb ed gumat ßeifllig »ere ar« ba« o^f^** meinet oug«, fo mötjt 
man fprej^^en in ber wa^rjett, ba^ in ber wfirHüeit be« geffti^teö 
bad (o(^ unb mepn oug beßünbent in etm Wffen. 
@ef(J. b. Wl* VIII. 33 



514 

be« uttb Um t^otigen Serfianbt yax ©ntnbtage t^rev 

di tft gemtf ein feltfamer SSBtberPtett tu biefen $re^ 
bi0t(n (Sfffart'4, baf fte eine \ol^t borf^erfc^enb t^eore^ 
tif4^ unb meta))^9ftf(&e Stic^tung an ftc^ tragen unb ben^ 
w^ in t^rer %n\pxa^ an ba< SoU fic^ n^enben^ n)obei 
fte not^enbig ben feinen Unterf^eibungen ber @4^ule 
ben 9tuden ^ufe^ren mupten* ©eine Se^re bejeic^net ben 
$un!t, too man bie Srgebniffe ttx ®^ult au^ bem SBoIfe 
iuganglic^ maif^en tcoUtt, iatnx^ aber au(i^ beranla^t 
würbe fte urnjugeflattem jDie ®MaU ber tfie^Iogif^ett 
Schule/ au^ ml^tx (Sd^axt gefommen tt)ar, ifl bei i^m 
no^ loorperfdS^enb ; fte giebt feiner $rebigt ben meta))^V^ 
ftfc^en G^arafter« Um auf ba6 fßolt }u tt>irfen tnupte 
biefe m^fUfif^e Se^re attmdlig pxatti\^tx »erben. Sln^ 
Hange biefer Stiftung fe|^Ien Ui (Sf^xt ni^t gan}It(^; 
bei Sanier / bei @ufo ftnb fte biel |Ȋuftger unb brangen 
bie ntetapfi9ftf(^e Sttc^tung {uvitcf* ^an fann bie< nur 
ald einen natürlichen Fortgang in ber @ntn)idlung anfefin, 
)tt n)e^em (Sd^axt, inbem er bie legten @rgebniffe ber 
@(^ule entffuUen tooUtt, ben erßen ©d^ritt gctffan ^atte^ 
jDa^er^ fiat bte Sf^eologie ber ^ierarc^ie nid^t offne @runb 
in i^m i^ren S^inb erfannt« Sv^^ Einern $rebiger aber, 
i9el(|;er bad fßoü }u einem neuen itUn l^ätte enveden 
f innen ^ aud^ ^on adem anbern abgefe^n ; xoax er ju tief 
berfirtdt in ben SSorfiettungen ber ®^uU; er ^t^t nun 
itoi\6)tn @d^u(e unb fßolt in einer niä^t fepr erfreulichen 



1) ^ffiiohpW^^ Zxüctai t>cn bem tt)trfli(^en unb mdgU^en 
Srrflanbe in Z)pcen*d äRifceU« au^^^f^^* ber ieutf((* «th I @* 138 ff. 




«- ^ 



\ 



81» 



Wim^f unb mit er n^eber ben einen no$ ben anbem 
äSeg }tt tt^anbeln mi^, fte^t er {!($ 2ttrfi(fgen)orfen auf 
bte Sltefen feinet ®m&t^9, m^t i^m ben fJunft fetner 
(Stnigung mit @ott ^txf&nitn, aber aud^ ent^lD^t t>on 
oKen ben SDKtteln ^ bun^ weld^e biefer $unft jum Seben 
ftc^ entfalten ffnnte* @o be}etd^net er einen ©tidßanb 
ber (Sntn>idlung , in welkem SlUe« unb Steuer n>te im 
@Iei(^8en>i$te f^meben» 



Pf 

u6er|td^t unb ®4>Iufbetraci^tungen» 



Sie Stttwirflung ber ^JJilofo^jJie in biefem Seitraume 
ifl einfacher aU im i[)ori^erge|^enben , mit fte einen ttA^ 
f(^benern SBeg }ur Siu^bilbung be^ @yßem6 eingef^Ia^ 
gen fiatte. 92ur bte pUe ber ©ebanfen ma^t bie Über^ 
fielet fc^mterig ; ber gaben/ an mX^tm fte ftd^ enttt^ideln, 
ifl ntd^t Ui^t ju loerfennem Wlan ^at oft aber ba6 ®e^ 
i&nt ber ©cf^ule in btefem Stitxaum geHagt/ unb n>enn 
man bie (Sinjet^eiten ber Unterfu^ung im Sluge ^at/ ftn^ 
bet man tint fold^e ^(age auc^ nid^t grunblo^ ; aber matt 
barf barfiber aud^ bie ©emeinfc^aft Ui @eiße^ nic^t öber^ 
fe|fn, in ttjelc^er bie ^^ilofo^fien biefer 3^it ju einer 
grffern @inigfeit gelangt ftnb/ al^ aUe f))ätere Seiten 
ber neuern $(^i(ofo))|iie erreid^t i^abem 

3|»re Übereinflimmung liegt in ber fird^Ii^en Stiftung 

tfirer it^xt, in tvel^er bie brei ^auj)tle|frer biefer S^it* 

xanmi, Gilbert ber ©rope^ X^mxai t)cn Squino unb 

33* 



»16 

jDuttd ®c^tni, i^re @9fleme enttDavfen* S)er ©ebanfe 
an ba« Stei^ bei; ®nabe, tt)eld^ej und t>ott ber.9faitor 
aai }tt @ott fufircn foU/ tfl iffte gemeinf^aftlic^e ©runb^ 
läge. 3ni^ Se^cunbung biefed ©ebanfend ge^en fte tooti 
ben gorberungen ber SBemunft arx^, ein SQBeg/ tt^el^eo 
ond^ bk neuere ^^ilofopfite feit Rant mit ixi^ttm ober 
geringenn Sen^uftfein tt)ieber ^tx\\x^t ^aU 3lai^ bem 
f^o#en ®ute in ber geifligen ^Bereinigung mit®ott,v^it 
fte au(]^ (emirft merben möge/ wlangt bte t)ernün^ge 
@eele; t^r SBerlangen barf ni^t oergeHi^ fein« 3nbem 
toir un^ nun a(er aii SBanberer na(fy biefem 3ie(e jn 
betra4iten ^aitn, mfiffen toir aix^fy t>on Slnfeing m ben 
Seg einfc^IageU; welcher ju ifim ffii^rt, unb bamit n^ir 
uni ni^t oerirreU; mu^ mi eine Seitung gu S^eil toer^ 
ben, weil unfere f^tt^aci^e SBernunft toenigflenö ))on Sin« 
fang an, unenboidett, toie fte i^, aui eigenen haften 
ben riii^tigen SBeg }u ftnben nid^t oermag. ^ieraud wirb 
bie 92otfftt>enbigfeit einer göttlichen ^ü(fe inx^ bie Df^ 
fenkrung unb anbere @nabenmittel abgeleitet/ bamit wir 
ein frommet Seben führen unb burci^ ba^ fromme Seben 
au(]^ }ur Srfenntnip ber SQ3afir^eit befähigt werben, ^ie^ 
fer Sluagange))unft benimmt ben weitern 93erlauf be6 
(B^^mi^ 3Bir fonnen i{in jwar nic^t a\i tt\oai t)o(Iig 
92eued anfeilen^ aber nacb fo )oie(en SSorgängern ift ben 
$^i(ofo))$en beö 13. 3a|»rp. iai SSerbienfl ni^t abju^ 
f^rei^en i^n jur ©runblage ber 2:j^eologie gemacht / fei^ 
nen 3ufammen^ang mit ber 9lrif)oteUf(^en Sefire mi^it* 
n>icfen unb mit immer größerer Sorgfalt i^n unb feine 
golgerungen auggebitbet ju ^aben. Sie fortfcjreitenbe 
entwiölung biefer ©runblage beö tf^eologif^en ©yjiem« 



S17 

iß nid^t 2u ^erfennen* ^a^itm Wittt Ux ©to^e nuv 
einen flfi^Hgen (Snttt^urf betfel^en gegei&en yattt, ent^ 
tDidelte 2:^omad wn Sfqttino fte aujfft^di^^ inbem tt 
ni^t aMn für bie unf)|ii(ofof)^tf(i^ SRenge/ fonbent au^ 
fllr bie $ffi(ofop^en ü geltenb macffte, baß fie im 9»^ 
fang felbfi fi(er natSrlic^e iSBafirl^eiten (eleptt, a(ev au<^ 
immerfort bur^ ein ffd^ered l^t^t fiier i^ren 3n^eil er^ 
lenktet n)erben müßten ^ n)ei( ber S^td ber 3ufunft an^ 
Qt^xt unb ba^er ber (Erfenntniß in natürlichem SBege 
nid^t ^inret(|)enb augänglid^ ifl« Unb fetift S)ttn« ®cotu« 
fanb, baß biefen ©rfinben nt^ ttts^ai jusufe^en fei; m 
bem er geigte/ ba§ fttr iai mutf^ge unb erfolgreiche @tre« 
ben bed !Kenf(|^n nad^ feinem 3mät ifim noti^n^enbig 
aud^ eine Sfirgf^aft baffir gegeben n^erben mflffe, baß 
bte i$im )oer(ie^enen 9ßitte( gur @e({gfeit audreid^en. 

jDtefer Slu^gang^punft ber t^eologifc^en Unterfud^nng , 
gieit nun bem S3erlaufe Ui ©yflemd eine et^ifd^e 9ti$^ 
tung; morin fd^on ^etrud Som(arbu6 unb $ugo ^on 
@t« 93ictor t)orgear(ettet Ratten« |)ierin liegt ber ^aupt^ 
punft für bie fortfd^reitenbe SSen^egung in biefem 3eit^ 
räume unferer ©efd^td^te; t)on ipm aud mirb man i^ren 
3ufammenp^ng mtt ben Sefire(ungen ber frühem $eriobe 
unb i^re tt)ad^fenbe ^Keigung jur Slriflotelifc^en f^ih>^ 
fo)>i^ie am beflen begreifen« @d^on SIbert ber ©roße 
fd^iog ftd^ bon biefem ©efi^t^punfte m^ )^orfierf((enb 
an bie Cefiren bed ^ugo t)on @t. SBictor an, um }u er^ 
fenncn, tt)ie ber SJIenfc^ burd^ bie natfirlid^e Q^tmidEIung 
feined 8ebend }ur Serä^niid^mtg mit ©Ott unb }ur (Sm 
pfünglid^fett für feine ©nabengaben ftd^ i[)orbereite. £)a 
erfd[lien i^m ber menfd^H($e ©eiß aia bie SJereinigung 



518 

afler 3becn in ft(i^ tragenb; bennod^ oI4 ein einfac^ed 
SSefen/ tt)eU^e4 nur in ber SttttpicUung feine« Setotf 
t^erfc^iebene ^afte a(d ^^erfd^tebene Snttpitflungdflnfen ei^ 
n^4 unb be6fel(en 9Befend geiptnne* Sßenn biefe Setra^ 
tungdweife m^ an bie |Hatonif(|ie ^beenle^re ennnec(> 
fo entf)>n4t i^r bod^ bie 8e^re Ui MfiottUi wn ben 
Stufen ici Seiend unb )Don fetner SBodenbung in ber 
(ßiergie bet 93ernunft bei n^eitem beffer« 2)ad gefixten 
an ber emigen 3bee, mlt!^ feiner leknbigen <Sntn)i(& 
(ung bebarf, bai ^euj ber «)origen ^eriobe, mn^tt itij^ 
hinter ben gorberungen bti ftttlic^en Seben« jurfitfiretem 
3war n^irb bie ewige 3bee no($ anerfannt/ aber nnr nm 
im SSerflanbe ®otUi )u ru^en; in biefer Sßelt bagegen 
mu^ fte ftd^ entn>i(feln um SQBtrftid^feit iu gewinnen im 
Sewu^tfein ber t^emünfiigen SBefen unb bie niebem Gräfte 
ber @eele unto ber äBeft erfd^etnen nur aU ÜJlittel bie^ 
fem 3tt>etfe ju bienem STOit biefem Smpt>rfommen ber 
Slriflotelifii^en Sef^re t>erbinbet ftc^ aber auc^ bte Steigung 
)oor|ferf(^enb in ber SSoKenbung beö 93erfianbed bie fttt^ 
K(|^ Slufgabe au ftnbem S3ei ^Ibtxt bem ©ro^en liegt 
fte noc^ unentwidett mepr in feinem SBetfapren / weniger 
entfc^teben in feinen Se^rf&$en; bei Z^oma^ wn 9(quino 
entfaltet fte ftc^ )u tmm entfc^iebenen jDeterminiömud« 
S)er äßiKe erfd^eint i^m aU untergeorbnetbemSJerfianbe; 
er bringt bte ©Ifidfeltgfeit ni^t ^enoor; ber SSerflanb 
fc^aut @ott, bur(i^ feine (Energie flefit ber Üßenfc^ in 
äJerbihbung mtt ber l^of^ern SQ3eIt unb mit ®ott. S)ur(^ 
biefen SSorjug, welcher bem tpeoretifd(;en Seben t>or bem 
praftifd^en gegeben würbe, obwofil bad tffeoretifc^e Seben 
felbß aii eine ftttUd|ie (Sntwtdiung, ali bie SBerwirKicftimg 



519 

bed |^ö#eti ®viti erf^ten, mußte bie et^fc^ 9ti(|ituttg 
be« @9flemd t>erbedt n^erbetu (Srfi jDuni Scotud toufte 
einen. SQ3eg )tt ftnben, toü^x bte gattse®ek9a{t bed et|ii« 
fd^ ©e^aUö in bei:^r(^enle$ii:e barlegte; inbem ec ben 
Sorrang bed 9Q3idend wt bem Sev^nbe bei^aii)>tete ünb 
jtüar 2uga&; baß üener nic^t ofine biefen ju »>irfen ^et« 
möchte, aber ben 93er{lanb, fofem er ©runbloge iti 
SBtKen^ ober erßer ®ebanfe ifl, nur aU eine ))l^9ftf(^e 
Sorbilbung fflr bte freie (£ntf(]^eibttna be« fimi^en Se^ 
(end betrachtete, unb min au^ einen Serflanb in beit 
jiDeiten, entn>i((etten (Sebanfen m^toiti, ml^tt bie fttt:« 
(id^e Sntmiälung bed Sßitten« ju feiner SBorauSfe^nng $Ki&ir* 

SRan fann mo^I fagen, baß nac^ biefen Unterfd^eii« 
bungen bie 2:peoIogie )oon Anfang <m geßre^t ^atte. Stfl 
burc^ fte tt)urbe i^re et^if((e ®ebeutung in ein ffare^ 
Si($t gefegt. jDaß fte ni^it mäßig ttnb, tt>irb man er^ 
a^Hn ffnnen, n)enn man i^re ©tettung-^u ber (etilptn^ 
ten Srage nai^ bem SSer^ältniffe be6 &laii^ni ^um Sßif^ 
fen a^erbenft. di war gemiß iin Sortf4fri(t in i^xtt 
Sdfung ; baß man ©ebanfen unterf(|iet / xötl^t bem fttt^ 
liii^en itbtn i^rer 9latur na4f Dorau^gefin; unb anbere 
©ebanfen, mi^t i^m nur folgen f Innern 

%hzx man tvar no^ weit bat^on entfernt an^ folc^en 
ttnterf(^eibungen ben redj^ten ©ewinn ^it^tn ju fdnnen« 
^it ben Sortff^ritten ber Se^re traten aud^ bie 93ef(^r&n^ 
fungen ber 3eit in wad^fettbem SWaße fierioor«. 3e beut^ 
lieber man bie et^ifd^i^firi^Iic^e (Srunblage ber 2;ffeotogie 
einjufe^en glaube ; um fo flärfer würbe anify bie iXhtx^ 
jeugung, baß bie 2:^eoIogie jur 9^flerin ftl&er atte 3Btf^ 
fen{4Kiften befHmmt fei. Sd^merUcf^ mt e^ bied gerne« 



IS20 

feil, UKtf SEriftotele« itäb^^^ ffoüt, wvm er oOe SStf« 
fenfi^fl auf 2:^IO0ie ondgc^n ließ« 6rtii Segciff bcr 
X^eoloste $atte fdne it^^xaatmU Scite^ttnd ivtbtr auf 
Ua ^lU^, Milf auf ba4 ftr^Iu^e Setoi« 9Raii nag 
auf foli^e Sctie^ungen t)on btr SBt{fmf(^fi snle^ gtfa^ct 
n>erb€tt, akr fte wn wtnpatiü angune^mtn bcfc^ränft 
ben Q^^tctii* jDm)on gcboi bte ))^üofo))^if(|eii Vaß 
terftt^mtgen tteftf 3ritraum4 ben beutltc^^ Setoei^ aK 
3ii Snfoiig bedfetten nnir man bun^ bie Slrad'fc^^an^ 
tctifd^ $^itofo)>pte ber iRaturförf^utig }ngemtnbet »oi» 
bot» SOiert btr (Brope tvenbtte i^r oOtii gleif gn, ni^ 
ttu oOcii Stfolg« S6er tote geifngfiigtg fmb bo^ bte 
ümtbitß C^entttstiffe , tod^e man geUHmn, gegen bte 
gro^e aSaffe ber SZaturietra^tung, toü^ man auf gn^ 
ten Olantoi anna^nu I>ai ®9ßem ber 9tatar, ber gon^ 
sen Safornmenfe^ung bed SBettaltö, toeb^ed frfifiere S^^ 
ten feflgefleOt gn falben fc^tenen, mar gn ma^Hgi aÜ bag 
man i^m gu tpiberfpred^en gesagt ^ätte* jDie 2:|feotogte 
manbte ft$ nur t>on feiner wtitmi G^rforf4iung mefir unb 
me^r ab» Unterfuc^nngen, tote fte tin 9{oger Sacon^ on^ 
ftettte, fallen nur außeri^alb bed ^etfed ij^rer Sortf dritte» 
SBtr ^a(en iemerfen muffen; tote Xfyomai oon SiquuiD 
unb jDuu« @cotud tu fortf^rettenbem ©rabe bte 9f^9ftf 
oemat^Iafftgtem (Stne ä^nltd^e (Stnfeittgfett getgt ft(( na^ 
ber @eite ,ber (Stffit )u unb t{i ^ter no($ auffaOenben 
Sienn SUbert ber @ro^e au$ bte (St^if unb oteOetc^t fo« 
gar bie fJoIittf bed Sirifioteied erHärt ^atte, fo waren 
bad offnmä<^ge SSerfud^e Unterführungen in ben ®ang 
SU bnngen, toelc^en bte Steigung be^ 3eitatter« fi(^ oer» 
fagte. 38ie fiarf aw^ bte etffifc^e ffiiifytmQ ber SJ^oIo« 



521 

gte aniQtpx&^t tft, fo erfc^dnt t^r bo$ bod SeBen üt 
äußerer SBtrIfamfeit nur tt>te ein n)ert|fIofer (Segenfionb^ 
welif^en genauer ju erforf^n ter SRfi^e niii^t t>erIo^nen 
mi^U; bte etj^ifc^en Sugenben ^tittn tt>entg gegen bie 
tl^eotogifc^en« flud^ btefe Semac^Iafftgung be9 »ettlid^en 
Seiend ftnben n^tr tn btefem B^tt^ume im SBo^ifen; fte 
fieigert {t(^ hii gu ben SBel^au))tuttgen be6 S)und @cotu«^ 
baß ©Ott nt(^t bte ^anblungcn, fonbem bie ^erfonen 
annimmt unb baß fogar bie ÜAt bti 9lfi#en nur ün 
n>i(I{firli^e6 *®e(ot i^, totU^t wn bem eingtg 9lot^men^ 
bigen, ber Ste(e (BotM, getrennt »erben fdnnte* Son 
ba ttHir ti ün Keiner Sd^ritt tii jnr Se^re (Ef^artV, 
baß tptr aUti Zf^mi mi entHeibm nnb nur ®ott lef« 
ben fodten« 

93ei biefen audf($Iießenben Stic^tungen ber St^eologie 
finnte man }u ber grage ft$ fSr (erec^ttgto^otten^ m^ 
benn t)on ber Slrifloteltfd^en Se^re fi6er toütli(fyt 2>inge 
für bie $^{(ofo))^ie btefer 3^ no($ wn SBebeutung ge» 
liieren n)are* Sl(er man muß l^emerfen, baß n^enn au^ 
bie (£in}el^eiten ber ^^yftf unb &yit be6 9b:ißote(ed in 
ben «^intcrgrunb gerucft tomitn, fte bO($ im Mgemet^ 
nen al6 eine ST^affe xoittttn, beten Sorau^fe^nng fifieraU 
gu t^erfpfiren tt)ar. Sie« traten fte baburcl^, baß fte in 
üiereinflimmung mit allgemeinen Gntnbf&^en ber SSiffen^ 
fd^ft ßanben unb ^m^ SSeranfi^ouIic^ung bie logifi^en 
unb metap^^ftfd^en @runbfä$e p^ten« $(uf biefe unb 
t^re 3)ttr(l^fäfirung in ber Betrachtung ber Sßett unb 
@otted mußte bie itiit ^erf<|ienbe $^i(ofo))fi{e 9or}ug«« 
iDeife ftc^ richten ; totil f^^^t unb iSt^if nur aU Vlthtn* 
totxt . galten unb n>eil ben tfieologifd^en Sef^ren bie aUge^ 



522 

metnflen Unterfuc^ungen HAtt bte Sßiffenf^ft ttnb i^xt 
©egenflänbe am ti&c^flen Itegetu 3» bet Sudariettnng 
btefer affgemeinen S&^eile ber f)^t(ofo))fite gdgen fic^ nun 
bte ffdm))fe/ toüi^t bk neue Slnftif^t ber S)tnge gegen bte 
äSacfit ber fi^erltefevung ^u befiefien ^atte« jDtefen Aäm))fen 
^<iu)>tfä$It(|^ {{i ed tujufc^retben, ba^ bte $^iIofo))^te bed 
13« 3a^t:^» mi juwetten fd^werfädtg unb berworren unb 
gemetntgltd^ fi^^rtoben gu fem fd^eint 2>a$er fommt etf, 
baf man oft gejweifett ^, o& ^ter ettt)ad mel^r bov^ 
liege; ali eine Ü6ung be« 6c|iarf{tnnd unb ffi^net @e^ 
waubtlfrit im f^ftemattfc^en ®tmU^ %Ut u)te man auc^ 
nocb batü6er gn^etfeln möge, ntemanb, wt\(^tt bie 69« 
fleme btefer 3ett fennt, n^tcb {t($ ber|ieplen fömten, baß 
fein folgenbed 3eitafter fte an fd^atfer ^ua))r&gung me^ 
ta)>l^9ftf$er SBerfnäpfitngen ftiertroffen ^aU SSiebne^v 
m&ffeti toit fagen, alle folgenbe 3dten ^aUn in meto^ 
))$9ftf(l^er 9ti(i^tung faß nutr bie Stuc^pde ber alten, 
^al& bergeffenen (leerlief erungen ani bem 13* 3a^r^« 
|fie unb ba n^ieber ^ertoorgejogen unb auf neue Slufgaben 
angewenbet , n»el(|ie ypyftfc^e unb etl^ifc^e Unterfu(^ungen 
l^erbeigef&lirt Ratten. 

3Btr mäffen bte it^xtn ber einzelnen f)^t(ofop^en in 
ba6 9(ttge fafen um in einem ÜberMide ben Sortgang ju 
bejeid^nen, wü^m biefe Unterführungen j^atten. 

tü^ mi ber entf^feibenbfien Srgebniffe, toeld^e^ bie 
Se^re Xlbert^ in logifcf^er äSejie^ung brad^te, ifl feine 
@4i(idrtung iti alten @treit^ itt>i^^m 9iominaIidmud unb 
Stealiömua anjufef^n. @o wie f4ion immer bie 993ag^ 
f^ale biefem ftc^ jugeneigt ^atte, fo tt>ax i^m au^ ber 
le^te S(udf($(ag gfinfUg^ iubem mü Sefeüigung feiner 



523 

iXb^xUübmim bad 9BefentU(|ie feiner Sefite (e^auptei 
t»iti^ 3>üi SKaemeine folgt ^mx in unfern ®tbanten 
Um Sefonbetn^ mil unfte (Srfennen Ux finnltc^en Sor^, 
hilbmQ i&ebarf unb t)on bem JSefonbem ^ur aOgemetnen 
3bee aufzeigen mufl, aitx ü ^ot bod^ SS&a^x^tit nu^t 
atteüt in ben Siingen, ju beten Sßefen ti ge^5rt, fon^^ 
bem au$ wx ben 2>ingen im gittfic^ Serflanbt / n^el^ 
^r bie adgemeinen aRußer^ilber bev einjelnen SDinge ali 
bie aUgemeinen ©efe^e i^reir Statut in jtd^ umfaßt 2>iefe 
d^ntfc^eibung aber bie ieifSffmk Streitfrage i^t ft(^ U» 
^anpM iii ber SRpminaKMu« 3U einem neuen Sfepti^ 
ci^muö fft^rte» 

Sin biefen fJunft fd^Iieflen ft($ nun bie Qe^ren übet 
ba« menfc^Iid^e Srfennen an , fo toeit ti titttn natfirli^ 
if^en Verlauf ^at. @ie gepn, 9on ben Überlieferungen 
ber ^ri{ioteIif(^^3(rabif(^en ^itofo))|fie ou^; beri^tigen 
ße aber in nic^t n)enigen fünften« @d tt>ie bie $(rifla* 
telifer bie @eele atö ein SQSefen betrachtet Rotten, wel^ed 
admalig )oon ben niebern €tufen be^ ftttlic^en iibtni 
gum SSerflänbni^ ber jDinge {tcb emporarbeitet/ in atten 
^i^txn ®raben aber bie (Srgebntffe ber niebern @rabe 
bema|frt/ fo mirb biefer @runbfa^ auc^ burcf^ ba^ ganje 
13. 3a^rff. feftgefialten« 92a^ ber dti^^miQ, toeI4ie fd^on 
bie Slrabifc^en ^rifloteliter in (Spanien eingefd^Iagen ^aU 
ttn, i^erfc^wanb babei bie 9)2einung/ aU mfitbe bad 93er^ 
fi&nbniß ber ©runbfo^e und eingegoffem SBenn auc^' 
bie Se^re )>on ben angeboretftn Segrifen iliib, fo tDurbe 
fte bO(^ fii^on wn Sllbert bem @rof en ba^in gebeutet, 
ba§ nur bie Slnlage gu biefen ^Begriffen in unferer Seele 
liege r bie ^ntmidlung berfelbeif aber wn Anregungen 



S24 

unfertd t>taUni o&^fitigfg fei* 9tnx no($ entf^iebeiicr 
Ott afn^erroe« tnOpft aiiert Me (Sntwidbtng be« fSn^ 
fkaxM an ba4 flimliilie imb stufet Mett bei eiii)e&ieii 
SDtenf (^en an, inbem er tri^t jugtebt , baß ber f^ectdatioe 
®ebanfe wxt eine (Sntwfdbitig ber SRenfi^ffett im SUIge^ 
meinen fei, fonbem bagegen ben ®rmibfa$ geUenb mal^, 
ba§ bie ffdpem @rabe be< Seiend bemfelien GnbJMe 
jitfonraiett, tȟ^i bie niebem in fit^ autfgebilbet ^ 
Sind bemfeOen ®ruiibe »erwirft er bie Sef^re, baß ber 
t^SHge Serfittttb ttwai ber MrnunfKgen Seele frembef 
fei« 9lttr bnrt^ i^re eigenen Sn^engnngett fann fte Mn 
ber (Srf enntnig bed Sefonbem unb Sinnlichen jn ber (Ein^ 
fufit in bai SUfgemeine nnb Slft^acte aufzeigen ; in bie^ 
fer »erben bie formen, ml^t ia ber €eele liegen, nnr 
oM i^x Iferborgegogen, ttrietboffl mit Sei^Ife ber &t^ 
Anregung, boil^ ni4^t bnrd^ fte, bomit m'^ bad ^i^ttt 
bnr(| iai 9h'ebere ^erborgebrad^t gu tt>erben fcfieine* 2>a 
aber bie bemfinftige @ee(e aOe gönnen ber ZKnge jn 
erfennen bermag, fo liegt l^ierin bie Seßottgung bei ®e^ 
banfend, melden f^on $ugo bon QU Sictor anige^ 
fpro^en ^otte, baß bie 6eele ben Inbegriff ader 3been 
in ft4» trage« 

Z)ie metapl^pftfd^en Se^ren flimmen hiermit fiberein. 
3n i^nen f)>ie{en ÜRaterie nnb Sonn, toit feit atter 3eit, 
bie $attt>troiIe» Stier beibe bereinigt SUbert nur noi^ 
ßorfer mit einanber, aU Slioerroei, benn bie urf))rfing^ 
li^^e 9Raterie iß i^m nur ber 93eginn ber Sorm, bie 
Sorm bai (Eomplement ber SRSgli^ifeit, ml^t in ber 
SRoterie liegt; fie ergänjt bai unt)oUfommene 2)afein, in 
^»tUftm bte gefc^enen 2>inge urf))rfingli(^ ^ finbem 




a2» 

baß bie ®efd^0)>fe tn t^vem Sefcn unmtttelkt wUtnitt 
feien, e(enfo tote bie unmittelbare (E):Ienntni§ ber dbetn 
)>ern>orfen tt>orben toax, unb bagegen ba« ®efe$ itiZu 
Uni, na^ mltfym aUti ani feinem nnentoicfeften 93et« 
mögen {ur SStrHic^fett fommt, ati bie 9torm bed tt)ett<< 
liefen jDafeinj gettenb gemalt jDe^tt^egen toixb a\x^ 
ein immateneKe« 2)afein in bei: SSeU nur tnfofern guge^ 
geben; inwiefern in ber SRoteiiie eine Sorm ß(^ vollen^ 
ben unb ald reine SBirflii^feit ftd^ barfieUen fann« S)er 
Unterf^fieb jmifc^en ber j^immlif^en unb ber irbtf^^en 
ajlaterie toirb 3n>ar beibehalten, aber für bie Setra^^ 
tung ber S>inge fibt er feinen ß^renben (Sinfluß mi, in^ 
bem felbft bie ^d^ern 3nte((tgenien, toxt t){elme|fr ber 
menf^Iid^e ®eift; nur bur$ bie (Sntoidlung i^rer Slnla^ 
gen }ur SSoQenbung i^red @eind gelangen fetten unb ba^ 
^er bem äBefen nac^ bie S^aterie dli 9}eßanbQ^eiI i^ti 
Qtini t)orau^fe9enf 

. Sefonber^ toi^tig iß ti aber, baf bie ÜRaterie oXi 
@runb ber 3nbi))ibuation angefebn n^irb, obtt^ofit biefer 
@a9 baburd^ eine S3ef(^ränfung erleibet, baß bie SD^a^ 
terie aXi ein ©efc^opf ©otted gilt. {)ierbur^ greift ber 
Segriff @otte^ in bie Sef^ren über bie mitUi^tn Singe 
eim ®egen ben Slrifloteled t)ern)irft SIbert bieSe^rebon 
ber (Smigfett ber Seit unb ber SDtaterie, i^r ben eigenen 
©runbfa^ be^ SIriflotele« entgegenflettenb , baß bie Sor^ 
fc^ung nicbt in ba^ Unenbli^e ge^en bfirfe« ^it bem 
|)Iaton {limmt er baffir, baß atte«, tt^ad gen^orben i% 
einen Anfang ^aUn muffe, ^itxmit {lettt er {((^ in bie^ 
fen Unterftt^ungen auf ben @tanb))un(t ber mUti^tn 



S26 

2>tnge unb gelangt jum ^Begriff (BotM wxt, n)et( et bie 
t>eränberli(|ie unb )oerg&ngIt(^e 3Bett nic^t ani ft^ erfffi^ 
ren fann, fonbern einen ^ofiem ©runb berfel^n forbem 
2u mfiffen glaubt Si^er btefen @tanbpunft ^alt ev nti^t 
xnm, inbem er ®ott eine ^^txt ä^oKfommenfiett jufii^reibt; 
old bie, tt)el($e et aM Utfac^e bet mit bet^aKgt Sd 
^fingt ^ietmit sttfammen, ba^ et bie ^manation^Ie^te bet 
SItabet nid^t loiUi^ üitmunitn i^at; bet ©runbfag bo^ 
bie Urfa^ DoOfommnet fein mfiffe alä bie äBitfung^ gteifl 
^iet florenb tin unb ti bilbet ftd^ auf biefe SBSetfe bie 
Seffte; baß bie ©efammtfieit n^eltKc^et S)inge; mX^tmx 
in abßeigenben ©taben i[)on ®ott au^fliefen fonnen, in 
bet 3nbit)ibuation buri^ bie S^atetie conttai^itt; aw^ nut 
in (ef^tfinftet SBeife ba^ ©^mid^e an^btude. 
' jDiefe ^nftd^t bet 2>tnge fann mit bentbealeit got^ 
betungen bet SQiijfenfci^aft unb be ^ ftttlid^en Gttebenr tmr 
butd^ einen ®ett>aftftteid^ Deteinigt tuetben» filUtty ttm 
bie le^tetn nic^t gu t>erle0en, ftej^t ftd^ genftfiigt ben t>et^ 
nfinfttgen SBefen tin diti^ bet @nabe ju eröffnen, mU 
^ti nic^t auf ber @ntn>iä(ung i^rer 9{atur (erul^t , f on< 
bern in mi^tm ifirer 9tatur jugelegt tvirb« SDied ge^ 
f(|ie^t nid^t o^ne ÜRaßigung unb t>erßanbige Senu^ung 
beffen / toai bie et^ifd^e ätic^tung ber, ^irc^enle^re bar^ 
bot; aber ber 9Q3iberfpru(i^ / baß einem SBefen ttwai in* 
mi^tn Unm, rtoai ni^t in feinem SBerm^gen (iegt/ fonn 
bod^ nur notfibiirftig baburcf^ t)erbe(ft tt>erben; baß Sllbert 
an einen t>erborgenen 9iatf>fc^Iuß @otted in bet Slnlage 
bet SBelt nni t)ermei{l. 9tur ba^ SSorurtfieil , baß tin 
liebet @ef^ö^)f nac^ bem ©rabe feiner ©tettung in ber 
SQSelt tint bef(|ivanfte 9latur^a6e, jwingt ben t)ernanfti^ 



Ö27 

gen @efd^6pfett ein Se^en üitx i^u notürltd^en ®ren)ett 
l^tnau^ beizulegen, bamtt fte ®ott ft^ t>eta^nli^en unb 
)>ennUteIft bet t^eologifd^en SCugenben }um 9^tt)ttftfetn 
bed Unenblic^en gelangen unb iai 93etl(tngen t^m ^tof 
nunft fätttgen f Innern SSenn albert ^en ©ebanfen, toti^ 
^tn er jule^t/ um oUen ))ernänfttgen SQ3ef^ bte voflfe 
@eltgfett sug&ngltd^ )u mad^n, ju $ülfe ruft, ba$ bte 
natürlichen ®rabe ber 2>inge . nur auf ij^re t^ettli^e Sle^ 
ßimmung, nic^t auf ifiren legten 3we(f ftd^ bejie^/ in 
größerer SUIgemein^ett gettenb gemacht ^&ttt, tvfirbe er 
ni^t genötffigt gen>ef^n fein ba^ 9tei$ ber @nabe wn 
bem äteid^e ber Statur unb bie ^iligfeit , mli^t inx^ 
(Singiegung ber @nabe, wn ber Sittliclifeit/ tpelc^e burt^ 
notfirlii^ ®ett^d$inung geu^onnen tverben fott/ gegen bie 
allgemeinen (BrunbfA^e feinet Sefire t)on einanber aliu^ 
fd^netben» 

SBir bemerlen hieran ; ba^ smifd^en ben Anfang unb 
baiS (£nbe biefer Sej^re, bereu ftttlic^e {)altttng au^ ben 
firc^Ii^en (Iber)eugungen flammt, bie ^a^ ber mtta* 
)>^yftf(]^en Sefiren ftd^ etnbrangt, aXi etkbaini^t wUlopx* 
men ^affenbe^, ml^ti feinen frembartigen Urf))rung ni^t 
«)erbergen fann. 3u Anfang ße|^t bie gorberung be» 
liacbflen ®utd unb bie gaf^igfeit be^ 3Renf(^en su i^m 
unter S5orauafe$ung bed gfttßd^en iSeißanbe^ / p Snbe 
ba« 9iei(i^ ber ®nabe in ben t^eotogifi^en SCugenben^ 
wH^ti bie ©rabunterfd^iebe ber 2)inge }u biegen 3Rit^ 
teln perabfe$t; bie WlitU t>ti ©yflem« aber bef^äfttgt 
ftd^ mit ben togifi^en unb meta))]^yftf(|ien Sefiren bei ^U 
tert|fumi$/ tvelcfie eben mit jienen tveltlid^en @rabunter^ 
fdj^ieben )u tffun i^aben. SDa ftnbet ft^ nun, baß ftr gn^ar 



was 

eben Med wirb nun 3^^ ber Unterfuc^ung bed t^ittU^ 
c^n 6e{nd nnb bed weftli^en 2>eQfend, ju sdgen, ba$ 
bie natSrliif^en Sltittel ni^t au^reit^en nni unfern Ie(' 
ten 3tt)e(fe jtsjufu^reiu Slttf biefe äBetfe foKen tote ge^ 
}Wttngen tverben eine fi(etnatörli$e Qhrleuii^tong ^ut Sr^ 
gfinjung ber notfirltd^en (Stfenntniß anjuneffmen« fritx^ 
bwctfy ^ci ft$ bte Aufgabe, n^el^e bte f)^tlofo)>]^te In 
Sejte^mig auf ben ©laufen ju (dfen l^otte, tvefenttü^ 
gednbett SBenn bte audgeteiifmetflen Seigrer bet c^ß^ 
{teilen f)$i(ofo))$ie btdfier bafiin ge{lre(t ^atttn ben ©lou^ 
ben jut (Srfenntni^ gu bringen; fo fonnte biefe Aufgabe 
nun ni^t me^r t)erfoIgt Werbern Wlan fa^ vielmehr bie 
©laubenale^ren atö etn^ad an, n^ad ivix(fy ben natärlt<|en 
Serßanb nic^t begriffen n^erben fonnte; nur einer fiber^ 
natürlichen Snfi^auung foQten fte {i^ eröffnen« (£i u^urbe 
nun bie Slufgabe }u unterfuc^en; wai bem natfirlii^en 
SSerflanbe erfennbar fei unb wad ber Offenbarung 5oop 
bel^alten sterben muffe* d^ lag in biefer ERid^tung eine 
natürliche Steigung bad ©ebiet bed natürlichen Srfennend 
SU befd^ränfen/ um befto nac^brücflt^er bie 9{oti)n)enbig^ 
feit ber Offenbarung bart^un }u fonnen. Q^ ^^gt ftc^ 
aber aud^ bie grembartigfeit ber beiben S3eftanbt^ei(e^ ani 
tDeld^en ba6 ©pflem jufammengefeßt n)erben foKte, borin, 
baß nid^t, toit ber etfiifc^e Anfang unb @(^Iuß ju Der« 
langen berechtigt, bie [xttli6)t, fonbern bie tt)iffenfd^aft^ 
(i^ie Un}u(ängli^feit ber menfc^(i^en Gräfte für bie 3lot^^ 
n)enbigfeit einer Srganjung burd^ bie übernatürli4»e £)f< 
fcnbarung jum Scweife gebrandet wirb* 6^ liegt hierin 
ber ©runb, weswegen bie it^xt ^on ber Srbfünbe in 



Ö29 

btefem ©i^fleme nx^t bte SBebeututig er^ft, n^el^e i^r 
Qthüxt ^üt, nmii(fy ben ®(unb ahin^tUn, ^j^nmi^m 
aui iai Sebürfntß ber Srldfung unb ber reltgtdfen ®na^ 
benmittfl für ben SSertauf bed ftttlt^ien ititni gefaxt 
tt>erben mupte* 

3m SQSefenfltc^en na^m nun aud^ ^omai wn Stquino 
benfel^en ©ang in ber Su^einanberfe^ng feiner Se^re, 
nte^r Bemalt iai Q^^tm abjurunben, oii ti auf neuen 
@runblagen in eri&auem ®tin ä3en^ei4/ baß unfer na«" 
t&xli^ti Srfennen bem Serlangen unferer SSernunft na$ 
ber Slnf^auung ber abfoluten 9Sa$r$feit nt^t genüge, 
flfi^t {?($ gan} mit ber ^zwtii %li>ttVi auf bte (etben 
®ä<}e, baß uotr in unferm natfirlt^en (Srfennen bon ben 
SBirfungen au^geffn nuiffen, baß aiber bie SSHrfungen ben 
Urfad^en nt^t gleti^ fonmten Hmtn* 2)ie gan^e fSitU, 
uns^ollfommner aie ®ott, fann feine ganje ^erlt^feit nt^it 
offenbaren. S)edn)egen ifl m!^ aUti, toai toix ®ott t^on 
natfirli(|ier Srfenntniß ani beilegen , ntd^ in eigentltci^em, 
fonbern nur in einem fio^ern myßifd^en @{nn t^on t$m 
mt^iufagen, unb tt>ir i^aben in ®ctt etwas an^unej^men, 
wai in ber gef^ffenen SQ3ett ni^t offenbar wirb. 2)ie 
y$iIofp))ffif($en ®&$e beö S^oma« arbeiten $fau)>tfa^Ii^ 
nur barauf ^in ienei beiben Pfeiler feiner it^xt gu fluten 
tmb. unter einanber }u oerfettem Xxoi^ ber UnooQfom^ 
men^eit ber 3SeU wirb boc^ angenommen, baß fte bie 
befie SSett fei, toeit @ott fte gew&^U ^aht na^ bem 
^frflanbe, webtet i^m fein 3Befen barßefft; niiiiit attein 
^it ej» in {l^, fonbem au<fy wie ed anbern SQSefen miU 
tf^eilbar ifl. 2)ie SQSelt ifi ba^er awar nid^t »oWommen 
Ji^U(l^tpin, aber boc^ oollfommen. aW ®eW«pf, unb biefc 
®ef*- ^ ^HL viii. 34 



SSO 

i^xt SoOfommm^eit ht^t^t bann, ba§ ®ott ade ®nibe 

be< etxm, ia welc^tn fdn äBefen mitt^ettbar ifl, fctnet 

@(^d)>fimg ))erKef^tn ^aU S)abttr(^ ifi fte erfftitt «ib 

iibtm ^i^ttn ®rabe fc^Ke^t {tc^ unmittelbar unb P^ne 

Sude ber nai^fl ntebtigere ®rab an« 3li^t ungefil^ttft in 

ber 2:^at {tnb bie 9nna^men unter einanber t^erfnfipft, in 

(Deichen {t(^ nun X^tmat ben Sufanunenf^ang ber SBdt 

barfiedt, ^Mmt^x muffen tptr in i^nen bie ©ebanftn er^ 

fennen, toüä^t feine eigentf^fimli^e (Srfinbung am metftai 

betunben« S>a bie gef^affenen Z)ittge na(^ bem 9Bcfett 

®otte6 gebilbet ftnb, fo fommen ij^nen aud^ bte iefben 

Slrten ber Sßirffamfeit in, totläft toxi ®^ iuf^reitai 

muffen , feine SBirf famf eit m(fy innen unb feine SBirffam^ 

ftit nac^.aufen. 3ene Jiebot^, in n^eU^r er flc^ fdbfl 

befKmmt unb erfennt unb liebt, alfo feine inteOectttdle 

Xpatigfeit, ifi bon ^jf^ererSCrt ali feine SBirframfe^ ««^ 

aupen, in tt)eI4ier er nur Un^oIUommnered ali ft(^ fettfl 

^at fe^en fonnen» S)a(fer f^at auc^ bie inteKeftueUe £^ 

tigfeit nur ben ffo^ern ®raben bed gefd^affenen Z)afein4 

toerlie^en n>erben f^nnen, bie äSirffamfeit na^ außen ^Oß 

gegen fommt aUcn antff ben niebrigflen ®ef($5))fen {u; 

fte ade ftnb tpieber Urfad^n nieberer SSitfungen, niebe*» 

rer ®rabe Ui &mi iii auf bie leibenbe ^attxit fftvcA, 

kt^el^e gar nic^t fär ftc^ befh^n fann. hierauf beruht 

bie urfa(|^Ii(^e SSerfettung, n^el^ie burd^ bie ganje SSBett 

ge^t. 3n ber 9iotf»n)enbigfeit Ui ^erabfieigen^ ber S)ittge 

loon ben f^o^em unb aUgemeinem Urfa($en }u ben . ni^ 

bem unb befonbern Sirfungen ftnbet X^omai au^ be« 

©vunb ber 3nbi»ibuation* 

S)iere 8e|^re wn ben kpeltlicffen 2)ingen bient i^m mm 



531 

xiitt nur ba)u, um gegen bte not^tvenbtge Sef(|rS]tfttttg 
ber QittUä^tn SBMfamfeit in ^et^orbrtngung UtnatSa^ 
Iu$en Singe bte Mma^t ®otHi tn SBerlei^ung feinet 
Onabengaben in tai glänjenbfie Sic^t gu fe$en. jDie 
fibernaturlii^e 9Q3ivf famfett ®0tM ift niifyt an iai aUß 
gemeine ®efe$ gei^unben, baß j[ebe SBirfung geringer ifi 
ali i^xt Urfa^ie; fte bux^Mift aUt Sc^ranfenber 9ta«^ 
tur, tt>eil fte itnenbli(i^ ifU S3enn nun au($ bie natftr^ 
li^en SntuoidRungett' itf '2)inge SBorbereitungen für bte 
®nabenga(en fein foKeti, fo i^ ti bO($ offenbar, baß 
tiefe ia feinem begreifttd^en 3ufammenf^ange mit jenen 
^e^en fönnem jDa^er foU ou^ bte Offenbarung ®ottti 
nid^t iu begreifen fetp/ fonbern man foK nur 2etgen Un^ 
tm, baß fte ber Sernunft ttic^t n)iberf))rt(l^t 9lur bie 
e^dtUd^feit ber ÜRittel, t^eU^e ®ott ^r fein ®naben^ 
reii^.gd»ratt(^t, läßt jji^ erfennem @o ftnben n>ir ben 
SC^oma« in jener äiid^tung fortfd^reitenb , in noetd^er iai 
®ebiet bM natartid^en Srfennend befd^ränft^ ba« @ebiet 
hti Ubernaturfid^en ern^eitert merben foUte« @elbfl bte 
Se^ren 9on ber ®^öpfung, t)on bem anfange ber Sßett 
t^erben gegen bie Se^re be« arifioteied nur at^ (Sian^ 
bentortifel soert^eibtgt^ 

^ai Ungenfigenbe in ber Serbinbung ber t^feofogi^ 
filmen 8e^ren mit ber $^i(ofo))$ie ber Slften fodte aber in 
bem @9fieme M Z^^mai no^ an einem anbem fünfte 
jtr, a::age fommen» SWan fann bemerfen , baß ber etf^if^e 
anfong uab Sd^tuß be« ©vßem« au(^ aufbieSWitte tin^ 
aun^irfen anfängt^ SBenn att(^ bie 5Rot^»enbigfeit be« 
Äußern <&anbelnö gegen ben Sorjug be^ innern / refleri* 
wi Seben« jutü<%e^at wirb/ f<> wirk fte bod^ anerfannt, 

34* 



issa 

mm 001^ bit flMi^ gegen bit t^eologifi^ Zngeab» 

ffoM M$n, fo gelten fte to^ oU no^menbige Soibcbts^ 

gmigett/ nnb wenn ^omai ixt ixtbt ted 9}ä^{tai in bie 

Stete (9otte^ einfc^Iie^t nnb ton^ bie SDtgenben einet 

frommen (Stmüt^i @ro$ere< su eneu^en be^, ott bor 

u>t{fenf^aftlt(^en gorfcf^ung jnfaOen fonn, fo laft fU^ bie 

etHfcf^e Stii^tnng feiner Seigre nii^t t>erfettnem 3^r ifl ti 

in}uf(^rei(en, baß er bie Unterfni^ngen fiber bot Ser^ 

t^attniß itoif($ett Serftanb unb SKOen forgfattig betreibt 

2)0^ entfpri(|^t ber jDeterminijmnf, |tt meI4»em er fonnnt, 

inbem er ben äSerßanb bem SßiDen nnterorbnetf wU^ 

feiner et^if(|ien 9n{t(^t ber 2)tnge, t>ielme^ loenn fidbp 

bie t^eologifc^en 2:ugenben, toenn an^ bie Siebe ®otte< 

nur oU SRittel für bie a[nf(|ianung ®ttM betro^^ loer« 

ben, fo erfennt man hierin bie üRai^t ber Slri^^dtf^ 

Sejfre, n>eli^e bem t^eoretifc^en 3wecfe ben Sorsng wx 

atten )>raftifc|^en Seftrebungen gegeben ^Mt, unb man 

[it^t, tt>ie nun noieber bie Betrachtung ber notürüij^ 

SJtittel au^ auf bie Srgebniffe üitx iai le^te Siel jo^ 

xüävoixfL 

Sei mitm bur($greifenber ifi bie Umgefialtung, tt>el^ 
£)und @cotu^ ben logif^en unb metapf^^ftfc^en Sef^ren 
gab, um fie ber etbtf^en Stic^tung ber 2:^eologie anju^ 
)^affem 2)arauf bringt er suerj), baß wir ben ^raftifc^ 
Stoed ber 2:|feologie anerfennen foUen* @ie iß jum {>ei( 
ber Seele, toü^ti burc^ ben SSiden bet (Sinjelnen be^ 
trieben werben muß, welket ni^td 9totf^n)enbige< ip, 
fonbern ein SSerf ber grei^eit; auf tin praftifcf^ ®ut, 
ben ®enufi QiotM, nicfit auf tin tf^eoretifc^e« äßerf gefit 
fu au«; bie ^nf^auung @oüti gefrort nur au feinm 



533 

®tm^. Ser ganse 9Retif^ fod be« ^etted ^eü^ftig 
tvftben, ba^er au^ fein iBetftanb, aber nt^t nrittber fetti 
SOBttCe/ meieret tote nitx^anpt iai beii^egenbe ^xitidp bet 
Sßett/ fo au($ unferer ®eele tßt hierauf mfiffen aSe 
SnfiaUen ber SSJelt get{(|M fetttt 2)te 9l<itur ^at nur 
bie 93efKmmung btefem ßwtät )U bietien; obtt mx bie 
mtenbltc^e 3}}a(^t ®ttM, mi^ in feinen ®ef($f))fm 
n>trffam tft, fattn t^tt }itir ün^fü^nrng (ringen« (£« ifl 
ber 3rt^um ber $^fl0y|^ ^ ba$ fte bie notfirüc^en Ur^ 
fad^en ffir jurei^ent fdten, benn bie gonje 93eft wn 
einer ü6ematärli^n llrfad^e afil^gig foH }ttr (Srre{(|ung 
eined fi^ematörli^en Sweded btenen. Sei biefer et^ifc^en 
Stiftung feiner Sfieologie barf tmin aUx ni^t fiberfe^n, 
bct^ er in i^re Hbftd^ten f eine^wege« bie @eligf eit affer 
iDemänftigen SQBefen aufnimmt, fonbem «ber Seigre ber 
jetr(^ Mttxaüt, baf nur bie Seliglett ber ©laubigen 
UffiHät merbe. 2)a^er bie @ä^e, ba§ (&ctt nic^ ba^ 
®ttte tooUt, mit U gut ifi, fonbem iai ®ntt gut fei, 
mü ti (Sott gemoat ^at, baß bie ?ie(e be^ 9l5#en 
nid^t notfftoenbig mit unferm ^ei{e oerBunben fei, fon^ 
bent toeit fte ®ott aU 93ebtngung unferer @eligfeit ge^ 
(otnt.j^; baß mir ebenfo bie.Srt^ung ni^t ald ettoa^ 
9tot|»wenbigeä, fonbem nur aU einen älat^fc^Iuß ber g6tt^ 
(i^ ®nabe }u betrad^tm fuiben« 

gfir biefe et^ifc^e «ic^tung ber «irci^enfe^re Wlbete 
nun Simi 6cotud feine affgemeinen n)iffenfc|^afttt<^eii 9t^ 
griffe ani unb fhrebte in ifinen barjutfmn, baß düeiBU^ 
mente ber Sßelt ju i^xm Bwerfe, 8« ®^ttf «* b«jwr 
on^ unter einanber gufammenfiimmen , mit im i9itku 
fein 3Siberfptu(|^ fein barf« dt Uffcüft tatet v^ N# 



534 

bie fUtltc^ Slnftd^t ber fttrc^e fel^fl auf attgemeitten ®nmb^ 
fi$ett ber Siffenfd^aft beruhe, auf ber 9{ot(»it)enbigfett 
rfamentli($ eine le^te Urfdd^e ju fu($en, ))Ott toeU^er 9liu 
tur unb Semunft {ii ber SSett abfangen« 3m ©egett^ 
fa^ gegen bte fibertnebenett SorfteOungen ber Sr^em 
t^ott ber 2:ratifcenbeii} ®ottti, t^erlangt er ba^er av4, 
baß tt^ir ® Ott benfett f 5mten« 3n)ar f 5nnen tptr ben 9e» 
griff (Botted nid^t mte onbere Segriffe erflären, vhü i^nt 
fein aSefen ni^t aU etoad wn feinem 6ein Serf^ 
bened SufOmmt; aix^ begleitet feinen Segnff fein Stib 
ber (ßnbilbttttgdfraftr «nb in biefen S3eiie$ungen mftffen 
wix bcn 83egriff ®otte« cAi einen äberf($t9engli(^en 9t^ 
banfen «nerfennen; es fommt aber ® Ott ©eingn in bent< 
felben @{nne n)te allen ®t^^ipftn, unb fein ®^nfe i% 
toit aSe ®ebanfen, naä^ bem Sa^e bed äBiberf))rtti!^< ju 
meffen« SBrr ^aben i^n aU bie erfie Urfa^e antttfefw, 
n^etc^e totr gn fe^en ^aben^ mnn ia€ miffenf^öfUiile 
f$orf($en ni^t in iai Unenblic^e ge^n foU« Slber inbem 
nun S)nnd Scotui ®ott ali bie Urfai^e ber bebingten 
ober iufäKtgen 2>inge gebadet totff^en tt>ia, toerlangt er, 
baß uoir biefe Urfad^e auc^ {|fren Sßirfungen entfprei^enb 
fe$en unb ein jufädtg Serurfad^enbetf in i^r omief^men 
foaen. ^iti ifi ber äBiOe @otte«, we(4ier auf bie ^er^ 
t^orbrtngung ber SBelt gel^t Siber ber ©ebanfe eined 
fo((^en sufidig SBerurfad^enben erf($d))ft i^m bo($ t^eber 
feinen t^eologifc^en 93egriff @otteä, no^ feinen müctp^if^ 
ftfd^en SJegrif be« fd^Ied^tj^in 9lot$wenbigen , be« Sbfo^ 
luten. jDaf^er unterfc^eibet er bad; t»ai ®ott m(fy auf en, 
fär bie SQBett ifl, 9on feinem innerltd^en Sein, in wO^ 
4iem er p^ n^eiß unb witL hierin i^ti gegrünbtt, ba^ 



i^m &Ut im ®egenfa4 in>if^ett Ux SßeU in {ufädtgen 
:Otnge unb bem geordneten SSSiffen ®tüti, melc^er (te 
Ifetoor^rutgt, no(^ m i>ifftHi fd^me^t/ ber abfolute 
S3t((e unb batf abfolute SSefen @(^tte4« 2>a a(er nur 
ber georbnete SOSiKe in a(fo(ttt freier Sßa^I in ber SBett 
{i(^ offenbart ^at; fo grfinbet f (^ au4^ hierauf ber ®tf 
genfa$ i^oif^en bein notürlt^n unb nbernaiär(tc(ien (Sxs 
fennen bed SRenfd^en, mü in naturtt^er äBeife ©Ott nur 
aii Hi tuffttttg 9$eritrfi4enbe ^^ mi )u erfennen giebt 
unb mir baffer, mtm loir fein abfolute« SOBefen eilen^ 
neu foKen, i^n in ftberaatörli^er Offenbarung fi^auen 
»offen* 

2)enno$ mäßigte ©cotuiS bie OorfteOnngen, ivdd^ feine 
Seit \>oin ftberftnnUd^en Erfennen l^tte, inbem er t>on 
feiner (Sx^o^ms betf nienfd[^li(^en S$ermjgen^ iviffen n^oSte, 
fonbern Mi meta))^yftf(^ett S3egriffen ben;»ie^/ baß toir 
bie %&^i^txt )u oOem ermatten ^aUn mfiffen, toai toir 
in nni aufneffuten foUen« ÜbematfirKi^ tf} unfere Sefe^ 
ttgnng nur, tt>eil fte tin &bernatärli(|iei$ Dbjiect M ^i^^ 
über ade @rabe ber Statur (finaudliegt. Wlit biefem 
^i^fjttn 3i^Ie unferetf toernftnftigen bebend bringt nun 
ober I>unt @eotu« ade (Entnnrfiungen bed ieitli^en Se^ 
benä in Serbinbung / benn fte ftnb ja nur baju uu^ bie«» 
fem 3iele entgegenjufuffren« jDaju ifl aQe Wlattxit, mi^t 
aH eubüect be« sufottigen Stini aOen SMngen ber aOSett 
notffmenbig i^, baju aUe« äBerbeU/ ml^i ben ^ngen 
ber SQSeft nid^t fefilen barf, toeit fte wi bem Sßerm^gen 
ber ÜRaterie Iftxaui gu iffrer SBirflic^feit gelangen foQen, 
baju bilben fte i^ 93erm£gen ju gfertigletten ani um in 
fortfdj^reitenber (f nttoitflung boiS Srä|iere im @))ätern feft^ 



836 

iuffatten mb f o tl^rem S^tät n^tt in fommeti ; bosit ift 
ber SStde unb brr Srrfianb ber btmfinfKgen SBcfm m 
ben aOBiden ®otte< ju t^im nnb bte ber^anbigen 3brcii, 
in toti^m er bte Sßett gefc^ffen ^at/ in t^ttm Ser|buibe 
ebmmäptg gu erfenntiu Ütirgmb« borf ein SBtbcrf|»ni^ 
iwi^^m bem 9)Kttet itnb bem 3m(t fein; ba^er inftfm 
att(^ bie natftrti<^ Stxäftt bor S>inge ebenmäßig gebilbet 
fein um eine Srfenntniß nni ju geti^en, toel^e unfemi 
äBtOen tnt^pxii^, nnfer Seelangen m^ ®ott nnterfUft, 
fo »eit e« im Serei^ biefer aeitli^en SBett befrfebtgt 
werben fonn* (Sx^ buri!^ bie utiüi^t Sntmitftnng «nfefer 
Semunft fod mi aldbami bie SSifgli^feit inmai^fni 
bie @nabengaben ®otM gu enq>fangen« 60 tverben an^ 
bie niebent Rxaftt ber 9latnr, fo n^itb att(| ba< fom^ 
lic^ Seben bee 6ede baju angefpannt, baß n^ir imfere 
SoKenbnng enreii^ ; menn fte ni^t ber^attnißmäßig enf^ 
toiätlt waxtn, fo w&rben fte eine {)emmttng be^ ^^ctn 
2tbmi loetben« 

{)terauf grSnbet {t^ bie Energie Ui toiffenfd^afHi^en 
@treben4, toelc^ toir bei 2)unS @cotu0 finbem 9foi^ 
ben 3been, ml^t ®ott in biefe SBett gelegt ^at, {# {ie 
georbnet nnb folgt nnwanbelbaren ©efe^en« 2>iefe Un^ 
nen tt)ir erfennen in ben ©runbfa^en unfered Ser^anbe^ 
in natfirli(|^ee 93eife, toeil ®ott fte in biefer 993elt offen« 
(ort M* Unfer SBerflanb iß biefer Sßelt ^er^ottnifmaßig 
gebilbet. 3n ben meta))i^9ftf($en ®runbfa$ett ^ er ba6 
SRtttet in i^r endige SBaffrf^eiten gu erfennem @o erfen^ 
not nnr ni^^t allein nn^, fonbem autfy anbere Dinge 
anßer um, toeil fte auf uM i^rer 9labtr m^ wixtau 
Senn bie (Srfenntniß ber yiaüft ittu^t auf einem oOge^ 



S37 

meinen ©tmnbfa^ Ui Serflanbetf« $((er bte dx^a^tmn 
mlift mi ^iexaui entfielt/ ift &o($ nt^t fo toottbrnimea 
aM bie dtttmM^ aixi oOgeweinen Segtiffem > 2)entt 
(te {tttn{i(^e Srfenntnif 90m fiSef^nbem ou^gepenb imb 
na(|^ oben ouffletgenb> ifl bod^ nui; toertvonren; hat Mp 
gemeine bagegen , ' pbgld4^ ti gnm ^Ogemeinen ntxt bo^ 
bttv4^ rnirb, ba^ ti tai SBefonbere begrünbet/ ]^t tine 
einfa^e unb nntrßgti^e 9&a^x^txU t>a^tt foKen v^itin 
ber 3St{Tenf(^aft t)om SUIgemetnen autgel^n nnb t)on t^ 
ava eine beutlii^ (Srfenntni^ bed Sefonbetn ju gen^innen 
fu^en« ^a ifl aber bei: le^te Stutfgangiyuntt ®ott aU 
bie oberfie unb aOgemeine Uvfa^e aller jDinge^ SDo$ 
befc^aftigt ft^ bie natfirlii^e SS3iffenf(]^aft, mli^e ber 93er<^ 
fianb gen^cifirt, nur mit bem.SlKgemeinen; .ba< einjelne 
iDafein ber 3nb{t)ibuen mi^ fte ni^t ab)ttleiten,ttnb'ge< 
nfigt bal^er ni^t @ie f^ot gmar feine S^ranfen in ber 
(Srlenntni^ bti georbneten ftSiütni ®otU6^, ipiever in 
ben allgemeinen ©efe^en ber SBeft ^^ offenbart; aber 
ber abfotute SOBitte ®otM, auf weld^em ba« ^etl ber 
anderwAfiUen Sßefen beruht unb n^el^er. in ben ebelflen 
Sefen bie Snbioibuation anftrebt, fdnn Don ber natüT'* 
litten (i^rfenntniß iti SBerßanbed ni^t begriffen . tperben. 
@o ift ber natörli^ie äSerßanb aUerbing« bef($Vanfi unb 
beborf einer flbemat(irli(|fen (Srteu^tung ; aber unter SSor^ 
an<fe$ung biefer/ b. ^. unter SSorauöfe^ung > baf ®ott> 
bai nncnbli^e Object, bem Serflonbe ^^ ieigt>.totrb.cr 
m^ tai Unenbli^e unb in i^m bie ^iranbe otter ;Dinge 
faffen fjnnen. ® egentt>&rtig fonn titi attcrbittg^ M^if 
ni^t gefd^ef^eu; mit tt)ir no^ axif bem Skfttf nc^ in 
ber Sluöbilbung begriffen finb^ aber äußerte«, U^ i» 



i 



S38 

bem ^6^9^n üu^ bie grofiten Sor^eittmgesi ge^dttn, 
^e^ toi &^nm ®otte4 unter {einen anbem edbtngttiM 
gen, aii nntev tve^en ttu(^ Jiebe« nat&dtd^e (SMennen 
ftc^t; benn nt($M fann etfannt toetben, befFen Dbjiect 
nic^ Mt^er ftd^ und gejetgt ^at S>a$ unfete Saffttttg«^ 
fxa^ aitx bem unenbttc^en £)(j[e€te gemoi^fett tß, bo^i: 
bSrgt itnö niifyt aßein nnfer Serlongen^ fonbem ondt» bee 
(Srnnbfa^ , baf ütof^menbtge« nnb dttfotttgeö nrie UrfU^ 
irob Sirlnng einonber enifpred^en mfiffen« 

ffienn wiv nun finben, baf bie Sffung ber logtfd^ 
unb mttCLp^^^jii^m grageu/ mit toü^tn 3bvaa Qt^ba 
^^ befc^aftigte, boi$ nut in fe^r oBgemeinen ©egenfä^ 
f^ betvegt/ mi^t in fd^fer €))anmmg einonber ge^ 
gett&bertretett ;imb beten 93emntgmtg6))un!t too^ onge^ 
beutet # ober nt^t an&f&^xii^ entt^tdett tverben fann, fo 
merben t^bt oud^ in feinen Unterfud^ungen über bai ft^ 
lid^e 8eben bed ÜRenfi^n benfelben Q[$^arafter ber S^ 
ff^ung nid^t verfemtem $ter werben 93er{lanb unb SßiOc 
iti 9Renf(^en einanber n){e 9latttr unb grei^ett entgegen« 
gefegt«. Qit brAcft nun atterbing« ein reifet ^enHtftfein 
t>on ber et$fifd^n Slic^tung ber ^ircfienle^re ani, ba§ i^ 
(£nbe gleii^ i^rem Sbtfange wvx )>ra{tif4ien ®eft(|t^ttttfte, 
(M Qkpvljf ®otM oufgefa^ u^irb , unb eben fo werben 
wir ei bittigen mufTen, ba$ S>un« ^^ba bad ^e^ 
ren aii ^tindp aUti Serben« pxü^ unb anr ftd^ent 
Unterf(|eibung itoi\(fym Sittlii^em unb ^otMU^m ben 
otten Srt^rnn befeitigt, bap am Sein gut fei. CnbUdl^ 
bftrfen wir aud^ t»t^l uod^ bai feiner reifen (iKnftd^ in 
\>ai SBefen ber ftir(|^ente^re ^m 9lu^m anred^en , bo^ 
er btn 2>etermitti4mtt« bei Z^^ma» wn Squino befet^ 



tfS9 

ttgte, {nbem er nt#( aOeär bie ttnoi^Sttgt^ be< fttt» 
liefen SBtamtf loom Serfianbe ^Hül^eibigee,: foubent mtc^ 
jlenem bie Cntfi^ong fic iat ^tU m^tttt Seele beii> 
legte, biefem nur bie SBebeutttitg. eine« SKtttcM füx beit 
3n^ unfere^ Seitens }ttge^b* SUer fretltd^ nur etne 
f^ (ebtngte SiStgttttg fdmtett tt^ir bem 3nbifferentt<iiiii€ 
be^ 3>nnt @cotttcl getot, weiter ^eratt« ertt^ud^«« S)eiiti 
aOjtt f(^rf fc^neibet er bi)<^ feine abßracten ®egenf5$e 
ab, n>enn er ben Sßtllen atö totale tlrfa^ be< fßtütM, 
ben Ser^nb aU totale Urfad^ be< fßttftt^aa betm(|^ 
tet , nnb e« f ami mi nnr tmoolüonimen ^ foU(^ Slb^ 
fhracHonen entf^&btgen, ba^ mi bie @ee(e aM bie fiier 
biefen ©egenfS^to f(|^toebenbe Sin^eit im ^intergrunbe 
geaeigt n^irb* 8ud^ gelangen t»ic bnrd^ biefen 93oQng> 
wiU^tt bem äQfHen «)or bem Serftonbe eingerciumt mirb, 
gwor 3U einem folgericbtigern Hn^n bed t$eoIogif(|en 
@9^em^/ inbem nun aSe bie (ogifd^n nnb metap^pfifd^n 
®&$e be« ariflotelif^en 69^6 nur aM äRittel für bie 
Salbung beö 93er^anbed erf^ieinen, ber: fetbß ^ur ein 
mtttl ffir ba« {tttli^e Seien ift; ober loii^ \mi bie« 
bafür entfd^Sbigen f tonen, ba$ eben belegen baii n>if^ 
fenf^fttid^e Seben feine« fetb^änbigen SOßertfie« beraubt 
tt)irb ? ®^n>erli(^ ; befonber« koenn toir bebenfen , ba§ 
bo(b ber inbtfferente SBiUe aucb mir über Wüü gebieten 
fann, loelc^ an fid^ of^ne Srud^t unb Serbien^ ftnb, 
wnm 4lott fte nid^t annimmt unb burcb feine ®nabe ba« 
9?ange(sibe binsufügt 3n te^ter (fotf^eibung lann. bie^ 
fer 3nl){ferent{«nm« f^<fy bod^ nid^t ht^mpttMf n^enn er 
einge^b^ mu§ , ba§ toon ®otte« ObernatOrliiber ®irfong 
ber SiKe ttnau^bteiblid^ befiimmt toerbe. Sterbet tritt 



»40 

nun bet ®t\>anU an bie aibfofote ^väbeßinaKon ©ottetf 
toieber rin^ tt^elc^e ®ttte unb Söfe a\xt)»^it, ein un^ 
attflödlid^e« Stät^fd Ui aifoluten g^Wid^ SOSiüen^. (£d 
t(i J^egteiflid^/ ba$ ^ievbttt^ir ^^il i>< biefem legten (Snb^ 
yitnfte bod^ ber 3^td ber gangen Sßeft liegt unb t)om 
Stotäc oüti ai^n^t, au4i bie SBorfteffungtraeife be^ 
gonjen @yftentf erfc^üttert tmrb. 60 mie ber 3mä m^ 
erforfcllid^ ifl, fo anc^ bie ÜRittel, tt^eld^e @ott gebraust 
um un6 )ttr @eligfett }n f&^xttu Bit ütiitn einem 
®Ianben wxU^alttn, ber nic^t begriffen werben fann. 
@o n^trb mt ffepHf($e 9le{gnng tn ben ©ebanfenfrei^ 
be< £)un^ @cotnd einge^^rt/ toelclie ba6 ®ebiet ber 
offenbarten SQQa^r^eiten auf Sofien ber $]^itofo))^{e er« 
totüttt^ jDent notSrlid^en (Srfennen toirb eigentlii^ nur 
{ttgefianben ben 3ufannttenpang gn^ifd^en SRittel nnb 9Rtt^ 
tel jn erforfcffen; ber 3n>e(t bleibt i^m t)erborgen ; er ifl 
bie ober ben @egenfa$en .fd^iioebettbe din^tit, m\i^ nur 
ber eingegoffene SBerflanb fd^aut, ade ©egenffi^e aber, 
toütfyt ber natitrlid^e Serftanb in i^rem SJerfialtniffe ju 
einanber abmißt/ gel^oren nur ben Mitteln an. 

©egen biefe umfaffenben @9ßeme ber S:peoIogte er^ 
fd^einen mxn in ber X^at ade übrige Seuoegungen tn ber 
SSiffenfd^aft biefed 3eitraumd nur ali fd^mad^e SSerfud^e 
aud^ anbem äiic^ungen beö ®eifle6 §(nerfennung gu toer^ 
fd^afem fBai äloger Sacon füx bie 9laturwif[enf^ften 
mef^r gemftnfi^t/ a\i unternommen; toai er jur 9e^u)>^ 
tung be< Sbtt^eitt, tüel^en bie 97!aterie in ber ÜRannig^ 
foJUfjtät )nib Sidfieit tffrer 6ubflan}en an ber inbivi'' 
iOepidtttttg^ ber 3)inge unb i^rer Srfc^einungen 






flEÜnem ffir nSt^ig fanb, ma^ Siaimunbue inh 



Ml. 



541 

lai ffir bte SBeveinfo^ung itt SRet^obe unb für bie 
^xi^txt ^niU^mn^ unferec fienntntffe empfoltn ^t, 
xoai bie ÜRi^fttfer f&r bie MiHvx&^xQtn »ilbmig unb ^r 
bie SInregung einer timem Svjmmigfeit angeßteit l^aben, 
alle^ baö bejei^net i^ify Don ber einen ®eite nur > bie 
Ungufttebenf^eit mit ber einfeitigen Xur^ffif^ntng ber 69^ 
fleme unb befennt wn ber onbem @eite feine Sb^ängfg^ 
feit ^on benfelben Si^ftemen; inbem e6 benfel^enSefic^t^i^ 
freid , mi^tx t)on i^nen audgebilbet toar , jur ©runb^ 
läge aOer feiner adgemeinen ©ebonlen mai^U &o groß 
toat bie ®ma\t iti fyßemotifi^en ^\baxa , toAiitx yt^ 
^oKenbet ju fein fc^ien, toenn gleid[^ er in .entgegenge^ 
festen Stiftungen au^geffi^rt »orben mar« 

©eltfom freiließ ifl bie Sinfeitigfeit biefer Syflenie« 
SSon einer ftttli^en ^orberung an^ge^enb , tnbem fie oBe 
bad (f^d^ße ®ut xxa Singe $faben^ ff nnen fte {t^ bod^ nii^t 
entf(|iUeßen vx eine fruii^tbare Unterfu^nng ftber bie 3n^ 
fammenfe^ung be^ ganjen (tttli^en Sefientf einjugeffn» 
2)ie Slf^neigung gegen bad mettlic^e Seien i^ätt {te ba^on 
iurüif« Sie mochten bie ^r^e t>on ber SQelt ,abf onbem. 
^ierüier gefd^ie^t ti i^nen, baß fte fetift ben Segriff bed 
i)o4ifien ® ut« {td[^ ni^t rec^t }tt entmideln trtffen ; benn 
nur babur^ fcnnen mir i^vx in unfern ©ebanfen eine 
®efiatt geben ; baß mir i^n an ben 3ttfammenf^ang unfe^ 
rer: einzelnen ftttlid^en 93efirebungen anfc^Iießem S)a^er 
finben mir biefe ©pßeme in Uneinigf eit baruber, ob mir 
baS ]^o($ße ®ut at« eine grud^ ber t^eoretif^^en ober 
ber ))rafttf($en SBenmnft, al« ein <Sd^auen ober al« einen 
®enuß ®otte« anfe^n foUen. S)ie« ifi ber fHuq^ti^nft 
be« @treite« , oon xoA^m, bie J^ebeutenbflett Xbmeii^ 



Mi 

gen tit bell Sy^en dnti Zffomai wn 9qmno mh eu 
na Z)ttitf 6eote< ott^gel^eii, inbem jener bem t^retu> 
fi^, biefet bem ptaUi\^ Seien ben Sorrang }ndgQete* 

(S0 ge^t baDOtt aui, bafi bei jDnnS @cobid bte Xfyto^ 
logte eine toiel ))ofttt«>ete ^attnng annahm aU bei 3$(y^ 
nutf. jDenn j[e gtjßere« ®Miä^t auf ba« t^ieoretifd^e 
Seben gdegt tpuxit, um fo me^ mu^tt man auf bie ^f^i«' 
lof op^ie fc($ p^en; toon ber ^bel, wn ber ^r^e war 
babet ibenig J^filfe ^ entarten; bte atte $^iIofo))^iey 
Srißotele^ unb bte Araber mufte man in btefer Stid^tung 
benu^ unb t|^re S^ren n^eiter ou^gubilben fud^ SBSenn 
man bagegen bem {»ratttfc^en Seben ben Sorjug ga{f, fo 
fiotte man wn ber ^etbntfd^en nnb muj^ammebanifil^en 
$|^o|)$te tbentg ju lernen ; t^re 9nft($t ber ftWUc^en 
SBelt jlanb in yn wetten Sttßanbe bon ber fin^Ut^en 
SDenfwetfe» SSei ber Semad^Iafftgung ber ttuterfud^nngett 
%ti ftttft($ett Sebend im einiefoen, bei ber Sera^tong 
ber tpettltc^en 9Sittet wuf te man ftd^ ntd^t anber^ in ^U 
fen, ali inbem man ber Sutorttot ber tixi^li^tn Slnorb^ 
mrogen {t(|i in bte arme warf« 

9ud^ ber «erfd^tebene ®eft($t^))unft/ and xoü^tm nun 
biefe @9^eme bai tf^eorettfd^e Seben betra^teten^ ge^t 
t)on jener urf^rfinglt4iett ®})altung ber Sttc^ngen aai. 
3nbem man ^tiüi^ti unb ®etp(fie« im ßcirffien ©e^ 
genfa0 erbltcfte/ l^atte man gu seigen^ bap nur biefed 
nnferm ^ei(e genfige, ba« wettlid^e Sorfd^en aber für 
unfern 3med( nidfit auareid^* S)te aRUtet ffir ben iBc^ 
wei« ftnb «)erfd^tebem 9bi^ fetner t)orffetf(^enb t^eorett^ 
fd^en 8ti<(tttttg mufte fte St^oma« in ber aReta)}^9ftr unb 
Cogif ftt(9en. Z)a iß ^^ bte not^wenbtge Sefci^rinhuig 



* 



*' 



it* 



MS 



Ui mltUil^n Za\tini, bte 9lo^U)enbtgrett bet ©rabuiu^ 
ttx\ifyUht im @tin unb mithin au(fy im Srfennai« wat 
i^tt forbem lapt^ ba|l itnfer natfirlu^e^ SitmSQtn ttpi^ 
mtxbtn m&ffe, bamit toix ®ott fehlten f Innern jDit 3^% 
lic^fett einer fold^en (fr^j^futtg leugnet 2)un« ©cotud; 
fte ße^t in S3ibe(f)>rud^ mit bem Segrif be< Sevm9gen< 
fel^ß. SSir j^oben alfo bon Statur bie Sajfigfeit @|ottsn 
fd^auen; ti fann nur eine notörlic^e Sntn^icflung unfere« 
SSerm^genj fe^in^ totm toix iai Übernatürliche erfennen. 
Hamit tritt i^m ber t^oretifc^e ^tmtii iurfid Um fo 
prfer toirft er fi^ auf bie ))raftifc^e &tit€^ (£r ftnbet, 
baß aUti unfer ))^{{ofo)^^f(l^etf ^fennen, aUe wetttid^ 
SSiffenfc^aft bo^ nii^ bie Srfenntniß geibfi^re^ n^el^e ^r 
bad ))raftif($e Seben not^tt^enbig ift Denn in i^m ^en 
n)ir e^ mit bem SiA^^tnen iu t^un; bo« ^eit ber (Ein^el^ 
nen ifl fein Sn^ed« 2)ie natüdit^e äOSifenf^aft aber be» 
fc^ftigt ft(^ in beutlid^er Srfenntnip nur mit bem Slttgei* * 
meinen; ba< (Sitijetne erfemtt ße njtr in t^ern>orrener 
SQBeife, tt)ie eö gemf^nlit^ gtf^tef^t; mUm toix ti ia^ 
feinen not^menbigen ©r&nben erfennen, fcmfiffen toix ti 
in ©Ott f4iauen unb baju muß biefed fibernatärtid^e Db^ 
Üect ft(^ un$ {eigen unb unfern ®ei|i txUu^Un, fo mie 
n)1r nbtx^anpt oon einem j[eben Objiecte buri^ feine ge^^ 
genwartige Stnwirfung unterrid^tet iD^rben mfifTen« 

SRan wirb bemerfen f^nnen, baß biefer ®ang ber 
(Sntit)i(f(ung immer me^r ba^in ffi^rte fo tpie ba6 {ttt^ 
(ic^e Seben, fo auify bie 93etrad^tung be^ Sinjelnen f^er^ 
)>oritt$ieben unb ba^ (Srfennen an bie (Sinmirfung bed 
Db/ect« mie im @innlid^cn, fo im ttberftnnlii^en ^u 
fnäpfen. hierauf l^atte bie Slnßotelifd^e Srfenntnißle^re 



V» 






S44 

i^ttn Sinfbi^. . X>tt SBeifaQ, welken {te gewann; (etu^te 
n{<|it {itm deinftett Z^plit bavauf, bap fte ju geigen fu^e, 
t9te (er @etfl aOmfiltg toom (Singelneti gum ^agemeinen; 
vom ^liebecti gum ^i^mt auffletge« S4 tourbe fiietbu»^ 
einen stetigen dufannnen^ang }U)if(l^n bem tveltli^en unb 
göttlichen Seien na^sumeifen tvenigflen« etftee^t, tvien^o^I 
bie< 3ie{ ni(|t emid^t n)urbe, iveU man bod^ sulefet bat^ 
fi(ee nidftt fniniDeg fonnte, bap vom loettli^en SSStffen ber 
f)$i(ofo))^{e iuv Z^eologie fein fieHger Umgang ftottfinbe* 
3n bev X^at tin un^efriebigenbed Srgebnip, xoü^ti man 
^amit in Sufammen^ang finben toivb, ba$ bie @|^ßenit 
ber Slf^otogie von einem et^ifc^en $lnfange na<fy tinm 
etj^ifc^en Siele fhrebenb; bennodl» bie^ntmtdRung berSer^ 
nunft^ tvetc^e in ber SDtitte liegt, nur ober vor^erfc^ 
in i$eoret{f($er Stic^tung genauer unterfud^tem Z>amtt 
l^ängt e$ iufammen, baß man bie Sefire vom ©finben^ 
faß unb ber Sriffinbe vernad^Iafftgte unb bie 9lotptt)em 
bigfeit ber Offenbarung ni^t von ipr, fonbern von fccr 
tjieoretifc^en Unfä^iigfeit be^ SWenfc^en in feinem wettli-- 
4ien Srfennen aMeitete. 



r A 



®ic ®ef(^i*te ba §)]^ilofoj)]^ie im 

gKittelotter» 



eicf«. t. WI. VIII. 35 






ti 



S44 



i^ttti Sinfltt^. X>tt SBeifaQ, wd^en {te gemann, (erul^te 
ni<|it {itm detnften 2;pci(e bavauf, bap fte ju geigen fud^tf; 
t9ie ber @etfl aOmaltg toom (Singetnen gum ^Kgemeitten, 
vom ^Kebeni gum ^i^ttn auffletge« S4 toutbe fiievbtttul^ 
einen ftetigen 3ufammen$ang }U){f($en bem tveUIi^en unb 
göttlichen Seben na^sumetfen tvemgflen« eY|lre(t, wimo^ 
titi SM nt($t emid^t xouxit, mit man bod^ gulefet bati^ 
fi(et nidftt fninmeg fonnte, baß vom toett(i(|ien SBiffen ber 
f^ik\op^it iwc Z^eologte fein fietiger Übergang ftottfinbe. 
3n ber X^at ein un^efriebigenbed Srgebnif , totl^ti man 
^amit in Sufammen^ang finben toirb, baß bie @9f}eme 
ber Slf^otogie von einem et^if^en $lnfange nad^ einem 
etj^ifc^en Siele flrebenb; bennodt^ bie Sntividnung ber S3er^ 
nunft, ivetc^e in ber SDtitte liegt, nur ober vor^erfc^enb 
in tffeoretif^er 9tid^tung genauer unterfud^tem Samit 
l^ängt e$ }ufammen, baß man bie Sefire vom @unben^ 
faß unb ber @r(ffinbe vernad^Iafjtgte unb bie iRot^tven^ 
bigfeit ber Offenbarung ni^t von ipr, fonbern von ber 
t^eoretifc^en Unfä^tgfett be^ 37!enf(^en in feinem mWif 
4ien Srfennen aMettete. 




n 



®tc ©efdjidite t>et ^mmit im 

mimoitet. 



«ff*, t. wu VIII. 35 



» 



S48 

mu^te au4 tte Sa^r^ett bei natailtc^cn Srfenntnif fefl' 
gt^alttn werben- 

3Sax bted nii^t bie du^erfle @)}annuns in ber Cenf< 
tvcife einer 3eit ' >v<14< ^^ f(ttli(^e 33efiieben btt Jtir^t 
nur im ©egenfoft gegen bie »eltli^e @otHofigfeit er« 
bliden tonnte? Senn man weiter ging) fo mufte man 
entraebcr bie Sa^r^ieit be« natftrti^cn gorft^end ganj (e> 
feitigtn , ober für ba« geifllt^e ?t^ aQen S3oben in bei 
SBelt »erlieren? S)ie SJerfu^e in btefen entgegengefe^tcn 
9{{i$tungEn weiter foctiuf($reiten fonnten noc^ gemai^t 
werben unb man mugte fie mai^en. Senn einmal ent« 
WirfeUe ©runbfäfse Wolfen fi^ aufleben; efie man i^re 
Sinfeitigteit erfennen fann, mäffen fie i^te Folgerungen 
US auf bie fiugerflen fünfte getrieben ^a^en , wo fie in 
®efac gerat^en fi^ fel^ß ju verje^nn. . 

auf tier e(iwn ®ftte tonnte man ben ©egenfa^ fhi« 
gern, inbem man ba« geißlic^e Seben nof^ me^r vom 
wettfi^en (i)Acl|1e unb ju einer f^Winbelnben^fifie er(iob. 
aSar benn ba« tirt^H^e Beben ni(|it not^ immer mtt ir« 
btf^em a:anb »ermif^t? SB« e« ni^t nöt^ig »on allen 
biefen weltlichen Dingen, auf wel^e bie (iri^Ii^en Otb» 
nungen i^re SRai^t, i^ren ®(an} gekut Ratten, bad fromme 
lef^u1i(^e @cniat|i loejulffen? ^i liegt Sterin btr 
ftamiJf gegen bie SJerweftlit^ung bet Äirt^e , weiter ber 
$ierar0ie unautfMefMii^ beoorPanb. 2)le anfängt ^ier« 
»on (loben mir f^on bei @t^rt gefunben; ju weiterer 
«ntfaltang lamen fie erp, aX€ bie iDti?jt« be« 14. unb 
iioi^ me^c bee J5. 3a()r{). eine ))raftif^m aHt^tung ein. 
f^lug. Stefe ©ctfe in bet »uflöfung ber t^eologifi^n 
,c berfipvt mi nur weniger ; jie i^ nur aU aü^f 




M9 

meine SBorau^fe^ung f&x bte xoi^tn^ftli^t (Entt^tdlung 
ju (etra(|»ten , unb t^re (Stttjel^eiteti toevben nur ba un^ 
fcre 9lufme({fam(ett ttt ünfpYud^ nehmen, n>o fte in ge^ 
näuere Serü^rung mit ber ^^Hofop^ie fcmmen^ 

3luf ber anbern Qtltt fonnte man ben ©egenfa^ ßei^ 
gern, inbem man bie n»ettli^e SBiffenftfiaft immer tiefer 
ffera^fe^te/ ia ipr ade SSBa^rfieit unb ij^ren ®a$en ade 
9ntt)enb6arfeit auf bie Srfenntniß be« (St^ttti^en abfprac^. 
S)ie^ ^t bie n&c^flen !93e)ie^nngen )ur ))i^i(ofot>^tf(fien 
Unterfncfiung* SBir n)erben jm^ mit biefer SRic^tung ber 
^enfmeife aujfü^rlid^ Uiif&^^Qtn miiffem 

3n i^r liegt ber iRominatidmue bed 14« 3a$r^ SDie 
t^eologifc^en @i^{leme, ml^t wix betrautet ^a(en, t^a« 
ren bem 9tealiömu^ ergeben« 3nbem {te babon aujgin^ 
gen, ba^ im nattirli(^en Ghrfennen bo$ eine iBorbereitung 
auf bie jDffenbarung fei/ ba^ n>ir tvenigflend ben geerbt 
ntttn SSiden ©ottetf in ber S^atu? gu begreifen ^txtni^^ 
ten, fpnnten fte ni^t anbertf al^ anne^^men, baf bie 
92atur nac^ atigemeinen ©efe^en ®ottedi in ben $(rt^ 
unb ©attungdbegrifpen aujgebrücft, gebiibet fei, ba^ ba^ 
^r att(fi biefe allgemeinen S3egrife abfotute SSafirl^eit in 
Slnfprncfi ju nehmen ^att^n^ W>tx tvurbe ^ierburi^ bem 
nat$r(i(f»en Srfennen ni^t ju s^iel jugeßanben, glei^^fam 
aU menn ti in ba< 3nnere @otted , in feine $Iäne ein^ 
bringen f^nnte? äSer bie« ni4^t gugeben tvoUte, mu^tt 
gu ber entgegengefeeten Folgerung getrieben »erben, baß 
toir wn 9latur ni^^t vermöcfiten bie ©efefee Ootte« gu 
erfennen, bag atft) bie aWgemeinen JBegrijfe feine 9leaH^ 
tot llätten, 

S>iefer 9lomtnaIi«mu« enttbidette ^ fa^ &u glei^^er 



5tf0 

3eit ani Un &^fimtn Ui 2:^oma^ von 9<tmiio imb Ui 
^mi @cotu$. 2>ad 9nfe^n Ui ^nfloteU«, ml^e« bor 
Steatität ber aasemdtien Segrtffe nt^t gfinffig ma, 
mo(fite jtt bet SefefKgmig be^felben ni^t wenig bcttragciL 
SBtnigflen« ftnben \oix, baß ed no^ im ©trigen war. 
3ni ®vnnbe aber iß r« ffir bie Tleigung ber 3eit bie 
üUtt planet 9nfti^t/ baß tvtr auf natftrKc^ SBrge mar 
Ttatfirli^ed )u ertomen vermSgen; bamit war benn mul 
ber poftti^mi Slf^eologie allein j[ebe (Srfenntniß @otted t^or^ 
bej^atten. S(n^ ^aben wir gefe^n/ baß bie ptaW^Ü^ 
SRicfituttg ber 2:^ei>Iogie immer me^r na^ ber (hfenntmß 
bed Sinjelnen ^inflrebte« (Si bebitrfte ba|cr ber Xittori^ 
töt bed 9rt{loteIe$ nid^t, um ben 9}ominaIi^nui^ jn 
em))fe$flen. 

äBir betra(|»ten giterfl ben 9tominali4mnS, welker ai« 
ber S;^omijKf(^ett ®^ule l^erborging, weil er ettoo^ otter 
unb milber aU ber !RominaIidmu^ ber @cotiflen x% 

2>er erfie , welker unter ben 2:^om{ffen ben 9lomina^ 
liemud ergriff; war äSil^elm 2)uranb bon ©t ^our^in 
(de Sto. Portiano) in 8[ut>ergne, ein ^Dominicaner« <5r 
lehrte }tt faxii um bai 3ä^r 1313, wa^rf^nlid^ nac^ 
f^er au^ ju Slvignon am pabfilx^tn $ofe unb b^etbete 
natfy anbern Ämtern bie SS&rbe eine^ SBtf^ofd wn !Reaur 
iU gtt feinem 2;obe im Sal^e 1333 i). Unter feinen 
Sänften ifl fein (Kommentar irm Sombarben bie berü^m^ 



1) aber f. 8eben loergl. Oudin comm. de script ecd. 111 
p. 792 sqq. ; Bul. hist im. Par. IV p. 954. eetn Ser^attntf 

aur ^urte , namentU^ gu So^otin XXII. , unb a» W^^P ^'* ^on 
35atoU ift niiit rci^t Hat. 3Ran idi a»ei 3«teenof|fn brtfrlbcir 
9Jaiiien« nntcrft^eibfit »^nc«. 



tefieO* ^^ wixi i^m ^orgen^orfen, baß ei: bie 6e^re 
iti S;^oma$ fräßet sebilltgt, nad^f^et fiefHg brftettten 
^a(e. @d n^ar bte< wo^I eine golge feiner )oetänberten 
SJteinung ü^er bie allgemeinen Segnffe. 

@o wk man äber^oupt geneigt gewefen ifl ben !Ro« 
minalifien einen freien ®eiß itt}ttf^re{6en ; fo fiat man 
au^ bem Sßil^elm 2>uranb bied ioi ert^eitt« Sr eri^ebt 
fid^ in ber X^at freimfttj^ig gegen iai 9lnfe^n be^ Slru* 
flötetet. Sßir fiai&en und um beffen ÜReinung ni^ fo 
fe^r ju fümmern , a\i um bie Sßafiri^eil ^« SUer fob^e 
Pfennigen ftnbet man bur^^ bad ganje smittelatter )er^ 
fireut S3iel saj^mer bagegen ip SGBitf^elm/ n>enn xi ft<l^ 
um bie Sbttorit&ten ber 2:^eotogie fianbeltv S)ie $$i(p^ 
fo))|fie (efiel^t nic^t barin jn tviffen , toai SIrißotele« ober 
anbere $^i(ofo))$en gemeint |aben ; Krifiotefe« ^at geirrt 
unb feine aJ^einttngen anjune^men , mo fle drtf^um ent^ 
fialten; ifi Sffor^eit; bagegen in ber Urologie genügt e« 
ben @inn berer jn ertennen, t9e((|e wm ^eiligen @eifte 
inf\)irirt ben (»eiligen ftanon abliefert ^ahtn, weil in 
iffnen fein ^t^t^nm iji'}. @o ma^t er ))on meltlic^er 
Stttorität ft(fi frei, um beflo fidlerer an bie lir^ti^e Su^ 



1) 3* öeBraucl^e bie «tt^Ö- Par.lSos fol. ^fe entJfiU bie 
atoeite ^eat^eitung ; bie ev^e foH Iftraer fein mtb weni^et t>on ber 
demo^ntii^en Wlmunq almi^tn. @{e wac i^m vor ber Sotten^ 
bung entwanbt Worten, wedtDeßen er ffe «ic^t aW fein Ser! an» 
erlennen wollte. In seni. IV concl. Sui^ ein Kommentar gur 
$^|^fit be0 ^rift* wirb if^xa na6^ £)nbin ^ueefc^rieben. 

2) In sent. I dist. III qu. 5 (in. fol. 50 D. Siebemann unt) 
Sennemann rennen ijm bie« aU einen wii^^tißen @^xitt jur Be- 
freiung bed ®eifled an. 

3) Ib. prol. qu. 1 fol. 2 E, * 



5»2 

toxitit {t(^ anfi^Iie^en }» fdmtem äBenn nod^ ein 3«^ 
fei fiber beit ©tun ter ^etltgen @(l^ft ^erf^^en fönitte, 
fo wcttaut er betr Slu^Iegung ber St^mif^en fiir^e, tn 
bereit ©lauten er anfer)ogen ifl unb gele^ ^at, beren 
ttrf^ett er ade feine @a9e in ben fiarfßen Sbt^brfltfen 
nntermirft ^). jDat)oit iß nun nic^ me^r bie 9tebe, baf 
wir bur^^ $&(fe ber ti^eltti^en SBif enf(fia^ ben einn ber 
@(|dft ober ber ©{aui^endlefire jn erforf^en toermö^ten, 
t)ielme(r forbert SSil^Im SDuranb , ba$ ber ©taute, b<u 
mit er Sßerbienfl ^be, über bad 93ei9et^tare IfinauiQtfft. 
3li^t einmal giebt er )tt, nmd X^emai wn üquxao k* 
iKUiptet ^atte, ba$ bie €(^iiKi(fifeit ber ©bmben^Ie^re 
bargetffan u^erben fonne, ba$ äSunber unb eigene gei^e 
Q^afirung in ber (Singie^nng bed ^eiligen ©eifie« bte 
SRfingel be« t|feoIogif^en Seweifed ergänjen {Junten, ba$ 
ober ni^ti ttnmogli^ed tn ben ©lonben^ie^ren wxtom* 
men bfirfe, )i>ielme]^r be^aut>tet SQBil^ebn, bo^ ed unter 
ben @(aubettd{e^ren unbett^eiJbare 6äse gebe, ^on n>el^ 
4^en ntd^t barget^n ii>erben fönne, baß fte nid^td Un^ 
möglt^ed entstielten, tt>ie s* 93« bie ftrinitätöle^re ; bie 
@c^n>ierig{e{t be« ©loubend trägt ju feiner äJerbienßli^ 
feit Ui ; bie Sßunber @f^rifH bett)eifen feine ©ott^eit ni(^t, 
awfy ni^t feine SBo^rf^aftigfeit, fonp wäre fein iBerbienß 
beim ©(auben; ba^felbe gilt gegen bie Stunafime, baf 
ein fibematfirlid^ed Sid^t bie Sa^r^eit bed ©tauben^ uai 
betätige; bem SBanberer fommt !eine SSijfenfd^aft t>om 
©(auben }u ^« <S0 giebt eine breifa(|ie Offenbarung ®ot^ 




1) Ib. praef. fol. 1 P; Ifl dist. XXIIl qu. 7 fol. 280 C. 
2) ib. prol. qu. 1 foL 4 G; K; L;fol.5E; qu. 2 fol.iD; 




4 



tftfS 

M, bor^ ia« ®ef^())f; ^x^ bte ^dUge ®^xiit unb 
butd^ baS Seben. 2}te erfle ip bU f(^wä#e , bte le^te, 
n)ei( fte in mi fel^fl vollzogen n)i¥b^ würbe bie t)oUt0m^ 
menfle fein; aber {te tfk bte &ffen(aning bvrd^ bte Sin«' 
fc^auung/ n>e(^e xoix mi segenmärtig nic^t anmaßen 
bfirfen; be^n^egen tft un^ bte Offenbarung burc^ bie ^tU 
lige ®(fyxift nf tpig. ®te ift gemiffer ali alle i£rfennt^ 
niß burc^ tai ®ef(^(pf; benn in)ar soertrauen miribem 
^eft(|^t me^r ald bem. ®e|^$r; aber au^ ber niebere ®rab 
Ui ^ö^ttn ifi ^a^r al« ber (j^ere <S(rab: bed Sniebem, 
unb toai tt)ir ba^er loon ®oK,|^^ren, .|Kit tiat ^5(ere 
9S3urbe in 3lnf)>nt(|i ^u tte^m^/. atö watf toir loon ben 

9(ud biefen ®$$en gef^t ifini iiun eine fc^arfe Zxtn^ 
nung ber ^f^ilofopf^ie unb ber S^^eologie (ertoor» (&x be^ 
^mpUt^ ba| n)ir über . benfelben ® egenflanb sugleicfi ti* 
nen glauben unb ein SBiff^ fiabep f jnnen , tiß SOBiffen 
nemli(fi auf natfirli^em äBege, einen ®lauben burd^ bie 
Ofenborung ber @^rift 3war imnaturli^en (Srfennen, 
tt>enn tt)ir ^on ber SDteinung 2U SQiffen fornmen; t)erf(|k9inbet 
ber ®(aube ; aber ipenn ber ®lanbe an bie Offenbarfmg i/m 
natörli^^en aOBijfen l^institritt/ fo fugt er i|fm nur eine l^j^ere 



qu. 3 fol. 7 E. t>c^ )»hh t^aiti Ut Stuhibfa^ feflge^attett; lä^ 

Ut KUmaf^t (SctM SBitetfiNre^etibe^ ni^f mb^li^ machen V^nttt 

1) Ib. praef. foL 1 B. sqq. 2)oib ipxitSft et ftH^ nU^t ivmn 

über t)ie ® ett>if ^eii ber (eil. ©cbtifi glei^ }uoerf[(^tU(b . au^. Sergt 

ib. ni dist. XXlli qu. 7 fol. 289 A sqq. (&X ^^Wanft, metl et 

tem ©lauben auf tn einen @eite ®mi9i^ii aneignen mochte; auf 
tet anbetn @eite au(b nic^t/ bamÜ bad 83frbien{l M (glaubend 
ni(Jt f(Jtt)jnbe. 



SM 

Uü übrigen Siffenfc^ftoi untetgeorbnet wtxit, noi^ btc 
fingen SBtfTenfd^Qften ber SC^eotogtc; bettti n^ad biefe 
tenen jttffigeit fonnte/ n^rbe boi^ nur auf 99tontfit be» 
nt^tt imb baffer in bie SSrife i^rer Q^fentitm^ ttnb @e^ 
wx^^t ni^t eingebt!, unb iDtmi toon ber anbtm 6ette 
bie 2:^eoIog{e an^ Sci^e ber Sletopff^fS nnb ^gtf ge^ 
brottd^; fo eiiq>fange fte biefelien bo<^ ntc^t t>ott i^nen, 
fonbem nur ani ber aOgemeinen flber}eugttng; md^ 
aud^ o^ne toiffenf^ofitlid^e Unterfuc^trag bie ®nmbfi$e 
tinlm^ttn. Sine too^re Qnterorbnuitg ber 2:^eologie 
unter bie 9Reta))^9ftf tDärbe nur ftattftnben, u^enn biefe 
bie 93orau^fe$ungen j[ener aui i^xtn Urfa^en aNeftete; 
biej n>äre aber nid^t ber %oU, benn bie 93orau6fe$itngen 
ber SC^eoIogie beruhten auf beut 93iQen ®ottti unb ^&U 
ttn ba^tx feine Qrfac^en , ani »el^en fte abgeleitet wer^ 
ben Knuten *)♦ ®o tragt er auf eine 5^öHige Slrennung 
ber natftrli^en (Srfenntni^ unb ber St^eologie an« 

SQSie fel^r nun au^ bie SBurbe ber ^^eologie gegen 
bie tveltlid^e SßifTenfclaft erhoben »>irb, fo ma^t bO(^ 
SStl^elm feine s^ S^op^ 93erfpre($ungen t>on bent, toai 
fte leifle. S3on ber (Srfenntnif ber @ettgen »>irb fte toeit 
äbertroffen; fte ift n)eber eine einige SBiffenf^ft^ nc^ 
fann fte im flrengen unb eigentlichen @inn SBiffenft^aft 
genannt tberben / totil fte ni^t bon ©runbfä^en audge^, 
n^eldde an fttfi befannt ftub, fonbem nur auf ©tauben 
beruht. äBenn {te au^ S^lüfTe au^ an ft^ befannten 



1) Ib. prol. qu. 1 fol. 3 F; foL 4 E. 

2) Ib. prol. qu. 8. 



Ik 



»SS 

@ntnt>f j$en ontvenbet / fo ^fingt bo^ aUd bie« «on bra 
<9(au6en^avt{{e(n ai&/ meldte i^xt etfle^ ©vunblage JbU^ 
ten 1}* i^ierbar^^ ^5ft et: e« ftc^ frei feine Sd^IfifTe an« 
ber Stiv^^nU^xt ju jie^en , o^ne boc^ ben @runb Ui 
fSianUni angurfii^ren. 

r 

3e weniger er nun bie fhreng tt>iffenf($aft(i^e Sffifirbe 
ber £$feoIogie t)ert^eibigt; um fo flArfer fpannt er i^re 
yraftifd^e Sebeutung an. ®ott ifl nid^t bte ^attxit, 
t>on mitfytx f!e ^mitit, fönfi tDfirben ^rAbicote, ml^tn 
er ttnterit)orfen to&xt , ^on i^m aujgefagt tverben fönnen, 
fonf) n^firbe tln Unenblid^etf in unfern enbfi^en ®etft 
d^gei^n; )){elmepr l^aben ibir ba< ))erbienfUic|fe Se^en, 
wkd^e« t)om ®(anben abff&ngt; a(4 ben eigentlichen ®e^ 
gentlonb ber 2:^eoIogie anjufe^n. SDarauf jweden aUe 
Sorfc^rtften ber l^eiligen Sd^tift t>mt Slnfang iii in Snbe 
a6 ; f{e foKen nur setgen> tt>ie tM en>{3e 8e(en wn nni 
geM^enhen werben f jnne. Die Geologie U^k^ ff^ ^^^ 
auf ben SBiKen unb beöwegen tonn ffe ni^t aU hmm^ 
proH^e SBiffenfc^aft Utta^M »erben; benn ben ©ewei^ 
fen niuf jieber beifümmeu; )um ©laui&en abeir ge^^rt ber 
»tffe; jie ffl btt^er eine profttfd^e saSijfenfd^aft 3n)ar 
$a(en i^re Sefiren |^u))tfä^Ii$ ®ott ju i^rem ®egen^ 
ftanbe, weil bie meinen ©d^wiertgfeiten^ wetd^e ben ®iau^ 
ben treffen unb \>on ber ai^eotogie »eggeräumt werben 
löüjfen, auf ®ott fi^ beiiefien; al&er bei praftifd^en ^i\^ 
feiif(f»aften ftnb bie ®egenfl&nbe^ welii^e )um Sßetfe ^th 
fen, nidfit ©egenflänbe ber 2Biffenf(^ft> fcnbern ba« SQSerf 



1} Ib. prol. qu. 1 fol; 5 K sqq.; qQ. 4 fol. 8 1$ qo. 6 
fol. 12 K; III dist. XXIH qu. § fol. 288 G. 



HSß 

tfk cd, wtUfyti inxöf eine fol^e Sßtffenfc^afi htttitim 
xotxim foO, nnb tn ber S^eologie itttaiffim mir ®ett 
sri^^t an {t(^, fonbern nur feine Sejiel^ttng ju ben ®t* 
f(!^opfen, fcfem bie ^enntni^ berfel^en f&r unfer $eil 
ttct^wenbtg iß ^3« SBtr feffen, ba^ SBil^ebn S>uranbnd 
hierin einen ä^nlic^en SBeg einf(|^Iagt n>ie 3)imi Scotu« ; 
er fKmmt biefem Sorgänger m^ barin bei, ba^ ber le^e 
3u)ed bed 3Renf(^en, ber ©enug ©otted, gwar (Srfennt^ 
ni^ t>oraudfe9e, aber bc^^ ni(^t ein Stet be6 Skrßanbe^, 
fonbern be« SBiaend fei ^3« 

SBenn nnn bnrd^ biefe pxaHi^^t Stic^tung tai ti^eore* 
tif(|»e 3ntereffe ber S^eologie Qt^^waäft xottitn mufk, 
fo gef(^a^ bied bo^ in einem no(^ (o^em ®rabe ba^ 
burd^, bap bie 8e$ren ber S^eologie bei äBil^^ ^uronb 
w^ me^r einen ))0{ttit>en S^rafter annehmen, aU bei 
Z)und @cotai* Z)er @runb f^ier^on liegt in ber frfl|^ 
envä^nten Knft^^t, mlift bie Srfenntniß ®otted bnn^ 
tai 8eben audfd^Iiept, weil tt>ir feine Snf(^aunng ®otte^ 
l^aben. dt glaubt und bedmegen gegen ben S)und @a^ 
tud aud^ eine abfiracte (Srfenntnig @otted ai^pu^tn ju 
muffen. ^aUi fiA^t er ftc^ auf bie Se^re bei 9rifiote^ 



1) Ib. pro!, qu. 1 fol. 4 I. Demonstrationi assenüt homo 
necessario Tclit Dolit, sed articulis non assentit bomo, nia 
libere voleiu* — — Nee aliquis adhuc visus est qui de- 
moostratione probaverit, quod ita sity sicut ponit articulus. Ib. 
qu. 5 fol. 9 C; fol. 10 A sq. Sicut in arte navigativa astra et 
rootus astroruRi oon sunt subjectum, sed naTigatio, sie in fide 
akaolute sumta seu in theologia •— — deus sub quacunque n- 
tione sumtus non est subjectuni| sed opus raeritorium. Ib. fol. ii F. 

2) Ib. 1 dist. I qu. 1 fol. 14 D. Sergl. lUer bad fBttiäUnif 

bc< aciit>en )ttm contempIotiDen ^e^en ib. III dist XXXV qu. 3 

fol. in 1 sq.; qu. 3 fol. 3i4 A. 




Stt7 

Ui, baß n>i¥ nur bur^ bte ' ®egentDatt be^ fbtnlid^en 
OiitM }u ben aifirocten 93egriffen fommeii; mi^ wir 
bem £>6][€cte (eifegen. 2)aiS 9uge fanii it{(|»t fe^en, n)enn 
mdj^t bie got^e/ ba^ C^r itic^t ^ivtn, wenn nicfft bet 
ed^all if^m 8egentt)ärttg tft; nur aii4 fcld^en emjelnen 
Slnfd^aonngen aber n>ti:b ber allgemeine abffaracte @t* 
bottfe gewonnen. 2>a nun bem SEBanbeter eine anfc^u^ 
Ii(|e Stfenntnif t)on ®ott nid^t beiwofint/ fo fann {^m 
au(| eine abflracte (Erfenntniß betreiben auf natfirKcf^em 
aSege nid^t julommen 0« S)ied etSpet in bet X^t tu 
nen tiefen S3Iitf in bie jDenftpeife SSit^elm'«. S)ei: etxtit 
benti^t wefentlid^ barauf, ob wir im 6ein ber'®ef(^o^fe 
Ott$ ba^ @ein (SotUi gegenwärtig ^aben; bie^ leugnet 
äBil^eto/ weit tt im Sinnlicben nur bo^ ®innlid^e, in 
ben ®ef(fi$))fen nur bie ®ef(l^())fe fle^t unb be^wegen bie 
HRjgli^eit leugnet, baß au$ Hi ttbernatSrlic^e im 9la# 
tMx^tn ^ barfleSe. S)a^er fiOt i^m aud^ bie SRaglic^«^ 
feit weg, baß wir bur^^ eine dtUu^tun^ Ui frommen 
®mvit^i, wet^e^ in ben (Srfc^einungen ber SSelt bie 
3ei(f»en unb SQSeifungen ®otte^ erb(i(ft> ju ber un« no^ 
tf^igen Offenbarung gelangen« 9Ran wirb ben großen 
Sbflanb nic^t ^erfennen, in welchen er ft^ ^terburc^ \>on 
(einen SBorgängerh fedt. 

£)o^ benft {ui^ Sßil^elm £)uranb bie Srfenntniß ber 



1) Ib. prol. qu, 3 foK 7 Cr, Impossibüe est eogoitionem 
abstfactivam cujuscnnque rei esse priorem, sed Deeessario se> 
quitur. alibim priorem, ex qua deducitarf sed in puro viatore 
non polest praeesse aliqua cognitio, ex qua cogniiio abstractSva 
de deo possit d,educi; ergo impossibile est, quod cognitio abs» 
tractiva de deo} cömiminicetur viatorL Ib. fol. 8 B. 



SS» 

yiatux M(fy nt^t gatt} au^er 3ufammen$an0 mit btt Sc 
fenntniß ®otte<« Sr ffif^rt totetoelir in S^nli^tt äBetf< 
wie feine iBotsfittger bie S3ett>eife für bad @etii ®Mti 
auf bieSrfa^rung )ttvii(f; tt^el^e v^ix wn Un®t\^&p\tn 

^ahtn 0/ uttb (e$atit>t^ ^^^t ^^I^^^/ ^^^ ^i^ ^uf biefm 
38ege ei^ennen fömten , baß ^ f ottbent aud^ maö ®ptt fd 
Sitd Urfa^^ ber ®efd^0))fe nemlii^ mäffe er ou^ ©uhfita^ 
fein. a(er btefe Srfenntniß feine« äBefen« bleue bO(| 
nur beim Slllgemeinen unb bringe ni^t in bai iefonben 
unb eigent^fimlt^e SBefen ®otte9« SDenn au« feimi 
SSirfuttgen lernen wir nur fein iBer^atten }u anbent .2)iiu 
geu; m(fy aufen fennen, fein innere« SBefen offentot 
fuj^ barin ni^t, mit bie @efd^£pfe ni^t tomt terfetten 
art mit ©Ott finb unb nicij^t feine gonje ^aft ^igeo» 
SDie allgemeine (Srfenntniß ®otte« ani feinen äBtrfting« 
toiU er ba^er nur al« eine verworrene gelten taffen ; tun 
bie befonbere Srfenntniß @otte« würbe tint ))ollfiänbtge 
fein ^3* @old^e Srflärungen ba^er, wie wir fte aber ben 



1) Ib. I disl. III qu. 1. 

2) Ib. qu. 2 fol. 22 O. Cum ex crcatuns contargamus io 
Cognitionen! dei sicut in Cognitionen! causae per suos effectus, 
patet quod entitas creaturarum arguit deum esse, et quod est 
substantia, quod pertinet ad quod quid est, saltem in generali) 
quia causa prior est efTectu, — — accidens autem non potest 
esse prius omni substantia, et ideo quod est prima causa, non 
est accidens, sed substantia. Ib. fol. 23 A. Creaturae non 
sunt ejusdem speciei cum deo, nee demonstrant totam Tirtutem 
dei; ergo impossibile est, quod per creaturas deveniamus in 
perfectam cognitionem dei, quid sit in apeciali. Ib. C. Sicat 
cognoscimus de deo, quia est, ita cognoscimus de deo, qui^ 
est; utrumque enim ignoramus in particulari et cognitione com- 
pleta et utrumque scimus in universali et cognitione confusa. 
ib. I dist. XXIl qu. 1 foL 77 C ; IV dist XLIX qu. 2 fol. 469 C. 



m9 

93egiriff ®otM itUn thmtn, $ält et ttuv ffir 9lameney^ 
flävungen; inbem fte nur ctwai M^mmii unt) t>on 
Slcctbettgen hergenommene«, nt^t aUx hai befonbere SBe^ 
fen ®otte« au^brfiden ^}» 

2Ran n>irb m^l erttmrtett; ta^ biefe Seßimmungeti 
baju bienen foUen bai $ofttt)oe ber Sffeologte noc^ ftärfer 
anjufpannen. dtt^t UntU^ aitx tx^itH {td^ bte4 tx% 
wenn man bamit bte Sßeife gufammenfaft; in mi^tx 
3&H^üm Suranb ba« Ser^fi(M$ ber mUli^tn 2)inge 
ju @ott {t(^ benft. 2>te Su^gang^punUe feiner Se^re 
hierüber entnimmt er au^ bem St^omifKfc^n @;^ßeme, 
inbem er fe^t; baf ber ©mnb aOer ®ef(i^iS))fe in bem 
©ebanfen ©otted liegt; burd^ ml<fym er fein Sßefen 
benft, fofem ci miü^tiliax ifl na^ t>erf$iebenen ®raben. 
Z>arin befielt tie Orbnung unb SßoQpnbigfeit ber Statur, 
bafi oOe biefe ®rabe ^ertoorgebrad^t n^orben finb, unb 
f^iemad^ ^angt aUti wn ben ®ebatt{en ®ottetf ab, m\i^ 
t>or ben ®ef(i^5))f en {tnb ^}. SRan tt)irb bemerfen , bafI 
biefe Sorflellungätoeife ben Steali^mu« begfinfltgen }u 
toiUtn fc^eint. 9Iber Sßil^elm 2)uranb lenft ün, inbem 
er fi^ auf bie (Sinfad^peit ©otteö beruft unb beött)egen 
verlangt/ baf bie fd^^))ferifd^en @ebanfen ®otted bod^ 
nur ali (Sin^eit gebadet tt)erben bärften. ^n bem ®e<' 
banfen be« gSttlid^en 2Befen6 {tnb ffe ade ein« unb ü 
ifi nur eine SJerfd^iebenJeit be« SSerJiäftniffe« (dififerentia 
et ordio rationis) unter i^tten auguneffmen 3}* Unterßü^t 



1) Ib. 1 dist. 111 qu. 2 fol..22 O. 

2) Ib. proi. qu. 3 toi. 8 B ; I dist. XXXVI qu. 4 fol. 111 1 sq. ; 
II dist. XLIV qu. 1 fol. 232 B. 

3) Ib. I dist. XII qu. 1 fol. 51 G. 



S60 

wEtb bied bUT^ bic Z^omi^\(it 9t^re, ba§ tie inttf' 
lectucKm Sigenf^aften in ^a^r^ett ein« unb nur unfe^ 
m ^tnfivcife na$ vcrfi^ieben finb. SBii^elm £)ittanb 
ntai^t fte nt^t atlein von ®ott, fonbern au$ von unrnec 
€(ele geltenb 0* 'bn no$ mepi trägt gu biefa ünfu^t 
iti, baß bie weltli^n Singe nur btni ®rabe nai^ Der« 
fi^itbtn fein fDOen. £)iertiuri$ »nf^iwinbet bfe Siel^eit 
bet 3bcen ganj; bie gormen ter Singe, fe^rt Sßil^Im 
Suranb, »erben von ©Ott ni((»t einjetn unb gefonbert 
von cinanber gebat^t; fte |iaben l^c S3(fle^n nur in fei« 
ner alle« umfaffenbtn Scaft unb nur vtrtueK werben von 
i^m alle Singe i^rer ^rt nat^ in ipm erlannt ^). ^an 
(ann ben @tnn biefer Ce^ie nii^t »eifennen. @ie ge^t 
nefentli^ barauf mi nur bie abfhracte (Einheit unb 9JoK' 
fornmenfieit @iittefi fefl ju palten, bie ganje gülle aber 
beö reoltn Sein«, in meinem @oit f($ mi offenbart, 
nur aU ein SSerpitniß barjußetlen, beffen Scrf^ieben« 
{leiten in @otte« 3Sefen feine cntfiire^enben Untcrf(^i(be 
^aUn. Saper fe^t Silpelm, bog ti nur eine 3bee (BoU 
tti gebe, itbec viele ibeale fSerbdltntffe, weil fein SBefcR 



1) Ib. I diil. III qu. S fol. 37 ti; <iu. 4 So\. !8 B; I. 

2) Ib. I ditt. XXXV qu. a fol. 96 (106) F. Dicendum ergo, 
quod euentia diiiaa per hoc repraescotal res ditlincte, quod 
ipia secuDdum iii, qliod est, absque alterius adjutorio tcI con- 
cursu est suiGcieas cauta omnium, et ideo omnia pracbet inK 
et continet dod formalller, ut speculum habet imagiaet, sed 
lirliuliter, mgdo, quo Causa effectiva praebabet eflecluin, propter 
quod inlellectus, qui plene noiit esscDtiam dmoam et ejus vir- 

, ijoalii est iDlellcctu* divinus, plene noiit et distiocle 
spcci&ca DTTiaia, ad quae le eilendit ejus cauialilai. Ib. qn.S 
' ■ H tlUl) i. 




iS6i 

tn soerfc^tebener SSetfe in ben ®ef$(S))fen na^^geitlbet 
werben fann 0* 9Acin begreift n^ie ^terbur^ bte (SxUmU 
ni^ @otM in ber Vlatnx in bte Seme gerüdtt U){rb» 3n 
ben SIrten unb ©attungen ber 2)tnge, n>ie in aUen ©e« 
f$$))fen erfennen n>tr nid^t bie ®ebanfen, burc^ toeld^e 
@ctt bte SBett georbnet ^at, fonbern nur etn !Ber$fi(tntf 
feinet etnfa^en Segriff^ ^n ben SSetfen, tn n^eld^en er 
ntel^r ober n>entger na^aputl^ar tfl* 2)tefe 3Iu6funft legt 
jmar ben ©ebanfen ber ®ef$o))fe eine gett>{{fe Sejiel^ung 
2ur abfoluten 9Saf>rpeit bei/ läpt {le a^er ganj unBeßimmt 
unb ifl nur bafur beforgt; baf bie Unt)oII[fomn)en^eit ber 
einzelnen SSal^rpeitett ni^t auf ®ott fibertragen noerbe* 

2)ie äBenbung; mlc^^ SStl^elm S)uranb im SBortrage 
btefer Sej^re nimmt; jeigt; ba^ er bie Seigre t)on ber fRta^ 
(itat ber 3been nic^t gerabeju angreifen wxü; aber i^re 
Sebeutung nimmt er ipr bo$. SBir foHen ni^t warnen; 
bap bie SBai^rpeit ber S)inge in ber SOSeife/ in tt^el^er 
wix fte erfennen; in ©ett i^, Die ffe))tifd&e 9ti(]^tung ifl 
ptertn offenbar* Sie »enbet jtd& befonber* gegen bie 
allgemeinen ^Begriffe; koeti auf i^re SBa^rpeit in ®ott 
bie SQSa^r^eit unferer Srfenntnif gebaut loirb. 9tt^t mtr 
»ertoirft er fiierbei bie ^Jlatonifd^e Sbeenlepre, fonbern 
tii^t n^eniger bie 9lnnapme ber 3been tn ben ftnnli^en 
S>ingen; )oon n^elc^er er }u j^ig^n ^n^t, baf fte benfelben 
(S^wierigfeiten unterliege; toetd^e bie 3beenTeT^re treffen* 
2)ie 3been bejeici^nen i^m nid^td anbere^ aU SBilber ber 



1) Ib. dist. XXXVI qu. 4 fol. 111 K. Proprie loquendo 
ia deo est solum una idea, plures tarnen ntioiics ideales. X)tf 
ratjones ideales tDerben at^bonn aU respectas rationis frftärt. 

I. t>. 9J«. VIII. 36 



»02 

^^ttt^fte unt) er greift itim^tn au^ bie Sefire ^om 
tp&tigen 93er{lanbe an, inbem er bargut^un fu^t/ ba^ 
!eine ^iHflttit unfereö (Srfennen« auf i^n iuröcfjufß^ren 
feL !Bom )93efonbern ge^t unfere Srfenntmf avii ; na^« 
1^ toix ti txiamt ^aUn, überlegen wix ci in unferm 
®ei{ie um ani i^m baö SlUgemetne abmit^n, b* fi* ba^ 
SDtng unter ben ©cbanfen beö §lllgemeinen ju faffen* @r 
meint ^ierburd^ n^erbe bie SDteinung tDtberlegt^ bap tvir 
bad Slffgemeine a priori backten ^ unb giebt iu ))er{ie^en, 
ba^ bamit aud^ ber mogIi4)e 93erfianb n^egfade^ tt>et( er 
o^ne ben ©egenfa^ gegen ben n^irfenben S3erßanb ni^t 
geba^^t tuerben fonne* 2)er ©ebanfe beö Slllgemetnen iß 
ijm nun etwa^, wa« nur im SSerflanbe jid^ bilbe*}» 
2)ap aber ber ißerfianb pierbei nad^ einer ^oraud U^ 
ftimmten 9tegel t)erfa^re^ nic^t einmal bie^ toiU SQSil^elm 
S>uranb gugeße^n ; ^itlmt^x vert^^eibigt er gegen ben ^nva 
^cotni bie ^rei^eit be^ S3erftanbed nid^t aMn, im 2)en< 
fen ober 9ii(i^t=^2)enfen, fcnbevn aud[) in ber SBaJ^l ber 



1) Ib. I dlst. 111 qu. 5 fol. 28 O sqq. 

2) Ib. fol. 30 B ^q. Abstrabcre universale a siDgularibos 
non est operatio intellectus agenlls, licet commentator hoc di- 
cat errans; quia talis abstractio est soJum secundum considera*- 
tionem et ideo opus ejusdem polentiae est, cujus estr conside- 
rare , quod non convenit intelleclui agenti , sed possibili , si ta- 
rnen possibilis debet dici, ubi aliud agens non est. — — Uni- 
versale, L e. ratio vel intentio universalitatis , non est primum 
objectura intellectus nee praeexistit intellectioni , sed est aliquid 
fprroatum per Operationen! intelligendi, per quam res secundum 
contiderationem abstrabitur a conditionibus individuantibus , in 
^pl||:«|ieratioiie intellectus abstrahens habet pro termino a quo 

aria, m. quüius absirahit, et pro termino ad quem ipsum 
uQiftmale^ abslcaelum. 




563 

SRtttel jur OFmic^ung feine« 3n)ed(« ^). Steß loer^inbert 

t^n itio(fy ni^t ben SSetflanb aB ein Sermfgen ju ben« 

fen; mt^ti in aUtn feinen SorßeKungen beflimmt tvitb 

bur^ ben ftnnlid^en ßinbrud; benn ev ^tx^Ui^t bit^tü^ 

^ett be« 93erflanbe4; a^gefe^n t>on feinem jDenfen ^bet 

yix^U^cnUn itnb )oon feiner SSa^I ber ÜRittel gum (St« 

fennen; mit ber 3tt>angIof!gf eit, ml^üuöfitx erßenSDta« 

terie juf omme ; wtii fit tint Steigung }tt allen f^ormen 

^ait unb ifir baper feine gorm wiber i^re Steigung auf^ 

gebrungen merben ffnne ^)» SEBeii nun bie @(|tvierigfei^ 

ten f m^c iit Se^an))tung einer fiberftnnli^en (Srfennt^ 

nip pot/ ifim nic^t« iu fci^af en mad^tn, ifl feine Sepre fiber 

ben SBerflanb fepr einfac^. 2>ie refleri^e 2:p5tigfeit/ burd^ 

loe^e n^ir nid^t allein erfennen^ fonbern aucfi erfennen^ 

ba^ tüix erfenneU; tcax ben ^pem tin fßmtii gewe^ 

fen, baf ber SBerftanb fi(er iai ftnnlic^e Selben ft^^ er^ 

pebe; bafiir laßt jte 9Q3i(peIm nid^t gelten; er iemerft ))iel^ 

mef^r / baf au^^ ben Spieren eine fo((pe refleribe 2:patig^ 

feit auf omme 3), 3ebe Überlegung be* SJerjianbe« im 

3weifel, jur ©ejiapung ober SBerneinung iefd^rfinft fi(p 

i^m borauf; oi bie wn ben Sinnen eingebrachten unb 

in ber (SinMIbungifra^ (ewaprten Sßorjiellungen !paffenb 

{tnb mit einanber in @ub][ect unb $räbicat t)er(unben ju 

werben *)• äffe grfenntnig be« Üöerftnnlicpen fftprt er 



1) Ib. 11 dist XXIV qu. 3 fol. 193 P. f^itthti tok^ üü^ 

bie %^an^i^Uit Ui SSiffen^ «)om ^erflanbe gegen ben ^un^ 
©cottt« UifanpUt Fol. 194 B «q. 

2) Ib. fol. 193 O. ^ 
3j Ib. 1 dist. I qu. 2 fol. 15 N. 

4) Ib. l di«l.XXVn qu: 2 fol; 8» C. IIMf d« quo princi- 



Oi? 



564 

auf bftt ®\CLViitn gurüdE; Um fßtx^anU aUx ^xciH tt 
nur ein Stttmtn inxd) bie Sinne unb beffen ^, wa 
aui ben @tnnen abgeleitet »erben fann 0» 

2>amit fod nun bem 93er{lanbe bod^ nid^t j[ebe &^ 
fenntni^ ber SSa^r^eit aigef))ro(ffen »erben« (Ed »firbe 
barauf anfommen bie Sebeutung ber fBa^x^üt )tt ermit^ 
teln, ml^t bem natfirlid^en IBerßanbe erret^bor iß* 
SBUfielm 2)uranb unterf^yeibet bie 903a^r$eit be« @ein^, 
mld)c er a\X(fy materielle unb funbamentale SEBa^r^eit 
nennt /'unb bie formale SBa^rl^eit ber ©ebanfen« 3ene 
fommt bei ber t>ortiegenben grage nur nebenbei in Se^ 
tracbt; »eit fte »efentlic^ t)on ber Sßa^rfieit ber ®tf 
banf eh beö IBerftanbeö fianbett ^}« ^an fann aKerbtng« 
aud^ Üebem ©ebanfen eine SBai^r^eit M Beim beilegen, 
fofem er in ber ®eele ali feinem @ubj[ecte (subjectite) 
i{l; aUx in biefem @inne fann feine Srage aber SSa^r^ 
i^eit unb Salfd^i^eit ber @ebanfen eri^oben n>erben, fon^ 
bem üeber @ebanfe ift »a^r» SQSenn aber m^ ber fSia^t* 
^tit unb %a\\^^üt eine« ©ebanfen« gefragt n>trb; fo 
)>f{egt man bie SBa^r^eit aU bie ÜbereinfUmmung (con- 
formitas, adaecpiatio) be6 Serjianbe« mit ber ©adje (res) 
itt evflarem S)agegen jiebod^ ^at S3i(^e(m )>ie( ju enn^ 



paliler dubitatur quandpque et cui quandoque asseDtitor et 
quandoque dissentitur, non est aliud quam convenientia tel 
disconvenientia rerum importatarum per subjectum et praedica- 
tum, de quibus dubitatur, utrum in.sint sibi , an non insiot 

1] Ib. II dist. XXVm qu. 1 fol. 201 A. Objectum propor- 
tionatum nestro intelJeclui est veritas in sensibus et ab eis de- 
ducla, sicut intellectus noster est quoddam intellectivum . cum 
sensitivo. 

2) Ib. I disl.XIX qu. 5 fol. a M; qu. 6 fol. 74 G. 



nern* @tne Ü(erein{Hmmung )U)tf(l^en bem ©ebantcn unb 
ber @a^e UnnU an^ to^l {iattfinben; o^ne baf bte 
@a^t txtamt n)Srbe* (Srfl babur(|; baß bev ©ebanfe 
bed SSerjianbed auf bte @a($e i^eiogen unb bte Üi^erem^ 
{Kmmung gt^ifd^en betbeit erfannt mttb; txikit fiif bie 
SBa^rffett be^ ©ebanfen^« ^ieroud ahtt tt)ttb gefolgert; 
baß bte SSaptj^^eit bet ©ebanfen nur iu einer Sejte^ung 
berfeli^en auf bte @a$e beßej^e unb bejkvegen nur ein 
©ebonfenbtng (ens rationi») fei 2)a6 ©ebanfenbtng be^ 
^etc^net a(er nur für ben ©ebanfen Hxoai WiixUiöfa, 
ni^t ffir bte Ba^u jDaß ba]^er g» S. ber @tetn erfannt 
»trb; tfi in>ar ffir benSSerftanb; a(er ni^t f&r ben Stein 
ettt^ad SBti^td^ed« G^tf {fl otfo ba< ©ebxtnf enbtng nur 
«ine SBenennuttg bet Gac^e , iDeld^e ffe nic^t an ftd^ tdffit,. 
fottbem nur t^te 9e)te]^ung auf einen SIct ber SSernunft 0- 
@4on l^terin {(mite man eine Steigung \püxm bie äSa^r^ 
$ett ber ® ebanfen t>on i^ren ©egenßfinben (o^guISfen ; 
ungn^eibeuttg tritt biefel^e aber erß j^erbori inbem %H^ 
^elm 3)uranb bie Unm5glt(|fett ju geigen fud^t, baß eine 
Übereinflimmung }n)if(i^n bem @eban{en unb ber ©atfie 
t^rem SQBefen nad^ fiattftnbe. Sr gept pier(ei t)on bem 
@a9e be^ Slrißotele« au^z baß nic^t ber @tein, fonbem 
nur bie gorm bed @teind in ber @eete fein tonne; ftnbet 
aber mi^ biefen Baii nod^ nid^t fireng genug; n^eil babei 

1) ib. I dist XIX qu. 5 ibl. 73 H. Ens rationis non est 
aliud, quam denominatio objecti abactu r^tionis, sed ea, qiiae 
attribuitur rei solum , ut cognita est. — • — Intelligere in ho- 
inine est rera res et denominatio, qua faomo dicitur intelligens, 
est realis in bomine ; intelligi autero non est vera res in lapide, 
nee denominatio, qua lapis dicitur sie intellectus, est realis in 
lapide. 



)S66 

bo^ no^ tint Konformität ttt ©ad^ mi Ui fS^xftanf 
M i^xm SBefen na^ t)ocau^gefe^ n>irb. SBie foOte 
(ine fot4ie ßattfinben fönnen, ba bev ©ebonfe tin Slcci^ 
benö tn bem Sßerflanbe t{l; bie @a4ie aier juweilen eine 
@u(ßan) obev/ tvenn niifyt, bo^ iai SIccibentf einer Ux* 
perli^en @ad^e. @o wirb jn^ifd^n ©ebanfen unb ®e^ 
bati^tem j[ebe tbefentiic^e tKereinfiintmung geteugnet '}. 
Sin bie üRoglic^fett; ba§ bie gebaute @a^e felbfl ein 
©ebanfe fei; an bie 93orau4fe$üng ber Steolißen, bag 
fte in einem ®ebanfen @otte^ i^re SBa^rffeit j^abe^ edn^ 
nett ft(^ Sil^m jDuranb fiierbei nid^t« 93idme^r f(|emt 
er ft^ aOeitt an bie Qtmwtit SorfleKung bed gefunben 
;3)tenf(|en)oerflanbe< gn Ratten ^ ba§ bie jDinge an§er ber 
@eete i^rem Sßefen natfy ^ixptx ftnb« 4Inter biefer 91or^ 
autffe^ung ijl fein ©ebanfengang bi6 ^ier^er gan^ plaru 
Sber er ibtS nun bod^ eine obj[ecti)oe Konformität giDifi^en 



1) Ib. fol. T3 I sq. SIcut communiter dicitur, veritas est 
conformitas vel adaequatio intellectus ad rem. Qualiter autem 
boc est intelligendum, advertendum est, quia non est intelligen- 
dum de adaequatione vel conformitate intellectus et rei secun- 
dum illud, quod sunt essentialiter, quia intellectus secundum 
illudy quod est essentialiter , non babet allquara conformitatem 
irei adaeqüationem cum re extra , immo magnam difformitatem, 
cum res extra sit quandoque corpus, intellectus autem non, 
sed Spiritus, aut si aliqua sit conformitas, non consistit in illa 
▼eritas , quia cum illa attendatur secundum naturam rerum, ae- 
qualiter potest esse inter intellectum et res, quas nunquam in- 
telliget vel intellexit, sicut inier intellectum et res, quas inteU 
ligit« — -~ Omne, quod est subjective in intellectu, est acci- 
dens, res autem exterior est quandoque substantia inaterialis, vel 
si accidens est, accidens corporeum. Inter baec non potest 
esse similitudo vel conformitas in essendo, cum sint diversorura 
gencrum. 



S67 

©ebanFen unb ® ebac^tem nt(|^t locfQtg leugnen / unb 
ä6ev btefen $unft ftnb feine Slugerungen für) unb fafl 
un^erflänbti^^/ fo baß toix bte S)eutung/ tt)eI4^e n>tc ffiv 
fte ftnben ; ni^t f flv ft^er au^geien tt)oQetu @r befhettet 
bte Seigre; baß toix but^ Seraf^ntictiung bie S)inge er^ 
fenneu; tnbem ev biefev ^(nftc^t bie filteße unb grobfie 
Deutung gtebt, unb U^aixpM bagegen, anfd^einenb in 
Überetnßimniung mit bem Z)un6 @cotu9; baß unfer Sr^ 
fennen nur tn einer $ro))ortton }um Plannten befiele ^}» 
X>iti erläutert er ani ber SSeife/ tvte tt^ir in bet ^pxa^t 
nnfere ©ebanfen audbrfidem X)a tvirb jur 9ßa^rf>ett 
unferer 9tebe soerlangi/ baß 6ubiect unb ^räbieat ben^ 
felben ® egenflanb beieic^nen ; ein fo(d^ tBerpä(tniß tvtrb 
m^ für bie SSafirl^eit unferer ®ebanfen geforbert; ber 
®ebanfe be^ @ubj[ect< unb , bet ®ebanfe Ui $räbtca(« 
mftffen biefetbe @a(^e beaeid^nen^ unb ba^feUe SSer^It^ 
niß; ba« jn^ifd^en i^nen flattfinbet/ mu^ a\x(fy itioi^^m 
ben fünften ber @a(be {lattfinben, n^el^^e burd^ bte ®e^ 
banfen Ui ©ubject^ unb ^rabicaW bejetci^ttet werben ')♦ 



1) 3^ bemcrff Jicr »teber^ baß im ©pra($ö^brou(Je biefer 
3ett cliuiit> l^eif t ber SSorftetfung nat^ / fubjecti)) ber @a($e md^. 

äergt. ib. I dist. XIV qu. 1 fol. 55 I. Seciindum rem et tub- 
jective, secuudam rationem et objective. 

2) Ib. 1 dist. in qu. i fol. 22 K. Cognitio non fit per rea- 
lem assimilationem in natura, sicut quidam diierunt, quod 
ignem igne cognoscimus, sed fit per proportionem inter po- 
tentiam cognitivam et rem cognitam, per talem quidem pro« 
portionem, ut res cognita cadat sub formali ratione objecli po- 
tentiae cognitivae. 

3) Ib. 1 dist. XiX qu. 5 fol. 73 L. Veritas est conformitas 
intellectus ad rem intellectam ', ioquantum id, quod de re eiiuo- 
tiative apprebeoditur , est conforme vel potius idem cum iden- 



568 

^an mup too^l bta^tm , baß nicf^t it^aWfUt \0ixb, ber 
tva^re ©ebanfe ßelle bte @a(ffe fo bav; tote fte ift, fon^ 
bern ec ^eOe nur ba^fel^e Ser^ältnip bar jmifclen ®e^ 
banfen tmb @ebanfen, tote e^ {totfc^ett ^a^e unb @a($e 
auger ber @eete tfi* Sie äSa^r^ett tti ©ebattfenö toirb 
itt berfel^en Seife geba^^t; tote bte 3Ba$rf>ett Ui @a$e^ 
ober ber 9tebe/ toelc^e ju etnent toa^ren S^i^^n btenen 
fattn 0/ ^^nn au^ in)tf^en ®ebanfen utib Siebe bte 
grifgefie Una$ttU(^feit fiattftnbet 

:Dte jDuttfel^eit, ml^t in btefer SBorf^eOuttgötoetfe 
^erf^t; liegt in bem Sßatigel an ettter genauem ^nim^ 
anberfe^ung, toie ber ©ebattfe o^ne ä^ntt4ifett mit beut 
©ebac^tett bot^ toeitigflett« ein Seid^en be« ©ebac^tcn 
fein unb toie tin g(ei^e< Ser^äitnig gwifc^en ben oer^ 
f(^iebenett ©liebem bed gebadeten unb M feienbm 93er^ 
pitnifTe« Pattfinben fSnne. 9u$ fonnte bie grage auf^ 
gen)orfen toerben, toie tin SSeri^dftntg unter ben ®(ie^ 
bem be^ ©ebanfen^ (eße^en fonne, ba ber ©ebanfe ein^ 
ijl/ unb ebenfo oon ber anbem <Sette bte (Sa^e» 2)iefe 
Srage i&erüfirt 9Q3i($ie(m S)uranb n^entgflen^ oon ber Seite 
beö ®t}>anUni. SD3tr f^aBen fd^on Umtxtt, bag bie 
S^toierigfetten , »eld^e er in ber ^rlcnntnift^eorie fanb; 
mit feiner SBerwerfung ber aKgemetncn ©egrtffe im fßtx^ 
jianbe ®otte« jufantmeni^ing^ (Sx entf^ietbet ft^ ü6er bic^ 
fen ^nft ganj gu ®unjlen be« 9lomtnati^mu^* 2)ie aU^ 
gemeinen ^Begriffe entfielen ipm nur baraud/ bap uni 



titate rei et sie est relatio ejusdem ad se ipsum secunduhi esse 
intellectum et esse reale. 

1} Ib. fol. 73 M. Veritas autem proposilionis non est nisi 
veritas signi. ' 



in unferer SSerglettfiung Ux 2)in5e untereiitanber m'ele 
2}tnge äpnlid^ evfd^etnen uitb tvit fte nur in Seitefinsig 
auf tiefe äi^nltc^fett aM ein9 anfe^n, ^i&glei^ ffe t^ele 
ftnb. S)abti fitUt er ben @a^ auf, üebed S}ing bfirfe 
nur ali tini gebaut n^evben unb in feinem )DoOen @ein 
gebacfit fomme i^m tiur ein $lttri6ttt tu ^}« S)ad SlSgc« 
meine ifi ba^ev nid^t fni^jiectiio in ben 2)ingen; fonbem. 
nur ein SSerßanbe^bing; mlf^ti barauf beruht/ U$ tofr 
bie S)iHge mit etnanber Derglei^en unb bie einsdnm 
jDinge o^ne ben Unterf(|^ieb benfe»/ ^tUfftt ein itkti wn 
einem jieben anbem unterf^eibet* di befielt ba*>ll&ge«. 
meine nur objiecH^er SSeife , b« ^« in unferer SSor^ung, 
tt)enn toix tttoat ofine feine inbiDibualiftrenben ^SefHm« 
mungen benfen, unb bie din^Ht Ut Slllgemeinen ^at 
ba^er nur eine t>erneinenbe Sebeutung, n^elc^e ni^^t^ 
andbrötft, toai in ben 2)ingen fel(ß n)äre^3« HUi^ 
gemeine« @ein unb inbibibuetfed Btin fotten ba^er 
an(fy mi unb baöfelbe bejeii^nen, nur ba« erfiere in 
einer unbejlimmten , iat anbeiße in einer befh'mmten 
SBeife; jiene unbeßimmte SBeife jlebod^ liegt nur in un^ 
ferm Serftanbe/ n^arenb in ber 92atur ber Dinge m 
Üebed ein (eflimmte« ifl; benn bie Üftatur bringt ein j[ebed 
unter feinen inbibibuirenben 93eßimmungen fierbor/ unb 



1) Ib. 1 dist. 11 qu. 3 fol. 20 F. 

2) L. ].; ib. 1 disL XIX qu. 5 fol. 73 H. Esse universale, 
esse genus vel speciem dicuntur esse entla ralionis, quia talia 
dicuntur de re tanlum, ut est objective cognita. Ib. 1 dist XXVIl 
qu. 2 fol. 86 B. Esse universale competit rei per hoc, quod 
inkelligitur absque conditionibus individiiantibus et non per ali- 
quid | quod Sit in ipsa re subjective. 



Mi 



j;7o 

nMn ffM Mwegot ow^ ntc^t iiöt^ m^ bcr 9tatar 
«lA i^oi yniict)»!« einai onbem <8niiib brr diM^i^ 
taatton {8 ftu^ ^> 2>te^ crflart mm 19P^I, me m 
€a<K tmb im Oetei^ ein Ser^tmf gefegt totibfii 
foim snnfd^ ton ^onbcrn 6iAjcct mib bon aOge»d^ 
neu ftSbiuä, tnbem idbc botffeKe bqtu^nei/ NK cuie 
te (cßinuntct/ tKif ünbcrc iii nntcfKimsttC/ b« ^« ivcb^ 
flrr cff^opfenbcr SBetfe; amtfd^ bribm Setf« iicnli<b 
Pnbct efn 97^ nnbatinber ßatt; ba aber in bcr 9tatitr 
dM tt bf^fanrntcr nnb (nbioibnelltr Seife fete fpl^ »8f^ 
fM «rfr^e Sefe^nmg borfiber i>ermi{feii, wie dn g(et< 
i|e€ Ser^Sttiitf in ber ?ttttar ber Ba^, wie in ben 
<8ebanfen fid^ ftnben lofe» 

2>iefe Se^re üUx bie oOgemeitten Segriffe f^Iieft nn^ 
flreitig einen feffr entfi^enen B^Mfel gegen nOe noUr« 
(ic^ Qhrfenntai^ ber Siffcnfc^ in fii^. Sad Si(^ 
2>nranb eine «nbeßimntte (Srfenntniß nennt, ^ft i^ 
on onbem Drtcn au^ eine berworrene &rfenntniß, nnb 
ti f&ttt i^m unter btefe Benennungen eine jebe 9(rt ber 
(Srfenntniß bun^ ba6 Sßefen, iuxd^ bie fpeciftf^en Si^ 

genf^^often ber JDinge (cognitio quidditatlta , specifica), 



1} Ib. 11 dist 111 qu. 2 foL 154 D« Natura universalis et 
inditidua seu singularis sunt idera secundum rem, difTerunt 
autem secundum rationem , quia quod dicit spedes indeterrai- 
nate, inditiduum dicit determinate , quae determinatio et inde- 
terminatio sunt secundum esse et intelligi. Universale enim e^t 
nnum solum secundum conceptura, singulare vero est unum 
secundum esse reale. Nam sicut actio intellectus fadt univer- 
sale, sie actio agentis naturalis terminatur ad singulare. Ib. F. 
Non oportet praeter naturam et principia naturae quaerere alia 
principia individui. 



bur$ aOgemeute fiSegtif e r alfo aHrt toaitoix burci^SBir^ 
fenfcfKift erfennen f^neit* QEt fe^t bkfer Srfenntnif bte 
anf^aultc^e (Erfenntntß entgegen^ tt^el^e wtv in ber ftttn«^ 
li^^en ©egentvart bed S)mge4 l^aien^ unb f^etnt jene tm 
©egenfa^ gegen btefe nuv aU eine (Stfenntntf t)ermttte(fi 
ber Sin(t(bttng«!raft ju (etrad^ten 0* SBenn er biefen 
SSeg tvetter ))erfo(gt ffatte, fo tt>firbe ev bafiin gelangt 
fein bte X^&txQUittn be4 Sevßanbe« gang auf Me Sie» 
bererinnerung an bie SBorßellungen imfever dinUtbrn^i^ 
fxaft iurfidiuffi^rem Sinnliche nnb ühttfimU^ gormen 
f^^tnt et nt^t untevf Rieben 2» flauem SBie bem a(er 
aud^ fet; ber SSorjug/ n)el($ett er ber ftnnit j^en Sfnf^auung 
9or ber Srfenntniß in affgemetoen Segriffen angefleht, 
geigt beutlic^ feine Steigung aUti itnfer Denfen auf ba6 
€inn(id^e jurfi^uffil^ren imb bem Serftanbe nur eine un^ 
tergeorbnete 9t<>tte im (Erfennen onjun^eifen« 

(i9 Un^tit ein; n^elc^e entfd^eibenbe !Ber5nberung biefe 
Beübung ber (Srfenntnifle^re auf bie Geologie ^aien 
mupte, foklb fte i^re SoTgerungen tnt^aUtk. ^ii^tx l^atte 
man bie n>ijfenf(|aft(i(i^e 93i(bung ali eine äJori^ereitüng 
auf bad fromme Seben angefei^n unb bie n^ettli^e SQ3if^ 
fenfd^aft gen>{{ferma^en t)on ber SBera^tung audgenom^ 
men ; in tvelc^er bie übrigen welttid^en Sefhel&ungen fian^ 
bem SBärenb biefe faji <Ai Sertodungen unb 3^rfhreuun^ 



1) Ib. IV dist. XLIX qu. 2 fol. 439 B. Alio modo dicitur 
confusa cognitio illa, quae est quidditatita et specifica per com> 
parationem ad cognkionem iniaitivam. Sicut ille, qui habet 
cognitionem quidditatitam de rosa , quam noo tidet , dicilur 
habere confusam cognitionem per ' comparationem ad illam, 
quam habet de rosa, quam praesentialiter videt. 



872 

gen gaUen; mtinU matt, iai ))^i(ofo)>pif$e ©treien fammle 
ben ®et{i unb fonne aud^ einige (SxUnntni^ QitÜi^tx 
IDinge geu^ä^ren. 3e9t würbe aui^ bie $ifiIofo)>^i( in 
bie aKgemetne ^evai^fe^ung bti tvettlid^en itUni toet^ 
^o^ten* Sßaö fonnte eine SBiffenfc^ft ju i^ebenten ]^« 
im, toiiifyt mx in aOgemetnen, b« fi« ttt t>em>ovretten 
Segviffen ^ (etvegte/ tt>el$e no$ gegen bie finnli^e 
Sttfc^aimng ber 2)inge jurfidflanb? ^ierburi^ toax bie 
e^^eibttng bed SBelttid^en unb hti ®tipx^vx etß red^t 
«>onaogem 

^ietbtttd^ muffe aitx ani^ bie pofttü^e Statur ber 
SC^eoIogte um fo ßfirter heraustreten, j[e me^r ber SBert^ 
ber tpettlic^en SBiffenft^aft fant 2>a)tt trug nid^t n)em'g 
bei/ baß jiebe Sefcfiränfung ber fiiematürlicfien Offenbar 
rung bur(| bie natfirltd^en ©efe^e ber SBelt bom 3tomU 
naIiSmud befeitigt würbe* SBet($e notürlid^en ©efe^e 
^ttt man wopl anjuerfennen gehabt; ba man bie @e^ 
fe^e, weld^e in ben Strt^ unb ©attung^begriffen auSge^ 
bru(ft {tnb; nur für ©ebanfenbinge erflärt ^atU^ ^ter^ 
burd^ mußte "ooxnt^mli^ ber unbeßimmte Segrif ber 
SlKmad^t ®otteS wad^fen, weld^e in feinen ubernaturlid^en 
3Birfungen, in ben äBunbern, in ber Offenbarung/ in 
ben @acramenten ftd^ beweifl, fo wie f^on X^omai wn 
Slquino be^au))tet $atte, baß bie Jhrafi ©otted; in wel^ 
dger er und feine ${nfd^auung gewahrt, burd^ feine SBer^ 
fc^ieben^eit ber ißatur gei^inbert werben fdnne* 3n bie^ 
fem fünfte jeigte jebod^ 9Bit$feIm )Duranb nod^ einige 
SRaßigung. (Sr t^ut bom äSegriffe ber SlUmad^t ©otte« 
bav; baß ed i^x feinedwegeS wiberfprtd^t iai Unmoglid^e 
ntd^t }u fönneu; weil jiebeS SSermogen, j[ebe ^a^t nur 



875 

auf ba« ^i^ii^t ftd^ c tfiredt ; » 6e^att))tet ; baß e^ 
nt^t mjgltc^ fei aUti in aUti au ^tmanUin, Um im 
SSemanbelten bleibe wdf immtt batf, tt^ad ed jutoor tDar, 
n^enn auc^ ni^t itx ^ixUi^hit, bod^ ber aßosIt(]^fett 
na$ ; unb ballet fönnten mx bie 2>{nge in einanber t)et^ 
U)anbelt tperben, n^el^e eine gemeinfd^aftlii^e SRaterie 
Ratten ^3« <£r untetf(|^eibet au<fy bie aBfoIute unb bie 
georbnete ^a^t ®otM unb wenbet biefe Unterfd^eibnng 
auf einen bet mi^itigßen fünfte in biefen ttnterfu^ungen; 
auf bie SDtenf^n^erbuäg ®ottti an, inbem ev ft$ ba^iit 
entfifieibet; baß ®ctt jtvat feiner abfoluten !Ra^t na$ 
auifi eine unt>eirnänftige 9taittv ff&tte annehmen ffnneu/ 
baß ficfi bied aber feiner georbneten. SRa^t nad^ nid^t 
gef^t(ft i^&tte/ n>ei( ipierbei aUti auf ben S^^ä anfame 
unb ber 3n>ed/ wum^tn ®Ptt bie 92atur eined ®e^ 
fd^6))fe^ annahm ^ nur ber n>ar bie angenommene !Ratur 
ju peilen^ n^eld^e^ nur bei ber menfd^tic^en 9Iatur noti^ig 
unb moglid^ war, weit jte burd^ ijiren gaH franf wer^ 
ben f onnte unb ber Teilung beburfte ^3* Slber mfiffen 
wir ni(fyt fagen, baß SSil^elm jDuranb in biefen unb 
ä^nli^en Se^ren feinem 9lominaIidmuö nid^t getreu ge^ 
blieben ifl? Z>enn ber ©egenfa^ in)ifd^en üßfglid^em 
unb Unmogtid^em, mitfammt bem 93egriffe ber Snaterie, 
weld^e baran l^ängt/ bürfte boc^ nur auf ber SSa^^tit 
bed aagemeinen berui^n, wie t>iel mefir ber ©egriff ber 
gemeinfd[)afttidjen SWaterie - unb bie Unterfc^iebe jwif^^en 
vernünftiger unb unt^ernfinftiger 9tatur/ fo baß man eben 

1) Ib. 1 dist. XX qu. 1 foL 74 R. 

2) Ik. IV dist. XI qu. 2 fol. 361 I. 

33 Ib. III dist. n qu. 1 foi. 243 C sqq. 



874 

an btefer SRäßtgung Sßil^tWi am (eften gett^a^r toixb, 
baß er tte S^lstntngen feinet 9{omtnaIidmud no^ fr& 
nctfiveged burc^ feine S^eologte f^at buril^gretfett (äffen* 

9htr ba}u ^at er t^n gefoatt4>t bie wtWi^t ober tto« 
tSrltcf^e SBtffenf^a^ fd^ärfer ^m ber Siffettf^oft ber S>f^ 
fenkrung ober t)on bem ®tanim a^jufonbem unb bte 
erftere $u ber fiirtgen STtaffe bed tDettfi^en Se(ett< gn 
toerfen , toel^e feinen n^al^ren unb bleitoiben Sert^ ^aU^ 
Stan ift bomit bem Setonf tfein um Hi einfeitige ^mdp, 
mXä^ti biefe 3nten bewegte, bod^ um einen Stritt na^er 
geriUK; aber SBilpelm 2)uranb fann ft(^ bod^ notfy td^t 
enthalten biefelben @rttnbfa$e, ml^t er ffir bie toeltlt^ 
Siffenfc^aft t^erioarf, ffir bie Geologie gu benu^en. 



3Wcttc6 Kapitel 

Sill^elm t>ott Occanu 



aSiel entf4)tebener griffen in bie Umgepaltung ber SBif^ 
fenfd^aft bie 9lominaIijien ein, m\^t ani ber ®coti^^ 
f(^en @d^ule |^en)orgingen* Sluf {te f^eint ein X^til U^ 
ntx ^^n^eit fibergegangen ju fein , wü^t toix in ber 
Ce^re i^xti SDteifierd fennen gelernt f^abem Siber fe^r 
beutli^ aeigt fi^ au^ an i^nm, toie hai toiffenf^a^ 
lic^c Seben jener 3eit mit ben fir^fic^ pcliH\^tn ©ewe* 
gungen glei(i^en Schritt l^ielt* SDer übemmt^ ber p&ift* 
li^tn ^ierarcf^ie gegen bie tt^eltli^e ^a<l^t unb gegen 
bie fhrengen granci^caner, welcf^e in ber S^ad^a^mung ber 
armut^ eprifli if^r ^o^^jle« SBerbienji fa^en, bie lUibe^ 
fcnnen^eit eine« 5Jabjle6, welker oud^ bie ?ejiren 'ber 



»7» 

@(^u(e U^tx\(iftn tooUtt, trieben in gletd^er S^it toütti^t 
tmb getfUt^e üRac^te ju einem Sßtberjianbe {ufammen, 
in ml^tm man notfy bte pai^Utfyt Z^tannti inx^ get> 
(t^e ^a^t, inx^ ein oQgemeine^ (^oncil, }u jitgeln 
poffte. Unter liefen Umßfinben ^at fi^ ünt Ce^re QtU 
ttni Qtma^t, n^elc^e U)te bie n^ettlid^e unb geiflli^e ®e^ 
n)aU, fo bie n)eUn$e itnb geifllid^e SBifTenfclaft red^t 
griinblid^ )u [(Reiben füllte« 

Der e^rmurbige Seginner biefer Sej^re, tote i^n feine 
@d^ule genannt ^at, toav ein (Snglfinber, SBil^elm, ber 
)oon feinem @e(urt^orte JDccam in ber ©raff^aft @urre|^ 
feinen, S3einamen fu^rt« Sr toar einer jener firengen 
Svanci^caner, bie fd^on Sonifaciud VI^. in unterbriufen 
fuc^te. 3u £)rforb f^atte er ju ben ©d^filern be6 jDnn^ 
@cotud gebort unb f(i^on ju anfange bed 14 üia^x^nn^ 
bert« lehrte er }u ^axii, gu toel^ier 3eit er eine feiner 
@treitf4^riften gegen bie )>&6pd^e ^Jta^t oerfa^te« Sltö 
^robincial feinet Oxitni für (Snglanb wohnte er 1322 
bem dapxM ber grancidcaner ju Perugia bei; U)eld^e^ 
ben SRagregeln ^oj^ann^d XXII. gegen bie ftrengen @e- 
läbbe ber S^anci^caner ftd^ entgegcnfe^te* Ibit Se^ren 
unb SBerorbnungen biefe^ ^oi^ti betritt er oon ber 3eit 
an be^arrlicfi unb in geßeigertem üRa^e« Wt bem @e^ 
neral, feinet Drbend 3}li^aü bon (f efena , ml^tx bom 
$abfie abgefeftt »erben war, ^^ttU er jtc^ im 3* 1328 
jum Mfer Subwig bem Saiern, erfannte beffen @egen^ 
))ab{l an unb bert^eibigte i^n unb aUe feine SUJapregeln, 
burcb »ctdde er ftd[i gegen bie ^äbfle }u $lt)tgnon ju be^ 
|^au))tett.fu(l^te, in einer Steifie bon ?5arteif4)riften. Sr 
fcU biefem ^aifer gefagt j^aben: Sert^eibig^ Du mi$ mit 



876 

bem Bi^mxitt, i^ tt>erbe 7i\^ mü itt %Mi »cxtl^tibU 
gen. @etnen Angriffen gegen ben $a(fi liegen bte ®t^ 
banfen jum ©ntnbe, ba§ xoüttiifyt unb getfHtd^ 3Ra^ 
ganjKd^ getrennt fein foQten/ tt^ie sn^et Steicf^e, mie %xanh 
rei^ unb bad 9l5mif(^e fRti^ ^3 , ba^ aber hai grifl^ 
lid^e SReid^ feine genägenbe Vertretung nur in einer alU 
gemeinen ^ir^enberfammlung {inben (onnte, benn ber 
re^itmaf ig ern)ä^Ite $a({i fonne fte^ereien liegen, tt>ie bnr^ 
ja^Irei^e SBeifpiele wm Sipofiel $etru^ an betbiefen mer^ 
ben foa^)« (Si f^eint aber, ba^ Dccam felbft bur^ bie 
93er)T)irrung ber 3^it fi^er feine ©runbffi^e l^naudgetrie« 
ben tourbe, tt^enn er ni$t aOein bem ^aifer eine ti^ter^ 
It(^e ©ewalt fiber ben $abfi jugeßanb , fonbern fogar bie 
Sntfc^eibung ber @^efa(|en i^m t^orbe^ieTt, tt)enigf}en« in 
au^ergen)6^nli(!^en gaOen, too ber $ab{l ein offenbarer 
Seinb be$ ^aiferd unb bed ©emeinkbefend fei unb tn 
fe^erif^er ^artnSdtgfeit eine Wia^t ftd^ anmaße, toelc^e 
ber cbripiic^en grei^eit »iberfpre^e '}♦ ©o panb er hü 

1) Disp. sup. polest, prael. eccl. atque princ. terr. comm. &. 

Goldast. monarcfa. I p. 13. ^on bet anbetn @ette würbe um 
biefe 3ett bie 2e$te geUenb ^emaö^i, baf nur ein Biei(^ fein foQtf, 
t>a$ ffiimi\^t fRti^ , in aeitlic^e unb mltUö^Q &malt get^etU, 
aber jene über biefer gebietenb. 

2) Dial. V, 2 ib. II p. 268 sqq. 

3) De jurisdictione imperatoris io causis tnatrimonialibns 
ib. l p. 21 sqq. 3(^ fü^te befonbetd an p. 24. Si enim talera 
haberet (sc Rom. episcopus) plenitudinero potestatis, qualem 
sedem apostolicam occupantes sibi damnabiliter usurparont et 
quam plures adulatorie et errooee sibi tribuere moliuntur, omnes 
mortales essent servi summi poniificis secundum distributissimam 
acceptionem vocabiili servi, quod libertati evangelicae legis, 
quae ia scripturis divinis legilur sive scribitur, apeiiins ad- 
versatnr. 




»77 

}u feinem ZoH im % 1347 in @treit mit ben anma^^ 
li^en iBertretem ber geifUic^en ®maU, n^avenb feiner 
i^äx^tx atö et bie t^eologif^en ©ntnbfage (e^auptete, 
auf melcf^en iai geifUid^e Slnfe^it beruht 

Sßenn feine @$dften aber fir^enre^tlid^e fragen in 
bie ®ett)egungen feiner 3^t leb^a^ eingriffen, fo ift Med 
nU^t tveniger mit feinen @^riften fiber |)^i(ofo))]^ie unb 
£|ieoIcgie ber gad. 2)er f)>atem 3eit; fo lange fte ber 
$^i(ofo))|fie be« ÜRittelaUerö ni^t »£aig ftcf^ entfrembet 
l^otte, galten fte cAi bie )>ome]^m{ien Sej^rbfid^er für bie 
Sogif bed 9lominaIidmudt Hiti ift au^ no$ gegenwär^ 
tig ber ©eftc^tdpunft, mi ml^tm tt)ir fte in betrachten 
l^aben* 3|^r SBert^ für bie Sfieologie ift um ^itUi ge» 
ringer/ toie benn au^ feine t^eologif^en ©c^riften wt* 
niger SSerbreitung unb meißenS nur bur$ bie logif^ien 
gragen, toelc^e fte in i^re Unterfu^ungen t)er{Ie4iten, 
(Einfluß gen)onnen ffabem Da^er treten ^on j[e^t an bie 
logif^en ^agen wieber in ben SSorbergrunb, to&xtnb ber 
3n^att ber ^r^enlef^re fafl nur in fru^tlofen ©treit^ 
fä^en erörtert toaxi* Sine merfn^firbige fRüäU^x ber 
mittelalterli^ien $^iIofo)>^ie )u benfelben fünften; oon 
toeI(|en fte ausgegangen toar« jDicö giebt f^on bie erfte 
SInlage )u erfenneU; oon toeld^er Occam in feinen t^colo^ 
gif(^en Sefiren ausgebt. 93on ben Seiveifen, mld^t bie 
frflfiern ©^peme ber SC^eoIogie geführt j^atten, baß eö 
einer Offenbarung für unfer ^eil bebüvfe, ifi toentg bie 
9tebe; eS l^ängt mit ber ffe))tifd^en 9tt(i^tung ber nominal 
IifKf(^en Sogt! gufammen, baß man oorauSfc(jt, of)nc 
Offenbarung taffe ftc^ n^enig erfennen; pierju i^atte aud^ 
ia& Sefireben baS ®ebtet ber offenbarten äSal^rl^eit im« 

®ef(^. b. ^!^iL Vül. 37 



578 

mtt tt)eiter auejube^fnen gefuf^rt; bogegen tDtrt) mm wx 
QÜm SHngen unterfucf^t, in wtl^tx SSeife bie St^eologte 
aB eine bemon^atiioe SBtfftnfctiaft ftcf^ audiUbtn Ia{fe^3* 
Dccam'6 Se^e fibet bie menfcfilic^c Stfenntntf nuif 
baffer i^au)>tfä4^Iu^ unfete Sluftnerffamftit auf ftt^ st^en* 
Z)tt Siriflotelif^ Sogif folgenb ge^t er in i^i t>on cl> 
ntr 93erglei($ung bed 2)enf enö mit ber ©^racf^e au6, tnib 
biefe Serfa^rungömeife iji bei i(^m fo ^or^aft^enb, top 
er in ber Siegel au^ no^ bie @4^rift ber Serglric^tnig 
}ugefellt« iDenfen, @pra4)e unb ©c^rift btiben i^m ciae 
fiette ent|>re(i^enber 2:ffatigfetten , ti^ü^t bad @emcttt^ 
f(^aft(i4^e ^aUn, baß fte 3ei(^en t)on einonber ftnb« 
2)ad äSort ber @prac^ iß ein 3ei4^en bed ©ebonfen«, 
bie @$rift ein 3eid^en be^ äSorte«. Ohr faßt bied ®tß 
nteinf$aftK(|e, bem Soet^iu« folgenb, an^ unter btm 
iRamen ber Stebe auf, inbem er bie gefd^rie^e, bie ge^ 
f))ro(^ene unb bie nur im SBerfianbe t)o((iogene Stebe mt^ 
terfc^eibet ^3« Sn ber B\>xai^t loß ft$ nun bie Siebe in 
©ä^e, bie @ä^e lofen {t^ »lieber in SBorte auf, unb in 
ä^nltc^er Seife ^aben toix avL(fy bie ^emctfe ber SBiffen^ 

1) Son ben @($nftcn JOccam'd ftnb mir gut ^anb fein (^om« 
mentar ju ben ©enten^en unb fein centllogium theologlcum, 
Ibeibe Lugd. 1495 fol., ou^erbem feine summa totius logicae. 
Oxon. 1615. 8. ^iefe (ak i^ bei meinem %xtiUl über SBil^elni 
Ofcam in ber S>aU. dnc^tiop. 1830 nic^t benu^en fönnen. Oh* 
Blei(^ fte mei^rmat^ aufgelegt tporben if, fc^eint fte bO(( feiten ^n 
fein ; n^enigflend )>on ben @ef4i$tf((^reibern ber $(t(ofop(ie tft fie 
ni^t benu^t tt>orben. @ie ifl fpater gef((rfeben o(d fein (Stm* 
mentar ju ben ©entenjen , gum ?5orpjpriu0 unb gu ben ^räbica* 
raentcn. Log. II, 2. 

23 Log. 1, 1, Triplex est oratio, sc. scripta, prolata et 
couccpta taulum habeas esse in inleilectu. 



879 

fci^aft tn Vixt^tik, tte Urtffetle in Segrijfe au^ul^fen* 
S)te Sogif mu^ ba^er junäc^fl unterfud^ett; tt)ad bte SSorte 
ün @a^e uub ^te Segnffe im Urtf^eilt )u (ebeuten yaitn* 
S>ied ifl ber gemaffnlic^e SQ3eg ber Slnflotelifc^en Sogif, 
n)e(d^en Dccam aud^ tneijieQd in ber gett>d^nli4^en SBeife 
verfolgt 3lux feine Hfrtpeid^ungen ; fofern fte wn S3e^ 
beutung ftnb; tverben mir )u bemerfen ^aben ; ftebejtefien 
{td^ oUe auf feine nominalifiifd^e Se^re* 

3n ben !iBen>eifen fii^Iießen tptr )oom SUIgemeinen auf 
bad SSefonbere. 2)er Unterfd^ieb jn^ifd^en SlOgemeinem unb 
Sefonberm ifl baffer t^or allen 2>ingen ju unterfucf^en. 
3ln ber @))i$e {ie^t aber t>on t)ortt herein ber @ag, baß 
ein üebed Ding auf er ber @ee(e aU fold^ed ein befonbe« 
re^ 2)ing fei ^3. S)ie« n)ärbe felbft ia& SU(gemeine iref^ 
feu; xotnn ti außer ber Seele fein foQte; e^ »firbe ein^ 
ber 3a^( na4i, eine Sinf^eit für ft^ unb alfo ein <Sin^ 
jelne« ober Sefonbere* fein muffen % So nahmen alfo 
bie Slealiflen an , baß e6 außer ber Seele ein (Sinjelned 
gebe, mi^t€ )uglei$ SIKgemeined ober in t)ielen einjel^ 
nen SDingen fei, unb gegen btefe SBei^auptung tritt nun 
Dccam mit bem Sa^e auf, baß fein 2)ing atrfer ©ott, 
alfo (ein ®ef(!^a))f o^ne felbft sooebfelfAIttgt }tt tt^erben 
jtt QhKfyzx 3ett in »erf^iebenen ©Ingen fein Knne '), 

1) Ib. I, 15; in sent. I dist* II qu. 7 F. Omnis res posi- 
tiva extra anlmam eo ipso est singularis. 

2) Log. I, 14; 15; li, 2 p. 136; in sent. I dist. II qu..4 D. 

3) In sent. I dist. 11 qu. 4 D. Nulla una res numero non 
variata oec multlplicata est in pluribus suppositis vel siogulari- 
bus nee etiam quibuscunque individuis creaturis simul et semel. 
Sed talis res si poneretur, esset una numero, ergo uon esset 
in pluribus singularibus nee de essenlia illorum. Hoc 

37* 



p 



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Die 6te(fung Ui 6a$c« trägt auf eine Unterfc^eibttng 
giDtf^en ben ©egenflanben ber naturlt^en unb btr fibtr^ 
ttotfirlti^ (Bthmtni^ am SBa« für bte 2Hnge ber SBeft 
unmdgltd^ tfl , iai tfl ffir ©Ott inogltd^. Sbt^ bie 9e^ 
n>etfe Dccam'^ ffir feine 9e^au))tttng mi^m jum SQeii 
auf biefen |)unft ^in. SBenn bad allgemeine etwad aupec 
ber @eele »ore^ n^firbe e^ bon @ott ol^ne Snbit^ibnen 
gef^affen totxitn ffnnen; ed n^firben atebann bie 3nbi^ 
toibuen nUfyt ava bem 3lii^tö, fonbem ani bem SlOge^ 
meinen gef^Kifen n^erben ^). 9Kan fann an biefen ^fi^en 
bemerfen, baß ber @treit gegen bie SBa^ri^eit beö SOge^ 
meinen barauf l^inarbeitet bie SKImac^t ®^ttti \)on ben 
allgemeinen ®efe$en i^rer SBirffamfeit gu entbinbem jDo$ 
n>erben biefe unb einige anbere tf^eolcgif^ie ®ränbe nur 
nebenbei tocrgebrac^t unb geigen nur, mXifyt @^tDieng^ 
feiten ti für iai WtMalUx ^atte bie aQgemeinen ®runb^ 
fä^e ber SSBiffenfc^aft wn ben t^eoIogif(|en S^Ifl^nmgen 
abgulafeut (SUn baraud muß man ed erflären , baß 
Dccam mit einem n)eitläuftigen Sluf6au t)on SBeu>eifen 
ftcf» rüflet nm gu geigen ; baß tt>a^ für ben begriff ®oU 
M gilt, bo4^ auf bte SSeurtpeilung ber n^eltltci^en 2)tnge 
nic^t angen)enbet loerben burfe« 2)enn in ber Z^at lau^ 
fen biefe S3ett)eife auf fej^r einfädle S3orau^fe^ungen f^in^ 
aM, inbem fte nur bart^uU; baß man auf Sßiberfprä^e 
geführt merben mürbe, tt)enn man bad ungemeine in 
bemfetben @inn aU eind fe^en tooUtt, mie bie Sinii^u 



est proprium soIi divinae essentiae, quod sine omni divisione 
et muliiplicatione est in pluribus suppositis distinclis realiter. 
Log. I, 15. 
1) LI. II. 



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buen, unb baß bafier bte, n)eld^e bad^Ugemeiue aI4 etnö 
in realer SBebeutung festen; bie SlKgemeütf^ett be^fdl^en 
aufhieben »>firben; mil fit (e^ait))teten, bap ed nii^t t)tele 
:Z)tnge bezeichnete. S)erfelie ®runb nur in einer anbern 
gorm fefirt jurftd, wenn ber Cef^re t)Ott ber ^Realität ber 
aßgemeinen ©eßriffe vorgeworfen wirb, baß jte bie 3n^ 
bioibuen gu 2)tngen ma^te, we($e ani SHIgemein^eiten 
jufammengefe^t waren, fo baß fte toielme^r etwad Sttge^ 
meined ; alä etwa^ Sefonbered fein würben ^3. lüamxt 
^ängt ti an(fy {ufammen, baß er ben SRealißen ben ®runb# 
fa$ )oor^att/ manfoUe nt^t bur^ toiele £inge erHaren, 
toai bur($ wenige erf (ärt werben f f nne ; benn bie aUge^ 
meinen 2>inge erfd^einen ifim ald eine Servielfa^nng bed 
@ein^/ weit fte ben befonbern 2)ingen jugefe^t werben^. 
Uberfiaupt aber nimmt Dccam in feinen ©rönben feine 
9{ü(f|t(^t barauf, baß bie Segriffe ber (Sin^eit unb beif 
jDinge« nacfi t)erf(!^iebenen fSRa^m t)erf(|i^en gemeffen 
werben fonnen. dt f>t^M)fUt f^atöftarrig ben ©tanb))unft 
bed inbioibueUen @eind, auf wel^iem er fle^t; einen an^ 
bern @tanb)>mift toiU er nic^t anerfennem 

Unb benno^ ge^t bie SBiffenfd^aft ni^twx im in^ 
biDibueUen @tanb))un!t ber ^rfcm mi. Sie lel^rt t)on 
einem allgemein gültigen @tanb))itnfte IKIgemeined. 3)a^ 



1) ©ie »cweife finUn ftcj^ an l>en angeführten ©teCfen; fte 
ftnb au »eitfäufttg, aU Ui9 fie >ier au^außdweife mitgetjeia »er* 
ben UmUn. Slnx ben legten Sen>eid fü^re t(( ani Log. J, 15 

an : Tale universale non posset poni aliqukl reale extra easentiam 
individui et per consequens componitur individuura ex universa- 
libus et ita Individuum erit magis univeyiale quam singulare. 

2) In sent. I dist. II qu. 4 S. Sui]6ciunt singuläria et ita 
tales res universales omnino frustra pODViitur.^ . , 



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ytx iann an^ Occam ben ^auptgTunb ber 9{ea(t{)en tii^t 
uberfefim (&x fprt^t benfelben m bem @($(uffe au€f ba^ 
eine reale SBiffenf^aft toa^xtx Dinge, ml^t an^x ber @ee(e 
ftnb, fein muffe, bap aber feine Sßiffenfcliaft iund(|ft t^on be« 
fonbern 2)ingen fei unb baf e^ alfo anbere ai€ befonbere 
S>{nge außer ber @eele geben mfiffe* S)en Unterfa$ bie^ 
fed ©d^IuffeiS fä^rt er no4i befonberd baburd^ aui, baß 
er an bie ®a^e erinnert, tt)el(^e im ^rabicate ha€ SBefen 
eined S)in8ed audbrucfen ober an bie {Begriff^erflärun^ 
gen 0« Um btefen ®runb ju entfraften jie^t er ftd^ ge^ 
nht^i^t eine neue S:^eorie über bie allgemeinen @ä(e 
aufjufledem 

®ie fc^Iießt ft^ an ©ebanfen an, mli^t f^on bnr$ 
bie frühem Unterfud[iungen angeregt n)orben n^arem @$on 
Z)unä @cotu« ^atte bie 9li(|itung bed @rfennend auf ba6 
SBefonbere fe^r tntf(i^ieben ^ert)orge{^obem S)ie )>raftif4ie 
Sebeutung, ml^t man ber S:^eo(ogie beilegte, inbem ffe 
ba^ ^eit ber ©injelnen betreiben foßte, ^atte f^ierju ben 
S93eg gezeigt, auf meinem n^ir aud^ ben 9Q3iIf)eIm S)uranb 
gefunben l^aben. S)iefer 9ii(|tung fc^Iiept Occam ftd^ an, 
inbem er erflärt, baß bie reale SBiffenf^aft nid^t t)om 
Slllgemeinen fei, fonbern nur »om Sefonbern^^ ©ie 

1) Ib. I dist. 11 qu. 4 C. Scientia realis est de veris rebus 
extra animam, quia per hoc distinguitur scientia realis a scien- 
tia rationaii. Sed nuUa scientia est primo de rebus singulari- 
bus. Ergo sunt ailquae res extra animam praeter res singula- 
res. Ib. D. Talis res (sc. universalis) non esset ponenda nisi 
ad salvandum talem praedicationem essentialem unius de altero 
vel ad salvandam scientiam de rebus et definitiones rerum, 
quas omnes innuunt arguentes pro opinione Piatonis. 

2) Ib. O. Scientia realis est. de rebus, sed non de rebus 



* 

fiat ferne axCbtxt ^iftc^t al^ bie S)tnge un^ fennen ju 
leisten, )t)e(d^e ftnb, b. |f. bte etnjelnen ^Dinge, bte 3n^ 
bttoibuen, n^el^e aMn @u(f}an}en im eigentltc^en @inne 
be^ Sorten na(|f bem Slrifloteleä genannt tt)erben mfif^ 
fen^ SQienn bafier adgemeine SBegrife t)on ber SDiiffen^ 
fd^aft gebrandet n^erben, fo foUen fte nur baju btenen bte 
yicsbxx ber efnjelnen S)tnge ju erflaren, audjubrßden ober 
iu ^jet^nen ^)^ SJon btefem fünfte au« »trb ober Oc^ 
cam al^klb toetter getriebem Sßte fann ein 2){ng bur(|^ 
etn)ad; tt)aä fein Ibixi^ x^, ein Steale« bur^ ein yi\i)U 
^eated erflärt ober au^gebrfitft toerben? S)a^, toa« et- 
xoa^ auöbrüden foQ^ fci^eint eine ^^nti^feit mit bem, 
xoat baburcl au^gebrädt koerben fod, ^^nlzn gu nififfen. 
SSRan t)erfangt ba^er aud^, ber ©ebanfe foll ber ®ad^e 
Äl^nlid^ fein 2), SQBie fann ober ein SJi^t ^ 3leale« , nur 
in ber @ee(e SSeftefienbeJ tim S^nli^feit mit bem 9tea^ 
(en, au|er ber @eele SBor^anbenen ^oben? Um biefe 
grage ju beantworten toirb ber @a$ be« ^Irißoteleö on^ 
geft>annt, baß nic^t ber ©tein, fonbern nur feine gorm 
in ber ©eele fei* Sluc^ j^ierin waren bem Dccom feine 
Jßorgänger, ©un« ©cotuö unb SBBil|ie(m Suronb, t>oraui5* 
gegangen« S3enn ober ^un« @cotu« feinen Steoli^mu« 
bomit ^Mi t)ereinigen fJnnen, fnbem er in ber ^ropor* 



universalibus. — — Sed scientia isto modo est de rebus sin- 
guUribus. 

1) Log. I, 17. Universale esprimit vel explicat esscniiani 
stibslantiae. — — Talia universalia declarant, exprimunl, ex- 
plicant, important et signüicant substantias rerum. 

2) Conceplus, intentio animae, similitudo rei tVCttett gldc))« 

betcutenb gebvau4)t. Log; I, 12. 



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tion ober fortitalen Ufrereinfiimmung iü ®ebanfend mit 
ber ®a($e. bai SBefen ber @a(|e bargefteOt \a^, fo grif 
Dccam e(eu biefen @a$ bed jDun^ @cotud an, ba^ ber 
allgemetne Segrtff in ben Din^m auper ber @eele toa^x^ 
f^aft t)or^anben fet, t)erf^ieben )oon ben SDingen, n)enn 
au^ nic^t in realer , bo^ in formaler SBeife ^). %t($ in 
biefem Streite ift ed tt)ieber ein ^avaptpuntt, baß bie tt)ett^ 
liefen 2>inge nic^t nac^ benfelfren ©runbfä^en (eurti^eilt 
tperben bfirften, tt)ie ®ott^ 9lur bei biefem fei ti tt^ 
lauit anjune^men, baß er oigleid^ %xn jDing, bot^ ju^ 
8lei(|i öieled fei ^j, 5flo^ öiel fd^arfer aW 85}«^elm »u^ 
ranb pe(t Dccam bie SSerf^iebenfieit bed S)enfen^ unb 
bed toon x^vx bezeichneten @ein^ ^er)^or* @uiflan) unb 
Sccibend, meint er, i^aben ni^t^ gemein mit einanber; 
außer ber Seele aber iß ni^t^ außer einjelnen jDingen 
ober @u(flan)en; ber ©ebanfe bagegen ifl nur m S(cct« 
ben6 in ber @eeTe; er fann baffer au^ feiner @a$e 
gleichen, toeld^e außer ber ©eele ip^)» 9io^ einen an< 
bem $unft jie^t er jum Seweife für bcnfelben ©a^ ^r* 



i) Ib. ly 16; in sent. I dist. 11 qu. 6. X)te @cotißen (eifen 
ballet gotmaliflen« !Oie iRomtnatif^en mürben bagegen S:ermtni« 
flen genannt, o^A \aiim fte e^ nur mit ben terminis ber @ä(e 
^u t$un. 

2) Log. ly 16 p. 33; 11» 2 p. 157. In creaturis impossibi